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Welcome to Lynchworld - Surrealismus in David Lynchs Filmen

Wissenschaftliche Studie 2009 13 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Surrealismus: Erläuterung, Formen, Anwendungsbereiche

2 Surrealismus in David Lynchs Filmen
Eraserhead
Blue Velvet
Lost Highway
Inland Empire

Schluss

Literaturverzeichniss

Einleitung

„[…] Und zu den Menschenrechten gehörte für die Surrealisten das Ergründen der düsteren Abgründe ebenso wie die Freiheit des Geistes und der Empfindungen, ja die Veränderung des Menschen.“[1]

So kann man die surrealistische Art in David Lynchs Filmen beschreiben. Doch um die surrealen Stilmittel in seinen Welten zu entdecken und zu verstehen, muss man vorerst frühe Werke und Arten dieser Epoche analysieren, um einen genauen Bezug herstellen zu können. „Nähern kann man sich dem Surrealismus auf mannigfache Weise. Man kann sein eigentliches Wesen auszumachen suchen oder den Zeitpunkt, zu dem sein Wirken einsetzt. Man kann ihn im Hinblick auf das untersuchen, was seither an dichterischen Bemühungen entstanden ist.“[2] Der Ursprung dieser Kunstart liegt nämlich nicht im Film, sondern entwickelte und manifestierte sich in Lyrik und Malerei. In dieser Hausarbeit sollen, durch Bezüge zu den frühen surrealistischen Künstlern und ihrem sehr eigenwilligen Stil, die verschiedenen Welten, in die David Lynch seine Zuschauer leitet, analysiert und erklärt werden. Dabei soll auch die Frage geklärt werden, wie und wann er sich gewisser Stilmittel dieser Epoche bedient und ob er, auch eigene surrealistische Mittel kreiert und verwendet hat. Die Filme „Eraserhead“, „Blue Velvet“, „Lost Highway“ und „Inland Empire“ dienen als passende Grundlange für eine Untersuchung von David Lynchs Stil, da sie zahlreiche surrealistische Stilmitteln aufweisen.

"Was genau Traum und was im Film real ist, lässt David Lynch im Unklaren, eindeutig ein surrealistisches Element.“[3]

„Je undurchdringlicher das Geheimnis, desto schöner ist es.“[4]

1 Surrealismus: Erläuterung, Formen, Anwendungsbereiche

„Der Surrealismus gehört heute zu den populärsten Kunstrichtungen. Die Faszination entspringt dem Rätselhaften und Phantasievollen, welches surrealistische Kunst im Allgemeinen verbindet.“[5] 1916: „Zum ersten Mal befasste er [ André Breton ] sich mit Pierre Janets und Sigmund Freuds Deutungen des Unbewussten und der Träume. Damit war einer der Grundsteine für das surrealistische Projekt gelegt.“[6] 1919 gründete der Berühmte Schriftsteller André Breton die Zeitschrift „Littérature“ und schrieb 1924 sein „Manifeste du Surréalism“, womit er den Weg für die neue und revolutionäre Kunstform ebnete. 1922 wurde mit Breton und einigen Anhängern das erste surrealistische Experiment durchgeführt, das „automatische Schreiben“. In einem abgedunkelten Raum, wurde in völliger Trance geschrieben, gezeichnet und geredet. Somit entwickelten sich die ausschlaggebenden Stilmittel der surrealistischen Kunst: Träumen, mit freiem Geist arbeiten um somit die tiefsten Gedanken aus dem Verborgenen hervorzuholen, dem Unterbewusstsein freien Lauf lassen. „Freiheit und Imagination sind die neuen […] Begriffe. Gepriesen werden daneben der Wahnsinn, die Halluzination, das Wunderbare, der Traum.“[7]

Die Surrealisten wollten sich gegen jegliche Norm von Staat und Gesellschaft indirekt auflehnen, indem sie nämlich das rationale, „normale“ Denken auflösen, um neue, innere Welten zu erforschen. Es ging darum unbewusste Geisteszustände, in Träumen und Fehlleistungen anschaulich und analysierbar zu machen. „Die Surrealisten wollten nicht Teilbereiche der Natur oder der Zivilisation oder der Kultur revidieren, sondern die Sicht auf das Ganze des Menschen eröffnen.“[8]

Als Werkzeug im „Kampf“ gegen die festgefahrene Logik, nahmen sich die Surrealisten das Wunderbare vor. Da es allgegenwärtig sein soll, liegt es nahe, dass es die Wirklichkeit ersetzten könnte.

„Die bewusste Distanz zum Wirklichen, nämlich die Entfremdung [..], ist die Vorraussetzung für jene Erfahrung des Wunderbaren, die tatsächlich alle surrealistischen Bildproduktionen durchziehen wird, sei es in der Malerei oder in der Dichtung, sei es in der Fotografie oder im Film.“[9]

An diesem Punkt muss man jedoch unterscheiden. Der oben genannte Aspekt ist nur ein Schritt zum dem Vorhaben der Künstler, denn die Surrealisten wollten sich nicht der Realität entziehen, sondern das vom Menschen Wahrgenommene durch tiefere Einsichten erweitern. Es soll eine Sicht entwickelt werden, das Unscheinbare und Fantastische in der erfahrenen Wirklichkeit zu entdecken und auch diesen „Geheimnissen“, welche eigentlich keine sein sollten, Aufmerksamkeit zu schenken. „[…] und zwar im surrealistischen Licht erlebt werden. Insofern ist die Surrealität auch eine Frage der Wahrnehmung einer erweiterten Realität.“[10] Es soll im Endeffekt nicht mehr zwischen Wachzustand und Traum, Wahrnehmung und Vorstellung oder Vergangenheit und Zukunft unterschieden werden.

1925: „Der Surrealismus […] habe sich bislang einzig über das Schreiben definiert […]. Es müssten jedoch für die bildende Kunst, die Fotografie, die Skulptur und dem Film adäquate Verfahren zu entwickeln sein“[11]

In der Malerei wurden die konventionellen Formen, Strukturen und Arbeitsabläufe umgeworfen und es wurde explizit „anders“ gearbeitet. „[…] die Unterschiede zwischen Malen und Zeichnen, Zeichnen und Schreiben sind sichtlich aufgehoben“[12] Somit wollten die Surrealisten sich bestmöglich von der herkömmlichen Malerei entfernen und in ihren Bildern, dem Betrachter Spielraum, für eigene Vorstellungen und neue Sichtweisen, geben.

Eine andere neue Ebene des Surrealismus waren Skulpturen und Objekte, mit welchen die Künstler direkt auf die Ängste, Aggressionen und auch Perversionen der Betrachter eingingen. Sie verwendeten Alltagsgegenstände mit denen jeder vertraut ist, um einen direkten Bezug zum Betrachter herzustellen.

[...]


[1] Uwe M. Schneede: Die Kunst des Surrealismus . Malerei, Skulptur, Dichtung, Fotografie, Film . München 2006, S. 13

[2] Maurice Blanchot: „Überlegungen zum Surrealismus“, in: Peter Bürger: Wege der Forschung . Surrealismus . Darmstadt 1982, S. 37

[3]: Vera Schröder: „David Lynchs Lost Highway als surrealistischer Film“, in: Michael Lommel, Isabel Maurer Queipo, Volker Roloff: Surrealismus und Film . Von Fellini bis Lynch . Bielefeld 2008, S. 303

[4]: David Lynch: David Lynch . Talking . Berlin 2008, S. 36

[5]: Ulrike Johnson: „Surrealismus oder die innere Revolution“, in:

http://www.ulrikejohnson.gmxhome.de/uli/writing/clickart/surrealismus.html

[6]: Uwe M. Schneede: Die Kunst des Surrealismus . Malerei, Skulptur, Dichtung, Fotografie, Film . München 2006, S. 19

[7]: Ebd. S. 41

[8]: Ebd. S. 45

[9]: Uwe M. Schneede: Die Kunst des Surrealismus . Malerei, Skulptur, Dichtung, Fotografie, Film . München 2006, S. 48

[10]: Ebd. S. 53

[11]: Ebd. S. 84

[12]: Ebd. S. 88

Details

Seiten
13
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640372591
ISBN (Buch)
9783640372225
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131505
Institution / Hochschule
Merz Akademie - Hochschule für Gestaltung Stuttgart
Note
1,0
Schlagworte
Welcome Lynchworld Surrealismus David Lynchs Filmen

Autor

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