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Die Geschichte der Popforschung

Essay 2006 6 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Popularmusikforschung in Deutschland

Einleitung

Das Ziel dieser Arbeit ist es, einen zusammenfassenden Überblick über die Entwicklung der Popmusik und die damit verbundene musikwissenschaftlichen Forschung zu bieten. Dabei sollen zwei Einschränkungen gemacht werden. Zeitlich beschränkt sich diese Darstellung auf die Entwicklung seit den Anfängen in den fünfziger Jahren bis in die neunziger Jahre. Geographisch beschränke ich mich auf die Region der Bundesrepublik Deutschland.

Um die Entwicklung der Popmusik überhaupt beschreiben zu können, ist es zunächst nötig, den Begriff Popmusik selbst näher zu definieren und einzugrenzen.1 Das ist insofern schwierig, dass es nicht nur keine eindeutige Definition gibt, sondern dass es auch verschiedene Positionen gibt, deren Meinungen unter Umständen sogar gegenläufig sind. Darüber hinaus unterlag das Verständnis des Begriffs Popmusik seit seiner Entstehung bis heute noch einem stetigen Wandel.

Als Kürzel für populäre Musik stammt der Begriff aus dem Amerikanischen, wo „popular music“ zunächst als Abgrenzung der von Erwachsenen bevorzugten Musik zum Rock’n’Roll der Jugendkultur zu verstehen war. Später rückte allerdings die Abgrenzung gegen Rockmusik in den Vordergrund, wobei Popmusik als abwertender Begriff im Gegensatz zu Rockmusik zu verstehen war. Später bekamen auch marktspezifische Überlegungen ein stärkeres Gewicht bei der Bewertung von Musik als Popmusik. Darüber hinaus entwickelte sich mit der Zeit ein weiteres wichtiges Kriterium: Die Verbindung von Popmusik mit Tanz- und Diskokulten. Die kommerzielle Perspektive der Popmusik wurde zudem durch die Einführung des Musikfernsehens weiter verstärkt.

Diesevornehmlich von der amerikanischen Musikkultur beeinflusste Auffassung von Popmusik, die sich weitestgehend mit unserer heutigen Definition deckt, doll die Grundlage für die folgende Darstellung der Entwicklung in der Forschung geben. Allerdings lassen sich die Anfänge populärer Musik wesentlich weiter zurückverfolgen. Demnach lässt sich auch die Unterhaltungsmusik seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts2 als populäre Musik verstehen und bezieht somit auch Formen wie Volkslieder, Operetten, Tanz- und Kaffeehausmusik und später auch Musicals mit ein. Mit der Weltwirtschaftskrise und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs fand allerdings ein erheblicher Umbruch in Deutschland und in ganz Europa statt, der schließlich dazu führte, dass sich die amerikanische Popkultur nach dem Krieg als dominierende Stilrichtung durchsetzte.

Zusammenfassend kann man also lediglich festhalten, dass eine eindeutige Definition des Begriffs „Popmusik“ nicht möglich ist. Es lassen sich allenfalls Tendenzen erkennen, die allerdings einem stetigen Wandel unterworfen sind. Trotzdem gibt es Faktoren, die als konstante Elemente der Popmusik gelten können. Es handelt sich um meist oral tradierte oder über Medien überlieferte3, selten aber schriftlich festgehaltene Musik, die überwiegend in die Kategorie der Unterhaltungsmusik einzuordnen ist.

Problematik

Eins der Kriterien für Popmusik, nämlich die orale Tradierung, ist gleichzeitig auch einer der Gründe für deren weitgehende Nichtbeachtung in der traditionellen Musikwissenschaft. Andere Gründe sind die oft tendenziell eher einfachen musikalischen Strukturen, wobei die Bandbreite populäre Musik auch strukturell anspruchsvolle Stücke hervorgebracht hat. Außerdem standen zu Beginn des 20. Jahrhunderts die subversiven Entwicklungen der Zweiten Wiener Schule im Mittelpunkt des Interesses der Musikwissenschaft. Stattdessen stieß Popmusik in anderen Disziplinen schon früh auf gesteigertes Interesse. Daraus entstand im Laufe der Zeit ein multidimensionales sowie disziplinenübergreifendes Konzept, das unter anderem Musikpädagogik, Musikpsychologie, -Ethnologie, und –Psychologie, Systematische Musikwissenschaft, aber auch Medien- und Kulturwissenschaften mit einbezieht4 und sich nicht auf die Bewertung von Popmusik anhand musikstruktureller Analysemittel beschränkt. Diese Entwicklung soll im Folgenden bei der chronologischen Darstellung der Geschichte der Popmusik in Deutschland deutlich werden.

Entwicklung der Popforschung von 1950-1990

Im Deutschland der Nachkriegszeit fehlte es an Vielem, so bestand auch im musikalischen Bereich noch Nachholbedarf.5 Während des Krieges wurde vor allem Marschmusik, diese meist zu Kriegszwecken instrumentalisiert, gespielt und so stellte die Musik, die vor allem auch von den amerikanischen Besatzern nach Deutschland gebracht wurde, einen krassen Geg]ensatz zu den üblichen Hörgewohnheiten dar. Rock’n’Roll und das damit einhergehende neue positive Lebensgefühl galten als Revolution und wurden vor allem von den Jugendlichen begeistert aufgenommen, die sich damit vom Geschmack und den Werten ihrer Eltern absetzen wollten. Die Musik hatte ihre Wurzeln in der afroamerikanischen Kultur und war zunächst überwiegend mündlich tradiert worden, bevor mit den mit Massenmedien wie Schallplatten, später CDs und Musikvideos neue Möglichkeiten entstanden.

Neben Rock’n’Roll, nahm zunehmend auch Jazzmusik Einfluss in Deutschland. Es gab zwar schon in den fünfziger Jahren erste Ansätze, eine Jazzforschung in Deutschland zu etablieren, allerdings gelang dies im universitären Bereich erst in den sechziger Jahren.

Zu den ersten Universitäten, die Jazzmusik in den Lehrplan aufnahmen, gehörte auch die Gießener Universität mit einem Forschungsschwerpunkt Jazz neben der systematischen Musikwissenschaft. Darüber hinaus kam es dann auch in den sechziger Jahren zu Gründung der Internationalen Gesellschaft für Jazzforschung.

Der Versuch, Schlagermusik nach den gleichen Kriterien zu beurteilen wie Kunstmusik scheiterte und ließ lediglich erkennen, dass Schlager in ihrer musikalischen Struktur meist einfach aufgebaut waren. Dies führte schließlich zur Degradierung populärer Schlager zur „Trivialmusik, die für die musikwissenschaftliche Forschung uninteressant waren. Für populäre Musik mussten also andere Analysekriterien gefunden werden als jene, die bisher für die Kunstmusik galten. In den sechziger Jahren entwickelte Hermann Rauhe daher ein Analysemodell, das neben musik- und textstrukturellen Primärkomponenten auch auf andere Aspekte eingeht, nämlich soundbezogenen Sekundärkomponenten, tonträgerspezifische Tertiärkomponenten und markttypische Quartärkomponenten.

Das große Interesse der Musikpädagogik an Popmusik lässt sich relativ einfach erklären, wenn man die Praxis des Musikunterrichts in den sechziger Jahren betrachtet. Auf dem Lehrplan stand lediglich klassische Musik, was im krassen Gegensatz zu den Musikpräferenzen der Schüler stand. Da Popmusik vor allem für Jugendliche von Bedeutung war und auch heute noch ist, die Gründe dafür sollen später noch erläutert werden, ist es eine logische Schlussfolgerung, dass vor allem Lehrer und Soziologen, die sich überwiegend mit dieser Altersgruppe beschäftigen, gesteigertes Interesse an Popmusik hatten.

[...]


1 Die folgende Darstellung orientiert sich an: Peter Wicke, Popmusik (Musik in Geschichte und Gegenwart Sp 1692-1694... MGG SP 1692-1694 (Peter Wicke, Popmusik)

2 Vgl. Reinhard Flender; Hermann Rauhe, Popmusik, S. 19f

3 Vgl. Helmut Rösing, „Popularmusikforschung“ – von den Anfängen bis zu den 1990er Jahren, S. 13

4 ibid. S. 13

5 Die folgende Darstellung folgt, sofern nicht anders vermerkt, Helmut Rösing, „Popularmusikforschung“

Details

Seiten
6
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640419272
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132761
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,3
Schlagworte
Popularmusikforschung populäre Musik Einführung in die Musikwissenschaft

Autor

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