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Einsatz von Social Network Sites für die Kommunikation zwischen Patienten im Web 2.0

Masterarbeit 2008 93 Seiten

Informatik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort
1.1. Danksagungen

2. Einleitung
2.1. Problemstellung
2.2. Zielsetzung
2.3. Vorgehensweise

3. Kommunikation zwischen Patienten
3.1. Formen der Kommunikation zwischen Patienten
3.1.1. Direktes Gespräch in der Familie oder im Bekanntenkreis
3.1.2. Selbsthilfegruppen
3.1.3. Internet
3.1.4. Digitale Begleiter
3.2. Anforderungen von Patienten an Kommunikation

4. Social Network Sites
4.1. Einführung
4.2. Definition
4.3. Entstehung
4.4. Aufbau
4.4.1. Profile
4.4.2. Beziehungen
4.4.3. Gruppen
4.4.4. Kommunikationsmöglichkeiten zwischen den Mitgliedern
4.4.5. Rollensystem
4.4.6. Privatsphäre
4.5. Analyse bestehender Social Network Sites
4.5.1. Im Vergleich verwendete Plattformen
4.5.2. Allgemeine Vergleiche
4.5.3. Vergleiche bezogen auf Gesundheitsplattformen
4.6. Zusammenfassung der Analyse

5. Prototyp
5.1. Allgemeines
5.2. Requirements-Analyse
5.2.1. Vorgehen
5.2.2. Brainstorming
5.2.3. Use Cases
5.2.4. GUI Rapid Prototyp
5.3. Liste der Requirements
5.4. Technologiewahl
5.4.1. Überblick J2EE vs. .NET
5.4.2. Gemeinsamkeiten
5.4.3. Unterschiede
5.4.4. Vergleichskriterien
5.4.5. Entscheidung
5.5. Verwendete Frameworks und Tools
5.6. Architektur und Implementierung
5.6.1. Datenschicht
5.6.2. Businessschicht
5.6.3. Präsentationsschicht
5.6.4. Businessobjekte
5.7. Funktionsweise
5.7.1. Grundlegende Konzepte
5.7.2. Startseite
5.7.3. Personalisierte Startseite
5.7.4. Navigation
5.7.5. Live-News
5.7.6. Allgemeine Features
5.7.7. Themensuche
5.7.8. Wer hilft mir bei?
5.7.9. Bewertungen
5.7.10. Youvit Hits
5.8. Probleme
5.9. Erweiterungsmöglichkeiten

6. Zusammenfassung

A. Anhang
A.1 Installationsanleitung von Youvit
A.2 Benutzerhandbuch von Youvit
A.4 Screenshots des Prototyps
A.5 Klassendiagramme

Abbildungsverzeichnis

3.1. Bedürfnispyramide nach Abraham Harold Maslow (1908-1970)

4.1. Übersicht über die Entstehung der wichtigsten Social Network Sites[6]

4.2. Das offentliche Profil am Beispiel der Plattform MeinVZ

4.3. Startseite von Facebook

4.4. Startseite von Imedo

4.5. Beschreibung von MySpace auf der Startseite

4.6. Beschreibung von StudiVZ auf der Startseite

4.7. Willkommensnachricht nach Registrierung in Experience Project

4.8. Facebook nach Registrierung

4.9. Beispiel CAPTCHA bei der Registrierung in MySpace

4.10. Vergleich der Kommunikationsmoglichkeiten, die von den untersuchten Plattformen angeboten werden

5.1. Use Case 1

5.2. Use Case 2

5.3. Use Case 3

5.4. Use Case 4

5.5. Use Case 5

5.6. Use Case 6

5.7. Prototyp der Startseite für das eingeloggte Mitglied

5.8. Prototyp des Aufbaus der Suchresultate

5.9. Übersicht über die Architektur von Youvit

5.10. Die Datenschicht von Youvit

5.11. Diagramm der Keyword-Tabelle und verknüpfter Tabellen

5.12. Die Businessschicht von Youvit

5.13. Klassendiagramm des Interfaces IContext

5.14. Die Präsentationsschicht von Youvit

5.15. Beispiel eines Blockes, der die Liste der neusten Mitglieder in Youvit enthält

5.16. Youvit - Patienten helfen Patienten

5.17. Tabs zur Navigation in den Hauptkategorien

5.18. Sprechblasen zur Navigation zu den eigenen Inhalten

5.19. Themensuchbox

5.20. Breadcrumb-Navigation

5.21. Ein Beispiel für Live-News

5.22. Suchfunktion in Youvit: Wer hilft mir bei?

5.23. Bewertete Links - Youvit Hits

A.1 Startseite von Youvit

A.2 Startseite eines angemeldeten Mitglieds

A.3 Themenseite zum Thema Knie 78

A.4 Suche nach falsch geschriebenem Thema Kni 79

A.5 Eingabemaske zur ¨Arztebewertung

A.6 Bewertete Themen und Liste der Bewertungen eines Arztes

A.7 Klassendiagramm einiger Listenelementklassen

A.8 Klassendiagramm der Blocksteuerelemente

Listings

5.1. Beispiel von Server Side Paging mit dynamischem SQL

5.2. Beispiel einer Businessoperation - Freund hinzufügen

5.3. ASP.NET Markup des Listensteuerelements

5.4. Verwendung von Google Maps mit JavaScript

5.5. Zwei Beispiele der URL-Rewriting Konfiguration

5.6. Beispiel von Server Side Paging mit LINQ to SQL

1. Vorwort

Die vorliegende Masterarbeit ist formal gesehen für den Studiengang Informatik an der Universität Bern verfasst worden, wurde aber im Rahmen des BeNeFri-Netzwerkes an der Universität Fribourg geschrieben. Der Hauptgrund für diese Entscheidung war, dass die Gruppe Information Systems von Prof. Andreas Meier an der Universität Fribourg für die Thematik der Arbeit optimal geeignet war.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass diese Masterarbeit aufgrund eines konkreten Projekts namens Youvit.com zur Realisierung einer Social Network Site für Patienten entstand und dadurch die Entwicklung des Prototyps das zentrale Element dieser Masterarbeit ist. PD Dr. med Stefan Eggli, Leiter Kniechirurgie am Inselspital Bern, hat dieses Pro-jekt initiiert, geleitet und betreut. Der folgende Ausschnitt aus dem Proposal für diese Masterarbeit zeigt die ursprüngliche Idee des Projekts, die zu dieser Arbeit geführt hat.

Die Idee dieses Projekts ist es eine umfassende Kommunikationsplattform für Patienten zu erstellen. Dabei sollen Werkzeuge dhnlich wie in MySpace oder Wikipedia Patienten die Möglichkeit geben, sich untereinander zu kon-taktieren und auf unterschiedlichste Weise Wissen und Erfahrungen auszut-auschen. Durch die Einbindung von medizinischem Wissen lassen sich die Eintrdge kategorisieren und verknüpfen. Die Patienten können nach geogra-phischen, medizinischen, demografischen und anderen Kriterien gezielt su-chen und dadurch schnell zu Informationen, Know-How, Kontakten, Organi-sationen und anderem finden. Diese Informationen können durch die grosse Anzahl an Möglichkeiten, die das Internet heute bietet, beinahe beliebig erwei-tert werden. So sind zum Beispiel Ratings von ¨Arzten, Krankenkassen oder Medikamenten nur einfache Beispiele von Tools, die einen grossen Nutzen bringen, wenn sie in ein solches System integriert werden.

1.1. Danksagungen

An dieser Stelle möchte ich allen Beteiligten der Universitäten Fribourg und Bern dafür danken, dass ich diese Arbeit auf unkomplizierte Art durchführen konnte. Ein spezieller Dank gilt Daniel Fasel und Andreas Meier, die mich bei den verschiedensten Fragen und beim Erstellen der Arbeit unterstützt haben. Mein besonderer Dank gebührt Stefan Eggli, der das Projekt Youvit.com stets mit grossem Enthusiasmus und viel Engagement unterstützt hat und mir grosse Freiheiten und viel Verantwortung übergeben hat und Andreas Ammann von cre8 - exclusivdesign.ch, der für das Design der grafischen Ele-mente von Youvit verantwortlich war. Und nicht zuletzt vielen Dank an meine Familie und Liliana. Ohne ihre Unterstützung, ihre grosse Geduld und Liebe wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen.

2. Einleitung

2.1. Problemstellung

In den letzten Jahren haben Social Network Sites, wie zum Beispiel MySpace oder Face-book, sehr stark an Popularität gewonnen. Sie werden von unterschiedlichsten Personen verwendet und verzeichnen stark wachsende Mitgliederzahlen. Für viele Themengebiete existieren bereits solche Plattformen und es entstehen täglich neue. Im Gegensatz dazu findet die Kommunikation und der Wissensaustausch zwischen Patienten heute meistens im direkten Gespräch statt und bildet oft das Hauptthema eines Treffens, insbesondere bei fortgeschrittenem Alter. Erstaunlicherweise gibt es bis anhin nur wenig erfolgverspre-chende Ansätze diese Kommunikationsmoglichkeiten auch für Patienten auf das Internet zu transferieren, obwohl gerade ältere Leute immer mehr Zugang zum Internet bekom-men. Daher stellt sich die Frage, ob die Kommunikation zwischen Patienten mithilfe von Social Network Sites unterstützt werden kann, und welche Vorteile dadurch für die Patienten entstehen.

2.2. Zielsetzung

Im Rahmen dieser Masterarbeit sollen die Moglichkeiten, die Patienten zur Kommunika-tion untereinander verwenden, analysiert werden, und es soll ein Überblick über die Hin-tergründe und den Aufbau von Social Network Sites gegeben werden. In einem zweiten Teil soll gezeigt werden, wie eine solche Webapplikation für die Kommunikation zwischen Patienten konzeptioniert und aufgebaut werden kann. Der Schwerpunkt liegt dabei bei der Implementierung eines Prototyps. Die Arbeit ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil behandelt die theoretischen Grundlagen (Kapitel 3 & 4). Im zweiten Teil wird ge-zeigt wie die Konzepte umgesetzt werden konnen und wie der Prototyp von Youvit.com entstanden ist (Kapitel 5). Ebenfalls wird gezeigt, welche Erweiterungsmoglichkeiten das Projekt besitzt und welche Schwierigkeiten aufgetreten sind. Zum Schluss soll ge-zeigt werden, welche Verbesserungen in der Kommunikation zwischen Patienten erreicht werden konnten.

Die folgenden Fragestellungen werden dabei behandelt:

Welche Grundsãtze existieren bei der Kommunikation zwischen Patienten? Welche Anforderungen stellen Patienten an eine Kommunikationsplattform?

Diese Fragen sollen einen Überblick über die Kommunikation zwischen Patienten verschaffen. Sie werden in Kapitel 3 behandelt.

Was ist der Ursprung, die geschichtliche Entwicklung und der typische Aufbau von Social Network Sites?

Um diese Fragen zu beantworten wird in Kapitel 4 genauer auf Social Network Sites eingegangen und es wird die nötige Theorie erarbeitet.

Wie kann eine Social Network Site zur Kommunikation zwischen Patienten aufge-baut werden und welche Funktionen müssen angeboten werden?

Mithilfe der Ergebnisse aus Kapitel 3 & 4 wird eine Requirements-Analyse durch-geführt und festgelegt, welche Anforderungen der Prototyp erfüllen muss.

Wie wird eine Webapplikation dieser Grosse aufgebaut? Welche Technologien wer-den für die gesetzten Anforderungen eingesetzt?

Für die Implementierung des Prototyps ist es wichtig diese Fragen zu beantworten, um ideale Entscheidungen für die eingesetzten Technologien und Architektur zu treffen. Im Kapitel 5 wird auf diese Fragen eingegangen.

Welche Erweiterungsmoglichkeiten besitzt das Projekt?

Im Verlauf der Entwicklung des Prototyps werden die Erweiterungsmöglichkeiten des Projekts sichtbar. Diese werden in einem eigenen Abschnitt in Kapitel 5 be-handelt.

Welche Vorteile entstehen durch die Verfügbarkeit einer solchen Plattform für Patienten gegenüber den bisherigen Moglichkeiten zur Kommunikation?

Die Vorteile der Verwendung von Social Network Sites zur Kommunikation zwi-schen Patienten werden anhand des fertiggestellten Prototyps sichtbar und in der Zusammenfassung, in Kapitel 6, diskutiert.

2.3. Vorgehensweise

Der theoretische Teil über die Kommunikation zwischen Patienten und Social Network Sites wurde hauptsächlich durch Literaturstudium und Internetrecherche erarbeitet. Mit dem Vergleich von verschiedenen Social Network Sites konnten zusätzliche Informatio-nen gewonnen werden, die zur Realisierung des praktischen Teils, insbesondere für die Entwicklung des Prototyps, von grossem Nutzen waren. Ebenso war der Kontakt zu den ¨Arzten im Inselspital eine wertvolle Quelle von Informationen. In Brainstormings, In­terviews und Umfragen (mit ¨Arzten und Patienten) konnte viel Wissen, besonders zum praktischen Teil, gewonnen werden, das stark in die Ergebnisse dieser Arbeit eingeflossen ist.

Darüber hinaus bringt der Autor dieser Arbeit mehrjährige Erfahrung in der Ent-wicklung von Datenbanken und speziell Klinikinformationssystemen mit, was auch einen Einfluss auf die Resultate dieser Arbeit hat.

3. Kommunikation zwischen Patienten

Patienten sprechen häufig über ihre Krankheiten und besonders für ältere Menschen, die bereits einige Erfahrungen mit Krankheiten gemacht haben, ist die Gesundheit ein zentrales Gesprächsthema. Dies erstaunt wenig, denn die Gesundheit ist eines der grundlegenden Bedürfnisse der menschlichen Natur. Bereits Maslow hat dies in seiner Bedürfnispyramide (Abbildung 3.1) festgestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.1.: Bedürfnispyramide nach Abraham Harold Maslow (1908-1970)

Bei Unklarheiten zu gesundheitsbezogenen Fragen wollen Patienten daher möglichst schnell Antworten erhalten. Sie sind verunsichert und benötigen Hilfe und Unterstützung. Da die Medizin für Laien aber ein sehr grosses und komplexes Wissensgebiet darstellt, ist es für die Patienten wichtig, vertrauenswürdige Informationsquellen zu haben. Dem Pa-tienten stehen verschiedene Möglichkeiten der Informationsbeschaffung zur Verfügung. Einen Überblick gibt die Studie von Dynamarks [11] aus dem Jahr 2006, wonach sich die Patienten ihre Informationen mit überwiegender Mehrheit von ¨Arzten (88%) oder Apotheken (68%) im Gegensatz zu lediglich (50%) aus dem Internet beschaffen. Eine neuere Studie der National Business Group on Health [5] macht aber deutlich, dass Pa-tienten zwar immer noch den ärztlichen Rat berücksichtigen, sich aber auch immer mehr selbst informieren. Die einfachste und spontanste Art der Informationsbeschaffung, die am häufigsten beansprucht wird, ist der Informationsaustausch in der Familie und im Bekanntenkreis. Oftmals besitzen Patienten auch Kontakte, die bereits Erfahrungen mit ihren Krankheiten haben und informieren sich so unkompliziert zum Beispiel bei einem

Treffen oder Telefongespräch. Ebenfalls gibt es oftmals Personen im Bekanntenkreis, die erweitertes Wissen über Gesundheitsthemen besitzen und so als erstes angefragt werden können, wenn Fragen oder Beschwerden auftreten. Ein anderes wichtiges Bedürfnis der Patienten ist es, über ihre Probleme sprechen zu können. Sie wollen, dass ihnen jemand zuhört, ihre Probleme ernst nimmt und ihnen hilft. Ebenso wichtig ist es aber für sie, dass sie durch ihr Wissen anderen Patienten helfen können.

3.1. Formen der Kommunikation zwischen Patienten

Patienten haben verschiedene Möglichkeiten sich untereinander auszutauschen. Jede die-ser Möglichkeiten bietet ihre speziellen Vor- und Nachteile. In diesem Abschnitt soll untersucht werden, welche Mittel zur Kommunikation häufig verwendet werden und wie sich die verschiedenen Mittel unterscheiden. Dabei wird der Schwerpunkt auf die Möglichkeiten der Kommunikation im Internet gelegt.

3.1.1. Direktes Gespräch in der Familie oder im Bekanntenkreis

Wie schon im vorherigen Abschnitt festgestellt wurde, ist das Gespräch in der Fami-lie oder im Bekanntenkreis die gebräuchlichste Form der Kommunikation zwischen Pa-tienten. Fragen und ¨Angste können so einfach kommuniziert, Erfahrungen geteilt und Ratschläge gegeben werden. Wie wichtig diese sozialen Kontakte für die Gesundheit sein können, zeigt eine Studie der University of Michigan, nach der Patienten mit grossen Freundes- und Bekanntenkreisen bei Operationen weniger Angst und Schmerzen haben und schneller genesen als Patienten mit einem schwachen sozialen Netzwerk[17].

3.1.2. Selbsthilfegruppen

In Selbsthilfegruppen treffen sich eine Gruppe von Menschen regelmässig, um über ge-meinsame Probleme, Konflikte und Anliegen zu reden. Der Austausch mit Gleichbe-troffenen ermöglicht es den Teilnehmenden, die eigene Situation besser zu verstehen und zu verbessern[HDH07]. Oft geht es dabei um Gesundheitsprobleme, schwere oder seltene Krankheiten oder um die Bewältigung von Lebenskrisen. Selbsthilfegruppen die-nen zur Information von Betroffenen und Angehörigen und gegenseitiger Lebenshilfe. Ein wichtiges Element ist hierbei der Erfahrungsaustausch, der dem Einzelnen neue Lösungswege aufzeigen kann. Ferner vertreten sie Belange und Interessen ihrer Mit-glieder gegenüber Institutionen und Behörden, klären die ¨Offentlichkeit über Probleme und Selbsthilfemöglichkeiten auf und geben Anregungen bzw. initiieren Forschungen. In Selbsthilfegruppen wird Selbstinitiative und Selbstverantwortung grossgeschrieben. Da­her sind die Gruppen sehr individuell, wie ihre Mitglieder selbst und deren aktuelle Le-benssituation. Selbsthilfegruppen bilden sich nach Bedürfnis, verändern sich, bleiben be-stehen oder lösen sich irgendwann wieder auf. Gerade diese Unabhängigkeit und Vielfalt sowie der nicht-professionelle Charakter zeichnen den Selbsthilfegedanken aus[10, 48].

3.1.3. Internet

Durch die vielzähligen Kommunikationsmöglichkeiten, die das Internet bietet, wird es in zunehmenden Masse auch von Patienten zur Kommunikation über gesundheitliche Themen genutzt. Durch die grosse Menge an Internetbenutzern kann das Internet als eine Art Erweiterung des Bekanntenkreises angesehen werden, in dem zu jedem Problem Ansprechpartner gefunden werden können. Dabei werden meistens die Möglichkeiten genutzt, die im folgenden beschrieben werden.

E-Mail

Die einfachste und meistverwendete Art der Kommunikation im Internet sind E-Mails. Mittels E-Mails können Patienten untereinander kommunizieren und die Vorteile der zeitlichen und geografischen Unabhängigkeit der Kommunikation im Internet nutzen. Der Nachteil von E-Mails ist es, dass damit meistens nur mit bereits bekannten Perso-nen kommuniziert wird, denn es ist schwierig im Internet eine E-Mail-Adresse von einer vertrauenswürdigen Person zu finden, die für eine bestimmte Krankheit als Ansprech-person kontaktiert werden kann.

Private Homepages

Menschen, die direkt oder in ihrem Umfeld von gesundheitlichen Problemen betroffen sind oder sich aus anderen Gründen für medizinische Themen interessieren, können im Internet auf einfache Weise ihr Wissen zu diesen Themen in einer eigenen Homepage publizieren. Dies geschieht oftmals aus dem Wunsch, anderen Menschen mit denselben Fragen zu helfen und sie zu unterstützen. Hierzu gibt es unzählige Beispiele. Zwei Bei-spiele aus dem deutschsprachigen Raum seien hier erwähnt.

- http://www.krebs-point.de[21] - Informationsseite zum Thema Krebs von einer privaten Person die selbst von der Krankheit betroffen ist
- http://www.cocolady-morbushodgkin.de.vu[9] - Seite über Lymphknotenkrebs von einer selbst betroffenen Person

Beim Betrachten dieser Homepages wird aber der Nachteil ersichtlich, dass stati-sche Webseiten nicht zur Kommunikation geeignet sind. Daher werden diese Home-pages häufig durch Gästebücher, Mailinglisten und Diskussionsforen ergänzt, um eine Möglichkeit zur Kommunikation mit den Besuchern anzubieten.

Mailinglisten

Mailinglisten sind eine sehr einfache Möglichkeit der Kommunikation zwischen mehreren Usern im Internet. Es wird eine Liste von E-Mail-Adressen erstellt, und dieser Liste eine eigene E-Mail-Adresse zugewiesen. Über diese Adresse können User alle in der Liste eingetragenen User erreichen. Durch die sehr einfache Verwendung mittels E-Mail sind Mailinglisten wohl die einfachste Art zur Kommunikation innerhalb einer Gruppe im Internet.

- http://de.groups.yahoo.com/group/krebs-point[23] - Mailingliste zum Austausch über das Thema Krebs

Mailinglisten werden häufig als Ergänzung einer Homepage verwendet, da dadurch eingeschriebene Benutzer über Neuigkeiten informiert werden können. Sie können aber auch ohne Homepage verwendet werden. Die Mitglieder einer Selbsthilfegruppe können zum Beispiel eine Mailingliste verwenden, um innerhalb der Gruppe über das Internet zu kommunizieren.

Foren

Das Forum, häufig auch als Messageboard oder Newsgroup bezeichnet, gehört zu den beliebtesten Treffpunkten im Internet. Wie in Mailinglisten ist die Kommunikation auch bei Foren asynchron. Die kommunizierenden User müssen sich nicht zur gleichen Zeit am selben Ort befinden und Diskussionen können über längere Zeit geführt werden. Foren sind gut dazu geeignet, um Fragen zu stellen und zu beantworten und geben der Gemeinschaft ein Bewusstsein von Zusammengehörigkeit, da sie eine Art gemeinsame Vergangenheit darstellen. Im Internet besteht eine grosse Anzahl an Diskussionsforen zu gesundheitsbezogenen Themen.

- http://www.patient-zu-patient.de/forum[49] - Eine Sammlung von Foren zu ver-schiedenen gesundheitsbezogenen Themen
- http://www.patientenfragen.net[36] - Anderes deutschsprachiges Forum mit Fra-gen von Patienten

Chats

Chats erlauben es den Internetbenutzern in Echtzeit miteinander zu kommunizieren. Diese synchrone Kommunikation vermittelt den Usern ein Gefühl von Unmittelbarkeit und Präsenz. Es entspricht viel mehr dem Ansatz von direkter Kommunikation als zum Beispiel ein Forum. Bei dringenden Fragen erlaubt ein Chat sofortige Antwort von an-deren Usern. Es existieren verschiedene Chats die von Patienten eingesetzt werden. Es kann aber unter Umständen schwierig sein, einen Chat zu einem gewissen Thema zu finden, da viele Chats nur unregelmässig durchgeführt werden.

- http://psycho-chat.mainchat.de[3] - Selbsthilfe-Chat für Betroffene von Angst-und Panikstörungen
- http://www.multiplesklerosechat.de[12] - Chat zum Thema Multiple Sklerose Blogs

Blogs sind Artikel, die von einem User verfasst werden und dann von anderen Usern kom-mentiert werden. Somit sind Blogs eine spezielle Form von Diskussionsforen, bei der aber der Artikel im Zentrum steht. Meistens hat der Ersteller eines Blogs viele Möglichkeiten

um seine Artikel zu gestalten und kann Medien wie Bilder und Videos mit dem Artikel verknüpfen. Blogs werden von Patienten häufig zum Erstellen von Tagebüchern oder Erfahrungsberichten eingesetzt.

- http://de.wordpress.com/tag/krebs[45] - Blogs zum Thema Krebs
- http://www.abnehmwette.de[20] - Blogs zum Thema Abnehmen

Wikis

Wikis, wie zum Beispiel Wikipedia, sind Webseiten, wo die Benutzer selbst Inhalte schrei-ben, ergänzen und verändern können. Gerade bei gesundheitsbezogenen Themen kann dies ein grosser Vorteil sein, denn verschiedene Meinungen und verschiedenes Wissen zu einem Thema kann so zusammengetragen und verwaltet werden.

- http://health.wikia.com[44] - Englischsprachiges Wiki zu verschiedenen Gesund-heitsthemen

Ratings

Oftmals sind Patienten daran interessiert für sie relevante Angebote und Dienstleistun-gen, wie zum Beispiel ¨Arzte oder Spitäler, zu vergleichen. Dafür werden im Internet Ratings angeboten, die den Usern ermöglichen ihre Erfahrungen anderen Usern mitzu-teilen und zu vergleichen.

- http://www.arzt-preisvergleich.de[4] - Preisvergleich für ¨Arzte und Dienstleistun-gen
- http://www.okdoc.ch[35] - ¨Arztebewertung in der Schweiz (existiert seit Mai 2008) Newsfeeds

Eine neuere Methode um sich über ein gewisses Thema zu informieren sind sogenannte Newsfeeds. ¨Ahnlich wie bei einem Newsletter werden den registrierten Interessenten Neuigkeiten mitgeteilt. Der Anbieter einer Webseite zu Gesundheitsinformationen oder der Autor eines Blogs kann damit auf einfache Weise neue Inhalte zu einem Thema publizieren und die Interessenten werden automatisch über die Neuigkeiten informiert.

Social Network Sites

Social Network Sites kombinieren einige oder alle der obengenannten Möglichkeiten zur Kommunikation und verknüpfen die Patienten miteinander. Durch die Vernetzung der Patienten anhand ihrer Profilinformationen können andere Patienten nach verschiedenen Kriterien gesucht werden, was zur Bildung von Netzwerken führt, wo die Patienten über gesundheitsbezogene Themen diskutieren können. Im folgenden einige Beispiele von Webseiten, die dieses Konzept bereits umsetzen und sich mit patientenbezogenen

Themen befassen. Da sich diese Masterarbeit intensiv mit Social Network Sites befasst, wird in Kapitel 4 detaillierter darauf eingegangen.

- http://www.ourhealthcircle.org[7] - Englischsprachige Social Network Site zu Ge-sundheitsthemen mit dem Schwerpunkt von Gesundheitsgruppen
- http://www.experienceproject.com[37] - Englischsprachige Social Network Site zum Austausch von (Lebens-)Erfahrungen
- http://www.imedo.de[19] - Deutschsprachige Social Network Site zum Thema Ge­sundheit und Bewertung von ¨Arzten

3.1.4. Digitale Begleiter

In der Literatur werden digitale Begleiter als eine weitere interessante Möglichkeit zur Kommunikation zwischen Patienten beschrieben. Ein Beispiel für einen digitalen Be-gleiter ist der Adipositas-Begleiter der in [KLWK06] vorgestellt wird. Hier werden den Betroffenen von Adipositas (einer Form von starkem Übergewicht) tragbare Handheld-Computer gegeben und sie können damit von zuhause aus mit anderen Betroffenen und Fachpersonal kommunizieren. Es existieren verschiedene solcher Begleiter, die jedoch nicht alle eine direkte Kommunikation zwischen den Patienten ermöglichen. In [KT04] werden weitere digitale Begleiter beschrieben.

3.2. Anforderungen von Patienten an Kommunikation

In diesem Abschnitt sollen die wichtigsten Bedürfnisse und Kommunikationsmöglichkei-ten der Patienten, die in diesem Kapitel untersucht wurden, zusammengefasst werden. Diese Bedürfnisse werden in Kapitel 5 verwendet um festzulegen, welche Funktionen der Prototyp von Youvit.com beinhalten soll. Wenn der Prototyp die grundlegenden Bedürfnisse der Patienten nicht abdecken kann, ist es unwahrscheinlich, dass die Pa-tienten die Plattform auch benutzen werden. Die folgende Liste zeigt die wichtigsten Bedürfnisse der Patienten, die aus der Zusammenfassung dieses Kapitels gewonnen wer-den konnten.

Patienten wollen...

- bei Problemen Unterstützung erhalten.
- Fragen zu gesundheitsbezogenen Themen jederzeit stellen können und eine Ant-wort innerhalb nützlicher Frist erhalten.
- mit dem eigenen Wissen anderen Patienten helfen können und deren Fragen be-antworten können.
- sich anderen Patienten vorstellen können.

3.2 Anforderungen von Patienten an Kommunikation

- ein Tagebuch über ihren Krankheitsverlauf führen können.
- Erfahrungen austauschen und Feedback erhalten können.
- Diskussionen über medizinische Themen führen können.
- Spitaler, ¨Arzte, Therapien und andere gesundheitsbezogene Angebote anhand der Meinung anderer Patienten vergleichen können.
- andere Patienten aufgrund ahnlicher Erfahrungen oder gemeinsamer Interessen finden, kontaktieren und kennenlernen können.
- Gruppen bilden können, um sich innerhalb dieser Gruppen mit Gleichgesinnten austauschen zu können.
- automatisch benachrichtigt werden, wenn neue Informationen und Inhalte zu den Interessensgebieten vorliegen.
- im vorhandenen Wissen suchen können, um relevante Informationen zu einem The-ma schnell zu finden.
- in bestimmten Fallen ihre Privatsphare schützen können.
- möglichst viele der im Internet verfügbaren Mittel zur Kommunikation zur Ver-fügung haben (News, Blogs, Foren, Mailinglisten, Chats, etc.).

4. Social Network Sites

4.1. Einführung

Mit der stark wachsenden Verbreitung des Internets entstand ein Bedürfnis nach Ge-meinschaften von Benutzern im Internet. Benutzer mit ähnlichen Interessen wollten sich zusammenschliessen können, um in einem gemeinschaftlichen Rahmen zu kommunizie-ren. In den Anfängen waren die Möglichkeiten der Kommunikation beschränkt und der Austausch geschah zum Beispiel mittels Mailinglisten. Weitere Möglichkeiten zur Bil-dung dieser Online Communities entstanden in Form von Diskussionsforen, Chats und ähnlichen Technologien[Pre00]. Es entstanden Userprofile und mit der Verknüpfung die-ser Profile erste Social Network Sites. Social Networks Sites können als eine Weiterent-wicklung der ursprünglichen Online Communities angesehen werden, in der die Benutzer stärker miteinander verbunden sind. Seit ihrer Entstehung haben Social Network Sites Millionen von Usern in ihren Bann gezogen und heute werden diese Plattformen re-gelmässig im Alltag eingesetzt. Es existieren mittlerweile hunderte solcher Plattformen, die mithilfe moderner Internettechnologien die Bedürfnisse von verschiedensten Inter-essengruppen abdecken. Die Kernelemente dieser Plattformen sind meistens ähnlich, sie unterscheiden sich jedoch in den interessensspezifischen Angeboten. Einige Social Network Sites basieren auf in der realen Welt bestehenden Gemeinschaften und Interes-sengruppen, wie zum Beispiel Studenten in StudiVZ[40], und verbinden diese durch die erweiterten Kommunikationsmöglichkeiten der virtuellen Welt. Andere ermöglichen die Bildung von Gemeinschaften anhand gemeinsamer Interessen oder Aktivitäten wie zum Beispiel MySpace[33].

4.2. Definition

Social Network Sites sind Webseiten, die es ermöglichen, ein öffentlich oder teilweise öffentliches Profil zu erstellen, Beziehungen zu anderen Usern zu verwalten und über die Beziehungen von anderen Usern neue User zu finden. Das einzigartige an diesen Netz-werken ist die Tatsache, dass die Beziehungen zwischen den Usern (soziale Netzwerke) öffentlich verfügbar gemacht werden und so in den unterschiedlichsten Kontexten ge-nutzt werden können. Es existieren Plattformen für die verschiedensten Zielgruppen mit speziellen Features, jedoch liegt der Kern dieser Systeme immer in der Vernetzung der Benutzer[6].

4.3. Entstehung

Die erste Webseite, die als Pionier in der Entstehung der Social Network Sites angese-hen werden kann, wurde 1997 unter dem Namen SixDegrees.com lanciert. Sie erlaub-te es, Userprofile zu erstellen, eine Freundesliste zu verwalten und schliesslich in den Freundeslisten anderer Profile zu suchen. Bereits vor SixDegrees gab es Webseiten zum Erstellen von Profilen und der Suche nach Profilen von anderen Benutzern wie zum Beispiel Dating-Plattformen. Jedoch wurden mit SixDegrees zum ersten Mal alle diese Möglichkeiten kombiniert. Damals war dies eine grosse Innovation und Millionen von Usern registrierten sich. Der langfristige Erfolg blieb jedoch aus und die Plattform wur-de im Jahr 2000 wieder abgeschaltet. Dies ist darauf zurückzuführen, dass in dieser Zeit der Gebrauch des Internets noch nicht so verbreitet war wie dies heute der Fall ist, und dadurch konnten die meisten User nur einen kleinen Teil ihrer Freunde über die Platt-form wiederfinden. Zusätzlich waren die meisten User nicht daran interessiert fremde User kennenzulernen[6].

In dieser Zeit entstanden auch andere Plattformen wie LiveJournal, AsianAvenue, BlackPlanet, LunarStorm und MiGente. In der Abbildung 4.1 ist die Entstehung der wichtigsten Social Network Sites in chronologischer Reihenfolge dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4.1.: Übersicht über die Entstehung der wichtigsten Social Network Sites[6]

Eine Plattform, die die weitere Entwicklung der Social Network Sites beeinflusste, war Friendster. Friendster wurde 2002 aufgeschaltet und war eine Datingplattform, die im Gegensatz zu bestehenden Datingplattformen soziale Netzwerke nutzte, um Partner im weiteren Freundeskreis zu finden. Der Erfolg war enorm, doch bald hatte die Seite mit Problemen zu kämpfen. Einerseits gab es technische Probleme, da die Hardware mit den grossen Datenmengen überfordert war. Andererseits entstanden aber auch soziale Probleme, denn durch die grosse Anzahl Mitglieder sah man sich immer mehr auch online mit den unangenehmen Personen aus der realen Welt konfrontiert. Diese Probleme führten schliesslich zum Fall der zu Beginn sehr erfolgreichen Plattform, die später in Asien einen erneuten Erfolg feierte[6].

Nach diesen Startschwierigkeiten erreichten Social Network Sites die breite Masse und seit 2003 begannen sie sich rasant auszubreiten. Es entstanden viele verschiede-ne Plattformen für die unterschiedlichsten Zielgruppen. Es entstanden Netzwerke für Berufstätige wie Xing[47] oder LinkedIn[22], für verschiedenste Hobbies, für Religionen und vieles mehr. Zwei Plattformen, die bis heute einen grossen Erfolg feiern und aus der Masse all dieser Plattformen herausragen, sind MySpace[33] und Facebook[13].

4.4. Aufbau

4.4.1. Profile

Das grundlegende Element von sozialen Netzwerken sind die Profile. Ein Profil ist eine Sammlung von Informationen, die etwas über die Identität einer Person im Zusammen-hang mit der Gemeinschaft aussagen[Kim00]. Das heisst, mit seinem Profil stellt sich der User vor und bildet seine virtuelle Identität. Die Profile tragen dazu bei, Vertrauen aufzubauen, Beziehungen zu pflegen und Kontaktmoglichkeiten ausserhalb des Netzwer-kes zu ermoglichen. Anhand der Profile werden interessante User gefunden und virtuelle Kontakte geknüpft. Im Detail besteht ein Profil jedoch aus drei Teilen die hier genauer beschrieben werden sollen[Kim00]:

Systemprofil Das Profil, das von der Plattform über den User aufgezeichnet wurde. Hier konnen Kontodaten, Aktivitäten, Vorlieben und das Teilnahmeverhalten des Users aufgezeichnet werden. Ebenso konnen hier Elemente aus dem personlichen und offentlichen Profil enthalten sein.

Persönliches Profil Diese Informationen sind nur für den Benutzer selbst ersichtlich. Hierzu gehoren personliche Informationen wie Kontoinformationen, Adressdaten und andere Daten, die nur dem User selbst zugänglich sind, die er aber ange-ben muss um sich bei der Plattform zu identifizieren oder anderweitig Vorteile zu erhalten.

¨Offentliches Profil Hierzu gehoren alle Daten, die offentlich für die Community ver-fügbar sind, wie zum Beispiel Nickname, Interessen des Users, Fotos und Dauer der Mitgliedschaft. Oftmals ist die Grenze zwischen personlichem und offentlichem Profil fliessend, denn der User hat in vielen Fällen die Möglichkeit selbst zu ent-scheiden, welche Elemente seines Profils öffentlich und welche nicht öffentlich sind. Diese Möglichkeit ist sehr wichtig im Zusammenhang mit der Privatsphäre. In der Abbildung 4.2 ist ein Beispiel eines öffentlichen Profils dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4.2.: Das öffentliche Profil am Beispiel der Plattform MeinVZ

Innerhalb einer Social Network Site bieten Profile, neben der Möglichkeit der Iden-titätsbildung der Mitglieder, weitere Vorteile. Profile können auch dazu verwendet wer-den, um spezielle Mitglieder der Gemeinschaft vorzustellen. So können zum Beispiel Benutzer, die besondere Leistungen erbracht haben, in den Mittelpunkt gestellt werden und es wird eine Motivation geschaffen aktiv an der Community mitzuwirken. Ebenfalls können die neuen Mitglieder vorgestellt werden, damit sie von langjährigen Mitgliedern begrüsst werden und einen schnellen Einstieg in die Gemeinschaft finden. Ein weiterer Vorteil von Profilen ist, dass das Vertrauen der User untereinander gestärkt wird. Wegen der Anonymität der Internetuser ist es besonders wichtig, dass sich die Mitglieder der Gemeinschaft gegenseitig vertrauen können. Aussagekräftige Profile leisten hier einen wesentlichen Beitrag.

4.4.2. Beziehungen

Damit ein Netzwerk entstehen kann, werden Beziehungen benötigt. In jedem sozialen Netzwerk ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Mitglieder Beziehungen unter- einander bilden und diese auch für andere Mitglieder sichtbar machen[JB04]. In vielen Plattformen werden diese Beziehungen mittels Freundeslisten erstellt. Ein User hat eine Freundesbeziehung zu seinen Freunden und damit werden die User verbunden. Es ist aber auch möglich andere Beziehungen zwischen Usern zu definieren, wie zum Beispiel gemeinsame Interessen oder Erfahrungen.

4.4.3. Gruppen

Wegen der Masse an Information und Mitgliedern in einer grösseren Gemeinschaft ist es für die Mitglieder sehr wichtig, dass sie den Überblick behalten können und möglichst nur mit denjenigen Mitglieder kommunizieren müssen, mit denen sie auch kommunizieren wollen. Deshalb wird häufig eine Möglichkeit angeboten, wie sich Mitglieder in Grup-pen organisieren können. Dadurch wird das vorhandene Wissen genau am richtigen Ort und von den richtigen Mitgliedern verwaltet[WMS02]. Diese themenbezogenen Gruppen fördern auch die Entwicklung von Gefühlen der Zugehörigkeit, Bindung und Kamerad-schaft. Ebenso bieten themenbezogene Gruppen verschiedensten Gruppierungen aus der realen Welt eine Kommunikationsplattform, die in die ganze Gemeinschaft integriert ist. Innerhalb einer Gruppe kann auf einfache Weise gleichzeitig mit vielen verschie-denen Mitgliedern kommuniziert werden. Gruppen besitzen, ebenso wie die einzelnen Mitglieder, ein öffentliches Profil, wo die Gruppe der Gemeinschaft vorgestellt wird und Informationen über die Gruppen angezeigt werden. Innerhalb der Gemeinschaft wird oftmals ein Gruppenverzeichnis angeboten, wo interessierte Benutzer Gruppen finden können. Ebenso können interessante Gruppen besonders hervorgehoben werden.

4.4.4. Kommunikationsmöglichkeiten zwischen den Mitgliedern

In Social Network Sites ist es von zentraler Bedeutung, dass die Mitglieder Möglichkeiten haben mit anderen Mitgliedern zu kommunizieren. Dafür werden häufig E-Mail, Mai-linglisten, Pinnwände, Diskussionsforen, Blogs und Chats eingesetzt. Diese Funktionen werden von Benutzern einer Social Network Site grundsätzlich erwartet. Der Vorteil, den die Social Network Site bietet, ist, dass diese Kommunikationsmöglichkeiten kombiniert werden und so von den Mitgliedern optimal genutzt werden können. Beim Betrachten des öffentlichen Profil eines Mitglieds zum Beispiel, ist es sofort möglich, diesem Mit-glieds eine Nachricht zu schreiben oder es können alle Diskussionen abgerufen werden, an denen sich dieses Mitglied in letzter Zeit beteiligt hat. Ein anderes Beispiel ist eine Gruppe, wo als Option eine Nachricht an alle Mitglieder geschickt werden kann. Dies ist technisch gesehen eine Mailingliste, durch die Integration in die Social Network Site kann diese Mailingliste aber in verschiedensten Kontexten benutzt werden, was einen deutlichen Vorteil gegenüber der ursprünglichen Mailingliste bedeutet.

4.4.5. Rollensystem

Rollen sind im realen Leben, wie auch in der virtuellen Gemeinschaft, von entscheiden-der Bedeutung. Jeder beginnt erstmals als Neuling und muss sich dann als Mitglied bewähren, um später Führungsrollen zu übernehmen und mit mehr Verantwortung an der Gemeinschaft mitzuwirken. Die Rolle entspricht zu einem gewissen Grad der Be-reitschaft des Users am Netzwerk mitzuarbeiten, gibt ihm bei mehr Mitarbeit mehr Verantwortung und mehr Rechte. Gerade für die Langzeitmotivation der User in einer Gemeinschaft sind Rollen sehr wichtig. Die eingeschränkteste Rolle ist die des nicht re-gistrierten Besuchers. Ein Besucher hat nur beschränkte Rechte und muss sich zuerst registrieren, um an alle Daten zu gelangen. Der registrierte User hat mehr Rechte, es wird aber auch erwartet, dass er sich an der Entwicklung des Netzwerkes beteiligt. Ge-rade bei grösseren Plattformen macht es Sinn, vertrauenswürdigen Mitgliedern spezielle Rechte zu verleihen (Leadershipfunktionen). Diese Mitglieder haben aber im Gegenzug mehr Verantwortung zu tragen. So kann beispielsweise der Verantwortliche einer Gruppe über die Regeln innerhalb dieser Gruppe entscheiden und die Beiträge der anderen User moderieren oder ein User mit speziellem Wissen kann Beiträge in Kategorien einteilen. Das entscheidende an einem Rollensystem ist, die Benutzer zu motivieren mehr für die Gemeinschaft zu leisten und ihnen im Gegenzug Vorteile zu geben. Dadurch kann das Wachstum einer Social Network Site verstärkt und die Loyalität der Mitglieder gesteigert werden.

In [Kim00] werden fünf grundlegendende Phasen der Mitgliedschaft in einer virtuellen Gemeinschaft beschrieben:

Besucher Besucher der Gemeinschaft ohne eigenes Profil

Neulinge Neue Mitglieder, die gerade erst registriert wurden, aber noch keine Erfahrung im Umgang mit der Gemeinschaft haben

Aktive Mitglieder Mitglieder, die die Gemeinschaft kennen und aktiv daran teilnehmen

Leader Mitglieder, die aus verschiedenen Gründen Führungspositionen in der Gemein-schaft einnehmen

Senioren Langzeitige Mitglieder, die nicht mehr aktiv an der Gemeinschaft teilnehmen, aber ihr Wissen an die jüngeren Mitglieder weitergeben

4.4.6. Privatsphãre

Ein wichtiger Aspekt einer virtuellen Gemeinschaft ist die Privatsphäre der einzelnen Benutzer. Je nach Art der Gemeinschaft geben die Mitglieder zum Teil sehr persönliche Daten preis und es ist wichtig, dass ihre Privatsphäre gewahrt wird. Möglichkeiten sind die Verwendung von privaten oder halböffentlichen Profilen, wobei die Mitglieder selbst bestimmen können, welche Teile ihres Profils öffentlich sind oder auch Gruppen und Chats, wo nur bestimmte Mitglieder Zugang haben. Häufig wird auch eine Ignore-List angeboten, in der eine Liste von Benutzern, die ignoriert werden sollen, verwaltet wer-den kann. Dadurch können sich Mitglieder vor Belästigungen durch andere Mitglieder schützen.

4.5. Analyse bestehender Social Network Sites

Zur genaueren Analyse der Eigenschaften und Merkmale von Social Network Sites wur-den in einem Vergleich mehrere erfolgreiche Plattformen anhand einer Liste von Fragen miteinander verglichen. Der Vergleich wurde gemacht, um allgemeine Muster zu entde-cken und wichtige Anforderungen an den Prototyp von Youvit.com zu finden. Die Fragen wurden gewählt, da sie viele wichtige Aspekte von Social Network Sites abdecken und weil sie noch offene Fragen zur Vorbereitung der Requirements-Analyse in Kapitel 5 beantworten sollten.

- Wie ist die Einstiegsseite aufgebaut?
- Welche Moglichkeiten haben Besucher, die nicht registriert sind?
- Wie werden die Besucher zur Registrierung überzeugt?
- Wie werden neue Mitglieder nach der Anmeldung unterstützt?
- Wie ist die Startseite für Mitglieder aufgebaut?
- Wie sind die offentlichen Mitgliederprofile aufgebaut?
- Wie wird die Qualität der Daten gewährleistet?
- Welche Moglichkeiten zur Kommunikation haben die Mitglieder?
- Wie werden Fotos und Videos unterstützt?

Zusätzlich zu diesen allgemeinen Fragen wurden einige Fragen speziell für Gesund-heitsplattformen gestellt, die in einem zweiten Teil untersucht wurden.

- Wie wird die Anonymität der User unterstützt?
- Wie werden die Inhalte kategorisiert?
- Welche Suchmoglichkeiten im Inhalt werden angeboten?
- Wie werden Bewertungen von ¨Arzten unterstützt?

4.5.1. Im Vergleich verwendete Plattformen

Für diesen Vergleich wurde eine Liste von verschiedenen Social Network Sites aus-gewählt. Diese konnen in zwei Kategorien eingeteilt werden. Allgemeine Plattformen und Plattformen, die einen Bezug zu gesundheitlichen Themen besitzen. Im folgenden sollen die untersuchten Netzwerke kurz vorgestellt werden.

Allgemeine Social Network Sites

www.facebook.com Das im Moment prominenteste Beispiel für Social Networks ist Facebook. Es wurde von Mark Zuckerberg während seinem Studium an der Har­vard University erschaffen und ist heute die grosste Social Network Plattform weltweit[41]. Ursprünglich waren Studenten die Zielgruppe von Facebook, durch die grosse Anzahl an Features, die es heute anbietet, wird es aber von verschie-densten Usergruppen verwendet.

www.myspace.com Vor Facebook war MySpace lange Zeit die mitgliederreichste Platt-form. Ebenso wie Facebook ist es ein internationales Netzwerk. Der Schwerpunkt von MySpace sind jedoch Musik und Musikbands.

www.studivz.net Als Kopie von Facebook wurde im deutschsprachigen Raum StudiVZ eingeführt. Als Netzwerk für Studenten hat es grossen Erfolg. Mit meinVZ wurde nun auch eine Plattform für Nicht-Studenten lanciert.

Gesundheitsbezogene Plattformen

www.experienceproject.com Eine englischsprachige Seite die es erlaubt Erfahrungen auszutauschen und Leute mit ähnlichen Erfahrungen zu finden.

www.helpster.de Eine der ersten deutschsprachigen Gesundheitsplattformen. Sie exis-tiert seit Anfang 2006.

www.imedo.de Eine Plattform aus Deutschland zum Austausch zwischen Patienten und zur Bewertung von ¨Arzten.

4.5.2. Allgemeine Vergleiche

Wie ist die Einstiegsseite aufgebaut?

Um den Besuchern einen leichten Einstieg zu ermoglichen, werden bei StudiVZ nur gera-de die Loginmaske und einige Gründe zur Registrierung angezeigt. Wer mehr wissen will, gelangt auf eine weitere Seite, wo die Gründe zum Beitreten genauer erklärt werden. Fa-cebook bietet dieselben Moglichkeiten wie StudiVZ, zudem gibt es hier die Moglichkeit, dass bereits nicht-registrierte Besucher nach Freunden suchen konnen und sich so davon überzeugen konnen, dass sich eine Registrierung lohnt. Die Eingabemaske zur Registrie-rung wurde direkt auf der Startseite platziert, um die Anmeldung so einfach wie moglich zu machen (Abbildung 4.3).

Bei MySpace wurde die Startseite anders aufgebaut. Da es sich um eine internationale Plattform handelt, kann man sich zuerst seine Region aussuchen. Danach gelangt man auf das lokalisierte Einstiegsportal der gewählten Region und Sprache (in diesem Fall deutschsprachige Schweiz). Hier werden bereits alle Funktionen angezeigt, die auch dem registrierten Mitglied später verfügbar sind. Dadurch erhält der Besucher bereits einen Eindruck von der Plattform.

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Details

Seiten
93
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640407064
ISBN (Buch)
9783640407187
Dateigröße
3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v133831
Institution / Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz)
Note
5
Schlagworte
Patientenkommunikation Gesundheitsplattformen eHealth Social Network Sites Online Communities Web 2.0

Autor

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Titel: Einsatz von Social Network Sites für die Kommunikation zwischen Patienten im Web 2.0