Lade Inhalt...

Klassiker der Pädagogik im Visier unserer Zeit - Reformpädagoge Célestin Freinet im Interview

Hausarbeit 2008 18 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Klassiker der Pädagogik im Visier unserer Zeit
2.1 Persönliche Reflexion und Bewertung
2.2 Johann Amos Comenius
2.3 Jean-Jacques Rousseau
2.4 Philanthropen
2.5 Johann Heinrich Pestalozzi
2.6 Wilhelm von Humboldt
2.7 Helene Lange

3. Célestin Freinet
3.1 Zur Person: Leben und Werk
3.2 Freinet im Interview
3.3 Persönliche Reflexion und Bewertung

4. Abschlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der Mensch muss sich in der Welt selbst forthelfen. Dies ihn zu lehren, ist unsere Aufgabe.“ (Pestalozzi)[1] Auf sich allein gestellt wächst der Mensch in einer sich stetig verändernden Gesellschaft auf und begegnet auf seinem langen Weg der Bildung immer wieder neuen Lehrern, deren Aufgabe es ist, ihr Wissen und ihre Weisheit weiter zu geben. Eine Aufgabe, die nicht nur viel Verantwortung bedeutet, sondern auch eine gewisse Pflicht gegenüber dem Heranwachsenden. Dieser Pflicht sind sich die Klassiker der Pädagogik bewusst und beginnen Modelle zu entwickeln, um dem heranwachsenden Menschen die Möglichkeit zu geben, sich selbst fortzubilden.

Im folgenden Ergebnisprotokoll dreier Sitzungen werden die wesentlichen Kritiken und Leitgedanken festgehalten. Einer der berühmtesten unter den Klassikern ist der französische Aufklärer Jean-Jacques Rousseau, dessen pädagogische Grundsätze und revolutionäre Ideen in der Erziehungswissenschaft Gegenstand zweier Sitzungen sind. Es sind eben solche Gedanken pädagogischer Größen, die uns heute noch beschäftigen und deren Theorien in das deutsche Bildungssystem einfließen, ohne dass es den meisten Menschen überhaupt bewusst ist. Dabei scheint es umso wichtiger sich mit den Theorien der Klassiker auseinander zu setzen, insbesondere für den lehrenden Teil der Bevölkerung, der folgende Fragen beherzigen sollte: Wo findet Erziehung statt? Wer sind die Klassiker der Pädagogik? Wie wichtig ist der Einfluss ihrer pädagogischen Ideen für heute? Mit der Beantwortung solcher und ähnlicher Fragen beschäftigt sich das Ergebnisprotokoll.

Auf der Suche nach Lösungen zur Schulproblematik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts befindet sich auch der französische Klassiker Célestin Freinet. Er stellt sich die Aufgabe, den Schulunterricht praxisorientierter zu gestalten und entwickelt neue Techniken zur Förderung von Freiarbeit. Ein fiktives Interview mit Célestin Freinet wird den zweiten Teil der Arbeit füllen und stellt somit ein sehr gutes Exempel für Courage und Engagement in der Schulpädagogik dar. Mithilfe seiner praktischen Ideen und Umsetzung dieser, wird er seiner Aufgabe, wie anfangs zitiert, gerecht. Anschließend umrahmt eine persönliche Stellungnahme und Einschätzung den Aufsatz, um die Bedeutung seines Schaffens und dass seiner Mitstreiter noch einmal für die heutige Zeit zu beleuchten.

2. Klassiker der Pädagogik im Visier unserer Zeit

2.1 Persönliche Reflexion und Bewertung

„Der Mensch beginnt nicht leicht zu denken. Sobald er aber erst einmal den Anfang damit gemacht hat, hört er nicht mehr auf.“ (Rousseau)[2] Und er hat angefangen und damit begonnen das Bildungssystem immer wieder innerhalb der letzten 600 Jahre zu revolutionieren.

Das schulpädagogische Spektrum an innovativen Ideen, die uns die Geschichte überliefert, ist immens. Aus diesem Bottich können wir Theorien schöpfen und auf heutige Probleme anpassen. So kommt es zum Beispiel zu Verbesserungen des Bildungsplans oder zur Gründung von Reformschulen, wie bereits im Protokoll vermerkt. Kulturen befinden sich im ständigen Wandel, gesellschaftliche Prozesse bewirken neue Entwicklungen im Bereich der Technologie. Und so wie sich die Technologie verändert, so ändert sich ebenso der Anspruch auf deren Nutzung. Um in der Gesellschaft Fuß zu fassen, sich zu integrieren und ein utilitaristischer Bestandteil dieser zu sein, werden andere Maßstäbe gesetzt. Die Anpassungsfähigkeit wird in der heutigen Leistungsgesellschaft nach Klafki immer schwieriger. Problem und Lösung wurzeln gleichsam in der Bildung. Zu dieser Erkenntnis müssen nicht erst Comenius, Rousseau, Montessori, Hentig oder andere pädagogische Vordenker kommen. Sie beschäftigen sich gezielt mit der Frage: Wie können wir den Heranwachsenden eine bessere Lernumgebung verschaffen, um sie am Mitwirken des eigenen Bildungsprozess zu motivieren? Folgende wichtige Prinzipien finden heute großen Anklang:

- Selbständigkeit der Kinder
- Praktische Tätigkeiten
- Lernen durch Handeln
- Entfaltung der schöpferischen Kräfte[3]

Und dennoch bleiben die erhofften Ergebnisse aus. Das Interesse an den Vordenkern geht allmählich zurück und der moderne Staat versucht es auf seiner eigenen Art und Weise schulpädagogisch den technologischen Fortschritt an einen Bildungsfortschritt anzugleichen. Die schockierenden Ergebnisse der PISA Studie aus dem Jahr 2000, sowie die „Deutsche Bildungskatastrophe“ nach Georg Picht aus dem Jahre 1964, veranlassen den Rückzug staatlichen Eingriffs in das Bildungssystem und bewirken das Wiederaufleben pädagogischer Konzepte der Klassiker.

2.2 Johann Amos Comenius

Pädagoge, Schulreformer und Schulbuchautor sind die drei Berufungen von Johann Amos Comenius. Er ist der Vorläufer der Moderne durch seine revolutionären Ideen zur Didaktik und Methodik. Insofern revolutionär, indem er Schulen als unentbehrliche Institutionen für alle fordert. Niemand soll von der Bildung ausgeschlossen werden, jeder hat das Recht auf Bildung und jeder kann sich bilden, was sein berühmter Satz seiner Allerziehungslehre bekräftigt: „Allen alles allumfassend lehren (omnes, omnia, omnino).“ Er fordert somit die Chancengleichheit, was ihm zu seiner Zeit auch viel Kritik einbringt.

Ganz ohne Zweifel wurzeln Comenius Grundideen in unserem heutigen Schulsystem. Als erster überhaupt entwirft er ein gestuftes Schulsystem, das dem unsrigen in seinen Grundprinzipien sehr ähnelt, wie zum Beispiel die 6 Jahre Grundschule, die in Berlin und Brandenburg noch heute bestehen. Als Verteidiger eines Lehrplanes, der den gesamten Unterrichtstoff auf die Klassen verteilt, schafft er die Grundlage unseres heutigen Bildungsplans. Ein ebenso wichtiger aktueller Bestand unseres Schulwesens ist das Schulbuch, dessen Idee wir keinen anderen als Comenius selbst zu verdanken haben. Das Lernen soll Spaß machen, die Neugierde der Kinder wecken, was mithilfe des Anschauungsunterrichts geschaffen wird. So entsteht sein 1658 verfasstest Werk „Die sichtbare Welt in Bilder (Orbus Pictus)“, welches das Erlernen von Sprachen in Bildern darstellt. Auch hier finden wir einen aktuellen Bezug zum situierten und praxisorientierten Lernen. Er will weg vom Pauken der alten Sprachen, wie Griechisch und Latein und hin zu Realien, zu den nützlichen Fächern für das spätere Leben in der Gesellschaft. Comenius ist sich also auch über die Notwendigkeit der Bildung bewusst und greift somit den Fortschrittsgedanken auf.

Comenius zu kritisieren scheint fast falsch angebracht. Denn immerhin macht er sich über die Erziehung und Bildung in einer Zeit Gedanken, in der das Hauptaugenmerk auf die Kriegsführung, den kirchlichen Wandel und weniger auf die Erziehung und Bildung liegt. Als Bischof der böhmischen Brüdergemeinde sind seine Ansichten oft mit der Theologie verbunden. Er vertritt somit die Auffassung einer christlich-theologischen Erziehung, einer Pädagogik praktischer Theologie, die in unseren laizistischen Schulen keinen Anklang findet. Die Wissens- und Wertevermittlung sollte nicht mit der Frömmigkeit gleichgesetzt werden. Ein weiterer Kritikpunkt ist seine utopische Idee des Frontalunterrichts vor 100 Kindern, die höchsten in den akademischen Einrichtungen mit Studenten praktiziert wird.

Comenius gilt mit seiner umfassenden Schultheorie, die „Große Didaktik (Didactica Magna)“ als Wegbereiter für viele Reformpädagogen, unter anderem Wilhelm von Humboldt und Maria Montessori und wir können von seinen Grundsätzen noch nach 400 Jahren profitieren.

2.3 Jean-Jacques Rousseau

Die Praxis ist der Schlüssel, da wir aus ihr nicht nur die Erfahrungen ziehen, sondern auch die Theorien ableiten und erschließen, so wie es Schleiermacher bereits mit seiner Dignität der Praxis erklärt. Aus solchen Theorien filtern wir unser heutiges Wissen, um es in das Bildungssystem einfließen lassen zu können. Neben Schleichmacher gehört auch Rousseau zu den Urvätern der Pädagogik. Sein Schaffenswerk „Emile“ mit seiner Fülle an didaktischen Informationen, Reflexionen und individuellen Lernprozessen, zeigt eine völlige neue Bedeutung von situiertem Lernen. Die praxisorientierten Geschichten des Jungen und seines Lehrers handeln nicht nur von einem Lernprozess, sondern richten sich auch nach dem Finden einer Rolle. Einer Rolle des „Zöglings“ und seines Lehrers. „Die Jugend ist die Zeit, Weisheit zu lernen. Das Alter ist die Zeit, sie auszuüben.“( Rousseau)[4]

Für unsere heutige Zeit trägt Rousseau nicht den wohl von ihm erhofften Einfluss oder die Veränderungen in den Erziehungsmethoden. Viele seiner pädagogischen Grundideen sind utopisch, besonders der tendenzielle Bezug zum männlichen Geschlecht und die Erziehungsfrage der Mädchen. Hinzu kommt, dass die naturgetreue und naturnahe Erziehung in unseren heutigen stark urbanisierten und immens gewachsenen Städten mit ihren immer neuen Technologien schier unmöglich erscheint. Der gesellschaftliche Einfluss in der Schule, im Freundeskreis, im sozialen Umfeld überflutet die Kinder heutzutage einfach zu stark von materiellen Eindrücken, so dass Rousseaus Grundideen keinen Anklang finden. Dennoch sind seine exemplarischen Überlegungen richtig, dass negative Wirkungen der Gesellschaft den heranwachsenden Menschen seinen Charakter dementsprechend formen. Verdient Jean – Jacques Rousseau ein Denkmal an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe? Die Seminargruppe zeigt sich uneinig. Kritik kommt seitens der Studentinnen, da Rousseau sich ausschließlich auf den Jungen bezieht. Obwohl seine Ideen revolutionär für die Epoche erscheinen, spielt bei ihm die Rolle der Frau eine eher traditionelle. Ebenso werden die Punkte der Moralerziehung angesprochen, dass Eltern nicht mit Kleinkindern diskutieren und sie wie kleine Erwachsende behandeln sollen. Trotz der fortschrittlichen Denkweisen im Bereich der angewandten Erziehungswissenschaften sprechen sich die meisten jedoch gegen eine Denkmalssetzung aus.

2.4 Philanthropen

Gemeinnützlichkeit, Menschenbildung und Aufklärung sind die Signalwörter des Philanthropismus mit seinen Hauptvertretern J. B. Basedow, J. H. Campe, E. Ch. Trapp, Ch. G. Salzmann und J. Ch. Guts Muts. Sie distanzieren sich von den Ansichten ihrer Kollegen, wie Comenius, Rousseau oder Schleiermacher, in dem sie die schulische Bildung als Fundament zur gesellschaftlichen Nützlichkeit betrachten. Der Versuch einer naturgemäßen Erziehung gemäß Rousseaus Ideen und einer gemeinnützigen Erziehung wirkt eher gekünstelt, wie es Goethe eins bei einem Besuch Basedows in Dessau bemerkt[5]. Es besteht kaum eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis. Aufgrund dieser Tatsache, sehen sie sich immer wieder mit utilitaristischen Vorwürfen konfrontiert, die zum Teil auch berechtigt erscheinen.

Der Fokus liegt auf die Realienfächer, in denen gezielter auf die berufliche Orientierung hin gelehrt wird. Bei aller Kritik sprechen dennoch die vielen Gründungen von Industrie-, Internats-, Experimentier- und praxisorientierten Schulen für sich und gelten als Vorreiter für die heutigen Real- und Werkrealschulen.

[...]


[1] Puntsch, Eberhard: Zitatenhandbuch . Universitas Verlag, München 2003, S.308

[2] aus Puntsch, E.: Zitatenhandbuch, S.242

[3] ADS Zentrum Westerwald: Fortbildungen für ErzieherInnen, Informationsbroschüre

[4] aus Puntsch, E.: Zitatenhandbuch, S.272

[5] entnommen aus den Seminarunterlagen

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640446353
ISBN (Buch)
9783640446896
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v132102
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe – Institut für Bildungswissenschaft und Allgemeine Pädagogik
Note
2,0
Schlagworte
Klassiker Pädagogik Visier Zeit Reformpädagoge Célestin Freinet Interview

Autor

Zurück

Titel: Klassiker der Pädagogik im Visier unserer Zeit - Reformpädagoge Célestin Freinet im Interview