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Wird die Zeitung im Internet die Print-Ausgabe vom Markt verdrängen?

Hausarbeit 2009 24 Seiten

Germanistik - Gattungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Print-Ausgabe und ihre Entwicklung in den letzten 60 Jahren:
Ein Überblick

3. Die Online-Zeitung: Ein Überblick

4. Seit wann gibt es die Online-Zeitung?

5. Gestaltungsmöglichkeiten in der Online-Zeitung

6. An wen richtet sich die Internet-Zeitung?

7. Liest der Leser in der Print-Zeitung anders als in der Online-Ausgabe?

8. Interaktivität

9. Vor- und Nachteile der Online-Zeitung
9.1. Vorteile der Online-Zeitung
9.2. Nachteile der Online-Zeitung

10. Finanzierung

11. Entwicklungstendenzen auf dem Markt

12. Das Verhältnis von Print- und Online-Ausgabe zueinander

13. Fazit

14. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit werde ich mich den Entwicklungen auf dem Zeitungsmarkt widmen. Der Vergleich der traditionellen Print-Ausgabe mit der seit einigen Jahren existierenden Internet-Zeitung soll bei meinen Ausführungen den Schwerpunkt bilden. Dabei möchte ich die Gestaltungsmöglichkeiten bzw. das Layout der beiden Medien ebenso vergleichen wie die Auswirkungen auf das Leseverhalten der Rezipienten betrachten. Hierbei sollen vor allem die Interaktivität zwischen Leser und Medium wie auch die Wahrnehmungsgewohnheiten des Lesers betrachtet werden. In einem weiteren Aspekt der Hausarbeit werde ich die Vor- und Nachteile der Online-Zeitung gegenüber der Print-Ausgabe herausstellen und prüfen, wie sich Print- und Online-Zeitung zu einander verhalten. Dazu sollen der Zeitungsmarkt und seine aktuellen Trends herangezogen werden. Die Frage, ob die unterschiedlichen medialen Ausgaben nebeneinander existieren können oder ob eines der Medien das andere Medium vom Markt verdrängt, soll geklärt werden. Am Ende meiner Ausarbeitung soll aufgrund fundierter Kenntnisse in den Bereichen Gestaltungsmöglichkeiten, Rezipienten-Verhalten und Interaktionsmöglichkeiten, vor allem aber durch einen direkten Vergleich der Medien, die Frage geklärt sein, ob die Internet-Zeitung die Print-Ausgabe in Zukunft ganz vom Markt verdrängen wird oder ob sie nebeneinander existieren können.

2. Die Print-Ausgabe und ihre Entwicklung in den letzten 60 Jahren: Ein Überblick

Glaubt man den Untersuchungen von Blum und Blum1 stellt sich die Zeitungsbranche in ihren redaktionellen Gestaltungsstandards eher statisch dar: Redakteure, die an Althergebrachtem nichts ändern wollen, und Verleger, denen das nur Recht ist. Modifikationen bezogen sich lediglich auf Inhalt und Text, nicht aber auf die Form der Darstellung. Bilder wurden nur selten eingesetzt, ihre Funktion war häufig nur dekorativen Zwecken verschrieben. Was bei den Lesern gut ankam, interessierte kaum jemanden in der Redaktion.

In den 1970er Jahren jedoch, kam es zu einem Umbruch. Zur Schaffung besserer Übersichtlichkeit, setzte sich das Blocksystem durch, das den Lesern geordnete und strukturierte Seiten präsentierte. Das Layout der Zeitungsseiten gewann an Bedeutung gegenüber der reinen Text-Orientierung. Dennoch, und das betonen Blum und Blum nachhaltig, zeigten sich die Tageszeitungen äußerst resistent gegenüber der Anpassung an die sich stark verändernde Medienlandschaft. Wenige Verleger, Verlagsgeschäftsführer und Chefredakteure trieben jedoch die Modernisierung voran und bewahrten die Branche vor einer Krise. Die Einführung professioneller Zeitungsgestalter, Nicht-Journalisten also, führte anfangs zu Problemen mit den Redakteuren. Diese empfanden es als anmaßend, Vorschriften von Nicht-Journalisten anzunehmen und wehrten sich kräftig gegen optische Veränderungen des Traditionellen, denn sie befürchteten eine Verlagerung hin zu Oberflächlichkeiten und den Untergang des ambitionierten Journalismus. Bei diesem Umbruch kam es zu einer folgenschweren Entdeckung: der des Lesers.

Der Leser spielte auch bei Zeitungsdesigner Norbert Küpper eine große Rolle. Küpper eröffnete 1984 ein Büro für Zeitungsdesign und leistete „gestalterische Pionier- und Entwicklungsarbeit“ (Blum/Blum 2001, S.25). Er offenbarte neue technische und gestalterische Mittel und argumentierte stets aus der Perspektive des Rezipienten. Umgestaltungen optimierten das Layout und führten zu verbesserter Lesbarkeit und damit zu leichterer Orientierung des Lesers.

Zu den Hauptelementen dieser Umgestaltungswelle, um nur einige Aspekte zu nennen, gehörten nach Blum/Blum (S.26):

- ein verbindlicher Blockumbruch mit klarer Zuordnung von Bild und Text
- größere und lesbarere Schriftarten, fettgesetzte Vorspänne
- Zwischentitel und eingeblockte Zitate
- die Erneuerung der Zeitungs- und Ressortköpfe
- Erzeugung von Spannung durch kontrastierende Layout-Elemente

Küppers Erkenntnis, dass Lesen Arbeit bedeutet und dem Leser diese erleichtert werden sollte, führte zu weiteren Diskussionen. Die ausschweifenden Debatten über beispielsweise Zeitungsköpfe, führten zu mangelndem Interesse an Veränderungen im Sinne Küppers, was nicht zuletzt, so sagen Blum und Blum, auch auf mangelnde Kenntnisse zurückzuführen ist.

In den 1990er Jahren, und damit während des Aufkommens des World Wide Web und der Online-Zeitung, führten die Zeitungsverlage ihre Verbesserungen fort. Sie änderten ihr Design fortlaufend oder entschieden sich zu einem radikalen Redesign oder sogar Relaunch. Die Krise war jedoch nicht mehr aufzuhalten. Wegbrechende Leserschaft wurde zum großen Problem. Tiefgreifende Veränderung musste her, und das schnell.

Damit war die zweite Phase der Neugestaltung eingeleitet. Intensivierte Leserforschung, Neuerungen der Redaktions- und Drucktechnik, Weiterentwicklung des gestalterischen Repertoires und einiges mehr machten diese Phase intensiver und wirkungsvoller.

Funktionale Elemente dieser Phase sind, um nur einige zu nennen:

- verbesserte Überschriften-Kombinationen
- Transparenz durch Einsatz von Autorenfotos
- Neugestaltung der Service-Elemente
- Schaffung verschiedener Einstiegspunkte je Seite

Blum und Blum betonen durch oben aufgelistete Aspekte den erleichterten Leseablauf, Führung und Navigation durch das Gesamtprodukt Zeitung und eine gesteigerte „Attraktivität von Inhalt und Präsentation“. All diese Punkte dienen letztendlich dem Leser, der dadurch ein für alle Mal anerkannt wurde als jemand, der die Wahl hat: Zeitung hinnehmen wie sie ist oder abbestellen und nach Alternativen suchen. Das gab es bisher nicht.

3. Die Online-Zeitung: Ein Überblick

Als sich das World Wide Web im Jahr 1993 etablierte, war auch den Zeitungsverlagen schnell klar, dass sie sich mit diesem neuen Medium auseinandersetzen mussten. Kurze Zeit später, so sagen Neuberger und Tonnemacher2, wagten die ersten Zeitungen den Sprung ins Internet. Die Frage, was in Zukunft mit den Print-Ausgaben geschehen würde und ob diese sich gegen das Internet durchzusetzen im Stande sind, bereitete den Zeitungsmachern große Sorgen. Seit der Einführung stellten immer mehr Verlage ihre Artikel ins Internet. Wie sie im Netz zu Geld kommen sollten, war ihnen laut Neuberger und Tonnemacher zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Das sich dennoch stetig ausweitende Angebot ging auch an den Lesern nicht spurlos vorüber. Laut Wieser und Schaffert3 informiert sich im Jahr 2008 bereits jeder fünfte online. Auch erwähnen sie, dass die Online-Zeitung derart an Bedeutung gewonnen hat, dass manche Zeitungen, wie beispielsweise die Bild-Zeitung, ihre Meldungen zuerst online stellen, bevor darüber entschieden wird, welche der Artikel in der Print-Ausgabe des kommenden Tages erscheinen sollen.

4. Seit wann gibt es die Online-Zeitung?

Die Zeitung im Internet ist kein Phänomen, das plötzlich aufgetaucht ist. Sie ist das Ergebnis einer fortlaufenden Entwicklung zeitgemäßer Zeitungsgestaltung. Blum und Bucher4 wiesen bereits darauf hin, dass schon Printzeitungen „nicht-lineare und multimediale Informationsangebote aus Text, Bild und Grafik“ sind, die eine selektive Lektüre mit sich bringen. Genau diese Punkte sind auch kennzeichnend für den Aufbau eines Hypertextes. Dementsprechend gelten die Prinzipien der Textgestaltung im Print-Bereich ebenso für den Bereich der Internet-Zeitungen.

5. Gestaltungsmöglichkeiten in der Online-Zeitung

Wie schon zuvor bei Blum und Bucher (1998) angedeutet, ist der geschulte Journalist in der Lage und verfügt über entsprechende Fertigkeiten, eine Online-Zeitung zu gestalten. Dabei kommen nach Blum und Bucher verschiedene Prinzipien zum Einsatz. Bevor aber der Leser im Komplett-Angebot der Zeitung landet, muss er sich erst einmal mit der Titelseite auseinandersetzen. Hierzu geben die Autoren drei Strategien an, denen sich die Redakteure bedienen:

- Die Sparstrategie

Im Extremfall, so sagen Blum und Bucher, geben die Zeitungen nur strukturelle Informationen, keine inhaltsbezogenen. Aus diesem übersichtlichen Angebot kann sich der Leser ein Ressort aussuchen, später aber nur über den Rückweg zur Titelseite in ein anderes Ressort wechseln. Dadurch ist diese Strategie äußerst unflexibel. Als Beispiel nennen die Autoren „Die Zeit“.

[...]


1 Blum, C./Blum, J.: Vom Textmedium zum Multimedium. Deutsche Tageszeitungen im Wandel. In: Bucher, H.-J./Püschel, U.: Die Zeitung zwischen Print und Digitalisierung. Wiesbaden 2001. S. 19-45.

2 Neuberger, C./Tonnemacher, J.: Online-Die Zukunft der Zeitung? Zur Einführung. In:

Neuberger, C./Tonnemacher, J.: Online-Die Zukunft der Zeitung? Das Engagement

deutscher Tageszeitungen im Internet. Wiesbaden 2003. S. 8-13.

3 Wieser, C./Schaffert, S.: Die Zeitung der Zukunft. In: Blumauer, A.:Social Semantic Web. Web 2.0 – Was nun? Berlin 2008. S.423-432.

4 Blum, J./ Bucher, H.-J.: Die Zeitung: Ein Multimedium. Textdesign – Ein Gestaltungs-konzept für Text, Bild und Grafik. Konstanz 1998. S. 83-88.

Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640397730
ISBN (Buch)
9783640397198
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v133411
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Germanistik
Note
1,7
Schlagworte
Germanistik Internet Zeitung

Autor

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