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Kiezdeutsch. Sprachliche und kommunikative Merkmale im sprechsprachlichen Register von Berlinern mit türkischer Herkunftssprache

Examensarbeit 2008 90 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DIE AKTUELLE SITUATION DER TÜRKEN IN DEUTSCHLAND
2.1 DIE SOZIALE UND POLITISCHE SITUATION
2.2 DER SOZIOLINGUISTISCHE HINTERGRUND
2.2.1 GASTARBEITERDEUTSCH
2.2.2 DAS DEUTSCH DER ZWEITEN UND DRITTEN GENERATION
2.3 ZUR INTERVIEWGRUPPE

3. BEGRIFFSBESTIMMUNG
3.1 VARIETÄT , STIL UND REGISTER
3.2 SOZIOLEKT ,SLANG UND JUGENDSPRACHE
3.3 BEGRIFFSBESTIMMUNG DES ETHNOLEKTS „KANAK SPRAK “
3.4 BEGRIFFSBESTIMMUNG CODE - SWITCHING , CODE - MIXING UND LANGUAGE CROSSING

4. FORSCHUNGSÜBERBLICK
4.1 HINNENKAMP : „GEMISCHT SPRECHEN “ ALSACT OF IDENTITY
4.2 AUER / DIRIM : KANAK SPRAK BEI NICHT - TÜRKISCHEN SPRECHERN
4.3 KALLMEYER / KEIM : „ KOMMUNIKATIVER SOZIOKULTURELLER STIL “ IN MANNHEIM
4.4 JANNIS A NDROUTSOPOULOS : EINFLUSS DER MEDIEN

5. DER ETHNOLEKT KANAK SPRAK - KORPUSANALYSE
5.1 INHALT UND GLIEDERUNG DER K ORPUSANALYSE
5.2 DATENERHEBUNG : VORGEHENSWEISE UND EVENTUELLE PROBLEME
5.2.1 DIFFERENZIERUNG DES KORPUS
5.2.2 EVENTUELLE PROBLEME
5.2.2.1 ZWISCHENMENSCHLICHE SCHWIERIGKEITEN
5.2.2.2 TECHNISCHE SCHWIERIGKEITEN
5.3 KORPUSANALYSE - DIE GRUNDMERKMALE DER KANAK SPRAK
5.3.1 PHONETIK/ PHONOLOGIE
5.3.2 PROSODISCHE MERKMALE
5.3.3 MORPHOLOGIE UND SYNTAX
5.3.4 LEXIKON UND DISKURSORGANISATION
5.3.5 AUSSERSPRACHLICHE MERKMALE
5.4 SPRACHLICHE BESONDERHEITEN IN BERLIN WEDDING
5.4.1 „REIME - MEIME“
5.4.2 ONOMATOPOETISCHE ELEMENTE
5.4.3 GEHEIMSPRACHE „OHNE ROTKOHL“
5.5 GESCHLECHTSSPEZIFISCHE UNTERSCHIEDE

6. KANAK SPRAK ALS AUSDRUCK SOZIOKULTURELLER IDENTITÄT

7. REAKTIONEN AUF DIE „KANAK SPRAK
7.1 REAKTIONEN DER MEHRHEITSGESELLSCHAFT AUF DIE „KANAK SPRAK “
7.2 REPRÄSENTATION IN DEN MEDIEN
7.3 KANAK SPRAK - DIE NEUE BERLINER UNTERSCHICHTSPRACHE ?

8. SCHLUSSBETRACHTUNG

9. LITERATURVERZEICHNIS

10. ANHANG
10.1 ÜBERSICHT DER INTERVIEWS
10.2 ÜBERSICHT DER SPRECHER
10.3 TRANSKRIPTIONSZEICHEN

1. Einleitung

„Wallah, ischwöre! Lassma Gesundbrunncenta gehn, lan!“1 Diese Art zu sprechen ist in den letzten Jahren unter den Jugendlichen in Deutschland immer öfter zu beobachten. Das so genannte „Türkendeutsch“, „Kiezdeutsch“ oder „Kanak Sprak“ ist Gegenstand dieser Arbeit.

Diese Form der Jugendsprache, die man vor allem in vielen deutschen Großstädten fin-det, hat sich in den letzten Jahren zu einem Ethnolekt entwickelt, der nicht nur unter Heranwachsenden nicht-deutscher Herkunftssprache, sondern auch in anderen sozialen Gruppen und den Medien wieder auftaucht. Er hat sich von einer Sprache, die in der er-sten Generation der Migranten als eine Art Übergangsdialekt zu fungieren schien, zu einem offenbar festen Bestandteil der deutschen Sprachvariationen entwickelt.2

Das Gastarbeiterdeutsch der ersten Generation, das noch auf geringen Deutschkenntnis-sen beruhte, entwickelte sich in den neunziger Jahren zu einer ethnolektalen Varietät des Deutschen. Diese Varietät wird vor allem von jungen, türkischstämmigen Männern ge-sprochen, die zwar in Deutschland aufgewachsen sind, sich hier aber dennoch nicht völlig zugehörig fühlen. Die zweite und dritte Generation der damaligen Gastarbeiter macht in einigen Gegenden Deutschlands mittlerweile über 50 Prozent der Bevölkerung aus.3 An den Rand der Gesellschaft gedrückt, identifizieren sie sich eher mit dem von der Gesellschaft auferlegten Stereotyp eines Türken.

Diese Arbeit soll eventuelle Unterschiede innerhalb der Gruppe, die den Ethnolekt be-nutzt, untersuchen. Es wird vermutet, dass dieser bei männlichen Sprechern ausgeprägter ist als bei weiblichen, und dass er teilweise bewusst zur Abschreckung anderer eingesetzt wird. Des Weiteren gilt es zu prüfen, ob die soziale und kulturelle Orientierung Einfluss auf die Sprecher hat und ob und wann Registerwechsel stattfinden. Ist dieser „Getto-slang“ vielleicht sogar die neue Berliner Unterschichtensprache? Ein besonderer Fokus soll außerdem auf die mir aufgefallene sprachliche Kreativität der Jugendlichen gelegt werden. Merkmale, die in anderen Untersuchungen noch keine Beachtung gefunden ha-ben, stehen im Zentrum dieser Arbeit, ebenso wie das umfangreiche, innovative Vokabular der jungen Sprecher.

Meine Ausführungen beruhen auf Daten verschiedener Quellen. Zum einen werde ich mich auf aktuelle Forschungsberichte und deren Ergebnisse beziehen, zum anderen wur-den von mir selbst Interviews mit 67 Jugendlichen durchgeführt. Im Verlauf der Untersuchung wird, um über die Hintergründe der Berliner mit türkischer Herkunfts-sprache zu informieren, im zweiten Kapitel ein Überblick über die soziale und sprachliche Ausgangssituation der Türken in Deutschland gegeben. Im dritten Kapitel sollen für das Thema relevante Fachtermini näher definiert werden, worauf in Kapitel 4 ein Überblick über den derzeitigen Forschungsstand zum Thema „Türkendeutsch“ an-hand der wichtigsten Vertreter folgt. Die Analyse der spezifischen Merkmale dieser Varietät und ein Überblick über die noch unbeschriebenen Charakteristika des hier vor-gestellten Korpus folgt im Kapitel 5. Im Anschluss wird auf den Zusammenhang zur Identität und Sprache und anschließend den Reaktionen der Gesellschaft auf die Sprech-weise der türkischen Migranten eingegangen, um schließlich zu einer Auswertung der sprechsprachlichen Register der Berliner Türken zu kommen.

2. Die aktuelle Situation der Türken in Deutschland

2.1 Die soziale und politische Situation

„Wie lebt es sich als Kanake in Deutschland? [...] Kanake, ein Etikett, das nach mehr als 30 Jahren Immigrationsgeschichte von Türken nicht nur Schimpfwort ist, sondern auch ein Name, den »Gastarbeiterkinder« der zweiten Generation mit stolzem Trotz führen.“4

Dieser Satz stammt aus der Einleitung Feridun Zaimoglus Buch Kanak Sprak aus dem Jahr 1995, dessen Titel der Namensgeber dieses Ethnolekts werden sollte. Es beschreibt die Grundsituation der Jugendlichen mit Migrationshintergrund sehr zutreffend, weshalb ich seine Kommentare zur Situation der Türken gelegentlich integrieren werde.

In Deutschland sind zurzeit über 1,7 Millionen „Ausländer“5 türkischer Abstammung gemeldet,6 das entspricht einem Anteil von 25,8% an allen ausländischen Staatsangehö-rigen.7 Hinzu kommen noch die Türken, die die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen, beziehungsweise die doppelte Staatsbürgerschaft haben und illegale Ein-wanderer. Insgesamt bilden die Türken mit insgesamt über 2,5 Millionen so die größte Gruppe der Migranten.8

Die Migrationswelle aus den Mittelmeerregionen begann gegen Ende der fünfziger Jah-re. Die deutsche Industrie brauchte dringend Arbeiter, die dann als „Gastarbeiter“ aus Italien, Spanien, dem damaligen Jugoslawien und der Türkei rekrutiert wurden. Diese Beschäftigung war von Deutschlands Politikern ursprünglich als vorübergehende Situa­tion gedacht, wandelte sich jedoch, nachdem viele ihre Familien mit nach Deutschland brachten und deren Kinder hier eingeschult wurden, in eine permanente Situation. Zai-moglu beschreibt diese Kinder als „»Immigranten der zweiten Generation«, die erste Generation der Kanaken.“9

Die Tatsache, dass zu Beginn der Migrationswelle ein absehbarer Zeitraum für das Blei-ben der türkischen Familien beabsichtigt war, machte anfangs ein Integrationsprogramm unnötig. Ein Fehler dessen Auswirkungen erst viele Jahre später sichtbar werden sollte. Sprachunterricht für die Türken und auch andere Gastarbeiter wurde schlicht nicht für wichtig befunden. Man muss bedenken, dass Deutschland bis dahin eine monolinguisti-sche Gesellschaft war, bis auf regionale Dialekte gab es kaum ethnisch motivierte Sprachvariationen.10

Die Gastarbeiter verbesserten zwar ihre finanzielle Situation im Gegensatz zu der in ih-ren Herkunftsländern, nahmen in Deutschland aber eine Position auf dem unteren Ende der sozialen Leiter ein. Zaimoglu beschreibt die Situation dieser Generation wie folgt:

„Sie wohnten in engen Häusern, in denen die Decke tropfte und die Wände Risse zeig-ten. Die Mütter standen den ganzen Tag in der Küche, zeigten die ersten Gebrechen. Die Väter bekamen krumme Rücken, Magengeschwüre und griffen öfter zum Prügelstock. Die Mädchen wurden auf ihre traditionelle Rolle als Ehefrau vorbereitet.“11

Aus einem Land ohne Bildungstradition kommend und immer noch unter der Annahme, dass sie wieder in ihre Heimatländer zurückkehren würden, erzogen die Eltern ihre Kin­der weiterhin in türkischer Sprache So kam es, dass sie erst in der Vorschule mit der deutschen Sprache konfrontiert wurden. Die deutsche Regierung verpasste aufgrund des-sen den Punkt, an dem eine erfolgreiche Integration hätte funktionieren können.

Kindergärten, Vorschulen und Schulen waren im Umgang mit Kindern mit unterschied-lichen kulturellen und sprachlichen Hintergründen nicht geschult. Viele der Lehrer damals (und auch noch heute) beschrieben Migrantenkinder als doppelt halbsprachig, also mit gravierenden Defiziten in beiden Sprachen. Die damit vorprogrammierten Pro-bleme in der Schule und die begrenzten Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt, veranlassten die Eltern dazu zu Hause härter durchzugreifen. Das berufliche und soziale Versagen der zweiten Generation führte dazu, dass sich deren Eltern wieder stärker auf traditionelle, kulturelle Werte besannen.

Ein weiterer Punkt für das Scheitern der Integration vieler Migrantenfamilien ist ihre schwierige rechtliche Situation. Etwa eine Million der in Deutschland lebenden Türken haben eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung,12 der Rest ist dazu verpflichtet sich in regelmäßigen Abständen um eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis zu bemühen. Viele vor allem der jungen Migranten leiden unter dieser Situation. Sie sind in Deutsch­land aufgewachsen, kennen manchmal nicht einmal ihre Heimat, werden aber in dem Land, in dem sie leben von der Mehrheitsgesellschaft nicht akzeptiert.13 Nicht dieselben Rechte zu haben wie ein Großteil der Bevölkerung, kratzt an ihrem Selbstbewusstsein und erschwert durch die dadurch oft entstehende anti-deutsche Haltung den Prozess der Integration.

Zaimoglu beschreibt diese Situation wie folgt: „Man spricht von der Ambivalenz, die das Leben in zwei Kulturen mit sich bringe, einem Generationenkonflikt in der türki-schen Familie und schließlich vom fehlenden Integrationswillen. [...] Auf das ungemütlich, gar bedrohlich werdende Deutschland reagieren türkische Eltern mit der Forderung nach unbedingter Treue zur Tradition [...] Manche entdecken die Religion neu.“14

Das Dilemma dieser Generation besteht also einerseits darin die kulturellen Normen und Werte ihrer Eltern zu respektieren und anderseits mit Versagensängsten und dem Ausge-schlossensein aus der deutschen Gesellschaft umzugehen. Aufgrund ihres beschränkten sozialen Status, der Sprachbarriere und der damit zusammenhängenden geringen Schul-bildung, sind die Aussichten auf eine Verbesserung der Situation nicht besonders gut. All diese Faktoren haben großen Einfluss auf die soziokulturelle Entwicklung dieser Jungendlichen, denn sie tragen entscheidend zur Formung ihrer Identität bei. Sie ent-scheiden mit welcher gesellschaftlichen Gruppe sie sympathisieren und demnach auch welche Muster sie übernehmen. Auf welchen sprachlichen Voraussetzungen diese Mu­ster basieren und wie sie sich im Laufe der Jahrzehnte entwickelt haben, wird das Thema des nächsten Abschnitts sein.

2.2 Der soziolinguistische Hintergrund

2.2.1 Gastarbeiterdeutsch

Wie bereits erwähnt mangelte es in der BRD gegen Ende der fünfziger Jahre an gering qualifizierten Arbeitskräften, die infolgedessen vor allem aus Südeuropa angeworben wurden. Davon ausgehend, dass es sich um eine vorübergehende Aufenthaltssituation handeln würde, hielten es die deutschen Behörden nicht für notwendig die Gastarbeiter über grundlegende Deutschkenntnisse hinaus zu schulen. Das dadurch entstandene zu-nächst pidginartige Gastarbeiterdeutsch ermöglichte es den Sprechern sich auf der Arbeit und in Alltagsituationen zu verständigen.15 Die Hauptmerkmale des Gastarbeiterdeutsch waren trotz unterschiedlicher Herkunftsländer der Sprecher ähnlich:16

- Verbstellung im Hauptsatz
- Ausfall des Determinatives in Nominal- und Präpositionalphrasen
- Ausfall der Präposition in Präpositionalphrasen
- Ausfall der Kopula in Äquationalsätzen
- Ausfall von Tempus-, Numerus- und Personenmarkierung
- Ausfall des Subjekts
- Stellung der Negationspartikel vor dem Finitum im Hauptsatz

Das Erlernen der deutschen Sprache stellt für viele Einwanderer aus mehreren Gründen eine Schwierigkeit dar. Neben der Sprachbarriere, das heißt echten Schwierigkeiten beim Erlernen der Sprache aufgrund fundamentaler Unterschiede, die weder durch Schule noch durch Begabung ausgeglichen werden können,17 kommen, laut Löffler, Merkmale einer „kommunikativen“ Barriere hinzu. Dies sind Vorurteile oder Abgrenzungen seitens Angehöriger der Mehrheitsgesellschaft, die zu einer negativen Einstellung der Sprach-lerner führen können. Whinnom und Keim bezeichnen diese „kommunikative“ auch als „emotionale Barriere“.18 Die Haltung der Lerner gegenüber der Hauptsprachgruppe ent-scheidet über Ablehnung oder Integrations- beziehungsweise Assimilationswillen der Immigranten. Dabei gilt die Regel: Je geringer die soziale Distanz, desto bessere Sprach-lernbedingungen herrschen. Faktoren, die laut Keim eine minimale „soziale Distanz“ schaffen, sind zum Beispiel:19

- politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung
- Zielsprachgruppe und Lernergruppe wünschen die Integration
- ähnliche Kulturen
- politische, soziale und kulturelle Einrichtungen werden von Mitgliedern beider Gruppen gleichermaßen genutzt und soziale Kontakte zwischen den Sprachgrup-pen sind nicht stigmatisiert
- positive, vorurteilsfreie Einstellung zueinander
- die Lernergruppe beabsichtigt lange Zeit im Zielland zu bleiben und in diesem sind die rechtlichen Voraussetzungen dafür gegeben

Schaut man sich diese Ausgangpunkte an, fällt sofort auf, dass die Voraussetzungen vor allem für die türkischen Gastarbeiter nicht besonders gut waren. Im Grunde genommen war keine einzige der Prämissen für ein positives Sprachlernen erfüllt, was sich auf die Folgegenerationen auswirken sollte.20

2.2.2 Das Deutsch der zweiten und dritten Generation

Die Untersuchungen, die ich im Rahmen dieser Arbeit vorstellen werde, sind bei Auf-nahmen mit Jugendlichen aus Berlin entstanden und stammen von türkischen Migranten der zweiten und dritten Generation von Gastarbeitern sowie Migranten aus dem arabi-schen Raum, deren Eltern meist als Flüchtlinge nach Deutschland kamen.

Nachdem absehbar war, dass sich der temporäre in einen permanenten Aufenthalt wan-deln würde, schlossen sich die hier ansässigen Migrantenfamilien aufgrund der anfänglichen Einsprachigkeit und kulturellen und religiösen Gemeinsamkeiten auch lo-kal zusammen. Vor allem in ehemaligen Arbeitervierteln mit günstigen Mieten fand eine Gettoisierung statt, sodass es heute in fast allen deutschen Großstädten Gegenden oder gar ganze Bezirke gibt, in denen vor allem Migranten aus allen möglichen Herkunftslän-dern leben. In Berlin sind diese Bezirke Kreuzberg, Wedding und Neukölln. Sie verfügen meist über eine gut ausgeprägte türkische beziehungsweise arabische Infra-struktur. Die Anwohner leben in engen Netzwerken, in denen es nicht nötig ist Deutsch zu können. Im Grunde genommen ist es innerhalb dieser Netzwerke völlig ausreichend Türkisch oder Arabisch zu sprechen, um sich zu verständigen.

Der erste Kontakt mit der deutschen Sprache findet, wie bereits erwähnt meist erst im Kindergarten statt,21 in dem mittlerweile in den genannten Bezirken der Anteil an Kin-dern mit Migrationshintergrund teilweise bei über 56 Prozent liegt.22 Die Kinder entwickeln schnell bilinguale Tendenzen und lernen sogar die Muttersprachen anderer Kinder voneinander. Sie entwickeln so ein System aus sowohl morphologisch als auch lexikalisch reduziertem Deutsch, gemischt mit Elementen aus anderen Sprachen. Sobald sie eingeschult werden, werden die Probleme, die dadurch entstehen deutlich sichtbar. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es den meisten Kindern nicht gelungen auf den bilingualen Grundvoraussetzungen aufzubauen und beide Sprachen gut zu erlernen. Aus diesem Grund scheitern viele bereits in der Grundschule.

Löffler stellt diese Situation zusammengefasst so dar: „Die Gastarbeiterkinder begeben sich mit dem Erlernen der Erwachsenensprache ihrer Eltern zunächst auf den falschen Weg, weil von dort kein Programm zur deutschen Sprachkompetenz führt. Der sprachli-che Anschluss an das Deutsche erfolgt auf der Straße, wo sie mit Dialektsprechern und Unterschichtskindern Spielkontakt haben. Erst von dort aus reihen sie sich (...) in den normalen Schulbetrieb ein, der für sie kein zureichendes Programm vorsieht.“23

Im deutschen Schulsystem, das sich in Hauptschule, Realschule und Gymnasium glie-dert, finden sich Schüler mit Migrationshintergrund meist in der Hauptschule wieder.24 Dies ist der Schultyp, der Schülern mit niedrigem Bildungsniveau empfohlen wird, um ihren Abschluss zu machen. Der Hauptschule eilt ihr schlechter Ruf schon voraus, wes-halb von vielen Eltern die Alternative der Gesamtschule gewählt wird, die alle drei Schultypen vereint. In einigen Berliner Schulen liegt der Anteil der Schüler mit Migrati-onshintergrund bei über achtzig, an der Kreuzberger Eberhart-Klein-Hauptschule sogar bei einhundert Prozent.25

An Hauptschulen werden die Lehrer nicht nur mit sprachlichen Problemen der Schüler konfrontiert, Disziplin und Respekt deutschen Lehrern gegenüber sind für viele der Ju-gendlichen Fremdwörter. Minderwertigkeitskomplexe resultieren in Gewaltausbrüchen und allgemein in intolerablem Verhalten. „Als selbstbewusstes Individuum existiert der Kanake auch nur auf dem Passfoto. Er lebt mit dem Gefühl minderwertig zu sein, fehl-zugehen und auf Abwege zu geraten.“26

Mit der Entscheidung ein Kind auf die Hauptschule zu schicken, ist die zukünftige Ent-wicklung meist schon vorprogrammiert. Der Lernstandard in den Schulen wird dem der Schüler angepasst, was es für diese noch schwieriger macht diesem Teufelskreis zu ent-kommen. Nach Keim entwickeln sie, je nachdem welche schulische Bildung sie genießen, soziokulturelle Tendenzen und sprachliche Muster.27 Sobald ein Kind mit Migrationshintergrund den Weg der Hauptschule eingeschlagen hat, vor allem wenn sich diese Schule auch noch in einem der sozialen Brennpunkte befindet, ist es sehr wahr-scheinlich, dass es die dort vorherrschende ethnolektale Variation des Deutschen als „normalen“ Interaktionscode annehmen wird.

Berliner Schüler beenden die Hauptschule mit circa 16 Jahren. Sehr oft schließen sie mit schlechten Noten ab. Über 30 Prozent aller Schüler mit Migrationshintergrund beenden sie sogar ohne Abschluss.28 In einem Bericht des Statistischen Bundesamts Deutschland ist diesbezüglich vermerkt: „Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sind selbst bei gleichem Sozialstatus seltener auf dem Gymnasium und häufiger in den nied-riger qualifizierenden Schularten. Ausländische Jugendliche verlassen doppelt so häufig wie deutsche eine allgemeinbildende Schule, ohne zumindest den Hauptschulabschluss zu erreichen, während deutsche dreimal so häufig die Hochschulreife erwerben.“29 Der Übergang von der Schule in die Ausbildung ist eine weitere Hürde, die vor allem männ-liche Migranten schwer überwinden,30 „50% von ihnen erreichten erst nach 17 Monaten – ohne Migrationshintergrund nach 3 Monaten – einen Ausbildungsplatz.“31

Diese Kinder sind sich ihrer schlechten sozialen Voraussetzungen relativ früh bewusst und entwickeln eine Abneigung gegen Schule und das damit verbundene Bildungsbür-gertum. Sie orientieren sich vor allem in Bereichen außerhalb der Schule an anderen Migranten- Peer-Groups, in denen es mit Prestige besetzt ist ein „Schulversager“ zu sein. Diese Peer-Group s entstehen oft in Sportvereinen oder aufgrund gemeinsamer Interes-sen wie Musik oder Tanz. In der Mitte von Gleichgesinnten fühlen die Jugendlich sich wohl und erfahren trotz ihrer geringen Bildung und der schlechten Berufsaussichten Ak-zeptanz und Respekt. Leider rutschen diese Jugendlichen allzu oft ins kriminelle Milieu ab so wie auch ein Großteil derer, die für die hier durchgeführten Interviews zur Verfü-gung standen. Sie identifizieren sich zunehmend mit der ihnen in der deutschen Gesellschaft zugewiesenen Rolle und leben die damit verbundenen Vorurteile aus.32 Zaimoglu meint dazu: „Sie alle eint das Gefühl, >>in der liga der verdammten zu spielen<<, gegen kulturhegemoniale Ansprüche bestehen zu müssen. Noch ist das tragende Element dieser Community ein negatives Selbstbewusstsein, wie es in der scheinbaren Selbstbe-zichtigung seinen oberflächlichen Ausdruck findet: Kanake“ Dieses verunglimpfende Hetzwort wird zum identitätsstiftenden Kennwort, zur verbindenden Klammer dieser >>Lumpenethnier<<.“33

In einigen Fällen gelingt Jugendlichen mit Migrationshintergrund der Sprung auf die Realschule oder das Gymnasium. Diese finden sich dann oft in einer Umgebung aus vor-rangig deutschen Mitschülern wieder. Sie werden mit den typischen Vorurteilen gegenüber „Ausländern“ und natürlich anderen linguistischen Mustern und Standards konfrontiert. Aus dieser Situation heraus schließen sich die Minderheitengruppen an die-sen Schulen oft zu eigenen Peer-Groups zusammen. Sie haben alle mit den gleichen Problemen zu kämpfen, vor allem mit der besonders am Anfang auftretenden Konfronta-tion mit anderen sozialen Standards und daraus erwachsenden Minderwertigkeitskom-plexen. Diese Jugendlichen werden im Umgang mit den deutschen Schülern an der Schule höchstwahrscheinlich einen anderen linguistischen Code wählen als im Umgang mit Jugendlichen ihrer eigenen sozialen oder ethnischen Herkunft.34

2.3 Zur Interviewgruppe

Die türkischstämmigen Jugendlichen, die Zentrum dieser Arbeit sind, sind Migranten der zweiten oder dritten Generation. Sie kommen aus den unteren Milieus, die geprägt sind von Arbeitslosigkeit, Gewalt und dem Hin- und Hergerissensein zwischen Tradition und Moderne.

Die Jugendlichen, die zur Datenerhebung beobachtet und interviewt wurden, besuchen eine Schule in Berlin Wedding, in der sie auf dem zweiten Bildungsweg den Haupt-schulabschluss beziehungsweise den erweiterten Hauptschulabschluss oder den Mittleren Schulabschluss nachholen sollen.

Bei der Schule handelt es sich um einen freien Bildungsträger, der speziell Jugendliche mit Migrationshintergrund, vor allem Türken, Araber und Kurden, ausbildet. Die Jungen und Mädchen sind im Alter von 16 bis 25 und beinahe ausnahmslos in Wedding, einem sozialen Brennpunkt Berlins, aufgewachsen.

Wedding gehört zu den Problembezirken Berlins. Hier finden 20 Prozent aller in Berlin begangenen Straftaten statt und leben die meisten Hartz IV-Empfänger.35 Mit einem Ausländeranteil von 33,9% liegt Wedding noch vor dem berühmt-berüchtigten Kreuz-berg mit 31,2%.36 Laut der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung lag der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund an allgemein bildenden Schulen im Jahr 2006/ 2007 bei 40,0%.37

Alle Schüler haben zuvor staatliche Schulen besucht, die sie meist aufgrund von sozialen Auffälligkeiten vorzeitig verlassen mussten. Sie sind deshalb lediglich im Besitz eines „Abgangszeugnisses“, was bedeutet, dass sie die Schule weniger als bis zur zehnten Klasse besucht haben und oft schon nach der achten Klasse abgegangen sind.

Ein Großteil der Jugendliche ist schon in jungem Alter straffällig geworden, teilweise haben sie schon Zeit im Gefängnis verbracht, viele sind in laufenden Verfahren oder auf Bewährung. Sie sind verhaltensauffällig, leiden unter Konzentrationsstörungen und nei-gen allgemein zu sowohl verbal als auch körperlich aggressivem Verhalten, was sicherlich auch auf die Ausweglosigkeit ihrer Situation zurückzuführen ist. Sie schätzen ihren sozialen Status relativ realistisch ein und fühlen sich an den Rand der Gesellschaft verfrachtet. Aus Familien kommend, in denen Bildung keine Tradition hat, suchen sie ihre Vorbilder in vermeintlichen "Gangster-Rappern", wie dem in Pirmasens geborenen, palästinensisch-stämmigen Massiv, der nicht nur die Probleme der Jugendlichen kennt, sondern, im wahrsten Sinne des Wortes, auch ihre Sprache spricht:38

Ihr wollt’n Ghettolied aufn Ghettobeat?

Komm nach Wedding, dann wisst ihr, wo das Ghetto liegt.

Das ist mein Bezirk, geh von hier nicht weg.

Liebe meine Brüder, widme ihnen diesen Track.

Das ist das Ghettolied auf einem Ghettobeat.

Schau mir in die Augen und du weißt, dass ich das Ghetto lieb.

Wir sind unbesiegt, weil uns keiner unterkriegt.

Lieben die Familie und ihr nur eure Hunde liebt.

Der Rapper Massiv gibt deutlich das Lebensgefühl dieser jungen Migranten wieder. Sie sind sich der Tatsache, dass sie im Getto leben bewusst, kehren ihre Frustration aber trotzig in Stolz um und beschließen sich nicht unterkriegen zu lassen. Ein kleiner Seiten-hieb auf die deutsche Gesellschaft fehlt natürlich nicht und so verhöhnt Massiv die Deutschen, indem er ihnen unterstellt, sie liebten ihre Haustiere mehr als ihre Familie.

In Bezug auf das Thema dieser Arbeit ist es wichtig hier festzuhalten, dass die Schüler dieser Bildungseinrichtung alle, ohne Ausnahme, eine mehr oder weniger stark ausge-prägte Version der so genannten Kanak Sprak sprechen. Sie provozieren mit ihrem „Gettoslang“ meiner Meinung nach völlig bewusst. „Echte Kanaken lehnen jede Form von Anpassung ab. Ihre Sprache schert sich nicht um "political correctness". Im Gegen-teil: Sie ist gespickt mit Beleidigungen und Schmähungen aus der Fäkalabteilung. Und mit rassistischen Begriffen gehen sie geradezu verschwenderisch um.“39

Um nachfolgend die sprachlichen und kommunikativen Merkmale der sprechsprachli-chen Register und den Slang der Jugendlichen analysieren zu können, werden im Folgenden die wichtigsten Begriffe kurz definiert.

3. Begriffsbestimmung

3.1 Varietät, Stil und Register

Jeder Sprecher einer Sprache, wie zum Beispiel des Deutschen, verfügt in der Regel über ein bestimmtes sprachliches Repertoire, das heißt, er ist in der Lage eine Reihe von Va-rietäten beziehungsweise stilistischen Varianten zu produzieren40. Die spezifische Sprechweise, die Faktoren wie Aussprache, Lexikon, Grammatik und Pragmatik beinhal-tet, konstruiert den Idiolekt eines Sprechers.41

Um die Sprache eines Individuums oder einer Gruppe zu kategorisieren, gibt es in der Soziolinguistik verschiedene Kriterien wie Alter, Geschlecht, soziale Schicht, ethnische beziehungsweise regionale Herkunft etc.42 Eine Varietät bezeichnet ein linguistisches System, das von einer Sprechergruppe in einem bestimmten sozialen Kontext benutzt wird. Sie entsteht in „Abhängigkeit von Sprechern und Hörern, Umständen, Zeit und Ort, also in verschiedenen sozialen Interaktionsbedingungen.“43 Berruto bezeichnet Va-rietät als die „verschiedenen Spielarten, in denen eine historisch-natürliche Sprache in Erscheinung tritt.“44 Sie zeichnen sich dadurch aus, dass „gewisse Realisierungsformen des Sprachsystems in vorhersehbarer Weise mit gewissen sozialen und funktionalen Merkmalen der Sprachgebrauchssituation kookkurieren.“45

In der gesprochenen Sprache bezeichnet der Begriff Register die Variationen, die von einem Sprecher in einem bestimmten sozialen Kontext genutzt werden. Man wählt das Register in Anbetracht der jeweiligen Situation, das heißt, man wählt in einem formellen Kontext, zum Beispiel in einem Vorstellungsgespräch, sicherlich ein anderes Register als in einer informellen Situation wie einem Treffen mit Freunden. Für Spillner gilt, im Ge-gensatz zum Begriff Stil, „registers are determined by the parameters of the communication situation.“46 In der geschriebenen Sprache finden sich verschiedene Re­gister für beispielsweise Gesetzestexte und Comics.47

Der Sprachstil benennt die individuelle Sprechweise, die ein Sprecher in einem Kontext wählt. Die Definitionen des Begriffes Stil sind sehr vielfältig und können an dieser Stel-le nicht ausführlich beschrieben werden. Der Anschaulichkeit halber liefere ich hier aber ein Definition von Coupland: „Style refers to ways of speaking - how people use the resource of language variation to make meaning in social encounters. (...) Style (...) re­fers to the wide range of strategic actions and performances that speakers engage in, to construct themselves and their social lives.“48

3.2 Soziolekt, Slang und Jugendsprache

Soziolekt ist gleichbedeutend mit Sozialdialekt und beschreibt besondere Gruppenspra-chen, beziehungsweise Ausformungen von Einzelsprachen, die auf besondere Gruppen einer Sprachgemeinschaft beschränkt sind.49 Im Gegensatz zum Dialekt wird nach so-zialer Verschiedenheit differenziert.50 Häufig unterliegen Soziolekte „der massiven Bewertung anderer gesellschaftlicher Gruppierungen“ und können „zum Konfliktstoff zwischen ihnen“51 führen. Oft sind Minoritäten oder bestimmte soziale Schichten betrof-fen, die dementsprechend von Trägern der Standardvarietät negativ bewertet werden.

Slang bezeichnet die nicht standardisierte Sprache, die im täglichen zwanglosen Umgang miteinander benutzt wird. Diese Nichtstandardelemente sind stilistisch markiert. Do-maschnev fügt hinzu: „Slang ist die Gesamtheit allgemeinverständlicher und weit verbreiteter Wörter und Ausdrücke vorwiegend humoristischen Charakters, die bewußt als Ersatzwörter für die üblichen literarischen Ausdrücke verwendet werden.“52

Der Terminus Jugendsprache ist nicht klar definiert,53 bezeichnet ganz allgemein aber die Sprechweise Jugendlicher. Sie ist vor allem durch so genannte Modewörter geprägt, die bewusst eingesetzt werden um sich von anderen Gruppen, beispielsweise den Eltern, abzugrenzen. Sie zählt laut Füglein zu den „Kontrasprachen, die Wörter aus der Stan-dardsprache mit Bedeutungsverschiebungen und -erweiterungen versieht und sich der stilistischen Mittel der Übertreibung und der Bricollage – der Sprachbastelei – be-dient.“54

3.3 Begriffsbestimmung des Ethnolekts Kanak Sprak

Als Ethnolekt wird allgemein die Varietät einer Sprache bezeichnet, die mit einer ethni-schen Minderheit assoziiert wird. Die Bezeichnung „Kanak Sprak“ stammt aus Feridun Zaimoglus gleichnamigem Buch aus dem Jahr 1995. Sie bezeichnet nicht nur das so ge-nannte „Türkendeutsch“, sondern vielmehr eine Vielzahl von ethnisch motivierten Varietäten des Deutschen. Es handelt sich also um eine Varietätenfamilie, in welcher jedoch die türkischsprachigen Träger eindeutig die Mehrzahl stellen. Es finden sich aber auch andere ethnische Einflüsse wie arabische, rumänische, marokkanische etc. Aus die-sem Grund werde ich zukünftig als Sammelbegriff für die genannten Varietäten den Begriff Kanak Sprak verwenden.

Die Grundlage für solche Mischdialekte bilden für gewöhnlich lokale, multiethnische Zusammenschlüsse, Gegenden und Netzwerke, in denen Migranten aus verschiedenen Herkunftsländern, von der ersten bis zur mittlerweile dritten Generation zusammenleben. In diesen Netzwerken sprechen die Jugendlichen oft weder die Herkunftssprache noch Deutsch ausreichend gut, sodass sich mit Hilfe einer Mischsprache verständigt wird. Ethnolekte sind in der Mehrheitsgesellschaft im Allgemeinen stigmatisiert. Die Kanak Sprak hat sich jedoch in einigen Gegenden deutscher Großstädte zu einer Prestigeform entwickelt, die sogar von deutschen Jugendlichen übernommen wird.55

Auer unterscheidet darüber hinaus zwischen primären, sekundären und tertiären Ethno-lekten.56 Als primären Ethnolekt bezeichnet er die Sprache der Jungendlichen mit Migrationshintergrund, die in der zweiten und dritten Generation in Deutschland leben. Der sekundäre oder mediale Ethnolekt ist die durch die Medien imitierte, stilisierte und überhöhte Form des primären Ethnolekts, der aus Sendungen wie „Was guckst du?!“, oder durch das Komiker-Duo Erkan und Stefan bekannt ist. Dieser Sprachstil wird im Allgemeinen dem Stereotypen des männlichen, kleinkriminellen und ungebildeten Mi-granten zugeschrieben. Auer bestätigt, dass die Wurzeln der Kunstsprache im primären Ethnolekt immanent sind, allerdings nach Belieben erweitert und hochgradig übertrieben werden.

Durch das Erscheinen in den Medien wird der Ethnolekt der gesamten Sprachgemein-schaft zugänglich gemacht und unter Umständen nicht nur von „Originalsprechern“, sondern auch von solchen, die bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit dem primären Ethnolekt in Berührung gekommen sind, rezipiert. Diese Wiederaufnahme bezeichnet Auer als den tertiären Ethnolekt. Sowohl der sekundäre als auch der tertiäre Ethnolekt werden karikierend eingesetzt.

3.4 Begriffsbestimmung code-switching, code-mixing und language crossing

Der Begriff Code-Switching oder Sprachwechsel bezeichnet das Wechseln zwischen zwei oder mehr Sprachen beziehungsweise Varietäten innerhalb einer Konversation. Bilinguale Sprecher sind in der Lage im Gespräch mit anderen den Code zu wechseln. Das Code-Mixing findet man häufig, wenn dem Sprecher ein bestimmtes Wort in der einen Sprache spontan nicht verfügbar ist und so das Wort in der jeweils anderen Spra-che eingefügt wird. Der Unterschied besteht laut Auer darin, dass beim Code-Switching zwei Varietäten nacheinander gebraucht werden, während beim Code-Mixing innerhalb eines Satzes mehrmals hin und her gesprungen werden kann.57

Auer unterscheidet weiterhin diskursbezogenes Code-Switching, das als Kontextualisie-rungshinweis den Diskurs neu bestimmt und teilnehmerbezogenes Code-Switching, das Rückschlüsse auf die sprachlichen Kompetenzen der Gesprächsteilnehmer zulässt.58

Das schon angesprochene Phänomen, dass beispielsweise deutsche Kinder und Jugendli-che Elemente der Kanak Sprak, also Merkmale einer anderen sozialen oder ethnischen Gruppe übernehmen, nennt man Language Crossing.59

4. Forschungsüberblick

Die Forschung in Bezug auf den recht jungen Ethnolekt, der in dieser Arbeit besprochen werden soll, ist zurzeit noch überschaubar. Aus anderen Sprachräumen gäbe es ver-gleichbare Entwicklungen, diese sollen hier jedoch unberücksichtigt bleiben. Stattdessen werde ich mich auf die wichtigsten Forschungsergebnisse im deutschen Sprachraum beschränken.

4.1 Hinnenkamp: „Gemischt sprechen“ als act of identity

Volker Hinnenkamp beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit den ethnolektalen Entwick-lungen in Deutschland. Er erkannte früh, dass „was sich in manchen westeuropäischen industriellen Zentren seit Ende der 50er Jahre durch die Arbeitsmigration bedingt ab-spielt, [...] lebende Pidginisierungsprozesse in Aktion“60 sind. Dabei betont er, dass Pidginisierung nicht im klassisch-kreolischen Sinn verstanden werden soll, sondern auch über verbale Äußerungen hinausgehende Aspekte wie Mimik und Gestik berücksichtigt werden müssen.

Er beschäftigt sich mit allgemeinen Fragen der Ethnizität und stellt fest, dass Begriffe wie Kultur, Nation und Religion größtenteils durch Sprache gebildet werden und dies erst zu einer Kategorisierung der Ethnien führt. Diese Kategorisierungen entstehen durch Abgrenzung beziehungsweise Identifikation mit Gruppen und werden später schließlich stilisiert.61 So war sowohl zu Beginn seiner Forschung als auch heutzutage festzustellen, dass das Deutsche mit Prestige besetzt ist und mit Integration und Fortschritt assoziiert wird, während das Türkische beziehungsweise andere Sprachen, die unter die Definition Kanak Sprak fallen, rückschrittlich und provinziell wirken und geringes Ansehen in der deutschen Mehrheitsgesellschaft genießen.62

In späteren Arbeiten konzentrierte er sich auf das Code-Mixing der zweiten beziehungs-weise dritten Generation von Gastarbeiterkindern. Dabei beobachtete er, dass das „Gemischtsprechen“ besonders unter den Jugendlichen aus einem gemischtethnischen, subkulturellen Milieu zu einer Prestigesprache wurde.63 Es sei, so Hinnenkamp, einer- seits Ausdruck „sprachlicher Hybridität vieler Jugendlicher andersethnischer Herkunft“, aber „in seiner globalen Funktion andererseits auch diskurskonstitutiv.“ 64

Die in verschiedenen Formen der Mehrsprachigkeit neu aufkommenden Entwicklungen im sprachlichen, kulturellen und identitären Bereich und die dadurch entstehende Vermi-schung von Kulturen und Sprachen bezeichnet Hinnenkamp als Hybriditätsdiskurs.65 Die Jugendlichen kreieren aus den ihnen zur Verfügung stehenden sprachlichen Mitteln eine neue Sprachform. Über das Code-Switching hinaus entwickelt sich ein neuer kommuni-kativer Stil, der von den Sprechern selbst als „gemischt sprechen“ bezeichnet wird. In seinen Untersuchungen kommt Hinnenkamp zu dem Ergebnis, dass Sprecher teilweise beide Sprachen prozentual zu gleichen Teilen anwenden, innerhalb eines Satzes, manchmal innerhalb eines Wortes die Sprache wechseln und sogar grammatische Anti-zipationsleistungen wie Flexionen über die Sprachgrenzen hinaus erbracht werden. Sie wenden des Weiteren keine Suchstrategien oder ähnliches an, sondern wechseln bewusst zwischen den Sprachen hin und her. Dabei erkannte Hinnenkamp „dass die Sprachwech-sel [...] beides, eine scheinbaren Willkür einerseits und eine gewisse interaktionslogische Geordnetheit anderseits“66 aufweisen. Nichtsdestotrotz finden sich unter vielen Spre-chern auch schlicht Kompetenzdefizite, die ihre Art und Weise zu kommunizieren natürlich beeinflussen.

Dadurch dass die Jugendlichen ihren Sprachstil selbst benennen, entsteht ein neues Selbstbewusstsein innerhalb der Sprechergruppe dieses Ethnolekts. Die Jugendlichen grenzen sich durch die Nutzung dieser spezifischen Sprechweise von anderen Varietäten oder gar anderen Sprachen ab. Ebenso findet allerdings eine Distanzierung zur Sprache der Eltern oder Großeltern statt, durch die erst die tatsächliche Selbstpositionierung der Sprecher zwischen zwei Kulturen sichtbar wird. Das Gastabeiterdeutsch der älteren Ge­neration war definiert als Pidginvariante, die Muster wie einen begrenzten Wortschatz, parataktische Satzmuster und das Weglassen von Artikeln, Präpositionen und Flexionen aufwies. Infolgedessen wurde die Sprache der nachfolgenden Generationen als „doppel-seitige Halbsprachigkeit“ abgewertet. Diese Form der Mischsprache wurde von Beobachtern definiert und lässt so das Selbstbewusstsein, das mit der Nutzung des heuti-gen „Gemischtsprechens“ assoziiert wird, vermissen.

Für diese Jugendlichen, die in einer polykulturellen und vielsprachigen Umgebung auf-gewachsen sind, hat sich ihre Sprache zu einer Ausdrucksweise ihrer transitionalen sozialen Identität entwickelt.67 Durch Abgrenzung und Eigenbenennung wird eine eigene Identität konstruiert. „Ähnlich wie sie eine gesplittete Sprache verwenden“, bringen sie „eine gesplittete Identität, ihre Zerrissenheit zwischen zwei unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Erziehungsstilen zum Ausdruck.“68 Sie verwenden einen hybridolektalen We-Code und setzten so sprachlich ihre Stellung in der Gesellschaft um. Einerseits ent-sprechen sie der ihnen von der deutschen Mehrheitsgesellschaft zugewiesenen Rolle, andererseits sympathisieren sie mit ihren Herkunftsländern und Tradition. Auf diese Art grenzen sie sich sowohl von der deutschen Gesellschaft, als auch von der Generation ihrer Eltern und Großeltern sprachlich ab.

Die Sprache der Großeltern ist, so Hinnenkamp, jedoch nicht völlig verloren gegangen. Sie wird von Kanak-Sprak- Sprechern als karikierendes Element benutzt und ist „integra-ler Bestandteil des mischsprachigen Repertoires“69. Die zitative Verwendung von Gastarbeiterdeutsch-Elementen findet man häufig als ironische Anspielung auf deren Antinormativität und oft in Bezug auf die von der Mehrheitsgesellschaft geforderten sprachlichen Normativität.70 Durch den spielerischen Einsatz dieser Normverletzung findet eine Wiederaneignung statt. Die ehemaligen Fehler der älteren Generationen wer-den zu „Spielmaterial innerhalb ihres eigenen Code- Repertoires.“71

[...]


1 Das Zitat stammt von Mustafa, türkischer Migrationshintergrund, in Berlin geboren,18 Jahre alt.

2 vgl. Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrund definiere ich gemäß dem Migrationsbericht 2006. Bundesministerium des Inneren (2006): Migrationsbericht 2006. Erscheinungsdatum. 19.12.2007. Quelle: Internet. http://www.bmi.bund.de/Internet/Content/Common/Anlagen/Themen/Auslaender__Fluechtlinge__Asyl/D atenundFak-ten/Migrationsbericht__2006,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Migrationsbericht_2006.pdf (Stand: 21.07.2008), S.170

3 vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland (2008): Bildung in Deutschland 2008. Quelle: Internet. https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?cmspath=struktur,vollanzeige.csp&ID=1022245 (Stand: 30.07.2008), S. 19

4 Zaimoglu, Feridun (1995): Kanak Sprak: 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft. 6. Auflage. Ham­burg: Rotbuch-Verlag, S. 9

5 Der Begriff „Ausländer“ wird heutzutage vermieden, jedoch vom Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge als Terminus für Menschen benutzt, die keine deutsche Staatbürgerschaft haben. Migranten, die die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen haben, fallen nicht unter diese Bezeichnung. Die Aus-länderbestandszahlen sind somit nicht identisch mit den Migrationszahlen. vgl. dazu Bundesministerium des Inneren (2007): Migrationsbericht des Bundesministerium des Inneren. Erscheinungsdatum: 19.12.2007, S. 156

6 vgl. Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge(2008): Ausländerzahlen. Quelle: Internet. Er-scheinungsdatum: 20.03.2008 http://www.bamf.de/cln_101/nn_442496/SharedDocs/Anlagen/DE/DasBAMF/Downloads/Statistik/statisti k-anlage-teil-2-auslaendezahlen-auflage14,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/statistik-anlage-teil-2-auslaendezahlen-auflage14.pdf (Stand: 30.07.2008)

7 vgl. Migrationsbericht des Bundesministerium des Inneren (2007), S. 158

8 Zahl der Einbürgerungen seit 1972: 591717. vgl. Migrationsbericht des Bundesministerium des Inneren.

9 Zaimoglu, Feridun (1995), S. 9

10 vgl. Deppermann, Arnulf (2007): Playing with the voice of the Other: Stylized "Kanaksprak" in conver­sations among German adolescents. In: Auer, Peter (Hrsg.): Style and social identities - Alternative approaches to linguistic heterogeneity. Berlin/New York: Mouton de Gruyter. S. 325-360, S. 325

11 Zaimoglu, Feridun (1995), S. 9-10

12 vgl. Migrationsbericht des Bundesministerium des Inneren, S. 166

13 Diese These wurde von vielen Interviewteilnehmern bestätigt.

14 Zaimoglu, Feridun (1995), S.10-11

15 vgl. Meisel, Jürgen M. (1975): Ausländerdeutsch und Deutsch ausländischer Arbeiter. Zur möglichen Entstehung eines Pidgins in der BRD, in: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 18, S. 9-53.

16 vgl. Keim, Inken (1984): Untersuchungen zum Deutsch türkischer Arbeiter. Tübingen: Narr. (For-schungsberichte des Instituts für Deutsche Sprache, Mannheim 50), S. 27- 35.

17 vgl. Löffler, Heinrich (1994): Germanistische Soziolinguistik - 2., überarb. Auflage. Berlin: Schmidt. (Grundlagen der Germanistik ; 28), S.181-182

18 Whinnom, Keith (1971): Linguistic hybridization and the 'special case' of pidgin and creole. 14. Au-flage. In: Hymes, Dell (Hrsg.): Pidginization and Creolization of languages. Cambridge University Press. Cambridge, S. 91-115. vgl. auch: Keim, Inken (1984), S. 42

19 vgl. Keim, Inken (1984), S. 86

20 Im Gegensatz zu den Türken, deren Kultur sich sehr von der der Deutschen unterscheidet, haben sich Gastarbeiter aus anderen Ländern, z.B. Italien, Spanien, Griechenland wesentlich besser integriert und nicht so große sprachliche Defizite. vlg. dazu: Meisel, Jürgen M. (1975), S. 11

21 vgl. dazu Bildung in Deutschland 2008. Statistisches Bundesamt Deutschland, S. 53

22 vgl. dazu Bildung in Deutschland 2008. Statistisches Bundesamt Deutschland, S. 53

23 Löffler, Heinrich (1994), S.182

24 vgl. dazu 7. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland (2007): Erscheinungsdatum: Dezember 2007. Quelle: Internet. http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Publikation/IB/Anlagen/auslaenderbericht-7-barrierefrei,property=publicationFile.pdf (Stand: 30.06.2008), S. 43-44

25 vgl. dazu Asta Berlin (2008): Netzwerk Hauptschule – Kooperationen mit dem Ziel einer sozialen und beruflichen Integration benachteiligter Jugendlichen während der Schulphase. Quelle Internet. Erscheinungsdatum: 03.07.2008 http://asta.asfh-berlin.de/index.php?id=217 (Stand: 20.07.2008)

26 Zaimoglu, Feridun (1995), S.11

27 Keim, Inken (2007e): Formen und Funktionen von Ethnolekten in multilingualen Lebenswelten – am Beispiel von Mannheim. In: Rita Franceschini (Hrsg.): Im Dickicht der Städte I. Sprache und Semiotik. In: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik. Heft 148. Stuttgart, Weimar: Verlag Metzler. S.89­112.

28 vgl. dazu Bildung in Deutschland 2008. Statistisches Bundesamt Deutschland, S. 40

29 vgl. dazu Bildung in Deutschland 2008. Statistisches Bundesamt Deutschland, S. 11

30 vgl. Bildung in Deutschland 2008. Statistisches Bundesamt Deutschland, S. 160

31 vgl. Bildung in Deutschland 2008. Statistisches Bundesamt Deutschland, S. 162

32 vgl. Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin 2007 (2007): Quelle: Internet. http://www.berlin.de/imperia/md/content/seninn/abteilungiii/kriminalitaetsstatistiken2007/pks.pdf (Stand: 01.08.2009). S. 13-14. Nach Angaben der Kriminalstatistik sind 30,2 % der Tatverdächtigen nicht-deutscher Herkunft und 43,8 % aller Straftaten von Personen mit Migrationshintergrund begangen worden. Straftaten, die das Asyl- und Aufenthaltsrecht betreffen, wurden hier nicht miteinbezogen.

33 Zaimoglu, Feridun (1995), S.17

34 vgl. Keim, Inken (2007a): Die "türkischen Powergirls". Lebenswelt und kommunikativer Stil einer Mi-grantinnengruppe in Mannheim. Tübingen: Narr (Studien zur deutschen Sprache Bd. 39).

35 vgl. Anonym (2007): Das Wunder vom Wedding - Artikel des Handelsblatts. Erscheinungsdatum: 4. Juli 2007. Quelle: Internet. . http://german.germany.usembassy.gov/handelsblatt-wedding.html (Stand 25.07.2008)

36 vgl. Pressemitteilung vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg Erscheinungsdatum: 17. September 2007. Quelle: Internet. http://www.lifepr.de/attachment/17101/212-07Ausl%E4nder-062007_BE.pdf (30.07.2008)

37 vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung (2008): Ausgewählte Eckdaten. Allge-meinbildende Schulen. Schuljahr 2007/2008. Quelle: Internet. http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/bildungsstatistik/eckdaten_allgemeinbildende_schulen__2007_08.pdf (Stand: 19.07.2008)

38 Massiv: Ghettolied. Quelle: Internet. http://www.magistrix.de/lyrics/Massiv/Ghettolied-107521.html

39 Anonym (2000): Kanak Sprak die alternative zur deutschen Leitkultur. Quelle: Internet. Erscheinungs-datum: 09.11.2000 http://forum.politik.de/forum/archive/index.php/t-5878.html (20.07.2008)

40 Dittmar, Norbert (1973): Soziolinguistik. Exemplarische und kritische Darstellung ihrer Theorie und Anwendung. Mit kommentierter Bibliographie. Schwerpunkte Linguistik und Kommunikationswissen-schaft. Frankfurt /M.: Athenäum Verlag GmbH, S. 395

41 vgl. Swann, Joan et al. (2004): A Dictionary of Sociolinguistics. Edinburgh. Edinburgh University Press. S. 141

42 vgl. Löffler, Heinrich (1994), S. 86

43 Dittmar, Norbert (1997): Grundlagen der Soziolinguistik – Ein Arbeitsbuch mit Aufgaben. Tübingen: Max Niemeyer Verlag, S. 1

44 Berruto, Gaetano (1987): In: Ammon, Ulrich; Dittmar, Norbert: Mattheier Klaus J. (Hrsg.): Soziolingui-stik. Ein internationales Handbuch zur Wissenschaft von Sprache und Gesellschaft. Band 1. Berlin: Walter de Gruyter: 263-267, S. 263

45 Berruto, Gaetano (1987), S. 264

46 Spillner, Bernd (1987): In: Ammon, Ulrich; Dittmar, Norbert: Mattheier Klaus J. (Hrsg.): Soziolingui-stik. Ein internationales Handbuch zur Wissenschaft von Sprache und Gesellschaft. Band 1. Berlin: Walter de Gruyter: 273-285, S. 281

47 vgl. Swann, Joan et al. (2004), S. 261

48 Coulpland, Nikolas (2007): Style. Language Variation and Identity. Cambridge: Cambridge University Press. S. I

49 Kubczak, Hartmut (1987): In: Ammon, Dittmar, Mattheier (Hrsg.): Soziolinguistik. Ein internationales Handbuch zur Wissenschaft von Sprache und Gesellschaft. Band 1. Berlin: Walter de Gruyter:268-273, S.268

50 Dittmar, Norbert (1973), S. 8

51 Dittmar, Norbert (1973), S.137

52 Domaschnev, Anatoli I. (1987): In: Ammon, Ulrich; Dittmar, Norbert: Mattheier Klaus J. (Hrsg.) Sozio-linguistik. Ein internationales Handbuch zur Wissenschaft von Sprache und Gesellschaft. Band 1. Berlin: Walter de Gruyter: 308-315. S. 311

53 Glück, Helmut (1993): Metzler Lexikon Sprache. Stuttgart: u.a.: Verlag J. B. Metzler, S. 288-289

54 Füglein, Rosemarie (2000): Kanak Sprak. Eine ethnolinguistische Untersuchung eines Sprachphäno-mens im Deutschen. Bamberg: unveröffentlichte Diplomarbeit: 1-160, S. 37

55 vgl. Deppermann, Arnulf (2007): Playing with the voice of the Other: Stylized "Kanaksprak" in conver­sations among German adolescents. In: Auer, Peter (Hrsg.): Style and social identities - Alternative approaches to linguistic heterogeneity. Berlin/New York: Mouton de Gruyter: S. 325-360.

56 vgl. Auer, Peter (2003): ’Türkenslang’: Ein jugendsprachlicher Ethnolekt des Deutschen und seine Transformationen. Quelle: Internet. http://www.forum-interkultur.net/fileadmin/user_upload/pdf/9.pdf (Stand: 29.07.2008)

57 vgl. Auer, Peter (1998): Code-switching in Conversation: Language, Interaction and Identity. London: Routledge.

58 vgl. Dirim/Auer (2004): Türkisch sprechen nicht nur die Türken. Über die Unschärfebeziehung zwi-schen Sprache und Ethnie in Deutschland. (darin: Kapitel 5.2. Code-Switching und 5.3. Code-Mixing). Berlin, New York: Walter de Gruyter.

59 vgl. Androutopolous, Jannis (2002): jetzt speak something about italiano. Sprachliche Kreuzungen im Alltagsleben. In: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie 65, S.1

60 Hinnenkamp, Volker (1983): Fragen zur Veränderung von Sprache und Sprachgebrauchsmustern durch Einwanderung. Bielefeld, Ms.

61 vgl. Hinnenkamp, Volker (1989): Die Stilisierung von Ethnizität. In: Hinnenkamp, Volker/Selting, Mar­gret (Hrsg.): Stil und Stilisierung. Arbeiten zur interpretativen Soziolinguistik. Tübingen: Niemeyer: 253­291, S. 275

62 vgl. Hinnenkamp, Volker(1989), S. 275

63 vgl. Hinnenkamp, Volker (1998): Mehrsprachigkeit in Deutschland und deutsche Mehrsprachigkeit. Szenarien einer migrationsbedingten Nischenkultur der Mehrsprachigkeit. In: Kämper, Heidrun/Schmidt, Hartmut (Hrsg.): Das 20. Jahrhundert: Sprachgeschichte – Zeitgeschichte. Berlin: de Gruyter: 137-162, S.151

64 Hinnenkamp, Volker (2002), S. 125

65 vgl. Hinnenkamp, Volker (2005): Einleitung. In: Hinnenkamp, Volker/Meng, Katharina (Hrsg.):Sprachgrenzen überspringen. Sprachliche Hybridität und polykulturelles Selbstverständnis. Tübin-gen: Narr: 7-16, S. 12

66 Hinnenkamp, Volker (2007): Vom Nutzen hybrider Sprache. In: Was heißt hier Parallelgesellschaft? Zum Umgang mit Differenzen. Bukow, Wolf-Dietrich (Hrsg.); Nikodem, Claudia (Hrsg.); Schulze, Erika (Hrsg.); Yildiz, Erol (Hrsg.): Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S.181

67 vgl. Hinnenkamp (2002): Deutsch-türkisches Code-Mixing und Fragen der Hybridität. In: Hartung, Wolfdietrich/Shethar, Alissa (Hrsg.): Kulturen und ihre Sprachen. Die Wahrnehmung anders Sprechender und ihr Selbstverständnis. Berlin: trafo: 123-143, S. 135

68 Hinnenkamp, Volker (2002), S. 134

69 Hinnenkamp, Volker (2007), S. 188

70 vgl. Hinnenkamp. Volker (2007), S. 188

71 Hinnenkamp, Volker (2007), S. 188

Details

Seiten
90
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640408771
ISBN (Buch)
9783640409228
Dateigröße
948 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v133981
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2
Schlagworte
Kiezdeutsch Sprachliche Merkmale Register Berlinern Herkunftssprache

Autor

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Titel: Kiezdeutsch. Sprachliche und kommunikative Merkmale im sprechsprachlichen Register von Berlinern mit türkischer Herkunftssprache