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Die Hexe in ausgewählten Märchen der Brüder Grimm

Magisterarbeit 2009 77 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Herkunft und Bedeutung des Hexenbegriffs
2.1. Historischer Wandel des Hexenbildes
2.2. Hexenbilder in der frühen Neuzeit (15.-17.Jh.)
2.3. Von der Volkshexe zur Märchenhexe

3. Die Märchenhexe
3.1. Exkurs über das Wesen des Märchens nach Wilhelm Grimm
3.2. Welchen Platz nimmt die Hexe im Grimmschen Märchen ein?

4. Die Hexe im Märchen von „Hänsel und Gretel“
4.2. Die Stiefmutter in „Schneewittchen“
4.3. Die Feen und die weisen Frauen in „Dornröschen“

5. Die Hexe im ausländischen Märchen – Die Baba Jaga
5.1. Die Hexe in der Sage

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Hexe in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm wird in besonders schillernden und kräftigen Farben gezeichnet.

Beschrieben wird sie als böse alte Frau, die auf eine Krücke gestützt umherschleicht. Sie lebt alleine in einem Häuschen im Wald und ist mit zauberischen Fähigkeiten versehen. Ihr Körper ist gelb und ausgemergelt, die Hände dürr und knochig. Die Augen sind rot und stechend und auf ihrer riesigen Nase sitzt eine Warze. Ihre Stimme ist schnarrend und ihr Lachen ist böse und höhnisch.[1]

„Das Bild der Hexe, wie wir es aus den bekanntesten Märchen kennen, ist sehr einseitig. Als Kinderschreck ist sie alt, hässlich und böse.“[2]

In über 50 Märchen der Brüder Grimm, einem Drittel aller Kinder- und Hausmärchen gehört sie zum festen Inventar, wird das Märchen durch diese Hexenfigur geprägt.

Ihre beschriebene abschreckende Hässlichkeit und Boshaftigkeit wird in den Märchen im Besonderen hervorgehoben. Diese Attribute sind zum festen Inventar dieser Märchenhexe geworden und zeichnen ihr Bild aus.

Die Märchenforschung ist durch dieses Bild geprägt, die Forschungsgrundlage zumeist nach diesem Hintergrund ausgerichtet worden. Diesbezüglich betont Lutz Röhrich:

Fällt das Stichwort „Hexe“ im Zusammenhang mit dem Märchen, hat man als erstes die Hexe des Knusperhauses in „Hänsel und Gretel“[3] vor Augen.“[4]

In diesem Märchen vereint sie alle ihr angedachten Attribute. Sie ist die steinalte Frau, die alleine in einem Häuschen im Wald lebt. Sie geht an einem Krückstock, hat stechende Augen und ihr Gelächter ist überheblich und schrill. Hass, Neid und Hochmut sind der Ursprung ihrer Handlungen.[5] Die konsequente Verfolgung ihrer Mordpläne dient in erster Linie der Befriedigung ihrer kannibalischen Gelüste.[6]

„Hänsel und Gretel“ hat das Bild der Märchenhexe geprägt und diese Bedeutungszuweisung möglicherweise zur Realität des Märchens werden lassen.

Es liegt die Vermutung nahe, dass die Bedeutungszuweisung des Begriffs Märchenhexe seine Herkunft in den Märchen der Brüder Grimm findet.

Diese Arbeit wird sich mit der Märchenhexe, ihrem Bild und ihrer Stellung in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm beschäftigen.

Sie wird versuchen die Frage zu beantworten, ob es die Märchenhexe, einen Stereotyp von Hexe in den Märchen der Brüder Grimm wirklich gibt, und ob die Hexe in „Hänsel und Gretel“ diesen Stereotyp einnimmt?

Der Aufbau der Arbeit gliedert sich in einen theoretischen und einen analytischen Teil. Der theoretische Teil beginnt mit der Auseinandersetzung bezüglich Herkunft und Bedeutung des Hexenbegriffs.

Wichtig hierbei ist die Heranführung an die Thematik Hexe. Welche ursprüngliche Bedeutung hat der Begriff und zu welchen Auswirkungen auf spätere Bedeutungszuweisungen hat dies geführt. Ein weiterer Aspekt ist neben dem Bedeutungswandel des Begriffs auch die Aufnahme der Hexe in das Märchen. Grundlegend ist der Wandel der Hexe zur Märchenhexe.

Daran schließt sich ein Überblick über Hexen und hexenähnliche Figuren in den Märchen der Brüder Grimm an. Hintergrund ist die Frage, nach der Figur der Märchenhexe. Unterstützend zu dieser Frage wird ihre Erscheinung, der Charakter und ihr Verhalten, beruhend auf einer grundlegenden Analyse, behandelt.

Die zweite grundlegende Frage nach der Stellung der Hexe im Märchen wir diesem Überblick ergänzend herangezogen. Basis dessen ist die Bedeutung ihrer Gestalt für das Märchen, insbesondere für die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Diesem Vorgehen entsprechend schließt sich ein Exkurs über die Bedeutung des Märchens an, der unterstützend für die Bedeutungszuschreibung der Hexe steht. Um die Bedeutung der Hexe für das Märchen zweifelsfrei darlegen zu können, ist es relevant, auch nach einer allgemeineren Bedeutung, nach einem Motiv des Märchens zu fragen und die Hexe in diese Überlegung mit einzubeziehen.

Im sich daran anschließenden analytischen Teil werden die Ergebnisse der vorangegangenen Kapitel in den Kontext verschiedener Märchen gestellt. Die Ergebnisse sollen in den Märchen überprüft und vervollständigt, das Bild der Hexe somit auf einer breiteren Ebene betrachtet und analysiert werden. Das Märchen von „Hänsel und Gretel“, „Schneewittchen“ und „Dornröschen“ werden für diesen Schritt als Basis herangezogen. Die Auswahl der Märchen begründet sich durch die Darstellung der Hexenfigur in einem anderen Licht, aus einer anderen Perspektive und deren Analyse ist somit als ein weiterer Schritt auf dem Weg einer umfassenden und grundlegenden Untersuchung zu sehen. Das stereotype Bild wird demnach einer Prüfung unterzogen, auf ihre Standfestigkeit überprüft.

In einem weiteren Abschnitt stellt der analytische zweite Teil die Untersuchungsergebnisse des theoretischen Teils in Verbindung mit Hexenfiguren außerhalb des Grimmschen Inventars. Zum Vergleich wird zum einen die Hexe aus dem Ausland, die Baba Jaga, und des weiteren die Hexe aus einer anderen phantastischen Erzählung, der Sage herangezogen. Dieser Vergleich bringt Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede zwischen den Hexenfiguren hervor und wirkt somit unterstützend für die Fokussierung auf die Hexe in den Märchen der Brüder Grimm. Dieser Vergleich basiert auf dem Versuch, die Stellung der deutschen Märchenhexe zu festigen und ihr Bild noch schärfer als zuvor in Erscheinung treten zu lassen.

Die Arbeit endet mit einer Schlussbetrachtung, in der die Ergebnisse der vorangegangen Untersuchung zusammengefasst werden und einer zusammenfassenden Beantwortung der zu Beginn gestellten Frage nach dem Vorhandensein eines Stereotyps der deutschen Märchenhexe.

2. Herkunft und Bedeutung des Hexenbegriffs

Herkunft und auch Bedeutung des Wortes Hexe sind nicht eindeutig geklärt.

Es ist nicht eindeutig festzustellen ob es sich um ein Komposition aus einem Grundwort -zussa und einem Bestimmungswort hag- handelt. Etymologisch spricht man sich jedoch für die zweite Version aus,[7] und die Ableitung des deutschen Begriffs Hexe aus dem Wort hagazussa (Zaunweib).[8]

Während das Grundwort zussa nach dem Handwörterbuch des Aberglaubens mit altem, hässlichem Weib zu übersetzen ist, nimmt das Substantiv hag die Bedeutung Zaun, Hecke oder Gehege ein. Demnach wäre die Hexe ein auf Zäunen oder Hecken sitzendes Wesen.

Historisch gesehen macht diese Übersetzung Sinn, da im Mittelalter der Zaun oder die Hecke das Dorf und die Dorfbewohner von umgebenden Wäldern schützte. Der Zaun war die Grenze zwischen Menschen und Dämonen und auch die Hexe war einerseits ein Wesen mit menschlichen Zügen, auf der anderen Seite jedoch auch der dämonischen Seite zugehörig.[9] Dämonisch bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sie mit nicht-menschlichen, zauberischen Fähigkeiten ausgestattet war.[10]

Wortgeschichtlich ist die Hexe ein dämonisches Wesen mit ambivalenten Zügen. Sie besitzt negative Eigenschaften, kann jedoch auch mit positiven Charakterzügen und einem freundlichen Wesen ausgestattet sein.[11]

2.1. Historischer Wandel des Hexenbildes

Auf der Wortgeschichte basierend, ist der Glaube an Hexen durch ambivalente Vorstellungen geprägt und auch dessen Ursprung nicht eindeutig zu bestimmen. Diese unterschiedlichen Vorstellungen lassen sich weit in die vorchristliche Zeit, bis in die Antike zurückverfolgen. Der Hexenglaube des Mittelalters und der frühen Neuzeit ist durch viele Glaubensvorstellungen geprägt und hat im Laufe der Zeit, durch die Anpassung an gesellschaftliche Verhältnisse, viele Veränderungen erfahren.

Um den Ursprung und den Wandel des Hexenglaubens zu verstehen, ist es von Bedeutung, dessen Frühgeschichte darzustellen.[12]

Die früheste Geschichte in der Entwicklung ist noch nicht hinreichend erforscht, liegt jedoch sehr wahrscheinlich in einer frühen matristischen[13] Gesellschaftsordnung.[14] Um diesen Ursprung zu erkennen und zu verstehen, ist es wichtig, sich vor allem an den Ursprüngen und der Wandlung eines Frauenbildes zu orientieren. Anhand der Wandlung des Frauenbildes lässt sich der Ursprung des Hexenbildes im Mittelalter nachvollziehen.

Unter einer matristischen Gesellschaft ist eine Gesellschaft zu verstehen, die sich durch Mutterbetontheit beziehungsweise Mutterzentriertheit auszeichnete. Im Mittelpunkt einer solchen Gesellschaft standen Mütter mit ihren Kindern, da sich die Verwandtschaft nach der Blutsverwandtschaft der Mütter ausrichtete und Frauen sowohl für die ökonomische Struktur als auch das Gesundheitssystem der Gesellschaft zuständig waren.[15] Der Medizin als weibliche Domäne entsprechend, wurden sie in dieser Gesellschaft zu Herrinnen über Leben und Tod.[16]

Bezeichnend für diese Gesellschaft und die Übernahme in die Märchen war somit ein Antidualismus. Auch eine Spaltung ihrer weiblichen Gottheiten in gut und böse nahm in der matristischen Gesellschaft noch keinen Platz ein. Eine Gottheit nahm sowohl die guten als auch die bösen Eigenschaften noch in sich auf und wurde zur Gottheit über Leben und Tod.

Diese matristischen Gesellschaften waren jedoch nicht von Bestand.[17]

Die Geschichte brachte Veränderungen, die zu einem Bedeutungswandel von Mann und Frau und deren Stellung in dieser Gesellschaft führte. Die allmählich von den Frauen verlorene Vormachtsstellung wurde von den Männern übernommen. Für diesen Wandel bedeutend war die Werteverschiebung innerhalb der matristischen Gesellschaft.

Die von den Männern eingenommene Haltung führte zu einer gesteigerten Ablehnung gegenüber Frauen und die in der matristischen Gesellschaft hochrangige Stellung der Frau, deren Werte und ihr Wesen wurden nun bedeutungslos. Eng mit der Frau verbundene Tätigkeiten und Verhaltensweisen, vor allem die weibliche Sexualität wurden diffamiert und als ins Verderben führend bezeichnet.

Nur die der Gesellschaft und den Männern dienenden weiblichen Eigenschaften wurden in dieser Männergesellschaft hervorgehoben und gefördert. Zu diesen Eigenschaften zählten die Werte Keuschheit, Treue, Mutterschaft in der Ehe, Naivität und Schönheit.

Der Herrschaft der Männer entgegenwirkenden oder diffamierenden Eigenschaften, die in einer matristischen Gesellschaft noch einen hohen Stellenwert besaßen, wurden zurückgedrängt. Die Frauen hatten unter der Unterdrückung ihrer vormals gezeigten Eigenständigkeit und ihres entwickelten Selbstbewusstseins zu leiden. Vor allem ihr Wissen um Medizin und Geburtshilfe war nicht länger von Bedeutung und wurde aus der Gesellschaft verdrängt.

Mit dieser Zeit des Umbruchs, der Veränderung, steht auch die Spaltung des Frauenbildes in gute und schlechte Frauen in Verbindung. Erfüllten die Frauen, ihre von den Männern auferlegte und gewünschte Rolle, verkörperten sie die heilige Jungfrau, liebevolle Mutter oder gutherzige Frau. Eigenschaften die diesem Wunschbild entgegengesetzt waren oder diesem widersprachen, wurden den schlechten Frauen zugesprochen. Zu dieser Kategorie zählten böse Weiber und Huren, vor allem jedoch Hexen.

Obwohl die als Hexen betitelten zauberkundigen Frauen einen wichtigen Teil der Gesundheitsvorsorge stellten, waren sie mit ambivalenten Zügen behaftet, waren Herrscherinnen über Leben und Tod und wurden in die Kategorie der schlechten Frauen aufgenommen. Diese Maßnahme ist bezeichnend für die im 15. Jahrhundert aufkommende Hexenverfolgung. In erster Linie verdeutlicht dieses Vorgehen jedoch das Verfahren der Aufnahme und die Bedeutungszuweisung der Hexe im Märchen.[18]

Nach Heinrich Dingeldein bezeichnet auch die Ursprungsform von Hexe ein dämonisches Wesen, dessen Eigenschaften nicht nur negativ sind. Erst der christliche Volksglaube sprach dem Hexenbegriff eine ausschließlich negative Bedeutung zu.[19]

Neben dem Verlust ihrer positiven Charakterzüge, geht die Verwandlung des Hexenbildes mit der Vermenschlichung der Hexe überein. Aus den ursprünglich dämonischen Wesen werden Frauen, die das Böse in sich vereinen.

Das ursprüngliche, durch Ambivalenz geprägte Frauenbild weist auf den Ursprung der Hexe hin und bringt Licht hinter die zum Teil abweichenden Ursprungsgeschichten und Vermutungen bezüglich der Hexe. Denn laut Brockhaus Konversations-Lexikon ist die Hexe aus den weisen Frauen, den Priesterinnen des germanischen Altertums hervorgegangen.[20]

Aber auch diese Priesterinnen hatten zu ihrer Zeit ein durchaus ambivalentes Bild. Einerseits waren sie helfend und heilend, auf der anderen Seite sprach man ihnen jedoch auch das Attribut vernichtend zu.

In Mythologien vieler Völker spielt die Hexe als Magierin eine große Rolle. Auch sie wurde gefürchtet, galt aber auch zur gleichen Zeit als Ratgeberin.[21]

Wie Schriften belegen, war bis zum 14.Jahrhundert das Wort Hexe fast ganz aus der deutschen Sprache verschwunden. Erst in der Neuzeit, mit dem Zusatz Schaden bringend, taucht das Wort erneut im deutschen Sprachraum auf und setzt sich mit der verstärkten Hexenverfolgung endgültig durch. Neben dem Glauben an Hexen hat auch das Wort Hexe eine Wandlung erfahren. Die Geschichte des Hexenglaubens stimmt mit der Wortgeschichte überein und die negative Assoziation des Wortes, dessen Bedeutungswandel wird ersichtlich.

In der vorchristlichen Kultur kam der Frau vor allem die Rolle der heilkundigen Frau zu.

Die frauenfeindliche Tendenz, die durch das Zuschreiben der Schuld an der Sündenfallgeschichte bestand, nahm ab dem 15.Jahrhundert ungeheure Ausmaße an.[22] Die Kirche schrieb der Frau die Schuld zu, weil sie sich durch weibliche Eigenschaften wie Triebhaftigkeit, Schwäche und Boshaftigkeit der Versuchung im Paradies erlegen war. Als schlechtestes Wesen der Schöpfung degradiert, war sie den Versuchungen des Teufels deshalb leichter zugänglich. Einerseits verkörperte die Frau deshalb das Magische und Bedrohliche, auf der anderen Seite war sie jedoch auch die unbefleckte Jungfrau Maria, anbetungswürdig und göttlich.[23]

Zwei extreme Pole standen sich gegenüber, wobei die dunkle Seite für die Kirche die Würde des Göttlichen verloren hatte. Die frauen- und sexualfeindliche Haltung der Kirche überwiegte. Ein weibliches Feindbild war geschaffen und wurde durch die Hexenverfolgung konkret.

War die Ketzerverfolgung bis zum 12. Jahrhundert eine Verfolgung derer, die heidnische Vorstellungen hatte, wurden ab diesem Zeitpunkt die Glaubensabweichungen mit dem Bösen gleichgestellt. Der "alte", auch positive Attribute umfassende Hexenbegriff verband sich mit der ketzerischen Frau und war von nun an ausschließlich negativ behaftet.

Der Hexenhammer von 1487, der durch die Inquisitoren Heinrich Institoris (Krämer) und Jakob Spengler herausgebracht wurde, war Startpunkt für das System Hexenglauben und dessen Verfolgung.

Gebrauchte man vorher das Wort Zauberin so sprach man nun von der Hexe, die mit ausschließlich negativen Attributen versehen war.[24]

2.2. Hexenbilder in der frühen Neuzeit (15.-17. Jh.)

Die Wandlung des Frauenbildes hat die Figur der Hexe hervorgebracht und viele Frauen des 15.Jahrhunderts mit dieser Rolle versehen.

Doch was identifizierte eine Frau damals als Hexe, wie sah sie aus, wie verhielt sie sich?

Der Hexenhammer und die darin enthaltenen Auffassungen vom Bild einer Hexe sind wesentliche Elemente der damaligen Hexendefinition.

Man sprach der Hexe übernatürliche Kräfte zu, die sich vor allem in der Anwendung von Zauberei äußerten. Die Anwendung von Zauberei erlaube ihr demnach die Unterdrückung und Ausübung von Gewalt auf andere Menschen. Durch ihre Unfähigkeit Liebe und Mitgefühl zu empfinden sei sie nicht in der Lage ihre Emotionen auszudrücken. Des Weiteren gebäre sie keine Kinder und gestehe sich keinerlei Schuld ein. Im Fehlen ihrer Weiblichkeit sah man eine Anmaßung der Männerrolle.

Auch die Auffassung vom Flug der Hexe und die Verwandlung in Tiere finden sich innerhalb des Hexenhammers wider. Vervollständigt wird das Bild der Hexe vor allem durch Handlungen, wie die Teilnahme am Hexensabbat und der Teufelsbuhlschaft,[25] die der Hexe von der mittelalterlichen Theologie zugeschrieben wurden.[26]

Die Vorstellung vom Teufelspakt der Hexe wird im 15.Jahrhundert zum Kern des Hexenbildes und führt in erster Linie zu dieser negativen Assoziation.[27]

Das Aussehen spielte eine geringere Rolle als vielfach angenommen. Nach Dingeldein ist über das Aussehen, der als Hexen Verurteilten, kaum etwas in Erfahrung zu bringen. Ob alt oder jung, hässlich oder hübsch und auch Mann oder Frau spielte wohl kaum eine Rolle.

Potentielle Opfer waren Menschen, die am Rande der Gesellschaft anzusiedeln waren.

Vordergründig jedoch Frauen, da diese das Feindbild der Kirche repräsentierten.[28]

Neben ihrem Geschlecht waren die Frauen oft durch ihre Arbeit im heilkundigen Bereich als Feindbild vorbestimmt.[29] Die Heilkunde galt als Attribut der Hexe und die Verdrängung der Frau aus der Heilkunde fällt mit dem Beginn der Hexenverfolgung zusammen.[30]

Zwischen 1450 und 1755 wurden allein in Deutschland über 25.000 Hexenverbrennungen durchgeführt. Noch einmal so viele wurden mit geringeren Strafen versehen und die Mehrheit der Hexenverdächtigen landeten wegen geringer Beweise erst gar nicht vor Gericht.

Bis zum 18.Jahrhundert bestand für einen großen Teil der europäischen Bevölkerung die Welt aus Zauberei, aus schwarzer und weißer Magie. Hexerei war ein allgegenwärtiges Phänomen und die Verdächtigung der Hexerei prägte den Alltag der Menschen.[31]

Erst mit Beginn der Aufklärung im 18.Jahrhundert endeten die groß angelegten Hexenhinrichtungen. 1775 fand in Deutschland die letzte Hinrichtung einer Hexe statt.[32]

2.3. Von der Volkshexe zur Märchenhexe

Heinrich Dingeldein hat sich die berechtigte Frage gestellt ob die Märchenhexe eine historische Konsequenz ist. Ist die Märchenhexe durch den damaligen Hexenbegriff, die schreckliche Hexenverfolgung und Vernichtung geprägt oder ist sie ein eigenständiger Begriff, eine durch die Hand der Brüder Grimm entstandene Figur?

Er hat herausgefunden, dass der Begriff Hexe wie auch die Figur der Märchenhexe sehr vielschichtig ist. Die Analyse zur Herkunfts- und Bedeutungsgeschichte des Hexenglaubens hat gezeigt, wie viele Informationen aus einer vergangenen Zeit in die Märchen aufgenommen worden sind und wie sehr sie somit eine Prägung durch die Geschichte erfahren haben.

Elisabeth Müller sieht in den Märchen das Potential, gesellschaftliche Umbruchsituationen aufzunehmen und den Bedeutungswandel der Geschichte in die Märchen einzubauen.

Sie haben die Wertverschiebung hinsichtlich des Frauenbildes verarbeitet und lassen diesen geschichtlichen Hintergrund vor allem im Bild der Hexe deutlich werden.[33]

Die Märchenhexe spiegelt deutlich Vorstellungen der vorchristlichen Welt wider, der Begriff und die Figur sind vor allem aber mit Ansichten über den Hexenstereotyp des Mittelalters und der frühen Neuzeit versehen. Vor allem das 15. und 16.Jahrhundert, die Kunst und Geschichte dieser Zeit hat auf die Form und den Inhalt des Grimmschen Märchens einen großen Einfluss gehabt.[34]

Die Märchenhexe ist durch diese Zeit geprägt, die Bestandteile dieser Figur, das Bild der Märchenhexe sind jedoch viel umfangreicher.

Rationales und Irrationales wurden bei der Entstehung der Märchenhexe oft vermischt und im Laufe der Zeit hat das Märchen ein ganz eigenes Hexenbild entwickelt, wurde ein geschichtlich gesehen unabhängigeres Bild gezeichnet. Nach dem Volksglauben wurde einer Hexe ein böser Blick zugeschrieben. Dieser Volksglaube hat Eingang in das Märchen gefunden. Um den bösen Blick nach außen hin darzustellen, wurden der Hexe im Märchen rote, glühende Augen gezeichnet.

Das zeigt, dass die Vorstellungen des Volkes, ein geschichtlicher Hexenglaube das Märchen nicht unberührt ließ, das Märchen jedoch Aspekte aufgegriffen und diese verwandelt hat.

In den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ist die Hexe zum Kinderschreck stilisiert. Sie hat Attribute einer Volkshexe aufgenommen und im Märchen vor allem die Aufgabe bekommen böse zu sein und den Kindern als Personifizierung ihrer Ängste zu dienen. Die Hexe des Volksglaubens ist in den Kinder- und Hausmärchen deshalb oft vereinfacht dargestellt, auf ihre Grundzüge reduziert und der dämonische Charakter, den sie im Realen oft zugesprochen bekam, ist auf ein Minimum beschränkt.[35]

Die Gemeinsamkeiten von Volkshexe und Märchenhexe sind dennoch nicht zu übersehen. Sowohl Volks- als auch Märchenhexe zeichnen aus, dass sie übernatürliche Kräfte besitzen und Zauberei betreiben. Auch Schadenszauber, Tierverwandlungen, das Essen von Menschenfleisch und Kindstötungen werden beiden Hexengestalten zugeschrieben. Eine weitere Parallele ist in der Tendenz zu sehen, Volkshexe und Märchenhexe die Attribute weiblich und alt zuzuschreiben.

Auch die Einflüsse der angewandten Foltermethoden und die Todesarten waren sich im Volk und im Märchen ähnlich.[36] Teufelsbuhlschaft und Hexensabbat, die im Hexenhammer die zentrale Hexendefinition stellten, spielen im Märchen jedoch keine Rolle.[37]

Die vielen Gemeinsamkeiten, das ähnliche Bild zwischen der Hexe im Märchen und dem Hexenbild im 15.Jahrhundert zeigen, dass das Hexenbild die Brüder Grimm durchaus prägte. Sie wurden nur wenige Jahre nach der letzten Hexenverbrennung geboren und waren vom Geist dieser Zeit, noch bis zur Darstellung ihrer Märchen hin, beeinflusst.[38]

Vor allem die Märchen der Brüder Grimm in denen die Hexe eine Rolle einnimmt, können zum Prüfstein dafür werden, was vom mittelalterlichen Begriff Hexe volkstümlich geworden ist, wie viel historische Hexe in der Märchenhexe steckt.[39]

Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit der Märchenhexe, mit ihrem Bild, ihrer Rolle, ihrem Sitz im Märchen. Dass die Geschichte auch im Märchen durchaus Bedeutung einnimmt hat dieser Abschnitt versucht darzustellen. Das nächste Kapitel wird sich von dieser Geschichte, von der Geschichte der Volkshexe distanzieren und sich ausschließlich mit der Märchenhexe auseinandersetzen. Im Vordergrund steht ihr Bild nach dieser Abnabelung, die Voraussetzung, dass sie sich im Laufe der Zeit von der Volkshexe distanziert hat und zu einer eigenständigen Figur herangereift ist. Es soll sichtbar werden, dass die Märchenhexe eine andere ist, ein neuer Typ, den die Brüder Grimm geprägt haben.[40]

3. Die Märchenhexe

Die Märchenhexe ist eine bedeutende Figur innerhalb der Märchen der Brüder Grimm, in über 50 Texten tritt sie in Erscheinung.

Man kann die Hexe als Wesen bezeichnen, als jemand, der sich auf der Grenze zwischen dem dämonischen und dem menschlichen Bereich befindet. Rein äußerlich ist sie ein Mensch, zumeist kein sehr schöner aber doch ein menschliches Wesen, während ihre dämonische Seite durch ihre Zauberkräfte geprägt ist. Während der Begriff Hexe vielfältig ist und sich wie beschrieben sehr weit fassen lässt, ist die Gestaltung der Hexe zumeist sehr auf bestimmte Aussehensmerkmale beschränkt.

Ihr Äußeres kann sehr schön sein, in den meisten Märchen ist die Hexe jedoch hässlich. Sie ist eine steinalte Frau, die auf eine Krücke gestützt umherschleicht. Ihre Hautfarbe hat einen gelblichen Ton, sie hat dürre Hände, einen ausgemergelten Körper und eine Warze auf der Nase. Ihr Blick aus zumeist roten Augen ist stechend und ihr Lachen böse und voller Hohn. In vielen Märchen ist sie von einer oder mehreren Katzen umgeben, die ihr in einem Märchen auch als Flughilfe dienen.

Dieses hässliche Äußere entspricht in den meisten Fällen dem Charakter der Hexe. Eine Hexe erkennt man an ihrer Boshaftigkeit, denn diese ist ihr zentrales Kennzeichen. Hass, Neid und Hochmut sind der Ursprung für ihre Handlungsweisen. Ihr Handeln ist deshalb auf das Bestrafen und Peinigen von anderen ausgerichtet wobei die Methoden äußerst vielfältig sind. Im Mittelpunkt steht die Verzauberung von Menschen in Gegenstände vor allem jedoch Tiere. Auch das Brauen von giftigen Getränken und anderen verhexten Mittelchen gehört zu ihrem hexerischen Repertoire.[41]

Charakteristisch für die Hexe im Märchen ist zudem ihr kannibalisches Wesen.[42]

Einige Hexen in den Märchen der Brüder Grimm haben kannibalische Züge, die sie in ihrem Vorhaben vorantreiben, Kindern aufzulauern, Menschen zu zerstückeln und zu verspeisen und sie wie im Märchen „Hänsel und Gretel“ vorher noch zu mästen.

Die Forschung zeigt, dass dieses Motiv im Märchen erst verarbeitet wurde, als die Zeit des Kannibalismus längst vorüber war. Die Frage nach der Zuweisung der Hexe als Kannibalin, lässt sich durch die Sichtung verschiedener Volkserzählungen eindeutig festlegen. In allen Volkserzählungen besitzt der Menschenfresser das Attribut böse und Verbrechen dieser Art werden nur dämonischen Figuren zugtraut. Nach dem Volksglauben trugen im Volk als Hexe geoutete Menschen kannibalische Züge,[43] da diese ihre zauberischen Fähigkeiten durch kannibalisches Vorgehen in sich aufnahmen.[44] Diese Vorstellung wurde auf die Märchen übertragen und die Hexe zum Kannibalen erklärt. Die der Hexe in ihren Handlungen zugesprochene Grausamkeit lässt sich in ihrer kannibalischen Vorgehensweise somit im Besonderen nachweisen.[45]

Die Macht und die zauberischen Fähigkeiten der Hexe scheinen unendlich und dieser Schein der Unbesiegbarkeit verleiht ihr zudem den Charakter der Unsterblichkeit.

Nur der Held des Märchens ist in der Lage die Hexe zu bezwingen. Wenn es ihm gelungen ist, bedeutet das in der Konsequenz des Märchens, den Tod der Hexe. Nur dann kann ihr Zauber gebrochen und ihre Macht aufgehoben werden.

Nicht nur die zauberischen Methoden der Hexe sind zahlreich und grausam sondern auch die Todesarten denen sie erliegt. Die Todesarten der Märchenhexe verweisen sehr oft auf ihre historische Vergangenheit. Neben der Hexenverbrennung im Märchen war auch zur Zeit der Hexenverfolgung das Verbrennen auf dem Scheiterhaufen eine vermehrt angewendete Todesart. Zudem findet das Ertränken in den Märchen Anwendung, wobei die Hexe in ein Fass gesteckt wird, das in vielen Fällen mit Nägeln versehen ist. Auch das Aufhängen, Köpfen oder Erschlagen lässt sich in den Märchen als Todesursache der Hexe finden. In manchen Fällen wird sie auch in eine Schlangengrube geworfen, im Meer ausgesetzt oder auf ein Schiff gebracht, das mit Löchern präpariert wird.[46]

Die Hexe wohnt in den meisten Märchen alleine in einem Häuschen im Wald, das mit dem Zusatz verwünscht oder verzaubert versehen wird. Aus volkskundlicher Sicht stellt das Hexenhaus oder auch Knusperhäuschen eine Verbindung zu Herbergswesen vergangener Zeiten her. Damals bot es den Vorüberkommenden Schutz und für die Nacht ein Dach über dem Kopf. In den Märchen wird diese Funktion nur als Vorwand genutzt, um die Vorbeikommenden zu ködern. Das einladende Äußere vermittelt das Gefühl von Schutz, Geborgenheit und dem Wissen, das Hungergefühl bekämpfen zu können. Das Haus wird somit zweckentfremdet und ist nur dem Anschein nach eine Herberge.

Das Häuschen strahlt eine Anziehungskraft aus und wirkt auf die Besucher als Köder, insbesondere im Märchen von „Hänsel und Gretel“ ist es als Zuckerhäuschen in erster Linie zweckbestimmt. Die Macht und das unheimliche Wesen der Hexe haben sich auf das Haus übertragen und lassen es für Besucher zur Falle werden. Der Wirkungsbereich der Hexe geht jedoch über ihr Häuschen hinaus. Auch der Wald ist zu ihrem Territorium geworden.[47]

Neben dem Hexenhaus ist auch der Wald untrennbar mit der Figur der Hexe verbunden und dient als Symbol für eine magische Welt, die außerhalb der realen, menschlichen Welt liegt. Der Wald ist der dämonische Bereich der Hexe, der alle gefangen nimmt und in eine magische Welt führt, die ihn betreten.[48]

Wilhelm Grimm sieht den Wald und dessen Stimmung als wesentliches Merkmal des deutschen Volksmärchens. Das dunkle, unheimliche, dämonische wird für die Handlung des Märchens zum wichtigen Inventar. Der Wald wird zu einem Netz, das sich um die Eindringenden webt und sie gefangen nimmt. Die Märchenhexe ist auf untrennbare Weise mit dem Wald verbunden und ihr dämonischer Charakter tritt besonders deutlich in Erscheinung, weil auch sie diese Attribute in sich vereint.

Indem der Wald die negativen Attribute der Hexe verstärkt, ist er neben dem Hexenhäuschen zum Inventar der Hexe geworden. Da sie untrennbar mit der Hexe verbunden sind, vervollständigen diese Symbole das Hexenbild.

Die Darstellung des Hexenbildes im Märchen bringt die Unterschiede zwischen Volkshexe und Märchenhexe deutlicher hervor. Im Vergleich zur Märchenhexe kann für die Volkshexe kein Bezug zu den Wäldern hergestellt werden. Dieser und andere durch das Märchen geprägte Unterschiede lassen erkennen, dass die Hexe des Märchens ein eigener Typ geworden ist und innerhalb des Märchens eine ihr zugedachte Rolle erfüllt.[49]

Demnach ist die Märchenhexe zum Gegenstand vieler Deutungsversuche geworden und ihr Wesen und Handeln sind oft in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Mit ihr haben sich die Deuter intensiver auseinandergesetzt als mit vielen anderen Märchenfiguren. Die Deutungen sind deshalb zahlreich und auf viele Deutungsrichtungen verteilt. Um dieser Vielfalt gerecht zu werden, ist das Aufzeigen der wichtigsten Deutungsergebnisse von Interesse.

Viele Deutungen beziehen sich auf den Zusammenhang zwischen Volks- und Märchenhexe und sehen in der Märchenhexe ein Überbleibsel des Hexenbegriffs zur Zeit der Hexenverfolgung.[50]

Der nationalistischen Deutungsrichtung entsprechend, lässt sich nach Werner von Bühlow die Hexe im Märchen auf die historische Hexe der Hexenverfolgung zurückführen.Sie ist eine Verteufelung der germanischen Gottesvorstellung. Eine Reinkarnation des Bösen. Andererseits nimmt sie eine Hauptrolle in den Kindermärchen der Brüder Grimm ein und vermittelt den jungen Lesern ein abschreckendes Beispiel. Sie überträgt eine einfache Kinderstubenmoral und spiegelt somit den Charakter einer Zeit wieder.[51]

Auf dieser Herkunftszuweisung aufbauend, nimmt die Hexe für viele Deuter eine wichtige Stellung innerhalb des Märchens ein. Die Herkunft der Märchenhexe scheint somit unumstritten, die Entwicklung zu einer eigenständigen und von einem alten Hexenbegriff weitgehend unabhängigen Figur wird von den Deutern bestätigt.

Eine weitere Deutungsgrundlage um das Wesen der Hexe zu bestimmen, ist die literaturwissenschaftliche – volkskundliche Sicht. Ihr bekanntester Vertreter Max Lüthi, sieht in der Figur der Hexe keinen Menschen mit guten und bösen Seiten sondern ausschließlich die Verkörperung des Bösen.[52]

Nach Erich Wulffens juristisch-kriminalistischer Deutung, ist das Volksmärchen von einem ständigen Kampf zwischen Gut und Böse geprägt. Die Hexe nimmt den Part des Bösen ein und handelt gegen alle Gesetze. Sie dient dem Leser als abschreckendes Beispiel als Anschauungsobjekt, wie man sich nicht zu verhalten hat.

Da sie ein bestimmtes Rollenmuster ausfüllt, hat sich die Märchenhexe für das Märchen und dessen Inventar zu einer wichtigen Figur entwickelt.[53]

Die Vervollständigung des Hexenbildes

Um dazustellen wer die Märchenhexe ist, welches Hexenbild sie nach außen hin verkörpert, genügt es nicht die Hexe nach dem Maßstab des Wortes Hexe zu nehmen. Es ist nicht ausreichend nur die als Hexe bezeichneten Figuren in den Vordergrund zu stellen. Für das vervollständigen des Hexenbildes spielen weitere Figuren eine große Rolle.Denn in mehr als einem Fünftel der Grimmschen Märchen kommen Gestalten vor, die nicht als Hexen bezeichnet werden sondern in ihrem Wesen und Aussehen der Figur der Hexe entsprechen und die aufgrund ihrer hexerischen Züge mit einbezogen werden müssen.[54]

Nicht nur der Vorrat an Hexenfiguren ist umfangreich sondern auch das Bild der Hexe, ihr Charakter, ist vielschichtig. Um diesem Umfang und der Vielschichtigkeit gerecht zu werden, um zu bestimmen, wer die Märchenhexe ist und welche Eigenschaften sie vereint, hat Sigrid Früh das Hexenbild in drei Arten unterteilt. Dazu zählen die Vernichtende und Bedrohende, die Hilfreiche und Heilkundige und die mythischen Gestalten.[55]

[...]


[1] Vgl. Ziegler Matthes, Die Frau im Märchen, Leipzig 1937, S.232.

[2] Zitiert nach Früh, Sigrid (Hg.), Märchen von Hexen und Weisen Frauen, Frankfurt/Main 1986, S.7.

[3] KHM 15 AaTh 327

[4] Zitiert nach Röhrich, Lutz, „und weil sie nicht gestorben sind…“, Verlagsort Köln (u.a.) 2002, S.129.

[5] Vgl. Röhrich, Lutz, „und weil sie nicht gestorben sind…“, S.130.

[6] Vgl. Freund, Winfried, Deutsche Märchen, München 1996, S.45.

[7] Vgl. Dingeldein, Heinrich J., Hexe und Märchen, Früh, Sigrid; Wehse Rainer (Hg.), Die Frau im Märchen, Band 8, Kassel 1985, S.50.

[8] Vgl. Gerlach, Hildegard, Artikel „Hexe“, in: Brednich, Rolf Wilhelm (Hg.), Enzyklopädie des Märchens, Band 6, Berlin 1990, S.962.

[9] Vgl. Jacoby, Mario, Kast, Verena, Riedel, Ingrid, Das Böse im Märchen, Fellbach 1978, S.198f.

[10] Vgl. Schmidt, Friederike, Märchenanalyse – Eine Analyse dreier Märchen der Brüder Grimm, Studienarbeit, Universität Dortmund 2004/2005, S.5.

[11] Vgl. Dingeldein, Hexe und Märchen, S.52.

[12] Vgl. Gerlach, Hexe, S.960.

[13] Der Begriff matristisch soll nach Ernest Bornemann (1975) verwendet werden. Die Begriffe matriarchal bzw. mutterrechtlich sah er als inkorrekt an. Das Wort Matriarchal ist nach seiner griechischen Wurzel archos mit Herrscher zu übersetzen. Matriarchal würde dementsprechend die Herrschaft der Mutter bedeuten. Jene Kulturen zeichnen sich nicht dadurch aus, dass die Mütter ihre Macht zur Beherrschung der Männer verwenden. Sie herrschen in diesen Kulturen nicht, worin sich der Unterschied zum Patriarchat, einem Herrschaftssystem, abzeichnet. Vgl. Müller, Elisabeth, Das Bild der Frau im Märchen: Analysen und erzieherische Betrachtungen, München: Profil-Verlag 1986, S.20-21

[14] Vgl. Gerlach, Hexe, S.960.

[15] Vgl. Müller, Elisabeth, Das Bild der Frau im Märchen: Analysen und erzieherische Betrachtungen, München 1986, S.20ff.

[16] Vgl. Früh, S.9.

[17] Vgl. Müller, Elisabeth, Das Bild der Frau im Märchen, S.20ff.

[18] Vgl. Müller, S.20ff.

[19] Vgl. Dingeldein, S.52.

[20] Vgl. Schmidt, S.5.

[21] Vgl. Früh, S.7.

[22] Vgl. Dingeldein, S.52f.

[23] Vgl. Gerlach, Hildegard, Hexen, Brocken, Walpurgisnacht, Faust Museum Sonderausstellung Knittlingen 1980, S.20ff.

[24] Vgl. Dingeldein, S.53.

[25] Vgl. Dingeldein, S.54.

[26] Vgl. Jacoby, Kast, Riedel, S.199.

[27] Vgl. Gerlach, Hildegard, Artikel „Hexe“, S.962.

[28] Vgl. Früh, S.10.

[29] Vgl. Heinemann, Evelyn, Hexen und Hexenglauben: Eine historisch-sozial-psychologische Studie über den europäischen Hexenwahn des 16. und 17.Jahrhunderts, Band 478, Frankfurt/Main, New York 1986, S.83.

[30] Vgl. Früh, S.10.

[31] Vgl. Behringer, Wolfgang (Hg.), Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, München 1988, S.194f.

[32] Vgl. Behringer, S.404.

[33] Vgl. Müller, S.27.

[34] Vgl. Vordemfelde, Hans, Die Hexe im deutschen Volksmärchen, in: o.A. (Hg.), Festschrift Eugen Mogk, Halle an der Saale 1924, S.558f.

[35] Vgl. Böhm-Korff, Regina, Deutung und Bedeutung von Hänsel und Gretel: Eine Fallstudie, Band 21, Frankfurt/Main 1991, S.109f.

[36] Vgl. Dingeldein, S.57f.

[37] Vgl. Röhrich, Lutz, Das Bild der Frau im Märchen und im Volkslied, in: zu Solms-Lich, Wilhelm (Hg.), Das selbstverständliche Wunder, Band 1, Marburg 1986, S.84.

[38] Vgl. Schmidt, S.11.

[39] Vgl. Vordemfelde, S.559.

[40] Vgl. Dingeldein, S.58.

[41] Vgl. Ziegler, S.232

[42] Vgl. Gerlach, Artikel „Hexe“, S.965

[43] Vgl. Böhm-Korff, S.108f.

[44] Vgl. Peuckert, Will-Erich, Deutsches Volkstum in Märchen und Sage, Schwank und Rätsel, Band 2, Berlin 1938, S.22.

[45] Vgl. Böhm-Korff, S.108f.

[46] Vgl. Dingeldein, S.56.

[47] Vgl. Vordemfelde, S.570ff.

[48] Vgl. Böhm-Korff, S.110ff.

[49] Vgl. Vordemfelde, S.570ff.

[50] Vgl. Böhm-Korff, S.66f.

[51] Ebd. S.50.

[52] Ebd. S.98.

[53] Ebd. S.54f.

[54] Vgl. Röhrich, „und weil sie nicht gestorben sind…“, S.130.

[55] Vgl. Früh, S.15ff.

Details

Seiten
77
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640389605
ISBN (Buch)
9783640389872
Dateigröße
694 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132870
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Germanistik
Note
2
Schlagworte
Hexe Märchen Brüder Grimm

Autor

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Titel: Die Hexe in ausgewählten Märchen der Brüder Grimm