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"The Military Revolution in Sixteenth-Century Europe" von David Eltis

Literaturbericht - Rezension

Rezension / Literaturbericht 2009 9 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Militärische Revolution aus der Sicht der Historiker

3. Veränderungen in Ausrüstung, Taktik und Ausbildung

4. Der Belagerungskrieg und einhergehende Veränderungen

5. Betrachtung der englischen Militärentwicklung

6. Fazit

1. Einleitung

David Eltis ist Geschichtsprofessor der Emory Universität und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den Themengebieten der frühmodernen atlantischen Welt sowie Sklaverei und Migration. Als seine renommiertesten Werke werden die Publikationen „Economic Growth and The Ending of the Transatlantic Slave Trade “ und „The Rise of African Slavery in the Americas” gesehen.[1]

Fernab dieser Forschungsfelder betrachtet er in seinem Buch „The Military Revolution In Sixteenth-Century Europe “ eine Zeit der drastischen Veränderungen im europäischen Militärwesen. Das 175 Seiten starke Buch ist erstmals im Jahr 1995 in New York von I.B. Tauris & Co. Ltd verlegt worden. In Fachkreisen gilt dieses Werk als wesentlicher Beitrag zur Debatte über militärische Veränderungen im frühzeitlichen Europa.

Im Folgenden werde ich dieses Buch aus der Sicht eines Politikwissenschaftlers rezensieren. Ich folge bei der Gliederung grob der im Buch vorgegebenen Kapitel.

2. Militärische Revolution aus der Sicht der Historiker

In den Augen von David Eltis ist das 16. Jahrhundert eine Zeit von grassierenden Veränderungen im Bereich des Militärwesens. Obwohl, wie man später feststellen wird der überwiegende Teil an Veränderungen auf dem europäischen Festland begonnen hat, erklärt Eltis die Absicht seinen Fokus auf die Veränderungen in England zu legen. Ein Grund dafür ist die nach 1604 eingetretene Friedensphase nach dem Krieg gegen Spanien.

Der Autor grenzt sein Werk zunächst von zwei weiteren Autoren und deren Werken zur militärischen Revolution ab. Das eine ist 1956 in Belfast unter dem Titel „The Military Revolution 1560-1660 “ von Michael Roberts erschienen. Das andere Werk wurde 1988 von Geoffrey Parker unter dem Namen „The military revolution. Military innovation and the rise of the West 1500-1800 “ als alternative Betrachtung von Roberts Werk veröffentlicht.

Roberts Hauptargumente waren, dass der herkömmliche Langbogen den aufkommenden Feuerwaffen lange überlegen war und die neue Technologie der Handfeuerwaffen der Kavallerie ihrer Offensivkraft beraubt hat. Er geht sogar soweit, dass er die eigentliche militärische Revolution in der Zeit des 30 Jähriges Krieges sieht, als der Schwedenkönig Gustav Adolf die Schlagkraft der berittenen Truppen durch die Ausrüstung mit Schwertern wiederhergestellt hatte.[2]

Eltis demontiert zunächst Roberts‘ Argumentation, indem er die Waffensysteme der damaligen Zeit vergleicht. Er kommt zu dem Schluss, dass der Bogen im Vergleich mit der in England häufig verwendeten Armbrust und der auf dem kontinentalen Europa aufkommenden Feuerwaffen am schlechtesten abscheidet. Als Grund führt er zum einen die mangelhafte Durchschlagskraft und die Verbesserung der Rüstungen an. Die aufkommenden Schießpulverwaffen, wie die Hakenbüchse und später die Muskete wiesen zwar Nachteile wie Wetteranfälligkeit und niedrige Feuerrate auf, aber die große Durchschlagskraft sowie die psychologische Wirkung wogen diese Mängel auf. Eltis argumentiert sogar so weit, dass sich durch diese neue Waffentechnologie die Kriegsführung schlagartig geändert hatte. Der drohende Verlust der eigenen Truppe durch gegnerisches Feuer führte eher zu Stellungskriegen, wo Entscheidungen nur durch Aushungern, Wettereinflüsse, Versorgungslage oder durch Ausnutzen von Überraschungsmomenten wie Angriffe auf Marschformationen errungen werden konnten.[3]

Auch der verminderten Schlagkraft der Kavallerie stimmt Eltis nicht zu. Dessen Kampfwert wurde seiner Meinung nach durch den Einsatz von Pistolen sogar noch verstärkt, wobei der Einsatz der berittenen Kräfte aufgrund des zunehmenden Einsatzes von schlagkräftigen Infanterieformationen stark zurückging.

Geoffreys‘ Hauptargumentation beruht eher auf neuartigen Befestigungsanlagen und der durch die Verbreitung des Schießpulvers resultierenden Feuerkraft, insbesondere im Bereich der Artillerie. Dem stimmt Eltis auch zu wobei er Kritik an der Zeitspanne von Parkers‘ Betrachtungsweise übt. Ferner ergänzt er seine Ansichten, indem er die zeitlich früher eintretende Bedeutung der Artillerie sowie die Zweckerfüllung der modernisierten Befestigungsanlagen älterer Bauweise herausstellt.

Nachdem er zahlreiche Ansätze der anderen beiden Autoren ergänzt beziehungsweise negiert hat, stellt Eltis jedoch den Anspruch an das eigene Werk, eine neue Betrachtungsweise zu liefern, was in den Folgekapiteln deutlich wird.

[...]


[1] Department of History: http://www.history.emory.edu/Faculty/eltis.html, Stand: 06.04.2009.

[2] Diese Argumentation findet sich in Roberts‘ Werk „Gustavus Adolphus. A History of Sweden 1611-32 “.

[3] Eltis, David: The Military Revolution In Sixteenth-Century Europe“, S. 11 ff.

Details

Seiten
9
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640400256
ISBN (Buch)
9783656401513
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v133198
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Fachbereich für Internationale Politik
Note
1,0
Schlagworte
Militärische Revolution Taktik Belagerung England

Autor

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Titel: "The Military Revolution in Sixteenth-Century Europe" von David Eltis