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Die Abbildung der Unsicherheit im Rechnungswesen

Seminararbeit 2008 15 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Insolvenzrisiken als Form der Unsicherheit

2.Früherkennung von Insolvenzrisiken anhand von Informationen aus dem Rechnungswesen
2.1 Der handelsrechtliche Jahresabschluss als Informationsgrundlage
2.2 Der Ansatz der Bilanzanalyse
2.3 Statistische Verfahren zur Früherkennung von Insolvenzrisiken – ein Überblick
2.3.1 Grundlagen statistischer Verfahren bei der Insolvenzprognose
2.3.2 Die Lineare Multivariate Diskriminanzanalyse
2.3.3 Die Logistische Regressionsanalyse

3. Die Künstliche Neuronale Netzanalyse
3.1 Aufbau und Funktionsweise Künstlicher Neuronaler Netze
3.2 Gewichtung und Lernphase der Künstlichen Neuronalen Netzanalyse

4. Möglichkeiten und Grenzen von Verfahren zur Früherkennung von Insolvenzrisiken

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Insolvenzrisiken als Form der Unsicherheit

Im Jahr 2007 meldeten in Deutschland 29160 Unternehmen Insolvenz an.1) Daraus ergab sich für die Gläubiger ein Schaden von 18 Milliarden €, was im Durschnitt ca. 620 000 € pro Unternehmensinsolvenz bedeutet.

Für die Gläubiger eines Unternehmens stellt eine mögliche Insolvenz dabei eine Unsicherheit dar, da sie mit einem Forderungsausfall verbunden ist. In der Betriebswirtschaft lässt sich der Begriff „Unsicherheit“ als einen Zustand nicht vollkommenen Wissens bezeichnen, der es nicht erlaubt, die Konsequenzen einer Handlung mit so großer Präzision vorherzusagen, dass ein und nur ein Ergebnis ihre Folge ist.2) Demnach muss das Wissen über den Zustand eines Unternehmens gesteigert werden, um die Unsicherheit in Form eines Insolvenzrisikos zu senken. Zahlenbezogene Informationen, wie sie das Rechnungswesen liefert, können dabei schon frühzeitig erste Anzeichen einer Insolvenzgefährdung liefern, da Insolvenzen nur selten durch ein plötzlich eintretendes, unvorhersehbares Ereignis verursacht werden.3) Besonders für Gläubiger, wie zum Beispiel Kreditgeber, Anteilseigner oder auch Lieferanten, ist dies entscheidend, da sie nur vor dem tatsächlichen Eintritt der Insolvenz reagieren und so ihre Forderungsausfälle minimieren können.

Die folgenden Kapitel behandeln das Insolvenzrisiko als eine Form der Unsicher-heit und stellen fest, wie mit Hilfe von statistischen Verfahren der Bilanzanalyse eine Früherkennung von Insolvenzrisiken möglich ist.

2. Früherkennung von Insolvenzrisiken anhand von Informationen aus dem Rechnungswesen

2.1 Der handelsrechtliche Jahresabschluss als Informationsgrundlage

Das betriebliche Rechnungswesen lässt sich in zwei Teilbereiche gliedern. Während das interne Rechnungswesen ausschließlich Informationen für unternehmensinterne Bereiche zur Verfügung stellt, richten sich Informationen des externen Rechnungswesens primär an externe Adressaten des Unter-nehmens.1) Da die in Abschnitt 1 beschriebenen Träger der Unsicherheit zum größten Teil unternehmensextern sind, wird im Weiteren nur das externe Rechnungswesen betrachtet.

Um sicherzustellen, dass die oben genannten Adressaten auch wirklich Zugriff auf die benötigten Informationen haben, muss der Begriff des Jahresabschlusses näher eingegrenzt werden. Im Folgenden ist mit dem Jahresabschluss der handelsrecht-liche Jahresabschluss von mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften gemeint, da diese den Jahresabschluss nach §325 Abs.1 HGB vollständig offenlegen müssen.2) Auch der steuerrechtliche Jahresabschluss wird hier nicht beachtet, da er ausschließlich für den Staat bestimmt ist.

Nach §264 Abs.1 HGB besteht der handelsrechtliche Jahresabschluss von Kapital-gesellschaften aus der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung und einem Anhang. Zusätzlich müssen mittlere und große Kapitalgesellschaften einen Lage-bericht verfassen.

Der folgende Abschnitt befasst sich damit, wie die durch den Jahresabschluss gelieferten Informationen einer Früherkennung von Insolvenzrisiken dienen können.

2.2 Der Ansatz der Bilanzanalyse

Der Handelsrechtliche Jahresabschluss dient als Informationsgrundlage, um Um-sicherheiten, die im Rechnungswesen abgebildet sind, zu erkennen. Allerdings lassen sich entscheidungsrelevante Informationen über die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens nicht unmittelbar entnehmen.3) Um trotzdem an geeignete Informationen zur Früherkennung von Insolvenzrisiken zu gelangen, werden statistische Verfahren der Bilanzanalyse verwendet. Die Bilanzanalyse kann dabei als methodische Untersuchung des Jahresabschlusses verstanden werden, mit dem Ziel, entscheidungsrelevante Informationen über die gegenwärtige wirtschaftliche Lage und die wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens zu erhalten.4)

Die statistischen Verfahren sind dabei in der Lage Kennzahlen im Hinblick auf ihre Eignung zur Insolvenzprognose zu einem Gesamtbeurteilungsindikator zu verknüpfen.1) Der Gesamtbeurteilungsindikator, der dabei aus den Jahres-abschlusskennzahlen erstellt wird, lässt eine objektive Beurteilung über die wirtschaftliche Lage und damit auch über das Insolvenzrisiko zu. Die statistischen Verfahren sollten deshalb genauer betrachtet werden.

2.3. Überblick über statistische Verfahren zur Früherkennung von Insolvenzrisiken

2.3.1 Grundlagen statistischer Verfahren bei der Jahresabschlussanalyse

Im Folgenden werden die Verfahren nur hinsichtlich ihrer Klassifikationsfunktion bei der Früherkennung von Insolvenzen dargestellt.

Ziel der statistischen Verfahren der Bilanzanalyse ist hier, Unternehmen anhand von Jahresabschlusskennzahlen entweder als insolvenzgefährdet (krank) oder als nicht insolvenzgefährdet (gesund) zu klassifizieren. Als Grundlage steht dabei eine große Anzahl repräsentativ ausgewählter Unternehmen zur Verfügung, für die mindestens drei aufeinander folgende Jahresabschlüsse vorliegen und deren finanzielles Schicksal bekannt ist, zur Verfügung. Dieser Datensatz wird in eine Lern- und in eine Teststichprobe aufgeteilt. Das statistische Verfahren soll nun anhand einer Lernstichprobe Kennzahlfunktionen ermitteln, mit denen eine objektive Aussage über die Insolvenzgefährdung von Unternehmen, die nicht zur Lernstichprobe gehören, getroffen werden kann.2) Die Kennzahlfunktionen geben eine bestimmte Kombination von gewichteten Jahresabschlusskennzahlen an, mit denen eine Klassifikation eines Unternehmens besonders gut möglich ist. Um das Insolvenzrisiko zu bestimmen, werden die Jahresabschlusskennzahlen in das Modell eingefügt und das Unternehmen wird dann entweder als krank oder als gesund eingestuft. Anhand der Teststichprobe kann das ermittelte Modell auf seine Güte hin überprüft werden.

Nachfolgend werden drei, in der Praxis häufig angewendete, Verfahren betrachtet.

[...]


1 Vgl Statistisches Bundesamt [Insolvenzen 2007] aus dem Internet: www.destatis.de

2 Vgl. Drukarczyk/Schüler [Unternehmensbewertung] 45.

3 Vgl. Baetge/ Kirsch/Thiele [Bilanzanalyse] Vorwort

1 Vgl. Coenenberg u.a. [Rechnungswesen] 7f.

2 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele [Bilanzen] 40.

3 Vgl. Baetge/ Kirsch/Thiele [Bilanzanalyse] 1.

4 Vgl. Baetge/ Kirsch/Thiele [Bilanzanalyse] 1.

1 Vgl. Küting/Weber [Bilanzanalyse] 350.

2 Vgl. Baetge/Stellbrink [Früherkennung] 214.

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640385935
ISBN (Buch)
9783640385638
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132436
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim – Lehrstuhl für Controlling
Note
1,7
Schlagworte
Insolvenzrisiko Bilanzanalyse Künstliche Neuronale Netzanalyse Risikomanagement Rechnungswesen Controlling

Autor

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