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Konsumgeschichte der Bundesrepublik Deutschland

Eine Betrachtung nach Jahrzehnten

von MA Sven Sochorik (Autor)

Seminararbeit 2004 9 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Weichenstellung für das Wirtschaftssystem in der BRD nach dem 2. Weltkrieg
2.2. Die Fünfzigerjahre, das „Wirtschaftswunder“
2.3. Die Sechzigerjahre, kritische Konsumenten
2.4. Die Siebzigerjahre, Grenzen des Wachstums
2.5. Die Achtzigerjahre, Lustkonsum

3. Schlussbetrachtungen

Literaturliste:

1. Einleitung

Konsum und materieller Wohlstand bewegt die Menschheit seit Jahrtausenden. Besitz bedeutete auch Macht und damit verbundene Missgunst war somit nicht selten eine Ursache von Kriegen. Wenn hingegen breitere Bevölkerungsschichten Wohlstand erfahren, sinkt die Bereitschaft, diesen erarbeiteten Besitz wieder aufzugeben. Durch die zunehmende wirtschaftliche Interdependenz der Staaten, wird eine kriegerische Auseinandersetzung unwahrscheinlicher. „Konsum sichert Beschäftigung und Wachstum und ist damit einer der tragenden Pfeiler der Industriegesellschaft. Hierin liegt sicherlich eine der bedeutsamsten gesellschaftlichen Funktionen des Konsums.“[1] Daher ist die Geschichte des Konsums bedeutend für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Besonders sind die engen Beziehungen von Konsum, Wohlstand und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Laufe der Geschichte der BRD zu beobachten und zu analysieren, da sie doch im Zusammenhang mit anderen Faktoren einen erfolgreichen Demokratisierungsprozess vorweisen. Denn gerade in der Gegenwart wird dieser erfolgreiche Demokratisierungsprozess als Modell für andere Länder in der Welt benutzt, um mittels Wohlstand demokratische Strukturen dauerhaft zu installieren. Außerdem bedeutet Konsum auch einen Ausdruck von Individualität und Identität. „Alles, was der Mensch als homo faber produziert oder heute fast häufiger – als Konsument für seine persönliche Sphäre auswählt, ob Möbel, Fortbewegungsmittel, Nahrungsmittel, Kleidung, Freizeitgeräte etc. ist Objektivierung und Ausdruck seiner Identität und wirkt sogleich auf diese zurück.“[2]

Im Folgenden möchte ich die Ausgangsbedingungen in der westlichen Besatzungszone analysieren und die geschaffenen Rahmenbedingungen durch die Besatzungsmächte beurteilen. Dann werde ich die Geschichte des Konsums in der BRD chronologisch untersuchen. Dabei möchte ich auf die Zusammenhänge zwischen dem Verbraucherverhalten und der gesellschaftlichen Entwicklung eingehen und Beziehungen und Trends aufzeigen. Außerdem möchte ich auf die Verbindung von Politik und wirtschaftlicher Entfaltung hinweisen und die soziale Ausrichtung des bundesrepublikanischen Wirtschaftsmodells beleuchten und bewerten.

2. Hauptteil

2.1. Weichenstellung für das Wirtschaftssystem in der BRD nach dem 2. Weltkrieg

Schon vor dem Ende des 2. Weltkrieges wurden 1943 auf der Konferenz von Teheran Pläne für die Teilung Deutschlands öffentlich. „In Teheran wurde die Zerstückelung (dismemberment) Deutschlands beschlossen, ohne dass dies konkretisiert wurde.“[3]

Vor der Verabschiedung des Marshall- Plans, nach der Kapitulation Deutschlands, gab es unter anderem Pläne vom amerikanischen Finanzministers Henry Morgenthau, Deutschland in ein Agrarland zu verwandeln. Der Marshall- Plan sicherte den Westzonen Deutschlands und sechszehn Staaten Europas finanzielle Hilfe der USA. Heute ist umstritten, welche wirtschaftliche Wirkung diese Hilfe für das sogenannte Wirtschaftswunder, auf das ich in Kapitel 2.2. noch gesondert eingehen werde, hatte. Erwiesen ist aber die psychologische Wirkung der einsetzenden Westintegration und der Einbindung, der sich konstituierenden BRD, in den Weltmarkt und in das politische Europa.

Die Währungsreform vom 21.06.1948 führte zu einem schlagartig verbesserten Warenangebot. Natürlich waren breite Bevölkerungsschichten nicht in der Lage diese Waren zu bezahlen, so weckte das Warenangebot doch Begehrlichkeiten und sollte die Lebenspläne und – Ziele der zukünftigen Konsumenten auf Jahre bestimmen.

Die Soziale Marktwirtschaft die unter dem „Wirtschaftsminister“ Ludwig Ehrhard in der Westzone Leitmotiv für die Wirtschaftspolitik sein sollte, wurde nach der Währungsreform konsequent verwirklicht. „Als sozial soll sich die Marktwirtschaft erweisen in dem sie möglichst großen Wohlstand für alle produziert, wobei die Marktfreiheit aus sozialen Gründen beschränkt und korrigiert werden soll, wenn gesellschaftlich unerwünschte Ergebnisse entstehen.“[4] Der Staat hatte dabei eine eher untergeordnete Rolle und sollte nur auf verschiedenen Gebieten Rahmenbedingungen schaffen und Lenkungsmechanismen ausnutzen, die Konsumfreiheit, Gewerbefreiheit und Wettbewerbsfreiheit garantierten, um wirtschaftliche Prosperität zu erreichen.

2.2. Die Fünfzigerjahre, das „Wirtschaftswunder“

Am Ende der fünfziger Jahre konnte konstatiert werden, dass sich das Experiment der Sozialen Marktwirtschaft bewährt hatte. Nach den Entbehrungen des Kriegs – und Nachkriegsjahre konnten nun breite Bevölkerungsschichten vom wachsenden Wohlstand profitieren. Nach der Erfahrung mit Hunger, Lebensmittelmarken, und Schwarzmarkt wurden Konsumwünsche in heftig teils aufeinander folgenden, teils sich überlagernden Wellen (Ernährung –Kleidung – Hausrat) befriedigt. „Die Kriege hinterließen deutliche Zäsuren, auch wenn relativ rasch wieder an die Vorkriegsentwicklung angeknüpft werden konnte. […] Ein weiterer Indikator ist die Bedeutung illegaler Märkte, die während und nach dem zweiten Weltkrieg unentbehrlich zur Versorgung der Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern waren.“[5]

Es wurde nicht mehr konsumiert um überwiegend die Grundbedürfnisse zu befriedigen, sondern der Konsum von Luxusgegenständen wie zum Beispiel Küchengeräten und Zweiräder, waren deutliche Zeichen für das Einsetzen eines Massenkonsums. Nahrungsmittel insbesondere Fleisch wurden verstärkt nachgefragt, so dass von einer „Fresswelle“ gesprochen wurde. „Mit wachsendem Wohlstand haben sich die Verbrauchsgewohnheiten der privaten Haushalte in der Bundesrepublik Deutschland erheblich gewandelt. Galt es in den ersten Jahren nach der Währungsreform vorrangig, den lebensnotwendigen Bedarf zu decken – die Menschen wollten satt werden, ein Dach über dem Kopf bekommen, sich hinreichend Kleiden -, so rückten in den folgenden Jahren zunehmend Güter des gehobenen Bedarfs in den Mittelpunkt der Verbraucherwünsche,[…]“[6]

Massenmedien wie zu Beginn der Rundfunk und bis in die sechziger Jahre das Fernsehen veränderten zunehmend den Alltag und das Freizeitverhalten der Bundesbürger. „Nach der auf Gemeinschaftsempfang eingeschworenen nationalsozialistischen Rundfunkpolitik hat sich nach dem Krieg der Trend zur Privatisierung der Mediennutzung durchgesetzt. Tragbare Transistorgeräte ermöglichten bald den Empfang, wann und wo man ihn wünschte.“[7]

Der Markt war auf Grund des enormen Nachholbedarfs ein reiner Verkäufermarkt, so dass sich ein Käufer - oder Kundenmarkt mit einer zunehmenden Konkurrenz auf der Anbieterseite, erst allmählich entwickeln konnte.

[...]


[1] Schneider, Norbert: Konsum und Gesellschaft, in: Konsum, Hrg. : Rosenkranz, Doris, Schneider, Norbert, Opladen, 2000, S. 12.

[2] Sommer, Michael, Carlo: Soziopsychologie der Kleidermode, Regensburg, 1989, S.17.

[3] Pötzsch, Horst: Deutsche Geschichte von 1945 bis zur Gegenwart, München, 1998, S. 22.

[4] Pötzsch, Horst: Deutsche Geschichte von 1945 bis zur Gegenwart, München, 1998, S. 92.

[5] Jäckel, M., Kochhan, C.: Konsum und Gesellschaft, in: Konsum, Hrg. : Rosenkranz, Doris, Schneider, Norbert, Opladen, 2000, S. 86.

[6] Schmidt, Klaus-Dieter: Strukturwandlungen des privaten Verbrauchs in der BRD 1950-1985, Kiel, 1976, S. 1.

[7] Becher, Ursula: Geschichte des modernen Lebensstils, München, 1990, S. 192.

Details

Seiten
9
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640428847
ISBN (Buch)
9783640428663
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132119
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,3
Schlagworte
Konsumgeschichte Eine Betrachtung Jahrzehnten

Autor

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    MA Sven Sochorik (Autor)

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Titel: Konsumgeschichte der Bundesrepublik Deutschland