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Frühkindlicher Autismus

Seminararbeit 2001 20 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Begriffsklärung

2 Merkmale

3 Epidemiologie
3.1 Zahlen
3.2 Geschlechtsverteilung
3.3 Stellung in der Geschwisterreihe
3.4 Autismus außerhalb der westlichen Welt
3.5 Erblichkeit
3.6 Soziale Schicht

4 Symptome
4.1 Sprachstörungen
4.2 Zusammenfassung

5 Früherkennung
5.1 Diagnose
5.2 Abläufe der Krankheit

6 Ursachen
6.1 Die kognitive Störung
6.2 Ursachen der kognitiven Störung

7 Verlauf des Autismus
7.1 Charakteristische Verhaltensweisen
7.2 Beziehungen zu anderen Menschen
7.3 Ritualisierte und zwanghafte Phänomene

8 Bildung und Erziehung
8.1 Bildung
8.2 Erziehung
8.3 Bedingungen für die Gesellschaft

9 Therapieformen
9.1 Bereich Wahrnehmungsverarbeitung
9.2 Bereich Kommunikation
9.3 Psychoanalytischer Bereich
9.4 Physikalische und medizinische Therapie
9.5 Weitere Methoden
9.6 Verhaltenstherapie

10 Anhang

11 Literaturverzeichnis

1 Begriffsklärung

Das Wort „autos“ (griech.) bedeutet „selbst“ und meint damit ein einseitig auf sich selbst bezogenes Denken. Es gilt als Symptom der Schizophrenie.

Unter der Bezeichnung „Autismus“ versteht man eine schwere, zwischenmenschliche Kontakt- und Kommunikationsstörung, die 1943/44 von dem Kinderpsychiater Kanner und dem Pädiater Asperger unabhängig voneinander beschrieben wurde.

Es werden zwei Varianten unterschieden. Zum einen der frühkindlicher Autismus, das sogenannte Kanner-Syndrom und zum anderen die autistische Persönlichkeitsstörung, das Asperger-Syndrom.

2 Merkmale

Der frühkindliche Autismus ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

a) Beginn vor dem Alter von 30 Monaten
b) grundlegender Mangel an Reaktion auf andere Menschen
c) Defizite in der Sprachentwicklung
d) abnormes sprachliches Verhalten, wenn sich Sprache überhaupt entwickelt ( z. B. Pronomenumkehr)
e) bizarre Reaktionen auf verschiedene Umweltreize und Fehlen von Hinweisen

auf eine schizophrene Erkrankung (Wahnphänomen, Halluzinationen)

Eine Abgrenzung zwischen Krankheit und Normalität ist an keiner Stelle mit Sicherheit möglich. Jedes einzelne Symptom ist auch in der psychischen Normalität vorhanden, geht aber irgendwann wieder vorbei oder bleibt zumindest gleich, und erst die Veränderung, Steigerung, Fixierung oder das weitgehende oder völlige Fehlen bewirken dann das Bild einer als krankhaft zu bezeichnenden Störung.

Der kindliche Autismus ist eine schwere chronische Verhaltensstörung, bei der die Einschränkung des Kontakts, die Bezogenheit auf sich selbst im Vordergrund steht. Das typische Zustandsbild entwickelt sich allmählich während der ersten Lebensjahre und ist im Alter von etwa drei oder vier Jahren am stärksten ausgeprägt. Eine Besserung beginnt in vielen Fällen im Alter von sechs Jahren.

3 Epidemiologie

3.1 Zahlen

Es handelt sich beim frühkindlichen Autismus um eine relativ seltene Störung, die jedoch häufiger vorkommt, als man früher annahm. Es gibt in der Bundesrepublik etwa 4.000 Kinder, 1.900 von ihnen im Alter von fünf bis 15 Jahren mit dem Kernsyndrom und weitere 2.100 autistische Kinder mit einem weniger klaren klinischen Bild. Die Zahlen liegen weit über den Blinden (1.000), Sehbehinderten (1.250) und Schwerhörigen (2.600) und nur 300 unter den Gehörlosen, für die es schon eine staatlich anerkannte Sonderschule gibt, wo sich auch eine besondere Erziehung erhalten.

3.2 Geschlechtsverteilung

Hier gibt es eine deutliche Knabenwendigkeit, d.h. mit diesem Syndrom werden Jungen viel häufiger beobachtet als Mädchen. Es finden sich viermal soviel männliche wie weibliche Personen mit frühkindlichem Autismus.

3.3 Stellung in der Geschwisterreihe

Kindlicher Autismus, so wird oft gesagt, findet sich häufiger unter den Erstgeborenen als unter den Spätergeborenen, aber eine exakte Untersuchung ist darüber noch nicht angestellt worden.

3.4 Autismus außerhalb der westlichen Welt

Im Verhalten autistischer Kinder und Jugendlicher zwischen Mittel-, West- und Nordeuropa sowie Nordamerika gibt es offenbar keine Unterschiede.

3.5 Erblichkeit

Es kann für das Autismus-Syndrom als gesichert erscheinen, daß bei 11 monozygotischen Zwillingspaaren in 10 Fällen Autismus bei beiden Kindern festgestellt wurde. Dagegen waren bei 10 dizygotischen Zwillingspaaren in keinem Fall beide davon betroffen.

Einen weiteren Hinweis auf die Erblichkeit ergibt auch die Beobachtung, daß meist der Vater zwar kein typischer Autist ist, dennoch autistische Symptome in Andeutung zeigen kann, z. B. eine gewisse Schwäche, sich in seine Mitmenschen einzufühlen, Er zeigt auch eine Neigung zu abstrakter Denkweise.

3.6 Soziale Schicht

Die ersten 11 autistischen Kinder, die Leo Kanner 1943 beschrieb, stammten alle von besonders intellektuellen Eltern, meist Akademikern. Der Eindruck, daß obere soziale Klassen überrepresentiert seien, hat sich lange gehalten, da autistische Kinder aus unteren sozialen Schichten seltener dem Experten vorgestellt wurden.

In den letzten zehn Jahren, als das Erscheinungsbild des frühkindlichen Autismus bekannter wurde, fanden Kinder aus allen Schichten den Weg zur Diagnose des Syndroms. Nun kamen sie aus allen sozialen Klassen.

4 Symptome

Einzelne Symptome kommen auch bei anderen Krankheiten und Verhaltensstörungen vor, so zum Beispiel bei Blinden, Gehörlosen und geistig Behinderten. Erst die Summierung vieler charakteristischer Erscheinungen führt zur Diagnose des „frühkindlichen Autismus“. Dabei kann nach der Anzahl der vorhandenen Symptome eine Kerngruppe von einigermaßen typischen und weniger typischen Fällen unterschieden werden. Eindeutiges Auftreten von Symptomen kommt immer vor einem Alter von 30 Monaten vor.

4.1 Sprachstörungen

Die Sprache entwickelt sich bei manchen Kindern gar nicht. Bei anderen eine gewisse Zeit lang, dann geht sie wieder verloren. Wenn ein Kind schließlich doch mit Sprechen anfängt, macht es nur langsam Fortschritte und hat viele sprachliche Eigentümlichkeiten. Die verschiedenen Stadien der Sprachentwicklung vom Lallen über Echolalie bis zum Erwerb von Worten, Wortgruppen und Sätzen werden nicht einfach nur verzögert durchlaufen.

Es gibt spezielle Sprachabnormitäten:

- Echolalie:

das Kind wiederholt den letzten Ausdruck oder das letzte Wort, das gesagt wurde, oft mit derselben Flexion. Die Echolalie führt auch zur Umkehrung von Pronomen und das Kind wiederholt bestimmte Ausdrücke endlos, meist im gleichen Tonfall. Es beantwortet keine Fragen, sondern spricht sie als Echo nach. Wenn sich dann die Sprache entwickelt, kommt ein „nein“ viel früher als die Antwort „ja“, die manchmal überhaupt nicht gelernt wird.

- verzögerte Echolalie:

Sie ist auch eine typische Erscheinung. Das Kind gibt Ausschnitte von Unterhaltungen wieder, die es gehört hat, mit Flexion des ursprünglichen Sprechers. Manchmal wiederholt es diese Wörter tagelang in endloser Weise.

- weitere Sprachstörungen:

Weitere Formen der Sprachstörung zeigen sich in spontanen Äußerungen, die in ihrer Ausdrucksweise und grammatischer Form fehlerhaft und oft schwer verständlich sind. Zum Beispiel werden Wörter zu konkret verwendet oder Namen von Dingen, die zusammengehören, durcheinandergebracht (Kamm und Bürste). Einige Kinder reden im Telegrammstil, wenn sie spazieren gehen möchten, erwähnen sie „Hütte-Stock-gehen“. Manche ziehen längere Sätze zu einem einzigen Wort zusammen, so daß es für den Zuhörer kaum noch verständlich ist. Wörter werden auch in eine falschen Reihenfolge gesetzt, zum Beispiel: „Geh mit dem Park zum Hund!“.

4.2 Zusammenfassung

Wenn Kinder nicht sprechen, ist es typisch für sie, die Hand des Erwachsenen zu nehmen. Aufgeweckte Kinder haben eine Vorliebe für nicht-verbale Sprachen, wie Mathematik oder Musik. Einige, die visuell nicht behindert sind, lernen lesen, bevor sie sprechen können.

Die Tendenz des jungen autistischen Kindes geht dahin, an Gegenständen und Personen vorbeizusehen, sie nur für kurze Zeit zu fixieren, komplizierte Reizkonfigurationen zu ignorieren oder zu meiden. Ferner kommt es zur Ausbildung von gewohnheitsmäßigen Selbststimmulationen, die ein Sozialverhalten gewöhnlicher Art ausschließen. Das alles hat zu der Vermutung geführt, daß der „Autismus“, das heißt die Unfähigkeit, Beziehungen zu anderen Menschen herzustellen, der Kern des Syndroms ist. Tatsächlich beginnt die Störung aber oft unmittelbar nach der Geburt, also bevor ein Säugling soziale Beziehungen entwickeln kann. Kein Autist ist wie der andere, denn nicht alle autistischen Kinder sind gleich schwer behindert, bei jedem Kind ist die Struktur der beeinträchtigten und der nicht beeinträchtigten Funktionen anders.

Das Ausmaß der Störungen ist durch das Wechselspiel zwischen den primären Behinderungen und der Umwelt beeinflußt. Schließlich gibt es auch eine Besserung durch Reifungsvorgänge.

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Details

Seiten
20
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638108270
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v1348
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Institut für Pädagogik
Note
1,5
Schlagworte
Frühkindlicher Autismus Seminar Grundlagen Rehabilitation Pädagogik

Autor

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Titel: Frühkindlicher Autismus