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"Einkommende Zeitungen" - die erste Tageszeitung der Welt

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Printmedien, Presse

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Historischer Hintergrund

3. Der Drucker Timotheus Ritzsch

4. Die „Einkommenden Zeitungen“
4.1 Formale und inhaltliche Aspekte
4.2. Argumente für Leipzig als Druckort

5. Andere (Tages-)Zeitungen und Druckkonkurrenten

6. Zusammenfassung und Schluss

7. Bibliographie

1. Einleitung

Die erste Tageszeitung der Welt – das mutet an wie ein Jahrhundertereignis, wie ein Meilenstein in der Kulturgeschichte Deutschlands. Doch das war es nur bedingt. Vor der ersten Tageszeitung gab es bereits periodisch erscheinende gedruckte Nachrichtenblätter. Schon die so genannten „Meßrelationen“, zu jeder Messe in Frankfurt oder Leipzig erscheinende Nachrichtensammlungen, können als Periodika gelten, auch wenn sie nur ein paar Mal im Jahr herauskamen. Die älteste bekannte Leipziger Meßrelation stammt aus dem Jahre 1599 (vgl. Schlimper 2000a: 11). Anfang des 17. Jahrhunderts entwickelten sich die ersten gedruckten Wochenzeitungen. Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts nahm die Erscheinungshäufigkeit dieser Blätter von einmal zu vier- bis fünfmal pro Woche zu. Verantwortlich dafür waren sowohl die politischen Ereignisse während des Dreißigjährigen Krieges, als auch das infolge dessen gestiegene Informationsbedürfnis der Bevölkerung (vgl. Kutsch/Weber 2002: 7). Welke (1995: 50) spricht von einer „spezifisch »teutschen Lesewuth«“, die dafür sorgte, dass es im 17. Jahrhundert im deutschen Sprachraum mehr und meist auflagenstärkere Zeitungen als im übrigen Europa gab. Für die Vielzahl von deutschsprachigen Zeitungen war aber sicherlich auch die vorhandene Drucktechnik mit beweglichen Lettern verantwortlich, die Mitte des 15. Jahrhunderts auf deutschem Boden ihren Anfang nahm.

Als schließlich 1650 in Leipzig auf die vier- bis fünfmal in der Woche erscheinende „Wöchentliche Zeitung“ das erste täglich erscheinende politische Nachrichtenblatt mit dem Namen „Einkommende Zeitungen“ folgt, ist dies kein Jahrhundertereignis, sondern die logische Konsequenz der vorhergehenden Entwicklung und „eigentlich nur ein sehr kleiner Schritt in einem kontinuierlichen Prozeß“ (Weber 2002a: 17). Innerhalb Europas allerdings setzten die „Einkommenden Zeitungen“ dann doch einen gewissen Meilenstein: „Die erste englische Tageszeitung erschien ein gutes halbes Jahrhundert später; Frankreich kannte erst am Vorabend seiner großen Revolution ein Tageblatt“ (Welke 1995: 51). Deutschland kann sich damit einer „stürmischen Entwicklung“ (Kutsch/Weber 2002: 7) der Nachrichtenpresse rühmen, von der die „Einkommenden Zeitungen“ den vorläufigen Höhepunkt darstellten.

In dieser Arbeit steht diese erste Tageszeitung im Mittelpunkt. Ihr Entstehen soll vor dem historischen Hintergrund der Stadt Leipzig beleuchtet werden, die als Druckort der Zeitung gilt. Dort war ein gewisser Timotheus Ritzsch ansässig, welcher der einzig mögliche Drucker und Herausgeber der „Einkommenden Zeitungen“ gewesen sein kann. Seiner Biographie ist Kapitel 3 gewidmet. Kapitel 4 schließlich beschreibt die „Einkommenden Zeitungen“ formal und inhaltlich und geht auf die Argumente ein, die Leipzig als Druckort untermauern. Zuletzt sollen die Druckkonkurrenten Ritzschs erwähnt werden, von denen einer dafür verantwortlich gemacht werden kann, dass die „Einkommenden Zeitungen“ nur knapp zwei Jahre in ihrer Form bestanden. Außerdem werden in diesem Zusammenhang weitere, zum Teil tagesaktuelle Zeitungen genannt, die den „Einkommenden Zeitungen“ nachfolgten.

2. Historischer Hintergrund

Im 17. Jahrhundert wurde Leipzig zum „Zentrum des deutschen Buchdrucks, Buchhandels und Verlagswesens“ (Herzog 1995: 12). Die Gründe hierfür sind in der seit 1409 bestehenden Universität, den Handelsmessen, der verkehrsgünstigen Lage der Stadt sowie der politischen Führung Kursachsens zu suchen (vgl. Herzog 1995: 12): Durch die Universität entstand eine gebildete Schicht, die des Lesens mächtig war und für die sich die Buchdrucker auf gelehrte, meist lateinische Schriften, spezialisierten (vgl. Herzog 1995: 21f.; Schlimper 2000b: 206). Die Gelehrten und Studierenden sorgten für regen Umsatz bei den ansässigen Buchdruckern, was wiederum nichtansässige Drucker anzog. Diese kamen aber, neben anderen Handelsleuten, auch zu den ab 1470 regelmäßig stattfindenden Messen, zu denen zusätzlich zu den gedruckten Meßkatalogen ab 1599 auch so genannte Meßrelationen erschienen: „Diese bei Abraham Lamberg zu den drei Messen erscheinenden Berichte gingen über die politischen Nachrichten hinaus, sie befriedigten das Interesse der Menschen an Hoffesten, Schiffbrüchen, Feuersbrünsten, an Duellen und Selbstmorden, an Diebstählen und sonstigen Novellen“ (Herzog 1995: 48). Schlimper vergleicht die Meßrelationen mit Nachschlagewerken oder Jahrbüchern, „die zu Spezialthemen das Geschehen des laufenden Jahres zusammenfassen“ (Schlimper 2000a: 11).

Die Leipziger Handelsmessen fanden aufgrund der geographisch günstigen Lage der Stadt und der Verkehrsanbindung großen Zuspruch: Leipzig lag an den wichtigsten Handelsstraßen, und zwar am „Schnittpunkt der via regia als West-Ost- und der via imperii als Nord-Süd-Verbindung“ (Herzog 1995: 12). Die drei jährlich stattfindenden Messen sicherten der Stadt ihre Stellung als wichtigster Handelsplatz in Mittel- und Ostdeutschland (vgl. Herzog 1995: 23) und sorgten nicht nur für regen Warenumschlag, sondern auch für Informationsfluss aus und in alle Welt (vgl. Schlimper 2000b: 206).

Und nicht zuletzt war es auch die kursächsische Regierung, die sowohl darauf bedacht war, die Wirtschaft zu fördern, als auch eine im Gegensatz zu Frankfurt tolerantere Zensur pflegte, dank derer sich Leipzig als bedeutender Buchhandelsplatz und Druckort etablieren und schließlich sogar der Buchstadt Frankfurt den Rang ablaufen konnte (vgl. Herzog 1995: 12, 41).

Periodisch erscheinende Zeitungen werden in Leipzig jedoch vergleichsweise spät gedruckt (vgl. Schlimper 2000a: 11). Lange Zeit genügten unperiodisch erscheinende „Newe Zeytungen“, die Ereignisse in der Nähe des Druckortes schilderten (vgl. Schlimper 2000a: 10) und damit eher zur Lokalberichterstattung gezählt werden können. Erst, als Kursachsen 1631 in den Dreißigjährigen Krieg eintritt, steigt das Bedürfnis nach Informationen aus ganz Europa, und dies nicht nur bei den Landesherren, sondern auch beim „normalen“ Volk (vgl. Schlimper 2000a: 11). Als Folge davon entstehen die ersten wöchentlichen Zeitungen, für die bereits Druckprivilegien von der Obrigkeit vergeben werden (vgl. Weber 2002b: 62; Schlimper 2000a: 15). Als 1642 die Schweden in Kursachsen einziehen, annektieren diese das Zeitungswesen vollständig: Sie verbieten den Druck der bestehenden Periodika und geben nur dem schwedischen Postmeister Dickpaul das Recht, die „Wöchentliche Zeitung“ herauszugeben (vgl. Welke 1995: 50; Schlimper 2000a: 20f.). Die Post war seit jeher diejenige Institution, bei der sämtliche Nachrichten eintrafen, weshalb es nahe lag, den Postmeister mit der Herausgabe von Zeitungen zu betrauen. Die „Wöchentliche Zeitung“ erschien jedoch keineswegs nur einmal pro Woche, wie der Name vermuten ließe: bereits ab 1644 kam sie vier- bis fünfmal in der Woche heraus und lässt sich in dieser Form bis 1650 nachweisen (vgl. Schlimper 2000a: 21). Sie war damit etwas Besonderes im Vergleich zu anderen Druckorten in Mitteleuropa, wo es lediglich zwei- bis dreimal pro Woche erscheinende Periodika gab (vgl. Schlimper 2000b: 207). Offensichtlich engagierten sich die Schweden stark für die Leipziger Presse (vgl. Schlimper 2000b: 208), nicht zuletzt deswegen, um sich selbst schnell und zuverlässig über die Kriegsereignisse informieren zu können.

Im Jahre 1650, zwei Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, ziehen die Schweden aus Leipzig ab und eröffnen mit dem damit verbundenen Machtwechsel dem Drucker Timotheus Ritzsch die Möglichkeit, eine eigene Zeitung herauszugeben, die als erste Tageszeitung in die Geschichte eingehen soll.

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Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640416455
ISBN (Buch)
9783640412006
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v134011
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung
Note
1,3
Schlagworte
Tageszeitung Leipzig erste Tageszeitung Pressegeschichte Presse Deutschland Timotheus Ritzsch Ritzsch

Autor

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