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Thomas Manns "Doktor Faustus" im Fokus der Musik

Ein Mosaik

Seminararbeit 2008 19 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Adorno als Berater Thomas Manns
1.2. hönberg als Vorbild Leverkühns

2. Kretzschmar
2.1. Kretzschmar und seine Vorträge
2.2. Die Rolle Beethovens

3. Pakt
3.1. Die Rolle ren Kierkegaards
3.2. Die Rolle der Zwölftontechnik

4. Hauptwerke
4.1. Apocalipsis cum figuris
4.1.1. Inhalt des Oratoriums
4.1.2. Bedeutung für Leverkühn
4.1.3. Übergang zur Doktor Fausti Wehklag
4.2. Doktor Fausti Wehklag
4.2.1. Aufbau der symphonischen Kantate
4.2.2. Anspielungen auf das Faust-Volksbuch
4.2.3. Die Rolle Beethovens

5. hlussbemerkungen
5.1. Das Hauptwerk als Widerspiegelung des Romans
5.2. Die Rolle des Nationalsozialismus

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Thomas Mann hat seinen Roman Doktor Faustus selber bezeichnet als „religiöse[s] Buch“, als „Lebensbeichte“, als „Epochen-Roman“, als „Gesellschaftsroman“, als „verkappten Nietzsche-Roman“ und als „Roman der Musik in dem versucht werde, Musik mit Sprache wiederzugeben“[1] . Die vorliegende Arbeit untersucht Letzteres und betrachtet den Roman im Fokus der Musik, wobei auch analysiert werden soll, was Thomas Mann dazu bewegt hat, dieses Werk als Musikroman zu schreiben.

Um dies zu bearbeiten werden die Stationen im Leben der Hauptfigur Adrian Leverkühn abgehandelt, die mit dem Aspekt der Musik in engster Verbindung stehen. Hierzu gehören seine ersten Begegnungen mit seinem späteren Musiklehrer und Mentor Wendell Kretzschmar, sein Pakt mit dem Teufel und seine beiden Hauptwerke Apocalipsis cum figuris und Doktor Fausti Wehklag.

Die genannten Themen können hierbei nur angesprochen, nicht jedoch vollständig erläutert werden, da jeder Einzelaspekt Material für eine eigene Arbeit liefern würde. Dies liegt an der speziellen Arbeitsweise Thomas Manns, die es erschwert ein Thema lediglich kurz zu umreißen: Bei der Beschäftigung mit jedem einzelnen Punkt werden immer neue Unterpunkte und Forschungsansätze ersichtlich, die im Zuge dieser Arbeit leider nicht vollständig berücksichtigt werden können. Aus diesen Schwierigkeiten resultiert auch der Untertitel zu dieser Arbeit, da sich die vielen einzelnen Aspekte wie ein Mosaik zusammenfügen.

1.1 Adorno als Berater Thomas Manns

Der Frankfurter Musikkritiker und Philosoph Theodor W. Adorno war einer der ersten Berater Thomas Manns und stellte für ihn eine verlässliche Quelle für musikalisches Expertenwissen dar. Adorno hat Thomas Mann von Anfang an mit Materialien versorgt, so zum Beispiel seinem eigenen Essay über den Spätstil Beethovens[2], der im Roman reichlich Verwendung fand. Außerdem war seine Rolle bei der Konzeption und Ausführung von Leverkühns späten Kompositionen so stark, dass in einigen Quellen sogar von einer „Mitautorschaft“ Adornos die Rede ist.

Die Zusammenarbeit der beiden Männer kam aufgrund ihrer übereinstimmenden Überzeugung zustande, „dass zwischen den politischen Prozessen, die den Nationalsozialismus zeitigten, und den kulturellen Prozessen insbesondere auf dem Gebiet der Musik ein enger Nexus besteht“[3] . Dass die beiden außerdem eine enge Freundschaft verband, gilt aber als Legende. Es handelte sich wohl lediglich um ein Zweckbündnis zu beider Vorteil und so kam es gegen Ende der Zusammenarbeit immer öfter zu Konflikten. Diese waren auch der Grund dafür, warum Mann Adorno im Pakt-Kapitel als eine der Teufelsinkarnationen, als Musikkritiker mit Hornbrille, auftreten ließ:

„ein Intelligenzler, der über Kunst, über Musik, für die gemeinen Zeitungen schreibt, ein Theoretiker und Kritiker, der selbst komponiert, soweit eben das Denken es ihm erlaubt.“[4]

Dies ist doch ein recht gehässiges Bild seines einstigen Beraters, schon wenn man bedenkt, dass Adorno nur wenig komponiert hat und in diesem Zusammenhang schon von einem „Trauma“ sprach, einer Schreibblockade vergleichbar.

1.2 Schönberg als Vorbild Leverkühns

Thomas Mann hat seine Hauptfigur Adrian Leverkühn nach dem Vorbild des österreichischen Komponisten jüdischer Herkunft Arnold Schönberg geschaffen, mit dem er auch befreundet war. Dieser war nicht nur Musiktheoretiker, sondern auch der Erfinder der Zwölftontechnik bzw. Zwölftonmusik. Dies ist eine Kompositionstechnik, die mit einer Reihe von zwölf Tönen als Grundmaterial operiert, deren Intervallstruktur während eines gesamten Stückes bestehen bleibt. Die Zahl als Grundlage der Künste symbolisiert hier den Zusammenhang zwischen Musik und Mathematik und spielt eine wichtige Rolle im Leben Adrian Leverkühns. Dies wird schon durch das Magische Quadrat Dürers[5] veranschaulicht, welches im Roman stets seinen Platz über Adrians Piano hatte.

Schönberg selbst war wenig begeister von der Art wie Mann seine Technik in dem Roman verwandte und beschuldigte ihn öffentlich des Diebstahls seines geistigen Eigentums. Dieser Streit wurde jedoch beigelegt, indem Thomas Mann ab 1951 einen Nachtrag an das Ende seines Romans fügen ließ, in dem er das geistige Eigentum Schönbergs an der Zwölftontechnik erklärte.

2. Wendell Kretschmar

2.1 Kretzschmar und seine Vorträge

Wendell Kretzschmar ist Domorganist, Musiktheoretiker und der spätere Mentor Leverkühns. Bei ihren ersten Begegnungen hält Kretzschmar musiktheoretische und musikphilosophische Vorträge. Da seine Themen jedoch nicht jedermann ansprechen und es durch sein heftiges Stottern schwer fällt ihm zu folgen, bleibt der Zuhörerkreis jedesmal relativ überschaubar. Leverkühn und sein Biograph Zeitblom bewundern ihn dennoch und gehen regelmäßig zu dessen Veranstaltungen, die sich meistens mit den Werken Ludwig van Beethovens auseinandersetzen.

Besonders zwei dieser Vorträge werden von Thomas Mann sehr ausführlich dargestellt. In dem ersten geht es um die Klaviersonate Nr. 32 in c-Moll, op. 111, welche Beethovens letzte Klaviersonate war. Ungewöhnlich ist hier, dass diese Sonate nur aus zwei, und nicht wie sonst üblich aus drei, Sätzen besteht. Daher lautet der Titel von Kretzschmars Vortrag: „warum Beethoven zu der Klaviersonate op. 111 keinen dritten Satz geschrieben habe“[6] . Diese Frage hat Beethoven selbst einmal mit Zeitmangel beantwortet, was jedoch unwahrscheinlich klingt. In Kretzschmars Vortrag hingegen wird diese Frage schlüssiger beantwortet, indem er erläutert, dass nach dem Höhepunkt im zweiten Satz eine musikalische Steigerung nicht mehr möglich gewesen sei. Dieser Vortrag ist für das Leben Leverkühns wichtig, da sich hier herausstellt, dass er einmal das Erbe Beethovens antreten wird. Außerdem deutet eine in diesem Zusammenhang aufgestellte These Kretzschmars, dass Geniekultur die Ausgangsvoraussetzung eines Spätwerks darstelle, auch auf Leverkühns spätere Entwicklung hin.

Der zweite wichtige Vortrag Kretzschmars trägt den Titel Beethoven und die Fuge und handelt sehr anschaulich von Beethovens jahrelangen Bemühungen eine Fuge zu kreieren. Hierbei zeichnet er ein ziemlich genaues Bild von Beethovens Persönlichkeit, welche im Laufe des Romans immer mehr durch die Persönlichkeit Leverkühns widergespiegelt wird. Desweiteren beklagt Kretzschmar an diesem Abend die Loslösung der Musik von ihren „heidnisch-katholischen“[7] Ursprüngen, was mit Leverkühns Ansicht übereinstimmt. Dieser Vortrag ist auch wichtig für das Leben der Hauptfigur, da hier das erste Mal das Diabolische in der Kunst dargestellt wird, was als Leitmotiv des gesamten Romans angesehen werden kann.

2.2 Die Rolle Beethovens

Ludwig van Beethoven ist der zweite Komponist der eine wichtige Rolle im Leben des Adrian Leverkühn spielt. Dieser gilt als musikalisches und persönliches Vorbild der Hauptfigur, im Gegensatz zu Schönberg, der lediglich als technisches Vorbild anzusehen ist. Wo jedoch der Name Schönbergs im Roman selber keine Erwähnung findet, wird Beethoven von Leverkühn selber als sein größtes Vorbild bezeichnet. Sein Freund und Biograph Zeitblom resümiert:

„Shakespeare und Beethoven zusammen bildeten an seinem geistigen Himmel ein alles überleuchtendes Zwillingsgestirn.“[8]

Das Leben und Schicksal Beethovens diente Thomas Mann hierbei auch als Vorlage für das Leben seiner Hauptfigur und so finden sich bei beiden Motive wie Einsamkeit, Verwirrtheit und Isolation. Das Schicksal Beethovens als krankes Genie geht also in die Biographie Leverkühns mit ein. Hinzu kommt, dass gleich zwei Symphonien Beethovens in diesem Roman eine wichtige Rolle spielen. Die Fünfte Symphonie (c-Moll, op. 67) passt schon allein thematisch, da sie das an die Tür pochende Schicksal symbolisiert („Schicksalssinfonie“). Eine weit größere Bedeutung für die Handlung kommt jedoch Beethovens Neunter Symphonie (d-Moll, op. 125) zu. Hierauf wird jedoch in dem Kapitel über Leverkühns Hauptwerk Doktor Fausti Wehklag noch näher eingegangen.

3. Der Pakt

3.1. Die Rolle Sören Kierkegaards

In der Hauptszene des Romans, in dem Leverkühn seinen Pakt mit dem Teufel besiegelt, liest er kurz vor dieser Begegnung in Kierkegaards Mozart-Rezeption des Don Juan (auch: Don Giovanni). In dieser stellt der anonymisierte Verfasser A unter anderem einen Vergleich auf zwischen Mozarts Don Giovanni und Goethes Faust:

„Goethes Faust ist recht eigentlich ein klassisches Werk; aber es ist eine geschichtliche Idee, und daher wird jede bemerkenswerte Zeit in der Geschichte ihren Faust haben.

[...]


[1] Vgl. MANN, Thomas: Die Entstehung des Doktor Faustus. Frankfurt am Main 1984.

[2] ADORNO, Theodor W.: Spätstil Beethovens. In: Moments musicaux (Gesammelte Schriften). Frankfurt am Main 1982.

[3] VAGET, Hans Rudolf: Seelenzauber. Thomas Mann und die Musik. Frankfurt a. Main 2006, S. 371.

[4] Mann, Thomas: Doktor Faustus. Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde. Frankfurt am Main 2005, S. 320.

[5] Siehe Abbildung 1: Dürer: Das magische Quadrat.

[6] MANN, Thomas: Doktor Faustus. S. 68.

[7] Ebenda S. 80.

[8] Ebenda S. 95.

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640417940
ISBN (Buch)
9783640417810
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v134307
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für deutsche Literatur
Note
1,0
Schlagworte
Thomas Manns Doktor Faustus Fokus Musik Mosaik

Autor

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Titel: Thomas Manns "Doktor Faustus" im Fokus der Musik