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Emotionales Lernen im Adventure Based Counceling

Affect und Emotionale Intelligenz

Seminararbeit 2004 20 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

I. Die Grundprinzipien des Adventure Based Counceling
1. Die abenteuerpädagogische Trias
2. Zielsetzung

II. Grundlagen emotionalen Lernens
1. Zum Verhältnis von Bildung und Intelligenz
2. Multiple Intelligenzen
3. Emotionale Intelligenz
4. Emotionales Lernen

III. Diskussion emotionaler Lernanreize im Adventure Based Counceling
1. Affektive Zielsetzungen von Adventure Based Counceling
2. Adventure Based Counceling im Lichte von Golemans Curriculum

IV. Zusammenfassung

Literatur

Richtig sieht man nur mit dem Herzen;

das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.

Antoine des Saint-Exupéry

Einleitung

Die vorliegende Arbeit erfolgt im Anschluss an die Exkursion „Adventure Based Counceling – ein Beratungsmodell für die Schule“, welches sich in den Rahmen der Zusatzqualifikation „Abenteuer- und Erlebnispädagogik“ einordnet. Ein Aspekt des Gesamtkonzepts ist das emotionale Lernen bzw. Gefühlsmanagement, welches besonders im ABC zum Tragen kommt. So wird dieses Konzept in Variationen nicht nur im pädagogischen Rahmen, sondern auch in der Therapie und der Weiterbildung bspw. von Managern angewendet.

Das Thema dieser Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, in welchen Teilen von Konzept, Zielsetzung und Aktivitäten emotionales Lernen erfolgen kann.

Hierzu wird zunächst das Konzept Adventure Based Counceling in seinen Grundzügen und Zielen vorgestellt. In einem zweiten Schritt soll dann geklärt werden, was emotionales Lernen ist. Hierzu wird kein pädagogischer, sondern ein psychologischer Ansatz gewählt, welcher seit seinem Erscheinen eine große Resonanz erfahren hat, auch über die Grenzen Wissenschaft hinaus: das Konzept der emotionalen Intelligenz von Goleman (2004).

Die Synthese beider Bereiche vollzieht sich in zwei Schritten. Zunächst wird in einer groben Annährung die Zielsetzung des Adventure Based Counceling auf ihre emotionalen Komponenten durchleuchtet. Im zweiten Schritt soll dann ein von Goleman aufgestelltes Curriculum als Maske für Adventure Based Counceling benutzt werden. Dabei sollen einzelne Aktivitäten und Elemente ans Licht kommen, die emotionales Lernen bewirken können.

Die Arbeit endet mit einer Zusammenfassung, welche die Hauptergebnisse resümiert und einordnet.

I. Die Grundprinzipien des Adventure Based Counceling

Das Adventure Based Counceling (ABC) ist ein Bildungskonzept, welches seine Wurzeln in der Therapie durch Abenteuersituationen (Outward Bound) hat (das Folgende nach Schoel/Prouty/Radcliffe 1989, 3–10). Im Sinne einer ganzheitlichen Strömung möchte das Konzept den alltäglichen Unterricht ergänzen und dabei spezielle Kompetenzen ausbilden. Dies geschieht meist auf mehrtägigen Workshops.

Die grundlegenden Überlegungen zum Einsatz von Abenteuerelementen in der Bildung gehen auf den deutsch-jüdischen Pädagogen Kurt Hahn zurück, welcher vor seiner Emigration nach England mit den Schülern seiner Privatschule in Salem auf See gegangen ist, um dort Expeditionen zu unternehmen, und zwar mit dem Ziele der vertieften Persönlichkeitsbildung.

Mit Bestrebungen zur ganzheitlichen Bildung etabliert und erweitert sich das Konzept in den Achtziger Jahren an etlichen amerikanischen Schulen und bildet sich dort als eigenständiges Modell heraus. Es handelt sich hierbei um ein Modell der Praxis, welches hauptsächlich auf den Erfahrungen der Leiter basiert und somit verschiedene Ausprägungen hat. Trotzdem lässt sich eine gemeinsame Grundlinie feststellen.

1. Die abenteuerpädagogische Trias

Unter Ganzheitlichkeit versteht das Konzept eine Involvierung der antiken Dreiteilung von Körper, Geist und Seele. In den Begriffen des 20. Jahrhunderts ausgedrückt wird das Akronym ABC somit doppeldeutig: affect, behaviour, cognition (ebd., 24–26).

Affect umfasst den emotionalen Bereich des Schülers, die Seele. Hierbei geht es um emotionale Herausforderungen, Vertrauensbildung, Empathie, Sicherheit, Liebe und vor allem Selbstsicherheit (self-esteem).

Behaviour umfasst alle Bereiche des Handelns. Hierbei tritt man in erster Linie mit seinem Körper in einen Bezug zur Welt. Ein Großteil der Aktivitäten des ABC sind daher Bewegungsaktivitäten.

Cognition ist schließlich der Bereich, der im schulischen Alltag am meisten Aufmerksamkeit findet: der Geist. Das Konzept möchte jedoch das Denken gerade in vernetzten, problemorientierten Situationen fördern. Außerdem ist eine rationale Auseinandersetzung mit sich selbst, besonders im Sinne von persönlichen Zielsetzungen ein wesentlicher Schritt bei der Erreichung des Hauptziels von ABC.

2. Zielsetzung

Das zentrale Ziel, um welches es beim ABC geht, ist die Verbesserung des Selbstbildes (self-concept; soweit nicht anders angegeben ebd., 11–23, vgl. Eckern/Lindner 1997, 115–123). Es hat sich herausgestellt, dass das, was in der Therapie – besonders von jugendlichen Kriminellen – durchaus gängig ist, nämlich den Kreis von Niederlagen (cycle of failure) zu durchbrechen, auch für die Entwicklung, quasi im Sinne einer Prävention, förderlich ist: Es geht darum ein positiv-realistisches Bild von sich selbst zu entwerfen und dieses in der Welt zu verwurzeln, und zwar als Grundlage für eine gesunde, zufriedene, konstruktive und effektive Lebensführung. Außerdem stellt ein positiveres Selbstbild eine wesentliche Grundlage für Lernprozesse dar (Canfield/Wells 1994, 6). Um dieses Meta-Ziel zu erreichen, setzt das Modell auf folgende Unterelemente:

Vertrauensbildung: Dies ist die Grundlage für jede menschliche Entwicklung. Es geht darum, emotionales Vertrauen gegenüber sich selbst und anderen aufzubauen, und zwar als Basis für eine ungestörte und ungehemmte Lernatmosphäre, zumal das Konzept stark auf Gruppendynamik setzt. Dabei ist das Vertrauen nicht nur Mittel zum Zweck, sondern eigenständiges Bildungsziel: Es soll erfahrbar gemacht werden, wie hilfreich und erfüllend es sein kann, Vertrauen in sich und seine Umwelt zu haben und selbiges zu erfahren.

Zielsetzungen: Wichtiger Bestandteil des Modells ist das aktive Formulieren von Zielen. Es soll exemplarisch erfahrbar werden, wie man erreichbare, ganz konkrete Ziele formuliert sowie deren Erreichen feststellt. Ferner soll gezeigt werden, dass es eine Freude ist, seine Ziele erreicht zu haben. Neben der individuellen Zielsetzung entscheidet sich die gesamte Gruppe zudem für eine gemeinsame Wertevereinbarung (full value contract), die das Zusammensein für die gemeinsame Zeit regelt. Hierdurch soll besonders die physische und psychische Sicherheit der Individuen gewährleistet werden.

Herausforderungen/Stress: Erfahrungen lassen sich nur in neuen, herausfordernden Situationen sammeln (vgl. Dewey 1994, 140–154) und es scheint im Entwicklungsprozess ganz natürlich zu sein, sich in Grenzsituationen zu begeben. In Grenzsituationen verspürt man positiven Stress (eustress), nach dessen Bewältigung Zufriedenheit und Sinn.

Durch pädagogisch inszenierte emotionale und körperliche Grenzsituationen soll diese Entwicklungstatsache zu Nutzen gemacht werden. Man erhofft sich dadurch, solche Erfahrungen zu vermitteln, welche kriminelle Handlungen aus purer Erfahrungslust oder Langeweile überflüssig machen.

Hocherlebnisse: Den Höhepunkt der eben beschriebenen Herausforderungen bilden die Hocherlebnisse eines Workshops (peak awareness). In solchen Momenten spürt man ein hohes Maß an Selbstwert und Verwobensein mit der Welt. Man erreicht den flow („das Fließen“), welches dazu führt, dass Handlung und Aufmerksamkeit verschmelzen, die Aufmerksamkeit stark fokussiert ist, man voll in der Handlung aufgeht und gleichzeitig volle Kontrolle besitzt, man klare Handlungen vollzieht und den Sinn in der Sache selbst erfährt, ohne das Bedürfnis, von außen entlohnt zu werden.

Spaß: Wie die Psychologie erkannt hat, besteht die Funktion des Lachens auch in dem Abbau von Spannungen und Stress. In diesem Sinne soll durch Spiele, die sich in der Regel an die New-Games-Bewegung anlehen, die hohe Anspannung der Herausforderungssituationen und Hocherlebnisse wieder abgebaut werden, sodass die emotionale Balance wiederhergestellt wird.

Problemlösungen: Als letztes Element spielen Problemlösungsaufgaben eine deutliche Rolle. Sie eigenen sich zum einen für die Schulung des Denkens, zum anderen aber für das soziale Geschick im Umgang mit anderen, denn die Problemlöseaufgaben werden in der Regel kooperativ von der Gruppe gelöst. Der anschließende Reflexionsprozess geht besonders auf die Art des Umgangs miteinander ein.

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640381180
ISBN (Buch)
9783640380855
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132221
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Institut für Sportwissenschaft und Motologie
Note
1,0
Schlagworte
ABC Adventure Based Counceling Abenteuerpädagogik Erlebnispädagogik Emotionale Intelligenz Goleman Marburg Abenteuer- und Erlebnispädagogik

Autor

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Titel: Emotionales Lernen im Adventure Based Counceling