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Neuro-Linguistisches Programmieren: Open Source - Manipulation?

Aktuelle Erkenntnisse über den Einsatz von NLP im Management

Seminararbeit 2009 22 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition

3. Chancen
3.1 Relevanz in der beruflichen Praxis
3.2 Würdigung durch den BFH
3.3 Zuspruch aus der Hirnforschung

4. Grenzen
4.1 Wissenschaftlichkeit
4.2 Open Source - Problematik
4.3 Selbstkritik

5. Empirische Untersuchung
5.1 Ziel und Studiendesign
5.2 Präsentation und Interpretation der Ergebnisse

6. Fazit und Ausblick

Anhang: Fragebogen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Überblick über Themenschwerpunkte des NLP

Abbildung 2: Für die Ausbildung zum Practitioner sind keinerlei Vorkenntnisse nötig

Abbildung 3: Überblick über neue Trends im NLP

Abbildung 4: Bewertung wichtiger Soft Skills

Abbildung 5: Überblick über den Kenntnisstand der Teilnehmer

Abbildung 6: NLP-Kenntnisse der Teilnehmer im Detail

Abbildung 7: Durchschnittliche Empfindungen für NLP

Abbildung 8: NLP-Verständnis der Probanden in Prozent

Abbildung 9: Aussagen der Teilnehmer zu Veränderungen in Ihrem Leben durch NLP

Abbildung 10: Durchschnittliche Zuordnung von Begriffen in einer SWOT-Analyse

1. Einleitung

Konventionelle Führungskräftetrainings werden auch in deutschen Konzernen zunehmend durch Elemente des Neuro-Linguistischen Programmierens (NLP) substituiert,1 obwohl die Expertenmeinungen über NLP-Techniken unterschiedlicher nicht sein könnten.

NLP, Kommunikationswunderwaffe oder esoterische Pseudowissenschaft? Bereits seit seiner Erfindung in den 1970er Jahren sieht sich das Neuro-Linguistische Programmieren diesem ambivalenten Meinungsbild ausgesetzt. In den letzten Jahren findet NLP jedoch zunehmend Verfechter in der Wissenschaft.2 Neue Forschungserkenntnisse auf der einen Seite und das Streben nach Qualitätssicherung auf der anderen Seite stellen für Wissenschaftler und Trainer eine neue Gesprächsbasis dar.

Die vorliegende Arbeit soll zu dieser Diskussion einen Beitrag leisten, indem der derzeitige Stand der Forschung erfasst wird, aktuelle Trends im Zusammenhang mit NLP aufgezeigt werden und die vorherrschenden Meinungen über NLP im Rahmen einer empirischen Untersuchung erhoben werden.

Dabei werden folgende Prämissen vorausgesetzt: Die Anwender von Kommunikationstechniken möchten aktiv kommunizieren. Kommunikation ist immer auch eine Form der (wertfreien) Manipulation.3 Insofern ist der Titel nicht als Vorbehalt zu verstehen, sondern als objektive Beschreibung. Gleiches trifft auf die Open Source – Bezeichnung zu. Beide Aspekte werden in den nachfolgenden Kapiteln vertieft und verdeutlicht.4

2. Definition

Der Titel dieser Arbeit verdeutlicht, dass es sich bei Neuro-Linguistischem Programmieren nicht um ein exakt abgegrenztes Themenspektrum handelt. Vielmehr muss aus heutiger Sicht festgestellt werden, dass sowohl der NLP-Begriff (definitorisch) als auch die damit verbundenen Techniken (anwendungspraktisch) eine offene Nutzung und Weiterentwicklung erfahren. Dennoch soll an dieser Stelle ein kurzer Überblick über die Charakteristika des NLP gegeben werden:

Der Deutsche Verband für Neuro-Linguistisches Programmieren (DVNLP), der im deutschsprachigen Raum als Standardsetter des NLP fungiert, definiert NLP wie folgt: „Das Neuro-Linguistische Programmieren beschreibt – ausgehend von Erkenntnissen der modernen Systemtheorie, Linguistik, Neurophysiologie und Psychologie – die wesentlichen Prozesse, wie Menschen sich selbst und ihre Umwelt wahrnehmen, diese Informationen auf ihre eigene Weise verarbeiten, auf dieser Grundlage handeln, entsprechend miteinander kommunizieren, lernen und sich verändern.“5

Hege und Kremse bezeichnen NLP indes als den „ersten umfassende(n) Ansatz überhaupt“6 im Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation.

Da zahlreiche Definitionen ähnlich offen formuliert sind, wird NLP auch oft mit einem Werkzeugkasten verglichen oder als eine Sammlung von Kommunikationstechniken beschrieben.7

Im Kontext der beruflichen Anwendungsmöglichkeiten, der für die vorliegende Arbeit den Untersuchungshorizont darstellt, lassen sich unter NLP „Methoden [...] zur Verbesserung zwischenmenschlicher Kommunikation, vertrauensvoller Beziehungen sowie präzisen Avisierens von Zielen“8 subsummieren. Hierzu zählt auch die Kompetenzentwicklung in den Bereichen der Präsentations- und Überzeugungstechniken.9

3. Chancen

3.1 Relevanz in der beruflichen Praxis

Die Anwendungsgebiete des NLP sind vielfältig, da es sich - wie eingangs vorgestellt - bei NLP um eine umfangreiche Kollektion persönlichkeitsentfaltender Techniken handelt. Diese umfassen nicht nur die Entwicklung der eigenen Führungspersönlichkeit und des eigenen Führungsstils, sondern auch Potenziale im Bereich der Produktentwicklung, Mitarbeitermotivation und gar in der Sinnfindung des Lebens.10 Auch wird NLP als Denkweise und Denkrichtung im wirtschaftlichen Umfeld instrumentalisiert, was sich nach Brinkmanns Auffassung beispielsweise in Forschungs- und Entwicklungsbereichen oder in Managementprozessen zeigt.11 Neben diesen zwischenmenschlichen Bereichen soll NLP auch den eigenen Lebens- und Arbeitsstil weiterentwickeln: Burn-out-Prävention, Selbst-Management, Spaß an den eigenen Aufgaben und innerer Antrieb zu Höchstleistungen.12

Konsens besteht in der Literatur darüber, NLP als ein für Führungskräfte ganzheitlich geeignetes und erfolgsversprechendes Kommunikationsmodell einzusetzen.13 Dieser Aspekt wird im vierten Kapitel nochmals aufgegriffen und dort anhand der durchgeführten empirischen Untersuchung mit neuen Erkenntnissen verknüpft. Außerdem werden neue und gegebenenfalls in der Literatur seltener behandelte Anwendungen der Nutzer diskutiert.

Die heutige Relevanz von NLP im betrieblichen Umfeld wird dadurch bekräftigt, dass eine anerkannte NLP-Ausbildung für Personaler in einigen Unternehmen vorausgesetzt wird.14 Seit einigen Jahren werden zielgerichtete Business-Pakete des NLP angeboten, bei denen auf psychotherapeutische Inhalte verzichtet, kommunikative und rhetorische Konzepte jedoch stärker vertieft werden.15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Überblick über Themenschwerpunkte des NLP16

3.2 Würdigung durch den BFH

Am 28.08.2008 entschied der Bundesfinanzhof, dass Teilnahmegebühren von NLP- und Supervisionskursen unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich absetzbar sind. Dies kann als Würdigung und Aufwertung des NLP gewertet werden, da in der Urteilsbegründung die Bedeutung einer solchen Fortbildung für Führungskräfte und Arbeitnehmer aufgeführt wurde. Aus Sicht des BFH dienen sie der „Sicherung und Verbesserung der Qualität beruflicher Arbeit [...].“17 Ferner deutet die höchste Instanz der Finanzgerichtsbarkeit „die angestrebten Fähigkeiten (z.B. Kommunikationsfähigkeit) als Bestandteil der Sozialkompetenz („Soft Skills“) Schlüsselqualifikationen [...], die bei der Wahrnehmung von Führungspositionen im Wirtschaftsleben erforderlich sind.“18 Eine etwaige Akkreditierung oder formale Anerkennung (etwa durch den DVNLP) der ausbildenden Institute wurde für die Absetzbarkeit der Seminargebühren nicht als Notwendigkeit aufgeführt, lediglich die Einschränkung, dass es sich bei dem ausführenden Trainer um einen „beruflichen Veranstalter“19 handeln müsse. Vielmehr sieht der BFH die Wertigkeit dieser Veranstaltung durch einen entsprechenden Kundenstamm gegeben und setzt daher einen ähnlichen beruflichen Hintergrund der teilnehmenden Personen voraus, wobei sich dieser nicht auf die Berufsgruppe, sondern auf die „Art ihrer beruflichen Tätigkeit (hier: Führungsposition)“20 bezieht.

3.3 Zuspruch aus der Hirnforschung

Zum Status quo haben die Techniken des NLP vor allem deswegen wenig Reputation, da ihre Wirksamkeit wissenschaftlich nicht oder nicht hinreichend nachgewiesen werden konnte, wie im Kapitel 4.1 erläutert wird. Neue Erkenntnisse der Hirnforschung ergeben, dass zahlreiche Annahmen des NLP auch wissenschaftlich nachvollziehbar sind. Nachfolgend sollen diese Prämissen in Verbindung mit dem jeweiligen Forschungsergebnis, welches diese stützt, vorgestellt werden:

Eine Grundannahme im NLP besagt, dass die Landkarte nicht das Gebiet ist. Diese Aussage bezieht sich auf die Wahrnehmung des Menschen, der nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit wahrnimmt, diese jedoch oft für die ganze Wahrheit oder Wirklichkeit hält.21 Dies wird durch die moderne Hirnforschung insofern bestätigt, dass jeder Sinnesreiz einen mehrstufigen Filterprozess im Unterbewusstsein durchläuft, eher dieser möglicherweise an eine Hirnregion des Bewusstseins weitergeleitet wird.22

Ein zentraler Bereich des NLP beschäftigt sich mit Glaubenssätzen. Diese beschreiben vorherrschende Standardstrukturen im menschlichen Verhalten und Denken, die durch mehrfaches Erleben verstärkt oder gezielt aufgebaut werden können.23 Dies deckt sich mit der Erkenntnis, dass der Informationsaustausch in der Hirnrinde durch Wiederholung begünstigt wird und sich zu diesem Zweck eigene Verbindungen bilden können.24

Eine besondere Relevanz hat im NLP das Modell der Beliefs (Überzeugungen) inne, durch welche sich der Anwender auf selbst gesteckte Ziele in der Persönlichkeitsentwicklung einstimmt, sich darauf programmiert.25 Genau diese Fähigkeit sieht die Hirnforschung in der „Plastizität des Gehirns“ gegeben und geht somit ebenfalls davon aus, dass unser Denken trainierbar (programmierbar) ist.26

Um alte Verhaltensweisen durch neue zu ersetzen, bietet das NLP Techniken an, die darauf basieren, den neuen Verhaltensweisen eine stärkere Intensität zu verleihen. Die angestrebte Verhaltensweise muss mit allen Sinnen verdeutlicht werden und möglichst häufig wiederholt werden.27 In der Hirnforschung geht man nunmehr davon aus, dass Wiederholung neuronale Verknüpfungen verstärken, bis sich eine schnelle und zuverlässige Datenverbindung aufgebaut hat. Sind solche Verbindungswege einmal entstanden, lassen sie sich nicht mehr rückgängig machen. Somit ist auch das häufig Auslassen negativer und ungewollter Assoziation im NLP neuropsychologisch bestätigt. Das Vorstellen der nicht gewollten Denkweise fördert eben diese Weise durch die Verstärkung der synaptischen Verknüpfung.28 Dies berücksichtigt NLP ebenfalls im Reframing, bei dem eine emotionale Reaktion in einen gänzlich neuen Rahmen gestellt wird, um nicht die alten Reaktionen zu wiederholen.29

Besonders hervorzuheben ist abschließend, dass aufgrund dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse höhere Ausbildungsstandards für NLP-Trainer gefordert werden. Dieser Aspekt wird im folgenden Kapitel weitergeführt werden.

4. Grenzen

4.1 Wissenschaftlichkeit

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es zahlreiche Streitpunkte im Bezug auf das Neuro-Linguistische Programmieren. Allerdings muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass die Annahmen dieses Kapitels sich vornehmlich auf die Erkenntnisse Bördleins aus dem Jahr 2002 beziehen. Im vorherigen Kapitel wurden bereits neuere Forschungsresultate der Neuropsychologie aus dem Jahr 2006 vorgestellt und zum Wirksamkeitsnachweis spezifischer NLP-Techniken herangezogen. Insofern werden hier die grundsätzlichen Kritikpunkte vorgestellt.

Zunächst ist historisch festzustellen, dass die Begründer des NLP (Bandler und Grinder) ihren Untersuchungsprozess nicht oder nicht angemessen dokumentiert haben.30 Nach Einschätzung Bördleins soll ferner der von Bandler und Grinder angewandte sprachliche Stil fachlichen und wissenschaftlichen Tiefgang vortäuschen. Fachbegriffe werden jedoch durcheinander und zusammenhanglos angewendet, sodass Bördlein hier von einem „Wissenschaftsmimikry“31 spricht. Betrachtet man die Wirksamkeit im Allgemeinen, so lässt sich feststellen, dass eine große Zahl der NLP-Anwender von dieser überzeugt ist. Allerdings fehlt es an validen und reliablen Untersuchungsergebnissen aus der Wissenschaft.32 Zumal die Ermangelung wissenschaftlicher Mindestansprüche in zahlreichen veröffentlichten Wirksamkeitsstudien ein negatives Licht auf die Seriosität von NLP wirft.33

4.2 Open Source - Problematik

In der Informatik zeichnen sich Open-Source-Programme dadurch aus, dass sie frei weitergegeben und weiterentwickelt werden können.34 Im Bereich von Computersoftware kann dies sehr positive Effekte erreichen. Im Bezug auf Kommunikationstechniken und insbesondere im Bereich der Psychotherapie wirkt die Vorstellung einer frei weiterentwickelbaren Technik allerdings beängstigend.

Dies mag der Grund dafür sein, dass Krutiak höhere Zulassungsbeschränkungen zu NLP-Ausbildungsprogrammen fordert, um den neuropsychologischen Fachkenntnissen gerecht zu werden.35 Im derzeitigen NLP-Practitioner-Programm werden keinerlei Beschränkungen für die Zulassungen durch den DVNLP genannt.36 Dies erschwert den Vorwurf der Unseriosität, der auf NLP lastet, unnötig.

[...]


1 Vgl. Bußmann, Nicole (2004), S. 59

2 Vgl. Bördlein, Christoph (2002), S. 99 ff.

3 Vgl. Seidl, Barbara (2008), S. 12

4 Aufgrund des begrenzten Umfangs der Arbeit soll auf die Grundlagen des NLP hier nicht näher eingegangen werden. Entsprechende Literatur wird jedoch in den Fußzeilen bei jedem erwähnten Modell aufgezeigt.

5 DVNLP (2006), S. 3

6 Hege, Rudolf; Kremser, Gisela (2007), S. 2

7 Vgl. Bußmann, Nicole (2006), S. 45

8 DVNLP (2006), S. 6

9 Vgl. ebenda, S. 6

10 Vgl. Hege, Rudolf; Kremser, Gisela (2007), S. 127

11 Vgl. Brinkmann, Manuela (2008), S. 13

12 Vgl. Bußmann, Nicole (2004), S. 61 f.

13 Vgl. Braun, Roman (2007), S. 14, vgl. hierzu ebenso Brinkmann, Manuela (2008), S. 23 und vgl. Stein, Stefan (2002), S.19 und Kutschera, Grundl (1995), S. 59 ff. und vgl. Bußmann, Nicole (2004), S. 58 ff.

14 Vgl. Bußmann, Nicole (2004), S. 59

15 Vgl. Bußmann, Nicole (2000), S. 51

16 Eigene Darstellung

17 BFH-Urteile vom 28.08.2008, VI R 44/04 und VI R 35/05, S. 1

18 Ebenda, S. 1

19 Ebenda, S. 1

20 Ebenda, S. 1

21 Vgl. Seidl, Barbara (2008), S.15 f.

22 Vgl. Krutiak, Harald (2006), S. 9

23 Vgl. Braun, Roman (2007), S. 119

24 Vgl. Krutiak, Harald (2006), S. 10

25 Vgl. Kutschera, Gundl (1995), S. 235

26 Vgl. Krutiak, Harald (2006), S. 11

27 Vgl. Brinkmann, Manuela (2008), S. 133 ff.

28 Vgl. Krutiak, Harald (2006), S. 11

29 Vgl. Hege, Rudolf; Kremser, Gisela (2007), S. 51

30 Vgl. Bördlein, Christoph (2002), S. 99

31 Vgl. Bördlein, Christoph (2002), S. 100

32 Vgl. Grawe, Klaus; Donati, Ruth; Bernauer, Friederike (1994), S. 735

33 Vgl. Bördlein, Christoph (2002), S. 102

34 Vgl. Mundhenke, Jens (2007), S. 40

35 Vgl. Krutiak, Harald (2006), S. 13

36 Vgl. DVNLP, http://dvnlp.de/fileadmin/dvnlp_dateien/docs/Curicula_ab2009/Practitioner.pdf, S.1 (Abrufdatum: 21.04.2009)

Details

Seiten
22
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640420445
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v134713
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart – VWA-Studienakademie
Note
1,3
Schlagworte
NLP Neuro-Linguistisches Programmieren Management Kommunikation Rhetorik Führungskräftetraining Management-Training Systemtheorie Linguistik Neurophysiologie Kommunikationstechniken

Autor

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