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Wirtschaftspolitik in der Krise: Das Problem der Deflationspolitik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 23 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausgangssituation: wirtschaftliche und sozialpolitische Aspekte
2.1 Stabilisierung der Währung
2.2 Der Dawes-Plan
2.3 Wirtschaftliche Entwicklung in den Goldenen Zwanziger Jahre
2.4 Der Young-Plan

3. Weltwirtschaftskrise

4. Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise
4.1 Verschärfung der Bankkrise
4.2 Wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft

5. Regierung Brüning
5.1 Bildung der Regierung Brüning
5.2 Ziele und Maßnahmen seiner Deflationspolitik
5.3 Notverordnungen

6. Folgen der brüningschen Sparmaßnahmen
6.1 Wirtschaftliche Auswirkungen
6.2 Sozial- politische Auswirkungen

7. Scheitern der Regierung Brüning

8. Schlußbetrachtung Bewertung der brüningschen Deflationspolitik

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Ausrufung der Weimarer Republik am 9.November 1918 stand unter keinem guten Stern. Sie läutete eine Zeit ein, die außenpolitisch auf vielerlei Widerstände stoßen und innenpolitisch von schweren Auseinandersetzungen über die deutsche Politik geprägt sein würde.[1]

Der erste Weltkrieg war verloren. Dem alten Kaiser Wilhelm II. wurde abgedankt, somit hatten das Kaiserreich und seine Monarchie ein Ende gefunden. Das neue Programm einer parlamentarisch gebildeten Reichsregierung wurde in der Bevölkerung zwar von einem Großteil positiv begrüßt, spaltete die neue Republik jedoch von Beginn an in zwei Lager: zum einen in Befürworter und zum anderen in Gegner der neuen demokratisch parlamentarischen Staatsform. Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges wogen in der Bevölkerung, welche vom Krieg noch müde und erschöpft war, schwer. Auch die Politiker vermochten es nicht, eine wirkliche Besserung herbei zu führen.[2] Hinzu kam der von den Siegermächten ausgehandelte Versailler Friedensvertrag (1919), den man zu unterzeichnen hatte, und der die Situation in Deutschland noch verschärfte. Mit ihm verbunden waren Gebietsabtretungen, hohe Reparationszahlungen und Güterabtretungen. Vor allem aber die Frage der Kriegsschuld (mit Unterzeichnung bejahte man, daß allein Deutschland an dem Krieg und seinen Folgen die Schuld trug) lastete die ganze Weimarer Republik hindurch schwer in den Köpfen des deutschen Volkes.[3] Der hieraus resultierende psychologische Effekt unterstützte nicht nur die zum Teil vorhandene ablehnende Haltung gegenüber der Republik, sondern sollte mitunter der bald aus dem Schattendasein hervortretenden nationalsozialistischen Partei zu einem raschen Aufstieg verhelfen.

Nicht nur innerhalb der Bevölkerung, auch unter den führenden Parteien der ersten Reichsregierung zeigten sich Unstimmigkeiten über die neue Republik. Das Resultat hieraus führte dann in den Nachkriegsjahren zu revolutionäre Akten, die nicht selten blutig endeten und dann ebenso blutig fortsetzten, Auseinandersetzungen unter und innerhalb der Weimarer Parteien, Putschakten und stetigen, erfolglosen Versuche deutscher Politiker, Deutschland auf allen Ebenen wieder zu regenerieren.[4] Auch die „goldenen zwanziger Jahre“, mit denen eine wirtschaftliche Erholung und Besserung der Lebensumstände einher zu gehen schien, konnten über diese verworrene Zeit nur oberflächlich hinweg trösten.[5]

Ständig schwankende Ausgänge von Wahlen, die Zunahme von so genannte Splitterparteien und das plötzliche Erstarken linker und rechter Parteien, verhinderten das produktive Zusammenarbeiten an einer gemeinsamen Regierung. Die neue Demokratie, die den Gegensatz zwischen Eliten und Mittelstand hätte aufheben sollen, konnte nicht umgesetzt werden, noch weniger eine gemeinsam erfüllende demokratische Gesinnung unter dem Volk schaffen. Eine gesellschaftliche Umstrukturierung fand nach dem Krieg und der „Novemberrevolution“ nicht statt.[6] Spätestens mit der Wahl Paul von Hindenburgs zum Reichspräsidenten (1925) sollten sich schleichend das Wiederaufkommen alter monarchischer Elemente und ein Zurückdrängen der parlamentarischen Regierungsform zeigen.[7]

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich unter besonderer Berücksichtigung der Weltwirtschaftskrise 1929 mit der instabilen Entwicklung der deutschen Wirtschaft in den Jahren von 1923 bis 1932. Den Schwerpunkt dieser Arbeit soll die vom damals amtierenden Reichskanzler Heinrich Brüning (1930-1932) verfolgte „Deflationspolitik“, zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Krise in Deutschland, bilden. Durch eine strukturierte Darstellung soll so der Zusammenhang von sowohl wirtschaftlicher, sozialer, als auch politischer Entwicklung aufgezeigt werden. Der Schlußteil dieser Arbeit soll dann durch eine kurze Bewertung der brüningschen „Deflationspolitik“ durch Stimmen aus der gegenwärtigen Forschung abgerundet werden.

Im ersten Teil dieser Arbeit wird zunächst auf die Ausgangslage Deutschlands, wie sie sich vor Beginn und mit Einbruch der Weltwirtschaftskrise zeigte, eingegangen werden. Es scheint mir richtig, mit der Beendigung der Inflation zu beginnen, denn bereits hier werden Wege eingeschlagen, welche für die weiter verlaufende Entwicklung maßgeblich sind.

2. Ausgangssituation: wirtschaftliche und sozialpolitische Aspekte

2.1 Stabilisierung der Währung

1923 zeigte sich deutlich, daß die alte Währung (Mark) nicht mehr funktionierte. Es war zu einer erheblichen Geldentwertung gekommen, daß zum einen Bargeld so schnell wie möglich in Sachgüter umgesetzt und zum anderen Sachgut nur noch mit Sachgut getauscht wurde. Mit dem Plan zur Stabilisierung der Währung, den Reichswährungskommissar Hjalmar Schacht und Finanzminister Hans Luther 1923 ausgearbeitet hatten, wurde die deutsche Rentenbank gegründet (Grundkapital 3,2 Mrd. Rentenmark) und die Rentenmark, die an die Goldmark gekoppelt wurde, eingeführt. Die Rentenmark wurde nicht zu einem gesetzlichen Zahlungsmittel, sondern war eine Übergangslösung, zu deren Annahme Privatleute nicht, wohl aber öffentliche Kassen verpflichtet waren. Auf diese Weise sollte das Geldvolumen (für eine Billion deutsche Mark wurde eine Rentenmark ausgegeben)[8] reduziert werden. Langfristig wurde eine Stabilisierung der Währung aber erst dadurch möglich, daß man zusätzlich den Geldstrom, der von der Reichsbank ausgehend über die öffentlichen Kassen in den volkswirtschaftlichen Kreislauf gelangte, unterband.[9]

Die Reichsbank erhielt einen Kredit über 1,2 Mrd. Rentenmark, wovon allein 0,3 Mrd. zur Beseitigung öffentlicher Schulden verwendet wurden, denn eine Stabilisierung der Staatsfinanzen war für die Einführung einer neuen stabil bleibenden Währung unumgängliche Voraussetzung.[10] Da man das Kreditvolumen der Reichsbank einschränkte, konnten nicht mehr Kredite ausgegeben, als auch zurückgezahlt werden.

Als eine Stabilisierung erreicht war, wurde als gesetzliches Zahlungsmittel die Reichsmark [RM] eingeführt, welche im Verhältnis 1:1 (1 Rentenmark = 1 Reichsmark) ausgegeben wurde. Bis die vorhandenen Währungen (Mark und Rentenmark) vollständig in die neue, gültige Währung (Reichsmark) umgetauscht waren, befanden sich somit drei (!) Währungen im Umlauf.

Entscheidend für das neue Zahlungsmittel war, daß die nun ausgegebenen Reichsmark Noten zu 40% in Gold und Devisen gedeckt sein mußten. Dies kam vor allem dem Staat, weiten Teilen der hoch verschuldeten Landwirtschaft und privaten Schuldnern zugute. Negativ wirkte es sich für all diejenigen aus, die zuvor Kapital in Wertpapieren, Sparbriefe o.ä. angelegt hatten; aber auch öffentliche Einrichtungen, die in eben solchen Papieren Rücklagen oder ihre Kapitalgrundlage besaßen, waren von einem erheblichen Geldverlust betroffen.[11]

Auf die Stabilisierung konnte dann eine vernünftige Neuregelung der Reparationszahlungen folgen.

2.2 Der Dawes-Plan

Durch die Besetzung des Ruhrgebiets (war am 11.01.1923 erfolgt, da Deutschland die utopischen Reparationen nicht mehr zahlte, was auf die Siegermächte wie eine „Sabotage“ wirkte)[12] und die vorausgegangene Inflation, war die Leistungsfähigkeit Deutschlands, den laufenden Reparationen nachzukommen, erheblich eingeschränkt worden. Mit Stabilisierung der Währung konnte 1924 auf einer Londoner Konferenz mit dem Dawes-Plan eine Neuregelung getroffen werden. Der Abzug aus dem Rheinland wurde noch auf keinen endgültigen Zeitpunkt festgelegt. Der Dawes-Plan sah Leistungen vor, die in jährlichen Raten zu zahlen waren. Im ersten Jahr betrugen sie noch eine Mrd., danach sollten sie jährlich bis 1928/29 auf 2,5 Mrd. Reichsmark ansteigen. Diese Leistungen sollten zur einen Hälfte aus der Industrie, zur anderen aus der Reichsbahn, bzw. aus dem Reichshaushalt aufgebracht werden.[13]

Da der Dawes-Plan zeitlich unbefristet war, hatte man bei etwaiger Stockung der Zahlung einen entsprechenden Spielraum.[14] Darüber hinaus enthielt der Plan einen Transferschutz, der fest setzte, daß nur so viel von den Reparationen aus Deutschland in zu zahlende Fremdwährungen transferiert werden durften, wie es möglich war, ohne die Zahlungs- und Devisenbilanz Deutschlands zu gefährden, um so einer erneuten Destabilisierung der deutschen Währung entgegenzuwirken.[15] Für diesen Zweck stellte man einen General (bzw. Reparations-) agenten, auf den die zu transferierende Summe in deutscher Währung entfiel und von dem aus sie erst nach ordentlicher Prüfung der Reichsfinanzen[16], transferiert und dann in entsprechender Währung an die ausländischen Empfänger überging.[17]

Die zu erbringenden Leistungen mußten aus den Produktionsgewinnen transferiert werden, die jedoch nur durch Handelsbilanzüberschüsse erwirtschaftet werden konnten.[18] Die mit dem Transferschutz Hand in Hand gehenden Schwierigkeiten sollten sich sehr bald zeigen. Zunächst aber gewährte man Deutschland eine internationale Anleihe in Höhe von 800 Mrd. RM.[19]

[...]


[1] Niedhart, Gottfried, Deutsche Geschichte 1918-1933. Politik in der Weimarer Republik und der Sieg der Rechten, Stuttgart 1996, 2.Aufl., S.15.

[2] Wurm, Franz F., Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland 1848-1984, Opladen 1969, S.191.

[3] Gay, Peter, Die Republik der Außenseiter- Geist und Kultur der Weimarer Zeit in 1018-1933, S.197f. .

[4] Niedhart, Gottfried, Deutsche Geschichte 1918-1933. Politik in der Weimarer Republik und der Sieg der Rechten, S. 17.

[5] Gay, Peter, Die Republik der Außenseiter- Geist und Kultur der Weimarer Zeit in 1018-1933, S.205.

[6] Wurm, Franz F., Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland 1848-1984, S.188.

[7] Ebd. , S.193.

[8] Niedhart, Gottfried, Deutsche Geschichte 1918-1933. Politik in der Weimarer Republik und der Sieg der Rechten, Stuttgart 1996, 2.Aufl. , S.90.

[9] Henning, Friedrich-Wilhelm, Das industrialisierte Deutschland 1914 bis 1972, in: Henning, Friedrich-Wilhelm (Hrsg.), Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Bd.3, 2.Aufl., Paderborn 1975, S.79.

[10] Henning, Das industrialisierte Deutschland 1914 bis 1972, S.81.

[11] Ebd. , S.80ff. .

[12] Gay, Peter, Die Republik der Außenseiter- Geist und Kultur der Weimarer Zeit in 1018-1933, S.203.

[13] Hertz-Eichenrode, Dieter, Wirtschaftskrise und Arbeitsbeschaffung. Konjunkturpolitik 1925/26 und die Grundlagen der Krisenpolitik Brünings, Frankfurt/Main 1982, S.222.

[14] Henning, Das industrialisierte Deutschland 1914 bis 1972, S.84.

[15] Ziemer, Gerhard, Inflation und Deflation zerstören die Demokratie – Lehren aus dem Schicksal der Weimarer Republik, Stuttgart-Degerloch 1971, S.110.

[16] Henning, Das industrialisierte Deutschland 1914 bis 1972, S.85f. .

[17] Hertz-Eichenrode, Dieter, Wirtschaftskrise und Arbeitsbeschaffung. Konjunkturpolitik 1925/26 und die Grundlagen der Krisenpolitik Brünings, Frankfurt/Main 1982, S.222.

[18] Schulz, Gerhard, Deutschland seit dem ersten Weltkrieg 1918-1945, S.81.

[19] Niedhart, Gottfried, Deutsche Geschichte 1918-1933, S.91.

Details

Seiten
23
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640417278
ISBN (Buch)
9783640412990
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v134274
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Historisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Weltwirtschaft Deflation Brüning Politik Weltwirtschaftskrise Inflation Währung Dawes-Plan Young-Plan Bankkrise Notverordnung

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