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Die Darstellung der sowjetischen Entnazifizierungspolitik durch die SED im Artikel des "Neuen Deutschland"

Hausarbeit 2007 9 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Forschungsstand

2. Hauptteil
2.1. Entnazifizierung
2.2. SMAD
2.3. Die SED
2.4. SMAD- Befehl Nr. 201
2.5. Demokratieverständnis der SBZ
2.6. Das politische System in der SBZ

3.Zusammenfassung

Quellen – und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie schon vor Ende des zweiten Weltkrieges, auf der Konferenz von Jalta, die Sieger Stalin, Churchill und Roosevelt vereinbart hatten, wurde Deutschland nach ihrer bedingungslosen Kapitulation am 08.05.1945, aufgrund einer fehlenden, eigenen staatlichen Organisation, durch die Alliierten in vier Besatzungszonen eingeteilt.[1] Für die Regelung von Fragen, die Deutschland als Ganzes betrafen, bildeten die vier Militärbefehlshaber den „Alliierten Kontrollrat“, der nur einstimmig Beschlüsse fassen konnte.[2]

In jeder einzelnen Besatzungszone hingegen hatte der jeweilige Oberbefehlshaber der Streitkräfte gleichzeitig die oberste Regierungsgewalt inne.[3] Ein Kriegsziel der Alliierten war die Säuberung Deutschlands von jeglichem national-sozialistischem Einfluss.[4] Ausgehend von dem Zeitungsartikel des „Neuen Deutschlands“ zum SMAD- Befehl Nr. 201 vom 27. August 1947, die dieser Arbeit als Quelle dient, wird vorliegend behandelt, wie die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) in ihrer Besatzungszone die sowjetische Entnazifizierungspolitik der Öffentlichkeit präsentierte. Hierfür werden im Hauptteil die notwendigen Begriffserklärungen und geschichtlichen Kontexte dargestellt und diese in Bezug zur Quelle gesetzt.

1.1. Forschungsstand

Die sowjetischen Archive standen lange Zeit, durch die 1949 in der sowjetischen Besatzungs-zone (SBZ) gegründeten Deutschen Demokratischen Republik (DDR), für westliche Forscher nicht zur freien Verfügung. Die DDR- Geschichtsschreibung war bemüht die Entnazifizierung in der SBZ stets als großen Erfolg darzustellen.[5] Erst seit der Wiedervereinigung Deutschlands 1989 wurden sowjetische Quellen für westliche Forscher zugänglich.[6] Die sowjetische Entnazifizierungspolitik wird in der zeitgeschichtlichen Literatur zwar auch nach Archivöffnung als konsequenter und erfolgreicher im Vergleich zu der Entnazifizierung in den westlichen Besatzungszonen dargestellt, jedoch wird auch darauf aufmerksam gemacht, dass die Entnazifizierung in der SBZ mit dem Systemwechsel zum Sozialismus in Verbindung stand. Erst dadurch, gemessen an ihrer eigenen Zielsetzung, sei die Entnazifizierung in der SBZ als erfolgreich zu bezeichnen. Jedoch sei durch die verschiedene Zielsetzung auch die sowjetische Entnazifizierung von der in den westlichen Besatzungszonen grundsätzlich zu unterscheiden.[7] Weiterhin sind die angegebenen Zahlen aus der SBZ im Bezug zur Entnazifizierung möglicherweise durch

Mehrfachzählungen und falschen Statistiken nicht korrekt und daher nicht aussagekräftig genug.[8]

2. Hauptteil

2.1. Entnazifizierung

Der Alliierte Kontrollrat verabschiedete am 12. Januar 1946 mit der Kontrollrats-Direktive Nr. 24 und am 12. Oktober 1946 mit der Direktive Nr. 38 eine einheitliche Entnazifizierungsrichtlinie für alle Zonen. Die Direktive Nr. 24 beinhaltete die „Entfernung von Nationalsozialisten und Personen, die den Bestrebungen der Alliierten feindlich gegenüberstehen, aus Ämtern und verantwortlichen Stellungen“, in der Direktive Nr. 38 wurde die „Verhaftung und Bestrafung von Kriegsverbrechern, Nationalsozialisten und Militaristen und Internierung, Kontrolle und Überwachung von möglicherweise gefährlichen Deutschen“ erlassen.[9] Die großzügige Interpretation dieser Direktive Nr.38 ermöglichte es der sowjetischen Besatzungsmacht diese auch gegen Gegner des kommunistischen Regimes anzuwenden.[10] Eine denkbare Alternative zur Entnazifizierung wäre eine Revolution des deutschen Volkes gegen das Naziregime gewesen, diese war jedoch ausgeblieben.[11]

Die Entnazifizierung ist daher ein einmaliges, historisches Phänomen, worunter alle Maßnahmen der Besatzungsmächte Deutschlands verstanden werden, die in den Jahren 1945 bis 1949 gegen die große gesellschaftliche Akzeptanz des Nationalsozialismus in der deutschen Bevölkerung genutzt wurden.[12] In der SBZ diente diese „Säuberungspolitik“ auch zur Umwälzung zum Sozialismus und wurde so im Vergleich zu den westlichen Zonen viel konsequenter durchgeführt, um den kommunistischen Machtanspruch in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) durchzusetzen. Die politische Umwälzung zum Sozialismus wurde mithilfe des Elitenwechsels[13], den die Entnazifizierungsgesetze möglich machten, konsequent durchgesetzt.

Während in den westlichen Zonen die Entnazifizierung aufgrund der vielen Rehabilitierungen als gescheitert galt, wurde sie in der SBZ als ein Erfolg gefeiert.[14] Das SED- Zentralorgan „Neues Deutschland“ betont in seinem Artikel vom 26.08.1947 die Erfolge in der sowjetischen Entnazifizierungspolitik, indem es z.B. Zahlen und bisherige Entnazifizierungsschritte nennt „Im ersten und zweiten Vierteljahr 1947 wurden…64578 ehemalige aktive Faschisten entlassen bzw. nicht angestellt.“[15]

[...]


[1] Morsey, Die BRD, S. 1.

[2] Benz, Deutschland unter alliierter Besatzung, S. 74.

[3] Morsey, , Die BRD, S.1

[4] Benz, Deutschland unter alliierter Besatzung, S.114.

[5] Welsh, „Antifaschistisch-demokratische Umwälzung“, S. 84.

[6] Ebd., S.105.

[7] Ebd., S. 104.

[8] Vollnhals, Entnazifizierung, Politische Säuberung und Rehabilitierung in den vier Besatzungszonen, S.53.

[9] Benz, Deutschland unter alliierter Besatzung, S. 114.

[10] Welsh, „Antifaschistisch-demokratische Umwälzung“, S.93.

[11] Vollnhals, Ende des Dritten Reiches, Ende des Zweiten Weltkriegs, S. 369.

[12] Reichel, Entnazifizierung, Versuch einer politischen Säuberung, S. 36f.

[13] Vollnhals, Ende des Dritten Reiches, Ende des Zweiten Weltkriegs, S. 384.

[14] Reichel, Entnazifizierung, Versuch einer politischen Säuberung , S. 36.

[15] Vollnhals, Entnazifizierung, Bericht des Neuen Deutschland, S.210.

Details

Seiten
9
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640414628
ISBN (Buch)
9783640412617
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131367
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Historisches Seminar
Note
9 Punkte
Schlagworte
Sozialistische Einheitspartei Deutschlands Entnazifizierungspolitik Artikel Deutschland“ SMAD-Befehl August Punkte
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