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Internationale Finanzkrisen und Finanzmarktstabilität

Diplomarbeit 2008 103 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

III Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Globalisierung der Finanzmärkte
2.1 Treibende Kräfte der Finanzmarktglobalisierung
2.1.1 Deregulierung und Liberalisierung der Finanzmärkte
2.1.2 Technologischer Fortschritt
2.1.3 Innovative Finanzinstrumente
2.2 Globalisierung im Bankensektor
2.2.1 Die Rolle der Banken auf den Finanzmärkten
2.2.2 Die Rolle anderer Finanzmarktteilnehmer
2.2.2.1 Private Equity-Fonds
2.2.2.2 Hedge Fonds
2.3 Vor- und Nachteile globalisierter Finanzmärkte

3. Finanzkrisen
3.1 Bankenaufsicht, Einlagensicherung und Bilanzierungsvorschriften als Grundlage von Vertrauen in Finanzmärkte
3.2 Spekulation und spekulative Blasen
3.2.1 Spekulation
3.2.2 Spekulative Blasen
3.3 Erklärungsansätze von Finanzkrisen
3.3.1 Definition und Typisierung
3.3.2 Krisenmodelle
3.3.2.1 Erste Generation
3.3.2.2 Zweite Generation
3.3.2.2.1 Herdenverhalten
3.3.2.2.2 Ansteckungseffekte
3.3.2.3 Dritte Generation
3.3.2.3.1 Moral Hazard Ansatz
3.3.2.3.2 Bank Run Ansatz
3.3.2.3.3 Balance Sheet Ansatz
3.4 Bank Runs und Bankenkrisen
3.4.1 Informationsasymmetrien, Moral Hazard und Adverse Selektion
3.4.2 Bank Runs
3.4.3 Systemrisiken und Bankenkrisen
3.4.4 Der Fall Northern Rock

4. Die Subprime-Krise in den USA
4.1 Der Greenspan Put und die Great Moderation
4.2 Der Markt für Hypothekenkredite in den USA
4.3 Kreditverbriefung und das Originate to Distribute-Modell
4.3.1 Kreditverbriefung
4.3.2 Die Originate to Distribute-Verbriefungskette
4.4 Die Subprime-Krise und ihre Folgen
4.5 Übertragung Richtung EU

5. Ansatzpunkte und politische Optionen zur Verbesserung der Finanzmarktstabilität
5.1 Die Rolle der internationalen Organisationen
5.1.1 Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und Basel II
5.1.2 Der Internationale Währungsfonds
5.2 Die Rolle der Notenbanken
5.3 Transparenz auf den Finanzmärkten
5.3.1 Die Rolle der Ratingagenturen
5.3.2 Transparenz auf dem Markt für Kreditverbriefungen
5.4 Risiko- und Liquiditätsmanagement von Banken
5.5 Bankenaufsicht

6. Schlussbetrachtung

IV Quellenverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Stabilisierende Spekulation

Abb. 2: Destabilisierende Spekulation

Abb. 3: Auszahlungsmatrix

Abb. 5: Entwicklung des Zinssatzes bei 30-jährigen Fixzins-Hypotheken

Abb. 4: Entwicklung der Leitzinsen (%) in den USA

Abb. 7: Immobilenpreisentwicklung in den USA, Europa und Großbritannien

Abb. 6: Entwicklung der Wohneigentumsrate in den USA

Abb. 8: Entwicklung der US-Hypothekenvolumen der Jahre 1995 bis 2006

Abb. 9: Vergleich der Verzugsraten von ARMs und Fixzins-Krediten

Abb. 10: Klassifikation von ABS

Abb. 11: Struktur einer Forderungsverbriefung

Abb. 12: Verlustverteilung nach dem Wasserfallprinzip

Abb. 13: Monatliche Zinsanpassung bei ARMs

Abb. 14: Überfällige Hypothekenforderungen nach Jahr des Kreditabschlusses

Abb. 15: CDS Spreads auf MBS

Abb. 16: 3-Monats LIBOR für Overnight Index Swap Spreads

Abb. 17: Anteil strukturierter Kreditprodukte nach Marktteilnehmer

III Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Globalisierungsdebatte beherrscht seit mehr als einem Jahrzehnt die öffentliche Diskussion. Befürworter heben vor allem die Förderung von Wachstum, technischem Fortschritt und den Austausch von Wissen, Erfahrungen und Produkten sowie die Reduzierung der Armut hervor. Hingegen führen die Widersacher der Globalisierung eine steigende Ungleichheit innerhalb und zwischen den Staaten sowie eine Verschlechterung des Lebensstandards vieler Menschen an. Der Hauptkritikpunkt der Globalisierungsgegner richtet sich hierbei auf die Verflechtung der Finanzmärkte, welche die Volatilität sowie die Instabilität der internationalen Finanzmärkte stark ansteigen ließe. Die Deutsche Bundesbank definiert den Begriff der Finanzstabilität als „einen Zustand, in dem das Finanzsystem seine zentralen Funktionen wie die Allokation der finanziellen Mittel und der Risiken sowie die Abwicklung von Zahlungen in einer Volkswirtschaft, effizient erfüllt, und zwar gerade auch bei Schocks, in Stresssituationen und in strukturellen Umbruchphasen.“[1] Der Ausgangspunkt von Störungen der Finanzstabilität kann laut Schmidt u.a. in der Ausübung der Machtposition privater Finanzinstitute begründet sein, da diese durch ihre Entscheidungen in die wirtschaftlichen Prozesse eines großen Teils der Welt eingreifen würden.[2]

Seit Sommer des Jahres 2007 werden die Schlagzeilen der Weltpresse von der Hypotheken-krise in den USA, auch Subprime-Krise genannt, dominiert. Fast täglich kommen neue Meldungen über beispielsweise Abschreibungen der Kreditinstitute in Milliardenhöhe sowie Gewinnwarnungen von Banken hinzu.

In den USA bildete sich vom Jahr 2001 bis Anfang des Jahres 2005 in Folge einer expansiven Geld- und Fiskalpolitik seitens der Federal Reserve (Fed) und massiver Anlage von Reserveüberschüssen der Schwellenländer am amerikanischen Kapitalmarkt sowie aufgrund fragwürdiger Praktiken bei der Vergabe von Wohnungsbaukrediten eine Immobilienblase.[3] Zehntausende amerikanische Haushalte, welche sich eigentlich kein Immobilieneigentum leisten konnten, erhielten Kredite zur Eigenheimfinanzierung. Kaschiert wurde dieser Missstand durch seit Mitte der 1990er Jahre ständig gestiegene Immobilienpreise. Im Zuge der seit dem Jahr 2004 gestiegenen Kapitalmarktzinsen, stiegen dann auch die Hypotheken-zinsen, die anders als in Deutschland in der Regel variabel gestaltet sind. Die angewachsene Zins- und Tilgungslast konnten viele Schuldner nicht mehr bedienen und waren so gezwungen, ihre Immobilie zu verkaufen, woraufhin ein Wertverfall für Häuser und Hypotheken einsetzte.[4] Die Immobilienblase platzte und sollte weitreichende Folgen für die internationalen Finanzmärkte haben.

Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte die Krise im März 2008 mit der drohenden Insolvenz der traditionsreichen fünftgrößten US-Investmentbank Bear Stearns, die nur durch eine Finanzhilfe der US-Notenbank sowie der Bank JP Morgan Chase vorerst verhindert wurde.[5] Zuvor war schon die größte Hypothekenbank der USA, Countrywide Financial Corporation (CFC), in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Der Konkurs konnte aber auch hier durch die Übernahme der CFC durch die Bank of America abgewendet werden. Jedoch nicht nur in den USA gerieten Finanzintermediäre in Schwierigkeiten, auch in Europa zeigten sich die Folgen der Entwicklungen in den USA. Zu den prominentesten Opfern zählen hier u.a. die Deutsche Bank und die Schweizer Großbank UBS, die im Zuge der Krise bereits Abschreibungen in Milliardenhöhe vornehmen mussten sowie die beiden in existenzbedrohende Lage geratenen deutschen Bankhäuser IKB Deutsche Industriebank (IKB) und Sachsen LB.

Nach den oben beschriebenen aktuellen Entwicklungen auf den Finanzmärkten erscheint die international wachsende Besorgnis im Hinblick auf die Wahrung stabiler Finanzmärkte insoweit ebenso angebracht wie die drängenden Fragen der Weiterentwicklung und Stärkung der Finanz- und insbesondere der Bankenregulierung. Um aus Krisen Lehren für die Stabilität der internationalen Finanzmärkte ziehen zu können, bedarf es allerdings einer umfassenden Analyse der Ursachen. Hier gilt es u.a. zu erörtern, wo die Gefahren einer möglichen Instabilität der Finanzmärkte bzw. die Ursachen für den Ausbruch einer Finanzkrise liegen. Zudem gilt es zu hinterfragen, welche Umstände und Auslöser zur Subprime-Krise in den USA geführt haben und warum eine Krise auf einem amerikanischen Teilkreditmarkt große Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten verursachen kann. Darauf aufbauend sind Maßnahmen zur Abwendung der Krise und Stärkung der Stabilität der internationalen Finanzmärkte zu diskutieren.

Die zahlreichen und heftigen Finanzkrisen der letzten Jahre sowie ferner die aktuellen Entwicklungen auf den Finanzmärkten werden mit der Internationalisierung der Finanzmärkte in Verbindung gebracht. Nach der Einleitung beginnt das zweite Kapitel dieser Arbeit daher mit der Beantwortung der Frage, wie es zur Entwicklung von globalisierten Finanzmärkten gekommen ist und welche Risiken sich hieraus für die Finanzmärkte ergeben. Hierzu werden zunächst die Globalisierung und ihre Auswirkungen auf die internationalen Finanzmärkte sowie auf den Bankensektor behandelt. Nach einer näheren Betrachtung der treibenden Kräfte der Finanzmarktglobalisierung werden abschließend die Chancen und Risiken globalisierter Finanzmärkte dargestellt.

Im Anschluss daran beschäftigt sich die Arbeit mit den Ursachen von Finanzkrisen sowie deren Ablauf und Auswirkungen. Hierzu werden verschiedene Krisenmodelle vorgestellt und vor allem Aspekte wie Ansteckungseffekte und irrationale Verhaltensweisen der Markt-akteure im Kontext von Bankenkrisen behandelt.

Im vierten Kapitel werden dann die Hintergründe und Auswirkungen der Hypothekenkrise in den USA ausführlich dargestellt. Ein wesentliches Element der Globalisierung der Finanz-märkte und eine der Ursachen der Subprime-Krise in den USA könnten Finanzinnovationen, wie z.B. Kreditverbriefungen, darstellen, welche insbesondere in diesem Kapitel näher untersucht werden. Im Zuge dessen werden abschließend die Ursachen und Kanäle der Übertragung der Krise in Richtung EU abgebildet.

Nach der Darstellung der Ursachen der Subprime-Krise werden im fünften Kapitel darauf aufbauend mögliche Ansatzpunkte zur Verbesserung der Finanzmarktstabilität vorgestellt. In diesem Zusammenhang wird die Rolle verschiedener internationaler Organisationen, der Notenbanken und Bankenaufsicht betrachtet. Zudem werden mögliche Optionen zur Verbesserung der Transparenz auf den Finanzmärkten sowie zur Stärkung des Risiko-managements von Banken vorgestellt.

Im letzten Kapitel werden die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst.

2. Globalisierung der Finanzmärkte

Der Begriff der Globalisierung bezeichnet die steigende internationale Verflechtung der Volkswirtschaften auf der ganzen Welt. Unter ökonomischen Gesichtspunkten wird darunter u.a. insbesondere die zunehmende Internationalisierung der Finanz-, Waren- und Dienst-leistungsmärkte verstanden. Im Mittelpunkt des Globalisierungsprozesses stehen die inter-nationalen Finanzmärkte, welche in den vergangenen Jahrzehnten ein rasantes Wachstum erfahren haben. Denn Internationale Kapitalbewegungen werden nun nicht mehr lediglich im Zusammenhang mit dem Warenhandel gesehen, sondern bilden inzwischen einen eigen-ständigen Wirtschaftssektor. So haben in den letzten Jahren die Mobilität des Kapitals und die Instrumentenvielfalt sowie die Rolle der Finanzintermediäre auf den internationalen Finanzmärkten stark zugenommen.[6] Anhand der zahlreichen und heftigen Finanzkrisen der letzten Jahre zeigt sich allerdings auch die gestiegene systemische Fragilität und somit die Gefahr, dass etwaige lokale bzw. nationale Krisen eine globale Reichweite entwickeln können.[7]

In diesem Kapitel sollen daher zunächst die Ursachen der Finanzmarktglobalisierung, die Rolle der Finanzmarktteilnehmer sowie Chancen und Risiken globalisierter Finanzmärkte betrachtet werden, um dann im dritten Kapitel Finanzkrisen näher untersuchen zu können.

2.1 Treibende Kräfte der Finanzmarktglobalisierung

Die Globalisierung der Finanzmärkte lässt sich an zahlreichen Faktoren festmachen, wobei nicht nur die Vielzahl der Entwicklungen, sondern auch ihr zeitlich gemeinsames Auftreten für die Globalisierungswellen verantwortlich war. Als die wichtigsten Schrittmacher werden in der Literatur häufig die Deregulierung und Liberalisierung der Finanzmärkte, der technologische Fortschritt sowie Finanzinnovationen genannt, die im Folgenden näher dargestellt werden.

2.1.1 Deregulierung und Liberalisierung der Finanzmärkte

Ein wesentliches Element für die Globalisierung der internationalen Finanzmärkte bildet der Prozess der Deregulierung und Liberalisierung der Finanzmärkte. Den Ausgangspunkt einer sich beschleunigenden Deregulierung der Finanzmärkte stellt der Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems fester Wechselkurse im Jahr 1973 und dem damit verbundenen verstärkten Übergang zu flexiblen Kursen sowie dem Abbau von Kapitalverkehrskontrollen dar. Ziel des im Jahr 1944 in der Stadt Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire beschlossenen Abkommens war die umfangreiche Neugestaltung der Weltwirtschaft und Stabilisierung des internationalen Zahlungsverkehrs durch den Aufbau eines neuen Welt-währungssystems. Das Hauptelement des Bretton-Woods-Systems bestand aus festen, an den US-Dollar (USD) gebundenen Wechselkursen und einer festen Parität des Goldes gegenüber. dem USD und zielte auf die reibungslose und von Handelsbarrieren befreite Abwicklung des Welthandels ab.[8] In Kombination des Bretton-Woods-Systems mit einer umfassenden Regulierung der inländischen Finanzinstitute durch die nationalen Behörden, konnten die einzelnen Regierungen die Geldmenge, Liquidität und Zinsgestaltung innerhalb ihrer Staatsgrenzen praktisch vollständig kontrollieren. Für die Dauer der Gültigkeit des Bretton-Woods-Abkommens bestand daher im Wesentlichen eine Aufspaltung in lokale bzw. nationale Finanzmärkte. Während dieser Zeit kam es in den einzelnen Staaten zu unter-schiedlichen Entwicklungen der nationalen Finanzsysteme und Finanzmärkte sowie der nationalen Gesetzgebung und Regulierung. Die Risiken und Erträge von Finanzinvestitionen waren daher vornehmlich von den Bedingungen und Umständen in den einzelnen Ländern abhängig.[9]

Mit dem Scheitern des Systems setzten insbesondere im Wechselkurs- und Zinsbereich hohe Volatilitäten ein, die zum Einen zu höherer Unsicherheit auf den Finanzmärkten führten, zum Anderen aber auch Chancen für die Finanzmarkteilnehmer boten. Banken erkannten das in freien Wechselkursen steckende Gewinnpotenzial. Es folgte ein enormer Anstieg des Devisenhandelsvolumens und des Einsatzes derivativer Finanzinstrumente zur Risiko-begrenzung.[10] Diese fortschreitende weltweite Ausdehnung von Finanztransaktionen wurde in den 1970er und 1980er Jahren durch die von den führenden Wirtschaftsnationen eingeleiteten Deregulierungs- und Liberalisierungsmaßnahmen verstärkt. Die Maßnahmen der einzelnen Länder zielten darauf ab, die heimischen Märkte zu stärken und die Attraktivität für ausländisches Kapital zu erhöhen. So hoben beispielsweise die USA im Jahr 1974 wesentliche Beschränkungen des Kapitalverkehrs, wie die Zinsregulierung, auf.[11] Ausländischen Investoren wurde somit der Zugang zu den nationalen Geld- und Kapitalmärkten erleichtert. Finanzinstitute sahen sich zudem verstärkt einem internationalen Wettbewerb gegenüber.[12] Die Industrieländer haben die Kapitalverkehrskontrollen inzwischen fast vollständig ab-geschafft und auch in den Emerging Markets erfolgte ein massiver Liberalisierungsschub.[13]

2.1.2 Technologischer Fortschritt

Die neuen technologischen Entwicklungen, insbesondere in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IuK), bilden die Basis für die ökonomische Globalisierung und haben maßgeblich zu der Veränderung der internationalen Finanzmärkte und zum strukturellen Wandel des Bankgeschäfts beigetragen.[14] „Nowhere has the IT revolution driven change faster than in the banks´ treasury and trading operations.”[15] Auf dieser Grundlage war es möglich, Finanzinnovationen wie Derivate und Verbriefungen sowie Handelsstrategien zu realisieren und immer weiter zu entwickeln. Gleichzeitig führte diese Entwicklung zu immer komplexer werdenden Finanzoperationen, so dass Banken auf eine leistungsfähige Hard- und Software angewiesen sind, die einen Überblick über die eingegangenen Engagements gestatten und in kürzester Zeit dynamische Risikoanalysen durchführen.[16]

Finanztransaktionen sind im Gegensatz zu den übrigen Wirtschaftssektoren durch eine weitgehende Abwesenheit physischer Güter gekennzeichnet. Die auf Finanzmärkten pro-duzierten und gehandelten Güter können als elektronisch übermittelte Nachrichten bezeichnet werden. Mit der Einführung elektronischer Börsen, wie beispielsweise bei der Toronto Stock Exchange im Jahr 1977, konnten Aufträge wesentlich schneller ausgeführt und so pro Zeiteinheit höhere Handelsvolumina umgesetzt werden.[17] Hier ermöglicht die IuK die raumzeitliche Ungebundenheit von Transaktionen, so dass der Austausch von Zertifikaten nicht mehr den physischen Transfer erfordert, sondern überall auf der Welt zu jederzeit digitalisiert und in real-time abgewickelt werden kann.[18] Dies führte zu einer enormen Verringerung der Kommunikations- und Transferkosten im Finanzsystem.[19] Dement-sprechend machen bei internationalen Arbitragetransaktionen die aus der Handelsspanne zu deckenden Transaktionskosten nur noch einen geringen Bruchteil des Transaktionswertes aus. Die Händler verfügen neben modernen Telekommunikationssystemen und Datennetzen auch über globale Informationssysteme, wie Reuters oder Telerate, was die Suche nach erfolgversprechenden Arbitragegelegenheiten erleichtert[20] und zudem die Reaktionsfähigkeit der Marktteilnehmer auf relevante Informationen erhöht.[21] In Folge der verbesserten Informationslage sowie der gesunkenen Transaktionskosten auf den Finanzmärkten, hat die Möglichkeit und Bereitschaft Portfolioumstrukturierungen vorzunehmen und in Finanztitel von bisher wenig beachteten Unternehmen sowie kleinerer Länder zu investieren, deutlich zugenommen.[22] Dies ging mit neuen Erkenntnissen im Bereich des Portfoliomanagements einher. Investoren diversifizieren nun nicht mehr vornehmlich innerhalb von Märkten oder zwischen unterschiedlichen Investmentkategorien, sondern versuchen sich vielmehr gegen die Risiken nationaler Märkte durch Diversifikation ihres Portfolios in internationale Märkte, wie ausländische Aktien oder Anleihen, abzusichern.[23]

Die aus der technologischen Entwicklung resultierende Dynamisierung und weltweite wechselseitige Abhängigkeit des Bankgeschäfts soll aber nicht über die Tatsache hinweg-täuschen, dass „globale Ungleichgewichte sowie technische und psychologische Markt-einflüsse schneller übertragen werden können und sich die Volatilitäts- und Marktliquiditäts-risiken erhöhen.“[24]

2.1.3 Innovative Finanzinstrumente

Die Bedeutung von Finanzinnovationen wurde in dieser Arbeit bereits im Zusammenhang mit der Deregulierung und Liberalisierung der Finanzmärkte kurz angesprochen. Nach dem Scheitern des Bretton-Woods-Systems wuchs bei vielen Marktteilnehmern aufgrund hoher Wechselkurs- und Zinsvolatilitäten das Bedürfnis, sich gegenüber Preisschwankungen abzusichern. Dies führte zu einer steigenden Nachfrage nach Produkten, die dem Umgang mit zunehmend dynamischen und volatilen Märkten dienten. Hier sind vor allem derivative Finanzprodukte, wie Termingeschäfte und Optionen zu nennen. Mit Hilfe dieser Instrumente können Investoren ihr Portfolio gegen entgegengesetzt zu ihren Erwartungen potenziell eintretende Kursbewegungen absichern. Das Risiko des Investors wird hierbei gegen Zahlung einer Risikoprämie von einer Gegenpartei übernommen. Finanzinstitute können in diesem Kontext sowohl die Position des Investors als auch der Gegenpartei übernehmen, so dass durch die Verwendung von Derivaten die gegenseitige Vernetzung und Abhängigkeit von Banken auf der ganzen Welt erhöht wird.[25] Ohne an dieser Stelle näher auf die Thematik von Derivaten einzugehen, sei angemerkt, dass Derivate auf dem Prinzip der Antizipation künftiger Entwicklungen beruhen[26] und ferner durch eine hohe Hebelwirkung gekennzeichnet sind. Hieraus resultieren zum Einem erhöhte Risiken, zum Anderen aber auch Möglichkeiten für Spekulationsgeschäfte.[27]

Seit den 1980er Jahren zeigt sich ein starker Trend zu einer weiteren Finanzinnovation, der Kreditverbriefung. Auch bei diesem Instrument wird versucht, die ökonomischen Unsicherheiten zum Einen zu begrenzen und zum Anderen unter Ertragsgesichtspunkten zu nutzen. In Kapitel 4.3.1 erfolgt eine nähere Darstellung des Kreditverbriefungsprozesses, jedoch sei an dieser Stelle bereits erwähnt, dass durch den Verbriefungsprozess zuvor illiquide Kredite in handelbare Wertpapiere transformiert werden. Infolgedessen hat sich nicht nur die Liquidität auf den Finanzmärkten, sondern auch der Grad der internationalen Kapitalmobilität weiter erhöht.[28]

Die Deregulierung und Liberalisierung der Finanzmärkte, der technologische Fortschritt und die Finanzinnovationen zählen, aufgrund der oben beschriebenen Entwicklungen, zu den treibenden Kräften der Globalisierung der internationalen Finanzmärkte. Hierbei sei betont, dass insbesondere das Zusammenspiel dieser Faktoren maßgeblich zur Vernetzung der internationalen Finanzmärkte beigetragen hat.

2.2 Globalisierung im Bankensektor

Infolge der drastischen Strukturveränderungen des internationalen Finanzsystems war auch das traditionelle Bankgeschäft einem dramatischen Wandel unterworfen.[29] In diesem Kapitel werden daher die veränderten Gegebenheiten des Bankgeschäfts beschrieben sowie die besondere Stellung der Banken innerhalb des Wirtschaftsgefüges dargestellt. Des Weiteren wird die Rolle anderer Finanzmarktteilnehmer, wie Hedge Fonds und Private Equity Gesellschaften vorgestellt.

2.2.1 Die Rolle der Banken auf den Finanzmärkten

Indem Banken Unternehmen und Haushalte mit Geld versorgen, Möglichkeiten zur Kapital-anlage bieten, vermitteln, beraten und Risiken übernehmen, spielen sie eine entscheidende Rolle innerhalb des Wirtschaftsgefüges. Hieraus lassen sich in Bezug auf Kreditinstitute zwei Intermediationsfunktionen, und zwar die Bank- und Marktintermediation, ableiten.[30]

Zur Bankintermediation zählen die traditionellen Transformationsfunktionen wie Losgrößen-, Fristen- und Kreditrisikotransformation. Banken treten somit als Mittler zwischen Kapitalgeber und Kapitalnehmer auf und sorgen für einen Ausgleich der unterschiedlichen Interessen.[31] Zusätzlich entfällt die Suche nach geeigneten Transaktionspartnern.[32] Während Anleger für gewöhnlich eine schnelle Liquidierbarkeit und geringe Risiken wünschen, sind Kapitalnachfrager an festen und langfristigen Kreditlaufzeiten sowie einer Beteiligung des Kapitalgebers am Kreditausfallrisiko interessiert. Jedoch übersteigt insgesamt gesehen der langfristige Kreditbedarf die zeitlich entsprechenden Einlagen, so dass Banken die kurz-fristigen Einlagen in langfristige Kredite umwandeln und dementsprechend für einen Ausgleich zwischen den divergierenden Kapitalüberlassungs- und Zinsbindungsfristen sorgen. Zudem stimmen in der Regel die Volumina der Kapitalgeber nicht mit der Kapitalnachfrage überein, so dass Banken eine quantitative Anpassung der Kapitalbeträge vornehmen. Des Weiteren übernehmen Banken den Interessensausgleich zwischen den unterschiedlichen Risikowünschen von Kapitalangebot und -nachfrage, in dem sie das Bonitätsrisiko selbst übernehmen. Die Erfahrung und das fachliche sowie instrumentelle Potenzial ermöglichen es Banken, Kreditausfallrisiken besser zu verringern, zu verhindern oder auch zu streuen.[33] Ihre Berechtigung finden Banken folglich in der Reduktion von Transaktionskosten, welche bei der Suche nach geeigneten Transaktionspartnern bezüglich Zeitrahmen und Volumina entstehen.[34]

Der Bankensektor hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen enormen Wandel erfahren. Mit zunehmendem globalem Wettbewerb, verbunden mit sinkenden Margen und steigender Konzentration, ist der Bankensektor zunehmend unter Druck geraten.[35] Vermehrt findet ein Ausgleich von Kapitalangebot und -nachfrage über die Kapitalmärkte ohne die klassischen Intermediationsleistungen von Banken statt. Dieser Trend wird als Disintermediation bezeichnet. Banken werden mehr und mehr aus dem Finanzierungsprozess verdrängt[36], so dass laut einem Forschungsprojekt am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation zukünftig mit einer weiteren Verschiebung zu Lasten der traditionellen Intermediationsfunktionen von Banken zu rechnen sei. Zu beobachten sei diese Entwicklung z.B. in der wachsenden Bedeutung von direkt an den Kapitalmärkten platzierten Unternehmensanleihen anstelle von klassischer Fremdkapitalfinanzierung mittels Bank-kredit.[37] Im Zuge dieser Strukturveränderung der internationalen Finanzmärkte hat sich eine Verschiebung des klassischen Bankgeschäfts hin zum Anbieten von Dienstleistungen über die reinen Bankleistungen hinaus und das Erzielen von Handelsüberschüssen aus Eigenhandels-aktivitäten abgezeichnet.[38] Zu den Tätigkeitsschwerpunkten der Marktintermediation zählen u.a. der Handel mit Wertpapieren, Devisen und Derivaten sowohl für Kunden als auch als Eigengeschäft, die Beratung und Vermittlung in Bezug auf einzelne Finanzprodukte, bis hin zur Unternehmensberatung sowie Informationsdienstleistungen.[39] Ausgehend von der Prämisse asymmetrisch verteilter Informationen zwischen den Marktteilnehmern, haben sich Banken auf die Bereitstellung von Informationen über die Qualität von Investitionsprojekten spezialisiert, die Kapitalgebern ansonsten nur unter erheblichen Kosten zur Verfügung stehen würden. Banken reduzieren somit neben den Transaktionskosten auch informationsrelevante Kosten.[40]

Wie oben beschrieben, ermöglichen Banken bei asymmetrischer Informationsverteilung zwischen den Marktteilnehmern einen Ausgleich von Angebot und Nachfrage und tragen daher zur Reduktion von Unsicherheiten auf den Finanzmärkten bei. Jedoch liegt der ökonomische Gedanke von Banken im Grunde im Handeln mit den Risiken von Zahlungs-versprechen, so dass Banken ihren Gewinn nicht mit Risiken erwirtschaften, die sie vermeiden, sondern die sie übernehmen. Die Risiken werden dabei nicht eliminiert, denn Banken können i.d.R. trotz ihrer Funktion als Informationssammelstelle ex ante nicht vorhersagen, ob Verluste oder Gewinne an Zahlungen eintreten. Mittels innovativer Finanz-instrumente versuchen Banken daher eine Umverteilung der Risiken im Markt. Es wird deutlich, dass Banken somit zwar Unsicherheiten absorbieren, im Gegenzug aber auch zur Schaffung von Unsicherheiten beitragen.[41]

Aufgrund der von Banken übernommenen Intermediationsleistungen nehmen diese eine besondere Stellung im Wirtschaftsgefüge ein. Ein gesundes Bankensystem bildet u.a. die Grundlage für das Funktionieren der Realwirtschaft und mittels der finanziellen Infrastruktur die Voraussetzung für die Effizienz einer Volkswirtschaft. Somit kommt der Sicherung der Funktionsfähigkeit und Stabilität des Finanz- und Bankensystems eine essentiell wichtige Bedeutung zu.[42]

2.2.2 Die Rolle anderer Finanzmarktteilnehmer

Im Zuge der Umwälzungen der internationalen Finanzmärkte lässt sich eine zunehmende Institutionalisierung von Sparvermögen in den Händen professioneller, performance-orientierter Investmentmanager identifizieren. Aufgrund der rasanten Steigerung der von ihnen verwalteten Vermögen, haben diese Investoren signifikant an Einfluss gewonnen, so dass auch ihre Bedeutung im Bezug auf die Stabilität des globalen Finanzsystems erheblich zugenommen hat. Im Folgenden werden daher die zur Familie der institutionellen Investoren zählenden Private Equity-Fonds und Hedge Fonds näher betrachtet.[43]

2.2.2.1 Private Equity-Fonds

Private Equity ist ein Instrument der Unternehmensfinanzierung und dient als Oberbegriff für alle Finanzierungsformen von nicht börsennotierten Unternehmen mit Eigenkapital- oder eigenkapitalähnlichem Charakter. Private Equity-Investoren beteiligen sich somit am Eigen-kapital von Unternehmen, ohne dass diese Beteiligung mit einer Notierung an einer Wert-papierbörse verbunden ist. Es ist daher vorrangig für Unternehmen, die keinen oder nur einen erschwerten Zugang zu organisierten Wertpapiermärkten haben. Dabei verfolgen die Investoren bei einem kurz- bis mittelfristigen Investitionshorizont eine überdurchschnittliche Rendite. Die Beteiligungsformen lassen sich hinsichtlich ihres Investmentfokus und ihrer -philosophie unterscheiden. So bezeichnet Private Equity vornehmlich die Investition in bereits bestehende und am Markt etablierte Unternehmen, wohingegen Venture Capital, eine Unterform von Private Equity, auf die Frühphasenfinanzierung von jungen innovativen Wachstumsunternehmen abzielt.[44]

Indem Private Equity-Fonds Kapital von meist institutionellen Kapitalgebern sammeln und Unternehmen in Form von Eigenkapital zur Verfügung stellen, ermöglichen sie wie Banken einen Ausgleich von Kapitalangebot und -nachfrage. Daher ergeben sich auch hier, gegenüber Kapitalmarktlösungen Transaktionskostenvorteile. Private Equity-Investoren übernehmen, neben der reinen Finanzierungsfunktion, auch die Monitoringfunktion in der Postinvestment-phase. Dadurch leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Anpassungsfähigkeit des Portfolio-unternehmens und tragen damit zu einer höheren Wettbewerbsfähigkeit sowie zur Sicherung von Arbeitsplätzen bei.[45] Makroökonomisch gesehen führen Private Equity-Fonds allerdings tendenziell zu einer höheren Verschuldung im gesamten Unternehmenssektor. Dies gilt sowohl für die nicht übernommenen Unternehmen, welche sich durch einen höheren Verschuldungsgrad vor einer feindlichen Übernahme versuchen zu schützen als auch für die von Private Equity-Gesellschaften übernommenen Unternehmen. Denn durch einen hohen Verschuldungsgrad können Leverage-Effekte genutzt werden und bieten somit den Eigentümern und Managern einen Anreiz zur Steigerung des Unternehmenswertes.[46] Dies kann allerdings zu Fehlanreizen beim Management führen. Da dieses nämlich über-proportional vom Erfolg profitiert, jedoch nur unterproportional Verluste hinnehmen muss, besteht für das Management ein Anreiz riskante Strategien einzugehen, die dann u.U. zur Insolvenz des Unternehmens und zu Kreditausfällen bei den finanzierenden Kreditinstituten führen.[47]

Vor allem die Regulierung der Bankenlandschaft in Form der Baseler Eigenkapital-vorschriften hat zu einer nachhaltigen Veränderung der Finanzierungsbedingungen von Krediten geführt und u.a. den Zugang für kleine und mittlere Unternehmen zu Fremdkapital erschwert. Daher ist in den letzten Jahren eine steigende Private Equity Finanzierungstätigkeit zu verzeichnen, wobei der Anteil der Private Equity Investoren in Deutschland im Vergleich zu den USA oder Großbritannien noch sehr gering ausfällt.[48]

2.2.2.2 Hedge Fonds

Die zu den alternativen Kapitalanlagen zählenden Hedge Fonds sind Kapitalsammelstellen, die weltweit gewinnbringende Investitionsmöglichkeiten sondieren und unter Rendite-Risiko-Gesichtspunkten das ihnen anvertraute Kapital auf den globalen Finanzmärkten investieren. Trotz der Ähnlichkeit zu traditionellen Investmentgesellschaften sind Hedge Fonds diesen nicht gleichzustellen.[49] Der Erfolg der Fondsmanager von Investmentgesellschaften wird im Vergleich mit einer festgelegten Benchmark gemessen, die es zu schlagen gilt. Dies schließt allerdings auch die Erwirtschaftung von Verlusten ein, da ein Fondsmanager, auch wenn er einen Nettoverlust zu verzeichnen hat als erfolgreich gilt, wenn die Benchmark schlechter abgeschnitten hat. Im Gegensatz dazu zielen Hedge Fonds Manager darauf ab, unabhängig von der Marktentwicklung positive absolute Renditen zu generieren und nicht nur relative Performance-Vorteile gegenüber der jeweiligen Benchmark zu erzielen.[50] Hinsichtlich ihrer Anlage sind Hedge Fonds dabei sehr flexibel, so dass sie durch eine hohe Umschlaghäufigkeit ihrer Portfolios sowie durch ihre schnelle Reaktionsgeschwindigkeit auf Marktveränderungen gekennzeichnet sind. Da Hedge Fonds i.d.R. nicht an langfristigen Anlagestrategien interessiert sind, werden ihre Transaktionen als Spekulation, ausgenommen reine Arbitragegeschäfte, und somit sie selbst auch als Spekulanten bezeichnet. Ein wesentliches Charakteristikum von Hedge Fonds besteht im aggressiven Ausnutzen von Leverage-Effekten, einerseits durch einen signifikant hohen Fremdkapitaleinsatz, und andererseits durch den Einsatz von Finanzinstrumenten mit hoher impliziter Hebelwirkung, wie z.B. Derivaten.[51] Zum Investorenkreis von Hedge Fonds zählen hauptsächlich vermögende Privatkunden und institutionelle Investoren, insbesondere international aktive Finanzintermediäre. Dabei treten die Letztgenannten nicht nur als Fremdkapitalgeber, sondern auch als Eigenkapitalgeber sowie als Gegenpartei bei einer Reihe von bedeutenden Transaktionen auf. Dies hat zur Folge, dass aufgrund der engen kapital- und transaktionsmäßigen Vernetzung von Hedge Fonds mit anderen international aktiven Finanzintermediären sowie der Finanzintermediären unter-einander, eine große Gefahr hinsichtlich der Destabilisierungsmöglichkeiten des globalen Finanzsystems besteht. Gerät beispielsweise ein Hedge Fonds in Folge einer Marktfehl-einschätzung in Schwierigkeiten, so kann dies aufgrund so genannter Ansteckungseffekte zu einer Bedrohung der Stabilität und effizienten Funktionsweise des globalen Finanzsystems führen.[52] An dieser Stelle sei insbesondere auf den Zusammenbruch des Hedge Fonds `Long-Term Capital Management` im September 1998 und den hieraus resultierenden Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten verwiesen.[53] Des Weiteren können Hedge Fonds, wenn sie über ausreichend Kapital- und Expertenmacht verfügen, eine Finanzkrise aufgrund preisdestabilisierender Spekulation selbst auslösen sowie durch eigene Spekulationen ver-schärfen.[54] Auf die Wirkungsweisen von Ansteckungseffekten und Spekulation wird im dritten Kapitel noch ausführlich eingegangen.

2.3 Vor- und Nachteile globalisierter Finanzmärkte

Die weltwirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte war vom Phänomen der Globalisierung der Finanzmärkte gekennzeichnet, deren Triebkräfte in den vorangegangenen Abschnitten erläutert wurden. Aber welche Vor- und Nachteile hat diese Entwicklung, insbesondere vor dem Hintergrund der Finanzmarktstabilität, zur Folge?

Insgesamt werden durch die Globalisierung die internationalen Marktmechanismen verstärkt, welche zu einer größeren Effizienz des internationalen Finanzsystems führen. Neben den schon erwähnten verringerten Transaktionskosten, lassen sich Nutzeffekte vor allem in Form einer besseren Ressourcenallokation identifizieren. Internationales Kapital wird in weltweite Investitionsobjekte bzw. -standorte gelenkt, die unter Berücksichtigung der Risiken die höchsten Renditechancen verheißen. Somit bietet sich den Finanzmarktteilnehmern aufgrund offener internationaler Finanzmärkte ein größeres und breiteres Anlagespektrum sowie darüber hinaus Möglichkeiten der Risikoabsicherung durch Diversifikation. Der hieraus resultierende, verschärfte weltweite Wettbewerb um mobiles Kapital und die hohe Ge-schwindigkeit mit der die Finanzinvestoren reagieren können, führt zu einer Disziplinierung von Unternehmen und Staaten, beispielsweise hinsichtlich der Vermeidung einer exzessiven Staatsverschuldung. Insgesamt fördert diese Entwicklung folglich die Allokation des Kapital-angebots sowie die Stabilität der internationalen Finanzmärkte.[55]

Allerdings können sich aus der intensiven Vernetzung der Finanzmärkte auch negative Folgen für die Stabilität des internationalen Finanzsystems ergeben. Denn durch die Vernetzung der Märkte besteht beispielsweise die Gefahr, dass sich zunächst auf ein Land oder eine Region begrenzte finanzielle Schwierigkeiten auf weitere Länder und Märkte ausbreiten. Zudem können der hohe Grad der Kapitalmobilität und vor allem kurzfristige Portfolio-Investitionen,

d.h. der Kauf bzw. Verkauf von Aktien und Anleihen, zu einer starken Volatilität der Wechselkurse und der Preise von Vermögensgegenständen führen.[56] Entsprechen Finanz-marktpreise dabei über einen längeren Zeitraum nicht ihren Fundamentalwerten, so besteht die Gefahr einer spekulativen Blase.[57] Verstärkt wird dieser Umstand durch Spekulation sowie durch so genanntes Herdenverhalten, d.h. dass Investoren mehrheitlich in die gleichen Märkte investieren bzw. desinvestieren.[58] Spekulanten können zwar durch die Übernahme von Risiken Preisausschläge reduzieren, jedoch kann Spekulation in Verbindung mit irrationalem Verhalten eine destabilisierende Wirkung für das internationale Finanzsystem zur Folge haben.[59]

Wie oben erwähnt, resultiert der Nutzen der Finanzmarktglobalisierung aus Effizienz-gewinnen. Zugleich besteht durch die Verknüpfung aber die Gefahr, dass eine zunächst lokale Krise zu großen Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten führen kann. Vor diesem Hintergrund wird im folgenden Kapitel die Entstehung von Finanzkrisen sowie spekulativen Blasen näher betrachtet.

3. Finanzkrisen

Die Verletzlichkeit des Finanzsektors hat sich in den letzten Jahrzehnten, aber auch in der jüngeren Vergangenheit immer wieder durch das Auftreten von Finanzkrisen und -problemen gezeigt. Aufgrund der Vernetzung der einzelnen Volkswirtschaften haben die Krisen i.d.R. auch ausgeprägte Konjunktur- und Wirtschaftskrisen, häufig verbunden mit Wachstums-einbußen sowie erhöhter Arbeitslosigkeit zur Folge. Dieser Umstand verdeutlicht die Wichtigkeit eines stabilen Finanzsystems und begründet das Streben, die Entstehung von Finanzkrisen zu verstehen und darüber hinaus schwerwiegende Krisen zu verhindern.

3.1 Bankenaufsicht, Einlagensicherung und Bilanzierungsvorschriften als Grundlage von Vertrauen in Finanzmärkte

„Confidence is necessary in financial markets as a basis for transactions in markets; confidence is based on a mixture of experience of transaction partners and valid information as conveyed by balance sheets and other financial disclosure.”[60] Bankkunden setzen i.d.R. einseitig Vertrauen in eine Bank, da sie meist nicht über die nötigen Kenntnisse und Informationen verfügen sowie zudem ihre Einlagenbeträge relativ klein sind, so dass eine fortwährende und gründliche Kontrolle der Bank mit enormen Informationskosten verbunden wäre. Aus diesem Grund überlassen die typischen Bankkunden ihre Einlagen allein auf der Grundlage von Vertrauen der Bank und verzichten weitestgehend auf eine Kontrolle. Allerdings können negative Informationen, wie z.B. Nachrichten über drohende Verluste der Bank, den Auslöser für einen möglichen Vertrauensverlust in eine Bank und darüber hinaus den Abzug der Einlagen durch die Anleger, einen so genannten Bank Run, begründen. Dieser Umstand stellt noch keine besondere Gefahr für eine Volkswirtschaft dar. Allerdings könnten die Anleger aus Mangel an Information über die Risikopositionen der Banken die offensichtlichen Schwierigkeiten einer Bank auf andere, darunter auch viele solvente Banken, übertragen und somit einen allgemeinen Bank Run auslösen. Eine solche Störung des Bankensystems kann aufgrund der besonderen Bedeutung von Banken für eine Volks-wirtschaft zu erheblichen Störungen, nicht nur im gesamten Finanzsystem, sondern auch in der Realwirtschaft führen.[61] Um daher das Risiko von Bank Runs zu beschränken, kann den Anlegern, wie beispielsweise in der EU, mittels staatlicher und in der Höhe beschränkter Depositenversicherungen Schutz für ihre Einlagen gewährt werden. In Deutschland besteht neben der in der Höhe begrenzten staatlichen Einlagensicherung zudem ein privatrechtliches Einlagensicherungssystem der Banken, welches eine Ergänzung zu der gesetzlich gebotenen Mindestdeckung darstellt.[62] Die Gefahr eines Bank Runs kann solchermaßen verringert werden. Allerdings kann diese Tatsache dann auch nicht mehr disziplinierend auf das Verhalten der Banken wirken[63], so dass zum Schutz der Anleger und zur Sicherstellung eines reibungslosen Funktionierens des Bankensektors Banken einer Aufsicht unterstellt wurden.[64] Hierbei verbleibt die Verantwortung für die geschäftspolitischen Entscheidungen bei den Banken, ihre Tätigkeit wird lediglich durch Rahmenbedingungen sowie durch die Pflicht zur Offenlegung der Bücher gegenüber den Aufsichtsbehörden eingeschränkt.[65] Um eine ver-nünftige Bankenaufsicht zu gewährleisten benötigen die Behörden jedoch stichhaltige und aussagekräftige Unternehmensinformationen, wie z.B. aus den Bankbilanzen und deren Anhängen. Demzufolge kommt den Bilanzierungsvorschriften eine enorme Bedeutung zu, da diese die Qualität der Auskünfte bestimmen. Bestehen beispielsweise Lücken in den Bilanzierungsvorschriften hinsichtlich der genauen Allokation der Risiken, kann dies zu einem erheblichen Vertrauensverlust der Banken untereinander und einem Übergreifen auf den Interbankenmarkt führen.[66]

Das Zusammenspiel des Systems der Einlagensicherung, der Bankenaufsicht und der Bilanzierungsvorschriften ist somit von enormer Bedeutung für die Stabilität des Finanzsystems.

3.2 Spekulation und spekulative Blasen

Spekulation wird nicht selten für die gestiegene Volatilität auf den Finanzmärkten verantwortlich gemacht, mit einer daraus resultierenden erhöhten Verunsicherung der Marktteilnehmer sowie preisdestabilisierenden Tendenzen.[67] „Speculators may do no harm as bubbles on a steady stream of enterprise. But the position is serious when enterprise becomes the bubble on a whirlpool of speculation. When the capital development of a country becomes a by-product of the activities of a casino, the job is likely to be ill-done.”[68] Spekulation steht somit in einem engen Zusammenhang mit dem Auftreten von Finanzkrisen, so dass im Folgenden vor allem die Wirkung von Spekulation auf das Marktgeschehen und spekulative Blasen näher untersucht werden.

3.2.1 Spekulation

Aschinger definiert Spekulation als „jede durch Gewinnstreben motivierte Ausnutzung erwarteter zeitlicher Preisunterschiede eines Gutes auf einem bestimmten Markt.“[69] Die Preisentwicklung eines Gutes vom Zeitpunkt des Erwerbs bis zum Zeitpunkt der Veräußerung ist allerdings unsicher und Spekulation damit mit Risiken behaftet. Indes liegt aber auch eine wesentliche Funktion von Spekulation in der Übernahme von Risiken. Spekulanten verfolgen einzig und allein das Ziel, ein gekauftes bzw. verkauftes Gut in Erwartung kurzfristiger Preisänderungen zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit Gewinn zu verkaufen bzw. zu kaufen. Hierbei ist der Spekulant weder an einer langfristigen Wertsteigerung des Gutes, noch an Erträgen aus der Nutzung des Gutes interessiert. Von dieser Definition abzugrenzen sind Arbitragegelegenheiten, bei denen zwar auch Preisdifferenzen auf verschiedenen Märkten ausgenutzt werden, diese Differenzen aber aktuell bestehen, so dass Arbitrage risikofrei ist.[70] Arbitrage wird daher häufig auch als Einladung zum free lunch interpretiert und steigert durch die Vereinheitlichung der Preise für identische Güter auf unterschiedlichen Märkten die Effizienz der Märkte und ist damit gesamtwirtschaftlich wünschenswert.[71] Aber auch Spekulation kann aus gesamtwirtschaftlicher Sicht wünschenswert sein, da der Handel mit Gütern erleichtert sowie Preisschwankungen verringert werden und somit die Wirkungsweise der Märkte verbessert wird. Dies ist jedoch nur bei einer preisstabilisierenden Spekulation der Fall, hingegen kann eine preisdestabilisierende Spekulation die Markteffizienz beeinträch-tigen und zu Marktversagen führen.[72]

Anhand eines einfachen Modells von Aschinger kann die Wirkung von Spekulation veran-schaulicht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Stabilisierende Spekulation

Für die stabilisierende Spekulation wird angenommen, dass der Anteil an Spekulanten am Markt gering ist, diese aber im Vergleich zu den Nichtspekulanten die Preisentwicklung im Durchschnitt besser prognostizieren können.[73] Die Spekulanten werden demnach ihre Strategien nur an den erwarteten Entscheidungen der Nichtspekulanten ausrichten. Hierzu veranschaulicht Abb. 1 den Fall einer preisstabilisierenden Spekulation.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Zustand ohne Spekulation bildet sich das Marktgleichgewicht in der ersten Periode im Schnittpunkt der Angebotskurve Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenund der Nachfragekurve Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Treten in der ersten Periode jedoch Spekulanten auf, die für die nächste Periode eine erhöhte Marktnachfrage antizipieren und somit einen Preisanstieg erwarten, verschiebt sich die Nachfragekurve von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenauf Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Die Spekulanten werden nämlich in der ersten Periode Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenEinheiten des Gutes kaufen, um es in der nächsten Periode zu einem erwarteten höheren Preis wieder zu verkaufen. Der Preis steigt von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenauf Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenund es stellt sich ein neues Gleichgewicht bei Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenein. In der nächsten Periode steigt die Nachfrage der Marktteilnehmer von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenauf Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenund der Preis von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenauf Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Die positive Preisdifferenz veranlasst die Spekulanten die gekaufte Menge Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltendes Gutes zu verkaufen, so dass sich die Angebotskurve von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltennach Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenverschiebt. Im Fall ohne Spekulation würde sich das Marktgleichgewicht im Punkt Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenmit der Menge Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenund dem Preis Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenergeben. Hingegen führt der Fall mit Spekulation zu einem Gleichgewicht im Punkt Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenmit der Menge Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenund dem Preis Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Für die Nichtspekulanten ergibt sich folglich im Fall mit Spekulation in der ersten Periode ein Nettowohlfahrtsgewinn, gekennzeichnet durch die Fläche Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Diese stellt die Nettozunahme der Produzentenrente infolge der Preiserhöhung dar. In der zweiten Periode ergibt sich aufgrund der Spekulation ebenfalls ein Nettowohlfahrtsgewinn für die Nichtspekulanten in Höhe der Fläche Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Diese stellt die Nettozunahme der Konsumentenrente, resultierend aus der Preissenkung dar. Die Summe der beiden Flächen ergibt somit den gesamten Wohlfahrtsgewinn der Nichtspekulanten. Auch die Spekulanten erzielen einen Wohlfahrtsgewinn, bestehend aus der Fläche Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten(entspricht der Fläche Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten). Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Spekulation preisstabilisierend wirkt, da der Preis nur von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenauf Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltengestiegen ist und folglich unter dem sich ohne Spekulation ergebenen Preis Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenliegt. Insofern ist ersichtlich, dass die Höhe der Nettowohlfahrtsgewinne maßgeblich von der in der Periode 1 gekauften Menge Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltender Spekulanten abhängt.[74]

Haben die Spekulanten jedoch eine zu optimistische Erwartung hinsichtlich der Nachfrage- und der damit verbundenen Preisentwicklung des Gutes, werden sie in der ersten Periode eine zu große Menge Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltendes Gutes erwerben bzw. veräußern. Solche Fehleinschätzungen können auftreten, wenn die Spekulanten die Preisentwicklung im Durchschnitt nicht besser prognostizieren können als die Nichtspekulanten. Dies ist häufig der Fall, wenn die Märkte einen hohen Spekulantenanteil aufweisen und viele Mitläuferspekulanten ihre Handlungen am kurzfristigen Markttrend ausrichten. Hinzu kommt, dass sich in Zeiten einer Hausse viele Mitläuferspekulanten, die nicht über ausreichend Informationen und Kenntnisse verfügen, durch andere Markteilnehmer, u.U. durch Fehlinformation bzw. Manipulationen, beeinflussen lassen.[75] In diesem Fall hat die Spekulation eine preisdestabilisierende Wirkung, welche in Abb. 2 dargestellt ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Destabilisierende Spekulation

Die Spekulanten haben demnach in der ersten Periode, in Erwartung einer anderen Preisentwicklung, eine zu große Menge Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltendes Gutes zum Preis Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltengekauft. Da der Preis, zu dem die Spekulanten ihre Menge Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltendes Gutes in der zweiten Periode verkaufen, niedriger ist als der Kaufpreis, erleiden die Spekulanten einen Verlust in Höhe der Fläche Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten. Hieraus ergibt sich insgesamt ein Nettowohlfahrtsverlust für alle Marktteilnehmer, gekennzeichnet durch die Fläche Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten, da der Verlust der Spekulanten größer als der Gewinn der Nichtspekulanten ausfällt. Die Spekulation ist preisdestabilisierend, weil diese die Preisschwankungen von Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenim Fall ohne Spekulation auf Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenim Fall mit Spekulation verstärkt, wobei Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltengilt. Im preisdestabilisierenden Fall beeinflussen die Handlungen der Spekulanten nicht nur das Ausmaß der Preisentwicklung, sondern ferner auch dessen Richtung.[76]

Haben Spekulanten eine zu optimistische Erwartung hinsichtlich der Preisentwicklung eines Gutes, kann die Spekulation destabilisierend wirken. Dieser Umstand kann insbesondere durch irrationale Verhaltensweisen wie Herdenverhalten entstehen und zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Markteffizienz führen.[77]

3.2.2 Spekulative Blasen

Spekulation kann unter bestimmten Voraussetzungen die Effizienz der Märkte erhöhen, indem Preisschwankungen gedämpft und die Annäherung zum Marktgleichgewicht beschleunigt werden. Allerdings wurde im letzten Kapitel auch gezeigt, dass sich aufgrund von Fehleinschätzungen der Spekulanten bezüglich der erwarteten Preise eine de-stabilisierende Wirkung entfalten kann. Bewegen sich die Preise aufgrund der Erwartungen der Spekulanten zunehmend von ihren Fundamentalwerten weg, entstehen spekulative Blasen. Diese können selbst dann auftreten, wenn sich die Anleger rational verhalten. Beispiele für spekulative Blasen sind in der Vergangenheit reichlich zu finden, hier sei insbesondere auf Spekulationsblasen auf Immobilien- und Aktienmärkten verwiesen. Erwarten beispielsweise die Spekulanten, dass der Preis eines Gutes in der nächsten Periode höher liegen wird, werden sie in dieses Gut investieren, um es in der Folgeperiode zu einem höheren Preis wieder zu veräußern. Wie eben gezeigt, können so die Preise eines Gutes allein begründet durch die Erwartungen der Spekulanten steigen, so dass eine rationale spekulative Blase entsteht.[78] Begünstigt sowie verstärkt wird die Blasenbildung durch irrationale Verhaltensweisen und massenpsychologische Faktoren wie z.B. Herdenverhalten und Überoptimismus. Oftmals genügen allerdings kleine negative Schocks, die zu einer abrupten Änderung der Erwartungen der Marktteilnehmer und somit zum Platzen der Blase führen.[79]

[...]


[1] Deutsche Bundesbank (2003), S. 8

[2] Vgl. Schmidt (2007)

[3] Vgl. Klein (2008), S. 81 ff.

[4] Vgl. Creditreform (2008)

[5] Vgl. Kotz (2008), S. 293

[6] Vgl. Agbahey (2005), S. 1 ff.

[7] Vgl. Strulik (2000), S. 159 f.

[8] Vgl. Alisch/ Arentzen/ Winter (2004), S. 523 f.

[9] Vgl. Bryan/ Farrell (1996), S. 19

[10] Vgl. Strulik (2000), S. 169 f.

[11] Vgl. Strulik (2000), S. 170 f.

[12] Vgl. Aschinger (2001), S. 40 f.

[13] Vgl. Buch/ Heinrich/ Pierdzioch (2001), S. 3

[14] Vgl. Somov (2007), S. 12

[15] Cartellieri (1996), S. 4

[16] Vgl. Strulik (2000), S. 162

[17] Vgl. Aschinger (2001), S. 39

[18] Vgl. Strulik (2000), S. 162 f.

[19] Vgl. Somov (2007), S. 12

[20] Vgl. Bryan/ Farrell (1996), S. 23

[21] Vgl. Aschinger (2001), S. 39

[22] Vgl. Sauernheimer (1997), S. 74

[23] Vgl. Strulik (2000), S. 164

[24] Strulik (2000), S. 165

[25] Vgl. Aschinger (2001), S. 41 ff.

[26] Vgl. Strulik (2000), S. 180 f.

[27] Vgl. Aschinger (2001), S. 41

[28] Vgl. Strulik (2000), S. 179 ff.

[29] Vgl. Lähn (2004), S. 234

[30] Vgl. Becker/ Peppmeier (2006), S. 22

[31] Vgl. Becker/ Peppmeier (2006), S. 22

[32] Vgl. Knittel (2007), S. 7

[33] Vgl. Becker/ Peppmeier (2006), S. 22 ff.

[34] Vgl. Knittel (2007), S. 7

[35] Vgl. Lähn (2004), S. 236 f.

[36] Vgl. Becker/ Peppmeier (2006), S. 24 f.

[37] Vgl. Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (2001), S. 2 f.

[38] Vgl. Lähn (2004), S. 234 f.

[39] Vgl. Becker/ Peppmeier (2006), S. 25

[40] Vgl. Knittel (2007), S. 7

[41] Vgl. Strulik (2000), S. 148 ff.

[42] Vgl. Krahnen (2006), S. 2

[43] Vgl. Lähn (2004), S. 253 f.

[44] Vgl. Brettel/ Kauffmann/ Kühn/ Sobczak (2008), S. 10 ff.

[45] Vgl. Brettel/ Kauffmann/ Kühn/ Sobczak (2008), S. 14 f.

[46] Vgl. Sommer (2008), S. 67 f.

[47] Vgl. Jäger (2006), S. 69 ff.

[48] Vgl. Brettel/ Kauffmann/ Kühn/ Sobczak (2008), S. 16

[49] Vgl. Lähn (2004), S. 254 ff.

[50] Vgl. Sommer (2008), S. 63 f.

[51] Vgl. Lähn (2004), S. 256 ff.

[52] Vgl. Lähn (2004), S. 321 ff.

[53] Vgl. hierzu die Ausführungen von The President’s Working Group on Financial Markets (1999), S. 10 ff.

[54] Vgl. Lähn (2004), S. 324 f.

[55] Vgl. Duwendag (2006), S. 72 ff.

[56] Vgl. Solbes (2001), S. 59 ff.

[57] Vgl. Aschinger (2001), S. 49

[58] Vgl. Solbes (2001), S. 61

[59] Vgl. Aschinger (2001), S. 49 f.

[60] Welfens (2008), S. 350

[61] Vgl. Burghof/ Rudolph (1996), S. 17 ff.

[62] Vgl. Deutsche Bundesbank (2000), S. 31

[63] Vgl. Knittel (2007), S. 9 f.

[64] Vgl. §6 Abs. 2 KWG (2008)

[65] Vgl. Deutsche Bundesbank (2008a)

[66] Vgl. Welfens (2008), S. 349 f.

[67] Vgl. Lähn (2004), S. 26

[68] Keynes (1936), S. 159

[69] Aschinger (1995), S. 17

[70] Vgl. Aschinger (1995), S. 17 f.

[71] Vgl. Lähn (2004), S. 24 f.

[72] Vgl. Aschinger (2001), S. 2 ff.

[73] Vgl. Aschinger (2001), S. 3

[74] Vgl. Aschinger (1995), S. 23 ff.

[75] Vgl. Aschinger (2001), S. 7 f.

[76] Vgl. Aschinger (1995), S. 19 ff.

[77] Vgl. Aschinger (2001), S. 2

[78] Vgl. Blanchard/ Illing (2006), S. 452 f.

[79] Vgl. Aschinger (1995), S. 118 f.

Details

Seiten
103
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640378081
ISBN (Buch)
9783640377565
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131862
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Schlagworte
Internationale Finanzkrisen Finanzmarktstabilität

Autor

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Titel: Internationale Finanzkrisen und Finanzmarktstabilität