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Die Stellung der Juden im Merowingerreich

Hausarbeit 2007 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung
1.1. Grad und Stellenwert der Christianisierung im Merowingerreich
1.2 Die Abgrenzung der christlichen Kirche vom Judentum

2. Die Judengesetzgebung im Römischen Reich

3. Die Juden in den merowingisch-fränkischen Konzilien
A) Die Mischehe
B) Die Tischgemeinschaften
C) Das Ämterverbot
D) Ausgangssperre zum Osterfest
E) Christliche Sklaven

4. Die Stellung der Juden im weltlichen Recht der Merowinger

5. Die Juden in den Berichten des Gregor von Tours in seiner `Historia Francorum`

6. Schlussbemerkung

Literatur:

1. Einführung

Ich werde mich in der folgenden Arbeit mit der Frage beschäftigen, wie sich die Rahmenbedingungen des jüdischen Lebens im Frühmittelalter gestalteten. Dabei werde ich einen weiten Bogen von der Ursache der problematischen Situation zwischen Judentum und Christentum, über die Gesetzgebung im römischen Reich bis hin zu den Berichten des Gregor von Tours spannen. Mich interessiert vor allem, ob sich der aus dem Hochmittelalter bekannte Judenhass schon im Frankenreich findet, oder ob die Juden dieser Zeit frei in ihrer Religionsausübung und Lebensführung waren.

1.1. Grad und Stellenwert der Christianisierung im Merowinger- reich

Um die Lage der jüdischen Bevölkerung im Merowingerreich zu verstehen, ist es wichtig kurz die dort von statten gegangene Christianisierung zu charakterisieren. Beginnen möchte ich mit der Taufe Chlodwigs, denn ab diesem Zeitpunkt kann das Merowingerreich als christlich und katholisch gelten.[1] Chlodwig wurde nicht durch ein Erweckungserlebnis oder ein Wunder, wie sie Gregor von Tours zahlreich beschreibt, zu diesem Schritt bewegt. Auch schöpfte er seine Legitimation als Herrscher aus seiner Ahnenlinie, die aus heidnischen Göttern hervorgegangen war und benötigte nicht unbedingt die Herrschaftslegitimation durch den Gott der Christen. Am wahrscheinlichsten scheint daher eine pragmatische, staatsmännische Überlegung gewesen zu sein, nämlich auf Grund der bestehenden kirchlichen Strukturen sein in kurzer Zeit erobertes Reich verwalten zu können. Auch in außenpolitischer Hinsicht bot der katholische Glaube den Vorteil, die katholischen Bevölkerungsteile des zu erobernden Terrains auf seiner Seite zu wissen.[2]

Es erscheint nicht verwunderlich, dass Gregor von Tours in seiner Historia Francorum andere Motive für Chlodwigs Entschluss aufzeigt. Als dessen Truppen nämlich von den Alemannen drohten aufgerieben zu werden richtete er reuevoll seine Augen gen Himmel und ward zu Tränen gerührt. Wie Gregor überliefert, sagte er folgendes:

Jesus Christ, you who Clothild maintains to be the son of the living God, you who deign to give to those in travail and victory to those who trust in you, in faith I beg the glory of your help. If you will give me victory over my enemies, and if I may have evidence of that miracolous power which the people dedicated to your name say they have experienced, then I will believe in you and I will be baptized in your name(...)“[3]

Weiter spricht Chlodwig zu Gott von seinen Göttern, die ihm nicht hatten helfen können, weswegen er sich jetzt ihm zuwendet. Die Schilderungen Gregors sind also viel mehr dazu geeignet, den Leser zu bekehren, als uns die wahren Gründe Chlodwigs offen zu legen. Dennoch lässt der Text den Schluss zu, dass sich Chlodwig nach diesem Bericht nun nicht mehr auf seine heidnisch-göttliche Abstammung stützen kann, sondern sich auf die Kraft der Legitimation durch den Gott der Christenheit stützten muss.

Die Struktur der Kirche im Reich war provinziell geprägt und unterschied sich daher auch von der Reichskirche des zerfallenen Römischen Reiches. bildeten Deren Beschlüsse bildeten nach wie vor die Grundlage des kirchlichen Rechtes und der kirchlichen Praxis, aber eine so plötzliche Zuwendung der einst heidnischen Bevölkerung zum Christentum hatte einige Besonderheiten zur Folge. Vielerorts erfolgte die Bindung zum Christentum über Lokalheilige, die die frei gewordene Stelle der heidnischen Gottheiten einnahmen,[4] Für das einfache Volk war es so möglich, ihre alltagsgeprägte Religiosität an etwas Greifbares zu koppeln. Denn die eigentlich geistig angelegte Religion der Christen ließ sich schlecht mit den täglichen Gefahren und Nöten der Landbevölkerung vereinbaren, deren Lebensunterhalt von der Natur abhängig war. Je weiter eine Siedlung von einer größeren Stadt entfernt war, umso stärker machte sich dieser heidnische Einfluss bemerkbar.

Die katholischen Bischöfe nahmen trotzdem eine wichtige Stellung ein. Ihre Meinung wurde vom König geachtet und ging oftmals in das weltliche Recht ein. Doch im Vergleich zur Kirche des Römischen Reiches ist die starke theologische Polarisierung, die vor allem im Umgang mit dem Judentum eine große Rolle spielte, in einem sehr frühen Stadium. Auch die oben geschilderten Gründe Chlodwigs zur Taufe, die eben nicht auf religiösen Eifer schließen lassen, sind Ursache für die vergleichsweise guten Lebensumstände der Juden im Merowingerreich.

1.2 Die Abgrenzung der christlichen Kirche vom Judentum

Ich möchte hier nur einige Hauptpunkte aufzeigen, da eine vollständige Abhandlung dieses Themas den Rahmen meiner Hausarbeit deutlich sprengen würde.

Der Ausgangspunkt der theologischen Differenzen der beiden Religionen liegt darin, dass die Christen in Jesus Christus den im alten Testament prophezeiten Messias anerkennen und die Juden in Jesus eben diesen Messias nicht sehen. Eine gute Zusammenfassung bietet hier Römer 11/25-27:

„25 Ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für Klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; /26a und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20;Jeremia 31,33): b ' Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob./ 27 Und dies ist mein Bund mit Ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.'“

Ausgehend von diesem Streitpunkt entspinnt sich eine umfangreiche Argumentation, mit der die Christen beweisen wollen, dass ihr Glaube der Rechte sei und der Bund Gottes mit dem Volk Israel seit Jesus Christus an die Christen übergegangen ist. Einige dieser Argumente möchte ich kurz aufführen, da sie oft den Hintergrund der Gesetzes- und Konzilsbeschlüsse gegen die Juden bildeten.

Barnabas, ein christlicher Lehrer des 2. Jahrhunderts, stellte eine Existenz des Bundes Gottes mit Israel generell in Frage, da Moses die ersten Gesetzestafeln, die er von Gott erhalten hatte vor Zorn zerschmetterte, als er sah, dass sein Volk in seiner Abwesenheit die Götzenanbetung wieder aufgenommen hatte[5]:

„Als Mose aber nahe zum Lager kam und das Kalb und das Tanzen sah, entbrannte sein Zorn, und er warf die Tafeln aus der Hand und zerbrach sie unten am Berg“

(Exodus 32; 19)

Tertullian wiederum fand den Beweis für die Überlegenheit der Christen bereits im Buch Genesis mit einer neuen Interpretation der folgenden Stelle:

Und der Herr sprach zu ihr:'Zwei Völker sind in deinem Leibe, und zweierlei Volk wird sich scheiden aus deinem Leibe; und ein Volk wird dem anderen überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen.“

(Genesis,25;23)

Das Judentum, als die Ältere der beiden Religionen, wird also fortan vom Christentum beherrscht. Während diese Textstelle vor dem Aufkommen des Christentums nur das Verhältnis der unterschiedlichen Stämme Israels regelte. Diese Interpretation spiegelt sich später auch in der Judengesetzgebung wider, in der peinlichst darauf geachtet wird, dass Juden keine Positionen besitzen aus denen sie über Christen herrschen.

Die christliche Theologie ist des weiteren der Meinung, dass die Gesetze, die Gott Mose gab, nur notwendig waren, weil das Volk Israel ein sündiges war. Dieses Volk musste man durch Gesetze an Gott binden und auf den rechten Weg führen. Mit der Geburt, dem Tod und der Auferstehung Jesu verlieren diese Gesetze ihre Bedeutung, da Jesus, als leiblicher Sohn Gottes, die Sünden der gesamten Menschheit auf sich nahm und somit erlöst. Die Juden, die in Jesus nicht den in der Bibel verheißenen Messias sehen, gelten daher als von Gott abfällig und verstockt.

Eusebius von Caesarea unterteilt die jüdische Gemeinde in zwei Gruppen. Die eine bilden die Hebräer, die er als die frühen Christen und Bundespartner Gottes anerkennt. In diese Gruppe von Juden ordnet Eusebius auch Jesus ein.

[...]


[1] Zöllner, Erich: Die Geschichte der Franken, München 1970, S.181

[2] Geisel, Christoph: Die Juden im Frankenreich, Frankfurt a. M. 1998, S.68

[3] Gregory of Tours: The history of the Franks; London 1974, Buch II.29

[4] Geisel, Christoph: Die Juden im Frankenreich, Frankfurt a. M. 1998, S.55, 56

[5] Frank, Karl Suso:Adversus Judaeos-Juden in der alten Kirche (S. 30-46) aus: Martin, Bernd (Hrsg): Die Juden als Minderheit in der Geschichte, München 1985

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640393558
ISBN (Buch)
9783640393749
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v133024
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Geschichte
Note
2,3
Schlagworte
Stellung Juden Merowingerreich

Autor

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