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Die Finanzpolitik Brünings

Hausarbeit 2008 24 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Wirtschaftstheorien
2.1 Die Klassisch-Neoklassische Theorie
2.2 Die Keynesianische Theorie
2.3 Wirtschaftspolitische Implikationen der Theorien

3. Brünings Finanzpolitik
3.1 Brünings Ziele
3.2 Maßnahmen
3.3 Ergebnisse der brüningschen Politik

4. Die Borchardt-Kontroverse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Die deutsche Wirtschaft 1925 bis 1931 .11

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Die Regierungszeit des Reichskanzlers Heinrich Brüning [...] gehört zu den umstrittensten Abschnitten der neueren deutschen Geschichte“1. Heinrich Brüning ist sowohl für die Wirtschaftsgeschichte der Weimarer Republik als auch für die immer wiederkehrende Diskussion über die Voraussetzungen der Machtergreifung durch Hitler eine entscheidende Figur geworden. Nur mit der ersteren Rolle beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Brüning ist zu einem Zeitpunkt Reichskanzler geworden, der nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in wirtschaftstheoretischer Hinsicht bedeutend ist. Das deutsche Reich wurde während Brünings Regierung in die Weltwirtschaftskrise hineingezogen. In der Folge geriet auch die Wirtschaftstheorie in eine Kontroverse. Da die herrschende Theorie scheinbar die Krise nicht erklären und keine Empfehlung zu ihrer Überwindung geben konnte, kam zeitgleich eine neue Wirtschaftstheorie, der Keynesianismus, auf.

Es werden im Folgenden daher die klassisch-neoklassische Theorie und der Keyesianismus sowie ihre politischen Empfehlungen vorgestellt. Brünings Finanzpolitik wird erläutert und die bis heute geführte Diskussion über sein Wirken unter dem Stichwort der Borchardt-Kontroverse dargestellt.

2. Die Wirtschaftstheorien

2.1 Die Klassisch-Neoklassische Theorie

Die Grundlage der klassisch-neoklassischen Theorie bildet die von Adam Smith begründete klassische Nationalökonomie. Nach Smith führt der Preismechanismus („die unsichtbare Hand“) zur Koordination der Wirtschaftspläne aller Individuen auf allen Märkten, indem Angebot und Nachfrage durch den Preis langfristig ausgeglichen werden. Das so erreichte Gleichgewicht und damit die individuelle wirtschaftliche Freiheit wird als gesellschaftlich optimaler Zustand angesehen.

Auf dem Arbeitsmarkt beispielsweise wird demnach umso mehr Arbeit von den Arbeitnehmern angeboten, desto höher der Reallohn ist. Umgekehrt fragen die Unternehmen umso weniger Arbeit nach, desto höher der Reallohn ist. Es gibt ein Lohnniveau bei dem die Pläne der Arbeitnehmer und Unternehmen sich ausgleichen, der Gleichgewichtslohn. Die Theorie nennt den eintretenden Zustand Vollbeschäftigung. Alle Arbeitnehmer, die in diesem Zustand keine Arbeit haben, sind freiwillig arbeitslos, da sie zum gebotenen Reallohn nicht bereit sind zu arbeiten. Es gibt keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit.

Eine weitere wichtige Annahme ist die Dichotomie. Geld ist ein Schleier über der Realwirtschaft, denn „Geld und Reichtum sind etwas völlig verschiedenes“2. Nicht mit Geld werden Güter in der Realität gekauft und die Pläne der Haushalte und Unternehmen sind unabhängig von nominalen Preisen und der Geldmenge. Wird die Geldmenge erhöht, kommt es zu Preisänderungen, aber es gibt keine reale Auswirkung auf den Wohlstand.

Das Saysche Theorem gilt als einer der zentralen Lehrsätze der Klassik-Neoklassik und lautet in Kurzform: „Jedes Angebot schafft sich selbst seine Nachfrage“3. Da jedes bei der Güterproduktion erzielte Einkommen auch wieder zum Kauf neuer Güter verwendet oder aber gespart wird und damit zu Investitionen führt, kann es gesamtwirtschaftlich zu keinem Angebotsüberschuss kommen.

Das Erklärungspotenzial der Neoklassik für Wirtschaftskrisen scheint zunächst offenbar begrenzt. Doch man muss beachten, dass die Analyse der Neoklassiker sich auf lange Zeiträume bezieht. Sie leugnet nicht das Auftreten kurzfristiger Ungleichgewichte, geht aber davon aus, dass diese von vorübergehender Natur sind und dass es in der langen Frist eine starke Tendenz zum Gleichgewicht gibt.

Ungleichgewichte, die langfristig vorherrschen, können laut der Theorie nur durch exogene Einflüsse hervorgerufen werden. Im Beispiel des Arbeitsmarktes wären das institutioneller Hemmnisse wie Absprachen und Kartelle (Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften)4 oder auch Monopole und staatliche Eingriffe. „Es ist deshalb falsch zu meinen, dass sie [die neoklassischen Ökonomen] dem Problem der Arbeitslosigkeit unvorbereitet und hilflos gegenüber standen. Vielmehr führten sie jenes auf überhöhte Löhne zurück“5.

2.2 Die keynesianische Theorie

In der Weltwirtschaftskrise wurde mehr und mehr das mangelnde Erklärungspotential der klassisch-neoklassischen Theorie kritisiert. Der prominenteste Kritiker war John Maynard Keynes, dessen mit Spannung erwartetes und 1936 veröffentlichtes Buch „General Theory of Employment, Interest and Money“ das wohl meistzitierte ökonomische Werk des 20. Jahrhunderts wurde6.

Keynes betrachtet die klassisch-neoklassische Theorie als einen speziellen Fall der Vollbeschäftigung (eine echte, nicht klassisch-neoklassische), seine „allgemeine“ Theorie sollte auch für den Fall der Unterbeschäftigung gelten. Daher haben beide Theorien eine gemeinsame Basis. Die zentrale Annahme des Keynesianismus ist die Umkehrung des Sayschen Theorems: Nach Keynes wird die Produktion von der Absatzseite her bestimmt. Damit schafft sich die Nachfrage ihr Angebot, nicht umgekehrt. Keynes unterscheidet den bloßen Wunsch nachzufragen von der effektiven, also tatsächlich am Markt auftretenden Nachfrage. Ist diese zu gering, wird die Produktion begrenzt, die Faktoreinkommen sinken und die effektive Nachfrage sinkt weiter. Daraus ergeben sich auch die vier wesentlichen Annahmen der Theorie:

1. die Konsumfunktion, nach der der reale Konsum maßgeblich vom Realeinkommen abhängt und jeder Einkommenseinheit auf den Konsum oder das Sparen entfällt. Keynes fundamental-psychologisches Gesetz besagt, dass der Konsum bei einer Erhöhung des Realeinkommens zunimmt, die absolute Konsumzunahme aber stets geringer ausfällt als die Einkommenszunahme.
2. die Investitionsfunktion, die besagt, dass eine Investitionsentscheidung nicht wie in der Klassik-Neoklassik auf der gegenwärtigen Grenzproduktivität des Kapitals, sondern auf den erwarteten zukünftigen Kapitalerträgen beruht und damit vom Wandel des wirtschaftlichen Klimas beeinflusst ist.
3. Liquditätspräferenztheorie; in der keynesianischen Theorie ist Geld nicht mehr nur Transaktionsmittel, sondern dient auch der Wertaufbewahrung. Die Theorie ist Grundlage für eine berühmte Interpretation Keynes, das IS / LM – Modell. IS steht für investements = savings und beschreibt einen Gleichgewichtslokus auf dem Kapitalmarkt. LM steht für Geldnachfrage und Geldangebot und beschreibt somit den Geldmarkt. Die Erkenntnis aus dem Modell ist, dass bei gegebenem Preisniveau Realeinkommen und Beschäftigung durch die effektive Nachfrage determiniert werden.
4. Starrheiten von Preisen und Löhnen. Preise und Löhne reagieren mit einer Verzögerung auf die Veränderung von Angebot und Nachfrage. Die Gründe liegen in Administrierung, Macht, Marktform und Verträgen7.

[...]


1 Büttner, U., Politische Alternativen, 1989, S. 209

2 Felderer, B., Homburg, S., Makroökonomik, 2005, S.53

3 ebd. S.84

4 ebd. S.71

5 ebd. S.95

6 ebd. S. 98 ff.

7 vgl. ebd. Kapitel V

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640416356
ISBN (Buch)
9783640413102
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v133985
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Öffentliche Finanzen
Note
2,0
Schlagworte
Finanzpolitik Brünings
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Titel: Die Finanzpolitik Brünings