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Selbstgesteuertes Lernen vor dem Hintergrund des sich wandelnden Bildungsbegriffs

Hausarbeit 2008 24 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 DIE FORDERUNG NACH DEM LEBENSLANGEN LERNEN

3 DER KOMPETENZBEGRIFF

4 DER QUALIFIKATIONSBEGRIFF

5 DIE PROBLEMATIK DER BEGRIFFSABGRENZUNG

6 DAS VERHALTENSMODELL ALS ERKLÄRUNGSANSATZ FÜR DEN LERNPROZESS

7 STANDARDISIERTER ERWERB VON KOMPETENZEN DURCH FORMALES LERNEN
7.1 DIE SELEKTIONSFUNKTION
7.2 DIE INTEGRATIONS- UND LEGITIMATIONSFUNKTION

8 INFORMELLES LERNEN

9 DAS NON-FORMALE LERNEN

10 SELBSTGESTEUERTES LERNEN

11 SELBSTGESTEUERTES LERNEN AM BEISPIEL DES INTERNET

12 KRITERIEN ZUR ÜBERPRÜFUNG DES EINSATZES VON METHODEN BEIM LERNEN MIT DEM INTERNET

13 FAZIT

14 LITERATUR

Abbildungsverzeichnis

ABBILDUNG 1: ERWEITERTES ALLGEMEINES VERHALTENSMODELL

ABBILDUNG 2: ÜBERARBEITETES MODELL FORMELLEN UND INFORMELLEN LERNENS

ABBILDUNG 3: ABLAUF EINER VOLLSTÄNDIGEN HANDLUNG

ABBILDUNG 4: SCHEMATISCHE EINORDNUNG DES NICHT-FORMALES LERNENS

ABBILDUNG 5: BEGRIFFE ZUM „SELBSTBESTIMMTEN LERNEN“

ABBILDUNG 6: KONZEPTORIENTIERTE DARSTELLUNG DES ZWEI-SCHALEN-MODELLS

1 Einleitung

Kulturen und Gesellschaften sind seit jeher Wandlungsprozessen unterworfen. Ein signifikantes Merkmal heutiger Wandlungsprozesse ist unumstritten die Geschwindigkeit, mit der sich in den verschiedensten Bereichen Veränderungen in Form von demographischen Strukturen, wissenschaftlichen Erkenntnissen und wirtschaftlichen oder politischen Rahmenbedingungen ergeben.

Diese wirken sich auf die Lebensformen und Lebensbedingungen aller Menschen und den Zustand der Gesamtgesellschaft in einschneidende Weise aus und verändern sie.

Menschen müssen heute und zukünftig mehr Informationen verarbeiten, gesellschaftliche Entwicklungen und kritische Situationen bewältigen und mehr Entscheidungen treffen.

Aufgrund des raschen technischen und wirtschaftlichen Wandels vermehrt sich das Wissen zunehmend schneller (Friedrich und Mandl, 1997).

Wissen unterscheidet sich von der reinen Informationsaufnahme. Wissen ist die bewusste Anwendung und Zuordnung von Information und deren Beurteilung. Der Terminus der" Wissensgesellschaft "greift diesen Aspekt und die damit verbundenen Auswirkungen auf.

Diesbezügliche Auswirkungen finden sich auch im Bildungsbereich. Stichworte wie lebenslanges Lernen, selbstständige Weiterbildung oder die Neudefinition des Kompetenzbegriffs beschreiben beispielsweise die Herausforderungen, denen sich sowohl lernende als auch die entsprechenden Institutionen gegenüber gestellt sehen.

Das Lernen des Lernens als Vermittlung der Fähigkeit zur Problembewältigung selbst wird zum grundlegenden und vorrangigen Lernziel.

(Weiter-) Bildung ist nicht mehr ein Privileg, sondern eine Notwendigkeit, um den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen folgen und sie mitgestalten zu können. Es ist vermehrt die Kompetenz und die Bereitschaft gefordert, sich über die Schulzeit hinaus selbstständig weiterbilden zu können. Es erscheint deshalb unumgänglich, Werkzeuge zur Verfügung zu stellen beziehungsweise zu haben, die es erlauben, auf die neuen Anforderungen der beruflichen Umwelt flexibel und angepasst zu reagieren dieser Wandel hat jedoch nicht nur Auswirkungen auf die Weiterbildung nach der Schulzeit, sondern zeigt auch direkte Effekte auf die berufliche Grundausbildung. Neben der zunehmenden Komplexität der vermittelten Inhalte führen auch eben jene oben erwähnten Veränderungen zur Umstrukturierung der Lernformen beispielsweise an den beruflichen Schulen. Dabei stellt vor allem der Aspekt der Ganzheitlichkeit ein Credo innerhalb handlungsorientierter Unterrichtsformen dar.

In vielen beruflichen Bereichen für gesellschaftliche, technische und wissenschaftliche Veränderungen zu einer raschen Erneuerung beziehungsweise Veralterung beruflichen relevanten Wissens. Der sich ergebende Bedarf an Bildung scheint durch konventionelle Lehr- beziehungsweise Lernformen, bei denen ein Dozent, Lehrer oder Trainer Lernende, die über längere Zeit physisch am selben Ort anwesend sind, unterrichtet, nicht befriedigt werden zu können (Friedel und Poschold, 1993).

In dieser Arbeit sollen Konzepte des Lernens untersucht werden, wobei die Begriffe der Qualifikation und Kompetenz näher erläutert werden. Ein besonderes Augenmerk soll darauf folgend auf das selbst gesteuerte Lernen gelegt werden. Abschließend wird mit dem Beispiel des Internet eine Methode exemplarisch aufgegriffen und diesbezüglich analysiert.

2 Die Forderung nach dem lebenslangen Lernen

Der Begriff der allgemeinen Bildung in der deutschen Tradition vor allem auf Humboldt zurück. Sich in sich zu bilden sei der Zweck des Menschen im Menschen; seine Beschäftigungen seien nie als Mittel zum Zweck zu betrachten. Diese ablehnende Haltung gegenüber der Verzweckung von Bildung beispielsweise für die berufliche Tätigkeit scheint heutzutage aufgebrochen. Der Gedanke der Allgemeinbildung mit seinem implizit enthaltenen Universalismusanspruch kann heute nicht mehr ohne weiteres aufrechterhalten werden. Ein festes Bildungsverständnis, wie es Humboldt letztlich beschreibt erscheint nicht mehr zeitgemäß.

Der moderne Widerspruch besteht offenbar darin, dass die beschleunigte Entwertung der gesammelten und angehäuften Güter die Forderung eines Anhäufens von immer neuen Erfahrungen beziehungsweise Wissens nach sich zieht.

Das Konzept des lebenslangen Lernens trägt dieser Dynamisierung Rechnung.

So forderte der Europäische Rat im Jahr 2000 in der Lissabon-Agenda, „ die Union zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum in der Welt zu machen“. (Europäischer Rat 2000, S. 2)

der Abschluss einer formalen Berufsausbildung bedeutet im Gegensatz zu früheren Zeiten eine Entlassung in lebenslanges Lernen (Kolland 1997). Der gesellschaftlichen Forderung, flexibel, anpassungsfähig und stets lernen bereit zu reagieren, stellen sich betroffene Individuen meist zwangsläufig individuell. Um die angesprochenen Ziele zu erreichen, sind Schulen und Weiterbildungseinrichtungen letztlich dazu aufgefordert, sich „ [...] für lebenslanges Lernen ein(zu)setzen und die Bürger (zu) unterstützen, selbst Verantwortung zu übernehmen“ (Stahl 2005, S. 126). Die Lernenden sollen letztlich dazu befähigt werden, ohne die Hilfe des Staates, genauer gesagt des Sozialstaates, auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen. Nach der Vermittlung entsprechender Strategien sind die Bürger somit dazu aufgefordert, ihren Wissensstand eigenständig den aktuell herrschenden Gegebenheiten anzupassen. Der Direktor des Europäischenzentrums für die Förderung der Berufsbildung van Rens formuliert seinerseits in diesem Zusammenhang die Bedeutung des lebenslangen Lernens: „die Verwirklichung des lebenslangen Lernens ist die Klammer, die alles zusammenhält, dies zentraler Bestandteil eines integrierten und koordinierten Konzeptes für die Umsetzung der Ziele von Lissabon“ (CEDEFOP 2004, S. 9).

Es erscheint unzureichend, den Begriff des Lernens vor dem Hintergrund der oben genannten Zielsetzungen zu betrachten, ohne dabei auf die inhaltlich ungebundene Ebene der Kompetenzen einzugehen.

3 Der Kompetenzbegriff

Eine klare und absolute Definition des Kompetenzbegriffs erscheint aus mehreren Gründen schwierig. Vor allem kulturelle Aspekte sind es, die bezüglich der Auffassung, was denn Kompetenzen seien und beinhalten oder ob und wie sie erkannt, beurteilt und verglichen werden können, eine wichtige Rolle spielen. Darüberhinaus werden auch innerhalb vergleichbarer Rahmenbedingungen viele Phänomene in verschiedenen Gebieten mit dem Begriff Kompetenz beschrieben. Dies erschwert eine einheitliche Begriffsbestimmung.

Kompetenz kann bezogen auf berufliche Tätigkeiten als die Fähigkeit einer Person beschrieben werden, gegebene Aufgaben, Arbeiten und Situationen angemessen zu bewältigen und unmittelbare tätigkeitsbezogene Kenntnisse, Fertigkeiten und intellektuelle Kapazitäten einzusetzen.

Der Begriff Kompetenz verfolgt damit einen ganzheitlichen Anspruch, bei dem im Mittelpunkt der Betrachtung die umfassende berufliche Handlungsfähigkeit einer Person, die sich zusammensetzt aus einem Bündel einfacher Kompetenzen, Methodenkompetenzen, sozialen Kompetenzen und persönlichen Kompetenzen, steht. Diese werden fortentwickelt aufgrund von Auseinandersetzungen mit Anforderungen und Herausforderungen innerhalb und außerhalb von allgemeiner Erwerbsarbeit.

Kompetenz kann demnach als übergeordneter Begriff zur Beschreibung der Summe aller Wissensbestände und dessen Fähigkeiten einer Person beschrieben werden.

Er beschreibt die Potentiale einer Person situationsadäquate Handlungsmöglichkeiten in einer großen Vielzahl von Aufgabenfeldern anwenden zu können (vgl. Clement 2002, S. 7).

Kompetenzen sind sowohl erworbene als auch erlernte Fähigkeiten, die über die allgemein erwarteten und hinlänglich verbreiteten Grundfähigkeiten hinausgehen.

Handlungs- und tätigkeitsbezogene Kompetenzen werden auch als „harte“ Kompetenzen bezeichnet, denen die „weichen“ gegenüberstehen. Damit sind soziale Kompetenzen oder auch sogenannte „soft-skills“ gemeint die für die Art des zwischenmenschlichen Umgangs bezeichnend und nur schwer erfassbar sind wie z.B. Umgangsformen, Ausdruck und gepflegtes bzw. situationsadäquates Auftreten.

Durch den Versuch, aus dem Umfeld der Arbeit Kompetenzen in wichtigere und unwichtigere zu unterteilen, entstand der Begriff der Schlüsselkompetenzen, der für notwendig erachtete Kompetenzen unter der Prämisse erfolgreicher beruflicher Assimilation steht.

4 Der Qualifikationsbegriff

Der Begriff Qualifikation ist in seinem bildungsbezogenem Verständnis eine Umschreibung des allgemeinen Bildungsstands. Er bezieht sich auf die abstrakte Fähigkeit eines Individuums, bestimmte berufliche Anforderungen bewältigen zu können.

Der Qualifikationsbegriff steht dabei in einem engen Bezug zu den im Verlauf dieser Arbeit noch näher betrachteten formalen Bildungssystemen und bezeichnet die in überwiegend fremd organisierten Lernprozessen erworbenen und anerkannten Qualifikationen und erworbenen Fähigkeiten. Qualifikationen können somit als formale Anforderungen betrachtet werden, die als Voraussetzung hinsichtlich des Zugangs zu einem Beruf, einer Berufsausbildung oder einer Schulform erfüllt sein müssen. In einem formalen Bildungsprozess kann einer Qualifikation eine Auswahl bestimmter Aufgaben zugeordnet werden, die mit den erforderlichen Fähigkeiten deckungsgleich sind. Zertifikate, Nachweise oder Zeugnisse über die erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse sind Beispiele für die Dokumentation der Qualifikation einer Person (vgl. Bjørnåvold 2001, S. 224 f.).

Unter dem Begriff werden also in erster Linie objektiv unbestreitbare gesellschaftsbezogene Bildungsniveaus verstanden, die im Sinne eindeutig geschriebener Leistungskriterien überprüfbar und offiziell anerkannt werden (vgl. Frank 2003, S. 178). Damit stellt der Terminus der Qualifikation die funktionale Entsprechung zwischen Anforderung, z.B. am Arbeitsplatz und dem beschriebenem Ausbildungsziel eindeutig dar (vgl. Clement 2002,S. 7).

[...]

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640416080
ISBN (Buch)
9783640412280
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v133904
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg) – Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik
Schlagworte
Selbstgesteuertes Lernen Kompetenz Kompetenzbegriff INFORMELLES LERNEN

Autor

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