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Unterrichtsstunde: "Rolltreppe abwärts" von Hans Georg Noack - Prozess gegen Jochen vorbereiten und erarbeiten

Unterrichtsentwurf 2009 21 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

1. Reihenplanung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Lernvoraussetzungen

Seit Schuljahresbeginn 2008/09 unterrichte ich die Klasse 7b eigenverantwortlich in vier Wochenstunden im Fach Deutsch. Im Zweiwochenrhythmus hat die Lerngruppe dienstags zusätzlich zwei Stunden, die jedoch meine Ausbildungslehrerin Frau xx unterrichtet, da ich an diesem Tag Studienseminare habe. Frau xx und ich unterrichten allerdings themendifferenziert, so dass ich meine Unterrichtseinheiten selbstständig und eigenverantwortlich mit der Klasse erarbeiten kann.

Die Klasse 7b setzt sich aus 17 Jungen und sieben Mädchen zusammen. Dem extrovertierten Anteil der Jungen, der eine Mehrheit darstellt, steht eine kleine Gruppe von Mädchen gegenüber, die sich im schriftlichen Ausdruck durchaus als kompetent erweisen, denen es jedoch – bis auf xx – schwer fällt, sich vor der Klassengemeinschaft zu äußern. Die offensichtliche Unterzahl der Mädchen wirkt sich auf deren Mitarbeitshaltung aus, indem sie kaum bis gar nicht aktiv am Unterricht teilnehmen.

Ich unterrichte die Klasse sehr gerne, obwohl die Arbeitsatmosphäre nicht immer zufriedenstellend ist. Ein Teil der Schüler – vor allem die Jungen – fällt durch sehr lebhaftes Verhalten auf. xx profilieren sich zudem durch vorpubertierendes und albernes Verhalten. Oftmals gelingt es ihnen, die ganze Klasse durch ihr Verhalten abzulenken, da ein Ignorieren von Seiten der Lerngruppe in dieser Altersstufe nicht immer möglich ist. Bisher bin ich diesem Verhalten mit Ermahnungen entgegengetreten, was meistens dazu führte, dass die Klasse wieder konzentriert arbeitete. Dies gelingt jedoch nicht immer auf Anhieb. Besonders nach der fünf-minütigen Pause, die ein fester Bestandteil jeder Doppelstunde ist, fällt es den Schülern oft schwer, sich wieder konzentriert dem Unterrichtsgeschehen zu widmen. Ich achte deshalb darauf, dass ich die Pause nicht zu früh gebe, obwohl die meisten Schüler bereits nach 40-45 min. nach dieser verlangen. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Schüler der 7b mir gegenüber sehr aufgeschlossen sind. Ich empfinde die Lehrer-Schüler-Beziehung als überwiegend vertrauensvoll und freundlich.

Die Klasse ist es gewohnt, Arbeitsaufträge in Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit zu bearbeiten. Während Gruppenarbeiten fällt es ihnen jedoch häufig schwer, den Lärmpegel niedrig zu halten. Durch wiederholtes Bewusstmachen des Problems werden die Schüler demgegenüber jedoch zunehmend sensibel und es sind immer wieder Phasen zu verzeichnen, in denen das kooperative Arbeiten in beruhigter Atmosphäre stattfindet. In Einzelarbeit sind die Kinder gut in der Lage, sich zu konzentrieren und ruhig zu arbeiten. Dennoch gibt es hier in Bezug auf die Motivation, das Arbeitstempo und die Selbstständigkeit z.T. große Unterschiede.

Der Leistungsstand der Klasse ist im Durchschnitt gut bis befriedigend und weist keine auffälligen Besonderheiten auf.

Piagets Entwicklungsstufen zufolge befinden sich die Schüler ab dem Alter von 12 Jahren im „formaloperationalen Stadium“.1 Das formaloperationale Stadium ist charakterisiert durch abstraktes Denken und das Ziehen von Schlussfolgerungen.2 Bisher gab es keine Anzeichen dafür, dass die Schüler Schwierigkeiten dabei haben, auch komplizierte Sachverhalte zu verstehen und abstrakte Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Mehrheit der Schüler zeigt sich an den Inhalten des Deutschunterrichtes interessiert. Eine besonders intensive Arbeit findet im Zusammenhang mit literarischen Texten statt. Nach meinen Beobachtungen macht es vielen Schülern besonders Spaß, Interaktionen zwischen Textcharakteren aufzudecken, sich von der Spannung des Erzählten mitreißen zu lassen oder in bestimmte Rollen hineinzuschlüpfen. Die Schüler sind zudem äußerst diskussionsbereit und –fähig. Da ich in der Vergangenheit sehr positive Erfahrungen im Zusammenhang mit Rollenspielen oder szenischen Darstellungen gemacht und den Eindruck habe, damit bei den Schülern nachhaltiges Textverständnis gefördert zu haben, möchte ich in der heutigen Stunde an dieses Interesse anknüpfen. In einer Gerichtsverhandlung sollen sie u.a. der Fragestellung „Welches Urteil ist für Jochen gerecht?“ nachgehen. Die Klasse beschäftigt sich im Deutschunterricht seit ca. drei Wochen mit dem Roman „Rolltreppe abwärts“. Die Schüler sind überwiegend motiviert und interessiert an den Inhalten des Romans. Sie hatten vor der Behandlung des Jugendbuches im Unterricht ca. zwei Monate Zeit, dieses zu Hause zu lesen und ein Lesetagebuch mit Arbeitsaufträgen anzufertigen. Inhaltliche Aspekte des Lesetagebuchs werden seither vertieft. Bisher haben die Schüler

- die verschiedenen Figuren des Werkes charakterisiert,
- ihre Beziehung zum Protagonisten Jochen erarbeitet und
- sich kritisch mit dem Standpunkt Jochens auseinandergesetzt, warum er glaubt, von seiner Mutter ins Heim gegeben worden zu sein.

Vorbereitend auf diese Unterrichtsstunde sollten die Schüler als Hausaufgabe einen Aufsatz darüber schreiben, warum sie denken, weshalb Jochen wirklich im Heim ist. Da es in der Klasse häufig vorkommt, dass die Schüler ihre Hausaufgaben nicht erledigen, gehe ich davon aus, dass nicht alle diese Aufgabe erfüllt haben.

3. Lernziele

3.1. Grobziele

Die Schüler erarbeiten die kriminelle Entwicklung des Protagonisten Jochen, problematisieren, unter welchen Umständen er kriminell wurde, entwickeln Alternativen und erarbeiten in Gruppen ein Rollenspiel (Gerichtsverhandlung).

3.2. Feinziele

kognitiver Lernzielbereich

Die Schüler sollen...: sich kritisch mit der kriminellen Entwicklung Jochens auseinandersetzen, indem sie

- reflektieren, inwieweit Jochen für seine Taten selbst verantwortlich ist bzw. andere Figuren des Romas eine Mitschuld tragen und somit Einsicht in mögliche Ursache/Motive von Straftaten gewinnen.
- ein Rollenspiel (Jochen vor Gericht) erarbeiten, in dem die Frage geklärt werden soll, ob Jochen schuldig oder unschuldig ist und welche Konsequenzen er aus seinen Taten zieht. erkennen, dass nicht nur die Persönlichkeit eines Menschen (hier: Jochen) über eine mögliche Entwicklung zur Kriminalität entscheidet, sondern auch das Zusammentreffen ungünstiger persönlicher, sozialer, materieller sowie situativer Bedingungen. ihre literarische Kompetenz erweitern, indem sie den Roman – wenn nötig – kriteriengeleitet lesen. sich in eine Figur des Romans hineinversetzen und deren Standpunkte vertreten. in Teilen ihre Präsentations-, Begründungs- und Diskussionskompetenz verbessern, indem sie über Alternativen zu Jochens Handeln und Verhaltensweisen diskutieren sowie ein Rollenspiel (Jochen vor Gericht) erarbeiten und vorstellen. methodischer Lernzielbereich

Die Schüler sollen...: die Platzdeckchen-Methode kennen lernen, ihre Anwendung verstehen und dadurch zu effektiven Ergebnissen gelangen. sozial-affektiver Lernzielbereich

Die Schüler sollen...: lernen, sich innerhalb der Klasse bzw. einer Gruppe einzuordnen sowie gegenseitig Rücksicht und Toleranz zu zeigen. Haltungen und Einstellungen eines fairen und kooperativen Lernens erlernen, indem sie verschiedene Meinungen tolerieren und konstruktiv diskutieren. in Einfühlungsvermögen und differenzierter Betrachtungsweise geschult werden. lernen, innerhalb einer Gruppe Verantwortung für ein gemeinsames Ziel zu übernehmen. Freude am (gemeinsamen) Aktiv-Sein haben.

4. Verlaufsplanung

HA zur Stunde (vorbereitend): „Warum ich hier bin?“ Schreibe einen Aufsatz, in dem du aus Jochens oder deiner Perspektive schilderst, warum Jochen (wirklich) im Heim ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Vgl. Oerter/Montada: Entwicklungspsychologie. Weinheim 1995, S. 540.

2 Vgl. Ebd.

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640409792
ISBN (Buch)
9783640409860
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132807
Institution / Hochschule
Studienseminar Potsdam
Note
o.N.
Schlagworte
Unterrichtsstunde Rolltreppe Hans Georg Noack Prozess Jochen

Autor

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