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Venedig - Morbides Sinnbild für ganz Italien?

Hausarbeit 2009 28 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kurze Geschichte Venedigs

3 Venedig als morbides Sinnbild für ganz Italien?
3.1 Primärer und sekundärer Sektor – belastende Reste aus besseren Tagen
3.2 Tourismus – notwendiges Übel oder lediglich Belastung für die Stadt?
3.3 Altersschwache Infrastruktur und bröckelnde Bausubstanz
3.4 Ökologische Probleme
3.5 Bevölkerungsentwicklung und Mentalität der Verbliebenden
3.6 Venedig in der Kunst

4 Modernisierungsversuche

5 Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Venedig – die Serenissima, die Königin der Adria oder doch die Todgeweihte? Im Lauf ihrer Geschichte wurde diese Stadt von den verschiedensten Menschen besucht, geschildert und analysiert, so dass man im Zusammenhang mit ihr oft hört sie sei die meist beschriebene Stadt der Welt. Ob dies tatsächlich der Wahrheit entspricht sei dahingestellt, aber mit Sicherheit mangelt es uns heute nicht an Literatur, die sich mit ihr beschäftigt. Seit einiger Zeit interessieren sich auch die verschiedenen Wissenschaften für sie. Venedig ist zu einem Phänomen geworden, das zu untersuchen schon viele gelockt hat. Heutzutage berichten die Medien immer wieder darüber wie labil und gefährdet die romantischste aller Städte ist, ebenso wie sie hauptsächliche negative Schlagzeilen über das liebste Urlaubsland der Deutschen bringen. Ob Venedig wirklich dem Untergang geweiht ist und warum das so zu sein scheint soll diese Arbeit näher beleuchten. Die Probleme Venedigs zu untersuchen ist jedoch schwierig, da sie so zahlreich und meist vielschichtig sind: die Hochwasser, der Exodus der Venezianer, die Überalterung der Bausubstanz und der Infrastruktur, die chronische Geldknappheit, die Debattierfreudigkeit seiner Entscheidungsträger und nicht zu vergessen der Massentourismus, der die Stadt einerseits finanziert, andererseits jedoch ihre größte Bedrohung darstellt. Die Besucherströme lassen die Stadt förmlich zu einer postmodernen Museumsstadt werden, in der man die morbide Pracht dieses alten und sehr fragilen Stadtgefüges zu begutachten scheint, wie die Bilder einer Ausstellung.1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Venedig (Luftbild)

Um verstehen zu können, wie es dazu kam und warum Venedig heute so existiert, wie wir es kennen, ist es unumgänglich seine Geschichte in diese Betrachtung mit einzubeziehen. Die verschiedenen Phasen, die die Stadt in ihrer bewegten Geschichte durchlaufen hat, machen schnell klar, wie Venedig das Gesicht bekam, das es uns heute zeigt. Was auf keinen Fall außen vorgelassen werden darf, wenn man den Zustand Venedigs untersuchen möchte, ist die Entwicklung des Städtetourismus im Allgemeinen, da dieser die Stadt besonders stark beeinflusst. Erste Ansätze kann man in der sogenannten „Grand Tour“2 sehen, die im 17. Jahrhundert eine gängige Praxis darstellte.3 Schon damals zählte Venedig zu den wichtigsten Reisezielen. Als Folge der Einführung des bezahlten Jahresurlaubs entwickelte sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts der uns heute so vertraute Massentourismus. In den 1990er Jahren dann setzte buchstäblich ein Boom des Städtetourismus ein. Dieser ist wohl am meisten auf die Flexibilisierung der Arbeitszeiten zurückzuführen, die eher zu Kurzurlauben anregt. Während diesen will der Reisende des 21. Jahrhunderts möglichst viele Optionen vereinen. Eine Städtereise bietet diese Kombinationsmöglichkeit von Shopping, Restaurantbesuch und Kultur in Form von Stadtbesichtigungen und Veranstaltungen auf engstem Raum. Und gerade diese Vielfältigkeit macht es schwer Städtetourismus zu definieren. Eine möglichst allgemeingültige Definition wäre wohl folgende: „Städtetourismus umfasst jede erdenkliche Form eines Aufenthalts von nicht-ortsansässigen Menschen, die eine Stadt aus geschäftlichem oder privatem Interesse – sei es mit oder ohne Übernachtung – besuchen.“4 Selbstverständlich bringt er spezielle positive Effekte für die jeweils besuchte Stadt mit sich. Gleichzeitig treten jedoch unvermeidlich auch negative Begleiterscheinung auf.5 Diese Arbeit soll ebendiese speziell für Venedig untersuchen. In den einzelnen Kapiteln will ich jeweils exemplarisch darlegen, wie sich die heute so viel beschriebene Morbidität der Serenissima entwickelt hat. Aufgrund der Komplexität werde ich mich jeweils auf Einzelaspekte konzentrieren, um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen. Desweiteren soll untersucht werden, ob und inwiefern der Zustand Venedigs den von ganz Italien wiederspiegelt.

2. Kurze Geschichte Venedigs

Hier möchte ich schon sehr früh ansetzen, da Venedig als Stadt aufgrund seiner Einzigartigkeit auch überdurchschnittlich von seiner Geschichte gezeichnet ist. Bis heute gibt es keine vergleichbare Stadt. Seine Besonderheit spiegelt sich auch heute noch im speziellen Charakter der wenigen noch verbliebenen Venezianer wieder, auf den später noch einmal gesondert eingegangen wird. Der Legende nach gründen am 5. März 421 Flüchtlinge die Stadt Venedig. Trotz der Unwirtlichkeit der Lagune bilden sich um 568 sogar mehrere einzelne dauerhafte Siedlungen, die vor allem von Fischfang und Salzhandel leben. Bis etwa 840 stellt die Lagune den westlichsten Außenposten des byzantinischen Reiches dar. Die Statthalterschaft überlässt der oströmische Kaiser dem sogenannten Dogen. Etwa um 810 wird auf der „Rivus altus“6 genannten Inselgruppe eine Siedlung gegründet – das spätere Venedig. Gleichzeitig erfolgt die Verlegung des Amtssitzes des Dogen von Malamocco nach „Rivus altus“. Zusätzlich schaffen 828 zwei venezianische Kaufleute die Reliquie des Evangelisten Markus aus Alexandria nach „Rivus altus“ und verhelfen so der Stadt zu ihrem Schutzheiligen, ebenso wie zu ihrem späteren Wappen und Namen „Serenissima Repubblica di San Marco“7.8 Ab dem 10. Jahrhundert bemüht sich Venedig aktiv um die Kontrolle des Handels auf der Adria und dem norditalienischen Festland und wird so allmählich zur Handelsdrehscheibe

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Abbildung 2: Bergung des Leichnams des heiligen Markus
(Tintoretto, 1566)

zwischen Orient und Okzident. Geschickte Politikführung und kriegerische Aktivitäten verhelfen den Venezianern zu bestimmten Handelsprivilegien, die eine weitere Ausbreitung ihres Machtbereichs möglich machen. Im Jahr 1104 gründet man das Arsenal, die venezianische Staatswerft, die Anfang des 14. Jh. zur größten Werft Europas angewachsen ist. Mit ihrer Hilfe kann die Handelsmetropole ihre Kontrolle behaupten und noch weiter ausdehnen. Aber nicht nur im Handel erlangt Venedig Ruhm. 1177 legen Papst Alexander III. und Kaiser Friedrich I. Barbarossa im legendären „Frieden von Venedig“ ihren jahrzehntelangen Streit um die Vorherrschaft im Abendland bei und machen damit die Stadt zum Mittelpunkt europäischer Politik. Ergebnis dieser „Gastfreundschaft“ sind weitere vergünstigte Handelsbedingungen. 1204 erobert ein venezianisch-französisches Kreuzfahrerheer Konstantinopel und legt so endgültig den Grundstein für das Kolonialreich und den Aufstieg der Serenissima zu einer Großmacht des Mittelmeeres. Aber auch kaufmännisches Gespür unterstützt die Markusstadt auf ihrem Weg an die Spitze: 1228 führen die Venezianer mit dem „Fondaco dei Tedeschi“ eine Art Warenbörse ein und locken so internationale Händler in ihre Stadt, sodass sie noch mehr Kontrolle ausüben und gleichzeitig Abgaben und Zölle kassieren können.9 Einer der größten Konkurrenten der Lagunenstadt ist Genua – ab 1257 kommt es deshalb mehrfach zu kriegerischen Konfrontationen, die erst 1381 enden. Aufgrund der regen Handelstätigkeit kommt es im Jahr 1347 erstmals zur Einschleppung der Pest – mehr als die Hälfte der über 120.000 Einwohner fallen der Seuche zum Opfer; ganz Europa wird von der Epidemie erfasst. Ähnlich im Jahr 1630, als die Seuche wiederkehrt und trotz modernster Bekämpfungsmaßnahmen noch einmal ähnlich stark wütet. Diesmal erholt sich die Stadt nur langsam. Als Dank für die Erlösung von der Seuche wird die Kirche Santa Maria della Salute gebaut, die ein Vermögen kostet und heute unzählige Besucher in die Stadt lockt.10

Im 15. Jh. widmet sich die Lagunenmetropole erfolgreich der weiteren Kontrolle des Festlandes (=„terraferma“) und kann sogar zu einer der großen italienischen Landmächte (neben z.B. dem Kirchenstaat oder Neapel) aufsteigen. Als jedoch im Jahr 1492 Amerika und 1498 der Seeweg nach Indien entdeckt werden, verlagern sich die Handelsströme zu Venedigs Ungunsten mehr auf den Atlantik und leiten so den Abstieg der Handelsmetropole ein. Trotzdem leben in Venedig um 1590 schätzungsweise 190.000 Menschen – mehr als zu jeder anderen Zeit. 1719 verliert die Serenissima ihre letzte wirtschaftliche Vormachtstellung, jene im Adriahandel, an aufblühende adriatische Freihäfen wie beispielsweise Triest. Selbst wird ihr dieser Status nämlich erst 1830 zugestanden. Dennoch lässt der Senat zum dauerhaften Schutz der Lagune vor Sturmfluten von 1740 bis 1778 unter großem finanziellem Aufwand die sogenannten „murazzi“11 bauen.12 Schon im Jahr 1786 spricht man im Zusammenhang mit Venedig vom Wandel einer Handels- und Wirtschaftsmetropole zu einer Touristenattraktion. Diese heute so belastende Karriere nahm also schon sehr früh ihre Anfänge. Ferner hört im Jahr 1797 die Serenissima Repubblica tatsächlich zu existieren auf, als Napoleon den 120. Dogen, Lodovico Manin (Abb. 3), zum Rücktritt zwingt – französische Truppen besetzen die bisher niemals eroberte Stadt.13

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Abbildung 3: Ludovico Manin, 120. Doge von Venedig

Jedoch überlässt Napoleon die Stadt und ihre festländischen Besitzung im Friedensvertrag von Campoformio den Österreichern. Diese leiten 1841 den Bau einer Eisenbahnbrücke in die Wege, die fünf Jahre später Venedig mit dem Festland verbindet und die Stadt so wesentlich zugänglicher macht. Im Revolutionsjahr 1848 wird am 23. März unter Daniele Manin die „Repubblica di San Marco“ in Venedig ausgerufen, die über ein Jahr ihre Unabhängigkeit von Österreich behaupten kann. Am 23. August 1849 wird die Stadtrepublik von österreichischen Truppen blutig erobert. In Folge der Niederlage Österreichs gegen Preußen im Krieg von 186614 geht Venedig gemäß dem Frieden von Wien vom 3. Oktober 1866 an Italien. Während dem Ersten Weltkrieg ist Venedig mehrfach starkem Bombardement ausgesetzt, nimmt jedoch keinen vernichtenden Schaden. Etwa zur selben Zeit forciert man mit der Eröffnung des Hafens Marghera (1917) Industrieansiedlungen, die während der 1920er mit der Errichtung des Industriekomplexes Mestre-Marghera, dem Bau einer Autobrücke (1929-1933), eines Bahnhofes und künstlicher Inseln immer weiter voranschreiten. Bis weit in die 70er Jahre hinein wird der Industrie Vorrang vor allem anderen gewährt, so dass die Lagune sich in eine Kloake verwandelte, die aufgrund der Zerstörung ihres fragilen ökologischen Gleichgewichts immer häufiger schlimmen Überschwemmungen ausgesetzt wurde. Den Höhepunkt dieser Entwicklung erreicht man 1966, als am 4. November der historische Pegelhöchststand von 1,94 m über Normalnull erreicht wird. Als Reaktion entstehen zahlreiche internationale Hilfsprogramme zur Rettung der Lagunenstadt. Die schon um 1890 einsetzende Abwanderung der Bevölkerung, die durch die rücksichtslose Industrie- und Tourismuspolitik immer gravierender wurde, kommt inzwischen einem Exodus gleich. Heute besuchen Jahr für Jahr mehr als zehn Millionen Touristen das historische Zentrum Venedigs, in dem inzwischen nur noch rund 60.000 Venezianer leben.15

3. Venedig als morbides Sinnbild Italiens ?

Immer wieder liest oder hört man von Venedig als der sinkenden Stadt. Im Zusammenhang mit Italien fallen einem zunächst Urlaub und gutes Essen ein, aber laut der Medien scheint es von der aktuellen Wirtschaftskrise besonders hart getroffen.16 Ebenso wird Venedig von seinen Besucherhorden immer mehr auf die Probe gestellt. Aber inwiefern spiegelt die prekäre Situation Venedigs den Zustand von ganz Italien - dem spät geeinten Nationalstaat, mit seinem Sorgenkind dem Mezzogiorno, seiner komödienhaften Politik und seinen ökonomischen Schwierigkeiten - wider?

3.1 Primärer und sekundärer Sektor – belastende Überreste aus besseren Tagen

Tatsächlich möchte ich die Bereiche des primären und sekundären Sektors in meiner Analyse nur streifen, da sie keine tragende Rolle für Alt-Venedig spielen, auf das sich diese Untersuchung konzentriert. Dennoch erachte ich sie als zu wichtig, um sie völlig außen vor zu lassen, da zumindest der sekundäre Sektor - vornehmlich in Form von Porto Marghera - großen Einfluss auf die Entwicklung Venedigs hatte und immer noch hat. Vor allem die Probleme ökologischer Art, die durch Eingriffe der Industrie in das Lagunenökosystem entstanden sind, bedrohen Alt-Venedig (siehe 3.4).

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Abbildung 4: Fischer in der Lagune

Die Landwirtschaft im Raum Venedig ist heute fast gänzlich zu vernachlässigen, da sie sich nur auf einen sehr bescheidenen Anbau von Gemüse auf einigen der kleineren Inseln und eine minimale Aktivität von Fischerei beschränkt. Vor allem ist hier Sant’Erasmo zu erwähnen, das traditionell als Gemüselieferant für die Bewohner der Altstadt fungiert. Das wenige angebaute Obst und Gemüse wird dann auf Märkten17, wie dem Mercato di Rialto18, in der Stadt verkauft. Teil davon ist auch die Pesceria, ein Fischmarkt, auf dem u. a. die Fische und Muscheln verkauft werden, die trotz der starken Belastung der Lagune noch vor Ort gezüchtet bzw. gefischt (Abb. 4) werden.19 Erwähnenswert wäre mit Sicherheit auch die sehr intensivierte Landwirtschaft, die auf dem Festland ihren Sitz hat, jedoch ist auch dieser Bereich für diese Analyse nur insofern interessant, als die in die Lagune eintretenden Düngemittel ebenfalls eine Belastung für diese darstellen(siehe 3.4). Weit mehr lässt sich zur Entwicklung des sekundären Sektors in Venedigs Umfeld sagen, da dieser seit jeher viel diskutiert ist.20 Inwiefern er für die Stadt eine Bereicherung oder ein Belastung darstellt, muss kritisch bewertet werden. Den Anfang der Industrialisierung stellte das Gründungsgesetz 1917 dar21, mit dem die Geschichte von Porto Marghera als Industriestandort seinen Anfang nahm. Das relativ späte Gründungsdatum ist darauf zurückzuführen, dass die Industrialisierung in Italien allgemein später als in anderen europäischen Staaten einsetzte.22 Da Italien selbst nur über wenig Rohstoffe verfügt waren schon immer Importe nötig. Deshalb setze Volpi, der Planer von Porto Marghera, von Anfang an auf solche Branchen, die transportkostenintensiv sind, weil sie einen großen Bedarf an sogenannten „armen Rohstoffen“ haben.23 Für diese Branchen war eine Ansiedlung direkt an einem Hafen sinnvoll, weil so Transportkosten gespart werden konnten.

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Abbildung 5: Porto Marghera ca. 1950-1960

Die Idee der fabrikeigenen Kais in Porto Marghera wurde speziell darauf abgestimmt. Diese Fakten führten, zusammen mit der Tatsache, dass dank der Nähe der Alpen - mit seinen Hydroelektrizitätswerken - ausreichend billige Energie zur Verfügung stand zur Ansiedlung bestimmter Industriebranchen in Porto Marghera.24 Hierzu zählten u. a. die Grundstoffchemie (Petrolchemie, Düngemittelerzeugung, Kunststoff- und Chemiefaserherstellung), die Metallurgie (Aluminium, Zink), Mineralölverarbeitung, Flachglaserzeugung und Kokerei und die Schamottenbrennerei. Davon unabhängig siedelten sich in Porto Marghera noch Schiffs- und Maschinenbau, Nahrungsmittelerzeugung sowie Mühlenindustrie an. Einige dieser Branchenzweige entwickelten sich als Folge anderer bereits vorhandener Industrien25, die selbst wiederum aufgrund des speziellen Standortes auftraten. Allgemein wurde in Porto Marghera ein hoher Grad an Verzahnung der einzelnen Betriebe untereinander erreicht.26 Im Lauf der Zeit traten natürlich noch äußere Einflüsse hinzu, wie etwa die Weltwirtschaftskrise27 oder die Teilnahme an verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzungen28, die die branchentechnische Entwicklung des Industriegebietes veränderte. Die verschiedenen Phasen lassen sich wie folgt einteilen: Erste Gründungsphase (1917-32), Erste Konsolidierungs- und Ausbauphase (1933-42/43), Intervallphase (1943/44-52), Zweite Gründungsphase (1953-62), Zweite Konsolidierungs- und Ausbauphase (1963­73) und Umstrukturierungs- und Abbauphase (ab 1974). Wie die Betitelung der einzelnen Phasen schon vermuten lässt, war das Industriegebiet einigem Auf und Ab ausgesetzt, die zuletzt in seinen verstärkten Abbau mündeten, da der Platzmangel, die allgemeinen branchenspezifischen Konjunkturkrisen, die Überalterung der Anlagen und vor allem die politischen Entwicklungen im Bereich des Umweltschutzes übermächtig wurden. Trotz staatlicher Eingriffe und großen Investitionssummen scheint die Rettung von Porto Marghera als führenden Industriestandort in Italien und Europa schwierig zu sein. Neuere Ansätze sprechen davon auf Leichtindustrie umzusatteln, aber ob dies tatsächlich geschehen wird, ist fragwürdig.29 Tatsächlich wäre es für Venedig und seine Umgebung – was den Verlust der Arbeitsplätze angeht – fatal, sollte Porto Marghera tatsächlich als Standort total aufgegeben werden. Heute stellt es trotz der inzwischen zahlreich eingeleiteten Gegenmaßnahmen vor allem eine ökologische Belastung für die Lagune und damit eine Gefahr für Alt-Venedig dar. Jedoch ist dies nicht die einzige und wie es scheint vor allem nicht die schlimmste Bedrohung, die die Serenissima heute bedrängt.

[...]


1 vgl. WEISS, W. M. (2002, S.10ff)

2 im 17. Jh. gebräuchliche Kultur- und Bildungsreise junger Adliger durch Europa

3 vgl. FREYTAG, T.; POPP, M. (2009, S.4-11)

4 FREYTAG, T.; POPP, M. (2009, S.7)

5 vgl. FREYTAG, T.; POPP, M. (2009, S.4-11)

6 „hohes Ufer“ -* Rialto

7 „Allerdurchlauchteste Republik von San Marco“

8 vgl. WEISS, W. M. (2002, S.64f)

9 vgl. KARSTEN, A.; MISCHER, O. (2007, S.172ff)

10 vgl. SALLER, W. (2007, S.128-138)

11 gewaltige Steinwälle an den lid i zum Zweck der Uferbefestigung

12 vgl. HUSE, N. (2005, S.25f)

13 vgl. KARSTEN, A.; MISCHER, O. (2007, S.176)

14 Das 1861 neu gegründete Königreich Italien ist Verbündeter Preußens.

15 vgl. KARSTEN, A.; MISCHER, O. (2007, S.177)

16 vgl. STILLE, A. (2009, S.18-22)

17 vgl. DÖPP (1977, S.109-146)

18 existent seit 1079. An die Stelle des traditionellen Fischmarktes wurde 1907 die Pescheria, eine neogotische Markthalle mit offenen Arkaden und originell verzierten Säulen, traditionsgemäß auf Lärchenholzpfählen erbaut. vgl. MTCH AG (2009)

19 vgl. BUCHWALD, K. (1995, S.102)

20 vgl. DÖPP (1986, S.322)

21 vgl. BUCHWALD, K. (1995, S.99)

22 vgl. DÖPP (1986, S.12)

23 vgl. DÖPP (1986, S.22)

24 vgl. DÖPP (1986, S.35)

25 vgl. DÖPP (1986, S.54)

26 vgl. DÖPP (1986, S.318)

27 vgl. DÖPP (1986, S.75)

28 vgl. DÖPP (1986, S.98f)

29 vgl. DÖPP (1986, S.321)

Details

Seiten
28
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640420438
ISBN (Buch)
9783640420278
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v134712
Institution / Hochschule
Universität Passau – Lehrstuhl für Regionale Geographie
Note
1,0
Schlagworte
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Titel: Venedig - Morbides Sinnbild für ganz Italien?