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Evolutionäre Medienpsychologie: Die Evolution der Emotionen im Zusammenhang mit medialer Unterhaltung als emotionales Planspiel

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 21 Seiten

Psychologie - Medienpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Teil I – Evolution der Emotionen

1 Einleitung

2 Emotionen - Begriffsabgrenzung und Definition
2.1 Emotionsforschung und Emotionstheorien im Überblick
2.2 Die Funktion spezifischer (Basis-) Emotionen
2.3 Nature vs. Nurture der Emotionen – Biologische und kulturelle Aspekte

3 Fazit

Teil II – Evolutionäre Medienpsychologie

4 Emotionen und Medien – kognitive und emotionale Werkzeuge
4.1 Evolutionäre Medienpsychologie – Gegenstandsbereiche und Nutzungsbedürfnisse
4.2 Entertainment is Emotion – Positive Emotionalität medialer Unterhaltung
4.3 Unterhaltungsrezeption als „Emotionales Planspiel“

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis.

Teil I – Evolution der Emotionen

1 Einleitung

„Moderne Medien vor Augen, aber Steinzeit im Kopf?“

(Grau, 2008, S. 59)

Evolutionspsychologen sagen, dass unser Gehirn dafür da ist, spezifische Probleme zu lösen, die unsere frühen Vorfahren bewältigen mussten und dadurch einen Selektionsvorteil in der Phylogenese erreichten. Wenn dem so sei, dann dürften Emotionen, neben kognitiven Mechanismen, auch einen adaptiven Wert haben und das Produkt natürlicher Selektion sein. Diese Ansicht vertrat schon Darwin (1872), als er emotionale Ausdrücke zwischen und innerhalb verschiedener Kulturen verglich. Ein Jahrhundert lang wurde dies entweder unbeachtet gelassen oder ignoriert. Zumindest akzeptieren heutzutage die meisten Psychologen einige der Basisemotionen (Überraschung, Freude, Traurigkeit, Ekel, Furcht, Wut) als universale Mechanismen, sprich als kulturübergreifend beobachtbar, erlebbar und produzierbar (vgl. Heckhausen, 2006). Dieser Schluss führt jedoch zu neuen Fragen. Wenn einige (Basis-) Emotionen universal sind, dann sind sie adaptiv. Wie aber kann ein bestimmter Gesichtsausdruck dem Überleben oder dem Reproduktionserfolg dienlich sein? Was genau definiert eine Emotion? Welche Funktionen haben demnach subjektives Erleben, externale Produktion bzw. Expression und die Erkennung von Emotionen? Warum haben wir Emotionen? Welche Möglichkeiten der Beschreibung, Erklärung, Vorhersage und Messung von Emotionen gibt es?

Evolutionspsychologische Ansätze beziehen verschiedene Ebenen beim Versuch einer Erklärung mit ein, die nicht nur physiologische, psychologische (proximate Erklärungen) und ontogenetische Vorgänge beschreiben, sondern auch warum Emotionen in der Evolution entstehen konnten, welche biologische Funktion sie hatten und haben und welche Funktionen spezifische Gesichtsausdrücke haben, die mit emotionalen Reaktionen einhergehen (ultimate Erklärungen). In der vorliegenden Arbeit werden folgende evolutionspsychologische Themenbereiche in den Blickwinkel gerückt: Der erste Teil der Arbeit geht auf die Evolution der Emotionen ein und versucht eine definitorische Erklärung von Emotionen und deren Abgrenzung zu anderen Konstrukten, wie Gefühlen, Stimmungen, Instinkten und Reflexen, zu geben (siehe Kapitel 2). Eine Zusammenfassung der bestehenden Emotionsforschung und damit einhergehende emotionstheoretische Ansätze soll in Kapitel 2.1 der unterschiedlichen Betrachtungsweisen von Emotionen gegeben werden (siehe Kapitel 2.1). Die Funktionalität von spezifischen Emotionen und die Frage, ob Emotionen biologisch und/oder kulturell/sozial gefärbt sind, werden in Kapitel 2.2 und 2.3 näher betrachtet.

Der zweite Teil der Arbeit versucht eine evolutionspsychologische Verbindung zwischen Emotionen und medialer Unterhaltungsrezeption herzustellen. Heutzutage haben Medien einen festen und notwendigen Platz im Alltag und in unserer Umwelt gefunden und werden als kognitive und emotionale Werkzeuge, mehr oder weniger bewusst, verwendet und genutzt (vgl. Schwan & Hesse, 2004; Schwab, in Druck). In der Medienpsychologie werden verschiedene Gegenstandsbereiche (u. a. Auswahl, Nutzung, Wirkung) und Nutzungsbedürfnisse (u. a. Information, Unterhaltung, Interaktion) der Rezipienten im Umgang mit Medien betrachtet (siehe Kapitel 4.1) (vgl. Aelker, 2008). Mediale Unterhaltung wird als ein Rezeptionsphänomen in Kapitel 4.2 beschrieben und die Evolutionspsychologie fragt nach der Funktion von Unterhaltung. Obwohl bewegte Bilder (Filme) gerade ein knapp 100 Jahre altes Medium sind (vgl. Schwender, 2006, S. 3), kommt die Frage im evolutionären Kontext auf, ob Unterhaltungsrezeption eine Anpassung oder ein Nebenprodukt der Evolution ist? Warum beschäftigen sich Menschen mit unterhaltsamen Themen und verbringen viel Zeit damit, sich unterhalten zu lassen. Die bestehende Unterhaltungsforschung und die damit einhergehenden theoretischen Erklärungsansätze (Medienpsychologische Emotions- und Unterhaltungstheorien) sollen überblicksartig dargestellt werden. Ein möglicher Erklärungsansatz (siehe Kapitel 4.3) der evolutionären Medienpsychologie versteht Unterhaltungsrezeption als „Emotionale Planspiele“ (vgl. Schwab, in Druck). Dieser Ansatz wird im Anschluss näher erörtert und der Frage unterzogen, ob dieser möglicherweise einen biologisch funktionalen Zweck von Unterhaltung und damit einen Fitnessvorteil, aus evolutionspsychologischer Sicht, erklären könnte.

2 Emotionen - Begriffsabgrenzung und Definition

Losschimpfen, weinen, vor Angst zittern, sich riesig freuen - die großen Gefühle kennt jeder. Nur die Wissenschaft Psychologie kannte sie Jahrzehnte lang nicht. In der Forschung war das Fühlen lange Zeit kein Thema (vgl. Geuter, Podcast, 2008). Und doch hat sie bereits eine sehr lange Tradition hinter sich. Der Behaviorismus beherrschte zwischen ca. 1920 und 1960 die wissenschaftliche Landschaft. Reine Reiz-Reaktions-Ketten waren Gegenstand der Untersuchung dieser Strömung (u. a. bei Watson und Skinner) und schlossen Emotionen regelrecht als eine mögliche Begründung für Verhalten aus (Schwender, 2006, S. 24). In der Zeit davor waren Emotionen durchaus ein Thema und verschiedene Wissenschaftler wie z. B. Darwin, James und Wundt brachten seit dem Ende des 19. Jahrhunderts verschiedene Theorien zu Emotionen hervor (siehe Kapitel 2.1). Mit der „kognitiven Wende“ bis ca. Mitte der 60er Jahre wurden Emotionen erneut als Thema entfacht und das Interesse an Beschreibung, Erklärung und Vorhersage psychischer Zustandsänderungen aufgrund von emotionalen Mechanismen wuchs bis heute stetig an (vgl. Faullant, 2007, S. 37). Heute ist die Emotionspsychologie ein breit gefächertes Gebiet der Psychologie und bietet viele verschiedene Theorien über Emotionen an, doch gibt es bisher keine klare Antwort darauf, was Emotionen genau sind. Begriffsdefinitionen gibt es so viele wie Emotionsforscher augrund der unzähligen unterschiedlichen theoretischen Zugänge zu dem Thema. Kleinginna und Kleinginna haben 1981 92 Definitionen für den Begriff Emotion aus der emotionspsychologischen Literatur gesammelt und konnten keine einheitliche Erklärung entwickeln (vgl. Kleinginna et al., 1981, S. 345).

In der Literatur finden sich u. a. folgende Aussagen, was eine Emotion alles ist: Eine Emotion ist ein intersubjektiv beobachtbares Reaktionsmuster, das durch bestimmte Umweltgegebenheiten verlässlich ausgelöst wird (Watson); ein Erlebenszustand körperlicher Reaktionen, der auf die Wahrnehmung eines erregenden Reizes erfolgt (James), der aus bestimmten Bewertungen resultiert und dem bestimmte Handlungen nachfolgen (Weiner). Eine Emotion ist ein Syndrom aus verschiedenen Komponenten: aus einem Erlebenszustand, Kognitionen, physiologische Reaktionen, Handlungsimpulse und beobachtbares Verhalten (Plutchik). Emotionen sind bestimmte neurophysiologische Reaktionen (LeDoux), werden sozial ausgehandelt und sind soziale Konstruktionen (Gergen). Je nach Betrachtungsweise werden unterschiedliche Aspekte von Emotionen betont. Diese werden in Kapitel 2.1 deutlicher hervorgehoben und anhand verschiedener Emotionstheorien erläutert.

Wichtig für Emotionspsychologen ist die Abgrenzung von Emotionen von anderen theoretischen Konstrukten wie Gefühlen, Stimmungen, Instinkten und Reflexen. Um Emotionen von anderen theoretischen Konstrukten abgrenzen zu können, schlagen Meyer, Reisenzein und Schützwohl (2001) eine Arbeitsdefinition vor. Diese besagt, dass Emotionen zeitlich datierte, konkrete, einzelne Vorkommnisse (z. B. Freude, Wut, Angst, Ekel, Überraschung) von aktuellen, objektgerichteten, psychischen Zuständen einer bestimmten Qualität, Intensität und Dauer sind, die in der Regel drei Aspekte besitzen: einen Erlebensaspekt (subjektives Empfinden einer Emotion), den physiologischen Aspekt (biologische und körperliche Veränderungen) und den Verhaltensaspekt (Mimik, Gestik, Handlungstendenzen) (vgl. Meyer et al., 2001, S. 24). „Gefühle“ hingegen sind die privaten und mentalen Erfahrungen von Emotionen, die nach innen gerichtet sind. Die subjektive Wahrnehmung oder Interpretation von Ereignissen und die Fähigkeit zur Selbstreflexion werden betont. „Stimmungen“ sind im Gegensatz zu Emotionen eher mittel- und langfristige Veränderungen. Es folgen keine Reaktionen auf unmittelbare oder spezifische Reize. Stimmungen sind von geringerer Intensität, von längerer Dauer und sind nicht durch Objektgerichtetheit bestimmt (vgl. Meyer et al., 2001, S. 24-26). „Instinkte“ sind weitgehend festgelegte Verhaltenssequenzen, die angeboren oder durch Vererbung mitbestimmt sind und durch Schlüsselreize ausgelöst werden können. „Reflexe“ hingegen sind automatische, unkonditionierte Verhaltensweisen, die durch spezifische internale oder externale Stimuli ausgelöst werden können. In der emotionspsychologischen Forschung hat sich eine Vielzahl unterschiedlicher Modelle zur Erklärung von Emotionen herausgebildet. Nachfolgend werden verschiedene Ansätze überblicksartig betrachtet (vgl. auch Meyer et al., 2001, S. 44).

2.1 Emotionsforschung und Emotionstheorien im Überblick

Emotionstheorien sind Ansätze zur Erklärung, was Emotionen sind, wodurch sie verursacht werden und wie sie sich auf das Verhalten von Lebewesen auswirken. In der Landschaft der psychologischen Forschung haben sich verschiedene Arten der Kategorisierung bzw. Klassifikation von Emotionen bewährt. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Einordnung der hier genannten Theorien der Systematik von Meyer et al. (2001) folgt und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, sondern nur der Orientierung dienen soll. So finden sich in der Literatur:

a) dimensionale Klassifikationen von Emotionen (Ausprägung auf bestimmten Dimensionen),
b) kategoriale Klassifikationen von Emotionen (Mischung aus bestimmten Basisemotionen),
c) Klassifikationen anhand der Annahmen über die Natur von Emotionen bzw. anhand zentraler Fragestellungen:

1. Lernpsychologische Emotionstheorien (gelernte, konditionierte Reiz-Reaktionsmuster, z. B. Watson (1919), Skinner, Pawlow (1927)),
2. Evolutionspsychologische Emotionstheorien (Phylogenetische Erklärungen und die Funktion von Emotionen, z. B. Darwin (1872), McDougall (1908/1960), Ekman (1972)),
3. Kognitiv-physiologische Emotionstheorien (körperliche Veränderungen und die Bewertung der Ereignisse oder Situationen, z. B. James-Lange (1884), Schachter und Singer (1962)),
4. Kognitive Emotionstheorien (Wahrnehmung, kognitive Bewertung, Interpretation von Ereignissen oder Reizen, Aktion, z. B. Arnold (1060), Lazarus (1991), Scherer (1982)) und
5. Neuro- und psychophysiologische Emotionstheorien (biologisch involvierte Hirnstrukturen, z. B. LeDoux (1996/2001), Damasio (2004))

Aus inhaltlichen Gründen werden hier exemplarisch nur evolutionspsychologische Emotionstheorien näher betrachtet. Vertreter dieser Ansätze nehmen an, dass Emotionen ererbte, adaptive Mechanismen (Verhaltensmuster) sind, die sich deshalb entwickelt haben, weil sie dem Individuum helfen spezifische Anpassungsprobleme zu lösen (z. B. Nahrungsbeschaffung, Partnergewinn), die der Reproduktion (Genweitergabe) und dem Überleben dienlich sind und somit einen Fitnessvorteil darstellen (vgl. Schweizer & Klein, 2008, S. 151; vgl. Schwab, 2007). Meyer et al. (1997) äußern dazu, dass evolutive Veränderungen aufgrund natürlicher Selektion langsam vor sich gehen und die angeborene psychische Ausstattung des heutigen Menschen mit der des Pleistozän-Menschen gleichgesetzt wird (Jäger & Sammler). Diese evolvierten adaptiven Mechanismen sind demnach Anpassungen an frühe Umwelten (EEA - Environment of Evolutionary Adaptedness) und können in der heutigen Zeit durchaus auch Fehlanpassungen (Mismatch) erklären. Alexander Grau (2008, S. 59) meinte passend dazu, dass wir heute eine moderne, sich schnell ändernde soziale Umwelt vor Augen haben, aber „Steinzeit im Kopf“. Diese Metaprogramme sind informationsverarbeitende Strukturen, die bei einer spezifischen Eingangsinformation (z. B. geeignete Geschlechtspartner finden) einen Output ausgeben, der physiologische Vorgänge reguliert oder beobachtbare zweckmäßige Handlungen erzeugt und somit spezifische Probleme löst. Eine Emotion gibt einer oder wenigen Handlungen Vorrang (Dringlichkeit, unwillkürlich). Dadurch unterbinden sie andere mentale Prozesse oder konkurrieren mit ihnen.

An dieser Stelle sollen exemplarisch zwei Vertreter evolutionspsychologischer Emotionstheorien genannt werden. Charles Darwin und Paul Ekman vertreten die Ansicht, dass universale Basisemotionen mit spezifischen Zügen in der Gesichtsmimik einhergehen und als Ausdruck erkennbar und produzierbar sind. Verschiedene Basisemotionen werden von allen Vertretern der Spezies Mensch verstanden, beobachtet und produziert (vgl. Faullant, 2007, S. 49). Schon Darwin (1872) hat durch verschiedene Forschungsmethoden versucht, die Universalität von Basisemotionen im Auftreten (am Ausdruck erkennbar), im Beurteilen emotionsspezifischer Ausdrücke und im Produzieren und Erkennen von emotionsspezifischer Gesichtsmimik, über alle Kulturen hinweg, zu untermauern (vgl. Heckhausen, 2006, S. 61). Er äußerte, dass es eine begrenzte Anzahl von Basis- oder Primäremotionen gibt, die bei allen Menschen und auch bei stammesgeschichtlich verwandten Tierarten (von niederen Säugern, über infrahumane Primaten) in ähnlicher Form auftreten (vgl. Faullant, 2007, S. 46).

Die sechs Forschungsmethoden Darwins (1872):

1. Intrakulturelle Beurteilungen des Emotionsausdrucks
2. Interkultureller Vergleich des Emotionsausdrucks
3. Beobachtung des Emotionsausdrucks von Kindern
4. Vergleich des Emotionsausdrucks bei Mensch und Tier
5. Beobachtung des Emotionsausdrucks von Blindgeborenen
6. Beobachtung des Emotionsausdrucks von Geisteskranken

Aufgrund der verschiedenen Untersuchungsmethoden unterschied Darwin 8 Basisemotionen: Freude, Ärger/Wut, Interesse, Ekel, Überraschung, Traurigkeit, Angst und Scham. Die Tabelle der Grundemotionen nach Scherer (vgl. Heckhausen, 2006, S. 61-63) gibt einen Überblick, welche Emotionen ebenfalls Beachtung als Basisemotionen bei anderen Forschern, neben Darwin, finden. Die Basis für viele Theoretiker war Darwins Universalitätshypothese des emotionsspezifischen Ausdrucks und Ausdrucksverstehen und die Kopplung zwischen der Emotion und ihrem Ausdruck. Tomkins, Ekman, Izard und Plutchik gehören zu den wichtigsten modernen Evolutionstheoretikern (vgl. auch Faullant, 2007, S. 49):

(in: Heckhausen & Heckhausen, 2006. Kap. 3.4., S. 63)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Grundemotionen

Allerdings hat auch Darwins Universalitätshypothese viel Kritik bekommen, was vor allem auf methodische Mängel seiner Untersuchungen (Stichprobenauswahl, Materialien) zurückzuführen ist (vgl. Faullant, 2007, S. 48).

Paul Ekman und Wallace V. Friesen (1971) widmeten ebenso den Emotionen ihr Forscherleben. Sie beschäftigten sich mit dem mimischen Gesichtsausdruck der Menschen und entwickelten in den 1970ern ein Verfahren, welches möglichst genau und objektiv Emotionen messen sollte: das Facial Action Coding System (FACS) (vgl. Ekman, 1999). Das Problem solcher Beobachtungssysteme liegt allgemein darin, dass nur das beobachtet werden kann, was vorher als relevant definiert wurde. Da der Gesichtsausdruck sich auf sehr unterschiedliche Weise verändern kann, mussten die Forscher überlegen, welche Veränderungen (Mikroexpressionen) sie gezielt beobachten wollten. Nur so ist eine hinreichende Intersubjektivität der Daten zu gewährleisten. Ekman und Friesen kamen auf 44 „Action Units“ der Beschreibung, d. h. Beobachter müssen auf 44 mögliche Veränderungen im Gesicht des Probanden achten und diese notieren und später interpretieren. Nicht nur auf die typisch „emotionalen“ Reaktionen (z. B. Zusammenziehen der Augenbrauen für Ärger) wird geachtet, sondern es werden auch alle anderen Veränderungen im Gesicht registriert. Diese Ausführlichkeit hat auch Nachteile. Ein Training von ca. 100 Stunden muss absolviert werden, um später zuverlässig kodieren zu können. Im Vergleich zu anderen Verfahren ist die Beobachter-Objektivität relativ gut. Auch wenn dieses Verfahren Kritik erfahren hat, wird es heute weit verbreitet angewandt und sogar in einer amerikanischen TV Serie „Lie To Me“[1] thematisiert.

[...]


[1] http://www.fox.com/lietome/: „Based on the real-life scientific discoveries of Paul Ekman, the series follows Lightman and his team of deception experts as they assist law

enforcement and government agencies to expose the truth behind the lies.“

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640444090
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v135790
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes – Arbeitseinheit: Organisations- und Medienpsychologie
Note
1,3
Schlagworte
Evolutionäre Medienpsychologie Evolution Emotion Evolutionspsychologie Unterhaltung Darwin Ekman FACS Planspiel emotionales Planspiel Unterhaltungsrezeption

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