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Sind Migranten im deutschen Schulsystem benachteiligt?

Seminararbeit 2007 13 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vergleich unterschiedlicher theoretischer Ansätze zur Bildungsbenachteiligung

3. Fazit

Literaturverzeichnis:

Internetquellen:

1. Einleitung

Eine Darstellung der Menschheitsgeschichte kann als Abhandlung über Völkerwanderungen geschildert werden. Schon vor mehr als einigen Jahrtausenden waren Menschen bereit, ihr Heimatland aufzugeben und sich an anderen Orten anzusiedeln. Die Gründe dafür konnten sehr vielfältig und unterschiedlich sein. Im Vordergrund solcher Wanderungen stand jedoch häufig die Intention auf eine Verbesserung der Lebensbedingungen im Immigrationsland. Auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt verlassen viele Menschen ihre Heimat, um in einem anderen Land bessere Entwicklungsvoraussetzungen zu erfahren als in ihrem eigenen. Die Migrationsbewegungen der Menschen werden durch bestimmte religiöse, politische, kulturelle und wirtschaftliche Umstände ausgelöst. Mit diesen gewichtigen Umständen aus der Soziologie setzt sich die Migrationssoziologie auseinander. In den meisten Fällen ist es so, dass sich nicht nur einzelne Menschen in einem anderen Land ansiedeln, sondern dass diese Menschen mit ihrer ganzen Familie in ein anderes Land gehen. Das bringt unterschiedliche Schwierigkeiten, wie sprachliche Barrieren, demografische Unterschiede sowie Anpassungsschwierigkeiten in Sitten und Gebräuchen mit sich. Besonders die Kinder der Einwandererfamilien werden aus ihrem gewohnten sozialen Umfeld herausgerissen und sind im neuen Land mit diversen Problemen konfrontiert. Sie müssen eine andere Sprache erlernen, neue Freundschaften schließen und sich in ein ungewohntes schulisches Umfeld integrieren. Dies verläuft oftmals nicht ohne Probleme und in vielen Fällen drohen die Kinder der Einwandererfamilien in einen Randgruppenstatus des Bildungssystems abzurutschen. Es besteht die Gefahr der Diskriminierung durch Mitschüler und Lehrer und die Entstehung fachlicher Defizite. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Migrantenkinder aufgrund der genannten Umstände eine Bildungsbenachteiligung im deutschen Schulsystem erfahren und welche Ursachen dafür zu benennen sind. Ziel dieser Arbeit ist es, unterschiedliche theoretische Ansätze der gegenwärtigen Forschung zu beleuchten und zu hinterfragen. Obwohl zu diesem Themenschwerpunkt eine hohe Anzahl literarischer Darstellungen verfügbar sind, werde ich mich in erster Linie auf die theoretischen Ansätze von Cornelia Kristen, Janet Schofield und Mechthild Gomolla beziehen, da sie herausragende Arbeiten zur Bildungsbenachteiligung im deutschen Schulsystem verfasst haben.

Die Gliederung der Seminararbeit erfolgt dermaßen, dass in der Einleitung Punkt 1 die Gewichtung des Themas in Bezug auf soziologische Aspekte dargestellt und die Fragestellung abgegrenzt und erläutert wird. In Punkt 2 erfolgt eine Vorstellung und ein Vergleich der der theoretischen Ansätze von Kristen, Schofield und Gombolla. In Punkt 3 werden die Ergebnisse zusammengefasst und vorgestellt. Einen Nachweis, der zum Erstellen der Seminararbeit verwendeten Literatur, bietet Punkt 4.

2. Vergleich unterschiedlicher theoretischer Ansätze zur Bildungsbenachteiligung

Die Soziologin Cornelia Kristen geht in ihrer Ausarbeitung zur „Ethnischen Diskriminierung im deutschen Schulsystem“ von einem theoretischen Diskriminierungsbegriff aus. Der Begriff der Diskriminierung kann sehr vielfältig ausgelegt werden. Das Ziel ihrer Ausarbeitung ist es einen umfassenden Überblick gegenwärtiger Forschungsergebnisse zu geben und das vorhandene Wissen zur ethnischen Diskriminierung im schulischen Bereich komprimiert darzustellen. Um die Vielfältigkeit des Begriffs der Diskriminierung zu beleuchten, unterscheidet Kristen den Begriff der „ökonomischen und institutionellen Diskriminierung.“[1] Im ökonomischen Kontext wird der Begriff der Diskriminierung nicht nur bezüglich individueller Leistungen verstanden, sondern aufgrund bestimmter „askriptiver Charakteristika“[2] Unter askriptive Eigenschaften zählt Cornelia Kristen bestimmte Merkmale wie die Herkunft, das Geschlecht oder andere Eigenschaften. Werden diese benannten Eigenschaften in eine schulische Bewertung miteinbezogen, so kann nach ökonomischer Theorie von Diskriminerung gesprochen werden. Einen anderen Aspekt weist der Grundgedanke der institutionellen Diskriminerung auf. Dieser rückt die Organisationsstrukturen von Schule in den Vordergrund. Während individuelle Aspekte der Schüler außer Acht gelassen werden, konzentriert sich alles auf organisatorische Aspekte der Institution (Routinen, Regeln, Rahmungen)[3]. Es wird zusätzlich eine Unterteilung in „direkte und indirekte institutionelle Diskriminierung“[4] vorgenommen. Unter direkter institutioneller Diskriminierung wird eine gewollte unterschiedliche Behandlung bestimmter Gruppen durch formalisierte Regeln provoziert.[5] Eine indirekte institutionelle Diskriminierung beinhaltet den Einsatz gleicher Regeln und Werte, diese haben jedoch bei unterschiedlichen Gruppen differenzierte Aussicht auf Erfüllung zur Folge.[6] Bezüglich dieser Annahme können Bildungsdefizite auf institutionelle Einflüsse zurückgeführt werden. Mögliche Ursachen von Bildungsungleichheiten können nach Kristen also die Konsequenzen institutioneller Regelungen für die Schüler sein. Sie nehmen zwar keine „Schlüsselrolle in einer Erklärung ethnischer Bildungsungleichheit ein“[7], müssen jedoch trotzdem in Erklärungsansätze des Bildungserfolgs miteinbezogen werden. Eine vordergründige Ursache bezüglich Bildungsbenachteiligungen stellen Ungleichheiten in der sozialen Herkunft dar. „Sobald die elterliche Beziehung und die soziale Positionierung der Familie berücksichtigt werden, reduzieren sich die eingangs festgestellten Bildungsunterschiede ganz erheblich und lassen sich zum Teil sogar vollständig aufklären“[8], so erklärt Cornelia Kristen mögliche Ursachen von Bildungsungleichheiten und deren Behebung. Zur Klärung der Fragestellungen nach dem Ausmaß ethnischer Diskriminierungen und welche Stellung dieser Aspekt im Vergleich anderer Größen einnimmt, bedient sich Kristen quantitativer Studien. Eine große Bedeutung räumt sie der Analyse von Befragungsdaten ein, sowie Labor- und Feldexperimenten um detaillierte Vorgänge der Diskriminierung transparent zu machen. Im ersten Teil der Untersuchungen geht es um die Frage, ob sich ethnische Diskriminierungen in den Beurteilungen von Lehrern finden lassen. Diesbezüglich bedient sich Kristen bestimmter Datenquellen, die derzeit für Deutschland verfügbare Ergebnisse repräsentieren (IGLU= Internationale Grundschul- Lese- Untersuchung, LAU= Aspekte der Lernausgangslage und der Lernentwicklung, DFG-Projekt[9]). Im zweiten Teil der Untersuchung geht es um die Frage, welche Bedeutung dem Aspekt ethnischer Bildungsungleichheiten im Vergleich anderer Einflüsse zukommt. Auch bezüglich dieser Fragestellung zieht Cornelia Kristen bestimmte Datenerhebungen hinzu (Mikrozensus, SOEP= Sozio – ökonomisches Panel, PISA= Programme for International Student Assessment[10]). Aufgrund der herangezogenen Studien lässt sich die Frage nach systematischer Diskriminierung von Kindern aus Zuwandererfamilien wie folgt beantworten: Die meisten Untersuchungen (IGLU- Daten und LAU- Untersuchung) ließen keinen Rückschluss auf eine mögliche Diskriminierung von Kindern aus Zuwandererfamilien zu.[11] Es konnten keine Hinweise dafür ausfindig gemacht werden, dass sich Schullaufbahnempfehlungen an ethnischen Kriterien orientieren. Keine der Studien belegte, dass Lehrkräfte bestimmte Schüler mit Migrationshintergrund nachteilig behandelten oder diskriminierten. Die zweite Frage nach der Größenordnung ethnischer Aspekte im übergeordneten Kontext konnte folgendermaßen beantwortet werden: Auch diese Untersuchungen lassen keinen Schluss auf Nachteile für bestimmte ethnische Gruppen zu. Die oft vermutete „Schlüsselrolle“[12] für die Erklärung ethnischer Bildungsunterschiede konnte aufgrund der herangezogenen Untersuchungen nicht bestätigt werden. Nachgewiesene Ungleichheiten im Bildungssystem lassen sich nach Cornelia Kristen als Belege „sozioökonomischer“[13] Art erklären. Bestimmte Effekte können als Hinweise ethnischer Diskriminierung verstanden werden, können jedoch auch auf andere Aspekte hinweisen, die in den Analysen außer Acht gelassen wurden.

[...]


[1] Vgl. Kristen, Cornelia: Ethnische Diskriminierung im deutschen Schulsystem? Theoretische Überlegungen und empirische Ergebnisse. Berlin: 2006. S. 1.

[2] Vgl. Ebd. S.2.

[3] Vgl. Ebd. S.5.

[4] Ebd. S.6. Vgl. auch Gomolla, Mechthild und Radtke, Frank- Olaf: Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung ethnischer Differenz in der Schule. Opladen: 2002.

[5] Vgl. Ebd. S.6.

[6] Vgl. Ebd. S.6.

[7] Vgl.Ebd. S.9.

[8] Ebd.S. 9.

[9] Vgl. Ebd. S.16- 22.

[10] Vgl. Ebd. S. 27-32.

[11] Vgl. Ebd. S. 35.

[12] Ebd. S. 36.

[13] Ebd. S. 36.

Details

Seiten
13
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640419531
ISBN (Buch)
9783640419647
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132147
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Institut für Soziologie
Note
2
Schlagworte
Sind Migranten Schulsystem

Autor

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Titel: Sind Migranten im deutschen Schulsystem benachteiligt?