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Bonitätsbeurteilung nach Basel II

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 24 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Zielsetzung und methodische Vorgehensweise

2. Die Baseler Akkorde
2.1. Die bisherige Eigenkapitalvereinbarung und Gründe für eine Reform.
2.2. Zweites Konsultationspapier
2.3.Drei-Säulen-Modell
2.4. Mindestkapitalanforderungen
2.5. Ansätze zur Festlegung der Bonität
2.5.1. Standartansatz
2.5.2. IRB-Ansätze
2.5.2.1. IRB-Foundation Approach
2.5.2.2. IRB-Advanced-Approach

3. Rating
3.1. Was ist ein Rating
3.2. Aufgaben / Anforderungen bankinterner Ratingsysteme
3.3. Vergleich externer Ratings (z.B. Moody’s, S&P), Ratingklassen
3.4. Hardfacts / Softfacts – Einflussfaktoren und Gewichtung
3.4.1. Hardfacts
3.4.2. Softfacts
3.5. Typische Beurteilungsfelder – Fragenkataloge
3.6. Kennzahlen
3.7. Kundenverlustpotential / Verlustkundenpotential

4. Wie wirkt sich Basel II auf Kreditentscheidungen des Unternehmers aus?
4.1. Wirtschaftliche Situation des Mittelstandes
4.2. Chancen und Risiken für den Mittelstand durch Basel II
4.2.1. Risiken
4.2.2. Risiken und Chancen für den Mittelstand durch Basel II

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Drei-Säulen-Modell

Abbildung 2: Risikoklassen bei Basel II. Die pauschalen Regelungen von Basel I werden durch die differenzierten Kapitalanforderungen von Basel II abgelöst.

Abbildung 3: Ausfallwahrscheinlichkeiten; Vergleich Moody’s und S & P

Abbildung 4: Ratingfaktoren

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Zielsetzung und methodische Vorgehensweise

Basel II ist mehr als nur Theorie, die Umsetzung ist teilweise weit fortgeschritten und zeigt schon jetzt Auswirkungen, sowohl bei den umsetzenden Banken als auch bei den kreditbedürftigen Unternehmern. Die Neue Eigenkapitalvereinbarung bildet jedoch nur die rechtliche Grundlage für einen Prozess, der im freien Wettbewerb so oder vereinfacht längst stattfindet und jetzt an eine allgemeingültige, für alle Beteiligten akzeptable Form angepasst wird. Anknüpfend an bisherige Bonitätsbeurteilungen wird zentraler Gegenstand dieser Arbeit sein, was wirklich neu ist an Basel II und welche Auswirkungen dieses auf die Kreditvergabepolitik der Banken auf der einen und auf die Kreditwürdigkeit der Unternehmer auf der anderen Seite hat. In einem ersten Schritt werden dazu die Basler Akkorde und die entsprechenden Modelle erläutert, ein allgemeiner Einblick in Ratingmethoden und Vorgehensweisen soll dann zum näheren Verständnis des Folgenden beitragen um schließlich im letzten Schritt zu untersuchen, wie sich Basel II auf die Unternehmer auswirkt.

Aufgrund der hohen Aktualität und der durch die QIS-Studien ständigen Weiterentwicklungen existiert kein Standartwerk zu diesem Thema. So trugen Zeitschriftenaufsätze gleichberechtigt neben Büchern, Informationen der Banken, der großen Ratingagenturen und aus dem Internet sowie aus aktuellen Vortragsveranstaltungen zu vorliegender Arbeit bei.

2. Die Basler Akkorde

2.1. Die bisherige Eigenkapitalvereinbarung und Gründe für eine Reform.

Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (im folgenden: Basler Ausschuss) wird gebildet von Vertretern der Zentralbanken und Bankenaufsichtsbehörden der Staaten Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Schweden, Schweiz, USA und Großbritannien und tritt regelmäßig (i.d.R. vierteljährlich) in der Bank für internationalen Zahlungsausgleich ( Sitz in Basel ) zusammen, wo sich auch sein ständiges Sekretariat befindet.[1] Gegründet 1975 von den Präsidenten der G-10 (Zehnergruppe) ist es seine Aufgabe, allgemeine Regeln für das Betreiben von Bankgeschäften vorzugeben. Verlustausfälle und allgemeine Kreditrisiken für die Kreditgeber sollten beschränkt werden;[2] Nach der 1988 beschlossenen Regelung zur Mindestkapitalausstattung – dem „Basler Akkord“ – müssen Kreditinstitute Kredite mit einem Eigenkapitalanteil von pauschal 8% absichern, unabhängig von der Bonität des kreditnehmenden Unternehmens sowie der Ausfallwahrscheinlichkeit des Kredites. Das Kreditvergabevolumen einer Bank ist damit auf das 12,5-fache ihres Eigenkapitals begrenzt. Die Kosten der Eigenkapitalunterlegung werden für alle Kredite einheitlich mit einer Risikogewichtung von 100% kalkuliert. Hier wird allerdings nicht berücksichtigt, dass viele Banken eigene Verfahren zur Messung des Kreditausfallrisikos entwickelt haben. Im Gegenteil, es kommt zu einer falschen Anreizsetzung; die Vergabe von Krediten an Unternehmen mit einer schlechten Bonität wird noch unterstützt.[3]

2.2. Zweites Konsultationspapier

Doch immer noch haben Banken hohe Wertberichtigungen und kompensationsbedürftige Forderungsverluste, die dauerhaft wenig aussichtsreich für internationalen Wettbewerb sind. Durch die Neue Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) soll die Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten stärker nach ökonomischen Risiken gewichtet werden und so insgesamt zu einer gerechteren Zuteilung sowie zu erhöhter Stabilität[4] führen. Ziel von Basel II ist die „Verbesserung der Sicherheit, Solidität, und Effizienz der Finanzsysteme.“[5] Aufgrund dessen wurde am 03.06.1999 ein Konsultationspapier zur neuen Eigenkapitalvereinbarung veröffentlicht und 2001 als definitiver Plan verabschiedet. Noch werden jedoch Verhandlungen über die Details der Neuen Eigenkapitalvereinbarung geführt, die insbesondere die negativen Auswirkungen von Basel II mindern sollen. In seiner letzten Sitzung im Juli 2002 hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht unter anderem beschlossen, dass Kredite kleiner als 1 Million € einem Retail-Portfolio, auf das keine Laufzeitfaktoren angewendet werden, zugeordnet werden dürfen.[6]

2.3.Drei-Säulen-Modell

Ein Drei-Säulen-Modell für nationale und internationale Banken, bestehend aus einander verstärkenden und sich ergänzenden Säulen, bildet die Grundlage des Konsultationspapiers. Ziel ist es, im gesamten Finanzsystem Sicherheit und Solidität zu gewährleisten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das Drei-Säulen-Modell

Quelle: http://www.4p-consulting.de/index2.html

Die erste Säule formuliert die Mindesteigenkapitalanforderungen. Subsummiert wird die Eigenkapitalquote immer noch mindestens 8% ergeben, aber hier sollen die Kreditinstitute erheblich mehr Möglichkeiten und Spielräume bei der individuellen, dem jeweiligen Kreditrisiko entsprechenden Eigenkapitalhinterlegung von Krediten haben, durch neue Ansatzmöglichkeiten zur Bemessung der Risiken im Kredit- und operationellem Bereich. Lediglich die Marktrisikobemessungsgrundlagen bleiben unverändert.[7]

Aus dem grundsätzlichen Modell zur Festsetzung der adäquaten Eigenkapitalausstattung werden noch einmal die Variablen (kursiv) deutlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese erweiterten Grenzen erfordern erhöhte Kontrolle sowohl der Eigenkapitalhinterlegung als auch der angemessenen Bewertungsmethoden, welche durch die zweite Säule, die Bankenaufsicht, gewährleistet wird. Die zentrale, quantitative Überprüfung und generelle Einstufung weicht einer qualitativen, individuellen Prüfung. Zukünftig wird dies einen deutlich intensiveren Dialog zwischen Banken und Bankenaufsichtsbehörden zur Folge haben[8], insgesamt wird die Aufsicht viel stärker als bisher die bankinternen Verfahren zur Beherrschung der Risiken überprüfen.

Die dritte Säule schließlich beinhaltet die Marktdisziplin, was eine Verbreiterung der Offenlegungspflichten in quantitativer wie auch in qualitativer Weise bedeutet, eine umfangreichere Offenlegung von Angaben zur Eigenkapital- und Risikolage einer Bank, beispielsweise eine Veröffentlichung der Portfoliostruktur durch die Banken.

2.4. Mindestkapitalanforderungen

Generell muss die Gesamtsumme der Kredite nach wie vor mit einem Eigenkapital von 8% hinterlegt werden; es gibt jedoch Ausnahmen. So besteht die Möglichkeit, Kredite an den Mittelstand bis zu 1Mio € in Zukunft dem Privatkundenportfolio zuzuordnen. Da mittelständische Unternehmen eine Ausfallwahrscheinlichkeit von lediglich 2% aufweisen, kann hier die Eigenkapitalhinterlegung um bis zu 25% gegenüber Krediten an große Unternehmen reduziert werden.[9] Auch durch die Verwendung bankinterner Rating-Ansätze ebenso wie durch Anrechnung von Sicherheiten lässt sich der Kapitalbedarf der Banken weiter senken.[10]

[...]


[1] Vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, Konsultationspapier, Überblick über Die Neue Basler Eigenkapitalvereinbarung, in: http//www.bundesbank.de/bank/download/pdf/overview_translation.pdf, Stand 03.09.2002, S.1.

[2] Vgl. Vera, Antonio: Das Basel-II-Abkommen und die Auswirkungen auf die deutsche Kreditlandschaft, in: WiSt 01/2002, S.28.

[3] Vgl. EBD, S.28.

[4] Vgl. Klett, Christian: Rating-Selbsttest als Instrument des Controlling in kleinen und mittleren Unternehmen, in: BKK 18/2002, S.851.

[5] Müller, Werner: Basel II erzwingt Mentalitätswechsel im Mittelstand, in: Deutsche Bundesbank (Hrsg.), Auszüge aus Presseartikeln 44/2002, S.17.

[6] Vgl. Durchbruch bei Basel II-Verhandlungen; Erleichterungen für Mittelstand, in: Kredit & Rating Praxis, 04/2002, S.2.

[7] Vgl. Secretariat of the Basel Commitee on Banking Supervision: The New Basel Capital Accord: an explanatory note, in: http://www.bis.org/publ/bcbsca01.pdf, Stand 21.08.2002, S.3.

[8] Vgl. Vera, Antonio: Das Basel-II-Abkommen und die Auswirkungen auf die deutsche Kreditlandschaft, in: WiSt 01/2002, S.29.

[9] Vgl. Meister, Edgar: Basel II – Auswirkungen in einem geänderten wirtschaftlichen Umfeld für Banken, in: Deutsche Bundesbank (Hrsg.), Auszüge aus Presseartikeln 42/2002, S.5.

[10] Vgl. EBD, S.5f.

Details

Seiten
24
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638188821
Dateigröße
966 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v13158
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Investition, Finanzierung und Betriebswirtschaftliche Steuerlehre
Note
2,0
Schlagworte
Basel II Basel 2 Bonität Bilanzanalyse Unternehmensanalyse QIS Akkorde Eigenkapitalvereinbarung 3-Säulen-Modell Standartansatz IRB-Ansatz IRB-Foundation Approach IRB-Advanced-Approach

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