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Die Pluralbildung im Deutschen: Eine Untersuchung an Hand der Optimalitätstheorie

"German Noun Plural reconsidered" von Dieter Wunderlich

Hausarbeit 2008 21 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Plural im Deutschen
2.1 Bildung Allgemein (DUDEN)
2.2 Systematisierung nach WEGENER
2.3 Zwischenfazit

3. Die Optimalitätstheorie
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Ein nicht-linguistisches Beispiel
3.3 A constraint-based analysis von DIETER WUNDERLICH
3.3.1 Die einzelnen Beschränkungen
3.3.2 Hierarchie für die deutsche Pluralbildung
3.3.3 Anwendung der Optimalitätstheorie von WUNDERLICH
3.3.4 Versuch, durch neues Ranking Probleme zu lösen
3.4 Zwischenfazit: Kritik an WUNDERLICHS constraint-based analysis

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„Die Pluralbildung im Deutschen ist nicht chaotisch, aber komplex. Unabhängig davon, ob man für die Pluralbildung Regeln, Schemata oder die Wortstruktur als Erklärungsmodell benutzt, bleibt die Tatsache einer beachtlichen Zahl miteinander konkurrierender Formen zu erklären.“

(WEGENER 1999: 1)

Das deutsche Pluralsystem ist nach morphologischen und silbenphonologischen Beschrän-kungen aufgebaut. Somit lässt es sich an Hand eines Systems beschreiben, das Optimali-tätstheorie genannt wird. Die Optimalitätstheorie nimmt an, dass Wortformen universalen Beschränkungen unterliegen, welche prinzipiell verletzbar und untereinander hierarchisiert sind. Ziel dieser Arbeit soll es sein, diese Beschränkungen zu erläutern und auf eventuelle Erklärungslücken der Optimalitätstheorie hinsichtlich der deutschen Pluralformen hinzu-weisen. So kann man mit dieser Theorie zwar beispielsweise zwischen n-Plural und Um­laut problemlos unterscheiden, allerdings ergeben sich Schwierigkeiten bei der Wahl des für die deutsche Sprache relativ jungen s-Plurals, worauf ich ab Kapitel 3.3 näher eingehen werde.

Zunächst erläutere ich jedoch allgemeintheoretisch die Pluralbildung des Deutschen. Im Anschluss daran definiere ich im dritten Kapitel die Optimalitätstheorie sowie die für die Pluralbildung relevanten Beschränkungen, um mit diesem Wissen das Zusammenwirken an einigen Beispielen zeigen zu können. Als Grundlage dazu dient das 1999 veröffentlichte Manuskript German Noun Plural Reconsidered von DIETER WUNDERLICH. Schließlich versuche ich, vorhandene Zweideutigkeiten bei der Pluralwahl mit Hilfe einer neuen Hie-rarchisierung der Beschränkungen einzudämmen. Eine kritische Bewertung dieser Theorie wird den Abschluss der Arbeit bilden.

2. Der Plural im Deutschen

2.1 Bildung Allgemein

Der deutsche Plural wird im Allgemeinen mit den Endungen -e, -s, -(e)n, -er oder mit ei-nem Umlaut gebildet. Bereits der Sprach- und Literaturwissenschaftler JACOB LUDWIG KARL GRIMM (1819) stellte fest, dass die Pluralbildung im Allgemeinen vom Genus des Wortes abhängig ist und meist Maskulina die Endung -e, Neutra die Endung -er und Femi-nina die Endung -(e)n erhalten. Die Distribution der einzelnen Allomorphe ist aber mor-phologisch bedingt, d.h. es kann keine allgemeingültige Regel angegeben werden, mit der man von dem Aussehen des Singulars auf den Plural schließen könnte. Nur die Wahl zwi-schen -n und -en ist phonetisch bedingt.1

Im Folgenden werden die Regeln für die Endungen und die Umlaute laut DUDEN (GALL-MANN 2007) genannt: Für Plural-Endungen wurden Grund- und Zusatzregeln aufgestellt sowie Sonderfälle berücksichtigt. Die drei Grundregeln sind:

G1 Maskulina und Neutra werden mit der Endung -e gebildet oder sind endungslos (Regel G3). Bsp.: der Hund – die Hunde

G2 Feminina werden mit der Endung -en oder -n gebildet (Regel G3). Bsp.: die Frist – die Fristen

G3 (e-Tilgungsregel) Keine Endung (bei Maskulina und Neutra) oder statt -en

ein -n (bei Feminina) tritt bei Substantiven auf, die auf unbetontes -el, -en oder -er enden. Bsp.: Regel 1 & 3= der Stapel – die Stapel; Bsp.: Regel 2 & 3= die Gabel – die Gabeln

Die drei Zusatzregeln sind Folgende:

Z1 Ein en-Plural wird bei Substantiven verwendet, die auf -e ausgehen. Bsp.: der Zeuge – die Zeugen

Z2 Der s-Plural wird bei Substantiven gebraucht, die auf einen unbetonten Voll-vokal enden. Bsp.: das Auto – die Autos

Z3 Der s-Plural tritt auch bei Fremdwörtern auf, die auf einen betonten Vollvokal enden. Bsp.: das Büro – die Büros

Neben diesen Regeln werden im Duden fünf Sonderfälle berücksichtigt:

S1 Die Feminina mit e-Plural. Bsp. . die Hand – die Hände

S2 Die Maskulina und Neutra mit n-Plural. Bsp. . der Staat – die Staaten

S3 Fremdwörter mit en-Plural und Änderung des Wortausgangs. Bsp. . das Album – die Alben

S4 Substantive mit konsonantischem Ausgang und s-Plural. Bsp. . das Hotel – die Hotels

S5 Die Maskulina und Neutra mit er-Plural. Bsp. . der Wurm – die Würmer Für die Umlaute gelten weitere fünf Regeln. Diese sind

U1 Einen Umlaut erhalten Feminina mit e-Plural. Bsp. . die Wand – die Wände

U2 Einen Umlaut erhalten Substantive mit er-Plural. Bsp. . das Fass – die Fässer

U3 Neutra mit e-Plural oder endungslos haben NIE Umlaut. (Bsp. . das Boot – die Boote)

U4 Substantive mit s-Plural und -en/-n erhalten NIE Umlaut. (Bsp. . die Tasche – die Taschen)

U5 Maskulina des Typs G1 bzw. G1/3 haben ca. 50% Umlaut. (Bsp. . der Garten – die Gärten vs. der Balken – die Balken)

Der s-Plural ist historisch eigentlich untypisch und für die deutsche Sprache relativ jung. Heute wird die s-Endung als Standard zur Plural-Bildung angesehen. Sie kann als „eine Art Behelfspluralform angesehen werden, [die] bei (noch) nicht lexikalisierten Elementen wie Zitatnominalisierungen, Buchstaben oder frisch eingeführten Fremdwörtern (auch aus Sprachen, die keinen s-Plural kennen) auftritt.“ (GALLMANN 2008, 7). Der s-Plural wird demnach immer dann verwendet, wenn keine andere Möglichkeit vorhanden ist. Dies kann unteranderem die fehlende Analogie zu anderen Pluralformen sein, wie z. B. bei Akrony-men (die CD s, die GmbH s, die Akku s) und bei vielen Abkürzungen, die unverändert blei-ben, jedoch durch ein „s“ verlängert werden (die LKWs, die KWs).

2.2 Systematisierung nach WEGENER

Die Linguistin HEIDE WEGENER nimmt an, dass es für jede Flexionsklasse (FK) eine vor-hersagbare reguläre Pluralbildung gibt. Sie vereinfacht das komplexe Pluralsystem, indem sie sich darum bemüht, „den Zugriff auf die deutsche Nominalflexion aus einer neuen Perspektive heraus [zu eröffnen]: aus der Lernerperspektive.“ (FREY 2002: 22). Sie geht von insgesamt neun Pluralklassen aus: -(e)n für die Feminina und die schwachen Maskuli-na (die Feminina bilden ihren Plural zu 96,6 % auf -(e)n, die schwachen Maskulina zu 100 %) sowie -(e) für die starken Maskulina und Neutra (zu 70 %). Darüber hinaus gibt es je-weils konkurrierende Formen in Nebenklassen. Daraus ergeben sich drei Pluralformen für die Feminina, eine für die schwachen Maskulina und fünf für die starken Maskulina und Neutra (WEGENER 1999: 8). Die folgende Übersicht stellt dies noch einmal grafisch dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abb. aus WEGENER 1999: 8)

2.3 Zwischenfazit

An Hand dieser Abbildung und aus den Regeln laut Duden wird deutlich, dass sich nicht eindeutig feststellen lässt, welche Flexionsklasse welche Endung verlangt. Gerade die Ausnahmen und Nebenklassen sind das Schwierige an der komplexen deutschen Pluralsys-tematik. Auch die von WEGENER ermittelten Vereinfachungen schaffen keine wirkliche Erleichterung. Ein neues System, das auf einer einfachen Art und Weise ermöglicht, den optimalen Pluralkandidaten heraus zu finden, wäre die perfekte Lösung. Die Optimalitäts-theorie scheint in diesem Zusammenhang die erfolgversprechendste Methode zu sein und soll Grundlage der folgenden Kapitel sein.

[...]


1 Vgl. www.germazope.uni-trier.de; Stand: 14.05.2008.

Details

Seiten
21
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640439065
ISBN (Buch)
9783640439096
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v135874
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Germanistische Sprachwissenschaft, Theoretische Linguistik
Note
1,0
Schlagworte
Plural Pluralbildung Optimalitätstheorie Sprachwissenschaft Wunderlich Wegener

Autor

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