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Methodenvergleich zur Analyse von IT-Investitionen am Beispiel von ERP-Software, In-House oder ASP Lösung

Seminararbeit 2002 24 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Verzeichnis

1. Einleitung

2. IT-Investitionen
2.1. Einleitung
2.2. Bewertungsmethoden

3. Outsourcing
3.1. Einleitung
3.2. Application Service Providing (ASP)
3.2.1. Technologie
3.2.2. Service Level Agreements (SLAs)
3.2.3. Preismodelle
3.2.4. Vor- und Nachteile: ERP-Software In-house vs. ASP

4. Zusammenfassung und Bewertung

5. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Bedeutung von IT-Investitionen Stand 2002[1]

Abbildung 2: Bewertung nach Art der IT-Investition[2]

Abbildung 3: Bewertung nach Art der IT-Investition[3]

Abbildung 4: ASP-Wertschöpfungskette[4]

Abbildung 5: Prognose für das ASP-Marktvolumen in Deutschland, Österreich und der Schweiz[5]

Abbildung 6: Grafische Gegenüberstellung der Gesamtkosten einer IT-Investition: ASP vs. In-House[6]

Abbildung 7: Planungsstatus der mySAP.com-Komponenten (absolut), Stand Mitte 2001[7]

Abbildung 8: Vergleich produktiver und geplanter Investitionen, Stand Mitte 2001[8]

1. Einleitung

Jahr 1998 betrug der Anteil der IT-Investitionen gemessen an den Gesamt-Kapital­investitionen der Unter­nehmen mehr als 50%[9]. Es ist somit nicht ver­wunderlich, dass die Be­wertung von IT-Invest­itionen eine immer größere Be­deutung er­langt. Zu dieser Ent­wicklung kommt aber noch die immer größere Be­deutung von IT-Invest­itionen für die Wert­schöpfungs­kette der Unternehmen hinzu. Nach der McKinsey Studie 2002 erweist sich Informations­technologie eindeutig als wichtiger Erfolgsfaktor. McKinsey hat im Laufe von zwei Jahren 71 Unternehmen und selbständige Unternehmenseinheiten mit jeweils 3.500 Datenpunkten der verarbeitenden Industrie (Automobilzulieferer, Maschinenbau, Elektroindustrie) in aller Welt untersucht.[10] Die Studie zeigt die besondere Bedeutung von IT-Investitionen für die Unternehmen (siehe Abbildung 1).

Denn Unternehmen mit überlegenem Informations-Management erzielen im Durchschnitt eine dreimal so hohe Umsatzrendite wie Konkurrenten, die in dieser Disziplin schlechter abschneiden. Auch in punkto Wachstum und Marktanteile hängen erstere ihre Rivalen deutlich ab. Die Bewertung der Wirtschaftlichkeit von Informationstechnologie galt bislang als Quadratur des Kreises, weil der konkrete Nutzen einer IT-Investition, wie z.B. ein durchgängiges Intranet oder eine ERP-Installation, nur schwer quantifizierbar und somit die Auswirkung auf den Unternehmenserfolg schwer messbar war. Dies erklärt zum Teil das Produktivitätsparadoxon von Jurison[11], welches aussagt, dass die erwartete Produktivitätssteigerung (durch die IT-Investition) nicht erreicht wird. Der nicht quantifizierbare Wert (z.B. höherer Nutzen durch bessere Kundenzufriedenheit, größere Informationstransparenz, höherer Service-Level, größere Mitarbeiterzufriedenheit) wird oft in der modernen Literatur als „intangible Asset“ bezeichnet und beschreibt unter anderem die Probleme der Unternehmens­bewertung[12] von Technologieunternehmen[13]. Intangibles werden laut dem International Accounting Standard (IAS) 38 als „...identifizierbares, nicht-monetäres Vermögen ohne physische Substanz zur Produktion und Nachfrage nach Gütern oder Diensten...“ definiert.

Diese Seminararbeit gibt im zweiten Kapitel einen Einblick in die verschiedenen Bewertungsmethoden für IT-Investitionen. Dabei gehe ich u. a. auf Arbeiten von Wehr[14], Peffer und Saarinen[15] sowie Farbey, Land und Targett[16] ein. Diese teilen die IT-Investitionen in verschiedene Arten ein, abhängig von der Bedeutung der IT-Investition auf das Unternehmen sowie ihre Komplexität, und leiten dann verschiedene klassische Bewertungsansätze aus der Investitionsrechnung ab. Die besondere Bedeutung von Geschäftsprozessen für die Bewertung von IT-Investitionen haben Kaplan und Norton[17] sowie Rosemann und Wiese[18] genauer untersucht. Im dritten Kapitel werde ich eine kurze Einführung in die verschiedenen Outsourcing-Arten geben und stelle kurz die ASP Technologie dar. Die besondere Bedeutung der SLAs und Preismodelle wird in den folgenden Unterabschnitten erläutert. Den Sicherheitsaspekt für ASP-Nutzung haben ich in dieser Arbeit außer Acht gelassen, da dieser für die Zielausrichtung der Arbeit nur von geringer Bedeutung ist.[19] Im vierten Kapitel fasse ich die Ergebnisse meiner Arbeit zusammen.

2. IT-Investitionen

2.1. Einleitung

Die Bewertung von IT-Investitionen erlangte in den letzten Jahren eine immer wichtigere Rolle in den Unternehmen. So stieg dieser Anteil an den Gesamt-IT-Investitionen auf deutlich über 50%[20]. Die Komplexität der Bewertung stieg mit dem Anstieg der Komplexität der IT-Investitionen, da letztere eine immer wichtigere Rolle im Wertschöpfungsprozess der Unternehmen erlangten. So kann man nicht mehr allein einen einfachen Wirtschaftlichkeitsvergleich wie früher gestalten, sondern man muss die spezielle Rolle der IT-Investitionen im Geschäftsprozess des Unternehmens besonders berücksichtigen. Vor allem ERP-Investitionen haben einen starken Einfluss auf die Geschäftsprozesse und führen meist zu einer Reorganisation der Geschäftsprozesse in den Unternehmen. Diese Reorganisation kann vor und nach der Implementierung erfolgen. Man spricht auch von zwei Normstrategien. ERP-Investitionen werden zudem immer komplexer, umfassender und teurer. Die Kosten einer Implementierung belaufen sich laut einer Meta Group Studie bei kleineren Firmen auf ca. $10 Mio. und die Umsetzung dauert ca. 24 Monate.[21] Die „Total Cost of Ownership“ (TCO) beläuft sich auf $15,6 Mio.. Bei größeren Firmen können sich die Kosten leicht auf mehrere $100 Mio. belaufen, die Implementierungs­phase kann bis zu fünf Jahren dauern.[22] Die Meta Group Studie zeigt zudem die Gefahr von ERP-Investitionen. Denn bei der Umfrage von 63 Unternehmen, bei der nur quantifizierbare Werte berücksichtigt wurden, zeigte sich ein durchschnittlicher, negativer Wert der Investitionen von $1,5 Mio.. Hier wurden also die “intangibles“ nicht mit eingerechnet.

2.2. Bewertungsmethoden

Wehrs[23] differenziert in seinem Artikel zwischen ex-ante und ex-post Bewertungen. In der ex-ante Bewertung analysiert man die Investition bevor sie getätigt wurde, in der ex-post Bewertung werden die getätigten Kosten sowie die erwarteten IT-Kosten für die Zukunft betrachtet. Wehrs teilt die ex-ante Bewertung in drei Haupttechniken ein: die Entscheidungstheorie, die Messung der Nutzer-Zufriedenheit und die Cost-Benefit-Analyse (CBA). Ich gehe hier insbesondere auf die CBA ein. Zu den anderen zwei Techniken sei auf seinen Artikel verwiesen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die CBA geht aus der dynamischen Investitionsrechnung hervor. Sie berücksichtig die Zeitpräferenz des Geldes und gibt den Managern eine einfache Zahl vor. Es ist aber schwierig, die Benefits zu quantifizieren und entsprechend ist die Höhe derselben subjektiv, abhängig von der Präferenz der jeweiligen Entscheider. Zudem ist die Evaluierung des Abdiskontierungsfaktors wichtig. Hier könnte man m. E. mit unterschiedlichen Abdiskontierungszinssätzen arbeiten. Die Benefits werden mit dem Risiko des Erfolges der Investition und die Kosten mit dem Finanzierungszins abdiskontiert. Somit ist aber die Berechnung der CBA komplex und nicht mehr so einfach, da u. a. die erwarteten Benefits und Kosten abgeschätzt werden müssen.

Eine gute Übersicht über ex-ante und ex-post Bewertungen haben Peffers und Saarinen in ihrem Artikel[24] dargestellt. Bei ihnen kommt die Bedeutung der IT-Investition, abhängig von der Wirkung auf die Organisation, zum Tragen (siehe Abbildung 2). Des weiteren unterscheiden sie zwischen vier Hauptkategorien von IT-Investitionen: Routine-Kosten-Einsparungen durch IT-Investitionen, strategisch notwendige IT-Investitionen, strategische IT-Investitionen und strategische Produktwert bezogene IT-Investitionen. Unter letzteren verstehen Peffers und Saarinen z.B. neue IT-basierte Produkte, wie e-Business (Online-Banking, -Trading). Abhängig von der Einschätzung der Art der IT-Investition folgen nun bestimmte Bewertungsmethoden. Sie unterscheiden zwischen finanziellen-, Nutzen-, strategischen-, Kontroll- und Risiko-Kriterien. Ihre Arbeit umfasst auch eine empirische Untersuchung von Bewertungs­methoden der CEOs. Sie befragten 267 Banken im Nordwesten der USA, von denen 108 geantwortet haben. Aus dieser Analyse geht hervor, dass zur ex-ante Evaluierung von IT-Investitionen die CBA (85%) und Payback Period (73%) häufig als finanzielle Entscheidungskriterien genutzt werden (ROI nur 58%). Oft genannte strategische Kriterien waren Marktumfragen (79%) und Nutzer-Umfragen. Mehrfach genannte Kontroll-Kriterien zur Implementierung waren Projektzeitplan (83%), Projekt Budget (82%) und Referenzen von anderen Banken (72%). Die oft genannten Entscheidungskriterien bei den Risikofaktoren waren finanzielle Machbarkeit (86%, kann ich die Kosten managen?), ökonomische (Machbarkeit (86%, ist es das Wert?) und die technische Durchführbarkeit (81%). Als ex-post Bewertungs­methoden werden als finanzielle Kriterien die CBA mit 72%, als Nutzen-Kriterium die Messung der Nutzer-Zufriedenheit mit 80%, als strategisches Kriterium die Nutzer-Anforderung mit 65% und als Kontroll-Kriterien das Projekt-Budget mit 56% genannt. Das Risiko-Kriterium kann man natürlich bei der ex-post Betrachtung weglassen.[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sehr ähnliche Vorgehensweise bei der Bewertung von IT-Investitionen anhand der Art der IT-Investitionen haben Farbey, Land und Targett in ihrem Artikel erläutert.[26] Sie differenzieren die Art der Investition noch detaillierter als Peffers und Saarinen nach acht Stufen. Diese acht Stufen kann man aus Abbildung 3 ersehen.

Aus dem Ansatz von Peffers und Saarinen sowie dem von Farbey, Land und Targett kann man ersehen, welche Bedeutung IT-Investitionen auf die Geschäftprozesse haben. Je komplexer die IT-Investition und je größer ihr Einfluss auf die Unternehmensstruktur ist, umso schwieriger wird ihre Bewertung. Im Vergleich zu normalen IT-Investitionen haben insbesondere ERP-Investitionen einen noch größeren Einfluss auf die Geschäftsprozesse und somit auf die Unternehmensstruktur, da ERP-Investitionen Geschäftsprozesse teilweise vollständig digitalisieren und automatisieren. Ein Unternehmen, das in ERP-Software investiert, muss also entweder vor oder nach der Implementierung seine Geschäftsprozesse anpassen.[27] Man spricht hier auch von zwei Normstrategien.

[...]


[1] http://www.informationsweek.de/index.php3?/studien/studie2.htm Abruf 20.06.2002, Auszug uas der McKinsey Studie 2002

[2] Peffers K., Saarinen T., “Measuring the Business Value of IT Investments: Inferences From a Study of a Senior Bank Executive” (2002) Journal of Organizational, Computing and Electronic Commerce 12(1), S. 20

[3] Farbey B., Land F., Targett D., “A Taxonomy of Information Systems Applications: The Benefits´Evaluation Ladder “ (1995) European Journal of Information Systems 4, S. 45, http://is.lse.ac.uk/all_wp.htm

[4] aus der 1. Vorlesung E-Business der Humboldt-Universität, Präsentation Folie 23

[5] Bauer S., Weinzierl J., “Application Service Providing als alternative Form der Software Distribution“ (2001) Arbeitsbericht der Veranstaltung "Teledienste - Trendanalyse und Bewertung" am Lehrstuhl für Allgemeine und Industrielle Betriebswirtschaftslehre der Technischen Universität München, März 2001

[6] Plickert H., „ASP: Software Mieten - Softwarenutzung via Internet vor dem Durchbruch“, Compaq 2001, www.compaq.de

[7] Niehörster N., Wilp M., „SAP-Anwender und mySAP.com“ (2001) Studie der RAAD-Consult, S. 20

[8] Niehörster N., Wilp M., „SAP-Anwender und mySAP.com“ (2001) Studie der RAAD-Consult, S. 25

[9] Murphy E. K., Simon S. J., “Using Cost Benefit Analysis for Enterprise Resource Planning Project Evaluation: A Case for Including Intangibles” (2001) S. 1

[10] 1/3 der Unternehmen hatte einen Umsatz von unter 100 Mio. $ (meist im Verbund zu großen Unternehmen), 12% der Unternehmen hatten einen Umsatz von mehr als 1 Mrd. $, näheres unter http://www.informationsweek.de/index.php3?/studien/studie2.htm Abruf 20.06.2002, Auszug aus der McKinsey Studie 2002

[11] Jurison J, “Reevaluating Productivity Measures” (1997) Information Systems Management 14, S. 33

[12] The Cap Gemini Ernst & Young Center for Business Innovation, “Valuing Intangibles” (2001) Perspectives on Business Innovation, Issue 7

[13] vgl. Cummins J., “A New Approach to Valuation of Intangible Capital” (2002)

[14] Wehrs W., “A Road Map for IS / IT Evaluation” (2002) Measuring IT Investment payoff: Contemporary Approaches, idea Group Publishing

[15] Peffers K., Saarinen T., “Measuring the Business Value of IT Investments: Inferences From a Study of a Senior Bank Executive” (2002) Journal of Organizational, Computing and Electronic Commerce 12(1), 17-38

[16] Farbey B., Land F., Targett D., “A Taxonomy of Information Systems Applications: The Benefits´Evaluation Ladder “ (1995) European Journal of Information Systems 4, S. 41-50, http://is.lse.ac.uk/all_wp.htm

[17] Kaplan R., Norton D. P., Balanced Scorecard – Strategien erfolgreich umsetzten“ Schäfer Poeschel Verlag Stuttgart 1997

[18] Rosemann M., Wiese J., „Measuring the Performance of ERP Software – a Balanced Scorecard Approach“, 10th Australaien Conference on Information Systems (1999)

[19] zudem es den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Kurz: Es muss bei ASP-Nutzung mit geringen zusätzlichen Kosten gerechnet werden

[20] Murphy E. K., Simon S. J., “Using Cost Benefit Analysis for Enterprise Resource Planning Project Evaluation: A Case for Including Intangibles” (2001) S. 1

[21] Meta Group, “Extract of META Group Survey: ERM Solutions and their Value”, META Group 1999

[22] auch unter Murphy E. K., Simon S. J., “Using Cost Benefit Analysis for Enterprise Resource Planning Project Evaluation: A Case for Including Intangibles” (2001) S. 2

[23] Wehrs W., “A Road Map for IS / IT Evaluation” (2002) Measuring IT Investment payoff: Contemporary Approaches, idea Group Publishing

[24] Peffers K., Saarinen T., “Measuring the Business Value of IT Investments: Inferences From a Study of a Senior Bank Executive” (2002) Journal of Organizational, Computing and Electronic Commerce 12(1),

[25] Peffers K., Saarinen T., “Measuring the Business Value of IT Investments: Inferences From a Study of a Senior Bank Executive” (2002) Journal of Organizational, Computing and Electronic Commerce 12(1), S.27

[26] Farbey B., Land F., Targett D., “A Taxonomy of Information Systems Applications: The Benefits´Evaluation Ladder “ (1995) European Journal of Information Systems 4, S. 41-50, http://is.lse.ac.uk/all_wp.htm

[27] näheres über die Bedeutung von Geschäftsprozessen für IT-Investitionen bei Muschter S., Österle H., „Investitionen in Standardsoftware: Ein geschäftsorientierter Ansatz zur Nutzenmessung und –bewertung“, Electronic Business Engineering / 4. Internationale Tagung Wirtschaftsinformatik 1999, S.433-468

Details

Seiten
24
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638191456
Dateigröße
852 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v13495
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Wirtschaftsinformatik
Note
2,0
Schlagworte
Methodenvergleich Analyse IT-Investitionen Beispiel ERP-Software In-House Lösung E-Business

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