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Epoche des Expressionismus

Referat (Ausarbeitung) 2003 7 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

1. Expressionismus

Der Begriff „Expressionismus“ beschreibt in der Literaturwissenschaft eine Epoche zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, die sich grob auf einen Zeitraum zwischen 1910 und 1925 eingrenzen lässt. Der größte Teil ihrer Vertreter gehörten ihr nur zeitweise an, in diesem Sinne stellt der Expressionismus in gewissem Sinne eine „Jugendbewegung“ dar, da sich in ihm viele um das Jahr 1890 geborene Künstler zusammenfanden, die im weiteren Verlauf ihres Lebens oft völlig konträre Richtungen, nicht nur im Bezug auf die Kunst, einschlugen. Exemplarisch hierfür können zum Beispiel die im weiteren Verlauf genauer beleuchteten Johannes R. Becher, der vom expressionistisch geprägten, morphiumsüchtigen Junglyriker ohne Ziel zum glühenden Huldiger Stalins und schließlich sogar zum Kulturminister der DDR aufstieg, sowie Gottfried Benn, der sich im weiteren Verlauf seines Lebens für geraume Zeit im Dunstkreis des nationalsozialistischen Pathos bewegte und teilweise sogar aktiv für diese Ideologie eintrat. Was alle diese unterschiedlichen Künstlercharaktere für eine gewisse Zeit vereinte, war unter anderem der diffuse Wunsch nach Veränderung, die Forderung nach Erneuerung in einem zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gefestigten deutschen Kaiserreich. Gerade in der Phase des Frühexpressionismus taucht vermehrt der Wunsch nach Krieg als eine Art reinigendes Läuterungsfeuer oder einfach als Abwechslung vom als trist und öde empfundenen Alltag laut. Der rasche Wandel im täglichen Leben, die voranschreitende Technisierung mit ersten Kinos, mit Luftschiffen, Automobilen und U- Bahnen und der damit einhergehenden Beschleunigung des alltäglichen Lebens, das Erlebnis von zunehmender Verstädterung und damit einhergehender Anonymisierung des Einzelnen, das Untergehen des Individuums in der Masse, aber auch das Gefühl des Stillstands der konservativ geprägten Reichspolitik, alle diese Eindrücke fanden Eingang in die Dichtung des Expressionismus. Die Phase des Frühexpressionismus begann um das Jahr 1910 und hatte ihre Ursprünge in Zeitschriften wie „Der Sturm“ und „Aktion“, in denen Autoren wie Georg Heym, Georg Trakl, Gottfried Benn und viele andere mit der Publikation ihrer Gedichte begannen. Zentrale Motive waren dabei häufig die Großstadt und das Leben in ihr, damit oft verknüpft das Gefühl von Einsamkeit, der seelisch verkrüppelte Mensch, der bereits angesprochene Ruf nach Veränderung, die Frage nach Gott in dieser sich wandelnden Welt, aber auch sehr häufig der Tod. Oft war die Darstellung dieser Motive geprägt von einer düsteren, apokalyptisch anmutenden, teilweise, besonders auffällig ist dies bei Gottfried Benn zu beobachten, ins morbide gehenden Bildhaftigkeit. Sprachlich wurde dabei oftmals neue Wege beschritten, typisch für den Expressionismus waren vor allem der Groteskstil, Reihungsstil und Nominalstil sowie die häufige Verwendung von Parataxen. Das desillusionierende Erlebnis des ersten Weltkrieg führte bei vielen Autoren zu einer verstärkten Hinwendung zu radikalpazifistischen und linkorientierten Strömungen. Das Scheitern der deutschen Räterepublik nach dem Krieg führte schließlich zur Abkehr vieler bekannter Autoren vom Expressionismus, die sich durch ihn bis dahin teilweise ernsthaft eine Veränderung und Erneuerung des Menschen allein durch die Kraft der Ästhetik erhofft hatten. In diesen Zusammenhang gehört auch der aus der Mitte der zwanziger Jahre stammende, eindeutig auf ein Ende der Bewegung hinweißende Ausspruch von Ivan Goll: „Der Expressionismus stirbt.“

.1 Biografie Johannes R. Becher

Johannes Robert Becher wurde am 22. Mai 1891 in München als Sohn des dortigen Oberlandesgerichtspräsidenten geboren. 1910 beschloss Becher mit seiner damaligen Freundin gemeinsamen Selbstmord zu begehen, um sie vor einer von ihren Eltern vorgesehenen Bindung zu bewahren. Die Freundin starbt, Becher überlebte nur knapp nach einer Notoperation durch seinen Onkel. Ohne Schulabschluss begann er 1911 Philologie, Philosophie und Medizin in Jena zu studieren und wirkte in den folgenden drei Jahren an der expressionistischen Zeitschrift „Verfall und Triumph“ mit. Er veröffentlichte zu dieser Zeit seinen ersten Roman „Der Ringende“ und den Gedichtsband „Die Gnade eines Frühlings“. Seine Bekanntheit innerhalb der expressionistischen Szene stieg in den folgenden Jahren vor allem mit der Veröffentlichung der Gedichtssammlung „De Profundis Domine“ weiter an. Parallel zu ersten literarischen Erfolgen steigerte er sich jedoch auch zusehends in eine Morphiumsucht, bis er 1915 täglich bis zu vierzig Spritzen einer zweiprozentigen Morphiumlösung konsumierte. Sein Studium brach er ab, trat dem Spartakusbund bei und veröffentlichte am Ende des ersten Weltkrieges seine antimilitaristisch geprägte Gedichtssammlung „Päan gegen die Zeit“. Mehrmals versuchte er zu entziehen, wurde jedoch immer wieder rückfällig. Erst nach dem Selbstmord seines Bruders und einem darauf folgenden erneuten Selbstmordversuch Bechers, den er erneut überlebte, schaffte er den Entzug. Der Versuch, sich erneut als Medizinstudent zu immatrikulieren, scheiterte, woraufhin Becher 1918 heiratete und sich verstärkt dem Schreiben zuwandte. 1919 trat er der KPD bei, folgende Veröffentlichungen zeugen eindeutig vom Bedeutungsgewinn kommunistischer Ideen in der Gedankenwelt Bechers, wie zum Beispiel der 1924 publizierte Roman „Vorwärts, du rote Fahne“. Nach der Veröffentlichung von „Levisite oder Der einzige gerechte Krieg“ wurde Becher am Leipziger Reichsgericht angeklagt, mit diesem Roman zum Bürgerkrieg aufzuhetzen und sich somit des „literarischen Hochverrats“ schuldig zu machen. Erst nach internationalem Protest, an dem sich unter anderem auch Bertolt Brecht, Carl Zuckmayer und Max Brod beteiligten, wurde das Verfahren eingestellt. An der Gründung des „Bundes Proletarisch-Revolutionärer Schriftsteller“ (BPRS) 1928 war Becher maßgeblich beteiligt, zur selben Zeit war er Mitbegründer und Herausgeber der Zeitschrift „Die Linkskurve“ und knüpfte bei einem Besuch in Moskau Beziehungen zum „Internationalen Büro für revolutionäre Literatur“. Für die KPD trat er 1932 als Kandidat zur Reichstagswahl an, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte Becher zunächst nach Prag, von dort aus weiter nach Paris und schließlich nach Moskau, wo er Mitglied des ZKs wurde und ab 1935 die Exilzeitschrift „Internationale Literatur – Deutsche Blätter“ herausgab. Während dieser Zeit schloss er Freundschaft mit dem ungarischen Philosophen und Literaturwissenschaftler Georg Lukacs, sein Gedichtsband „Der Glücksucher und die sieben Lasten“ wurde von Thomas Mann in den höchsten Tönen gelobt.

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Details

Seiten
7
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783640374304
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131613
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1
Schlagworte
Epoche Expressionismus

Autor

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Titel: Epoche des Expressionismus