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Inwiefern können Factoring und Leasing als Finanzierungsinstrumente für Firmenkunden eingesetzt werden?

Wie sind die Märkte aktuell entwickelt und konditioniert?

Seminararbeit 2009 10 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung

3 Factoring
3.1 Arten des Factoring
3.2 Kosten des Factoring

4 Leasing
4.1 Arten des Leasing
4.2 Kosten des Leasing

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im deutschen Finanzsystem findet seit einigen Jahren ein Umbruch statt. Finanzierten sich insbesondere mittelständische Unternehmen lange Zeit ausschließlich über intern generierte Mittel und Bankkredite, so wurden sie als Folge des Finanzmarktwandels in den letzten Jahren verstärkt dazu gezwungen, alternative Finanzierungsquellen zu er-schließen. Der wohl wichtigste Grund dafür ist, dass die Eigenkapitalausstattung eines Unternehmens durch die flächendeckende Anwendung von Ratingverfahren der Banken und Sparkassen bei der Kreditvergabe eine immer wichtigere Rolle für Kreditzugang und Kreditkonditionen spielt1 (Vgl. KFW- Bankengruppe 2006, S. 1).

So gewannen Leasing und Factoring als Alternativen zum Bankkredit eine immer grö-ßere Bedeutung in der Finanzierung von Kleinen und Mittelständischen Unternehmen (KMU).

Nach einer Abgrenzung der Begriffe Factoring und Leasing (Kapitel 2) ist es Ziel dieses Referates zu untersuchen, inwiefern diese beiden Alternativen zur Finanzierung von Unternehmen als Finanzinstrumente für Firmenkunden einsetzt werden können (Kapitel 3). Dabei werden auch aktuelle Zahlen zu den Finanzierungsformen genannt.

2 Begriffsklärung

Unter Factoring ist ein Finanzierungsgeschäft2 zu verstehen, bei dem ein Finanzierungs-institut (Factor):

1. die Forderung seines Klienten (Anschlusskunden) ankauft und sie bis zur Fällig-keit bevorschusst (Finanzierungsfunktion),
2. das Risiko des Forderungsausfalls übernimmt (Delkrederefunktion) und
3. für seinen Klienten die Debitorenbuchhaltung und das Mahnwesen führt sowie das Inkasso betreibt (Dienstleistungs- oder Servicefunktion3). Die Dienstleistung kann zusätzlich auch in der Fakturierung für den Klienten, in der Anfertigung von Statistiken und einer Beratung des Betriebes bestehen (Wöhe/ Bilstein 2002, S. 303).

Leasing ist im weiten Sinn die Überlassung von Wirtschaftsgütern gegen Entgelt. Dabei überlässt der Leasinggeber dem Leasingnehmer ein bestimmtes Objekt, z. B. ein Fahr-zeug oder eine Maschine, für eine bestimmte Zeit (auch Grundmietzeit genannt) zur Nutzung und erhält dafür im Gegenzug ein Entgelt (Vgl. Withöft und Ostendorf 2004, S. 44).

3 Factoring

„Fact o ring wird ersichtlich gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten v o n Unterneh-men als moderner Weg zu dringend ben o tigter Liquiditiit gesehen."

Joachim Secker, Sprecher des Vorstandes des Deutschen Factoring Verbandes

Trotz einer rasanten Entwicklung des Factoringmarktes in Deutschland ist dieser im internationalen Vergleich noch vergleichsweise gering. So wuchs der Factoringmarkt im vergangenen Jahr um 24,35 % und kletterte somit auf einen neuen Rekordumsatz von 103,84 Mrd. Euro (Vgl. Deutscher Factoring Verband e.V. 2009).

Bilanziell schlägt sich der Abschluss eines Factoring- Vertrages in Form eines Aktiv-tausches nieder. Anstelle der verkauften Forderungen aus Lieferungen und Leistungen treten nunmehr Forderungen gegenüber dem Factor, die, wenn es sich bei diesem um ein Kreditinstitut handelt, unter der Position „Guthaben bei Kreditinstituten" aus gewie-sen werden4 (Wöhe/ Bilstein 2002, S. 305). Werden danach diese Mittel verwendet, um — gegebenenfalls unter Skontoausnutzung — Lieferantenverbindlichkeiten abzubauen oder andere Schulden zu tilgen, so tritt eine Bilanzverkürzung ein.

3.1 Arten des Factoring

Übernimmt der Factor alles drei Funktionen (Finanzierungs-, Dienstleistungs- und ins-besondere die Delkrederefunktion) so liegt echtes Factoring vor. Verbleibt jedoch die

Delkrederefunktion beim Klienten handelt es sich um sogenanntes unechtes Factoring (Vgl. Wöhe/ Bilstein 2002, S. 303).

Eine weitere Unterscheidung kann in das offene und das verdeckte Factoring vorge-nommen werden. Beim offenen (oder auch notifizierten) Factoring enthalten die Rech-nungen des Vertragspartners den Hinweis, dass die Forderungen im Rahmen eines Fac­toring- Vertrages abgetreten werden und dass folglich mit befreiender Wirkung nur un-mittelbar an das Factoring- Institut zu zahlen ist. Beim verdeckten (oder auch nichtnotifizierten) Factoring zahlen die Kunden weiter an ihren Lieferanten, da ihnen die Factoring- Beziehung nicht bekannt ist Der Factoring- Klient muss dann die einge-gangenen Zahlungen an den Factor weiterleiten. Eine Zwischenstellung nimmt das halboffene Verfahren ein. Dabei zeigt der Klient durch einen Zahlungsvermerk auf den Rechnungen zuvor die Zusammenarbeit mit dem Factor an, verzichtet jedoch auf eine ausdrückliche Abtretungserklärung5 (Vgl. Wöhe/ Bilstein 2002, S. 303).

In Deutschland wird i. d. R. echtes Factoring, also die Übernahme der Finanzierungs-, Delkredere- und der Dienstleistungsfunktion, meist in der offenen Form betrieben (Standard- Factoring). Verbleibt die Forderungsverwaltung (Rechnungsversand, Debito-renbuchhaltung, Mahn- und Inkassowesen) beim Klienten wird vom Inhouse- Factoring gesprochen.

3.2 Kosten des Factoring

Die Kosten des Factorings setzen sich aus der Factorin- Gebühr, den Zinsen für den Zeitraum der Bevorschussung und sonstigen Kosten zusammen. Dabei ist die Factoring-Gebühr der Preis, den der Vertragspartner für die vom Factor zu erbringenden Dienst-leistungen und für die Übernahme des Ausfallrisikos erhält. Sie wird im Wesentlichen von folgenden Einflussgrößen bestimmt: Jahresumsatz, Anzahl der Kunden, Anzahl der Rechnungen, Struktur des Forderungsbestandes, Branche durchschnittliche Forderungs-laufzeiten und den Ausfallerwartungen der Factoringgesellschaft. Die Höhe Zinssatzes wird sich i. d. R. im Rahmen der Zinskonditionen bewegen, die Geschäftsbanken für vergleichbare kurzfristige Kredite erhalten. Unter den sonstigen Kosten werden die Kosten der Prüfung und Überwachung der Bonität der Abnehmer zusammengefasst.

[...]


1 So wurden mit der Eigenmittelempfehlung Basel II international abgestimmte und gültige Regelungen geschaffen, die aus den drei Bereichen Mindestkapitalerfordernis, Überprüfung durch die Finanzaufsicht und Marktdisziplin besteht (Vgl. Müller 2008, S. ).

2 Diese Definition weist bereits auf einen entscheidenden Punkt hin: Factoring ist ein Kaufgeschäft und kein Kreditgeschäft. Die gesetzlichen Grundlagen finden sich demnach in den Paragraphen 433, 437 und 438 BGB nebst 398 BGB und den Paragraphen 18 und 19 Kreditwe-sengesetz (KWG) (factoring- info 2006).

3 Die Benennung der Funktionen erfolgt maßgeblich bei Horbach, J. 1970.

4 Dabei sind dann die Beträge des Sperrkontos in einer Fußnote anzugeben oder getrennt auszuweisen.

5 Der Kunde kann somit auch mit befreiender Wirkung an seinen Lieferanten zahlen.

Details

Seiten
10
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640415229
ISBN (Buch)
9783640413768
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132704
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
Factoring Leasing Finanzierungsinstrumente Firmenkunden

Autor

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Titel: Inwiefern können Factoring und Leasing als Finanzierungsinstrumente für Firmenkunden eingesetzt werden?