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Ovid, amores 1,9

Analyse und Besprechung

Hausarbeit 2007 13 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhalt

1. Einordnung

2. Aufbau

3. Inhalt

4. The „puzzling passage“

5. Schlussbemerkung

6. Bibliographie

1. Einordnung

Ovids neuntes Gedicht aus dem liber primus seines Werkes Amores gehört zu den bekanntesten Elegien der Antike. Das Gesamtwerk selbst behandelt, wie der Name besagt, diverse Themen rund um die Liebe, die Geliebte und das Verliebtsein und zwar stets aus der spezifischen Sicht eines römischen Elegikers. Der Dichter verschmilzt - zumindest fiktiv - vollkommen mit dem lyrischen Ich und schildert im Stile einer Autobiographie seine Erfahrungen und amourösen Abenteuer.

Das neunte Gedicht wird thematisch passend umrahmt. Bei I,8 handelt es sich um ein zentrales Programmgedicht, dass den Mittelpunkt des ersten Buches darstellt1 und von der archetypischen Gestalt der Kupplerin berichtet. WEINLICH sieht die im neunten Gedicht beschriebene „Psychologie der Liebe“ außerdem als „Antwort von männlicher Seite auf Amores I,8, ... (dem) Liebeskonzept der Kupplerin“2. I, 10 hingegen enthält des Sprechers Wehklagen darüber, dass seine Geliebte Geschenke von ihm fordert. Das neunte Gedicht selbst hat nun das berühmte elegische Bild der militia amoris zum Thema, also den Kriegsdienst des Liebenden. Ovid kreiert zahlreiche Beispiele um die Angemessenheit dieses Bildes zu untermauern und im Verlauf einer klar strukturierten Argumentation arbeitet er einen neuen, überraschenden Aspekt des Lebens eines Liebenden heraus.

2. Aufbau

Zu Beginn steht zunächst das sogenannte „Eingangsdistichon“3, welches auf prägnante Weise das Thema des gesamten neunten Gedichts präsentiert, nämlich das der militia amoris. Der nächste Abschnitt besteht aus den Versen 2 bis 30, in welchen nun diverse officia amoris beschrieben werden, wobei die Argumentation für die Eingangsthese so funktioniert, dass jeweils eine Pflicht des Soldaten mit einer entsprechenden Aufgabe des Liebenden verglichen und für jede militärische Handlungsweise eine amouröse Entsprechung gefunden wird. Aufgrund dieser Vorgehensweise spricht HELDMANN bei diesem Teil auch von einer comparatio4. In deren Verlauf „konkretisiert und präzisiert der Redner den abstrakten Begriff der militia amoris5.

Mit dem Wort ergo wird in Vers 31 ganz eindeutig ein neuer struktureller Abschnitt eingeleitet, indem zunächst ein vorläufiges Fazit aus den bisher gezogenen Vergleichen formuliert wird, nämlich, dass Liebe nichts mit Faulheit zu tun habe. Daran schließt sich bis Vers 40 der umstrittenste Teil des Gedichtes an. In diesem untermauert der Dichter die nun gerade gewonnene Schlussfolgerung mit einigen mythologischen exempla6. Warum dieser Abschnitt so kontrovers interpretiert und von einigen Kommentatoren sogar schlicht übergangen wird versuche ich an späterer Stelle darzulegen. Es folgen zwei weitere Distichen (Vers 41-44), in denen nun das lyrische Ich sich selbst als Beispiel dafür angibt, dass Liebe nicht mit Faulheit gleichzusetzen sei. Das letzte Distichon fungiert als Rahmen indem es einen inhaltlichen Bogen zum Beginn der Argumentation schlägt. Der Dichter sieht seine These als bewiesen an und endet mit dem wohlmeinenden Aufruf an den Leser, dass man sich als Mittel gegen die Trägheit der Liebe bedienen solle.

3. Inhalt

Das Gedicht beginnt mit der gleich zweifachen Nennung des zentralen Motivs, nämlich, dass ein Liebender auch zugleich Soldat sei und eine Art Kriegsdienst zu leisten habe7 also habe Cupido auch ein eigenes Heerlager. Der Liebesgott wird also mit einem General gleichgesetzt. Der erste Pentameter enthält außerdem die direkte Anrede an einen gewissen Atticus, an den – zumindest in der elegischen Fiktion – dieses Gedicht wie ein Brief gerichtet ist, um ihn von den Ansichten des lyrischen Ichs zu überzeugen. „The imaginary presence of a third party as audience nonetheless allows Ovid to conflate his roles as poet and lover and so to erase temporarily the dividing line between primary and embedded narratives.”8

Im Folgenden nennt der Dichter nun verschiedene Belege, die beweisen sollen, dass seine Aussage aus dem ersten Distichon der Wahrheit entspricht. Den ersten Beweis liefere das Alter, denn die Jugend, in der die Meisten den Kriegsdienst ableisten, sei ebenso die ideale Zeit, um sich der Liebe hinzugeben. Um das Argument zu verstärken wird es sogleich noch einmal umgedreht: Wer für den Krieg zu alt sei und sich dort lächerlich mache, der tue dies auch in der Liebe, wenn ein bestimmtes jugendliches Alter überschritten sei9. Genau wie für den Kriegsdienst gebe es für die Liebe eine perfekt geeignete Altersklasse und aus dieser suche sich sowohl der General als auch die holde Weiblichkeit ihre bevorzugten Exemplare aus10. LÖRCHER sieht hier die Verknüpfung zwischen Krieg und dem Mädchen bzw. dessen Schönheit vor allem durch ein Wortspiel hergestellt11. Nun vergleicht der Autor die Tätigkeiten, die beiden, dem Soldaten und dem Liebhaber, gemein seien. Beide würden nächtelang auf der bloßen Erde liegen, der eine bewache dabei die Tür seines Mädchens, der andere die seines Feldherren12. Besonders elegant an dieser Stelle ist, dass der Dichter das bekannte elegische Motiv des exclusus amator mit dem der militia amoris verbindet und ersteres durch den Vergleich mit einem wachehaltenden Soldaten somit zu einem Beleg für die Ausgangsthese „militat omnis amans“ werden lässt.

Der folgende Teil widmet sich dem Vergleich im Bezug auf das Überbrücken langer und anstrengender Wegstrecken. So wie ein Soldat lange Märsche in Kauf nehme und dabei natürliche Hindernisse wie Berge und Flüsse überwinde, ebenso folge ein Verliebter auch seiner Geliebten über jedwede Distanz und trotze dabei allen geographischen wie wettertechnischen Herausforderungen13. Mancher Kommentator vertritt sogar die Ansicht, diese Stelle lasse durch die Worte strenuus und exempto fine erkennen, dass der amans dies sogar mit noch größerem Elan als der miles tue14. Auch eine Seereise unternehme sowohl der Eine als auch der Andere und zwar unverzüglich auch unter schwierigsten Bedingungen15. Die Reihe der Vergleiche zwischen dem Dienst eines Soldaten und dem eines Liebhabers wird fortgeführt, wenn das lyrische Ich beide als Späher bezeichnet. Der Soldat beobachte die Feinde und der amator behalte den eigenen Konkurrenten im Auge, so als wäre dieser ein Kriegsfeind16. Wie der Soldat im Krieg eine Stadt belagern würde, so belagere der Liebende die Türschwelle einer Freundin, die für ihn gleich der Stadt für den miles – noch – uneinnehmbar ist. Zudem müssten sich beide gelegentlich gewaltsam Zutritt verschaffen, entweder durch das Tor der Stadt oder die Tür des Mädchens17. Hier verwendet Ovid also den Vergleich mit dem elegischen Motiv des paraklausithyron nur diesmal in der sogenannten „lauten“ Variante, in der der Liebhaber durch den Einsatz von roher Gewalt die Öffnung der Tür erzwingt18.

[...]


1 Vgl. Nachwort der Reclamausgabe, S. 232 oben

2 WEINLICH , S. 59

3 Siehe HELDMANN, S. 46; WEINLICH spricht auch von der propositio, siehe S. 57

4 Siehe HELDMANN, S.46

5 WEINLICH , S.57

6 Siehe HELDMANN, S.46

7 Siehe V. 1f. „militat omnis amans“

8 BOYD, S. 161

9 Siehe V. 3f.

10 Siehe V. 5f.; WEINLICH interpretiert diesen Vers (vielleicht aufgrund einer Konjektur) vollkommen anders und spricht vom „Mut, „ animos “, der sowohl vom Soldaten, als auch vom Liebenden verlangt werde“,

siehe S. 57

11 Vgl. LÖRCHER, S. 40 „quae bello est habilis, Veneri quoque convenit aetas turpe senex miles, turpe senilis amor. Quos petiere duces annos in milite forti, hos petit in socio bella puella viro.”

12 Siehe V. 7f.

13 Siehe V. 9-12 und V.15f.

14 Vgl. WEINLICH, S. 58; Ein anderer Autor sieht aufgrund der starken Übertreibung der geschilderten militärischen Strapazen sogar eine Anspielung auf die archetypische Figur des miles gloriosus, vgl. HOLZBERG (2001), S. 118

15 Siehe V. 12-14

16 Siehe V. 17f.

17 Siehe V. 19f.

18 Vgl. WEINLICH, S.58; HOLZBERG unterstellt zudem eine wesentlich frivolere Bedeutung für das ’Aufbrechen der fores’, vgl. HOLZBERG (1997), S. 23

Details

Seiten
13
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640447053
ISBN (Buch)
9783640447411
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132750
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Schlagworte
Ovid Amores Elegie elegische Dichtung

Autor

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Titel: Ovid, amores 1,9