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Berufsbilder im Wandel: Rundfunkjournalisten

Hausarbeit 2008 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Rundfunk und Unterhaltung

Leseprobe

Gliederung

0. Vorwort

1. Rundfunk, Rundfunkjournalisten und Rundfunkjournalismus
1.1. Begriff Rundfunk
1.2. Berufsbilder im Rundfunk
1.3. Besonderheiten des Rundfunkjournalismus
1.4. Prognose für Weiterentwicklung

2. Wandel im Rundfunkjournalismus
2.1. Wandel der Programminhalte und neue Trends im Privatfernsehen
2.1.1. Kommerzialisierung
2.1.2. Segmentierung des Publikums und Individualisierung der Programme
2.1.3. Neue Trends bei den Programminhalten
2.2. Wandel der Arbeitsweisen und Organisationsstrukturen
2.2.1. Outplacement
2.2.2. Outsourcing
2.2.3. Redaktionsmanagement
2.2.4. Technisierung der Arbeit
2.3. Neue Berufsbilder
2.3.1. Im Radio
2.3.2. Im Fernsehen
2.4. Neue Qualifikationen und Kompetenzen

I – Abbildungsverzeichnis

II – Literaturverzeichnis

0. Vorwort

Die Einführung des dualen Rundfunksystems und fortschreitende Digitalisierung haben nicht nur zu den programmlichen und wirtschaftlichen Veränderungen innerhalb der deutschen Medienlandschaft geführt. Auch die Anforderungen an die Journalistinnen und Journalisten haben sich gewandelt. Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit diesen Wandelprozessen.

Im ersten Teil werden die Grundlagen nachfolgender Analyse gelegt. Die entscheidenden Begriffe, wie Rundfunk und Rundfunkjournalisten, werden definiert. Weiterhin werden typische Merkmale des Rundfunkjournalismus unter die Lupe genommen und von ihnen darauf geschlossen, wohin der Wandel eigentlich gehen soll: Welche Eigenschaften sollen in der Zukunft weiter gestärkt und welche geschwächt werden.

Im zweiten Teil geht es erstens darum, unter welchen Rahmenbedingungen sich dieser Wandel vollzieht. Darunter fallen neue gesellschaftliche Entwicklungen, aktuelle wirtschaftliche Situation in der Medienlandschaft und nicht zuletzt der technologische Fortschritt und die damit verbundene Digitalisierung des Rundfunks. Zweitens wird untersucht, wie sich diese Veränderungen auf die Programmtendenzen und Arbeitsorganisation in den Rundfunkredaktionen auswirken. Da diese gravierenden Veränderungen neue Berufsbilder ins Leben rufen, wird an dieser Stelle ein neues Berufsbild jeweils aus dem Hörfunk- und Fernsehenbereich vorgestellt und seine Vorzüge bzw. Mängel kontrovers diskutiert. Last but not least, werden die Kompetenzen der Rundfunkjournalisten behandelt. Es wird herausgearbeitet, welche Qualifikationen die Kernkompetenzen der Rundfunkjournalisten waren und immer noch sind und welche im Rahmen der Wandelprozesse dazu kommen.

1. Rundfunk, Rundfunkjournalismus und Rundfunkjournalisten

1.1. Begriff Rundfunk

Der Begriff „Rundfunk“ ist nicht unproblematisch. Erstens wird damit umgangssprachlich Hörfunk gemeint, was aber juristisch falsch ist. Zweitens ist der Versuch, sich diesem Wort allein über die Technik („-funk“) zu nähern, zum Scheitern verurteilt, denn spätestens seit der Einführung des Kabelfernsehens wird das Signal auch drahtgebunden übermittelt. Also bleibt nur der Wortteil „rund“ übrig und er spielt die entscheidende Rolle. So bedeutet der Begriff „Rundfunk“ laut Donsbach und Mathes (2004) eine nicht zielgerichtete, also runde Aussendung der Signale an mehrere Empfänger gleichzeitig. Außerdem erhält der Rundfunk in Deutschland eine wichtige Aufgabe: Er trägt zur Bildung öffentlicher Meinung bei (vgl. Donsbach & Mathes, 2004).

Wie die nachfolgende Definition aus dem „Staatsvertrag über den Rundfunk im vereinten Deutschland von 1991“ nochmal deutlich zeigt, definiert sich der Rundfunk nicht nur über seine technischen Merkmale, sondern auch über seine rechtliche Grundlage: „Rundfunk ist die für die Allgemeinheit bestimmte Veranstaltung und Verbreitung von Darbietungen aller Art in Wort, Ton und in Bild unter Benutzung elektrischer Schwingungen [...]. Der Begriff schließt Darbietungen ein, die verschlüsselt verbreitet werden oder gegen besonderes Entgelt empfangbar sind [...]“.

Rundfunk schließt überdies alle Übertragungstechniken, sowohl analoge als auch digitale, und sämtliche Übertragungsmedien, wie Satellit, Kabel und Terrestrik, ein. Eine Sonderform des Rundfunks sind das Internet-Radio und das Internet-Fernsehen (vgl. Donsbach & Mathes, 2004).

1.2. Berufsbilder im Rundfunk

Nachdem die erste definitorische Hürde überwunden ist, kommen wir nun zu den Menschen, die im Rundfunk journalistisch tätig sind. Der größte Arbeitgeber für Journalisten ist laut der Studie „Journalismus in Deutschland 2005“ nach wie vor die Tageszeitung, wo rund ein Drittel aller Journalisten beschäftigt sind (vgl. Weischenberg, Malik & Scholl, 2006). Ihr folgt der Hörfunk mit 16,6% und das Fernsehen, das etwa 14,9% aller Journalisten unterhält (vgl. Abb.1).

Abb. 1: Verteilung der Journalisten auf Medien in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Weischenberg, Malik & Scholl, 2006

Im Rundfunkjournalismus gibt es eine Reihe von Berufsrollen, die unentbehrlich zum Organisationsprogramm gehören und definieren, was der Journalist zu leisten hat (vgl. Altmeppen, Donges & Engels, 1999). Die Rede ist in der ersten Linie von Redakteuren, Reportern und Korrespondenten, Moderatoren und Nachrichtensprechern (vgl. Abb.2).

Abb. 2: Rollenschema der journalistischen Berufsbilder im Rundfunkjournalismus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlen. an Altmeppen, Donges & Engels, 1999

So sind es die Redakteure, die ein Thema von der Idee bis zur ausstrahlungsgerechten Sendung realisieren. Sie sind hauptsächlich die Schreibtischtäter, die hinter den Kameras bleiben. In der ersten Linie bestimmen und verantworten sie die redaktionellen Inhalte des Programms, indem sie redigieren und die Themen auswählen, Filme und Drehbücher in Auftrag geben und sie abnehmen. Aber auch für die Form und Kostenstruktur der Sendung übernehmen sie die Verantwortung (vgl. Belz, Haller & Sellheim, 1999).

Reporter sind dagegen überwiegend im Außendienst tätig. Das sind diejenige, die mit wehendem Schal und dem Mikrofon in der Hand auf dem eisigen Roten Platz oder bei den Bergungsarbeiten nach der Unfallkatastrophe stehen und berichten. Sie sind die Beobachter und Inszenierer des Geschehens vor Ort. Der Reporter arbeitet nach Weisungen und Aufträgen der Redaktion, greift aber auch eigene Themen auf und realisiert sie (vgl. Belz et al. 1999). Eine Sonderform stellt der Korrespondent dar, der als Reporter dauerhaft oder für einen bestimmten Zeitraum außerhalb der Redaktion über eine Region, ein Land oder bestimmtes Ereignis berichtet (vgl. Belz et al., 1999).

Es gibt eine weitere Berufsgruppe, die in einem besonderen Verhältnis zu dem Rezipienten steht. Das sind Moderatoren, Präsentatoren oder Nachrichtensprecher. Sie sind meist bekannt und werden deswegen auch als Aushängeschilder der Sender bezeichnet. So kennt jeder Thomas Gottschalk und Günter Jauch und nicht die Redakteure, die solche Programme wie „Wetten dass???“ oder „Wer wird Millionär?“ kreieren. Ihre Aufgaben können recht unterschiedlich sein. Moderatoren beweisen ihr Können, indem sie geschickt zwischen den einzelnen Programmteilen moderieren und zwischen unterschiedlichen Personen vermitteln, während Nachrichtensprecher möglichst sachlich und verständlich die Nachrichten verlesen müssen (vgl. Belz et al., 1999).

Damit soll gesagt werden, dass es innerhalb des Rundfunkjournalismus vielfältige Berufsbilder existieren, die unterschiedliche Kompetenzen aufweisen. Und der Wandel, der sich momentan vollzieht, betrifft im Grunde alle. Die einen mehr und die anderen weniger.

1.3. Besonderheiten des Rundfunkjournalismus

Die Entwicklung im Rundfunkjournalismus ist anders als die Entwicklung im Printbereich. Das hängt damit zusammen, dass der Rundfunk über bestimmte Eigenschaften verfügt, die ihn ganz besonders machen. Die Einführung des Rundfunks, besonders des Fernsehens markierte einen tiefen Einschnitt im Kommunikationsmarkt. Ein neues Medium war geboren, das Themen in neuer Art und Weise aufbereitete und völlig anders zu konsumieren war (vgl. Marcianic, 2007).

Erstens sind elektronische Medien technisch viel weiter fortgeschritten als Printmedien. Zweitens wird das Publikum durch andere Gestaltungsmittel erreicht. Der Hörfunk richtet sich an das Publikum durch akustische Gestaltungsmittel, wie Wort, Geräusche und Musik, und beim Fernsehen werden audiovisuelle Gestaltungsmittel verwendet. Drittens ist die Produktionskette beim Runfunk viel länger als im Printbereich (vgl. Abb. 3).

Die Tätigkeit eines Zeitungsjournalisten beschränkt sich aufs Texten; Gestalten und Drucken sind nicht seine Aufgaben. Ein Fernsehjournalist soll bei vielen Produktionsschritten miteinbezogen werden, damit ein guter Filmbeitrag rauskommt. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass man für eine halbstündige Produktion beim Fernsehen mit vier Wochen Herstellungszeit rechnet (vgl. Marcianik, 2007).

Abb. 3: Produktionskette beim Print, Hörfunk und Fernsehen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Marcianik, 2007, S. 17

Unterschiedliche Gestaltungsmittel bewirken weitere Unterschiede bei dem Nutzungs- bzw. Rezeptionsverhalten des Publikums. Während bei den Printmedien die höchste Konzentration geboten ist, fällt dieser Wert beim Fernsehen viel geringer aus. Auch die Nutzungsmotive sind verschieden. Man greift zur Zeitung oder Zeitschrift, wenn man nach Informationen, besonders nach Hintergrundinformationen, sucht. Der Hörfunk ist auch ganz vorne, wenn es um die aktuellen Informationen, aber auch um Service (Verkehrsmeldung, Wetteraussichten) geht. Beim Fernsehen ist die Unterhaltungsfunktion sehr stark verankert (vgl. ALM Bericht, 2006; Arnold 1999).

Überdies lassen sich Hörfunk und Fernsehen sehr bequem nutzen. Das heißt, die Tätigkeit des Konsumenten muss sich nicht ausschließlich auf die Aufnahme der Inhalte beschränken. Nebenbei kann der Rezipient anderen Tätigkeiten nachgehen. Daher werden Fernsehen und Radio oft als Begleitmedium benutzt. Allerdings ist der Nutzer an bestimmte Sendezeiten gebunden und muss das Programm in der Originalabfolge konsumieren. Er kann weder vor- oder zurück-, noch überblättern (vgl. Pürer & Raabe, 1996).

Doch wie unterscheiden sich die Arbeitsweisen von Rundfunk- und Printjournalisten? Stellen wir uns ein medientaugliches Ereignis vor: Im Hamburger Hafen ist ein Baugerüst eingestürzt, wobei zwei Bauarbeiter ums Leben kamen. Print- und Funkmedien haben nun völlig verschiedene Möglichkeiten von diesem Ereignis zu berichten.

Die Rundfunkjournalisten werden zunächst einen Übertragungswagen vor Ort aufstellen. So können sie live über das Geschehen berichten und den Zuschauer mit live –Bildern (Fernsehen), Interviews mit Betroffenen, Experten und Aufsagen der Journalisten vor Ort versorgen. Dies gibt dem Zuschauer das Gefühl des scheinbaren Erlebens des Ereignisses. Durch Präsentation von Bild und Ton bescheinigen die Leute laut Karstens und Schütte (2005) dem Fernsehen eine höhere Glaubwürdigkeit. Dazu kommt noch die Aktualität des Mediums. Die Redaktionen der Rundfunksender können fast zu jeder Zeit den Journalisten beauftragen, einen aktuellen Beitrag zum Geschehen zu produzieren. Allerdings ist der Rundfunkjournalist auf ein umfangreiches technisches Equipment angewiesen, wodurch er etwas unbeweglicher und auffälliger wird als der Printjournalist, der zusammen mit dem Fotografen mobil, unauffällig ist und mit Betroffenen ohne Druck einer Kamera sprechen kann.

1.4. Prognose für Weiterentwicklung

Mit der Entwicklung der Medien ändern sich journalistische Arbeitsweisen und Programminhalte. Man stellt sich die Frage, in welche Richtung diese Entwicklung gehen soll? Idealtypisch soll es ein Fortschritt sein, der im Duden als „ positiv bewertete Weiterentwicklung„ definiert wird. Das heißt, dass in der Zukunft die Vorteile und Stärken des Rundfunkjournalismus noch weiter ausgebaut und die Schwächen gemildert oder gar ausgemerzt werden sollen. Der Rundfunk soll also einerseits noch aktueller und glaubwürdiger, noch näher am Ort des Geschehens und noch schneller werden. Die Bedürfnisse der Zuschauer sollen stärker angesprochen und die Nutzung weiterhin vereinfacht werden. Andererseits sollen Rundfunkjournalisten bei ihrer Feldarbeit flexibler und unauffälliger werden. Die schwerfällige Produktionsstruktur soll durch eine schlankere ersetzt werden, um eine schnellere Produktion zu ermöglichen.

Im zweiten Teil wird nun untersucht, inwieweit diese Prognosen sich bewahrheiten.

2. Wandel im Rundfunkjournalismus

Die dynamische Entwicklung im Journalismus beruht auf technologischen und sozio-ökonomischen Trends, die unter dem Stichwort Informationsgesellschaft zusammengefasst werden. Darunter fallen erstens die gesellschaftlichen Veränderungen, wie die zunehmende Informationskomplexität und Änderungen im Mediennutzungsverhalten. Zweitens sind es aktuelle wirtschaftliche Gegebenheiten auf dem Medienmarkt, zu denen in der ersten Linie eine verschärfte intra- und intermediäre Wettbewerbssituation gehört. Drittens ist es der technische Fortschritt und die damit verbundene Digitalisierung der Produktion und der Übertragung (vgl. Altmeppen et al., 1999). Nun ist es zu untersuchen, wie unterschiedliche Aspekte des Rundfunkjournalismus, die die Abbildung 4 zeigt, sich dem Wandel unterziehen.

Abb. 4: Schaubild zum „Wandel im Rundfunkjournalismus“ (eigene Darstellung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640399253
ISBN (Buch)
9783640398744
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v133268
Institution / Hochschule
Hochschule für Musik und Theater Hannover – IJK
Note
1,7
Schlagworte
Berufsbilder Wandel Rundfunkjournalisten

Autor

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Titel: Berufsbilder im Wandel: Rundfunkjournalisten