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Deutschland - Einwanderungsland

Hausarbeit 2006 12 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Gliederung

0. Einleitung

1. Kurzer historischer Exkurs zur Aus- und Einwanderung aus und nach Deutschland

2. Statistische Daten

3. Phasen zum „Deutschland - Einwanderungsland“

4. Asylbewerber und Flüchtlinge

5. Positive und negative Seiten der Einwanderung

6. Rechtliche Grundlagen
6.1 Gründe für die Einreise in die BRD

7. Integration

8. Schlusswort

Literaturquellen

Internetquellen

0. Einleitung

Um zu untersuchen, ob Deutschland mit einem Einwanderungsland gleichzusetzen ist, muss man überprüfen, inwiefern es den Vorstellungen von einem Einwanderungsland entspricht. Unter Einwanderung, auch Migration genannt, versteht man „(…) Wanderbewegungen von Menschen oder Gruppen, die ihren bisherigen Wohnsitz längerfristig wechseln und dabei in ein anderes Land ziehen oder wieder in ihr Herkunftsland zurückkehren“ (Meier-Braun 2002: Einleitung). Nun ist die Frage auch mit diesem Zitat noch nicht geklärt. Es gibt etliche Begründungen, Deutschland sei ein Einwanderungsland, was sich im Folgenden zeigen wird. Insbesondere die statistischen Daten deuten darauf hin.

Im Folgenden werde ich darauf hin arbeiten, die Meinungen etlicher Forscher, Statistiken und auch historische Ereignisse mit einzubeziehen, um zur Antwort zu gelangen. In meiner schriftlichen Ausarbeitung geht es nun darum zu untersuchen, ob die Frage „Deutschland – ein Einwanderungsland?“ bloß eine Suggestivfrage ist, die mit „ja“ oder mit „nein“ beantwortet werden kann oder ob es ein noch nicht abgeschlossenes Terrain ist.

1. Kurzer historischer Exkurs zur Aus- und Einwanderung aus und nach Deutschland

Die Einwanderung hat es, grob gesagt, in Deutschland und auch aus Deutschland bereits vor mehr als hundert Jahren gegeben. Ausgehend von der ersten Einwanderungswelle nach Deutschland waren es Hugenotten, Niederländer, Waldenser und Salzburger als Glaubensflüchtlinge im sechzehnten Jahrhundert, in einer zweiten Einwanderungswelle kamen an die zehntausend französischer Hugenotten im siebzehnten Jahrhundert, sodass im Jahr 1698 ein Viertel der zivilen Stadtbevölkerung Berlins die französischen Hugenotten darstellten (vgl. Bade 1994: 17f). Im Jahr 1815 wurden Juden zu preußischen Mitbürgern erklärt. Hunderte Jahre später waren es sowohl Italiener als auch Chinesen, Polen und Russen, die zu den Einwanderern ins damalige Deutsche Reich gehörten, um bei der schweren Arbeit für geringen Lohn zu arbeiten, die von den Deutschen ungern verrichtet wurde, da harte Bedingungen wie z.B. schwere körperliche Arbeit herrschten (vgl. Meier-Braun 2002: 9f). Während der NS-Zeit arbeiteten ca. 7,7 Millionen Ausländer in Deutschland und sie arbeiteten größtenteils im Konzentrationslager oder in der Landwirtschaft (vgl. Meier – Braun 2002: 14). „Wanderungen haben die Geschichte der Deutschen nachhaltig geprägt. Von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart haben Deutsche im Ausland und Fremde in Deutschland meist in großer Zahl alle denkbaren Erscheinungsformen des grenzüberschreitenden Wanderungsgeschehen erlebt: Aus-, Ein- und Transitwanderungen; Arbeitswanderung und Wanderhandel; Flucht- und Zwangswanderung von Deutschen ins Ausland und von Ausländern nach Deutschland, mit Deutschen als Opfern wie Tätern, innerhalb und außerhalb der deutschen Grenzen“ (Bade 1994: 14). Ein paar Beispiele dazu wären die Wolgadeutschen oder die Deutschen, die während des Weltkrieges nach Sibirien deportiert wurden. Des Weiteren die 5,5 Millionen Deutschen, die nach Amerika auswanderten, um der NS – Zeit zu entfliehen (vgl. Bade 1994: 20ff). Jahre später kehrten manche von solchen „Auswanderern“ in die Heimat als „Einwanderer“ zurück (vgl. ebd.).

2. Statistische Daten

Seit 1954 sind etwa 31 Millionen Deutsche und Ausländer in die Bundesrepublik Deutschland eingewandert. Dem gegenüber sind etwa 22 Millionen Menschen aus Deutschland ausgewandert und somit steht fest, dass seitdem ein Drittel nach Deutschland zugewandert ist und Deutschland an der Spitze der Zuwanderungsstatistik steht (vgl. Meier – Braun 2002: 16). Genau genommen steht Deutschland an der fünften Stelle neben der Schweiz, Österreich, Luxemburg und Irland (vgl. Meier – Braun 2002: 20). Auffallend an der Statistik ist, dass es mehr deutsche Bürger sind, die nach Deutschland einwandern. Betrachtet man das Jahr 1999, so sind über 200 000 Menschen deutscher Herkunft, wie z.B. Aussiedler aus Russland, nach Deutschland gezogen. Seit 1990 sind es bisher über zwei Millionen Aussiedler gewesen, die nach Deutschland „zurückkehrten“ (vgl. Meier – Braun 2002: 17).

Es leben in Deutschland rund 7,35 Millionen Menschen, die eine andere Staatsangehörigkeit haben, davon stellen die Türken mit zwei Millionen die größte Einwanderungsgruppe dar. Des Weiteren sind es Jugoslawen (662 000), Italiener (620 000), Griechen (365 000), Polen (301 000), Kroaten (217 000) und Bosnier (156 000), die an die Spitze der Einwanderer gestellt werden (vgl. Meier – Braun 2002: 21). Hinzu kommen an die 3,2 Millionen „Aussiedler“ und ca. eine Million „Eingebürgerte“. Insgesamt sind es mittlerweile beinahe zwölf Prozent der Bevölkerung in Deutschland, die einen Migrationhintergrund haben (vgl. Meier – Braun 2002: 20f; Storz 2002: 28). Davon leben über 40 Prozent seit mehr als fünfzehn Jahren in der BRD und beinahe zwei Drittel an ausländischen Kindern ist in Deutschland geboren worden [1,1 Millionen] (vgl. Storz 2002: 30).

Obwohl Deutschland bereits seit vielen Jahren Gastarbeiter, Asylbewerber und Aussiedler aufnimmt, war es eine lange Zeit nicht bereit gewesen, sich als ein Einwanderungsland zu betrachten und zu bezeichnen (vgl. Meier-Braun 2002: 11). „Die Zahlen belegen seit Jahren, dass Deutschland rein statistisch gesehen längst zum Einwanderungsland geworden ist“ (Meier – Braun 2002: 20).

3. Phasen zum „Deutschland - Einwanderungsland“

Die Einwanderung an sich lässt sich gemäß Karl-Heinz Meier-Braun in mehrere Phasen unterteilen, welche hier verkürzt dargestellt werden. Anhand dieser Phasen werden der Verlauf der Einwanderung und dessen Entwicklung deutlich.

Die Einwanderung, die wir als solche in Deutschland kennen, dass mittlerweile bereits über sieben Millionen Menschen anderer Herkunft hier leben, begann im Jahr 1953. Es wurden Menschen angeworben, auf dem Land für geringen Lohn zu arbeiten. Arbeit, die deutsche Bürger nicht verrichten wollten. Genau genommen wurde der erste Vertrag am zwanzigsten Dezember des Jahres 1955 mit Italien unterzeichnet. Es kamen die ersten „Gastarbeiter“ aus Italien, dann aus Spanien und Griechenland [1960], aus der Türkei [1961], aus Portugal [1964], aus Jugoslawien [1968] und später aus Marokko und Tunesien (vgl. Meier – Braun 2002: 30ff; Storz 2002: 28). Es stellte sich heraus, dass diese Menschen fleißig arbeiteten und auch für den Wiederaufbau des Nachkriegsdeutschland beschäftigt wurden. Die ersten Einwanderer wurden als „… gute Arbeiter und europäische Mitbürger willkommen (…) und (…) zum eigenen Nutzen und zur Hilfe für die deutsche Wirtschaft tätig“ begrüßt (Meier – Braun 2002: 39). Bis 1970 herrschte kein Konzept zur Ausländerpolitik. Bis dahin galt Deutschland eindeutig als kein Einwanderungsland. „Sicher wäre das Wirtschaftswunder im Nachkriegsdeutschland und der Aufbau der Sozialsysteme nicht ohne die „Gastarbeiter“ erreicht worden“ (Meier – Braun 2002: 35). Im Jahr 1964 erreichte die Zahl der Gastarbeiter eine Million (vgl. Meier – Braun 2002: 37). Die Idee im Jahr 1955 war, die „Gastarbeiter“ als solche zu belassen und sie als Saisonarbeiter einzustellen, die nach einer gewissen Arbeitsdauer wieder in ihr Land kehren. Jedoch blieben die Menschen, da sie für die Wirtschaft unerlässlich geworden waren (vgl. Meier – Braun 2002: 39). Somit endet die erste Phase im Jahr 1973, wo bereits über knapp eine Million Einwanderer in Deutschland leben.

In der zweiten Phase von 1973 bis 1979 ging es um die „Konsolidierung der Arbeitsplätze“ (Meier – Braun 2002: 42). In dieser Phase ging es darum, dass die Gastarbeiter ihre Familien nach Deutschland holten und somit versuchten in Deutschland Fuß zu fassen. Es wurde erstmals im Jahr 1973 ein Anwerbestopp verhängt, da man sich fürchtete, die Situation nicht mehr kontrollieren zu können und man auch soziale Konflikte unterlassen wollte. Zunächst wurde eine Eingliederungspolitik für die bereits in Deutschland lebenden Gastarbeiter verkündet. Trotz des Anwerbestopps stieg die Einwandererzahl bis auf 4,4 Millionen im Jahr 1980 an (vgl. Meier – Braun 2002: 42). Die Gründe für den Anstieg lagen in der hohen Geburtenrate der in Deutschland bereits lebenden Einwanderer. Hinzu kommt, dass man dennoch aus Arbeitszwecken nach Deutschland zuwandern konnte, nur dass der Zeitraum bemessen war und es nicht mehr so einfach war, nach Deutschland zu gelangen (vgl. Storz 2002: 28). In dieser Phase musste man erkennen, dass neben gesellschaftlichen Konflikten, welche sich anbahnten, auch die schulischen Leistungen der Einwanderungskinder erschreckend waren. Damals wäre eine Integrationsmaßnahme von Vorteil gewesen (vgl. Meier – Braun 2002: 44f).

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Details

Seiten
12
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640416806
ISBN (Buch)
9783640413669
Dateigröße
384 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v134083
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
3,0
Schlagworte
Immigration Einwanderung Majoritäten/Minoritäten Integration Eingliederungspolitik Asylkompromiss Menschenrechte Bürgerrechte

Autor

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Titel: Deutschland - Einwanderungsland