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Die Aktualität des Filmes Fahrenheit 451 von Francios Truffaut

für den Deutschunterreich

Seminararbeit 2008 15 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhalt:

I. Einleitung

II. Hauptteil

1. Kurzusammenfassung des Inhalts

2. Untersuchung: Aktualität der 3. Szene des Films
2.1 Fernsehen als Gefahr: Aktuelle Thematik oder veraltete 5 Zukunftsvision?
2.2 Filmische Darstellung
2.2.1 Austattung
2.2.2 Filmische Mittel
2.3 Arbeitsaufträge für Schüler

3. Bücherverbrennung
3.1 Fahrenheit 451- Szene 10
3.2 10. Mai. 1933- 1938
3.3 Arbeitsauftrag für Schüler

III. Schluß

IV. Literaturverzei chnis

I. Einleitung

"Kino hat in der Erziehungsgeschichte des 20. Jahrhunderts einen ebenso geringen Stellenwert wie Sexualität. Dabei spielen beide Bereiche eine zentrale Rolle in der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Es ist immer wieder erstaunlich wie Pädagogen- Theoretiker und Praktiker- an Bereichen vorbeigehen, die für die Kinder und Jugendlichen von höchstem Interesse sind."[1]

Dieses Zitat von Friedrich Koch drückt aus, was in vielen Klassenzimmern die Realität ist. Der Umgang mit Filmen im Unterricht findet meist nur aus Gründen der Unterhaltung statt, anstatt den Film didaktisch sinnvoll zu nutzen.

Medien prägen unsere Welt, vor allem die der jungen Generation. In den letzten Jahren fand ein regelrechter Boom neuer Techniken im Medienbereich statt, sei es das Internet, Handy und nicht zuletzt auch Film und Fernsehen.

Damit Kinder und Jugendliche in einer Gesellschaft, welche von Medien geprägt ist, bestehen können, müssen sie früh den verantwortungsvollen Umgang mit den Medien lernen.

Sie müssen lernen den Inhalt zu verstehen, aber auch zu kritisch zu hinterfragen und sich produktiv damit auseinanderzusetzen.[2]

Es ist daher erforderlich Filmerziehung in Schulen zu fördern. Einerseits müssen die Schüler den Fortschritt des letzten Jahrhunderts erkennen und den sinnvollen Umgang mit Medien erlernen, um so die Vorzüge nutzen zu können.

Andererseits soll ihnen klar werden welche Gefahren Medien, insbesondere auch Film und Fernsehen, mit sich bringen. Damit sei unter anderem Realitätsverlust gemeint, wie es in kulturkritischen und kulturpessimistischen Ansätzen heißt. Neil Postmann hat in den 1980ern durch Titel wie "Wir amüsieren uns zu Tode" und "Das Verschwinden der Kindheit" auf diese Denkweise hingewiesen.[3]

Der Science Fiction Film "Fahrenheit 451" von Truffaut aus dem Jahre 1966 eignet sich sehr gut, um mit Schülern über die Aktualität des Problems der Massenmedien zu diskutieren und ermöglicht zugleich durch eine Analyse der filmischen Mittel aus den 1960ern eine Einführung in die Technologie des modernen Films.

Als allgemeine Frage formuliert, soll nach der Aktualität des Films gefragt werden, um gegebenenfalls über eine Neuverfilmung des dystopischen Filmes nachzudenken.

Durch Behandlung dieses Films im Deutschunterricht in der Sekundarstufe II sollen folgende Lernziele erfüllt werden:

-Die Rolle der Massenmedien untersuchen und hinterfragen[4]
-Verantwortungsvollen Umgang mit Medien schulen
-Handlungs- und produktionsorientiertes Arbeiten
-Einblick in die Filmanalyse

1. Kurzzusammenfassung des Filminhalts

Der Science- Fiction Film spielt in einer nicht genau definierten Zukunft. Diese Welt ist streng diktatorisch aufgebaut und Bürger werden durch Verbote und direkte Manipulation durch Werbung kontrolliert. Der technische Fortschritt hat dafür gesorgt, dass die Häuser feuerfest wurden, doch die Feuerwehr hat trotzdem eine, für das System, wichtige Aufgabe: Die Verbreitung, der Besitz und vor allem das Lesen von Büchern ist unter Strafe verboten, deshalb besteht die neue Aufgabe der Feuerwehr darin, Bücher zu verbrennen.

Der Feuerwehrmann Guy Montag ist systemtreu und geht täglich seiner Arbeit nach, um Geld für die teuren Wünsche seiner Frau Linda zu verdienen. Eine Kommunikation zwischen dem Ehepaar findet nicht statt, da Linda in ihrer eigenen Welt lebt. Ihre Welt besteht aus einer Fernsehwand mitsamt der "Fernsehfamilie" und Aufputschmitteln.

Eines Tages jedoch trifft Montag die Lehrerin Clarisse. Die junge Frau bringt sein Weltbild ins Wanken, indem sie ihn fragt, ob er glücklich sei. Diese einfache Frage bringt Montag dazu, über sein Leben nachzudenken und er erkennt, dass irgendetwas fehlt. Durch Clarisse´s Einfluss beginnt er heimlich Bücher zu lesen und entdeckt dadurch einen neuen Sinn im Leben und beginnt sowohl an dem bestehenden System als auch an seiner Aufgabe zu zweifeln.

Dies hat zur Folge, dass er sich von seiner Frau emotional immer mehr entfernt, da sie absolut systemkonform ist und nicht mehr in sein Bild passt.

Doch ein bestimmter Vorfall zeigt ihm die ganze Grausamkeit dieses Systems: Er muss mit ansehen, wie eine alte Frau sich bei einem "Feuerwehreinsatz" mitsamt ihrer Bibliothek verbrennen lässt.

Clarisse muss derweil die Stadt verlassen und flieht zu den "Büchermenschen". Dabei handelt es sich um Menschen, die ein Buch auswendig lernen, um es für die Nachwelt zu erhalten.

Seiner Frau Linda entgeht Montags Sinneswandel nicht und sie entdeckt schließlich auch die Bücher, welche Montag versteckt. Sie ist schockiert und denunziert ihren Ehemann. Sein letzter Einsatz ist daher auch ein Einsatz in seinem eigenen Haus. Er wird von dem Direktor aufgefordert alle seine Bücher zu verbrennen, doch Montag richtet das Feuer auf seinen Vorgesetzten und tötet ihn.

Er flieht schließlich zu den Büchermenschen in den Wald und versucht durch das Auswendiglernen die Kultur zu erhalten.[5]

2.Untersuchung: Aktualität der 3. Szene des Films

2.1 Fernsehen als Gefahr: Aktuelle Thematik oder veraltete Zukunftsvision?

In der dritten Szene des Films sieht man wie Montag von der Arbeit nach Hause kommt. Aus dem Off hört man einen Fernseher laufen, die Kamera schwenkt in Richtung des Wohnzimmers, welches Montag gerade betritt. Auf dem Sofa liegt seine Frau Linda und sieht in Richtung Fernsehwand, der wie ein heutiger Flachbildfernseher aussieht. Sie zeigt keinerlei Reaktion auf das Nachhausekommen ihres Mannes, sie wirkt fast abwesend. Selbst auf den Begrüßungskuss folgt keine Regung. Erst als Montag seine Beförderung erwähnt, "erwacht" Linda aus ihrer Fernsehwelt. Sie erkundigt sich, ob die Beförderung auch eine Gehaltserhöhung verspricht:

" Du weißt doch, ich möchte eine zweite Bildwand. Wenn man eine zweite Bildwand im Zimmer hat, soll es so sein als hätte man eine ganze Familie um sich."[6]

Linda verbringt den Großteil von ihrem Tag mit der Fernsehfamilie und glaubt sie sei ein Teil davon. Anscheinend erträgt sie dieses einfältige Leben nur durch Aufputsch- und Beruhigungspillen, die sie in großen Mengen zu sich nimmt. Dies scheint aber relativ normal zu sein in dieser Gesellschaft.

Den Höhepunkt dieser Szene stellt das "Familientheater" dar, in welchem Linda eine Rolle spielt. Immer wenn die Schauspieler im Fernsehen "Linda" sagen und in Richtung Zuschauer blicken, soll Linda vom Sofa aus Antworten geben. Hier wird deutlich, dass sie anscheinend nicht mehr wirklich zwischen Fernsehen und Realität unterscheiden kann. Obwohl niemand außer Montag sie beobachten kann, ist sie nervös und fragt sich nach dem "Auftritt", was ihre Freundin Joyce zu dem Auftritt sagen wird. Auf Montags Bemerkung, dass sie nicht die einzige Linda ist die mitgespielt hat, reagiert sie beleidigt und setzt Kopfhörer auf.

Das ist ein gutes Beispiel einer parasozialen Interaktion. Da die Schauspieler des Fernsehtheaters und "Cousine Claudette" sich als große Familie, in der auch Linda lebt, präsentieren, aber Linda gar nicht wahrnehmen können, ist die Interaktion asymmetrisch. Eine soziale Interaktion erfordert immer mindestens zwei Personen, die sich beide wahrnehmen können.[7] Es ist egal wie Linda im Fernsehtheater situativ reagiert, die Schauspieler richten ihr Handeln nach ihren Plänen aus.

Ist diese Szene, obwohl der Film vor circa 40 Jahren gedreht wurde, heute vielleicht sogar normal?

Das Fernsehverhalten von Linda erinnert stark an die heutigen Seifenopern, die jeden Tag im deutschen Fernsehen im Vorabendprogramm laufen. Die Geschichte der "Daily Soaps" begann am 11. Mai 1992 mit der TV-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten".

Aktuellen Studien zufolge sitzen jeden Werktag etwa zwölf Millionen Menschen während der deutschen Soap Operas "Unter Uns", "Verbotene Liebe", "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" und "Marienhof" vor dem Fernseher.

Eine Studie des IZI (Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen) erforschte "Die Bedeutung von Daily Soaps im Alltag von Kindern und Jugendlichen" und kam zu dem Ergebnis, dass gerade Mädchen im Alter von 10- 19 Jahren Daily Soaps nutzen. Das liegt daran, dass sich im Gegensatz zum restlichen Fernsehprogramm, in Soaps viele junge Frauenfiguren finden. Diese bieten eine Hilfe für die Zuschauerinnen in ihrer Identitätsentwicklung, da die Handlungen direkt aus dem Leben gegriffen sind und oftmals typische Geschlechterklischees unterstützen.[8]

Diese relativ junge Publikum, ist bisher in Bezug auf seine Wirkungen kaum beachtet worden, obwohl es auf ganze Generationen einen prägenden Einfluß ausüben kann.

[...]


[1] zit. nach: Koch, Friedrich: 100 Jahre Kino. 100 Jahre pädagogische Indolenz. In Pädagogik 12/95, S. 65.

[2] Maier, Wolfgang: Grundkurs Medienpädagogik/ Mediendidaktik. Ein Studien- und Arbeitsbuch, Weinheim/ Basel, 1998 S.19- 23.

[3] sinngem. Barsch, Achim/ Erlinger, Hans Dieter: Medienpädagogik. Eine Einführung, Stuttgart 2002 S. 192f..

[4] www.isb.bayern.de/isb/download.aspx?DownloadFileID=763d323ee426657a99cde5241340f410

am 14.02.2008 um 11. 10h.

[5] teilweise sinngemäß nach: http://www-e.uni-magdeburg.de/ruge/filmanalyse/fahrenheit/allgemeines/inhalt.htm

aufgerufen am: 20.02.2008 21:20h

[6] zit. nach: Szene 2, 14.25- 14.33

[7] http://www.ijk.hmt-hannover.de/psi/ aufgerufen am 02.03.2008 um 10.45

[8] http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/forschung/daily_soaps.htm aufgerufen am 02.03.2008 um 14.05h

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640455652
ISBN (Buch)
9783640455911
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v134362
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Deutsche Philologie- Abteilung Didaktik
Note
2
Schlagworte
Aktualität Filmes Fahrenheit Francios Truffaut Deutschunterreich

Autor

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