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Differenzen und Gemeinsamkeiten zwischen den Glückslehren von Aristoteles, Augustinus und Thomas von Aquin

Seminararbeit 2004 17 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Die Frage nach dem Glück
2.1 Das neue Zeitalter
2.2 Die Philosophie und das Glück

3 Aristoteles
3.1 Das Konzept der Eudaimonia
3.2 Freundliche Umstände
3.3 Die Praxis der Tätigkeit der Seele
3.4 Tugend und Tüchtigkeit des bürgerlichen Lebens

4 Augustinus, Aurelius
4.1 Flucht ins Jenseits
4.2 Gottesliebe als Schlüssel zum Glück
4.3 Willkürliche Prädestination
4.4 Der sozialpolitische Kontext

5 Thomas von Aquin
5.1 Die Wiederkehr der Vernunft
5.2 Synthese zwischen Glauben und Vernunft
5.3 Die Theologie des Glücks

6 Schlussbemerkung

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Seminararbeit sollen anhand von ausgewählten Texten antiker und mittelalterlicher Autoren, wie ARISTOTELES, AUGUSTINUS sowie THOMAS VON AQUIN die unterschiedlichen Vorstellungen über das menschliche Glück näher be-trachtet werden. Dabei werden die verschiedenen Einflüsse der jeweiligen Epochen für ein besseres Verständnis der Beweggründe der Autoren, ihre Weisheitslehren zu verfassen, in einen kurzen sozialgeschichtlichen Kontext eingeordnet. Der Schwer-punkt dieser Arbeit soll auf die Herausarbeitung der verschiedenen Glückslehren nach ihren Inhalten, Motiven und Zielstellungen gelegt werden. Ein Hauptaugenmerk wird dabei der Fragestellung gewidmet sein, welche Leitsätze und Hauptaussagen diesen philosophischen Glückslehren entnommen werden können. Im Speziellen soll eine Untersuchung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede am Beispiel von ausge-wählten Texten dieser Autoren unternommen werden, indem auch der Frage nach der geschichtlichen Entwicklung des Glücksbegriffes nachgegangen werden soll.

Als wissenschaftliche Grundlagen zur Klärung dieser Fragen dienen unter ande-rem die schriftlichen Übersetzungen von europäischen Autoren wie FRANZ DIRLMEIER, „ Aristoteles, Nikomachische Ethik “, „ Thomas von Aquino, Summe der Theologie “ von JOSEPH BERNHART sowie der von ALFRED HOFFMANN übersetzte „ 2. Brief Aurelius Augustinus an Macedonius “. Aber auch Sekundärliteratur, wie die Monographien EMIL ANGEHRNs, „ Die Philosophie und die Frage nach dem Glück “, MAXIMILIAN FROSCHNERs, „ Über das Glück des Menschen, Aristoteles, Epikur, Stoa, Thomas von Aquin “, sowie „ Metzler Philosophie Lexikon, Begriffe und Definitionen “ von PETER PRECHTL als Tertiärliteratur werden hierfür herangezogen, um die Unter-suchungen anderer Philosophen sowie den Forschungsstand mit einzubeziehen.

2 Die Frage nach dem Glück

2.1 Das neue Zeitalter

Vor fast zweieinhalb Jahrtausenden erwachte nicht nur in Asien, sondern auch nahezu zeitgleich in Europa der menschliche Geist zu sich selbst und wurde sich seiner Macht bewusst. Der Mensch machte sich jetzt Gedanken über die Ord-nung der Welt und im Besonderen über seine eigene Stellung in ihr. Als in Griechen-land das philosophische Denken einsetzte, kam es auf Grund eines sich allmählich durchsetzenden selbstständigen und kritischen Erkennens zu einem offenen Hinter-fragen des bis dahin bestehenden Weltbildes des Mythos, indem die fraglos akzep-tierte Kunde der Vorzeit, das hingenommene heilige Wissen vom Urgrunde der Welt und des Lebens zunehmend an Bedeutung verloren.1 Es setzte ein frühes philosophi-sches und forschendes Auseinandersetzen mit den alten religiösen Bindungen und Vorstellungen der Vorzeit ein. Die Natur nachahmende Kunst ersetzte den mythisch-magischen Stil und das eiserne Zeitalter verdrängte langsam aber sicher das Bronze-ne. Der Mensch versuchte sich des Urältesten sowie des Zusammenhanges zwischen der Tiefe des Geistes und des Urgrundes des Weltganzen bewusst zu werden und nutzte erstmals die Fähigkeit des klaren Ausdrucks sowie des schöpferischen Wortes. Dieses gilt in Indien für MAHAVIRA ebenso wie für GAUTAMA BUDDHA, in Griechen-land für HERAKLIT und HESIOD und im chinesischen Kulturkreis für LAO-TSE sowie KONFUZIUS.

2.2 Die Philosophie und das Glück

Zu dieser Zeit der Neuorientierung, in der sich Staatssysteme in kurzen Zeit-abständen abwechselten und die Demokratie eine erst neu geborene Staatsform war, setzte auch die Zuwendung der Philosophie zum Glück sowie zur Vorstellung des Glücks ein, da das Zutrauen und Vertrauen, dass Glück und Unglück Gabe der Götter seinen, brüchig wurde.2 Die Beschäftigung der Menschen mit dem Glücksbegriff ist jedoch älter als die Philosophie selbst. Die damaligen hellenist]ischen Glücksvorstel-lungen des Alltagsverstandes gingen größtenteils davon aus, dass Glück im Besitz von Gütern wie Gesundheit, Ehre, Macht, Reichtum, Schönheit und einem langen Leben zu finden sei und es scheint, als ob sich diese Vorstellung elementarer Be-dürfnisse und Wünsche des Menschen unabhängig von der Philosophie durch die Zeiten hindurch bis heute hält.3 Denn auch heute noch besitzen wir im Deutschen für das Glück zwei Bedeutungsschwerpunkte. Zum einen im Sinne eines ebenso erfreu-lichen wie unverfügbaren und unberechenbaren Geschicks oder Zufalls, griechisch Eutychia, sowie zum anderen der im Zusammenhang mit Gedenkreden und Todesan-zeigen gebrauchten Bedeutung eines erfüllten Lebens, wofür die Griechen den Be-griff Eudaimonia reservierten.4

Den meisten Menschen war und ist im unbestimmt allgemeinen klar, dass unter Eudaimonia des Menschen formal die Menge der notwendigen und zureichenden Eigenschaften, welche uns ein menschliches Leben als gelungen, als artspezifisch vollendet beurteilen lassen, zu verstehen ist. Jedoch besteht seit jeher Unklarheit dar-über, welche Attribute es denn nun sind, die ein menschliches Leben zu einem voll-endeten und glücklichen machen.5 Dieser Streit über die korrekte Antwort auf diese Frage trennt nicht nur die praktischen Philosophen der griechischen Antike, sondern verbindet sie auch, da ihre philosophischen Versuche einer Theorie dessen, wie ver-nünftigerweise zu leben sei, sämtlich im Begriff des Glücks als Ziel menschlichen Strebens ihre letzte Begründungsbasis sehen.6 Und so kann man daraus schließen, dass nahezu alle antiken Ethiken ungeachtet ihrer Unterschiede letztendlich eudämo-nistisch sind.

3 Aristoteles

3.1 Das Konzept der Eudaimonia

ARISTOTELES, welcher 384 v. Chr. in Stagira geboren wurde (gest. 322 v. Chr.) ist wahrscheinlich der bedeutendste Philosoph der Antike, dessen Name bis heute mit dem Begriff des Logischen Denkens verbunden ist. Sein Einfluss auf die Entwicklung des abendländischen Denkens war so entscheidend, dass man sich fragen muss: Wie wäre sie ohne ihn verlaufen?7

Das Selbe trifft auch für sein Konzept der Eudaimonia zu. Für ARISTOTELES ist das Glück oder die Glückseligkeit zweifellos das oberste Gut und darüber hinaus das vollkommenste Endziel. Er bezeichnet das Glück deshalb als schlechthin vollkom-men, da es ein Gut ist, welches der Mensch stets um seiner selbst willen und niemals zu einem höheren, darüber hinaus liegenden Zweck erwählt.8 ARISTOTELES geht da-bei noch einen Schritt weiter und definiert das Glück als oberstes Handlungsziel, als Endziel des möglichen menschlichen Handelns.9 Für ihn tritt somit die in der Natur des Menschen und seinem tätigen Lebensvollzug begründete Erfüllung erstmals vor die vom Geschick und Zufall abhängigen Glücksgüter, welche nicht in der Verfü-gung des einzelnen Menschen stehen, sondern bis dahin als Gabe der Götter galten. Dennoch bleibt für ARISTOTELES das menschliche Leben weiterhin den Fügungen des Geschicks ausgesetzt, wodurch er durchaus die Rolle des Geschicks für das Ge-lingen und Misslingen menschlichen Lebens weiterhin berücksichtigt.10

3.2 Freundliche Umstände

Gerade weil der Mensch auch im Zustande des Glücks den Zugriffen des Ge-schicks weiterhin ausgesetzt ist bedarf es für ARISTOTELES der guten Umstände, wenn es gelingen soll. Zum einen benötigt man die äußeren Güter als Hilfsmittel, da es für den antiken Philosophen ohne Freunde, Geld und einem gewissen politischem Einfluss sehr schwierig bis unmöglich ist, durch edle Taten zu glänzen.11 Zum ande-ren gibt es für ihn gewisse Güter, deren Fehlen die reine Gestalt des Glücks trüben.

[...]


1 Vgl. HORSTER, Detlef: Aristoteles in: LUTZ, Bernd: Metzler-Philosophen-Lexikon, von den Vorsokratikern bis zu den neuen Philosophen, 2. Aufl., Weimar 1995, S. 47.

2 Vgl. Artikel >Glück<, in: Hist. Wörterbuch der Philosophie, Band III, S. 679.

3 Vgl. Artikel >Glück< in: Hist. Wörterbuch der Philosophie, Band III, S. 679.

4 Vgl. FORSCHNER, Maximilian: Über das Glück des Menschen, Aristoteles, Epikur, Stoa, Thomas von Aquin, Darmstadt 1993, S. 1.

5 Vgl. FORSCHNER, Maximilian: Über das Glück des Menschen, S. 1.

6 Ebd.

7 Vgl. HORSTER, Detlef: Aristoteles, S. 47.

8 Vgl. ARISTOTELES, Nikomachische Ethik, Buch I, Kapitel 5.

9 Ebd.

10 Vgl. ARISTOTELES, Nikomachische Ethik, Buch I, Kapitel 10.

11 Vgl. ARISTOTELES, Nikomachische Ethik, Buch I, Kapitel 9.

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640382521
ISBN (Buch)
9783640382842
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131214
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Philosophie
Note
2,5
Schlagworte
Aristoteles Augustinus Thomas von Aquin Glück Eudaimonia Unglück Tugend zoon politikon Polis Prädestination

Autor

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