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Marktbeherrschende Strategien des Standard Oil Trusts

Hausarbeit 2007 23 Seiten

BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Monopol und kooperative Oligopole (Kartelle) – ein volkswirtschaftlicher Exkurs

3. Der Fall des Standard Oil Trusts – monopolistische Bestrebungen und Reaktionen der deutschen Politik
3.1 Entstehung des Trusts
3.2 Standard Oil in Deutschland
3.3 Auswirkungen der monopolistischen Besterbungen auf den Markt und seine Teilnehmer
3.4 Der Fall Standard Oil vor dem deutschen Reichstag
3.5 Die Entflechtung des Konzerns

4. Resümee

1. Einleitung

Beinahe täglich begegnen dem aufmerksamen Zeitungsleser Berichte über anstehende Fusionen großer Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche, die sich durch den Zusammenschluss größere Vorteile im Wettbewerb mit anderen Unternehmen versprechen. Dieses Phänomen hat eine lange Tradition, so gilt die Zeit des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts als die Zeit der großen Unternehmenszusammenschlüsse in den Vereinigten Staaten von Amerika. Es formierten sich zahlreiche große Kooperationen, sei es nun auf dem Zuckermarkt, dem Whiskeymarkt oder, mit dem Standard Oil Trust, auf dem Petroleummarkt.

Die zunehmende Kartellierung erregte immer größer werdende Besorgnis innerhalb der amerikanischen Gesellschaft und wuchs sich Ende der 1880er Jahre zu einem Problem politischer Dimension aus. Die politische Debatte führte letztendlich zum weltweit ersten Kartellgesetz in den USA, dem Sherman – Act, das am 2. Juli 1890 in Kraft trat.[1]

Der Sherman – Act jedoch konnte zunächst die um sich greifende Kartell-bildung nicht stoppen. Gab es vor 1889 in den USA noch 82 Trusts mit einem Gesamtkapital von 1,2 Mrd. $, so kamen in den Jahren zwischen 1889 und 1904 weiter 234 Trusts mit einer Kapitalausstattung von 6 Mrd. $ hinzu.

Somit verstärkte sich der Kampf von Bürgerrechtsgruppen und der Politik gegen die Trusts noch, was schließlich im Jahre 1911 zur exemplarischen Zerschlagung der „Mutter der Trusts“[2], dem Standard Oil Trust, führte. [3]

Der Standard Oil Trust, gegründet 1882, gilt als erster Trust der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte, mit einem Marktanteil von 90% auf dem Petroleummarkt.[4] Dieser Trust, welcher „mit den gnadenlosen Methoden und der ungezügelten Gier des Kapitalismus des späten neunzehnten Jahr- hunderts“[5] operierte, steht im Mittelpunkt dieser Arbeit, in der der Frage nach-gegangen werden soll, welche Strategien zur Marktbeherrschung speziell auf dem deutschen Leichtölmarkt angewandt wurden und ob diese negative Aus-wirkungen auf den Markt und seine Teilnehmer hatten.

Weiterhin wird der Blick darauf gerichtet, wie die Politik, speziell der deutsche Reichstag, auf die aggressive Marktpolitik des Trusts reagierte und wie es zur Entflechtung des Konzerns durch die Politik in den USA kam.

Hierzu soll zunächst in einem knappen volkswirtschaftlichen Exkurs allgemein geklärt werden, was man unter den Begriffen Monopol und kooperativen Oligopolen (Kartellen) zu verstehen hat und welche Auswirkungen sich hierfür für den Markt und den freien Wettbewerb ergeben.

Anschließend soll speziell der Standard Oil Fall betrachtet werden, wofür zu Beginn ein kurzer Überblick über die Entstehung des Trusts gegeben wird, um im Folgenden die Politik, welche der Konzern speziell auf dem deutschen Leichtölmarkt verfolgte und die Auswirkungen die sich hieraus auf den Markt und seine Teilnehmer ergaben zu beleuchten.

Daran anschießend soll die Reaktion des deutschen Reichstags auf das Marktverhalten von Standard Oil im Mittelpunkt stehen.

Abschließen soll die Arbeit mit der Zerschlagung und Entflechtung des Konzerns durch die Politik in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts.

Im Vorfeld soll aber nun den Begriffen Monopol und Kartell mit einer volkswirt-schaftlichen Sichtweise begegnet werden, um anhand dieser im Anschluss das Vorgehen des Trusts und die Auswirkungen seiner Unternehmenspolitik auf andere Marktteilnehmer bewerten zu können.

2. Monopol und kooperative Oligopole (Kartelle) – ein volkswirtschaftlicher Exkurs

In der Volkswirtschaftslehre teilt man Märkte nach der Anzahl der Marktteil-nehmer auf der Angebots- und Nachfrageseite ein. Wie nachfolgende Graphik verdeutlicht ergeben sich je nach Kombination unterschiedliche Marktformen, mit jeweils typischen Charakteristiken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Marktformen Grundschema nach Graf, Gerhard: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre S. 68.

Begegnen sich auf einem Markt viele Anbieter und Nachfrager so spricht man von einem Zustand der vollständigen Konkurrenz oder Polypol. Sind auf einer Marktseite hingegen nur wenige Akteure aktiv, so herrscht die Marktform des Oligopols (einseitig oder zweiseitig) vor. Findet sich auf einer Marktseite nur ein einziger Akteur, so liegt ein Monopol vor. [6]

Was zeichnet nun speziell Angebotsmonopole und Oligopole aus und welche Konsequenzen entstehen hierbei für den Markt?

Ein Angebotsmonopol liegt vor, wenn viele Nachfrager nur einem Anbieter gegenüberstehen.[7] Konkret bedeutet dies, dass der Monopolist aufgrund der fehlenden Konkurrenz Preis und Menge des abzusetzenden Produkts fest-legen kann. Der Monopolist wird demzufolge die Kombination von Preis und Absatz wählen, die für ihn gewinnmaximal ist.

Die gewinnmaximale Menge eines Monopolisten ergibt sich an dem Punkt, an dem die Grenzkosten[8] der Produktion gleich den Grenzerträgen[9] sind.

Im Gegensatz zum Zustand der vollständigen Konkurrenz ergibt sich hierbei ein höherer Preis und eine geringere Menge des abgesetzten Gutes.[10] Für den Nachfrager bedeutet dies, dass er dieselbe Menge zu höheren Preisen er-werben muss und hierdurch einen Verlust erleidet. Dieser Verlust ist messbar im Rückgang der Konsumentenrente.[11]

Demgegenüber steht der höhere Preis, den der Monopolist im Vergleich zum Konkurrenzpreis erwirbt, was sich im Zuwachs der Produzentenrente[12] wider-spiegelt.

Saldiert man den Gewinn an Produzentenrente und den Verlust an Konsu-mentenrente, so bleibt ein Nettoverlust der Konsumentenrente über, welcher den gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrtsverlust darstellt.[13]

Im Gegensatz hierzu zeichnen sich Angebotsoligopole dadurch aus, dass sich wenige Anbieter und viele Nachfrager auf einem Markt gegenüberstehen. Im Falle eines Oligopols ist nun einerseits ein „Konkurrenzkampf auf Leben und Tod“[14], oder andererseits eine „mehr oder weniger weitgehende Kooperation“[15] zwischen den wenigen Anbietern denkbar.

Einigen sich die Unternehmen auf eine gemeinsame Strategie, auf einem Markt Preise oder Mengen festzusetzen, so spricht man von kooperativen Oligopolen bzw. vom Kartell. [16]

Unter Kartellen versteht man „Absprachen zwischen rechtlich und wirtschaft-lich selbständigen Unternehmen mit dem Ziel, den Wettbewerb zwischen den Vertragspartnern zu beschränken.“[17] Diese Absprachen können in den ver-schiedensten Bereichen, beispielsweise bei Preisen, Rabatten, Konditionen, Qualität, etc. getroffen werden.

Marktabsprachen haben zum Ziel eine monopolähnliche Situation anzustreben und somit die eigene Machtposition zu stärken und die Nachfrageseite in eine schwächere Position zu bringen.[18]

Des Weiteren kann sich ein Oligopol durch Absprachen zwischen Unter-nehmen zu einem Machtblock entwickeln, der den Zutritt neuer Anbieter auf einen Markt verhindern soll und kleinere Anbieter vom Markt verdrängt.[19]

In der Realität ist das Oligopol eine häufig vorkommende Marktform. Im Laufe der Zeit wurden immer wieder Kartelle geschlossen, um Marktpositionen zu stärken.

Das weltweit erste Kartell war der Standard Oil Trust, welcher im Jahre 1882 in den USA gegründet wurde. Er entwickelte sich im Laufe seiner Geschichte zum weltweit führenden Akteur auf dem Öl- und Petroleummarkt, der mit einer aggressiven Marktpolitik Konkurrenten vom Markt drängte, sie zwang sich dem Trust anzuschließen und schließlich im Jahre 1911 zerschlagen wurde.

Im Anschluss soll speziell dieser Trust, mit seinen marktbeherrschenden Strategien und den Konsequenzen für Nachfrager und Konkurrenzunter-nehmen im Mittelpunkt stehen.

[...]


[1] Vgl. Bringhurst, Bruce: Antitrust and the Oil Monopoly. The Standard Oil Cases, 1890-1911. Westport, London, 1979. S. 1ff.

[2] Yergin, Daniel: Der Preis. Die Jagd nach Öl, Geld und Macht. Frankfurt am Main, 1991. S. 139.

[3] Vgl. ebd. S. 131ff.

[4] Vgl. ebd. S. 53.

[5] Ebd. S. 43.

[6] Vgl. Graf, Gerhard: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. 2. Auflage. Heidelberg, 2002. S. 68f.

[7] Vgl. ebd.

[8] Beschreibt nach Heertje/Wenzel (2002) die marginalen Zusatzkosten bei marginaler Output-steigerung.

[9] Beschreibt nach Heertje/Wenzel (2002) die marginale Ertragsänderung bei marginalem Faktormehreinsatz.

[10] Vgl. Heertje, Arnold/Wenzel, Heinz-Dieter: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. 6. Auflage. Berlin, Heidelberg u.a., 2002. S. 150ff.

[11] Beschreibt nach Heertje/Wenzel (2002) die Differenz zwischen Gleichgewichtspreis und tatsächlichem Nutzengewinn.

[12] Beschreibt nach Heertje/Wenzel (2002) die Differenz zwischen dem auf dem Markt erzielten Erlös und den tatsächlichen Kosten der Produktion.

[13] Vgl. Heertje, Arnold/Wenzel, Heinz-Dieter: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. 6. Auflage. Berlin, Heidelberg u.a., 2002. S. 424ff.

[14] Ebd. S. 154.

[15] Ebd. S. 155.

[16] Vgl. Blaich, Fritz: Der „Standard-Oil-Fall“ vor dem Reichstag. Ein Beitrag zur deutschen Monopolpolitik vor 1914. Tübingen, 1970. S. 6-1.

[17] Graf, Gerhard: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. 2. Auflage. Heidelberg, 2002. S. 97.

[18] Vgl. ebd. S. 98.

[19] Vgl. Heertje, Arnold/Wenzel, Heinz-Dieter: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. 6. Auflage. Berlin, Heidelberg u.a., 2002. S. 157.

Details

Seiten
23
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640399185
ISBN (Buch)
9783640398676
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v133248
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Lehrstuhl für Wirtschafts- und Innovationsgeschichte
Note
1,7
Schlagworte
Marktbeherrschende Strategien Standard Trusts

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Titel: Marktbeherrschende Strategien des Standard Oil Trusts