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Sind Partnerschaften evaluierbar? Konzeptualisierung und Messung des „partnerschaftlichen Erfolgs“

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 15 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Grund für die Evaluation von Partnerschaften

3. Qualität und Stabilität der Partnerschaft als Kriterien des Partnerschaftserfolgs
3.1. Dimensionen der Partnerschaftsqualität
3.2. Rahmenbedingungen der Partnerschaftsqualität und -stabilität

4. Arten der Messung
4.1. Explizite Diagnoseverfahren
4.2. Implizite Verfahren

5. Messinstrumente und Skalen
5.1. „marital adjustment school“
5.1.1. Dyadic Adjustment Scale kurz (DAS) von Spanier (1976), Marital Adjustment Test (MAT); Locke& Wallace (1959), Der Partnerschaftsfragebogen kurz (PFB) von Hahlweg (1996)
5.2. “individual feelings school”
5.2.1 Relationship Assessment Scale (RAS) von Hendrick (1988), Quality of Marriage Index (QMI); Norton

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es ist das Anliegen dieser Arbeit den partnerschaftlichen Erfolg näher zu analysieren. Da sich der partnerschaftliche Erfolg nach den Aussagen über ihrer Qualität und Stabilität bemisst, müssen erstmals die Kriterien analysiert werden. Diese Arbeit enthält also nicht nur Erläuterungen über Konstrukte, die den partnerschaftlichen Erfolg determinieren, sondern verschafft einen kleinen Einblick in den umfassenden Bereich der Partnerschaftsdiagnostik. Im ersten Teil meiner Arbeit werden die Gründe für eine Evaluierung von Partnerschaften dargestellt. Ich möchte die Wichtigkeit des Bemessungsprozessen verdeutlichen, da die Ergebnisse der Evaluierung nicht nur für die Wissenschaft sondern für alle Menschen (Bsp. Paartherapie) von Bedeutung sind.

Ins Zentrum der Arbeit rücken die Kriterien des partnerschaftlichen Erfolgs, die Qualität und die Stabilität einer Partnerschaft, die in der Wissenschaft ein oft untersuchter Gegenstand sind. Eine konzeptuelle Unterscheidung zwischen den beiden Konstrukten ist von großer Bedeutung. Diese Aspekte korrelieren zwar eng, aber sind keinesfalls deckungsgleich. Man findet Konstellationen von hoher Stabilität bei geringer Qualität und umgekehrt. Für die Partnerschaftsqualität -stabilität spielt es eine bedeutende Rolle, inwieweit die Partner in ihren Zielvorstellungen übereinstimmen oder differieren, da die Lebensform der Partnerschaft zunehmend an der Vereinbarkeit des gemeinsamen Zielen und Interessen bewertet wird. Die Dimensionen und Rahmenbedingungen der partnerschaftlichen Determinanten werden im folgenden analysiert.

Im Anschluss daran werden die Arten der Messung des partnerschaftlichen Erfolgs und deren Unterteilung charakterisiert.

In der Schlussphase meiner Arbeit werde ich die wichtigsten und am meisten gebrauchten Messinstrumente und -skalen, die für die Evaluierung entwickelt worden sind, darstellen.

2. Der Grund für die Evaluation von Partnerschaften

Im Laufe unseres Lebens erleben wir viele verschiedene Arten von Beziehungen: Eltern-Kind-Beziehung, die Geschwisterbeziehung, die Freundschaftsbeziehung oder die Beziehung im Beruf. Eine der wichtigsten Beziehungsformen in unserem Leben ist jedoch die Partnerschaft. Für die meisten Menschen sind Glück und Harmonie in der Beziehung ein wichtiges Kennzeichen ihrer Lebenszufriedenheit (vgl. Hassebrauck: 1990: 256, nach Campell, Converse & Rodgers, 1976). Genauso wichtig ist daher auch die Erforschung der Funktionalität einer Partnerschaft, der Kriterien des Partnerschaftlichen Erfolgs und der Ursachen für das Scheitern einer Partnerschaft. Um Vergleiche zwischen Partnerschaften anstellen zu können werden diese in Kategorien „ zufrieden“ und „unzufrieden“ eingeteilt. Da der Messpunkt zur Bestimmung ab wann ein Paar auf einer Skala der Partnerschaftszufriedenheit als unzufrieden gilt von ungefähr erfolgt, wird in der Forschung auf ältere Skalen zurück gegriffen „die allgemein anerkannte kritische Werte für die Einteilung von Gruppen besitzen“(Grau &Bierhoff 2003: 16). Ein nächster wichtiger Aspekt der Evaluation von Partnerschaft ist die Ursachenforschung. Hierbei sollen Ursachen für die Unzufriedenheit der Partner, das wodurch Konflikte in einer Beziehung entstehen können oder auch das Scheitern einer Beziehung erforscht werden. Als drittes ist zu erwähnen, dass durch die Diagnostik ausgeprägte Ausführungen über die Stabilität und Qualität einer Partnerschaft gemacht werden sollen, da der partnerschaftliche Erfolg, wie schon erwähnt, sich hinsichtlich einer Evaluation vor allem nach den Aussagen über ihre Stabilität und Qualität bemisst. Die Diagnostik der Konstrukte Partnerschaftsqualität und Partnerschaftsstabilität kann als Prüfkriterium bei „empirischen Prüfung von Partnerschaftstheorien und der Evaluation von paartherapeutischen Interventionen“ (Grau & Bierhoff 2003: 19) angewendet werden. In diesem Fall muss sie sehr gründlich erfolgen. Des weiteren ist die Evaluierung von Partnerschaften ist auch sehr wichtig für verschiedene Forschungszwecke. Die Paarforschung versucht die allgemeinen Schemata „des Funktionierens oder Scheiterns von Partnerschaften zu erkennen“(Grau &Bierhoff 2003: 17). Zuletzt spielt die Evaluation eine bedeutsame Rolle in dem Bereich der Paartherapie. Die Anwendung einer angemessenen Therapie erfordert eine gefestigte Grundinformation über Partnerschaften, die durch die Evaluierung zu gewinnen ist (vgl. Grau &Bierhoff 2003: 38).

3. Qualität und Stabilität der Partnerschaft als Kriterien des Partnerschaftserfolgs

„Partnerschaftsqualität“ wird in der Wissenschaft zahlreich und verschieden definiert. Das wesentliche bei der Auslegung ist die Erfassung von Merkmalen, die die Qualität einer Paarbeziehung charakterisieren. Alltäglich ist etwa der Begriff der „dyadischen Anpassung „ (vgl. Spanier, 1976), deren hauptsächlicher Bestandteil die Zufriedenheit der Partner ist. Zu weiteren Merkmalen der Partnerschaftsqualität zählen die Liebe und gegenseitige Anziehung. Ein weiterer Aspekt der Partnerschaftsqualität wird mit dem Begriff der Bindung angesprochen. Das Gefühl der Verantwortlichkeit, Verpflichtung dem Partner gegenüber und die Überzeugung an die Unantastbarkeit der Beziehung deuten auf eine hohe Bindung hin (vgl. Brandstädter & Felser 2003: 17). Dabei sollte ein enger Zusammenhang zwischen der Bereitschaft eine Bindung einzugehen und der tatsächlich vorhandenen Stabilität in der Beziehung bestehen. Durch die Bindungsbereitschaft (Treue) wird der Partnerschaft die Überzeugung von Stabilität und Beständigkeit verliehen. In dem Begriff der Bindung erscheint ein Aspekt der Partnerschaftsqualität, der eng mit der Stabilität zusammenhängt. (vgl. Grau & Bierhoff 1998: 40-41).

Partnerschaftsstabilität lässt sich als eine kontinuierliche Variable ansehen, die bei Instabilität zur Trennung führen kann. Die tatsächliche Trennung erfolgt in der Regel nicht kurzfristig, die mit der Zeit wachsende Instabilität deutet sich unter anderem in zunehmend häufig auftretenden Trennungsgedanken an. Die Partnerschaften können im Laufe ihres Bestehens abwechselnde Phasen der Stabilität ihrer Beziehung durchleben, in denen eine Trennung unterschiedlich wahrscheinlich sein kann. Die Bestimmung der Instabilität einer Beziehung kann auch an anderen Kriterien festgestellt werden als an dem Auseinandergehen der Partner. Bei der Betrachtung muss man unter anderen die Kontextfaktoren wie Trennungsbarrieren oder Attraktivität der Alternativen in Bertacht ziehen.(vgl. Brandstädter & Felser 2003: 18). Das werde ich in folgendem kurz beschreiben. Es ist wichtig zwischen Partnerschaftsqualität und Partnerschaftsstabilität zu unterscheiden. Für die beide Aspekte gibt es zwar wissenschaftlich überprüfbare Zusammenhänge, aber man kann sie nicht als konzeptuell deckungsgleich ansehen. (vgl. Brandstädter & Felser 2003: 15). Die Partnerschaftszufriedenheit, die ein gewichtiger Bestandteil der Partnerschaftsqualität ist, wird als erforderlich bei der Aufrechterhaltung (Stabilität) von ehelichen Beziehungen angesehen (vgl. Brandstädter & Felser 2003:59).

Zufriedenheit wirkt zwar fördernd auf die Stabilität einer Partnerschaft, man kann sie aber nicht mit ihr gleich setzen, denn manche Partner bleiben z.B. aus finanziellen Gründen obwohl sie unzufrieden sind, zusammen (vgl. Grau &Bierhoff 2003: 172). Die konzeptuelle Unterscheidung hat sich schon öfter als sehr nützlich erwiesen, da es neben stabil- zufriedenen oder instabil- unzufriedenen Paarbeziehungen auch Fälle von hoher Stabilität bei geringer Zufriedenheit bzw. geringer Stabilität bei hoher Zufriedenheit existieren. Dabei entsteht ein Untersuchungsbereich bei dem der Frage nachgegangen wird, warum Partner zusammen bleiben, obwohl sie unzufrieden sind (vgl. Brandstädter & Felser 2003: 59). Es ist verständlich, dass wenn die Partner nicht glücklich sind, die Trennung in der Regel wahrscheinlicher in Erwägung ziehen. Was dabei bedacht werden muss, ist die Tatsache das die Verknüpfung zwischen Trennungsgedanken und tatsächlicher späterer Trennung nicht zwangläufig gegeben sein muss. Es gibt Lebensgefährten, die ernsthaft über eine Trennung nachdenken, setzen jedoch die Gedanken nicht in die Tat um. Es gibt aber andere, die ohne vorher an Trennung gedacht zu haben sich aufgrund von z.B. Untreue des Partners trennen (vgl. Grau &Bierhoff 2003: 20). Das kann insbesondere durch die Betrachtung weiterer Kontextfaktoren wie Trennungsbarrieren und Attraktivität von Alternativen erklärt werden. Partnerschaften werden leichter gelöst, wenn der Auflösung keine Hindernisse wie z.B. rechtliche Barrieren, finanzielle Anschlussprobleme entgegenstehen. Zu erwähnen wäre auch die Lockerung der religiösen Beschränkungen und die Emanzipation, somit auch die finanzielle Unabhängigkeit der Frauen im Vergleich zu anderen Epochen. Auch wenn die Zukunftsperspektive außerhalb der Partnerschaft als attraktiv erlebt wird und die Zufriedenheit in der bestehenden Beziehung sinkt, können die Partner einer Trennung entgegen stehen. Diese komplexe Einflussfaktoren stehen miteinander in Wechselwirkung (vgl. Brandstädter & Felser 2003:15-17).

Der Erfolg von Partnerschaften determinieren die Konstrukte der Partnerschaftsqualität und Partnerschaftsstabilität. Informationen über den Erfolg einer Partnerschaft enthalten deshalb Angaben über das Glück der Partner, nehmen jedoch außerdem Bezug auf die Dauer des Bestehens der Verbindung. Die Partner stellen immer häufiger die Erfüllung von Wünschen, Bedürfnissen und Ansprüchen als Kriterium auf, nach welchem sie ihre Partnerschaftsqualität und Zufriedenheit in der Beziehung bemessen. Das zeigt, dass die Lebensform der Partnerschaft verstärkt an der Vereinbarkeit der gemeinsamen Wünsche, Ziele und Interessen der Partner beurteilt wird. Die Bedeutung der persönlichen Erwartungen rückt immer mehr in den Vordergrund. Der Einklang der Partner in der Beziehung wird nicht allein durch Charakter- oder Temperamentsmerkmale bestimmt. Die gesetzten Ziele erreichen zu können und dabei womöglich durch den Partner unterstützt zu werden sind demnach die Hauptcharakteristika der Partnerschaftsqualität und –stabilität (vgl. Brandstädter & Felser 2003: 12-13).

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Details

Seiten
15
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640444045
ISBN (Buch)
9783640444328
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v135709
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,0
Schlagworte
Sind Partnerschaften Konzeptualisierung Messung Erfolgs“

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