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Das Bild des Engländers in ausgewählten Werken von Kureishi, Rushdie und Mo

Examensarbeit 2001 99 Seiten

Anglistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Analyserahmen
2.1. Die Konzepte des Selbst und des Anderen
2.2. Englishness, England, Engländer

3. Hauptteil
3.1. Timothy Mo - Sour Sweet
3.1.1. Bedeutung des Titels
3.1.2. Die Wahrnehmung der Engländer, ihrer Sitten, Gebräuche und Heimat
3.2. Hanif Kureishi - The Buddha of Suburbia
3.2.1. Neuverhandlung von Englishness
3.2.2. Das Bild des Engländers in der ersten Generation von Immigranten
3.2.3. Das Bild des Engländers in der Folgegeneration
3.3. The Satanic Verses
3.3.1. Dezentrierung Englands
3.3.2. Wahrnehmung des Anderen
3.3.3. Erneuerung der Gesellschaft

4. Zusammenfassender Vergleich

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Darstellung Englands und der Engländer hat in der Weltliteratur Tradition: Shakespeare inspirierte sie zu Lobeshymnen auf Land und Leute, in Richard II etwa wird England: “This other Eden, demi- paradise”, seine Landsleute “this happy breed of men”; Daniel Defoe hingegen dichtet über “The True- born Englishman” und spricht von “that vain, ill- natur‘d thing, an Englishman”.

Das Thema dieser Arbeit soll es sein, die Fortsetzung dieser Tradition in der heutigen Literatur Großbritanniens, speziell bei Salman Rushdie, Hanif Kureishi und Timothy Mo, zu betrachten. Die drei Autoren werfen ein neues Licht auf die Thematik, sind sie doch alle Repräsentanten der neuen Literaturen englischer Sprache. Sie blicken – bedingt durch ihre Lebensläufe im Wechselspiel verschiedener Kulturen – auf das Land, dessen Pässe sie besitzen aus einer ebenso neuen wie interessanten Perspektive.

Die Bedeutung dieser Schriftsteller wird meist besonders darin gesehen, dass sie in ihren Werken über ihre speziellen Lebenserfahrungen im Umfeld von Immigration und Rassenbeziehungen berichten. Diese Erfahrungen und Berichte gelten als exotisch und fremd. Hierbei scheint jedoch Exotisch gerade das, was in der Situation der jeweiligen Autoren das Normale, das Alltägliche darstellt: das Miteinander von Nicht-Briten bzw. Immigranten unterschiedlicher Herkunft, die für gewöhnlich einen hybriden Lebensstil zugeschrieben bekommen. Im Gegensatz zu dieser üblichen Auffassung wird hier davon ausgegangen werden, dass sich postkoloniale Autoren und somit auch die Inhalte und Themen ihrer Werke nicht nur innerhalb der engen Grenzen der verschiedenen ethnischen, rassischen oder kulturellen Gruppierungen bewegen, denen sie durch ihre Herkunft oder die Herkunft ihrer Vorfahren zugerechnet werden können, sondern dass sie auf den verschiedensten Ebenen in Kontakt treten mit Menschen anderer Ethnien, Kulturen, Klassen und sexueller Orientierung und die größte, homogen erscheinende Gruppe, die in Großbritannien den Immigranten gegenübertritt, sind natürlich die Briten.

Die Betrachtung des Engländers als den Anderen[1], der exotisch ist und Erstaunen oder gar Befremden hervorruft, und der in dieser Weise in der postkolonialen Literatur Niederschlag gefunden hat, soll in dieser Arbeit untersucht werden.

Diese Art von Exotismus ist jedoch in der Sekundärliteratur wenn überhaupt, dann nur am Rande angesprochen worden. So spricht zum Beispiel Klaus H. Börner von “[...] exoticism from another angle”[2]. Die Literaturlage ist unzureichend, insbesondere zu allen Aspekten des Werkes Timothy Mos findet sich nur sehr wenig Sekundärliteratur, aber auch zu den anderen Autoren lässt sich zu dem hier gewählten Thema kaum etwas finden. Aus diesem Grund werden sich sowohl die theoretischen Grundlagen als auch die Ausführung der Analysen auf verschiedene, auch nicht-literaturwissenschaftliche, Quellen stützen müssen und vielfach selbständig, ohne eine Möglichkeit der Rezeption vorhergehender Ansätze, durchgeführt werden.

Das Bild des Engländers in der postkolonialen Literatur wird so betrachtet werden, dass zunächst ein formaler Analyserahmen geschaffen wird, durch den bereits im Vorfeld die Konzepte des Selbst und des Anderen ebenso durchleuchtet werden wie Konzepte der ‚ Englishness ‘. Dieser wird es ermöglichen, in der daran anschließenden Untersuchung in Mos Sour Sweet, Kureishis The Buddha of Suburbia und Rushdies The Satanic Verses die Repräsentationen der Engländer unter dem Aspekt der Erfahrung des Fremden erkennen und analysieren zu können. Die Textarbeit wird dabei formale und inhaltliche Gesichtspunkte betrachten. In einem abschließenden Kapitel sollen dann die sich herauskristallisierenden Ergebnisse miteinander verglichen werden, um so zu einem allgemeineren, zusammenfassenden Fazit gelangen zu können.

Es wird noch an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass innerhalb dieser Arbeit Begriffe wie ‚ Englishness ‘ und ‚ Britishness ‘, ‚Engländer‘ und ‚Briten‘ oder auch ‚England‘ und Großbritannien‘ miteinander als synonym verwendet werden, solange nicht explizit eine Unterscheidung gemacht wird. Obwohl diese Termini natürlich verschiedenes bezeichnen, finden sich in der Literatur und im allgemeinen Sprachgebrauch keine exakten Grenzziehungen zwischen ihnen. “There is no longer, if there ever was, any certainty about the meaning of ‘Englishness’ and ‘Britishness’ in the current political environment.”[3]

Die in dieser Arbeit betrachteten Texte und Autoren wurden aufgrund der Tatsache, dass sie in zentralen Punkten vergleichbar sind (wie noch gezeigt werden wird), ausgewählt. Diese Übereinstimmung betrifft sowohl die Texte selbst als auch die Biographien und Einstellungen der einzelnen Autoren.

Alle drei Autoren werden in der Sekundärliteratur innerhalb der verschiedenen Aufsätze regelmäßig als gleichwertig behandelt. Sie werden als Vertreter postkolonialer oder neuer englischer Literaturen gesehen. Die Gruppenbildung, so wird offen zugestanden, ist “ex negativo – the experience of exclusion from white British society”[4] reicht hier als Argument aus. Aufgrund ihres Ausgeschlossenseins sind sie in der Lage “[to] observe and describe British life from the perspective of ethnic minorities.”[5] Diese Beobachtungen und Beschreibungen des englischen Lebens, die in allen Ausprägungen Eingang in die verschiedensten postkolonialen Werke gefunden haben, sind die im Zusammenhang dieser Arbeit zentral zu beleuchtenden Aspekte. Hierbei ist allerdings die Aussage von Eckhard Reckwitz nicht zu unterstützen, dass eine Anzahl englischschreibender Autoren aus Übersee in England selbst heimisch geworden [sind]: die Inder Rushdie und Ghosch durch ihre britische Schul- und Universitätsausbildung, der Sohn pakistanischer Immigranten Kureishi, die von gemischt englisch- chinesischen bzw. englisch- japanischen Eltern abstammenden Mo und Ishiguro [...][6]

In dieser Arbeit wird im Gegensatz zu der Sicht von Reckwitz davon ausgegangen, dass diese Autoren nicht vollständig heimisch geworden sind, da eine vollständige Integration im Gegenzug das Befremden des Außenstehenden unmöglich machen würde, dass im Werk dieser Autoren anzutreffen ist. Des weiteren disqualifiziert sich der oben zitierte Ansatz Reckwitz‘ durch seine ungenaue Einordnung der Nationalitäten Kureishis und Rushdies, da Rushdie bereits mit 15 die britische Staatsbürgerschaft annahm (und somit zwar indische Wurzeln hat, aber rechtlich betrachtet nicht mehr “Inder” ist) und nicht beide Elternteile Kureishis pakistanische Immigranten sind, sondern nur dessen Vater.

Vielmehr ist wohl die Aussage Wolfgang Riedels zutreffend, dass much of Mo’s, Rushdie’s, and Caryl Phillips’s fiction is English ‘only’ in that it is written in the English language, that the writers are English passport holders, and that English publishers have considered its publication profitable, the settings and characters being cosmopolitan, Japanese, Chinese, Caribbean, or at times English. Yet there is much ‘Englishness’ to be found in these novels, be it in the connotative ripples on the stream of language, in the discursive energy of the social and cultural patterns it establishes, in the references made to the dominating discourse by telling ‘another side’ of the story, or be it – looking at the marvellous settings from the viewpoint of the white Anglo- Saxon reading public – in the nostalgic bathos of an ”all this once was our world”.[7]

Denn es handelt sich bei diesen und auch weiteren Autorinnen und Autoren durchaus um “Engländer” in dem Sinne, dass sie eben eine britische Staatsbürgerschaft besitzen und sich selbst auch als Engländer fühlen. Auch sind ihre literarischen und ästhetischen Grundlagen geprägt durch ihre Kenntnis des westlichen Literaturkanons. Sie verwenden auch literarische Stilmittel, wie sie in diesem üblich sind: “Each knows the idioms and assumptions of British life.”[8] Aber sie sind in ihren eigenen Augen und auch in den Augen der sie umgebenden westlichen Gesellschaft stets Einwanderer, Fremde und Andere in England, “but their past leads them outside the confines of British society for their subject matters and themes.”[9] Deshalb sind sie sowohl Insider als auch simultan Outsider in der englischen Gesellschaft. Dies ermöglicht ihnen einen anderen Blick auf die britische Gesellschaft zu werfen, als dies “richtigen” Engländern möglich ist.

Ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche Stellung entspricht allerdings nicht unbedingt der eines Großteils anderer Einwanderer aus den ehemaligen Kolonien oder deren Nachfahren:

While immigrants are often poor, and not at home with their new culture and language, Rushdie and the other writers discussed here [Shiva Naipaul, Buchi Emecheta, Timothy Mo, Kazuo Ishiguro] are part of an élite, the upper tenth of British society who have university degrees.[10]

Dennoch sind sie in ihren Einstellungen und in ihrem Blick auf die britische Gesellschaft von der Erfahrung und das Wissen um ihre Außenseiterrolle geprägt. Diese Erfahrungen haben sie bereits im Kindes- und Jugendalter sammeln können und müssen. Sowohl Rushdie als auch Kureishi haben hierzu autobiographische Aussagen gemacht und diese bewusst in ihre literarischen und essayistischen Produktionen mit einfließen lassen.

Auch wenn die hier behandelten Autoren heute zur Elite Englands gehören, so bestimmen die in der Jugend gemachten Erfahrungen noch immer ihr Handeln und Denken, da besonders im Jugendalter Persönlichkeit und Selbstbild noch nicht vollständig gefestigt sind und somit leicht durch Angriffe verletzt werden können. Durch ihre Ausbildung sind sie lediglich eher dazu in der Lage, ihre Situation und ihre Erfahrungen wie auch die anderer Einwanderer theoretisch zu hinterfragen und zu durchdenken, und aus diesen Ergebnissen Rückschlüsse auf ihre eigenen Einstellungen und Lebensweisen zu ziehen. Diese Art der theoretischen Verarbeitung praktischer Erfahrung ist es, die in ihren Werken zu der Darstellung ihrer Lebenssituation und ihrer Wahrnehmungen des Engländers als ihnen fremdes Wesen führt.

Neben ihrer gemeinsamen Einordnung in die Gruppe postkolonialer Autorinnen und Autoren sind die hier besprochenen Autoren auch durch weitere Details ihrer Biographie miteinander verbunden: so sind sowohl die Eltern von Kureishi als auch von Mo gemischt englisch und pakistanisch bzw. chinesisch. Als Konsequenz hieraus ergibt sich, dass sie beide bereits im Elternhaus sich mit den Unterschieden zwischen den verschiedenen Kulturen auseinanderzusetzen gelernt haben und durch beide Kulturen ihrer Eltern geprägt sind, Hybridität also zu ihren essentiellen Wesensmerkmalen gehört.

Mo und Rushdie wiederum verbindet, dass beide zumindest teilweise ihre Kindheit außerhalb von England verbracht haben und somit ein durch die Außenperspektive vermitteltes Bild Englands rezipieren konnten. Hinzu kommt, dass Mo und Rushdie beide Geschichte studiert haben, ihre Interessen sind daher zumindest auf diesem Gebiet vergleichbar. Dies zeigt sich in ihrer literarischen Produktion, denn beide thematisieren in unterschiedlichen Werken historische Ereignisse oder verlagern die gesamte Romanhandlung in einen geschichtlichen Kontext.

Darüber hinaus liegen die Wurzeln Rushdies und Kureishis (bzw. ihrer Vorfahren) im indischen Subkontinent, durch dessen Kultur sie sich, sei es auch nur in bewusster Abgrenzung von ihr, gegenüber Engländern definieren. Ein weiteres wichtiges, Kureishi und Rushdie verbindendes Element ist, dass sie miteinander befreundet sind. Sie beziehen sich, zum Beispiel in Interviews oder auch in Essays, aufeinander und treten so in einen Dialog ein.

Es zeigt sich also, dass die drei in dieser Arbeit zu betrachtenden Autoren durch ein Geflecht unterschiedlicher Beziehungen verbunden sind und man davon ausgehen kann, dass diese Ähnlichkeiten dazu führen, dass auch ihre Werke zumindest in einigen inhaltlichen Punkten miteinander vergleichbar sind. Diese Ähnlichkeiten sollen hier kurz referiert werden.

Die Handlung aller drei betrachteten Texte findet zu einem Großteil in London und den Vororten Londons statt, darüber hinaus sind die Protagonisten in den jeweiligen Texten Vertreter verschiedener Gruppen von Einwanderern. Diese Gruppen spiegeln überwiegend die Ethnizität der jeweiligen Autoren wieder. Auch wenn es natürlich nicht möglich ist, diese Romane als autobiographisch zu bezeichnen, da es sich auch bei der Verwendung tatsächlicher Gegebenheiten nur um eine literarische, gefilterte Adaption handelt, so kann man doch davon ausgehen, dass in diesen Romanen Einstellungen, Erlebnisse und Erfahrungen, und auch autobiographische Details, mit eingeflossen sind. Dies wird offensichtlich in The Buddha of Suburbia: Hier können die Erfahrungen des Charakters “Karim” in weiten Teilen als mit denen des Autors Hanif Kureishis identifiziert werden. Auch in The Satanic Verses lassen sich Parallelen zur Biographie Rushdies feststellen; so spricht Michael Harris von “The Satanic Verses (1989), the controversial, best- selling magical realist text about the lives of two Muslims who ‘emigrate’ from India to England”[11] und hält fest, dass “Rushdie’s view of himself as belonging to three countries – India, Pakistan, and England – [...] manifests itself in the settings of his three major novels.”[12]

Eine weitere Parallele zwischen den zu betrachtenden Texten liegt darin, dass in allen Reisen oder Ortswechsel dargestellt werden, die die Dynamik der Texte steigern und verschiedene Perspektiven auf die Charaktere und ihre Stellung in den verschiedenen dargestellten sozialen Verbänden beleuchten.

Eine letzte Entsprechung zwischen den zu betrachtenden Texten, die hier noch benannt werden soll, liegt in den zeitlich nah beieinander liegenden Erscheinungsdaten: Sour Sweet erschien 1982, The Satanic Verses 1988 und The Buddha of Suburbia 1990. Somit wurden sie alle innerhalb eines zeitlichen Rahmens von nur wenigen Jahren herausgegeben und sind alle im Zeitraum der Thatcher- Regierung entstanden. Hierzu finden sich innerhalb der verschiedenen Texte Hinweise, die die Texte in diesem Zusammenhang lokalisieren.

2. Analyserahmen

2.1. Die Konzepte des Selbst und des Anderen

Die Unterscheidung des Eigenen und des Fremden ist in den verschiedenen Sozialwissenschaften bereits seit langem thematisiert. Sie findet sich mit den unterschiedlichsten Ausprägungen, Zielsetzungen, Schwerpunkten und Ergebnissen unter anderem in der Ethnographie, Soziologie, Anthropologie Psychologie oder auch Philosophie:

A whole range of theoreticians with widely different approaches such as Jacques Lacan, Michel Foucault, Jacques Derrida, Edward Said or Niklas Luhmann have each shown that every concept of selfhood implies the construction and hence the suppression or marginalisation of the Other, a process where axiological considerations also come into play.[13]

All diese verschiedenen Ansätze kommen aber zu dem gleichen Schluss, dass der Mensch dazu neigt, die Welt in Kategorien einzuteilen, die zum einen das Eigene, Bekannte, Vertraute, Gewohnte und Genehme umfasst und zum anderen das Unbekannte, Unangenehme, Angst einflößende, seltsam und fremd Erscheinende. Es handelt sich hierbei also um die fundamentale Unterscheidung zwischen Gut und Böse, die sich in allen Kulturen und zu allen Zeiten findet und tief verwurzelt auch in den verschiedensten Religionen anzutreffen ist.

Die Begegnung mit dem Fremden, Anderen kann sowohl in der Heimat, auf vertrautem Boden als auch in der Fremde, auf unbekanntem Gebiet stattfinden. Bei all diesen Begegnungen spielt der Dualismus des ‚sie‘ vs. ‚wir‘ eine Rolle. Daneben hängt die Herangehensweise an das Fremde und Andere und seine Bewertung aber noch von anderen Parametern ab. Ein nur kurzfristiger Aufenthalt in einer anderen Umgebung und ein festes verankert sein in der eigenen Kultur und Denkart führt nur zu einem ethnozentrischen Denken, das lediglich das Eigene gelten lässt und kein Interesse daran hat, das Fremde zu durchdringen oder zu verstehen.

Das Fremde, sei es das Fremde von Religionen, von Glaubenssystemen, sei es das Ungewohnte oder ungewöhnliche zwischenmenschlicher Umgangsformen, sei es das Skandalöse im Sexualverhalten, das Merkwürdige von Eß- und Kleidungsgewohnheiten, seien es Magie und Aberglaube als vom fixierten Prinzip der Rationalität abweichende Denkformen und was mehr an Auffälligkeiten und Monströsem sich den Augen von Missionaren, Weltumseglern und Kriegern als erschreckend, als primitiv und als verabscheuungswürdig darbot: Meist rastete der ethno- oder eurozentrische, defensive Mechanismus ein, der nur selten die Möglichkeit in Betracht ziehen ließ, daß dieses Fremde eine alternative Welt und Lebensform, eine von den ‚Anderen‘ als für sie ‚richtige‘, ihren Bedürfnissen angemessene Lebensform, darstellen könnte.[14]

Erst die dauerhafte Verpflanzung in eine fremde Umgebung und Kultur lässt eine andere Wahrnehmung des Fremden zu. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird nur das wahrgenommen, was man wahrnehmen will, so dass Stereotypen und Vorurteile durch die selektive, oberflächliche Wahrnehmung bestärkt werden oder aber es findet eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Anderen statt, wodurch es verstanden werden soll und wodurch sich das Individuum evtl. in dieses Andere integrieren möchte. In beiden Fällen allerdings nimmt der Fremde andere Aspekte der Kultur wahr als sie ein Einheimischer sehen würde, denn “nur die Begegnung mit dem Fremden [kann] Kultur sichtbar machen”[15]. Diese Sichtbarmachung geschieht aufgrund von anderen Erfahrungen, Normen, Werte und Einstellungen, die der Fremde mit sich bringt:

The dominant discourse of expatriation, thus, is one of difference. They [expatriates] tend to look at the new environment they have arrived at, against the old environment they left behind and place these two in a matrix of difference. Edward Said discusses this process as follow [sic]: ”Most people are principally aware of one culture, one setting, one home, exiles are aware of at least two and this plurality of vision gives rise to an awareness of simultaneous dimensions, an awareness that – to borrow a phrase from music – is contrapuntal” [...]. Viewing life and experience contrapuntally, they realize that difference does not imply any hierarchical structuration, but merely points to a co- existence of multiple cultures/ worlds/ realities.[16]

Andererseits sträubt sich der Mensch aufgrund eines Selbstschutzmechanismus, das Eigene auch als das Fremde anzuerkennen. Auch deshalb ist der Fremde, der den Einheimischen zu dem Blick von außen auf das Eigene aufzwingen würde, Aversionen ausgesetzt.

Schutz’s (1944) classic social- psychological essay highlights two aspects of the stranger’s interaction with a host society. The first is an apparent obsession with objective reasoning [...] Schutz’s second observation is that the home group sees the stranger’s objectivity as criticism, or even a display of disloyalty. The stranger is thought ungrateful because he fails to acknowledge and affirm the culture that has given him shelter and protection. What the in- group does not understand is that the stranger is unable initially to consider the host- culture as a welcoming sanctuary, but rather sees it, as Schutz avers, ‘as a labyrinth in which he has lost all sense of his bearing’.

One popular axiom that stresses the positive side of the stranger’s plight is the idea that the spectator sometimes sees more of the game than the player. [...]

Britain has also had its fair share of outside commentators, though the reception granted to such observers’ writings has normally been less than enthusiastic.[17]

Begegnungen mit dem Fremden hat es schon immer gegeben, zum Beispiel durch historische und politische Begebenheiten wie Kriege, Vertreibungen, ökonomische Überlegungen aber auch besonders Auswirkungen des Kolonialismus, die immer wieder zu Migrationsbewegungen führen. Durch moderne Transport- und Kommunikationsmöglichkeiten hat sich die Frequenz dieser Begegnungen mit dem Fremden aber stetig gesteigert. Jetzt wird der Mensch immer öfter mit dem ihm Fremden konfrontiert. Hieraus resultiert auch eine wesentlich stärkere Betonung des Eigenen, um sich vom Anderen abgrenzen zu können. Somit wird das Bedürfnis nach Sicherheit und Wahrung der eigenen, unverwechselbaren Identität befriedigt:

The more communications, ease of transportation and newly shared cultural and social assumptions bring people together the more people need to affirm uniqueness. Just the way the nationalist need for a unique identity has become a feature of various sub- or micro- cultures, so has the nationalist rhetoric of liberation, otherness, resistance. The more people participate in some local variant of an international culture, the more intellectuals have proclaimed national uniqueness and the uniqueness of the formerly colonized. Now claims of national uniqueness are being undermined by claims for a multicultural nation which in some forms seems to mean a coalition of micro- nationalist separatisms rather than difference within assimilation.[18]

Eine weitere Sphäre, innerhalb derer sich Fremdes und Eigenes begegnen, stellt die der Kultur (wie etwa Kunst, Musik oder Literatur) dar. Durch die traditionelle Einteilung der Welt in “the West and the Rest”, die durch Kolonialismus und internationale Machtverteilungen hervorgerufen wird, gibt es auch auf diesem Gebiet eine eindeutige Unterteilung, die Werken westlicher Autoren wesentlich mehr Aufmerksamkeit zukommen lässt und daneben auch eine wesentlich detailliertere, feinere Ausdifferenzierung zwischen ihnen vornimmt. Hier findet sich ein eindeutiger Eurozentrismus oder Zentrismus der westlichen Welt:

Die moderne Ethnologie oder Kulturanthropologie hat für diese Haltungen die Begriffe Ethnozentrismus oder auch Eurozentrismus und, in anderer Hinsicht, Logo- und Egozentrik geprägt. Damit werden hartnäckig aufrechterhaltene Einstellungen angesprochen, für die alles hors catégorie bleibt, wer und was nicht unter Begriffen des Eigenen verstehbar oder nach Maßgabe eigener religiöser, kultureller oder politischer Wertvorstellungen akzeptiert werden kann.[19]

Die Literaturen, die als “postkolonial” oder “neu” bezeichnet werden und asiatische, afrikanische und ozeanische, teilweise auch amerikanische (besonders süd- amerikanische) Literaturen umspannen, gelten als exotisch.

Ein theoretisches Konzept, in dem sich auch der Gegensatz von Eigenem und Fremden niederschlägt, ist das der Stereotypen. Trotz der allgemeinen Geläufigkeit dieses Konzepts ist es erst 1922 in den Sozialwissenschaften von Walter Lippmann in seiner Untersuchung über die öffentliche Meinung[20] eingeführt worden. Stereotypen, die oft auch synonym mit Vorurteilen verwendet werden, sind, laut Lippmann ‘pictures in our heads’, a quasi- environment quasi- made by humans. According to him, people do not respond directly to objective reality but to a representation that they have created in their minds. [...] Stereotypes are [...] maps; they clarify people’s itinary in the windings of social reality. [...] For Lippmann, stereotypes also contain affective ingredients.[21]

Die Autoren Leyens, Yzerbyt und Schadron geben eine sehr allgemeine Definition von Stereotypen:

they are shared beliefs about person attributes, usually personality traits, but often also behaviours, of a group of people. [...] [T]he process of stereotyping individuals is the process of applying a – stereotypical – judgement such as rendering these individuals interchangeable with other members of the category. [Hervorhebung im Original][22]

Interessant an dieser Definition ist, dass die Autoren zwischen Stereotypen und dem Prozess der Stereotypisierung explizit unterscheiden. Weiter führen sie hierzu aus: stereotyping is an intra-psychic process whose main function is to make sense of the world. When the targets of stereotypes share the same category, they are thought to be similar, and the attributes selected to describe them are consensually conceived as informative because of a given context.[23]

Das Konzept der Stereotypen ist auch deshalb vergleichbar mit dem des Selbst und des Anderen, weil beide Konzepte dem Anderen eher negative Eigenschaften zuschreiben und die eigene Gruppe überbewerten. Beiden liegt also auch Ethnozentrismus zugrunde. So sagen auch Leyens, Yzerbyt, Schadron, dass “[...] ethnocentrism and conflict might be at the core of stereotypes.”[24]

2.2. Englishness, England, Engländer

Bei der Betrachtung des Bilds des Engländers in der postkolonialen Literatur ist es wichtig, zunächst einen allgemeinen Überblick über dieses “Wesen”, den Engländer an sich, zu bekommen. Dies ist jedoch eine fast nicht zu erfüllende Aufgabe, da der Engländer und mit ihm Englishness eine nur sehr ungenau umschriebene Kategorie ist. Weiter erschwert wird die Aufgabe, eine verbindliche Beschreibung zu finden durch die verschiedenen Betrachtungswinkel, unter denen Engländer und Englishness analysiert werden können. Zum einen ist ein wissenschaftliches Herangehen möglich, wie es zum Beispiel in der Ethnologie oder Soziologie stattfindet. Zum anderen können auch persönliche Erfahrungen, Meinungen oder Vorurteile von Individuen einen Einblick in das Konzept der Englishness und des Engländers geben. Hierbei ist es möglich, ein Selbstbild der Engländer festzustellen oder aber die Außenseiterperspektive einer Person nicht- englischer Herkunft heranzuziehen. Bei einer solchen Außenseiterperspektive kann dieser Blick von außen entweder wohlmeinend, neutral oder kritisch sein. Bei der Untersuchung des Bildes des Engländers in der postkolonialen Literatur wie zum Beispiel in The Buddha of Suburbia, The Satanic Verses oder Sour Sweet ist es diese Außenperspektive auf das englische Leben, die im Blickfeld der Betrachtungen steht. Um aber die in diesen Werken dargestellten Engländer und ihre Englishness bewerten und untersuchen zu können, müssen möglichst verschiedene Aspekte von Englishness vorab diskutiert werden.

Es scheint ein allgemein verbreitetes Phänomen zu sein, dass der Blick auf eine Kultur von außen oftmals leichter fällt und mehr verrät als der Blick auf die eigene Gesellschaft. Auch wenn eine Kultur mit einer anderen in Kontakt tritt, so ist dies nicht unbedingt Anlass dazu, die eigene Kultur ebenfalls mit neuen Augen zu betrachten: “[Die] Begegnung [von Eigenem und Fremden] wurde nicht oder doch nur höchst selten als eine Chance begriffen, die eigene Kultur einmal ‚anders‘, nämlich als ‚Fremde‘ zu sehen.”[25] Diese anscheinend allgemeingültige Aussage trifft auch auf die Engländer zu, die in ihren häufigen Kontakten zu anderen Kulturen durch ihre koloniale Vergangenheit mehr als genug Konfrontationen mit dem Fremden gehabt haben: “While various Brits have been happy to write about other countries and cultures in the context of post- colonial theory, few such dispassionate eyes have been turned on the motherland.”[26] Mit dieser Aussage hat Anthony Easthope nur insofern Recht, als dass mit dem ‚ motherland ‘ wahrscheinlich nur das weiße, traditionelle, eigentlich in seiner ‚reinen‘ Form nicht existierende England gemeint sein muss. Denn, wie Nigel Barley feststellt, haben sich Anthropologen im United Kingdom “bevorzugt mit keltischen Randzonen, Zigeunern oder benachteiligten Gruppen [beschäftigt] – mit allem und jedem, nur nicht mit dem Durchschnittsengländer, wer immer das sein mag”[27]. Da die Engländer in ihren Studien und Betrachtungen sich selbst als Norm setzen, von der ausgehend sie sich mit den Anderen, d.h. Ausländern, Einwanderern und deren Nachkommen, Schotten, Walisern, Iren, Frauen, niederen Klassen u.ä., also den sogenannten Randgruppen beschäftigen, bleibt es diesen Randgruppen vorbehalten, Studien über das unbekannte Wesen, den “Engländer”, seine Gebräuche und Sitten anzufertigen. Hier werden dann Engländer zu den Anderen, den Fremden, die in die Position der Unbekannten, Geheimnisvollen gedrängt werden, sie werden zum “sie” im Gegensatz zum “uns”, wie zum Beispiel in: “He meant, of course, the they whom all foreigners mean: the English. The whole phrase decodes, by common consent, as ‘How do the English do all those things which they do, and which nobody else can?’”[28]. Ganz selbstverständlich werden hier die Engländer zum Anderen der Anderen, die als geschlossene Gruppen sich gegenüber stehen und einander nicht verstehen.

Genau in diesem Zusammenhang aber ist die sonst so schwer zu bestimmende Gruppe der Engländer und mit ihnen die Englishness klar umgrenzt. Engländer ist nicht der- oder diejenige, der/ die nicht dazugehört oder nicht dazugehören darf: “Englishness ist eine dehnbare Kategorie, die man nach Belieben ausweiten oder verengen kann. Immer schon war es hilfreicher, darauf zu achten, wer ausgeschlossen statt einbezogen wurde.”[29] Hierbei ist der nicht- Engländer passiv oder Opfer, er ist an der Entscheidung über seine Ablehnung nicht beteiligt. Allerdings ist es auch so, dass sich viele aktiv in der Auseinandersetzung mit Englishness von dieser abgrenzen und sich nicht dazugehörig fühlen möchten: “‚Englishness‘ ist das Wort, gegen das viele Völker, die zum United Kingdom gehören, ihre ethnische Eigenart bestimmen.”[30]

Durch den aktiven Kontakt mit dem Anderen erst kann die eigene Kultur und Identität wahrgenommen werden: a complex national and social identity is continuously constructed and reshaped in its (often antipathetic) interaction with outsiders, strangers, foreigners and aliens – the ‘others’. You know who you are, only by knowing who you are not.[31]

Dies setzt allerdings voraus, dass die Individuen ihre Kultur und nationale und soziale Identität wahrnehmen möchten. So äußerten die Bewohner Southall, die englischer Herkunft waren, in einer Studie von Gerd Baumann immer wieder Zweifel, ob es eine definierbare oder gar gemeinsame englische Kultur überhaupt gebe, und neigten dazu, ein weißes Minderheitenbewußtsein zu entwickeln. Eine ‚Kultur zu haben‘ war für viele von ihnen das Merkmal allein von sogenannten ethnischen Minderheiten.[32]

Diese verschiedenen Auffassungen zum Thema Kultur und Identität im Allgemeinen und zu Engländern im Speziellen zeigen, dass diese Bereiche von den verschiedensten Gruppen problematisiert werden in ihrem täglichen Umgang oder aber gar nicht erst wahrgenommen werden. Somit können weder das Selbstbild der Engländer noch die Außenseiterperspektive verbindlich für die Bestimmung des englischen Wesens oder der Englishness herangezogen werden. Auch in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Englishness und den Engländern lassen sich nicht eindeutige Ergebnisse erzielen:

[I]n geschichtswissenschaftlichen oder soziologischen Kategorien konnte Englishness bislang nicht mit hinreichender Präzision definiert werden. Zielt man nämlich auf die Erfassung von Haltungen, Erfahrungsschemata, ästhetischen Dispositionen etc., dann geraten mentale Deutungsmuster und Ordnungsmodelle in den Blick, die weder einen gemeinsamen geschichtlichen Ursprung aufweisen noch in ihrer Gesamtheit ein in sich einheitliches gesellschaftliches Handeln bewirken. Englishness als “outillage mental” konstituiert also für Engländer die ‚englische Wirklichkeit‘, als Teil des Imaginären ist sie notwendig sowohl von Widersprüchen gekennzeichnet wie dem historischen Wandel unterworfen.[33]

Trotz dieser Schwierigkeiten, eine einheitliche Definition herauszukristallisieren, gibt es so etwas wie eine offizielle Version der Englishness, anhand derer sich Individuen messen und die zum Beispiel in den Medien perpetuiert wird. Gleichwohl handelt es sich nicht um ein in allen Einzelheiten festgelegtes Ideal einer Englishness.

Unterschiedliche Herkunft und mangelnde Homogenität würden das Ziel einer Definition von Englishness bloß schwierig gestalten; als bislang offensichtlich unüberwindliches Hindernis stellt sich diesem Vorhaben das grundsätzliche Problem entgegen, wie dieser ‚Habitus‘ als weltdeutende Instanz zwischen Realität und explizit gemachte Gesellschaftstheorie einzuordnen ist. Einerseits kommt der Englishness der Rang eines absolut verbindlichen Ordnungsmodells im Sinne einer Ideologie, für dessen Verletzung Sanktionen in feiner Abstufung vorgesehen wären, nicht zu, andererseits lebt nicht unbehelligt, wer im ‚Geltungsbereich‘ der Englishness gewisse ‚unenglische‘ Züge entwickelt.[34]

Aufgrund dieser Doppelseitigkeit von Englishness, die zum einen offiziell anerkannt[35] und hinreichend zur Kenntnis genommen existiert, zum anderen sich aber jeder Definition entzieht und sich je nach Betrachtungsart wandeln kann, findet sich in der Sekundärliteratur keine definitive Festlegung, was Englishness genau ist. Statt dessen werden des öfteren Zustandsbeschreibungen abgegeben, die Nicht- Definierbarkeit bedauert oder Stereotypen bedient.

Nur weil wir ein Wort wie “Englishness” haben, Jim, muß es nicht unbedingt etwas in der Welt da draußen geben, das ihm entspricht. Man könnte doch annehmen, daß die Beteiligung am kirchlichen Leben der Church of England ein Teil der Englishness sei; andere aber würden erzählen, daß es englischer Art entspreche, nur zu Hochzeiten und Begräbnissen in die Kirche zu gehen. Man könnte behaupten, daß Winken mit dem Union Jack und die Unterstützung der Königin auf englisches Wesen hindeute; und doch sagen wieder andere, daß die Engländer kein großes Aufheben um diese Dinge machen. [...]

Wenn man von einer englischen Identität ausgeht, kann man alles in sie hineinlegen, und dann wird auch die Tatsache, daß alle ganz verschieden sind, zum Teil des englischen Wesens. Die Frage “Was ist Englishness?” gleicht ein wenig der Frage nach der Form einer Amöbe. Sie verändert unaufhörlich ihre Gestalt. Daran erkennt man, daß sie noch am Leben ist.[36]

Die hier angesprochene ständige Wandlung zieht sich durch die Geschichte der Idee der Englishness hindurch. Laut Stephen Haseler[37] liegen ihre Ursprünge nicht in Tatsachen sondern vor allem in den Projektionen der Aristokratie im 18., 19. und 20. Jahrhundert. Somit ist also bereits die Grundidee der Englishness nicht wirklich eine Repräsentation der breiten Vielfalt, die die Menschen in England darstellen würde, sondern sie vertritt nur die Interessen einer kleinen, führenden Schicht.[38]

Als weiteren zentralen Punkt in der Entwicklung der Englishness sieht Haseler den Zusammenbruch des britischen Empires:

With the collapse of British power (and the end of empire) Englishness, its fortunes seemingly linked to the standing of what had by then become the United Kingdom, lost its anchorage; and is still (on the verge of the twenty- first century) unable to come to terms with the country’s reduced standing and importance in the world.[39]

Haseler sieht also Englishness abgelöst von der Realität des heutigen Großbritanniens. Die einzige Variante, die er gelten lässt, ist eine lediglich für den weltweiten Export bestimmte Englishness. Diese ist es dann, die in anderen Ländern rezipiert wird und durch die auch, wenn auch vielleicht unbewusst, Autoren, die den prägenden Teil ihrer Kindheit und Jugend außerhalb von England verbracht haben, mit beeinflusst werden bei ihrer Einschätzung und Wiederspiegelung von Englishness und Engländern. Für Haseler ist Englishness ein Produkt, “[it] is sold as a way of life”[40].

Sah dieses Produkt sich früher im Zusammenhang mit “the strong, colourful, ‘hearts of oak’, ‘free- born Englishman’ image”, also “English liberty and English conquest”, so umfasst es heute “a more moderate, domestic, misty, rustic, even twee, image”, also ein Sinnbild der englischen “countryside.”[41] Des weiteren umfasst diese neue Art der Englishness die folgenden Attribute:

English people were essentially practical and not overly- bright (certainly not, in the national phrase which mocks intellectualism, ‘too clever by half’). Yet, at the same time, they were loyal and trustworthy (‘sturdy’ again suffices to describe the attribute). By contrast, foreigners (and ‘foreignness’), particularly continental Europeans, were altogether more exotic: they were theoretical and – particularly southern Europeans – emotional, given to grand gestures and ideas, qualities which can easily make for instability.[42]

Dieses Selbst- und Fremdbild wird aufrechterhalten und bestärkt durch die Repräsentation in den verschiedensten Medien: Fernsehen, Kinofilme, Zeitungen kreieren und rekurrieren auf dieses Bild der Englishness, Englands und der Engländer. Zudem wird dieses Bild nicht nur innerhalb Englands angeboten, sondern eben auch nach außen hin, wie etwa in der Tourismuswerbung, angepriesen. Dieses Selbstbild erhält sich aufrecht trotz der massiven sozio-ökonomischen und politischen Veränderungen, die die Realitäten in Großbritannien grundlegend verändert haben und sich nicht mehr mit dem dargestellten Englandbild decken lassen. So stellt auch Kenneth Lunn fest, dass “the image of Englishness evoked remains significantly rural and replicates the hierarchical values of previous societies.”[43] Dieses veraltete Bild hat allerdings seiner Auffassung nach eine politische Funktion: “In the last twenty years, at times of particular economic or political crisis, it was these deep- seated and mythological images which provided the kind of security and justification for the political direction which had become apparent in the inter- war years.”[44] Das Konzept von typischen Engländern ist somit der Nährboden für eine nationale Identität, die Zusammenhalt schaffen soll. Sie ist stark emotional besetzt und wird immer wieder in den verschiedensten Zusammenhängen bemüht und beschworen. Allerdings wirkt dieses Konzept nicht nur einigend, sondern auch ausschließend, da nur die wenigsten Einwohner Großbritanniens dem vermittelten Bild entsprechen. Hierdurch wird Englishness zu einer “mental straight- jacket”, die die Pluralität des Landes und der Menschen beengt[45].

As with any ‘official’ culture or ideology, Englishness presents us with problems of conformity. Inevitably, there remains a tendency to dismiss as un- English those things which do not meet the standard, approved style or product – even though they may represent the life and culture of millions of people living in the real England.[46]

Haseler spricht hier nur ganz allgemein von unterschiedlichen Lebensformen innerhalb Englands. Insbesondere ist in diesem Zusammenhang aber die Neuverhandlung der Englishness durch neu hinzugekommene Einwanderer aus den ehemaligen Kolonien Englands zu benennen. Diese sehen sich zwar als Bürger Großbritanniens und somit als “neue Engländer”, gleichwohl sind sie und mit ihnen ihre Lebensentwürfe noch wenig in den bisherigen Vorstellungen von Großbritannien und seinen Bewohnern enthalten. Sie geben Englishness eine weitere Bedeutung:

The wave of postwar immigration to the imperial ‘centres’ – including in England the influx of large numbers of non- white people from Africa and the Caribbean [...] – amounted to what Gordon Lewis calls ‘a colonialism in reverse’ a new sense of what it means to be ‘English’.[47]

Englishness scheint also nicht als eine bestimmte, immer gültige Realität zu existieren. Bei der Betrachtung dieses Konzepts ergibt sich, dass Englishness durch seine Vielschichtigkeit und Historizität sehr unterschiedliche, auch sich widersprechende Aspekte in sich vereinen kann. John Solomos stellt fest: “it is difficult to generalise that there is one common perspective which characterises British society as a whole.”[48] Trotzdem lässt sich ganz allgemein festhalten, dass in der Praxis Englishness als Inbegriff der Verkörperung des Engländers abzulesen ist an seinem Verhalten, seinen Sitten und Gebräuchen, aber in der literarischen Betrachtung oft auch an England selbst, also zum Beispiel der Landschaft oder dem Wetter dargestellt wird. Hierbei wird oft festgestellt, dass die Engländer in ihrem Verhalten ähnlich sind wie ihr Wetter: nämlich grau und abweisend. Des weiteren stellt London den Brennpunkt der Englishness da, es ist nicht nur die Hauptstadt, sondern auch das Hauptquartier aller Engländer, in dem sie bevorzugt dargestellt und beobachtet werden.

Es sollen zum Schluss der allgemeinen Betrachtung von Englishness noch einige eher praktisch oder persönlich gefärbte Darstellung Großbritanniens referiert werden. Dies scheint notwendig zu sein, da es sonst zumeist keine definitiveren Aussagen zu Engländern und ihren Sitten und Gebräuchen und ihrer Heimat gibt. Die wissenschaftliche Zurückhaltung bei der Benennung konkreter Inhalte des Konzepts der Englishness liegt sicherlich in der oben bereits ausgeführten Ungenauigkeit der Idee. Hierbei können vielleicht wirklich nur konkrete, hinterfragte und reflektierte Erfahrungsberichte von Begegnungen mit dem Wesen ‚Engländer’ einen Einblick gewähren.

Es finden sich immer wieder oft humoristische Werke, die Einblicke in das Leben der Engländer vermitteln wollen. Bücher dieser Art sind zumeist von Nicht- Engländern für Nicht-Engländern verfasst, wie zum Beispiel Inglesi. The British – Neighbours of Europe[49] oder Typisch englisch. Wie die Briten wurden, was sie sind[50].

In einer Sammlung von Aufsätzen und Anekdoten, “The Natives are Restless”[51], rekurriert Idries Shah auf eine Unmenge von Stereotypen und Vorurteilen, die im allgemeinen über Engländer und Englishness herrschen und belegt sie mit seinen persönlichen Erfahrungen und anthropologischen Betrachtungen. Seine einzelnen Kapitel illustrieren Einstellungen, Charakter und Verhalten des typischen Durchschnittsengländers. Engländer sind geizig, rechthaberisch, unfreundlich, rückständig, unsauber, stoisch und fremdenfeindlich, sie stehen ständig Schlange, haben keine Freizeit und keine ausreichenden Kenntnisse der englischen Sprache und verachten Sprecher der Received Pronunciation, sie reklamieren sowohl Zivilisation als auch Gott als etwas urtypisch Englisches und leben in einem sehr kleinen Land, in dem ständig gestreikt wird und kaltes Wetter vorherrscht. Obwohl es sich bei den Aufsätzen in diesem Band oft um satirisch oder ironisch überspitzte Darstellungen handelt, haben sie dennoch einen Informationswert, da Shah auch einen anthropologischen Zugang zu der Betrachtung der Engländer für sich in Anspruch nimmt.

Aus den dargestellten unterschiedlichen Aspekten der Englishness lässt sich folgendes Ergebnis extrahieren:

Englishness ist eine sehr ungenau umschriebene Kategorie. Erst durch die Spiegelung durch Außenseiter (wie etwa in der Literatur) können bestimmte Verhaltensweisen zum Sinnbild und Ausdruck der Englishness und des Engländers werden.

Es stehen sich Briten und Nicht- Briten diametral gegenüber: Englishness ist sowohl einigend als auch ausschließend, da durch ihre starre Definition nicht alle Menschen, die in Großbritannien leben, als Engländer wahrgenommen werden können. Eine Lebensweise oder Denkart, die von den von ihr propagierten Vorstellungen abweicht, wird von der Umwelt negativ aufgenommen und es erfolgt eine dementsprechende Reaktion. Hieraus ergibt sich, dass zum einen die Charaktere, die in den neueren Literaturen dargestellt werden, durchaus eine der sechs verschiedenen britischen Nationalitäten besitzen können (British citizenship, British Dependent Territories citizenship, British Overseas citizenship, British Subject status, British Protected Person status oder British National (Overseas) status[52] ), sie aber dennoch oftmals nicht als typische Engländer und Vertreter der Englishness empfunden oder dargestellt werden, da sie oder ihre Vorfahren sich vom Idealtypus des Engländers durch Rasse, Religion, Akzent oder Sozialisation unterscheiden. Sie können somit nur einen Blick von außen auf die englische Gesellschaft werfen, ohne ganz oder teilweise in sie integriert zu sein. Sie sind und bleiben die Anderen der Engländer bzw. die Engländer bleiben für sie Fremde.

Die Handlungen und Denkweisen, die in den neuen Literaturen dargestellt werden, sind auch geprägt von den Auswirkungen, die die Ausgrenzung großer Teile der Gesellschaft aus dem nationalen Selbstbild auf diese Bevölkerungsgruppen haben. In Erwartung von Reaktionen bis hin zu Sanktionen aufgrund fehlender Konformität mit dem allgemein anerkannten Bild des typischen Engländers und seines Verhaltens werden sowohl Versuche unternommen, die eigenen Wurzeln zu verbergen und zu verneinen als auch sich in Verhalten und Denkart so weit wie möglich dem wahrgenommenen Idealbild der Engländer anzupassen. Es ist aber auch die bewusste Abgrenzung von Engländern und der Versuch der Erhaltung der Eigenart zu beobachten. Da jedoch in jedem Falle mit Sanktionen zu rechnen ist, ist in der Darstellung von Englishness, besonders auch in der Kritik englischer Sitten und Gebräuche, teilweise Indirektheit oder eine eher verhaltene Darstellung zu erwarten. Somit muss bei der Betrachtung des Bildes des Engländers in The Buddha of Suburbia, Sour Sweet und The Satanic Verses nicht nur auf explizite Aussagen zu Engländern, ihrem Verhalten und der Bewertung dieser Beobachtungen geachtet werden, sondern ebenfalls auf implizit enthaltene Wertungen dieser Bereiche. Dies kann geschehen durch verschiedene stilistische Strategien oder literarische Gestaltungsmittel und -techniken wie etwa Vergleiche, Überspitzungen, Ironie, Symbolik oder Humor. Auch die Erzählperspektive, Charakterisierungen oder die Figurensprache, innere Monologe und erlebte Rede können verschiedene Aspekte bei der Gestaltung der Darstellung des Bildes des Engländers und seiner Englishness sein. Durch diese und andere Mittel lässt sich die Direktheit bzw. Indirektheit der Aussagen und ihre Perspektivgestaltung stilistisch steuern. Das Bild des Engländers in ausgewählten Werken von Kureishi, Rushdie und Mo erfordert somit nicht nur eine Betrachtung von Inhalt und Handlung sondern auch von Form, literarischer Komposition, Gestaltungsmittel und Stil.

3. Hauptteil

3.1. Timothy Mo - Sour Sweet

Sour Sweet, erschienen 1982, ist eine Chronik des Lebens zweier chinesischer Familien in London. Dabei handelt es sich zum einen um die Chen Familie, die zu Beginn des Romans seit vier Jahren in England lebt. Sie besteht aus ‚Husband‘, seiner Frau Lily, ihrem Sohn Man Kee und Mui, der Schwester Lilys. Später schließt sich ihnen noch der Vater Husbands, ‚Grandpa‘, an, der nach dem Tod seiner Frau China verlässt, um bei der Familie seines Sohnes zu leben. Die zweite Familie, deren Entwicklung in Sour Sweet verfolgt wird, ist keine Familie im eigentlichen Sinne: Es handelt sich hierbei um die Hung Familie, die eine kriminelle Vereinigung ähnlich der italienischen Mafia ist. Beide Familien interagieren auf unterschiedlichem Niveau mit dem britischen sozio-kulturellen Umfeld, sie sind also beide mögliche Informanten bei der Betrachtung der Darstellung des Engländers. Allerdings ist die Hung Vereinigung, da sie in den meisten Fällen nicht den Kontakt zu Engländern sucht, sondern sich als fast ausschließlich chinesische Vereinigung sieht, für die Untersuchung des Bildes des Engländers, das durch sie in Sour Sweet vermittelt werden könnte, kaum von Bedeutung. Sie kann zwar zu einigen wenigen Punkten etwas beitragen, bietet aber längst keine so umfassende Palette an Berührungspunkten wie die Chen Familie. So sagt auch Silvia Mergenthal, dass “Of the two Chinese families in Mo’s novel Sour Sweet, only one, the Chen family, is a ”proper” family in the ordinary sense of the word. The other, the Hung family, is a branch of the Chinese equivalent of the Italian Mafia, the Triads, who are organized along family lines.”[53] Weiter führt sie aus, dass die Chen Familie “in the course of the novel, goes through three stages of development that can be classified as extension, internal division, and parturition.”[54] Diese Entwicklung innerhalb der Chen Familie wird ausgelöst aufgrund des Umstands, dass Husband gezwungen ist, sich von Vertretern der Hung Familie, ohne das Wissen seiner eigenen Familie, Geld zu leihen. Hierdurch kommen die beiden Familien miteinander in Kontakt. Husband hatte bis zu diesem Zeitpunkt und auch noch kurze Zeit danach in einem Restaurant im Zentrum Londons gearbeitet. Erst seine Bemühungen, sich aus dem Einflussbereich der Hung Familie zu entfernen, führen ihn dazu, endlich dem langen Drängen seiner Frau Lily nachzugeben und ein eigenes chinesisches Schnellrestaurant zu eröffnen. Dies finanziert die Chen Familie mit dem Geld, das Lily sich bereits seit längerer Zeit vom Mund abgespart hat. Sie siedeln sich in einem Vorort Londons an und treten dort in näheren Kontakt mit den Einheimischen, die jetzt ihre Gäste und Nachbarn werden und ihnen auch als Vertreter von englischen Institutionen begegnen. Diese Begegnungen außerhalb der geschlossenen Gesellschaft Chinatowns sind es, die die Chens zu Reflexionen über die Engländer und ihr Land inspirieren. Anhand dieser Betrachtungen und durch die von ihren Sichtweisen gefilterten geschilderten Erfahrungen wird es möglich sein, das Bild des Engländers in Sour Sweet zu untersuchen.

3.1.1. Bedeutung des Titels

Bereits die Titelgebung weist auf verschiedene herausragende Aspekte des Romans hin. So entspricht die Anordnung der beiden Adjektive “sour” und “sweet” nicht der normalerweise üblichen in der englischen Sprache, sondern sie sind invertiert. Hierdurch wird die gebräuchliche Kollokation aufgebrochen und als bedeutungstragend herausgehoben. Die ungewöhnliche Kombination löst gleichzeitig einen Moment der Befremdung aus, der auf die Befremdung über die Engländer und die englischen Gebräuche der Chen Familie als paradigmatische Immigranten in England hinweist.

Des weiteren erinnert der Titel Sour Sweet dennoch, durch seine Nähe zum gebräuchlicheren “sweet and sour”, an die entsprechende Geschmacksrichtung, die vor allem mit chinesischem Essen assoziiert wird. Dies deckt sich mit einem Hauptaspekt des Romans: der Betonung der Signifikanz von Essen. Essen spielt im Leben der Chens durch ihre Arbeit eine große Rolle, doch auch in ihren Beziehungen untereinander ist es nicht unbedeutend. Hierauf wird später (Seite 74) noch einmal genauer eingegangen werden. Essen stellt eine Metapher für die verschiedensten Aspekte des Romans dar, auf die bereits mit dem Titel hingewiesen wird. Er weist insbesondere auf die Anpassung chinesischen Essens an den Geschmack und die Traditionen englischen Essens hin, die der Anpassung in anderen Bereichen des täglichen Lebens an die wahrgenommenen englischen Sitten und Gebräuche entspricht: “The novel’s title refers to the adaptation of Chines food to Western tastes; the immigrants similarly adapt, and their lives are a mixture of the bitter and the sweet.”[55]

Ein weiterer Aspekt der Titelgebung ist die Darstellung eines Gegensatzes: “süß” und “sauer” sind gegensätzliche Geschmacksempfindungen. Innerhalb des Romans finden sich weitere Gegensätze, die ebenfalls ein wichtiges Gestaltungs- und Gliederungselement darstellen. Neben dem “sauer” – “süß” des Titels finden sich noch solche Oppositionen wie “jung” – “alt”, “Chinesen” – “Engländer” oder “Gastgeber” – “Gäste”. In der Sekundärliteratur wird auch vom Gegensatz zwischen dem femininen und maskulinen Prinzip, also dem chinesischen Yin und Yang, gesprochen[56].

Die Ausgestaltung von Gegensätzen findet sich ebenfalls in der Anlage der Handlung des Romans: Kapitel, die sich mit dem recht idyllischen Leben der Chens beschäftigen, alternieren über längere Zeit hinweg mit Kapiteln, die sich mit den Geschäften der Hung Familie befassen. Auch auf diesen Gegensatz weist der Titel mit seiner gegensätzlichen Formulierung bereits hin:

The punning title of Mo’s novel hints at two sides of life within the Chinese community, as the Chen family’s small world idyll within London society is counterpoised by the Mafia- like Hung family, an extension of one of the Triad societies, engaged in murderous streetfights, collecting protection money, and dope trafficking. Mr Chen, ‘Husband’, his wife Lily, their young son Man Kee, and Lily’s sister Mui do their best to survive both economically and culturally in what they consider a country with unrefined, uncivilised mores.[57]

Durch die Verbindung von ‚süß‘ und ‚sauer‘ ergibt sich aber auch, dass beides gleichzeitig vorhanden ist und es nicht zu einer entweder – oder – Entscheidung kommen muss. Im Kontext des Romans heißt dies vor allem, dass keine Entscheidung zwischen nur chinesischen oder nur englischen Werten und Lebensstilen getroffen werden muss, sondern beides nebeneinander und miteinander existieren kann. Es bedeutet außerdem, dass es zu keiner eindeutigen Einordnung in gut oder böse kommt und dass beide Seiten positive und negative Seiten aufweisen. Somit ist das Bild, das sich den sich diametral gegenüberstehenden Gruppen der Chinesen und Engländer aus Sicht des jeweils Anderen bietet, ambivalent. Durch die Verbindung dieser zwei Seiten kommt es zu Hybridität in der Elemente beider dazu beitragenden Gruppen repräsentiert werden.

[...]


[1] Das Konzept des Selbst und des Anderen, wie etwa in der Psychologie und Soziologie vertreten, wird innerhalb dieser Arbeit eine wichtige Rolle spielen und deshalb später noch näher erläutert werden.

[2] Klaus H Börner. ”Salman Rushdie, The Satanic Verses. Observations on Cultural Hybridity.” Defining New Idioms and Alternative Forms of Expression. Ed. Eckhard Breitinger. Amsterdam, Atlanta: Rodopi, 1996. 107-117. 112.

[3] John Solomos. Race and Racism in Britain. London: Macmillan, 1989. 219.

[4] Christopher Balme. ”Inventive Syncretism. The Concept of the Syncretic in Intercultural Discourse.” Fusion of Cultures? Ed. Peter O. Stummer and Christopher Balme. Amsterdam, Atlanta: Rodopi, 1996. 9-18. 15.

[5] Silvia Mergenthal. ”Acculturation and Family Structure in Mo’s Sour Sweet, Kureishi’s The Buddha of Suburbia, Ishiguro’s A Pale View of Hills.” Defining New Idioms and Alternative Forms of Expression. Ed. Eckhard Breitinger. Amsterdam, Atlanta: Rodopi, 1996.119-127. 119.

[6] Eckhard Reckwitz “’Britain’s Other Islanders’: Multukulturalismus im Englischen Roman.” Radikalität und Mässigung. Der Englische Roman seit 1960. Eds. Annegret Maack, Rüdiger Imhof. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1993. 208-229. 209.

[7] Wolfgang Riedel. ”Black and/or British. Writing in a Multicultural Society.” A decade of Discontent. British Fiction of the Eighties. Eds. Hans- Jürgen Diller, Stephan Kohl, Joachim Kornelius, Erwin Otto, Gerd Stratmann. Heidelberg: Universitätsverlag C. Winter, 1992. 65-77. 66/67.

[8] Bruce King. ”The New Internationalism: Shiva Naipaul, Salmam Rushdie, Buchi Emecheta, Timothy Mo and Kazuo Ishiguro.” The British and Irish Novel Since 1960. Ed. James Acheson. New York: St. Martin’s Press, 1991. 192-211. 194.

[9] King, ”The New Internationalism” 194.

[10] King, ”The New Internationalism” 194.

[11] Michael Harris. Outsiders and Insiders. Perspectives of Third World Culture in British and Post- Colonial Fiction. New York: Lang, 1992. 32.

[12] Harris 32.

[13] Erhard Reckwitz ”Writing from the margins, or the decentering of English Literature.” Traditionalism vs. Modernism. Ed. Erhard Reckwitz. Essen: Verl. Die Blaue Eule, 1994. 281-296. 282/283.

[14] Burkhardt Krause. “Interkulturell – Intrakulturell: Eine Skizze zum Thema das ‘Fremde und das Eigene’.” Mediating Cultures, Probleme des Kulturtransfers: Perspektiven für Forschung und Lehre. Ed. Norbert H. Platz. Essen: Verl. Die Blaue Eule, 1991. 64-83. 73/74.

[15] Nigel Barley. Traurige Insulaner. Als Ethnologe bei den Engländern. Stuttgart, Klett- Cotta, 1995. 8.

[16] C. Vijaysree. ”The politics and Poetics of Expatriation: The Indian Version(s).” Interrogating Postcolonialism. Theory, Text and Context. Eds. Harish Trivedi, Meenakshi Mukherjee. Rashtrapati Nivas, Shimla: Indian Institute of Advanced Study, 1996. 221-229. 227/228.

[17] Robin Cohen. Frontiers of Identity. The British and the Others. London, New York: Longman, 1994. 206/207.

[18] Bruce King. ”Thinking about Multiculturalism, Nationalism and Internationalism.” Nationalism vs. Internationalism. (Inter)National Dimensions of Literatures in English. Ed. Wolfgang Zach, Ken L. Goodwin. Tübingen: Stauffenberg Verlag, 1996. 15-21. 17.

[19] Krause 73.

[20] Walter Lippmann. Public Opinion. New York 1922.

[21] Jacques-Phillipe Leyens, Vincent Yzerbyt, Georges Schadron. Stereotypes and Social Change. London, Thousand Oaks, New Delhi: Sage Publications, 1994. 10.

[22] Leyens, Yzerbyt, Schadron 11.

[23] Leyens, Yzerbyt, Schadron 18.

[24] Leyens, Yzerbyt, Schadron 22.

[25] Krause 74.

[26] Easthope, Anthony. Englishness and national Culture. London, New York: Routledge, 1999. 4.

[27] Barley 7/8.

[28] Shah, Indries. The Natives are Restless. London: Octagon Press, 1988. 216/217.

[29] Barley 170.

[30] Barley 14.

[31] Cohen 1.

[32] Gerd Baumann. “Ethnische Indentität als duale diskursive Konstruktion. Dominante und demotische Identitätsdiskurse in einer multiethnischen Vorstadt von London.” Identitäten. Eds. Assmann, Aleida und Friese, Heidrun. Frankfurt/ M.: Suhrkamp, 1998. 288-313. 300.

[33] Stephan Kohl. “Vorwort”. Englishness. Eds. Hans- Jürgen Diller, Stephan Kohl, Joachim Kornelius, Erwin Otto, Gerd Stratmann. Heidelberg: Carl Winter, 1992. 7-9. 7.

[34] Kohl 7.

[35] Englishness ist nicht nur offiziell anerkannt, sondern wird auch bei offiziellen Anlässen beschworen, so zum Beispiel von John Major: “Prime Minister John Major offered his vision of an England (albeit defined as Britain) which would always exist. He spoke of warm beer, of cricket on the village green, of spinsters cycling to evensong and other particularly rural images which represented, at least for his particular political purposes, the vision of the England he wished to protect.” (Kenneth Lunn. ”Reconsidering ‘Britishness’: The Construction and Significance of National Identity in Twentieth- Century Britain.” Nation and Identity in Contemporary Europe. Eds. Brian Jenkins, Spyros A. Sofos. London, New York: Routledge, 1996. 83-100. 86.)

[36] Barley 169.

[37] Stephen Haseler. The English Tribe. Identity, Nation and Europe. London, New York: Macmillan, 1996.

[38] Haseler 1.

[39] Haseler 2.

[40] Haseler 57.

[41] Haseler 2/3.

[42] Haseler 60.

[43] Lunn, Kenneth. ”Reconsidering ‘Britishness’: The Construction and Significance of National Identity in Twentieth- Century Britain.” Nation and Identity in Contemporary Europe. Eds. Brian Jenkins, Spyros A. Sofos. London, New York: Routledge, 1996. 83-100. 98.

[44] Lunn, Kenneth ”Reconsidering ‘Britishness’” S. 98.

[45] Haseler 62.

[46] Haseler 62.

[47] Timothy Brennan. ”The National Longing for Form.” The post- colonial studies reader. Eds. Bill Ashcroft, Gareth Griffiths, Helen Tiffin. London: Routledge, 1995. S. 170- 175. 171.

[48] Solomos, John. Race and Racism in Britain. London: Macmillan, 1989. 230.

[49] Beppe Severgnini. Inglesi. The British. Neighbours of Europe. Sevenoaks: Coronet, 1991.

[50] Hans- Dieter Gelfert. Typisch englisch. Wie die Briten wurden, was sie sind. München: C.H. Beck, 1995.

[51] Shah, Indries. The Natives are Restless. London: Octagon Press, 1988.

[52] Cohen 1.

[53] Mergenthal 119.

[54] Mergenthal 119.

[55] King, ”The New Internationalism” 205.

[56] John Rothfork. Confucianism in Timothy Mo‘s Sour Sweet 24.08.2000 <http://wtfaculty.wtamu.edu/~Jrothfork/sour.html>.

[57] Riedel, Wolfgang. ”Black and/or British. Writing in a Multicultural Society”. A Decade of Discontent. British Fiction of the Eighties. Eds. Hans- Jürgen Diller, Stephan Kohl, Joachim Kornelius, Erwin Otto, Gerd Stratmann. Heidelberg: Universitätsverlag C. Winter, 1992. 65-77. 67/68.

Details

Seiten
99
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638189224
ISBN (Buch)
9783638698641
Dateigröße
752 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v13220
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Anglistik/ Amerikanistik
Note
1,0
Schlagworte
Postkolonialismus Rushdie Mo Kureishi

Autor

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Titel: Das Bild des Engländers in ausgewählten Werken von Kureishi, Rushdie und Mo