Lade Inhalt...

Literarisierung der Rhetorik – die Zweite Sophistik

Hausarbeit 2009 24 Seiten

Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vita und Werke des Apuleius

3. Inhalt und Aufbau der Verteidigungsschrift Apologia
3.1. Einführung
3.2. Inhalt
3.3. Komposition und Argumentationsstrategie
3.4. Authentizität/Echtheitsfrage

4. Die Zweite Sophistik
4.1. Definition des Sophistikbegriffs
4.2. Der Entstehungszusammenhang, Wirkung und Grundzüge der Sophistik
4.3. Die Zweite Sophistik
4.4. Die Verteidigungsrede Apologia als Werk der Zweiten Sophistik
4.4.1 Welche allgemeinen Elemente deklarieren die Verteidigungsschrift Apologia zum Werk der Zweiten Sophistik?
4.4.2. Analyse und Interpretation: Textgrundlage Apul. Apol. 4,1 – 7,7

5. Zusammenfassung der Kernaussagen/Schlusswort

6. Literaturverzeichnis
I. Sekundärliteratur
II. Primärliteratur

1. Einleitung

Eine gute Rede hat
einen guten Anfang
und ein gutes Ende

-

und beide sollten
möglichst dicht
beieinander liegen.

Mark Twain
(1835-1910)

In der vorliegenden Arbeit sollen zwei thematische Schwerpunkte aufgegriffen und näher beleuchtet werden: Zum einem wird die Verteidigungsrede Apologia unter den Aspekten Inhalt, Komposition, Argumentationsstrategie und Authentizität ansatzweise angerissen, zum anderen liegt der zweite thematische Schwerpunkt auf der Zweiten Sophistik. In dem ersten Schwerpunkt soll der Inhalt, der Aufbau der Rede und mögliche Probleme in zusammenfassender Form dargestellt werden. In dem zweiten Schwerpunkt der vorliegenden Hausarbeit versuche ich den Sophistikbegriff zu definieren, indem ich ihr Entstehen, Wirkung und Grundannahmen als Grundlage für das Folgende ansatzweise anreiße. Anschließend gehe ich zu der Definition und den entscheidenden charakteristischen Merkmalen der Zweiten Sophistik über. Daran anknüpfend soll die Frage aufgegriffen werden, ob man die Verteidigungsschrift Apologia als ein Werk der Zweiten Sophistik deklarieren kann. Nach einer allgemeinen Auflistung von Elementen, die die Rede zu einem Werk der Zweiten Sophistik erklären, soll anhand der Textgrundlage Apul. Apol 4,1 – 7,7 die wichtigsten Elemente im Hinblick auf ihre Funktion innerhalb der Verteidigungsschrift herausgearbeitet und interpretiert werden, die als typisch sophistisch zu betrachten sind und die Verteidigungsschrift Apologie zu einem meisterhaften Werk der Zweiten Sophistik deklarieren. Es geht also darum, auf der ausgewählten Textgrundlage zu zeigen, warum diese Rede als ein Erzeugnis der Zweiten Sophistik zu betrachten ist. Vor diesem Hintergrund soll auch ansatzweise darauf eingegangen werden, inwiefern bei der vorliegenden Verteidigungsrede eine Literarisierung vorliegt. Kann man von einer starken Literarisierung der Apologia reden? Abschließend werden in einer Zusammenfassung noch einmal die zentralen Kernaussagen der vorliegenden Hausarbeit festgehalten.

2. Vita und Werke des Apuleius

„Einsam ragt die Gestalt des Apuleius heraus[1] “, so charakterisiert Fuhrmann Apuleius in seinem letzten Buch. „Sein Goldener Esel“ ist der einzige Beitrag, den Rom im 2. Jahrhundert der Weltliteratur geschenkt hat.

Der vollständige Name des Apuleius ist uns nicht überliefert, so dass wir nicht genau wissen, wie er mit dem vollständigen Namen hieß. Er wurde um 125 n. Chr. in Madaura im heutigen Algerien geboren. Er war also Nordafrikaner. Um 170 n. Chr. soll er vermutlich gestorben sein. Apuleius stammte einer wohlhabenden und angesehenen Familie, die ihm eine gute Ausbildung ermöglichte.[2] In seinem Heimatort, Karthago und in Athen studierte er die Fächer Grammatik, Rhetorik und Philosophie. Im Laufe seines Lebens schloss sich Apuleius der platonischen Richtung an – er selbst bezeichnete sich als Platoniker – und die dort herrschende mystische Stimmung trieb ihn dazu, sich in zahlreiche Mysterien aufnehmen zu lassen. Apuleius war sowohl rhetorisch als auch philosophisch als auch literarisch optimal ausgerüstet, als er seine schriftstellerische Tätigkeit aufnahm. Popularität gewann er insbesondere durch den Unterhaltungsroman mit dem Titel „Der Goldene Esel“, bestehend aus zahlreichen eingebetteten Erzählungen. Nach längerem Studienaufenthalt kam er wieder nach Afrika zurück und ehelichte dort seine Gattin namens Pudentilla. Infolge dieser Heirat wurde er unter der Klage wegen Magiepraxis in einen gefährlichen Prozess involviert, von dem wir heute noch durch die vollständig erhaltene und sehr umfangreiche Verteidigungsrede haben. Es wird angenommen, dass er mit sehr großer Wahrscheinlichkeit freigesprochen wurde. Danach ließ er sich in Karthago nieder und verlebte dort den Rest seines Lebens. Ein Staatsamt hat er nie bekleidet, war jedoch Priester im Kaiserkult. Schon zu Lebzeiten wurden ihm zahlreiche Statuen aufgrund seines rhetorischen Ansehens errichtet. Apuleius schrieb sowohl in lateinischer als auch in griechischer Sprache, es sind jedoch nur lateinische Werke erhalten. Seit dem 19. Jh. wurde die Authentizität einiger seiner Werke ständig zur Diskussion gestellt.[3]

Sein Hauptwerk sind die Metamorphosen, auch Asinus Aureus genannt, die vollständig erhalten sind. Dieser Unterhaltungsroman erzählt in der Ich-Form nach der griechischen Vorlage von Lukian von Samosata die Abenteuer eines Lucius, der im Hexenland Thessalien in einen Esel verwandelt wird und manches erleben muss, bevor er wieder seine Menschengestalt dank einer Gottheit annimmt. In die Haupthandlung sind zahlreiche Erzählungen eingefügt, die bekannteste unter diesen ist die Novelle von Amor und Psyche. Die exakte Datierung des Werkes ist unsicher. Ein anderes Werk von Apuleius ist die Florida, die mit Blütenlese übersetzt werden kann. Des Weiteren gehört zu seinen schriftlichen Leistungen das Werk „De Deo Sokratis“ (Über den Gott Sokrates), das die Existenz und die vermittelnde Funktion der Dämonen thematisiert und die spezielle Natur des Sokrates bespricht.[4]

3. Inhalt und Aufbau der Verteidigungsschrift Apologia

3.1. Einführung

Im Laufe seines Lebens wurde Apuleius in eine gefährliche Anklage wegen Magie und Zauberei verwickelt. Auf einer Reise nach Alexandrina heiratete er die wohlhabende Witwe Pudentilla, deren Familie eine erhebliche Vermögensminderung befürchtete. Aus diesem Grund verklagten die Familienangehörigen der Pudentilla Apuleius. Die Klage lautete auf Verführung der Pudentilla durch den Einsatz der Magie. Im Falle einer Verurteilung hätte ihm die Todesstrafe gedroht. Der Prozess gegen ihn wurde in der Stadt Sabratha um 158 n. Chr. ausgetragen. Durch eine Rede, in der er seine rhetorischen und philosophischen Leistungen unter Beweis stellte, erreichte er mit sehr großer Wahrscheinlichkeit einen Freispruch. Wir können seine vollständig erhaltene und umfangreiche Rede als ein einziges Dokument betrachten, weil es sich um die einzige, auf Latein verfasste Gerichtsrede aus der römischen Kaiserzeit handelt.[5] Zudem zeigt sie uns einen ausgezeichneten Vertreter der Zweiten Sophistik. Diese vollständig erhaltene Verteidigungsrede gewährt uns besondere Einblicke in den Zustand der rhetorischen Kunst, der lateinischen Sprache und der literarischen Form des Lateinischen im 2. Jahrhundert n. Chr. Diese Verteidigungsschrift kann auch zugleich als die reichste Form für gesellschaftliche, soziale und ökonomische Situationen in der Provinz Afrika, für das Rechtssystem und Rechtspflege, die die Magievorstellungen im Volk und für ein genaueres Bild des Mittelplatonismus wahrgenommen werden.[6]

3.2. Inhalt

Apuleius beginnt seine Verteidigungsrede aus seinem Blickwinkel mit der Darstellung des Sachverhaltes, der Charakterisierung der Ankläger sowie deren Motive und der Festlegung seiner eigenen Redeabsicht. Als Hauptausgangspunkt der ganzen Affäre sind haltlose Behauptungen und Verleumdungen zu betrachten, die Sicinius in die Welt gesetzt hat. Sicinius ist der Bruder von Pudentillas verstorbenem ersten Ehemann. Dieser behauptet, Apuleius solle durch Einsatz der Magie Pudentilla verführt und ehelicht haben. Im ersten Redeteil geht Apuleius auf die Anklagepunkte ein, die ein ungünstiges Bild vom Angeklagten zeichnen sollen. Behandelt werden sein Aussehen, seine überragende Beredsamkeit und die Art seiner Gedichte, der Besitz eines Spiegels und seine ärmlichen Besitzverhältnisse. Aus diesen Motiven bildet Apuleius das Bild eines rhetorisch versierten, poetisierenden und wissenschaftlich interessierten Philosophen.[7] Anschließend wendet er sich dem Hauptpunkt der Zauberei zu.

Im zweiten Hauptabschnitt geht er auf den Kernpunkt der Anklage ein: Heiratserschleichung durch den Einsatz der Magie. Die Frage nach finanziellen Vorteilen durch die Heirat als weiterer Anklagepunkt versuchte er durch die Vorlage von Dokumenten und vor allem durch die Beschreibung seines fürsorglichen Verhaltens zu widerlegen. Hinter der ganzen Anklage stand vielmehr Aemilianus’ Furcht, durch die Wiederheirat der Pudentilla einen erheblichen Teil des Vermögens zu verlieren. Nach einer kurzen Zusammenfassung, in der er die Widersprüche noch einmal betonend abgehandelt hatte, schließt er die Rede ab.[8]

3.3. Komposition und Argumentationsstrategie

Nach der antiken Rhetoriktheorie besteht eine Rede aus folgenden Komponenten:

1. Exordium (Einleitung)
2. Narratio (Erzählhergang)
3. Argumentatio (Beweisgang)

Aufteilung der Argumentatio in:

a. Probatio (Herstellung der eigenen Glaubwürdigkeit)
b. Refutatio (Widerlegung der gegnerischen Beweise)

4. Peroratio (Schluss)

Apuleius leitet seine Rede ebenfalls mit einem Exordium, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu wecken und sie mit dem Fall vertraut zu machen. In der Narratio wird der eigentliche Sachverhalt dargelegt. Dann erfolgt der Übergang zu der Argumentatio in der Form einer Refutatio. Grundsätzlich ist der Refutatio innerhalb der ganzen Verteidigungsschrift ein großes Gewicht beizumessen, weil Apuleius’ Hauptziel darin besteht, durch Vorlage eigener Beweise und Dokumente die Anklagepunkte der gegnerischen Seite zu widerlegen. Mit einer Peroratio schließt er die Rede ab.

[...]


[1] M. FUHRMANN, Rom in der Spätantike, München 1994, S. 43

[2] R. HELM, Schriften und Quellen der alten Welt, Apuleius – Verteidigungsrede, Blütenlese, Band 36, Berlin 1977, S. 7 – 15

[3] H. CANCIK und H. SCHEIDER, Der Neue Pauly (DNP), Enzyklopädie der Antike, Band 11, Göttingen 2002, 911 – 914

[4] SAPERE, H-G. NESSELRATH, Apuleius, De Magia, Band V Göttingen 2002, S. 9 ff.

[5] SAPERE, H-G. NESSELRATH, Apuleius, De Magia, Band V Göttingen 2002, S. 23 – 24

[6] SAPERE, H-G. NESSELRATH, Apuleius, De Magia, Band V Göttingen 2002, S. 24

[7] SAPERE, H-G. NESSELRATH, Apuleius, De Magia, Band V Göttingen 2002, S. 25 ff.

[8] SAPERE, H-G. NESSELRATH, Apuleius, De Magia, Band V Göttingen 2002, S. 26

Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640392766
ISBN (Buch)
9783640393084
Dateigröße
715 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131909
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Philosophische Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
Literarisierung Rhetorik Zweite Sophistik

Autor

Zurück

Titel: Literarisierung der Rhetorik – die Zweite Sophistik