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Kann der Solipsismus durch Sartres und Schmitz Affektionstheorie widerlegt werden?

Hausarbeit 2003 19 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Teil 1: Wie Sartre die Existenz des Anderen beweist und so dem Solispismus entkommen will

Teil 2: Wie Schmitz mit der Du-Evidenz die Existenz des Anderen beweisen will

Teil 3: Die Unwiderlegbarkeit des Solipsismus - Sartres und Schmitzs Betroffenheitstheorien, die an der Unfähigkeit des Menschen, den Anderen wahrnehmen zu wollen, scheitern können.

Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Hausarbeit hat zum Thema, ob der Solipsismus aufgrund der philosophischen Theorie Jean-Paul Sartes und Hermann Schmitzs überwunden werden kann.

Solipsismus stammt vom lateinischen wort solus ipse ab, was soviel heißt wie ich allein. Es gibt zwei Arten des Solipsismus. Die radikalere Version nennt sich der universale Solipsismus. Bei dieser Variante erkenne ich nur meine eigenen Bewusstseinszustände als wahr an. In einer schwächeren Version, die sich erkenntnistheoretischer Solipsismus nennt, gehe ich davon aus, dass der Andere nur Annahme bleibt, da ich und meine Bewusstseinszustände die einzigen Größen sind, deren ich sicher sein kann.

Sarte nahm sich in seinem 1943 erschienenen Werk „Das Sein und das Nichts“ zum ersten Mal das Problem des Solipsismus an. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern geht er von einer Affekttheorie aus, aufgrund derer wir des Anderen sicher sein können. Die Wiedergabe seiner Betroffenheitstheorie stellt den ersten Teil meiner Arbeit dar, bei der ich mich ausschließlich auf den dritten Teil aus dem „ Sein und Nichts“ stütze., da er in diesem am Beispiel der Scham seine Affekttheorie am ausführlichsten beschreibt.

Im zweiten Teil geht es um den Philosophen Hermann Schmitz.

Hermann Schmitz benutzte ebenfalls die Affekttheorie, um sich des Anderen sicher zu sein. In vielen Werken thematisiert er die Du-Evidenz, die für ihn aus der wechselseitigen Einverleibung hervorgeht. In meiner Hausarbeit habe ich mich hauptsächlich aus dem 1990 erschienenen Buch „Der unerschöpfliche Gegenstand“ zitiert, da es mir wiederum nur um eine Darstellung seiner Theorie, die dort am eingehendsten beschrieben wurde, geht. Dieser zweite Teil ist in einzelne Punkte unterteilt, in denen die wichtigsten Termini aus Schmitzs Theorie erklärt werden. Diese Vorgehensweise begründet sich aus der Vielfalt der Bereiche, an Hand derer Schmitz seine Affekttheorie ausgearbeitet hat.

Der dritten Teil beinhaltet die Fragestellung, ob der Solipsismus durch

Sarte und Schmitz überwunden werden konnte. Durch das 1990

herausgebrachte Buch „Solipsismus in der Literatur des 20. Jahrhundert“ von Michael Madel erhielt ich den Anstoß, Hermann Schmitzs Du-Evidenz und Sartes Betroffenheitstheorie auf das von Canetti geschriebene Buch „Die Blendung“ zu übertragen. Das Problem des Solipsismus tritt nicht nur auf, wenn wir uns unserer Existenz oder der des Anderen unsicher sind, sondern auch wenn wir unsere subjektivistische Perspektive auf die Welt nicht verlassen und so wie der Protagonist Kien aus Canettis Roman „Die Blendung“ , uns eine Welt schaffen, in der wir pausenlos darüber wachen, keinen Eindringling in sie eindringen zu lassen. Ziel dieses Teil ist es den Solipsismus als eine Kategorie unseres Sozialleben anhand einer überspitzten Romanfigur darzustellen.

Teil 1: Wie Sartre die Existenz des Anderen beweist und so dem Solipsismus entkommen will

Zuerst einmal nehmen wir den Anderen als Gegenstand wahr. Sartre schreibt in seinem philosophischen Buch „Das Sein und das Nichts“:

Also ist es richtig, dass wenigstens eine der Modalitäten der Anwesenheit Anderer bei mir die Gegenständlichkeit ist.1

Jedoch existiert der Andere, wenn diese Beziehung zum ihm sich auf die Gegenständlichkeit reduziert, trotzdem nur in meiner Vorstellung und entzieht sich damit auch meiner Erfahrung.

Aber wir haben gesehen, dass der Andere nur bloße Annahme bleibt, wenn die Gegenstandsbeziehung die fundamentale Beziehung Anderer zu mir selbst ist. 1

Der Andere muss sich mir über seine Gegenständlichkeit hinaus zeigen, damit ich seiner Existenz bewusst werden kann. So ordne ich diesem Anderen die Modalität Mensch hinzu. Dadurch wird er eine neue Größe in meiner Welt, die sich von anderen Dingen darin unterscheidet, dass ich ihn nicht mehr einfach zu dem Stuhl und Tisch hinzuzählen kann, die ich erblicke.

Ihn dagegen als Menschen wahrnehmen heißt die nicht additive Beziehung des Stuhls zu ihm erfassen, eine distanzlose Organisation der Dinge meines Universums um diesen bevorrechtigten Gegenstand herum registrieren.2

Durch das Erscheinen des Anderen als Mensch in meiner Welt, entsteht um ihn herum eine neue Welt, in der die Gegenstände sich nun auf ihn beziehen. Dieser durch den Anderen geschaffene Raum bewegt sich von mir weg. Der Andere stiehlt mir meine Welt. Sartre drückt das wie folgt aus:

(...) innerhalb deren sich eine Räumlichkeit entfaltet, die nicht meine Räumlichkeit ist, denn anstatt eine Gruppierung der Gegenstände auf mich hin zu sein, handelt es sich um eine Orientierung, die mich flieht.3

Durch diese neue Modalität in der Betrachtungsweise des Anderen als Mensch-als-Gegenstand kann ich ihn nicht mehr diesen additiven Charakter, mit dem ich alle anderen Gegenstände belege, zuordnen.

Dieses neue Kriterium verändert folgendes für die Betrachtungsweise des Anderen. Ich betrachte ihn zwar immer noch als Gegenstand, den ich in Bezug zu der Welt setzte, die ihn umgibt, aber gleichzeitig entzieht sich mir seine Sicht auf die ihn umgebene Welt. Er stellt sich für mich als ein anderes Erfahrungssystem dar, zu dem ich keinen Zugang besitze. Dieser Andere verdeutlicht mir, dass ich ihn zwar zu den Dingen unserer Welt in Bezug setzen kann aber gleichzeitig seine Bezugnahme zu dieser Außenwelt sich mir entzieht.

Trotzdem hat diese neue Beziehung des Menschen als Gegen-stand zum Rasen-als-Gegenstand eine Besonderheit: sie ist mir ganz gegeben, denn sie ist da in der Welt als Gegenstand, den ich erkennen kann (...) und gleichzeitig entgeht sie mir ganz; in dem Maß, in dem der Mensch-als -Gegenstand das fundamentale Glied meiner Beziehung ist, in dem Maß, in dem sie auf ihn zugeht, entgeht sie mir, ich kann mich nicht in das Zentrum stellen.4

Jedoch bleibt selbst durch die Erkenntnis, dass der Andere ein besonderes Objekt ist, er doch nur ein Gegenstand. Ich nehme ihn nur als ein Objekt wahr, dass durch die Welt definiert wird, die ihn umgibt.

Dadurch wird die Existenz des Anderen noch nicht bewiesen, da sie immer noch Objektstatus für mich besitzt.

Mit alldem verlassen wir keineswegs den Bereich, wo der Andere ein Gegenstand ist. Höchstens haben wir es hier mit einem besonderen Gegenständlichkeitstyp zu tun, (...) Auf dieser Ebene ist der Andere ein Gegenstand der Welt, der sich durch die Welt definieren lässt.5

Ebenso ist die Besonderheit des Gegenstands-als-Mensch, der ein von mir komplett unterschiedliches Erfahrungssystem besitzt, was mich flieht,6 keine absolute Gewissheit. Auf dieser Grundlage ist es mir immer noch nicht möglich dem Solipsismus zu entkommen, da ich nicht mit Sicherheit sagen kann, dass der Andere außerhalb meines Bewusstseins existiert.

Aber diese Beziehung von Flucht und Abwesenheit ist nur wahrscheinlich.7

Jedoch wird mir, wenn ich den Gedanken weiter verfolge, dass der Andere die Gegenstände meiner Welt eigenständig betrachten kann, bewusst, dass er auch mich ständig sehen kann. Darin sieht Sarte die Lösung des Problems der Existenz des Anderen sicher zu sein und damit dem Solipsismus zu entkommen. Dadurch wird er nämlich für mich zum Subjekt, weil er nicht gleichzeitig Objekt sein kann, dass ein Objekt sieht. Der Subjektcharakter des Anderen, den er für mich in jeder alltäglichen Situation annehmen kann, lässt nicht zu, dass er von mir nur als Mensch-als-Gegenstand wahrgenommen wird. Ebenso kann ich nicht nur ein weiterer Gegenstand in seiner Welt sein, da er mich anders als einen Tisch, an dem er sitzt, betrachten muss. Ich selbst kann mich auch nicht durch die Welt, die mich umgibt, definieren, da ich die Welt nicht als Objekt sondern als Subjekt erfahre, als das ich sie schaffe. Der Andere kann mich permanent sehen und er wird dadurch von dem Objekt, was er für mich darstellt, zu einem Subjekt.

Wenn der Objekt-Andere in Verbindung mit der Welt als der Gegenstand definiert ist, der das sieht, was ich sehe, muss meine fundamentale Verbindung mit dem Subjekt-Anderen auf die permanente Möglichkeit zurückgeführt werden können, durch Andere gesehen werden zu können (...)8

[...]


1 Sartre, S.457

2 Sartre, S. 459

3 Sartre, S. 460

4 Sartre, S. 460

5 Sartre, S. 463

6 Sartre, S. 460

7 Sartre, S .463

8 Sartre, S. 314 f.

Details

Seiten
19
Jahr
2003
ISBN (Buch)
9783640405497
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v133934
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Philosophisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Kann Solipsismus Sartres Schmitz Affektionstheorie
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