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Kaiser Augustus und seine Zeit im Spiegel horazischer Dichtung

Facharbeit (Schule) 2000 21 Seiten

Latein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Ausführung

A) Überblick über den Prinzipat des Augustus

B) Kaiser Augustus und seine Zeit im Spiegel horazischer Dichtung
I. 16. Epode : Flucht vor der Selbstzerstörung Roms durch die eigenen Bürger
1. Darstellung der trostlosen Gegenwart in Rom (V. 1-34)
2. Glorreiche Zukunft auf den Inseln der Seligen (V. 35-66)
3. Intention und Weltbild des “Visionärs” Horaz
II. 7. Epode : Herbe Verbitterung über den anhaltenden Bürgerkrieg S. 8 - 9
1. Anklagerede gegen die beiden Bürgerkriegsparteien (V. 1-14)
2. Fazit des Horaz: Der Brudermord an Remus als die Ursache allen Übels (V. 17-20)
III. 9. Epode : Oktavians Sieg bei der Schlacht von Aktium über Antonius und Kleopatra
1. Geschichtlicher Hintergrund und Ausgangssituation
2. Oktavian als der Hoffnungsträger und möglicher Retter Roms
3. Unsicherheit und Sorge aufgrund der ungewissen Zukunft
IV. Ode 1, 37 : Einzug Oktavians in Alexandria und das engültige Ende
des Bürgerkriegs
1. Oktavian als Bezwinger der bedrohlichsten Feinde von innen und außen
2. Euphorischer Siegesjubel des Horaz bzgl. des errungenen Triumphes
3. Legitimation des Prinzipats unter Augustus
4. Verständigungsfrieden mit den Parthern und die damit verbundene Wiedergewinnung der einst verlorenen röm. Feldzeichen
V. Carmen Saeculare : Preisung des augusteischen Zeitalters anlässlich der Säkularspiele
1. Verherrlichung und Apotheosierung des Augustus als Zentrum des Lobgesangs
2. Rückkehr der alten römischen Wertbegriffe
3. Reichsneuordnung und Bau des Ara Pacis
VI. Ode 4, 15 : Lobgedicht auf Augustus und die Errungenschaften der Pax Augusta
1. Aufzählung der Leistungen und Friedenstaten des Prinzeps Augustus (V.1- 16)
2. Bezug zur augusteischen renovatio als Grundlage der Neuordnung
3. Darlegung der Konsequenzen und Ziele der Pax Augusta (V.17-32)

C) Abschließende Beurteilung unter Einbeziehung des Tellus-Reliefs als

Symbol des eingekehrten Friedens

Bildmaterial

Literaturverzeichnis

Erklärung

Ausführung

A) Überblick über den Prinzipat des Augustus

Mit dem Sieg bei Aktium 31 v. Chr. gegen Antonius und Kleopatra beendete Augustus die für Volk und Staat unheilvolle Zeit des Bürgerkriegs und führte Rom in ein neues Zeitalter, das Saeculum Augustum.

Es entstand eine neue Herrschaftsform: Der Prinzipat unter der Vorrangstellung des Augustus (siehe Bild des Augustus, S. 20).

Der Prinzeps gab zunächst 27 v. Chr. die Vollmachten, die er während des Bürgerkriegs entgegengenommen hatte, an Senat und Volk zurück und stellte zumindest nach außen die Republik wieder her.

Nach der Niederlegung des Konsulats 23 v.Chr. verlieh ihm der Senat als Wertschätzung seines Handelns die tribunicia potestas, eine Amtsgewalt der Volkstribunen auf Lebenszeit und das imperium proconsulare, eine allen Provinzstatthaltern übergeordnete Befehlsgewalt. Die Sehnsucht nach Frieden und Erlösung von den jahrelangen Kriegen brachte Augustus einen weiteren Machtzuwachs und stärkte die Stellung des princeps civitatis noch zusätzlich. Er selbst bezeichnete die Übereinstimmung der Bürger als Legitimation und Grundlage seiner Machtbefugnisse. Denn er wußte, dass dieser Konsens auf einer kriegsmüden Welt aufbaute, die ihn als einzigen verbliebenen Machtinhaber betrachtete. Diese sah in Augustus die Verkörperung aller positiven menschlichen Eigenschaften[1], vor allem der “vier Kardinaltugenden eines Herrschers” virtus, clementia, iustitia und pietas.

Die augusteische Herrschaft wird vom römischen Volk als eine Zeit des Friedens, der Sicherheit und des Wohlstands empfunden, wofür man sich dem Prinzeps dankbar zeigte. Als Zeichen des einkehrenden Friedens wurde der Janustempel geschlossen (29 v. Chr.), Säkularspiele zu Ehren des saeculum pacis abgehalten (17 v.Chr.) und der Ara Pacis erbaut (9 v. Chr. eingeweiht).

Die Pax Augusta wird von den römischen Bürgern als ein kostbarer Augenblick wahrgenommen und der eingekehrte Frieden als Geschenk empfangen.

Die unermüdliche Sorgfalt, mit der sich Kaiser Augustus um den Zustand des Staates bemühte, fand ihre offizielle Anerkennung in der Verleihung der Titel des Pontifex Maximus 12 v. Chr. und des Pater Patriae 2 v. Chr.

Caesar Divi filius Augustus war somit der Repräsentant aller Römer, Friedensstifter und der Garant einer glücklichen Zukunft.

Diese Zeit, in der sich die Sehnsucht der Menschen nach Frieden und Wohlstand endlich erfüllte, brachte Rom auch zu kultureller Blüte, vor allem in der Literatur. Einer der bedeutendsten Lyriker des augusteischen Zeitalters war Q. Horatius Flaccus (65 - 8 v. Chr.), bekannt als Horaz (siehe Bild des Horaz, S. 21), der als Zeitzeuge den Übergang der Republik zum Prinzipat selbst miterlebte.

Da er die Verzweiflung kannte, die kurze Zeit vor dem Zusammenbruch der Republik herrschte, erhielt für ihn der Frieden einen so hohen Stellenwert, dass die neue Ordnung und der Prinzeps Augustus zu seinen Hauptthemen gehörten.

Die Darstellung dieser Geschehnisse konnte er erst durch die Aufnahme in den Maecenaskreis 38 v. Chr. verwirklichen, was er seinem Freund Vergil zu verdanken hatte. Dadurch rückte er auch dem Augustus näher und zwar in dem Maße, dass man ihn geradezu als seinen “Hofdichter”[2] bezeichnen konnte.

Im Folgenden soll anhand ausgewählter Oden und Epoden des Horaz Augustus und seine Zeit charakterisiert und eine Entwicklung in der horazischen Dichtung aufgezeigt werden.

B) Kaiser Augustus und seine Zeit im Spiegel horazischer Dichtung

I. Flucht vor der Selbstzerstörung Roms durch die eigenen Bürger

Horaz spricht zweimal in seinen Epoden (7. und 16. Epode) über den Bürgerkrieg, beidemal nicht zu einer einzelnen Person, sondern zu dem röm. Volk.

So wendet er sich in der 7. Epode an die Römer, die gegen ihre eigenen Volksgenossen zu den Waffen gegriffen haben.

Die 16. Epode (vgl. Büchner, Karl: Die Römische Lyrik, S. 94-97) baut auf der Vorstellung dieses “unabwendbaren Verhängnisses”, womit der Bürgerkrieg gemeint ist, auf: Altera iam teritur bellis civilibus aetas, suis et ipsa Roma viribus ruit (V. 1­2). Horaz weist damit darauf hin, dass bereits die zweite Generation unter dem Bürgerkrieg leide. Die Vernichtung der Stadt Rom, die alle Feinde nicht erreicht hatten, auch nicht die Germanen und Hannibal (V. 3-8), werde nun in der jetzigen Generation durch die eigenen “verwünschten” Bürger durchgeführt (V. 9-10).

Horaz sieht als vates[3] voraus, wie fremde “barbarische Reiter” die bereits zerstörte Stadt kampflos erobern und den endgültigen Untergang herbeiführen (V. 11-14). Er äußert seine tiefe Vezweiflung und Widerwillen gegen beide Bürgerkriegsparteien: nefas videre (V. 14).

Trotz der hoffnungslos scheinenden Situation gibt Horaz nicht auf und stellt einen möglichen Ausweg dar: Die Auswanderung Roms in ein glückseliges Land.

Nach dem Vorbild des Phokäischen Volkes[4], das einst ihr Land verließ, soll man nun dorthin “gehen, wohin die Füße tragen” oder der Wind treibt (V. 17-22), d.h. das Ziel erscheint zunächst gleichgültig. Wenn niemand einen besseren Vorschlag aufweisen kann, dann am besten gleich die Reise antreten: An melius quis habet suadere? secunda ratem occupare quid moramur alite? (V. 23-24)

Erst wenn “der Po den Gipfel des Matinus bespült oder der erhabene Apenin sich ins Meer stürzt” (V. 28-29) soll die Heimkehr erlaubt sein, d.h. nur wenn sich alle Naturgesetze umkehren sollten.

Horaz konkretisiert daraufhin auch, wer sich an dem Auszug beteiligen sollte und das Ziel der Reise: Entweder omnis civitas (V. 36) oder pars indocili melior grege (V. 37), d.h. “..der Teil, der besser ist als die ungelehrige Herde” und virtus (V. 39) besitzt, soll sich an dem Exodus beteiligen.

Das Ziel der Reise laut Horaz: Die Inseln der Seligen, “die glückseligen Gefilde” (V. 41-42). Horaz beschreibt in leuchtenden Farben, wie dort die Natur alles bereitstelle, was ein Mensch benötige: Wein, Öl, Feigen, Honig und klares Bergwasser (V. 43­48). Selbst Ziegen geben dort freiwillig ihre Milch und weder vor Bären noch vor Schlangen muss sich gefürchtet werden (V. 49-52). An diesen Platz der Glückseligkeit “wandten nicht sidonische Seeleute ihre Segel” (V. 61) und nicht cohors Ulixei (V. 62).

Abschließend stellt Horaz als vates in den vier letzten Versen noch einmal den Fluchtweg dar: Wer den Bürgerkriegen, dem eisernen Zeitalter (V. 65) entfliehen wolle, soll den Ausweg suchen und eine tempus aureum (V. 64) werde ihm bevorstehen. Den piis (V. 66) sollen diese Inseln vorbehalten sein.

Die Epode lässt sich in zwei fast gleich lange Hauptteile gliedern, einerseits in die Darstellung der trostlosen Gegenwart in Rom (V. 1-34), andererseits in die glorreiche Zukunft auf den Inseln der Seligen (V. 35-66). Zudem ist jeder Hauptteil in 3 Abschnitte unterteilt: Klage über das sich selbst zerstörende Rom (V. 1-14), Vorschlag zur Auswanderung (V. 15-24), Verfluchung der Heimat (V. 25-34); Verkündung des Ziels der Auswanderung (V. 35-48), Beschreibung des glückseligen Lebens (V. 49-56) und das mögliche Ende des Bürgerkriegs (V. 57-66).

Für Horaz handelt es sich jedoch bei der beschriebenen Auswanderung nicht um eine reale Flucht, sondern vielmehr um einen Ausweg im geistigen Sinne. “Das ganze Gedicht transponiert etwas Geistig - Moralisches ins Räumliche”[5].

Duch die 16.Epode zeigt Horaz sein Weltbild. Es besteht daraus, sich von der unglückseligen Zeit und dem Sittenverfall des Bürgerkriegs zu distanzieren, um im Geiste eine neue Welt zu schaffen. Die divites insulas (V. 42), verwendet Horaz als Symbol der Freiheit und des Glücks. Er appelliert an das röm. Volk, den Weg in eine bessere Zeit, in ein aetas aurea anzutreten. Nur durch Flucht kann man sich der Selbstzerstörung dieser unheilvollen Zeit entziehen.

Horaz fungiert hier nicht in erster Linie als Dichter, sondern vielmehr als Visionär und prophetischer Führer, als vates, was er selbst im letzten Vers der 16. Epode bestätigt: vate me (“nach meiner Prophezeihung”, V. 66). Das ist eine Haltung, die seit Jahrhunderten aus der Dichtung verschwunden war (vgl. Heinze: Die Augusteische Kultur, S. 113).

Horaz scheint die Hoffnung zu besitzen, dass diejenigen, die virtus besitzen, sich unter seiner Führung als Dichter selbst retten können. Er stellt zwar voller Sorge die kritische Lage fest, kapituliert jedoch nicht, sondern weiß sogar einen möglichen Ausweg, um dem Unglück zu entkommen: Die einzige Rettung vor dem Untergang ist die Auswanderung auf die Inseln der Seligen.

Zeitlich ist die Epode vermutlich in die Jahre 42-38 v. Chr. einzuordnen, noch bevor Horaz mit Maecenas in Verbindung getreten ist.[6]

II. Herbe Verbitterung über den anhaltenden Bürgerkrieg

Die geschilderte 16. Epode steht in engem Zusammenhang mit der 7. Epode (vgl. Büchner, Karl: Die Römische Lyrik, S. 101), in der Horaz seine tiefe Verbitterung über den anhaltenden Bürgerkrieg zum Ausdruck bringt: acerba facta (V. 17). Er wendet sich gegen die beiden Parteien des Bürgerkriegs, die erneut in den Kampf ziehen wollen und klagt sie wegen des Bürgerkrieges an. Mit äußerster Dramatik geht er mit den Übeltätern ins Gericht. Horaz spricht den blinden Wahnsinn (furorne caecus, V. 13) und das sinnlose Blutvergiessen (Latini sanguinis, V. 4) an.

Auf seine anfängliche Anklagerede (V. 1-14) findet er in Form eines Fazit selbst Antwort (V. 17-20): Der Brudermord an Remus ist die Ursache des Übels, alle folgenden Bürgerkriege sind nur die Folge davon: acerba fata Romanos agunt scelusque fraternae necis (V. 17-18).

[...]


[1] Vgl. dazu Wickert L.: Entstehung und Entwicklung des römischen Herrscherideals. In: Ideologie und Herrschaft in der Antike. S. 348 ff.

[2] vgl. Hönn, K.: Augustus und seine Zeit. S. 267

[3] Als vates bezeichneten sich jene alten Wahr-sager, Dichter und Sänger, die in ihren Werken die Zukunft verkündeten.

[4] Um nicht länger unter persischer Herrschaft leben zu müssen, wanderten die Phokäer 534 v. Chr. nach Korsika aus. Bei der Abfahrt dorthin verfluchten sie alle, die zurückblieben, versenkten einen Eisenbarren ins Meer und schworen nicht eher in die Heimat zurückzukehren, bis dieser Barren wieder zum Vorschein gekommen sei.

[5] Büchner, Karl: Die römische Lyrik. Reclam, Stuttgart 1983, S. 98

[6] vgl. Numberger, Karl: Horaz; Lehrer - Kommentar zu den lyrischen Gedichten. Aschendorff, Münster, 1972, S. 475. vgl. auch: Kießling, A.: Q. Horatius Flaccus. Oden und Epoden. Heinze, Berlin, 1964, o.S.

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