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Märchen in der Sozialen Arbeit

Diplomarbeit 2009 137 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Märchen
1.1. Haupttypen von Märchen und Abgrenzung von benachbarten Gattungen
1.2. Alter und Ursprung des Märchens
1.3. Wichtige Kennzeichne der europäischen Volksmärchens
1.4. Stilmittel
1.5. Das Volksmärchen bei den Gebrüder Grimm
1.5.1. Porträt: Brüder Grimm
1.5.2. Kinder- und Hausmärchen

2. Funktionen der Märchen
2.1. Soziale Funktion.
2.2. Psychologische Funktion
2.3. Pädagogische und erzieherische Funktion
2.4. Ästhetische Funktion

3. Theorien zur Entstehungsgeschichte von Märchen
3.1. Die indogermanische Theorie: Auffassungen der Gebrüder Grimm (Basis aller Märchenforschungen)
3.2. Die Wandertheorien
3.2.1. Die Indische Theorie
3.2.2. Die Finnische Schule
3.3. Die anthropologischen Theorien

4. Tiefenpsychologische Zugänge
4.1. Zur tiefenpsychologischen Märchendeutung
nach C.G. Jung
4.1.1. Individuation
4.1.2. Schatten
4.1.3. Anima und Animus
4.1.4. Das kollektive Unbewusste
4.1.5. Archetypen

5. Exkurs: Russische Märchen
5.1. Der russische Grimm: Aleksander Afanasjew
5.2. Zur Geschichte und Entwicklung russischer
Volksmärchen
5.3. Vladimir Propp und „Morphologie des Märchens“
5.4. Aleksander Puschkin und „Das Märchen von der
Toten Zarentochter und die sieben Recken“

6. Einsatz von Märchen in der Sozialen Arbeit
6.1. Einsatz von Märchen im Kindergarten
6.1.1. Notwendigkeit des Zauberhaften für
das Kind
6.1.2. Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
als Kinderliteratur? Die Frage der Grausamkeit
6.1.3. Wichtige Punkte zur Märchenauswahl und
Erzählatmosphäre
6.1.4. Märchenspiele im Kindergarten
6.2. Märchenarbeit mit Behinderten und kranken Kindern
6.2.1. Sozialer Aspekt der Behinderung
6.2.2. „Ach, wie schön, dass niemand weiß,“ oder
über die Anhaltspunkte für die Arbeit mit Behinderten
6.2.3 Die Heilkräfte der Musikmärchen
6.2.4 Die „inneren“ Konflikte von Schülern
mit Verhaltensstörungen
6.2.5. Konfliktbewältigung durch Märchen im Unterricht
mit Schülern mit Verhaltensstörungen
6.2.6. Beruhigende Wirkung von Märchen auf
hyperaktive Kinder
6.2.7. Märchen und kranke Kinder
6.3. Märchen in Sterbebegleitung
6.3.1. Tod und Sterben als Handlungsfelder
der Sozialen Arbeit
6.3.2. Abschied, Tod und Trauer in den Märchen
6.3.3. Einsatz von Märchen in der Hospizarbeit
6.3.4. Gruppenarbeit mit Märchen im Hospiz
6.4. Märchen als „Türöffner“ zu Menschen mit Demenz
6.4.1. Demenz – Alzheimer Syndrom
6.4.2 Irmgard Wessendorf und ihr
„Plauderstübchen“

7. Gestalttherapeutische Möglichkeiten innerhalb der Märchenarbeit
7.1. Das Lesen, Vorlesen, Erzählen und Erzählenlassen
7.2. Märchen weiterführen, umformen und abändern
7.3. Märchen erfinden
7.4. Das Malen von Märchen

8. Schussbemerkung

9. Literaturverzeichnis

Anhang

Erklärung

Solange den Hilflosen unbewusst war, sie selber könnten

ihrer Unzufriedenheit mit den irdischen Verhältnissen

abzuhelfen, war geheimnisvolle Abhilfe dringend erwünscht

und wenigstens im Märchen willkommen in vielerlei Gestalt

Uwe Jonson

Einleitung

„Von der Zarin nahm der Zar Abschied; lang die Reise war. Und die Zarin klagte sehr, harrt des Zaren Wiederkehr, sitzt am Fenster früh und spät und hinaus ins Weite späht; smerzt vom Sehn ihr das Gesicht, und der Zar kommt immer nicht! Bricht der Winter schon herein, Schnee hüllt Wald und Felder ein. Schon neun Monde sind dahin, und im wehmutvollem Sinn sitzt die Zarin, früh und spät nach des Gatten Heimkehr späht. Weihnachtsabend bricht herein, schenkt ihr Gott ein Töchterlein. Kaum ward ihr dies Glück beschert, als ihr Gatte wiederkehrt; früh am Morgen war er da – und als ihn die Zarin sah, außer sich ganz vor Entzücken, wollte sie ans Herz ihn drücken; doch zu stark war die Erregung, ihre freudige Bewegung schuf der Kranken Weh und Not, und am Mittag war sie tot“

Dieses Märchen „Skazka o mjertwoj Zarewne i semi Bogatyrjax“ (= Märchen von der toten Zarentochter und den Sieben Recken) wurde zu meinem Lieblingsmärchen und wird für immer in allen Einzelheiten in meinem Gedächtnis bleiben. Alexander Puschkin verfasste ein Märchen, das den deutschen Lesern unter dem Titel „Schneewittchen“ bekannt ist, in einer Versform, was dem Märchen einen besonderen Charme verleiht. Diese Version erzählt im Grunde das gesamte Märchen, jedoch mit zahlreichen Unterschieden zur Grimmschen Version.

Es gibt eine unendlich große Zahl von allen möglichen Märchen. In meiner Arbeit möchte ich mich auf einige davon konzentrieren, die sowohl bei mir als auch bei vielen anderen Menschen eine Faszination hervorgerufen haben und als Balsam für die Seele gewirkt haben. Da ich bis zu meinem 30. Lebensjahr in Russland aufgewachsen bin und somit eine besondere Vorliebe für russische Literatur entwickelt habe, möchte ich einen Abschnitt meiner Arbeit diesem wundervollen Märchen widmen und damit den deutschen Lesern eine literarische Reise in die russische Kulturwelt anbieten.

Der Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Untersuchung der Märchen auf ihre Bezüge zur sozialpädagogischen Arbeit mit verschiedenen Klientengruppen. An konkreten Beispielen sollen Voraussetzungen, Verwirklichung sowie Ergebnisse der Einbindung von Märchen in die Praxis aufgezeigt und diskutiert werden.

Damit Aussagen über die Wirkung eines Märchens möglich werden sollen zu Beginn die besonderen Merkmale der Textart „Märchen“ herausgearbeitet werden, welche diese Art von Geschichten von anderen in der Literatur so deutlich abhebt. Dazu folgen die Erkenntnisse von Max Lüthi, deren Darstellungen gattungsspezifische Merkmale und Stilmittel des Märchens erfassen.

Wichtig somit scheint es auch die Ursprünge und Symbolik des Märchens zu kennen. Es wird deshalb versucht, das Volksmärchen von seinen Ursprüngen bis in die Gegenwart hinein zu verfolgen. Eine große Rolle in der Geschichte des Märchens spielt dann die endgültige literarische Fixierung durch die Brüder Grimm in 19. Jahrhundert. Von vielen kritisiert, ist es ihnen zweifelsfrei gelungen, das Volksmärchen auch für kommende Generationen zugänglich zu machen.

Weiter wird die Frage nachgegangen, welche wesentlichen Funktionen das Märchen in der heutigen Zeit erfüllt. Neben seiner psychologischen Funktion wird auch die pädagogische Bedeutung des Märchens aufgehellt und die Beeinflussung der menschlichen Sozialisation (soziale Funktion) näher betrachtet.

Im weiteren Kapitel werden grundlegende Überlegungen und Erkenntnisse der Märchenforschung vorgestellt. Am Ende des 19. Jahrhunderts zeigte auch die Psychologie Interesse an dem Märchen. Der Versuch, Märchen, ihre Motive und Gestalten psychologisch auszudeuten gewann dem Märchen neue Interessenten.

Während Psychotherapeuten und Psychiater sich die heilsamen Kräfte der Märchen schon seit längerer Zeit zunutze machen, ist in der Sozialen Arbeit eine gewisse Lücke spürbar, obwohl man mit entsprechenden Kenntnissen über diese literarische Gattung sehr viel in Bewegung bringen kann. Aufgrund dieser Situation entstand der Wunsch die Wirksamkeit des Märchens mittels verschiedener Methoden bei bestimmten Zielgruppen zu illustrieren.

Wobei die Themenkomplex Märchen im Kindergarten sehr oft in der Literatur behandelt wird, möchte ich in meiner Arbeit diesem Aspekt noch mal entgegenkommen.

Aus Kapazitätsgründen wird eine Einschränkung von den Zielgruppen vorgenommen: Kindergartenkinder, Behinderte, Kranke, demenzkranke Menschen sowie Sterbende und Trauernde – diese Klientel innerhalb der Sozialen Arbeit benötigt besondere Aufmerksamkeit. Bei den genannten Zielgruppen wurden spezielle, für die jeweilige Krisensituation adäquate Märchen herangezogen, die als geeignet erscheinen, um Selbstheilungskräfte und Individuationsprozesse zu aktivieren.

Zum Schluss berichte ich über Methodenvielfalt im Rahmen kreativer Märchenarbeit mit Gruppen und Einzelnen. Hier geht es um verschiedene therapeutische Handlungskonzepte wie Malen, das Schreiben eigener Märchen und den Einsatz von Märchendialogen.

Mit einer persönlichen Selbstreflexion des Verfassers über ein abschließendes Fazit schließt dann die Arbeit.

Nicht nur für mich persönlich ist die Begegnung mit der zauberhaften Märchenwelt ein schönes Erlebnis. Märchen sind auch insofern besondere Geschichten, als sie aus einer langen Erzähltradition hervorgegangen sind. Märchen beginnen – ihrer Struktur gemäß – immer mit einer problematischen Situation und zeigen dann, wie mit dieser Situation umgegangen werden kann, welche Prozesse durchlaufen werden müssen, damit diese Probleme überwachsen werden. Der Märchenheld oder die Märchenhelderin stehen als Symbol für eine menschliche Handlung, die in dieser Situation angemessen wäre. Die Schwierigkeiten, denen die Märchenfiguren begegnen und die sie bewältigen, sind Schwierigkeiten, die auch wir zu bewältigen haben, wenn das allgemeinmenschliche Problem, das das Märchen anspricht, auch unser Problem ist.

1.Märchen

„Märchen, vom mittelhochdeutschen „maere“ = Kunde, Nachricht. Kürzere volksläufigunterhaltende Prosaerzählung von phantastisch-wunderbaren Begebenheiten und realitätsfernen Zuständen aus freier Erfindung ohne zeitlich-räumliche Festlegung („Es war einmal…“). Es unterscheidet sich von Mythos durch das Fehlen der Göttersphäre, von der Sage durch Abwesenheit historisch-geographischer Festlegung, von der Legende durch Auspaarung des Religiösen. Kennzeichen sind: Aufhebung der Natur- und Kausalgesetze, Eingreifen übernatürlicher Gewalten ins Alltagsleben, redende und Menschengestalt annehmende Tiere und Tier- oder Pflanzengestalt annehmende, verwunschene Menschen( Metamorphosen), Riesen, Zwerge, Drachen, Feen, Hexen, Zauberer u. a. den Naturgesetzen widersprechende und an sich unglaubwürdige Erscheinungen, die jedoch aus dem Geist des Märchens heraus einfach geschehen und glaubwürdig werden, indem etwas gedanklich mitvollzogene Unwahrscheinlichkeit die andere schon wahrscheinlich macht. Der etymologischer Grund ist einfache schwarz-weiße Weltordnung mit typenhaften guten oder bösen Figuren („böse Stiefmutter“) ohne Psychologie an stereotypen Schauplätzen: Abenteuer und Prüfung der Helden durch gute oder böse Mächte, Belohnung des Guten, Bestrafung des Bösen, je nach dem Grad an Sympathie oder Antipathie für die Hauptgestalt…

Das Märchen ist einfache Form, besonders das anonyme, auch bei Naturvölkern gemeine Volks-Märchen aus mündlicher Überlieferung des Volkes auch in vorliterarische Zeit, geprägt von seiner von Formeln, Redensarten und Sprichwörtern durchsetzten, formalisierten, einsträngigen Erzählweise nach Wiederholung (oft Dreizahl) und Steigerung mit Variationen und Umdichtungen, im Gegensatz zum literarisch fixierten und schriftlich verbreiteten Kunst-Märchen, das als geschichtlich eigenartige Schöpfung einer namentlich bekannten Dichterindividualität Erzählweise und Motive des Volksmärchens übernimmt und mit bewusstem Kunstverstand gestaltet, dabei jedoch teils das unbewusste Phantasiespiel durch allegorische Verkleidung von Gedanken, Tendenzen und Meinungen zerbricht, oder eine eigene übernatürliche Phantasiewelt gestaltet. (Sachwörterbuch der Literatur, 2001, S. 494)

Diese Definition gibt uns nur eine eingeschränkte Vorstellung über so eine einzigartige Literaturgattung wie Märchen. In folgendem Kapitel möchte ich ein weiteres Feld des Wortes „Märchen“ zu erfassen, indem ich versuche die Textsorte Märchen von den benachbarten Gruppen abzugrenzen, auf die besonderen Merkmale des Märchens anzugehen und einen Blick in die Geschichte des Märchens zu werfen.

1.1 Haupttypen von Märchen und Abgrenzung von benachbarten Gattungen.

Das Märchen ist eine der ältesten Überlieferungen der Menschheit überhaupt. Die ältesten heute bekannten Vorformen des Märchens stammen aus dem Orient. Dies sind zum einen die Etana – Erzählung – entstanden um 2000 v. Chr. Und zum anderen die Gilgames – Epen - entstanden um 1800 v. Chr. Erst durch die berühmteste Märchensammlung der Welt „Kinder- und Hausmärchen“ (1812-1815) von den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm erlangte das Märchen auch im europäischen Raum höchste Popularität. Das Märchen wird allgemein in zwei Hauptgruppen unterschieden, nämlich in das Volksmärchen und in das Kunstmärchen.

Bei Volksmärchen agiert das Volk als kollektive Erzähler, es sind jedoch Spuren individueller Bearbeitung zu entdecken. Das volkstümliche an diesen Märchen sind einfache nicht komplexe Strukturen, Formelhaftigkeit, typenhafte Gestalten, leicht verständlicher, bildhaft anschaulicher Stil. Das Volksmärchen nimmt die Perspektive des Glück- und Erfolglosen ein, der nach den ihm verwehrten Dingen strebt und diese schließlich auch erreicht. Die Herkunft aus unteren sozialen Schichten ist bei diesem Märchentyp schon allein durch die Hoffnung spürbar, die ausgedrückt wird.

Kunstmärchen stammte meist aus der Epoche der Romantik und haben individuelle Verfasser wie z.B. Brentano, Tieck, Hoffmann, Hauff, Mörike, Andersen und andere. Dadurch zeichnet sich auch der literarische Individualstil des Autors sowie dessen eigene Aussageabsicht in den Erzählungen ab. Kunstmärchen verkörpern zwar das Wunderbare, durchkreuzt von der Wirklichkeit, jedoch begegnet man dieser mit einer gewissen Skepsis. Ihre Inhalte, Motive und Symbole entspringen der Imagination der Autoren. Das Kunstmärchen drückt unerfüllbare romantische Sehnsüchte aus. Während die Verwirklichung des Glücksstrebens beim Kunstmärchen scheitert, endet das Volksmärchen meist mit erfülltem Glück. Im Gegensatz zu den Volksmärchen, die sich an den unteren Schichten orientieren, gibt das Kunstmärchen umfassende, existentielle und gesellschaftlich-geschichtliche Problemstellungen wieder, die in komplexen Strukturen dargestellt sind. ( vgl. Freund, 1996, S. 181, f.)

Die Ursprünge des Märchens liegen im Mythos und im Ethos. Das Märchen hat große Ähnlichkeit mit der Sage, zum Teil auch mit der Fabel, der Legende und dem Schwank. Die modernisierte Form des Märchens wird als Sciencefiction und Fantasy bezeichnet. Im Weiteren möchte ich die Abgrenzung des Märchens gegen benachbarte Gattungen aus näherer Perspektive betrachten.

- Sage
Mit dem Begriff Sage werden im weiteren Sinn wirkliche Vorgänge berichtet die sich jedoch von der Realität entfernt haben. Dies kann durch wiederholtes Erzählen, was zu einer charakteristischen Umformung führt (Volkssage, Lokalsage), oder durch bewusste dichterische Gestaltung (z.B. Heldensage) geschehen.

- Legende
Der Sage sehr nahe steht die Legende. Sie erzählt wie die Sage von übernatürlichem Geschehen, das aber im Gegensatz zur Sage, in der Übernatürliches weitgehend ungeklärt bleibt, von einem festen religiösen System gedeutet oder von vornherein darauf hinaus gestaltet wird.

- Mythos
Im Märchen werden Vorgänge auf den Menschen, in Sagen auf den vom Außerordentlichen Getroffenen und in der Legende auf den Träger des Sakralen bezogen. Im Mythos jedoch sind die kennzeichnenden Figuren fast ausschließlich Götter, jedoch auch gottähnliche Heroen.

- Fabel
Die Fabel gehört ebenso zu den Erzählgattungen die über den Rahmen des irdisch Möglichen hinausgehen. Untrennbar verbunden mit dem Begriff der Fabel sind sprechende und handelnde Tiere, Pflanzen, Dinge oder Körperteile.

- Schwank
Der Schwank hat mit dem Märchen nur gemeinsam, dass beide Erzählformen zum Unterschied von realistischen Erzählungen wie Epos, Roman und Novelle Unmögliches berichten. Vom Märchen jedoch trennt den Schwank die Neigung zur Parodie, zur Satire und zur Entstellung. Der Schwank soll zum Lachen bringen, das Märchen nicht.

Das Nebeneinander der verschiedenen Grundformen wie Märchen, Sage, Legende, Mythos oder Schwank bei vielen Völkern und in vielen Epochen führte dazu, diese Erzählformen mit dem Begriff der ,,Einfachen Formen" zusammenzufassen. ,,Dabei handelt es sich um Formen..., die sich, sozusagen ohne Zutun eines Dichters, in der Sprache selbst ereignen, aus der Sprache selbst erarbeiten" (Lüthi, 1968, S. 6)

1.2. Alter und Ursprung des Märchens

Bereits im alten Ägypten fand man Papyri, auf denen Erzählungen festgehalten wurden, die märchenähnliche Abläufe beinhalten. Da diese Papyri den ersten handschriftlichen Beweis für das Existieren von Märchen darstellen, soll hier mit der Geschichte der Märchen begonnen werden. So ist auf einem Papyrus aus dem Jahre 1250 vor Christus eine Erzählung über das Brüderpaar Anubis und Bata zu lesen, in der Motive wie Hindernisflucht, eine Unheil prophezeiende Frau, da Lebenswasser und andere Parallelen zum Volksmärchen auftreten. Bata wird schließlich König von Ägypten, weshalb man trotz der Motivähnlichkeit nicht von einem Volksmärchen im engeren Sinn sprechen kann; dies weist vielmehr auf den Mythos des Gott-Königtums hin, das zu dieser Zeit im Land Ägypten regierte. Auch waren solche Erzählungen ausschließlich für die Gebildeten des Landes gedacht, und schon deshalb wäre es paradox, hier von einem Volksmärchen zu sprechen.

Später erwähnen verschiedene Autoren einen märchenähnlichen Aufbau alttestamentlicher Erzählungen. Zu nennen sind die Aussetzung des Moses in einem Körbchen und seine glückliche Rettung, die Geschichte um Josefs Herrschaftsraum und Davids Todesbrief an König Uria. Aber diese Motive aus Mythen können ebenso nicht als Beweis für ein Volksmärchen gesehen werden. Vielleicht sind diese Motive aus Mythen stammend ins Volksmärchen gelangt? (vgl. Woeller, 1990, S.37 ff.)

Weitere Quellen stellen das alte Griechenland und Rom dar. Beispielsweise findet man dem griechischen Gelehrten und Philosophen Plato Hinweise auf Kinder- und Ammenmärchen und Altweibergeschichten. In anderen griechischen Sagen und Erzählungen sind ebenfalls Anzeichen für Märchenmotive, z.B. der Drachentöter, die Befreiung von Jungfrauen und Unterweltsfahrten mit Gewinn eines magischen Gegenstandes. Jedoch ist auch hier Vorsicht angebracht, da einzelne Elemente nicht ausschließlich dem Märchen zugeordnet werden können und z.B. Mythen ein märchenähnliches Handlungsschema besitzen. (vgl. Woeller, 1990, S. 58 f.)

In der heidnischen Literatur des Mittelalters kann man ebenfalls nur märchenähnliche Elemente feststellen. So die Motive der Edda wie Wettkämpfe Thors mit einem Riesen oder die Suchwanderung der Freya nach ihrem Gatten Odin, die aber auch aus Mythen und Sagen stammen können.

In der lateinischen Literatur des Mittelalters findet man Schwankmärchen. Hier ist der Schwank vom Meisterlügner zu nennen: Ein König will seine Tochter nur demjenigen zur Frau geben, der so lügen kann, dass dem König selbst die Worte „du lügst“ entschlüpfen.

Auch Predigtsammlungen beinhalten oft nur Fabeln und Schwänke. Der Märchenforscher Wesselski glaubt, dass die lateinische Verdichtung des „Asinarius“, in der Grimmschen Fassung als das Märchen „Die Eselin“ wiedergegeben, das erste europäische Volksmärchen ist. Deshalb siedelt er die Entstehung des Volksmärchens im Mittelalter an.

Die europäische Dichtung des Mittelalters wurde auch durch den Orient beeinflusst. Durch Byzanz, Spanien und nicht zuletzt durch die Kreuzzüge kamen dessen Einflüsse nach Europa.

Weiter bleiben auch keltische Erzählungen wie die Artusepik nicht ohne Wirkung. Oft weisen diese Heldenepen märchenhafte Züge und Motive auf, wobei die Frage offen bleibt, ob hier eine Beeinflussung durch volkstümliche Erzählungen stattgefunden hat.

Ab dem 16. Jahrhundert finden die Forscher vermehrt Spuren des Volksmärchens. So erschien damals eine Erzählsammlung von G. Francesco Straparola mit dem Titel „Ergötzliche Nächte“. Diese 73 Erzählungen stammen größtenteils aus mündlichen Überlieferungen. 21 davon bezeichnet Lüthi als „Märchen im engeren Sinne“. (Lüthi, 1968, S. 34 f.)

Im 17. Jahrhundert war es wiederum ein Italiener, der Schriftsteller und Beamte Giambattista Basile, der das „Pentamerone“, eine Sammlung von 50 Volksmärchen, veröffentlichte. Dabei finden sich viele Parallelen zu den später von den Brüdern Grimm gesammelten Märchen.

Basile erhielt seine Märchen aus mündlicher Tradierung und veränderte sie im barockem Stil: Er verwendete Wortvariationen, Vergleiche, Anspielungen, Wortspiele und verlieh den Werken eine seinem Stil eigene Mischung aus Witz und Ironie. Sein Werk hatte zwar auf seine Zeit keine großen Auswirkungen, spielt aber in der heutigen Märchenforschung eine bedeutsame Rolle.

Ende des 17. Jahrhunderts wurde von dem Franzosen Charles Perrault eine weitere Sammlung von Märchen veröffentlicht, wovon sieben Volksmärchen im engeren Sinne waren. Parrault betrachtete diese Volksmärchen als Zeugnisse für die Überlegenheit moderner über antike Märchen. Er erzählte sie einfach und getreu den ihm bekannten Überlieferungen.1698, also ein Jahr nach der Perraultschen Sammlung gab seine Landsmännin Madam dÀulroy eine weitere Sammlung von Volksmärchen heraus.

Diese französische Sammeltradition erfuhr Anfang des 18. Jahrhundertes eine Wende durch die damals in Mode gekommenen Feenmärchen. Diese Märchen waren eine Mischung von heroisch-galanten Romanen, orientalischen Erzählungen und eigenen Erfahrungen. Im Gegensatz zu den Volksmärchen waren hier Feen die eigentlichen Handlungsträger, Menschen hingegen nur ihre Marionetten. Jenseitige Gestalten wie die Feen und ihre Beziehungen untereinander, ihre Absichten, Fähigkeiten und Machtkämpfe standen im Mittelpunkt. Es entstand eine wahre Flut von Feenmärchen, die in dem so genannten „Cabinet des fees“ festgehalten wurden und 1761 – 1766 in deutscher Übersetzung erschienen.

Weiter wurde in Frankreich von 1704-1717 eine zwölfbändige Sammlung publiziert, die auf eine aus dem 14. Jahrhundert stammende arabische Handschrift und auf syrisches mündliches Erzählgut zurückgeht. Sie wurde von Jean Antoine Galland frei bearbeitet, das heißt eigene Erfindungen wurden mit historischen Quellen verquickt.

Den Erfolg und die große Beliebtheit dieser Sammlung wie auch die Feenmärchen führt man darauf zurück, dass diese im Jahrhundert der Aufklärung den Bedürfnissen nach Exotischen und Phantastischem entgegenkamen. ( Woeller, 1990, s. 127 ff.)

1.3. Wichtige Kennzeichen der europäischen Volksmärchen

Obwohl die Märchen nationale, zeitliche und individuellen Verschiedenheiten zeigen, spricht Lüthi von einem Grundtyp des europäischen Volksmärchens.

Lüthi stellt fest, dass die Märchen einige wichtige Gemeinsamkeiten haben. Diese sollen hier kurz aufgeführt werden.

- Flächenhaftigkeit

Unter Flächenhaftigkeit ist die Projektion der Figuren und der Vorgänge auf der gleichen Ebene gemeint. Die Flächenhaftigkeit kann als Hauptmerkmal des abstrakten Stils angesehen werden. Der Begriff, der ursprünglich aus der bildenden Kunst kommt, wurde von Lüthi auf dieses literarische Phänomen übertragen. Im Märchen gibt es keine räumliche, geistige, seelische und zeitliche Tiefengliederung. Die Personen werden als Figuren ohne Körperlichkeit, Gefühlswelt und ohne Umwelt dargestellt. Die fehlende Tiefe verdeutlicht sich darin, dass Gefühle nicht genannt, sondern durch Handlungen ausgedrückt und verdeutlicht werden, Mitleid ist beispielsweise eine Eigenschaft, die viele Märchenhelden kennzeichnet. Das Märchen spricht nicht von dem Mitleid, das die Helden empfinden, sondern wir erfahren das Mitleid durch eine Tat (Brot wird geteilt, jemand wird befreit,...). Des weitern fehlt in den Märchen auch die Zeit. Die Helden des Märchens besitzen die ewige Jugend. Es gibt zwar alte und junge Menschen, aber keine alternden Menschen. Unterschiedliche Verhaltensweisen werden auf verschiede Figuren verteilt, die nebeneinander agieren und mechanisch handeln. Ein differenziertes menschliches Handeln spielt im Märchen keine Rolle. Zur Lösung einer Aufgabe ist kein Scharfsinn nötig, sondern Glück.

Die Flächenhaftigkeit bietet besonders im pädagogischen Sinn einen Vorteil. Dadurch das keine Orts- und Zeitangaben erfolgen und die Märchengestalten ohne Körperlichkeit oder Innenwelt sowie ohne Umwelt, ohne Krankheit, Blut oder Schmerz agieren, wird dem Kind Phantasie-Rohmaterial geboten, dessen Ausmalung das Kind in der Phantasie selbst besorgen muss.

- Eindimensionalität

Diesseitige und jenseitige Gestalten werden auch im Märchen unterschieden, aber sie stehen nebeneinander und können unbefangen miteinander verkehren. Das Jenseits ist somit erlebnismäßig nah. Ein selbstverständlicher Umgang mit den Figuren im Jenseits wird möglich. Lüthi nennt dies die Eindimensionalität.

Die Eindimensionalität des Märchens mit dem fließenden Übergang von Diesseits und Jenseits entspricht der Flächenhaftigkeit seiner Darsteller.

- Isolation und Allverbundenheit

Unter Isolation versteht Lüthi die Beziehungslosigkeit der Märchenfiguren. Sie sind an nichts gebunden, weder an Heimat oder Freunde, noch an Dinge und Besitz. Das Fehlen des Staunens der Neugier und Angst verdeutlicht diese Beziehungslosigkeit. Die Märchenfigur hat keine Innenwelt, keine Umwelt, keine Beziehung zu Vor- und Nachwelt und keine Beziehung zur Zeit. Auch die Darstellung der Handlung ist isolierend. Die einzelnen Elemente brauchen nicht aufeinander Bezug zu nehmen. Die Figuren des Märchens lernen nichts, machen keine Erfahrungen. Sie handeln immer wieder neu aus der Isolation heraus.

Eine äußerliche Isolation der Märchenfiguren ist zum Beispiel durch das Alleine lassen oder Aussetzen immer wieder zu finden.

- Formelhaftigkeit

Ein weiteres Merkmal der Märchen ist die starre Formel. Die Zahlen sind von fester Prägung und haben ursprünglich magische Bedeutung. Meistens herrscht im Märchen die Dreiheit. Harte, strenge Wiederholungen sind ebenso ein Element des abstrakten Stils. Durch die Wiederholung erfährt die Handlung Stilisierung und als solche eine Vereinfachung. Die Freude an der Wiederholung kann eine positive Gefühlsqualität durch den Bekanntheitsgrad verursachen. Formfestigend werden auch die festgeprägten metrischen und gereimten Sprüche, sowie formelhaftige Anfänge und Schlusssätze.

- Sublimation und Welthaltigkeit

Ein weiteres Kennzeichen des Märchens ist die Sublimation und die Welthaltigkeit. Obwohl im Märchen häufig von Ehe, Heirat und ähnlichem gesprochen wird, fehlt die Sexualität. Bei den Brüdern Grimm wurden in den Erzählungen erotische Motive abgeschwächt, da Kinder als Adressaten vorgesehen waren. Dadurch haben die ursprünglich erotischen Motive ihre Bedeutung weitgehend verloren und sind sublimiert.

Die Motive des Märchens spiegeln die Beziehungen, Probleme und Bedürfnisse der Mitglieder einer Gemeinschaft wieder (z.B. Armut, Hass, Hochzeit, Liebe,...). Daneben tauchen aber auch magische Motive auf. Alle Elemente des menschlichen Daseins werden im Märchen angesprochen, jedoch werden die Jenseits- und Diesseitsmotive verflüchtigt und entwircklicht. Alle Elemente der Welt sind im Märchen leicht und durchsichtig. Unter anderem beruht darauf die Magie, die das Märchen auszeichnet.

Kritisch betrachtet kann man die Einteilung der europäischen Märchenform nach Lüthi als zu starr bezeichnen, jedoch geht Lüthi bei der Festlegung der Kennzeichen von einem Idealtypus aus, der in der Realität in dieser Form nicht existiert. (vgl. Lüthi, 1968 S. 27 f.)

1.4. Stilmittel

Das europäische Volksmärchen kennzeichnet sich in der Hauptsache durch die Neigung zu einem bestimmten Personal, Requisitenbestand und Handlungsablauf und durch die Neigung zu einer bestimmten Darstellungsart (Stil)

- Handlungsverlauf

Die europäischen Volksmärchen unterliegen einem Schema. Schwierigkeiten und deren Bewältigung in allen möglichen Variationen, Kampf, Sieg, Aufgabe und Lösung sind Kernvorgänge, die das Märchen charakterisieren. Ebenso ist das gute Ende des Märchens ein Teil dieses Schemas. Nach Lüthi besteht die grobe Struktur der Lösung aus drei Teilen, in denen häufig drei Personen nach dreifachem Anlauf die Schwierigkeiten lösen.

- Polarisation

Die Polarisation ist das wichtigste Gesetz für die Charakteristik und die Beschreibung der Personen. Die Charaktere sind einfach typisiert, so dass sie als Extrem aufgefasst werden können. Durch den schroffen Gegensatz werden auf verständliche Weise die Eigenschaften hervorgehoben. Diese Art der Beschreibung erfordert die geringst mögliche Art der Abstraktion.

Das Märchen liebt das Extreme, die Figuren sind entweder vollkommen schön oder vollkommen hässlich, sehr reich oder sehr arm, gut oder böse.

Lüthi erklärt diese Phänomen damit, dass die Polarisation den kindlichen Geist beherrscht und somit auch im Märchen notwendig ist. Da das Kind im Märchenalter die vielschichtigen Probleme der Lebensrealität nicht erfassen kann, kommt das polarisierende Märchen der kindlichen Weltsicht entgegen. Das Nebeneinander der entgegengesetzten Charaktere erleichtert dem Kind, den Unterschied zu erfassen.

- Requisiten

Das Märchen neigt dazu Dinge und Lebewesen zu metallisieren und zu mineralisieren, sodass sie zu Requisiten werden. Nicht nur Städte und Brücken sind eisern, steinern, gläsern,... sondern auch Wälder oder Menschen können silbern, kupfern oder steinern sein. Der Inbegriff des Extremen ist das Wunder. Nichts ist dem Märchen zu krass und zu fern, je mechanischer, je extremer die Verwandlung, desto sauberer und präziser steht diese Verwandlung vor uns.

Die Requisiten in diesem Sinne sind im Märchen sehr wichtig, denn das Märchen stellt seine Akteure in ein ganzes Geschehen hinein. Dazu gehören Zauberdinge und Naturelemente. Die symbolische Auslegung der Requisiten ist möglicherweise eine Spekulation, doch scheint sicher, dass die Gegenwart von Alltags- und Zauberdingen im Märchen für Übernatürliches steht. (vgl. Lüthi,1968, S.24ff.)

1.5. Das Volksmärchen bei den Brüdern Grimm

Sie studierten Jura, ihr Lebenswerk war die Erforschung der Wurzeln der deutschen Sprache und sie gelten als Begründer der Germanistik. Weltberühmt wurden sie jedoch durch zwei Märchensammlungen, die fast nebenbei entstanden: Jacob und Wilhelm Grimm, zwei Brüder, die ihr gesamtes Leben miteinander verbrachten.

1.5.1. Porträt: Brüder Grimm

Die Brüder Jacob (1785-1863) und Wilhelm (1786-1859) Grimm stammten aus einer hessischen Beamten- und Pastorenfamilie. Sie hatten drei Brüder und eine Schwester, mit denen sie in den Städtchen Hanau und Steinau aufwuchsen. Der Vater starb schon 1796, sodass Jacob bereits mit elf Jahren die Stellung des Familienoberhauptes einnehmen musste. Eine Tante, die in Kassel Hofdame der hessischen Kurfürstin war, unterstützte die Familie finanziell.

Nach dem Abitur in Kassel begannen beide Brüder in Marburg Jura zu studieren. Der Vater hatte es noch so bestimmt. Wilhelm schloss dieses Studium ab, Jacob nicht. In Marburg wirkte der Einfluss ihres Lehrers Professor Friedrich Carl von Savigny ab 1803 prägend auf beide Brüder: in Bezug auf ihr wissenschaftliches Arbeiten und durch die Kontakte und gesellschaftlichen Beziehungen, die sich für die Grimms ergaben.

Die Brüder wurden in die Künstler- und Wissenschaftlergruppe aufgenommen, die heute als "Heidelberger Romantiker" bezeichnet werden. Zu ihnen zählten um 1803/1804 Clemens Brentano, Sophie Mereau, Achim von Arnim, Bettina Brentano, Caroline von Günderode und Joseph Görres. Sie waren die Wortführer der literarischen Romantik in Deutschland.

Mit dem Zusammentragen von Volksbüchern und dem Studium der Pariser Minnesängerhandschrift durch Jacob Grimm begann das Jahrzehnt der Sammlungen der Brüder. Dies war in den Jahren 1805 bis 1815. Gemeinsam mit Achim von Arnim und Clemens Brentano arbeiteten sie 1807 an einer der zentralen literarischen Veröffentlichungen der Romantik: "Des Knaben Wunderhorn". Die Brüder suchten nun in Liedern, Sagen und Märchen den Urquell der Volkspoesie und

begannen 1807 Märchen zu sammeln und aus mündlicher Überlieferung aufzuzeichnen. Sie wandten sich verstärkt dem Märchen zu und schöpften dabei aus mündlicher und schriftlicher Tradition. Literarische Quellen stammten aus Handschriften des Mittelalters und Aufzeichnungen von Freunden und Korrespondenten, die ihnen diese zuschickten. Zu erwähnen wäre hier besonders der Maler Philipp Otto Runge, der den Brüdern plattdeutsche, pommersche Märchen wie “Machandelboom” und “Der Fischer und seine Frau” zur Veröffentlichung überließ. In der mündlichen Tradition spielten vor allem Kleinbauern, Mägde, Knechte, Waldarbeiter, Wanderhandwerker und Gastwirte wie beispielsweise die Viemännin Katharina Dorothea, Gastwirtstochter aus Niederwehren bei Kassel, eine Rolle. Aber auch aus bürgerlichen Kreisen, wie dem Haus des Apothekers Wild in Kassel, stammten Überlieferungen. Vor allem Mutter Wild und die Töchter Lisette, Gretchen und Dortchen, die später Wilhelm Grimm heiratete, wussten Märchen zu berichten. In Westfalen bildete sich außerdem der Bökendorfer Märchenkreis, in dem die Familie Haxthausen und von Droste-Hülshoff beteiligt waren.

Das gesammelte beidruckte Achim von Arnim so sehr, dass er die Brüder zu einer baldigen Veröffentlichung drängte. Zuvor hatte auch Clemens Brentano Interesse am material gezeigt, weil er bereits beabsichtigte, frei gestaltete Kindermärchen zu veröffentlichen. Mitte Oktober 1809 schickt Jakob Grimm das Konvolut mit der Originalmitschrift der bisher gesammelten Märchen an Brentano. Er hat die Sammlung aber zuvor abschreiben lassen.

Nach dem Clements Brentano sein Projekt beiseite geschoben hatte, ging die Originalhandschrift verloren und tauchte erst 100 Jahren später im Trappistenkloster Ölenberg im Elsaß wieder auf. Weil aber Brentano seine Pläne aufgab, war der Weg für die Grimms frei, selbst eine Sammlung herauszugeben. 1812 erschien der erste Band ihrer "Kinder- und Hausmärchen". 1815 folgte der zweite Band.

Beide Brüder rechneten nicht mit einem wirtschaftlichen Erfolg. Sie sahen ihre Arbeit vielmehr als Dienst am deutschen Kulturerbe. In diesen ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts veröffentlichen sie außerdem mehrere altdeutsche Sagen und Gedichte.

Wilhelm Grimm starb im Dezember 1859, zwei Monate vor seinem 74. Geburtstag. Jacob starb vier Jahre später in Berlin. Dort sind beide Brüder begraben. Wie verabredet, haben sie ihr ganzes Leben zusammen gearbeitet und gelebt. Als die Schwester Lotte heiratete und den Haushalt der beiden nicht mehr führen konnte, nahm Wilhelm Grimm seine frühere Nachbarin Henrietta Dorothea Wild, eine Apothekerstochter, zur Frau. Diese Heirat sicherte das gewohnte Zusammenleben der Brüder bis zu ihrem Tod. (Schede, 2004 passim)

1.5.2. Kinder- und Hausmärchen

Für die Grimms stellte sich die Forderung buchstabengetreuer Aufzeichnung ohne Zitate, was uns wegen der Umstilisierung, Reinigung und Erweiterung beziehungsweise Kürzung der Texte widersprüchlich erscheinen möchte. Jedoch sahen sie hier keinen Verstoß gegen die Treue in der Aufzeichnung, sondern vielmehr verstanden sie das Märchen als Überbleibsel alter Mythen, die sie versuchten, von Gefühl und Verstand, in eine mögliche Urform zu bringen. Ferner waren Jakob und Wilhelm immer geleitet von wissenschaftlichen Absichten, die sie in theoretischen Exkursen ihren Sammlungen beifügen. So erreichten sie, dass das Märchen seinen Platz in der Nationalliteratur erhielt.

Betrachtet man die textliche Gestalt der Grimmschen Märchen näher, so kann von einer wörtlichen Aufzeichnung mündlicher Überlieferungen im modernen Sinne keine Rede sein. Vielmehr haben Jacob und Wilhelm Grimm ihre Texte stilistisch bearbeitet und ihrer Idealvorstellung von "Volkspoesie" gemäß umgeformt.
Gefragt werden muss auch nach der kulturellen Zuordnung der Grimmschen Märchen in Hessen und Deutschland. "In diesen Volks-Märchen liegt lauter urdeutscher Mythos, den man für verloren gehalten", - heißt es 1815 in der Vorrede zum zweiten Band der Kinder- und Hausmärchen von. An gleicher Stelle ist von den "ächt hessischen" Märchen der Dorothea Viehmann oder von dem "rein deutschen" Ursprung der Märchen die Rede. Aber auch den Brüdern Grimm war die enge Verwandtschaft einiger ihrer Märchen mit der romanischen Überlieferung in Italien und Frankreich bewusst. Im Gegensatz zu anderen Werken haben sie ihre Kinder- und Hausmärchen nicht mit dem Attribut "deutsch" betitelt. Zwei in der Erstausgabe enthaltene Märchen, nämlich „Ritter Blaubart“ und „Der gestiefelte Kater“, haben sie später gar wieder aus der Sammlung herausgenommen, weil ihnen die Nähe zu Charles Perraults „La Barbe Bleue“ und „Le Maître Chat, ou le Chat Botté“ selbst zu offensichtlich erschien. Dies erklärt sich aus der Tatsache der hugenottischen Abstammung der bedeutendsten Kasseler Märchenbeiträger: Marie Hassenpflug und Dorothea Viehmann. Jedoch bei weitem nicht alle Texte der Sammlung sind italienischen oder französischen Vorbildern verpflichtet; dazu ist sie mit ihren zahlreichen Texten zu reichhaltig und vielschichtig. Die Märchen sind vielmehr, wie die Brüder Grimm später formulierten, "überall zu Hause", bei allen Völkern und in allen Ländern. Über ihren Ursprung und das Verhältnis zwischen "Natur- und Kunstpoesie" in ihrer Überlieferung diskutiert die Märchenforschung bis heute, ohne dass eine befriedigende Lösung dieser Frage gefunden wäre.

Von da an orientierten sie sich immer mehr am kindlichen Leser, und die “Kinder- und Hausmärchen” Sammlung hielt Einzug in die bürgerliche Kinderstube. Dazu gaben auch Bettina und Achim von Arnim Anregungen, nämlich Märchen zu streichen, die für Kinder ungeeignet schienen. Jedoch merkten die Grimms an, dass das Buch für Eltern sein sollte, die selbst entscheiden, was sie ihren Kindern bieten wollten.

Den ersten Ausgaben der Kinder- und Hausmärchen 1812 und 1815, die wenig illustriert und unscheinbar waren, folgten weitere neue Ausgaben 1819,1837, 1840, 1843, 1850 und 1857; letztere erhielt 210 Märchen. Der Begriff Märchen wurde dabei weiter gefasst, weil die letzten zehn von den Grimms selbst, als Legenden bezeichnet wurden. (vgl. Woeller 1990, S.32ff)

Das Lebenswerk der Brüder Grimm ist sicherlich als Verdienst zu sehen, und sie haben ohne Zweifel die Wissenschaft der deutschen Sprache und die Volkskunde begründet.

2. Funktionen der Märchen

Heinrich Dickerhof, Präsident der Europäischen Märchengesellschaft meint, dass Märchen nicht nur als Gute-Nacht Geschichten eine wichtige Funktion erfüllen, sondern „…sind sprachliche Kostbarkeiten“. (Dickerhof, zit.nach FOCUS-SCHULE)

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit Funktionen die ein Märchen zu erfüllen hat, indem soziale, psychologische, pädagogische, erzieherische und ästhetische Aspekte deutlicher aufgezeigt werden sollen.

2.1. Soziale Funktion

Dem Märchen wird in der Regel ein sehr geringer Realitätsbezug zugeschrieben. Typisch sind diesbezüglich Begriffbestimmungen und Aussagen wie z.B. „Unter einem Märchen verstehen wir eine mit dichterischer Phantasie entworfene Erzählung, besonders aus der Zauberwelt, eine nicht an die Bedingungen des wirklichen Lebens geknüpfte wunderbare Geschichte“ (Bolte, J./Polivka, G., zitiert nach Röhrich, 1979, S. 1)

Tatsächlich finden Leser und Hörer zahlreiche Beispiele für das Übernatürliche und Phantastische der Märchenwelt. So wundert sich niemand über sprechende und wie Menschen agierende Tiere, über Gestalten des Jenseits, die ganz selbstverständlich Kontakt zu lebenden Personen aufnehmen oder über Verwandlungen von Tier zu Mensch und umgekehrt. Jedes Volksmärchen ist aber auch direkt mit der Wirklichkeit verbunden. Die Helden sind in der Regel keine übernatürliche Wesen, sondern reale Menschen. Auch der Ausgangspunkt des Märchens ist meist eine real-mögliche Situation (vgl. Röhrich, 1979, S.3) Die real-möglichen Elemente des Märchen können Aufschluss geben über das soziale Milieu, soziale Ordnungen und Sozialkritik aus Sicht der jeweiligen Märchenträger, zu denen sowohl Erzähler als auch Hörer und Leser gehören. (vgl. Woeller, 1961 S.414)

Die Märcheninhalte und ihre Verortung in eine bestimmtes soziales Milieu hängen vor allem „von Lebensumständen der Trägerschichten und ihrer Stellung in der Gesellschaft ab“ (Neumann, 2006, Sp.918). Märchen reflektieren unterschiedlich deutlich die Lebensverhältnisse und Anschauungen der jeweiligen Trägergruppen. Dabei ist davon auszugehen, dass es sich in den meisten Fällen um eine unbewusste Anpassung des Erzählers an die Wirklichkeit, in der er lebt, handelt. Die Tendenz, dass die Märchenhelden ebenso wie die Erzähler den unteren Sozialschichten angehören findet man bereits in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. So ist zum Beispiel „Hans im Glück“ eindeutiges Knechtmärchen.

Nicht nur in der Charakterisierung der Märchenfiguren, sondern auch in der Darstellung des täglichen Lebens spiegelt sich das soziale Milieu der Trägergruppen wieder. So ist in sehr vielen Märchen von großer Armut und Not die Rede. “ Die Märchenschilderungen von Essen und Trinken, Kleidung und sonstigen Lebensgewohnheiten, Sitten und Bräuchen“ runden das Bild einer äußerst einfachen sozialen Wirklichkeit ab“ (Röhrich, 1979, S.211)

Ein zentrales Thema in sehr vielen Märchen ist der soziale Aufstieg des Helden. Das Märchenende erzählt von großem Reichtum, vor allem aber vom Aufstieg des Helden der Heldin in den Königsstand. Dieser Aufstieg spiegelt den Wunsch der Märchenträger nach einem besseren, reicheren, einfacheren Leben wider. Je größer die gesellschaftliche Not von Erzählern und Hörern war, desto häufiger formten sie den traditionellen utopischen Märchenschluss in ein realistisches Ende um. (vgl. Woeller, 1961, S. 443)

Auch dass in relativ vielen Märchen direkt oder indirekt Sozialkritik in Form „Kritik an den jeweils bestehenden gesellschaftlichen, politischen und/oder rechtliches Verhältnissen“ (Tomkowiak, 2006, Sp. 938) geübt wird, zeigt dass die Märchenträger ihre eigene Umwelt in das Erzählte transportieren.

Zum Thema „Soziale Funktion des Märchens“ gehört auch der Aspekt der Sozialisation. In europäischen Volksmärchen wird Sozialisation nur selten direkt thematisiert. Vielmehr treten die Helden in der Regel als scheinbar fertig geformte soziale Persönlichkeiten auf. (vgl. Roth, 2006, Sp. 932) Sie sind schon bei ihrer Geburt erwachsen, als Kinder klug wie Könige, vollbringen Heldentaten oder sind Wunderkinder. Der Held verdankt demnach sein Wesen in der Regel nicht seinem sozialen Umfeld, sondern vielmehr der Vorbestimmung, dem Schicksal. Das Interesse der meisten Märchen gilt in erster Linie jedoch nicht den Lebensphasen, sondern den Statusveränderungen des Helden, wie zum Beispiel von jung zu alt oder von sozial niedrig zu sozial hoch. Mit dieser Darstellung sprechen Märchen „grundlegende Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung an und bieten vorbildliche Sozialisationsprozesse und Rollenmuster“. (vgl. Roth, 2006, Sp. 934)

Märchen vermitteln oft konservative Werte und Normen, weshalb sie nicht selten zur Sozialisation von Kindern und Erwachsenen, als Erziehungsmittel also, verwendet werden. Die Frage nach dem pädagogischen Wert von Märchen beschäftigt Autoren, Erzieher, Eltern und Wissenschaftler bereits seit dem 17. Jahrhundert. Im nächsten Abschnitt meiner Arbeit wird eine Auseinandersetzung mit dieser Frage versucht.

2.2. Psychologische Funktion

Die Funktion des Märchens hat sich im Laufe der Zeit mehr und mehr von der sozialen zur psychologischen Funktion gewandelt.

Das eigentliche Leben des Märchens findet heute in der Kinderstube statt. Um sich mit dem gegenwärtigen Leben des Märchens als Psychologe zu beschäftigen, muss man nach dem Verhältnis des Kindes zum Märchen fragen.

„Worauf beruht die Empfänglichkeit und Faszination des Kindes auf das Märchen?“,- fragt Charlotte Bühler (vgl. Lüthi, 1968, S. 84) Schon rein formal entspricht das Märchen den Bedürfnissen des kindlichen Denkens. Es ermöglicht wie keine andere Erzählform die Übung des Vorstellungsmechanismus. An seinen plötzlichen Übergängen (groß-klein, Versetzung an einen anderen Ort, Umschlagen in die Gegensituation etc.) kann das Kind, mit oft lebhaftem Vergnügen, die Fertigkeit und Gewandtheit des Vorstellens üben. Da das Kind jede Einzelheit mit großer Gefühlsintensität erlebt, genügt ihm die bloße Nennung von Figuren und Vorgängen. Zusätzlich dazu halten sich Wiederholung und Variation die Waage und es herrscht ein Gleichgewicht zwischen Bekanntem und Unbekanntem. Das Ungewöhnliche, das Wunderbare beschäftigt den Geist des Kindes. Wunsch und Gerechtigkeitsbedürfnis kommen auf die Rechnung, das Gute siegt.

Man kann Märchen also als psychologische Hilfe bei eigenen Entwicklungsschwierigkeiten sehen, da die Bereitschaft der Kinder, sich dem Übermächtigen zu stellen, gestärkt und so Schwierigkeiten besser bewältigt werden können. Auch werden Kinder, durch die gezeigte drastische Bestrafung der Antagonisten langsam an Grausames herangeführt, das ihnen auch später in ihrem Leben begegnen könnte. „ Kinder die dem Märchen nicht begegnet sind, trifft das Grausame im Leben unvorbereitet“ (Wittgenstein, zit. nach Lüthi, 1968, S. 85)

Hans Dieckmann hat die Antwort auf die Frage der psychologischen Bedeutung des Märchens für das Kind in zwei Thesen zusammengefasst: Erstens, betont er, dass das Kind an den Figuren des Märchens lernen und erleben kann , wie man mit den „…auf es zukommenden, für die eigene Persönlichkeit gefährlichen und negativen Ansprüchen und Bedürfnissen der Umweltfiguren…“ umgeht und wie man die bereits erwähnte „Übermächte“ überwinden kann. Zweitens, meint Hans Dieckmann, dass das Kind „… muss es lernen, sich mit den tiefen instinktiven und triebhaften Gegebenheiten seiner eigener Natur auseinanderzusetzen und muss sein Ich gegenüber diesen oft überlegenen Kräften behaupten.“ Die Märchen bieten dem Kind hierbei in bildhaft-symbolischer Form typische Möglichkeiten und Entwürfe an, um in diesen Kampf zu bestehen. (Dieckmann, 1980, S.31)

In der Literatur trifft man auch andere Überlegungen, die das Thema psychologischer Funktion des Märchens betrachten. Bei seiner Untersuchung der Zaubermärchen kam Walter Scherf zum Ergebnis, dass fast alle Zaubermärchen mit einem ausgeprägten Konflikt zwischen Kind und Eltern – genauer gesagt: etwa 50% mit einem Sohn-Vater Konflikt, je etwa 20% mit einem Tochter-Vater – bzw. einem Tochter-Mutter-Konflikt und etwa 10% mit einem Sohn-Mutter-Konflikt beginnen. Genau dieses Ablösungskonflikt ist das, was der Zuhörer oder Leser vom Zaubermärchen erwartet, denn diese Erwartung entspringt dem Bedürfnis, sich in die Rolle eines „verkannten, missachteten, verfolgten … oder eines festgehaltenen, nicht freigegebenen…zu versetzen“ ( Scherf, 1983, S. 169). So ein Märchenanfang dient für ein Kind als Signal, das dem Kind voraussahen lässt, was im Leben auf es zukommt. Das wichtigste ist, dass die Ablösungsmotivik des Märchens zeigt genau die Konfliktlage an, aus der sich für den Zuhörer das Drama der Selbstfindung entwickelt. Sicher scheint für den Autor, dass die Ablösung vor alten Kind-Eltern-Bindungen eine sehr große seelische Leistung für beide Seiten kostet und diese Ablösung häufig nicht restlos stattfindet, was das Zerbrechen der Bindung zu einer anderen nicht zur alten Familie gehörigen Person (z.B. Partner) bewirken kann. (vgl. Scherf, 1983, S. 171)

Nach seiner Untersuchung beantwortet Walter Scherf auf die Frage nach psychologischer Funktion des Märchens wie folgt:

„Zaubermärchen sind Erzählungen, deren Formgesetz durch die unbewusste Erwartung des Zuhörers und das ebenso unbewusste Verständnis des Erzählers bestimmt ist, individuelle Ablösungs- und Selbstfindungskonflikte auf Figurenkonstellationen zu übertragen und während des Verlaufs der Erzählung den eigenen Konflikt durch unreflektiertes Miterleben durchzuarbeiten“ (ebd. S. 169 ff.)

2.3. Pädagogische und erzieherische Funktion

„Die Rückkehr des Aschenputtel“, heißt ein Artikel in der ZEIT, der über einen Märchenkongress in Altenburg berichtet. Er zeigt, dass Volksmärchen seit neuestem „Rückendeckung“ von Neurobiologen bekommen. Der Artikel bestätigt neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung. Als „Superdoping für Kinderhirne“ bezeichnet der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther Märchen. Märchenstunden könnten verstärkt die emotionalen Zentren im Gehirn aktivieren und dabei helfen, dass Kinder Ruhe finden und lernen sich zu konzentrieren. Beim Erzählen werden die Phantasie und Kreativität der Kinder angeregt. (vgl. Stöcklin-Meier, 2008, S.28)

Welche Wirkungen haben noch diese wundervolle Geschichten auf unsere Kinder, welche Bindungs- und Erziehungsziele können mit Hilfe der Märchen verfolgt werden und wie die pädagogischen Kräfte damit umgehen sollen um diese Ziele zu erreichen, versuche ich im Folgenden darzulegen.

Die Kinder sollen zur Eigenverantwortlichkeit heran gezogen werden und in ihnen soll die Bereitschaft geweckt werden, sich in ihrer Umwelt zu erproben sowie diese nach ihren Vorstellungen mitzugestalten. Märchenhelden haben genau dieses Ziel vor Augen. Ihre Geschichten beschreiben, wie mühsam der Weg ist, welche Probleme und Schwierigkeiten auftreten und das man der Auseinandersetzung mit gefährlichen Gegnern nicht ausweichen kann.

Da sie aber am Ende über das Böse siegen und sich ihr Glück erkämpfen, vermitteln die Märchen dem Zuhörer, dass sich die Anstrengung lohnt und kein Ziel unerreichbar bleibt. Die Kinder die in der heutigen Zeit aufwachsen, werden all ihre Tatkraft und Phantasie brachen, um die auf sie zu kommenden Probleme zu lösen.

Märchen enthalten eine Menge nützlicher Elemente für die Erziehung- und Bildungsziele. Sie dienen besonders der ästhetischen, sittlichen und intellektuellen

Erziehungsarbeit. Sie unterstützen die pädagogische Arbeit auf allen Gebieten. Das erzieherische Streben liegt darin, die uns anvertrauten Kinder zu allseitig gebildeten Persönlichkeiten heranzuziehen. Die Anerziehung der Gefühle zur Eltern-, Geschwister- und Heimatliebe, zur Freundschaft der Tieren und Menschen und ähnliches soll vermittelt werden. In den Märchen mit der Unterscheidung zwischen Recht und Unrecht, Gut und Böse, lernen die Kinder vielerlei Verhaltensweisen, wie Rücksichtsnahme, Achtung vor anderen u. a.. All diese Gefühle, Eigenschaften und Verhaltensweisen soll der Erzieher den Kindern anziehen. In den Märchen sind all diese Dinge vorhanden, sie sind also ein gutes Hilfsmittel bei unserer Bildung- und Erziehungsarbeit.

In jedem Märchen gibt es eine spannende Handlung und zwar die guten Kräfte messen sich mit den Bösen, doch das Gute siegt immer. Das Kind stellt sich in jedem Märchen gegen das Schlechte. Es unterscheidet das Gute vom Bösen und greift Partei. Der Erzieher kann mit Hilfe der Märchen bei den Kindern Tapferkeit, Mut, Entschlossenheit und Stärke ausbauen. Ein Erzieher muss das Kind lehren, seine Furcht zu überwinden, seinen Willen zu festigen und seine Ausdauer zu erproben. Der Erzieher muss das Kind anleiten, das Schlechte und das Falsche von dem Guten zu unterscheiden. Er soll die Fähigkeit lehren, Faulheit, Falschheit ebenso wie Habgier, den Neid, die Heiterlist, den Betrug zu erkennen und zu verabscheuen. Die reichhaltige Phantasie strahlt großen Reiz für die Kinder aus. Im Märchen wird ein bestimmtes Motiv verfolgt, der Erzieher muss es erkennen und für seine pädagogische Arbeit ausnutzen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Kinder durch Märchen lernen:

- Einander wahrnehmen, Blickkontakt aufnehmen
- Konflikte veranschaulichen und Lösungen finden
- Auf Werte und Gegensatzpaare achten wie „Wahrheit und Lüge“, „Frieden und Streit“
- Stimmungszustände wie Freude, Trauer, Ärger oder Wut auszudrücken
- Erfahren, dass Schwächen, Fehler und ebenso eine Kultur des Verzeihens und der Umkehr zum Leben dazugehören
- Sprach- und Verhaltensmuster einüben und dabei den Wortschatz erweitern, Symbole und Gleichnisse zu verstehen
- Gemeinsam zuhören, erzählen, spielen, basteln, malen (vgl. Stöcklin-Meier, 2008 S. 26 ff.)

2.4. Ästhetische Funktion

Der englische Dichter T.S. Eliot sieht die Funktion der Kunst darin, uns eine Vorstellung der Ordnung im Leben zu vermitteln: „It is a runktion of all art to give us some perception of an order in life, by imposing and order upon ist“ (T.S. Eliot, zit. nach Horn, 1999, S.108)

Frau Horn in ihrer Publikation vertritt die Meinung von Volker Klotz, dass das Märchen eine „naive Ästhetik besitzt, die so naiv auch gar nicht ist“. Zu ihr gehört auch Humor, der vor allem im Unsinn und in der zeitlangen Befreiung von Alltagslogik besteht. In der Unsinndichtung nimmt der Mensch Urlaub von Last des logischen Denkens. Beispiele für Unsinn in Märchen wären eine Mandel in der eine ganze Stadt Platz hat und/oder ein Mensch, der nach vierzig Fässer Bier mit einem Purzelbaum sich in eine Maus verwandelt, der goldene Fisch, der alle Wünsche erfüllt, wenn man sie wieder ins Wasser lässt und/oder eine Nuss, die einem armen Mädchen schöne Kleider verschenkt. Als besondere ästhetische Erfahrung gilt für die Autorin ein glückliches Ende, die bei (fast) allen Märchen zu erkennen ist. Am besten wird die ästhetische Funktion der Märchen in einem Satz von Katalin Horn sichtbar: “ Das Märchen ist eine ganze Universalbibliothek, und vielleicht ist dies mit ein Grund, warum es möglicherweise der Vergessenheit trotzdem wird, und vielleicht ist es auch dank dieser seiner Vielseitigkeit der guten Jugendliteratur einen Schritt voraus“ (ebd., S.109)

3. Theorien zur Entstehungsgeschichte von Märchen

Aufbauend auf den Forschungsergebnissen der Gebrüder Grimm teilten sich die verschiedenen Forscher in zwei Lager. Einmal waren dies die Forscher, die einen Hauptursprung und die Migration oder Wanderung als Verbreitungsprinzip und Ursache für Veränderung und Variantenbildung annahmen. Dazu gehören die so genannte Indische Theorie und die Finnische Schule. Zum anderen gab es die Forscher, die Bedingungen annahmen, die auf der ganzen Erde ähnlich sind und jene Vielzahl an Varianten entstehen ließen (Polygenese und Evolution). Die Polygenese als Ursprungsprinzip nahmen z.B. die anthropologischen Theorien an.

Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts standen sich hauptsächlich zwei Gruppen von Theorien, aufbauend auf die Grimmschen Studien, gegenüber. Eine Gruppe favorisiert die Monogenese und anschließende Diffusion, die andere hält die Polygenese mit anschließender Evolution für bestimmend.

In den folgenden Kapiteln werden die oben genannten Theorien ausführlich dargestellt und erläutert.

3.1. Die indogermanische Theorie: Auffassungen der Gebrüder Grimm (Basis aller Märchenforschungen)

Wilhelm und Jacob Grimm gelten als die Begründer der Märchenforschung. Sie sammelten, zunächst nur in Deutschland, später auch in ganz Europa, mündlich überlieferte Märchen und veröffentlichten sie in ihren ,,Kinder- und Hausmärchen". Mit den Anmerkungen dazu, die ab 1923 in einem gesonderten Band erschienen, stellten die Grimms ein umfangreiches Nachschlage - und Vergleichswerk zusammen. In diesen Anmerkungen werden alle Varianten und Quellen aller abgedruckten Märchenfassungen wiedergegeben. Auch wiesen sie mit diesen Anmerkungen zu gleichen Motiven auf die stoffliche und motivische Verwandtschaft in der Volksdichtung und der Weltliteratur hin, welche sich in den Märchen besonders gut zeigte. (vgl. Pöge- Adler, 1994 S. 27) Die Anmerkungen zu den ,,Kinder- und Hausmärchen" bildeten die Grundlage für die vergleichende Märchenforschung und dienten dem weiteren Interesse an der Märchenforschung.

Den Brüdern Grimm ging es bei ihren ganzen Forschungen auf diesem Gebiet allerdings nicht um die Deutung der vorkommenden Motive und Symbole, sondern allein um die, historische Betrachtung der alten Texte“ (ebd.). Im Zuge ihrer Sammlung der Märchen verfolgten sie daher die Stoff- und Motivgeschichte der europäischen Völker. Dennoch verfolgten sie noch ein weiteres Ziel mit ihrer Arbeit, was ihr Eingreifen in die Texte deutlich zeigt. ,,Angestrebte Wirkung der „ungetreuen“ Umarbeitungen war es dagegen, ein von sittlich und moralisch Anstößigem freies Familien- und Hausbuch herauszugeben sowie den Anschein historisch alter Literatur des Volkes zu wahren...“ (Pöge- Adler, 1994 S. 27) Ihr Eingreifen in die Rohfassungen der gesammelten Texte hatte eine unerwartete Folge: alle Märchen, die der Art und dem Stil der KHM entsprechen, werden heute der ,,Gattung Grimm" zugewiesen. (ebd. S. 27)

Sie formulierten im Laufe ihrer Forschung einige wichtige Aussagen, die den Kern ihrer Theorie zur Entstehung der Märchen bilden.

Diese Aussagen geben vereinfacht folgendes wieder:

1. Märchen sind ein Erbe, das aus einem grundlegenden Mythos eines ursprünglich einheitlichen Volksstammes überliefert ist. Jacob Grimm sagte dazu folgendes: ,, die älteste Geschichte jedwedes volks ist volkssage. jede volkssage ist episch, das epos ist alte geschichte, alte geschichte und alte poesie fallen nothwendig zusammen.“ (ebd. S. 30) Die in der Gegenwart erzählten Geschichten schienen eine Verbindung zur Vergangenheit aufzubauen. Die Entstehung der Märchen aus einer gemeinsamen Quelle, dem Mythos, heraus, beschreibt Wilhelm Grimm so: ,,Gemeinsam allen Märchen sind die Überreste eines in die älteste Zeit hinauf reichenden Glaubens, der sich in die bildliche Auffassung übersinnlicher Dinge ausspricht. Dies Mythische gleicht kleinen Stücken eines zersprungen Edelsteins, die auf dem Gras und Blumen überwachsenen Boden zerstreut liegen und nur von dem schärfer blickenden Auge entdeckt werden.“ Auch sein Bruder führt diesen Gedanken, neben der oben genannten Aussage, weiter aus. So schreibt er: ,,(...), als beruhen diese Stoffe auf läffischen, der betrachtung unwürdigen erdichtungen, da sie vielmehr für den niederschlag uralter, wenn auch umgestalteter und zerbröckelten mythen zu gelten haben, die von volk zu volk, jedem sich anschmiegend, fortgetragen (...)“(Lüthi, 2996, S. 63)

2. Märchen können in ihrer Gesamtheit über große Zeiträume hinweg gewandert sein und so weitergegeben und auch verändert worden sein. Diese Aussage formulierten sie so aber erst in den späteren Jahren ihrer Forschungen, nachdem sich auch andere mit dieser Thematik auseinandergesetzt hatten. Zunächst zogen sowohl Jakob und Wilhelm Grimm diese Möglichkeit jedoch nicht in Betracht. Dies zeigt sich deutlich in zwei Aussagen Wilhelm Grimms. So sagte er zum einen: ,, Die Grenze (der Verbreitung der Märchen, deren Grundlage der gemeinsame Mythos ist, Anm. d. Verf.) wird bezeichnet durch den großen Volksstamm, den man den indogermanischen zu benennen pflegt, und die Verwandtschaft zieht sich in immer engeren Ringen um die Wohnsitze der Deutschen, etwa in dem Verhältnis, in welchem wir in den Sprachen der einzelnen dazu gehörigen Völkern Gemeinsames und Besonderes entdecken." (Aarne, 1973 S. 33)

Zum anderen hat er es noch 1818 als unbestreitbare Tatsache angesehen, dass bei aller Ähnlichkeit der vielen Völker jedes so eigen ausgeprägt sei, dass ,,ein Abborgen und Herübernehmen auch höchst unwahrscheinlich ist, zumal da sie (die Märchen und Erzählungen) nicht in Büchern, sondern in den Überlieferungen des Volkes leben und fortdauern.“ (ebd. S. 43) räumt er dann die Möglichkeit der Wanderung ein, sagt aber, dass mit einzelnen Ausnahmen nicht der große Umfang und die weite Verbreitung des gemeinsamen Besitzes zu erklären sei.

3. Durch die allen Menschen gleichen grundlegenden Eigenschaften könnten Märchen auch an anderen Stellen entstanden sein und daher gleich Züge aufweisen. Wilhelm Grimm erkannte in den Märchen auch eine elementare soziale Funktion für die Menschen. So war er im Stande, die oben beschriebene Aussage zu formulieren und seinen Blick über die eigenen Forschungen hinweg zu öffnen.

Dazu sagte er: ,, Wie die Haustiere, das Getreide, Acker-, Küchen- und Stubengeräte, die Waffen, überhaupt die Dinge, ohne welches das Zusammenleben der Menschen nicht möglich scheint, so zeigen sich auch Sagen und Märchen, der befeuchtete Tau der Poesie, so weit der Blick reicht, in jener auffallenden und zugleich unabhängigen Übereinstimmung.“ (Pöge-Adler, 1994 S. 33)

An anderer Stelle formulierte er diese Auffassung so: ,, Es gibt aber Zustände, die so einfach und natürlich sind, dass sie überall wiederkehren, wie es Gedanken gibt, die sich wie von selbst einfinden, es konnten sich daher in den verschiedensten Ländern dieselben oder doch die ähnliche Märchen unabhängig von einander erzeugen: sie sind den einzelnen Wörtern vergleichbar, welche auch nicht verwandte Sprachen durch Nachahmung der Naturlaute mit geringer Abweichung oder auch ganz übereinstimmend hervorbringen“ (Aarne, 1973, S. 46)

Diese drei Aussagen bildeten die Basis für alle weiteren Forschungen im Bereich der Märchenkunde, wurden sozusagen Anknüpfungspunkte für spätere Theoriebildungen. Diese werden nun in den weiteren Kapiteln näher erläutert.

Für die vorliegende Untersuchung ist es hauptsächlich von Bedeutung, dass die Grimms von einem gemeinsamen Ursprung aller Märchen ausgehen. Für sie zeigen alle Märchen Symbole und Erzählstoffe aus der indogermanischen Mythologie.

3.2. Die Wandertheorien

Die Wandertheorien basieren auf der Monogenese mit anschließender Diffusion als Entstehungsprinzip und der Migration als Verbreitungsprinzip von Märchen. Zu diesen Theorien gehören die Indische Theorie, begründet von Theodor Benfey und die so genannte Finnische Schule, die aus einem Bestreben Finnlands, mehr Eigenständigkeit zu erlangen, heraus entstanden ist.

3.2.1. Die Indische Theorie

Benfrey übersetzte das ,,Pantschatantra", eines der berühmtesten Werke der indischen Literatur und veröffentlichte es 1859 mit Anmerkungen in zwei Bänden. Diese Übersetzung und seine ausführlichen Anmerkungen dazu hatten den weitreichendsten Einfluss auf die Wissenschaftsgeschichte.

Das ,,Pantschatantra" wurde von Benfey als eine Sammlung indischer Märchen, Fabeln und anderen Erzählungen aufgefasst, welche ursprünglich zu einem größeren Sanskritwerk gehörten. Um dessen ursprüngliche Gestalt, seine Entwicklung, Veränderungen und seine Herkunft zu bestimmen, benutze Benfey die Kenntnisse historischer Forschungen und ihm vorliegende Übersetzungen in mehreren Sprachen, die in unterschiedlichen Quellen zu finden waren. So versuchte er den Zeitpunkt seiner Entstehung näher zu bestimmen und grenzte ihn schließlich auf die Zeit zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 6. Jahrhundert n. Chr. ein.

Die wesentlichen Punkte der Theorie Benfreys bestehen in der Annahme, dass fast alle Märchen und Erzählungen des ,,Pantschatantra" ursprünglich indisch und der buddhistischen Religion entsprungen seien. Die Grundthese der indischen Theorie umfasst damit die Wanderung der Märchen und Erzählstoffe vom Ursprungsland Indien aus fast über die ganze Welt. Auf die Verwandtschaft und Übereinstimmung zwischen deutschen und indischen Märchen war schon vor Benfrey hingewiesen worden. Die Annahme jedoch, Indien sei der Ausgangsort fast aller Märchen, das war neu in der Märchenforschung. (vgl. Pöge-Adler, 1994 S. 49ff.)

Benfrey ging davon aus, dass dieser Wanderungsprozess vor dem 10. Jahrhundert nur in wenigen Fällen, hauptsächlich durch mündliche Überlieferung, der nach Westen ziehenden Kaufleute, Reisende, etc. vonstatten gegangen ist. Danach habe seit dem Einfall islamischer Völker in Indien die literarische Überlieferung wesentlich zugenommen. Mit den Übersetzungen ins Persische und Arabische und dem engen Kontakt des Islams bzw. des Abendlandes (v.a. durch die Kreuzzüge) zu Europa und Afrika fand eine weitere Ausbreitung über die christlich orientierte Welt statt.

Benfey glaubte, die inhaltlich - ideologisch Herkunft der ursprünglich indischen Gattungen in der buddhistischen Literatur erkannt zu haben. Daraus folgerte er, dass sich die Stoffe über die gemeinsame Religion auch auf die östlich und nördlich an Indien angrenzenden Gebiete ausgebreitet haben.

Benfrey ging im allgemeinen davon aus, dass die Erzählungen und Märchen des ,,Pantschatantra" sowohl literarisch als auch mündlich überliefert wurden und dass sich beide Formen gegenseitig beeinflussten.

Des Weiteren nahm er an, dass die Grundformen der Märchen in Indien beheimatet seien und erst im Mittelalter auf schriftlichem Weg nach Westen gelangten, wo sie in das Erzählgut der Völker einging und erst in jüngerer Zeit gesammelt und niedergeschrieben wurden.

Für Benfrey bestand kein Zweifel über die literarischen, individuellen Entstehungen der Grundformen der Märchen. Dennoch setzte er sich mit der Möglichkeit der Polygenese als Verbreitungsprinzip auseinander und kam zu der Ansicht, dass gerade bei Märchen mit einem inhaltlichen Stoff, der bei allen Menschen auftritt, selbständige Fassungen entstanden sein könnten.

[...]

Details

Seiten
137
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640380640
ISBN (Buch)
9783640380381
Dateigröße
863 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132540
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt
Note
1,0
Schlagworte
Märchen Sozialen Arbeit Thema Märchen Thema Soziale Arbeit

Autor

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Titel: Märchen in der Sozialen Arbeit