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Der reflexive Einsatz der literarischen Form des Essays im Ethikunterricht

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 18 Seiten

Philosophie - Sonstiges

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Literarische Formen philosophischer Texte
2.1 Philosophie in der Literatur
2.2 Literatur in der Philosophie
2.3 Marginale Gattungen

3 Die Literarische Form des Essays
3.1 Die gesellschaftliche Funktion
3.2 Der subjektive Prozess des Urteilens
3.3 Erfahrung und Experiment
3.4 Eine kritische Kategorie des eigenen Geistes

4 Das didaktische Potential des Essays

5 Die doppelt kodierte Bewertung eines Essays
5.1 Sprachliche und stilistische Anforderungen
5.2 Formale und strukturelle Anforderungen

6 Schlussbemerkung

Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Seminararbeit sollen anhand von ausgewählten Texten verschiede-ner Autoren, wie BELKE, MARTINICH und MÜLLER-FUNK die unterschiedlichen Vor-stellungen und Konzeptionen von der wichtigen literarischen Form des Essays im Hinblick auf ihre praktische Funktion in der Anwendung näher betrachtet werden. Dabei werden neben einer Klassifizierung und Beschreibung der etablierten Ge-brauchsform nach ihrer dominanten wertenden und prüfenden Funktion auch die untergründige argumentative und methodische Wirkung verdeutlicht. Der Schwer-punkt dieser Arbeit soll auf der Herausarbeitung der Multifunktionalität dieses litera-rischen Elements im pragmatischen Gebrauch nach seinen Inhalten, Anwendungen und Zielstellungen gelegt werden. Das Hauptaugenmerk wird dabei der Fragestel-lung gewidmet sein, inwiefern die Arbeit mit dem Essay im Philosophie- und Ethik-unterricht fruchtbar sein kann und welche didaktischen Potentiale dieser literarischen Form entnommen werden können. Im Speziellen soll eine Untersuchung in Bezug auf das eigenständige schriftliche Philosophieren unternommen werden, indem auch der Frage nach der Analyse sowie der Bewertung der sprachlichen, stilistischen und formalen Bedingungen nachgegangen werden soll.

Als wissenschaftliche Grundlagen zur Klärung dieser Fragen dienen unter ande-rem die statistischen Erhebungen aus dem Werk “Erfahrung und Experiment. Studi-en zu Theorie und Geschichte des Essayismus“ des Autors Wolfgang MÜLLER-FUNK. Aber auch Sekundärliteratur, wie die Monographien Horst BELKEs, „Literarische Gebrauchsformen“, „Der deutsche Essay – Materialien zur Geschichte und Ästhetik einer literarischen Gattung“ von Ludwig ROHNER sowie die englische Abhandlung „Philosophical writing – an introduction“ von Aloysius P. MARTINICH werden hier-für herangezogen, um die Untersuchungen anderer Fachleute sowie den Forschungs-stand mit einzubeziehen.

2 Literarische Formen philosophischer Texte

2.1 Philosophie in der Literatur

In der heutigen Didaktik der Philosophie und Ethik werden in bestimmten Zusammenhängen weitestgehend literarische Texte behandelt, die auf Grund ihres Inhalts zu philosophischen Problemstellungen hinführen oder sogar die schwer zu-gänglichen philosophischen Quellentexte und Werke ersetzen sollen. Zu diesen lite-rarischen Gattungen zählen unter anderem Monologe, Dialoge, Briefe, Fabeln und Erzählungen . Aber auch Lexikon- und Zeitungsartikel sowie (Auto-)Biographien und Essays gehören dazu.1 Durch den Einsatz dieser literarischen Formen kann man die didaktischen Vorteile dieses bewährten Verfahrens nutzen, um den Schülern den oft trockenen Unterrichtsstoff besser vermitteln zu können, wobei der Schwerpunkt in der philosophischen Intension der jeweiligen Literatur liegt.

So bietet beispielsweise das Behandeln von Literatur eine willkommene Ab-wechslung gegenüber den häufig abstrakten und damit oftmals schwer zugänglichen Texten der Philosophiegeschichte.2 Die meisten literarischen Formen beschreiben konkrete lebensnahe Ereignisse sowie Erfahrungen und lassen sich aus diesem Grund besser mit der eigenen Lebenswelt der SchülerInnen verknüpfen. Zudem sind erzähl-te Geschichten meist anschaulicher, spannender und interessanter als wissenschaftli-che Abhandlungen, sodass sie nicht nur von den Schülern leichter verstanden wer-den, sondern diese darüber hinaus auch noch zu einem weiteren individuellen Studi-um motivieren können.3

Deshalb eignen sie sich auf ihre je spezifische Weise z.B. für den methodischen Einstieg in ein neues Themengebiet oder um die Lektüre eines schwierigen philoso-phischen Textes daran anzuschließen. So kann man z.B. bei der Lektüre von THOMAS MANN in die Gedankenwelt von SCHOPENHAUER, NIETZSCHE sowie FREUD vordringen. Und aus den Fabeln des ÄSOP lassen sich moral- philosophisch]e Lehren oder andere ethische Konsequenzen ziehen. Vor allem im Philosophie- und Ethikun-terricht der Sekundarstufe I bilden diese Arten philosophischer Literatur eine not-wendige Alternative und sind in jeder Hinsicht hilfreich.4

2.2 Literatur in der Philosophie

Aber es gibt durchaus noch eine andere Funktion, welche die Literatur in der Didaktik der Philosophie und Ethik einnehmen kann. Dabei liegt das Hauptaugen-merk nicht mehr auf dem philosophischen Inhalt der jeweiligen literarischen Form des Textes, sondern vielmehr auf der untergründigen Wirkung der verschiedenen Schreibstile. Johannes ROHBECK vertritt dabei die These, dass literarischen Formen auch selbst eine argumentative und methodische Funktion erfüllen können – nicht nur eine äußere Hülle sind – und sich das jeweilige didaktische Potential im Philoso-phie- und Ethikunterricht gezielt entfalten lässt.5 Mit diesem Standpunkt schließt er sich der Grundposition an, die eine Vermittlung zwischen Philosophie und Literatur anstrebt. Danach gehört die Auswahl der literarischen Form wesentlich zum philoso-phischen Gedanken dazu. Die Philosophie ist somit unlösbar mit der Textgestalt ver-bunden, die mit speziellen methodischen Mitteln die philosophische Argumentation fortsetzt. Auf diese Art und Weise beeinflussen sich die literarische Form und der philosophische Inhalt wechselseitig und erfüllen – je nach Schreibstil – eine besonde-re argumentative Funktion.

Darüber hinaus werden das Denken und die Verarbeitung des Rezipienten ebenso wie die Nachwirkung durch die spezifische Darstellungsweise der jeweiligen Form erheblich mitgeprägt.6 Ob eine Problemstellung in einer trockenen Abhandlung oder in einem lebendigen Dialog formuliert wird, wirkt demzufolge bis in die Aussage hinein. Für ROHBECK besitzen literarische Formen eine Erkenntnis fördernde Funkti-on und darüber hinaus kann, wenn die Philosophie und die Literatur keine Gegensät-ze mehr bilden und sich die Philosophie nicht ins Literarische auflöst, der philoso-phische Anspruch auf eine rationale Argumentation aufrechterhalten werden.7 Mit dieser These grenzt er sich stark von den beiden anderen Grundpositionen ab, die zum einen eine strikte Trennung von Philosophie und Literatur vertreten, bei der die philosophische Argumentation und Erkenntnis von der äußeren Darstellungsform unberührt bleiben und die literarische Form lediglich der pädagogischen Nachhilfe dient. Die andere Position, die eine Auflösung der Philosophie in der Literatur ver-tritt, macht keinen Unterschied zwischen philosophischer und literarischer Sprache, wobei die Grenzen zwischen Philosophie und Literatur verwischen. Die Literatur steht lediglich für die Grenzen der Vernunft, denn sie vermag, wenn die rationale Philosophie am Ende ist, in der literarischen Form noch das Unsagbare auszuspre-chen.8

2.3 Marginale Gattungen

Es sprechen also sowohl fachliche wie auch didaktische Gründe für den be-wussten Einsatz von marginalen literarischen Gattungen wie Dialoge, Fabeln und Erzählungen im Philosophie- und Ethikunterricht, die im unsicheren Grenzbereich zwischen der rationalen Philosophie und der lebendigen Literatur liegen. Indem die literarische Form eine argumentative und methodische Funktion erhält, wird das Spektrum fachspezifischer Methoden erweitert. In einem konkreten philosophischen Kontext verrichten die literarischen Formen ihre jeweils spezifischen Funktionen.9 So kann etwa der Brief die spezifische Aufgabe einer subjektiven Stellungnahme erfüllen (SENECA) oder der geschriebene Dialog die Funktion einer neuen Problem-eröffnung nachkommen (PLATON). Somit erweitern sich aus didaktischer Sicht nicht nur die Möglichkeiten der Textlektüre, sondern auch die des eigenständigen Philoso-phierens durch die Produktion eigener Texte.10

Neben der Standardform der Abhandlung verfügt die Philosophie über ein reich-haltiges Angebot an literarischen Formen, die abhängig von der jeweiligen Klassen-stufen die Lese- und Schreibkompetenzen der SchülerInnen gezielt fördern können: Monolog und Dialog, Aphorismus, Fabel und Erzählung, (Auto-)Biographie sowie Zeitungs- und Lexikonartikel , wobei auch systematische Abhandlungen und Hausar-beiten narrative Strukturen enthalten können. Da die marginalen Gattungen eine Mit-telstellung zwischen den einzelnen Unterrichtsphasen einnehmen können, eigenen sie sich z.B. hervorragend zum verknüpfen der Lektüre philosophischer Texte mit dem Unterrichtsgespräch.11 Aber auch in der Verbindung von Textlektüre und kreativem Schreiben, wodurch eine reichere Ausschöpfung der didaktischen Mittel erreicht werden kann, nehmen sie eine wichtige Rolle ein.

[...]


1 Vgl. ROHBECK, Johannes: Literarische Formen des Philosophierens im Unterricht. In: Zeitschrift Didaktik Philosophie Ethik – Literarisches Philosophieren, Heft 2/ 2004, S. 90.

2 Vgl. ROHBECK, Johannes: Literarische Formen des Philosophierens im Unterricht, S. 90.

3 Ebd., S. 91.

4 Ebd.

5 Vgl. ROHBECK, Johannes: Literarische Formen des Philosophierens im Unterricht, S. 91 f..

6 Ebd., S. 92 f..

7 Ebd., S. 93.

8 Vgl. ROHBECK, Johannes: Literarische Formen des Philosophierens im Unterricht, S. 92.

9 Ebd., S. 93.

10 Ebd.

11 Ebd. S. 94.

Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640408627
ISBN (Buch)
9783640409242
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131235
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Philosophie
Note
2,0
Schlagworte
Essay Essayismus Didaktik Ethik Literarische Formen Philosophische Texte

Autor

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