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Eine Analyse der Edition der Tagebücher Joseph Goebbels von Ralf Georg Reuth

von Christiane Arndt (Autor) Kristin Laue (Autor)

Hausarbeit 2009 26 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Tagebücher Joseph Goebbels
1.1. Kurzbiografie Joseph Goebbels
1.2. Überlieferungsgeschichte der Tagebücher und weitere Editionen

2. Die Edition
2.1. Heraugeberschaft
2.2. Auswahlkriterien und Vorlagen
2.3. Aufbau und Benutzbarkeit der Edition
2.4. Editionsrichtlinien
2.5. Anlass der Edition und Adressatenkreis
2.6. Quellenwert
2.7. Kritik

3. Film „Das Goebbels-Experiment“

4. Quellen

Einleitung

Gerade rollt aus Hollywood eine Welle an Spielfilmen mit den Themen Holocaust und Drittes Reich auf den Kinobesucher zu, sei es beispielsweise „Operation Walküre“[1], der für große Diskussionen sorgt[2], oder „Der Vorleser“[3]. Doch reichen für eine Be-schäftigung mit der NS-Zeit natürlich keine Blockbuster, die vor allem unterhalten sol-len, aus, egal, wie authentisch sie sich geben.

Für eine intensive Auseinandersetzung mit der Zeit sind historische Quellen von Nö-ten, die oft verstreut in den Archiven liegen. Daher sind viele Quellen der NS-Zeit in Editionen erschienen – auch das Tagebuch Joseph Goebbels’, des NS-Propaganda-ministers.

Editionen erleichtern die Arbeit des Historikers erheblich. Es ist nicht mehr notwen-dig, in diverse Archive zu fahren, um sich einen Überblick über alle Quellen zu ver-schaffen. Je nach Edition ist die Gesamtquellenlage oder eine spezifische Auswahl der Quellen aufgearbeitet.

Bei den Tagebüchern Goebbels’ ist eine Gesamtedition erstellt werden. Jedoch ist hierbei zu unterscheiden, dass es keine Gesamtswerksausgabe ist, da in diese auch Briefe, Reden oder Privatakten mit aufgenommen werden müssten.

Allerdings war die Erstellung einer Edition der Tagebücher äußerst schwierig, da nach dem Zweiten Weltkrieg die Teile in alle Welt verstreut wurden. Viele Versuche einer Herausgabe der Tagebücher gab es im Laufe der Zeit. So arbeitete beispiels-weise das Institut für Zeitgeschichte, München, an einer Gesamtedition.

Ralf Georg Reuth gab 1992 eine Teiledition der Tagebücher heraus. Schon kurz nach der Veröffentlichung prasselten etliche Kritiken auf Reuth ein, beispielsweise brachte DIE ZEIT einen sehr kritischen Artikel heraus[4]. Dieser ist verfasst von Bernd Sösemann, der Herausgeber einer Gegenedition zu der IfZ- Edition sein wollte, je-doch kam diese nicht zustande.

Auf die Edition Reuths im Rahmen der Überlieferungsgeschichte der Tagebücher Goebbels’, auf den Aufbau, die Benutzbarkeit und die Probleme der Edition und die Verarbeitung von Tagebucheausschnitten in einem Dokumentarfilm soll in der wei-teren Hausarbeit näher eingegangen werden.

1. Die Tagebücher Joseph Goebbels

1.1. Kurzbiografie Joseph Goebbels

Joseph Goebbels wird am 29.10.1897 in Rheydt (Rheinland) geboren. Seine Eltern Friedrich Goebbels und Maria, geborene Oldenhausen, haben noch weitere vier Kin-der. Er wächst in streng katholischen und finanziell engen Verhältnissen auf.[5]

Ab 1917 beginnt Goebbels das Studium der Geschichte, Germanistik und Altphiloso-phie. 1921 promoviert er in Germanistik an der Universität Heidelberg. Betreut wird er durch den jüdischen Professor Freiherr von Waldberg. Danach versucht er sich ver-geblich als Journalist oder Dramaturg, auch bei jüdischen Verlagshäusern, zu bewer-ben.Ab 1923 beginnt Goebbels regelmäßig Tagebuch zu führen, bis zu seinem Tod.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kaffeerunde im Garten der Reichskanzlei 1934: Adolf Hitler, Magda und Joseph Goebbels, Victoria von Dirksen und Walther Funk (v. l.)

1924 kommt Goebbels in Kontakt mit nationalsozialistischen Kreisen und beginnt sich dort zu engagieren. In Mönchengladbach gründet er eine Ortsgruppe der „Natio-nalsozialistischen Freiheitsbewegung Großdeutschlands“, einer Tarnorganisa-tion der NSDAP, die nach dem Hitler-putsch 1923 verbo-ten war. In diesem Jahr gibt er seine erste rechtsradikale Zeitung heraus. Weitere werden im Laufe seines Lebens folgen.Goebbels steigt schnell in NS-Kreisen auf, schon 1925 wird er Gaugeschäftsführer in Rheinland-Nord, 1926 Gauleiter von Berlin-Brandenburg, ab 1928 ist er Reichstagsmitglied, 1930 wird er Reichspropagandaleiter. [6]

1931 heiratet er Magda Quandt, geb. Behrend (1901-1945). Diese kümmerte sich um Goebbels’ Privatarchiv. Quandt ist Protestantin, geschieden und hat einen Sohn aus erster Ehe. Aus der Ehe werden sechs Kinder hervorgehen. Das Ehepaar wird wäh-rend der NS-Zeit zu dem „arischen“ Vorzeigehepaar, die „arischen“ Kinder oft in den Medien gezeigt[7]. Daher verhindert Hitler auch eine auf Grund von Goebbels’ zahlrei-chen Affären geplante Scheidung der Goebbels’ im Jahr 1938.Nach der Machtergreifung wird Goebbels 1933 zum Leiter des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda ernannt. In dieser Funktion wird Goebbels die NS-Zeit maßgeblich prägen, vor allem durch seine rhetorisch guten und charismati-schen Reden, aber auch durch Kampagnen gegen Juden, „entartete Kunst“ und Mo-bilmachung im „totalen Krieg“. Er ist der Hauptinitiator des Führermythos. Hitler er-nennt ihn 1944 zum „Reichsbevollmächtigten für den totalen Kriegseinsatz“. Als fanatische Hitleranhänger zieht das Ehepaar mit seinen Kindern 1945 mit in das Führerhauptquartier in Berlin. Testamentarisch bestimmt Hitler Goebbels zu seinem Nachfolger im Reichskanzleramt. Einen Tag nach Hitlers Selbstmord bringt das Ehe-paar am 01.05.1945 erst seine sechs Kinder um und dann sich selbst.[8]

Goebbels Gehbehinderung prägt sein Leben. Im Ersten Weltkrieg wird er deswegen als wehruntauglich eingestuft. Dazu ist er psychisch labil; er leidet an Depressionen, ist ein Außenseiter und wird von Selbst- und Glaubenszweifeln geplagt.[9]

1.2. Überlieferungsgeschichte der Tagebücher und weitere Editionen

Joseph Goebbels beginnt im Februar 1923 mit dem Tagebuchschreiben. Den Einträ-gen setzt er im Juli und August 1924 die so genannten Erinnerungsblätter voran, in denen er kurze, stichpunktartige Aufzeichnungen zu seiner Herkunft, Kindheit, Schul- und Studienzeit zu Papier bringt. So entstehen bis Ende Juni 1925 zwei Kladden, in denen er detailliert alles, was ihn bewegt, aufschreibt. Insgesamt können seine Tage-bücher als eine Mischung aus ehrlicher Beichte, Vernichtungskalkül, Wehleidigkeit und Selbstüberredung gesehen werden. Danach entsteht das „Elberfelder Tagebuch“, von dem die Teile August 1925 bis Ok-tober 1926 erhalten sind. Die nächste Kladde umfasst den Zeitraum November 1926 bis Juli 1928. In den drei darauf folgenden Jahren (1929-1931) entsteht wieder etwa eine Kladde pro Jahr. Ab 1932 verbessern sich die Lebensverhältnisse Goebbels’, er lebt auf mehreren Wohnsitzen und beginnt parallele Tagebücher zu schreiben. Es gibt ein „Tagebuch zu Hause“, ein „Tagebuch für Ferien und Reise“, ein „Tagebuch Schwanenwerder“ und „Haus am Bogensee“. Diese Ordnung kam jedoch bald durcheinander. So wurde beispielsweise das Ferien- und Reisetagebuch ab 1935 immer mehr zum normalen Tagebuch.[10]

Ab 1937 nimmt Goebbels’ Schreibintensität zu, diese steigert sich nochmals mit Kriegsbeginn.[11]

Ab dem Sommer / Herbst 1941 wandelt sich der Charakter der Tagebücher immer mehr zu Diktaten. Die Eintragungen beginnen fortan mit einem militärischen Lagebe-richt, erst dann folgen Goebbels’ persönliche Notizen. Die Notizen werden jetzt nur noch maschinenschriftlich festgehalten. Dafür zuständig ist sein Stenograph Richard Otte.Somit existieren bis Ende 1944 / Anfang 1945 von den Tagebüchern drei Fassungen. Zum einen die 22 Kladden handschriftlicher Aufzeichnungen, die in den Tresoren der Reichsbank lagern, und zum anderen die Erst- und Zweitschrift (Durchschrift) des maschinenschriftlichen Tagebuchs. Dabei handelt es sich um 100 Leitz-Ordner mit etwa je 500 Blatt pro Fassung, die in einem gesonderten Raum des Propagandami-nisteriums aufbewahrt werden.[12]

Ab November 1944 beginnt Goebbels mit verschiedenen Maßnahmen, um seine Auf-zeichnungen für die Nachwelt zu erhalten. Er will „den Versuch zur Rettung des Abendlandes“[13], wie Goebbels den Nationalsozialismus beschrieb, für alle Zeiten do-kumentieren. Er vereinbart mit dem NSDAP-Verlag Franz Ehler, dass die Tagebü-cher 20 Jahre nach seinem Tod zu veröffentlichen sind. Zusätzlich gibt er schon selbst Teile heraus.[14]

Weiterhin beauftragt er Otte mit der Transkribierung der handschriftlichen Aufzeich-nungen und lässt maschinenschriftliche Teile kopieren. Es werden fas 1600 Negativ-Glasplatten Mikrofiches hergestellt, mit maximal 45 Seiten pro Platte. Diese Platten sollen, nach Angaben Ottes, nach dem Krieg in der Nähe Potsdams, unweit der Reichsautobahn, zwischen Caputh und Michendorf vergraben werden. Jedoch tau-chen sie Jahrzehnte später in Moskauer Archiven wieder auf. Gegen Kriegsende, im April 1945, werden die Originalhandschriften und die Original-fassung der maschinenschriftlichen Tagebücher in Aluminiumkisten verpackt und in den Bunker unter der Reichskanzlei verbracht, wo Goebbels mit seiner Familie die letzten Tage verbringt.[15]

[...]


[1] Mit Tom Cruise in der Hauptrolle des Graf Schenk von Staufenberg. Regie: Bryan Singer, Drehbuch: Christopher McQuarrie, 2008. Kinostart Deutschland: 22.01.2009. Internetseite des Film: http://www.walkuere-derfilm.de/.

[2] Tom Cruise ist bekennender Scientologe. Daher war Kernpunkt der Diskussion, ob ein „Aushängeschild“ einer Sekte, die vom deutschen Verfassungsschutz beobachtet wird, eine solche Rolle übernehmen darf. Zu den aktuellsten Beiträgen zu dieser Diskussion gehört beispielsweise der Artikel von Welt-Online „Operation Walküre – Dauerstreit über Cruise und Scientology“ vom 22.09.2009, online unter: http://www.welt.de/welt_print/article3069363/Dauerstreit-ueber-Cruise-und-Scientology.html.

[3] Nach dem Beststeller von Bernhard Schlink. Mit Kate Winslet in der Rolle der Auschwitz-Aufseherin Hanna Schmitz. Regie: Stephen Daldry, Drehbuch: Davif Hare, 2008. Kinostart Deutschland: 26.02.2009. Internetseite des Film: http://dervorleser-film.de/.

[4] Sösemann, Bernd: „Zwanzig Jahre nach meinem Tod zu veröffentlichen“, DIE ZEIT Nr. 38, 11.09.1992, online

unter: http://www.zeit.de/1992/38/Zwanzig−Jahre−nach−meinem−Tode−zu−veroeffentlichen.

[5] Sternburg, Wilhelm von: Kurze Geschichte des Nationalsozialismus – Pocket Thema. – Berlin : Cornelsen,

2003, S. 122.

[6] Nach dem tabellarischen Lebenslauf, online unter :

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GoebbelsJoseph/index.html.

[7] Tabellarischer Lebenslauf Magda Goebbels, online unter:

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GoebbelsMagda/index.html.

[8] Nach dem tabellarischen Lebenslauf, online unter :

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GoebbelsJoseph/index.html.

[9] Sternburg: Kurze Geschichte des Nationalsozialismus, S. 122.

[10] Nach der Überlieferungsgeschichte von Reuth, Ralf Georg (Hrsg.): Joseph Goebbels Tagebücher, Band 1: 1924 – 1929. – Orig.- Ausg. – München : Piper, 1992. S. 3 - 19.

[11] Reuth: Goebbels Tagebücher Band 1, S. 6

[12] Nach der Überlieferungsgeschichte von Reuth, Ralf Georg (Hrsg.): Joseph Goebbels Tagebücher, Band 1: 1924 – 1929. – Orig.- Ausg. – München : Piper, 1992. S. 3 - 19.

[13] Reuth: Goebbels Tagebücher Band 1, S. 7.

[14] Die bedeutendste Herausgabe von Teilen seines Tagebuchs zu dieser Zeit ist: Goebbels, Joseph: Vom Kaiser-

hof zur Reichskanzlei. Eine historische Darstellung in Tagebuchblättern (Vom 1. Januar 1932 bis zum 1. Mai

1933). – 2. Auflage. – München : Zentralverlag der NSDAP, 1934.

[15] Nach der Überlieferungsgeschichte von Reuth, Ralf Georg (Hrsg.): Joseph Goebbels Tagebücher, Band 1: 1924 – 1929. – Orig.- Ausg. – München : Piper, 1992. S. 3 - 19.

Details

Seiten
26
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640425754
ISBN (Buch)
9783640422524
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v134287
Institution / Hochschule
Fachhochschule Potsdam
Note
1,7
Schlagworte
Joseph Goebbels Goebbels Tagebücher Tagebuch Das Goebbels-Experiment Edition Editionsrichtlinien Ralf Goerg Reuth Elke Fröhlich NS-Zeit 2. Weltkrieg Editionstechnik

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