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Karl Marx und der Entfremdungscharakter in Arbeit und Natur

Seminararbeit 2009 10 Seiten

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriff der Entfremdung

3. Das Verhältnis Mensch zur Arbeit

4. Die Entfremdung von der Arbeit

5. Das Verhältnis Mensch zur Natur

6. Die Entfremdung von der Natur

7. Teilung der Arbeit und Eigentum

8. Fazit

9. Bibliografie:

1. Einleitung

Für Marx ist die Arbeit der sinnliche Umgang mit der Natur. Es ist eine Bedingung jeglicher geistiger Tätigkeit des Menschen. In der Arbeit erzeugt der Mensch sich selbst und in der Natur erzeugt er das Objekt seines Tätigseins. Arbeit ist für Marx eine primäre Kategorie in der Charakterisierung des Menschen, gleichzeitig ist sie auch aktiver Kontakt mit der Natur. Er sieht den Menschen als Teil der Natur, mit der er in einer gegenseitigen Wechselwirkung steht. In der Arbeit, wie in der Natur erscheint erstmals die Theorie der Entfremdung. Der Begriff der Entfremdung, der von Hegel geprägt ist, hat Marx in der Geschichte an der Entwicklung des Privateigentums und der Arbeitsteilung festgemacht. In der vorliegenden Arbeit soll geklärt werden, in wie fern der Entfremdungscharakter bei Marx in den Bereichen Natur und Arbeit zu sehen ist. Zunächst beginne ich mit einer Begriffsdefinition, die den Zusammenhang in den darauf folgenden Kapiteln erklären soll.

2. Begriff der Entfremdung

Nach Karl Marx tritt Entfremdung immer dann auf, wenn die Produzenten sich und ihre eigenen Zwecke nicht mehr in ihrem Produkt wieder entdecken können. Zum einen trat Entfremdung dann auf, sobald die Produzenten nicht mehr für ihren Eigenbedarf, sondern für den anonymen Markt produzierten. Dies ist eine Form der gesellschaftlichen Arbeitsteilung. Zum anderen trat Entfremdung auf, sobald die Produzenten nur noch Teilarbeiten an einem Gesamtprodukt erledigten, in dem ein einzelner Teilarbeiter seine eigene Arbeit kaum wieder entdecken kann. Hierbei spricht man von einer betrieblichen Arbeitsteilung. Zu dem tritt Entfremdung im Kapitalismus auf, bei dem die Lohnarbeiter nicht mehr selbstbestimmte, sondern fremd-bestimmte Produzenten sind. Hierbei entscheiden die Kapitalisten, was die Lohnarbeiter zu produzieren haben und unter welchen Bedingungen sie zu arbeiten haben. Allerdings gehört das Arbeitsprodukt den Arbeitsherrn und nicht den Arbeitenden. Da sich das Kapital auf immer weniger Kapitalisten konzentriert werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Die Kaufkraft sinkt und deshalb kann sich der Lohnarbeiter, das von ihm hergestellte Produkt oft nicht leisten.

3. Das Verhältnis Mensch zur Arbeit

Mit dem Beginn der Produktion von Lebensmitteln beginnt der Mensch indirekt sein materielles Leben selbst zu produzieren. Die Produktion ist abhängig von den vorgefundenen und reproduzierten Lebensmitteln und deren Beschaffenheit. Auch die Reproduktion der physischen Existenz der Individuen ist eine Art der Tätigkeit und Lebensäußerung beziehungsweise Lebensweise. Die Produktion tritt erst mit der Vermehrung der Bevölkerung ein, sie setzt daher einen Verkehr der Individuen untereinander voraus. Die Form dieses Verkehrs ist widerrum durch die Produktion bedingt.[1] Eine bestimmte Produktionsweise oder industrielle Stufe ist stets mit einer bestimmten Weise des Zusammenwirkens oder gesellschaftlichen Stufe vereinigt. Diese Weise ist selbst eine Produktivkraft. Die Geschichte der Menschheit steht im Zusammenhang mit der Geschichte der Industrie und des Austauschs.[2] Es zeigt sich ein materialistischer Zusammenhang der Menschen untereinander, der durch die Bedürfnisse und die Weise der Produktion bedingt ist. Der Zusammenhang der eigenen Geschichte hat sich also stets verändert.

4. Die Entfremdung von der Arbeit

In den ökonomisch-philosophischen Manuskripten ist der entscheidende Kernteil der entfremdeten Arbeit zu finden.„Aus der Nationalökonomie selbst, mit ihren eigenen Worten, haben gezeigt, daß der Arbeiter zur Ware und zur elendsten Ware herabsinkt, dass das Elend des Arbeiters im umgekehrten Verhältnis zur Macht und zur Größe seiner Produktion steht.“[3] Der Arbeiter wird umso ärmer, je mehr Reichtum er produziert. Er selbst kann sich das Produkt, was er herstellt nicht leisten. Er produziert für den Kapitalisten, der damit umso reicher wird, je mehr der Arbeiter produziert. Der Arbeiter wird um seine Arbeitskraft gebracht und er wird an sich zu einer beliebteren Ware, je mehr Waren er produziert. „Mit der Verwertung der Sachenwelt nimmt die Entwertung der Menschenwelt in direktem Verhältnis zu.“[4] Hierbei wird nicht nur die Ware von der eigentlichen Arbeit geschaffen, sondern sie produziert sich selbst und den Arbeiter als eine Ware. Dabei wird die Entfremdung des Produktes deutlich. Die Arbeit wird zum Gegenstand. Der Gegenstand, der produziert wird als fremdes Wesen bezeichnet. Es ist eine vom Produzenten unabhängige Macht. Also ist das Produkt der Arbeit die Arbeit selbst, die sich in diesem Gegenstand befindet. Marx nennt es die Vergegenständlichung der Arbeit. Durch die Verwirklichung der Arbeit kommt es zu einer Vergegenständlichung der Arbeit und gleichzeitig zur Entwirklichung des Arbeiters. Also wird die Vergegenständlichung als ein Verlust des Gegenstandes und die Aneignung als Entfremdung angesehen. Der Arbeiter wird nicht nur der notwendigen Gegenstände beraubt, wie das Leben, sondern auch der Arbeitsgegenstände beraubt. Je mehr Gegenstände der Arbeiter produziert, umso weniger kann er besitzen und umso mehr gerät er dabei unter die Herrschaft seines Produktes, dem Kapital. Der Arbeiter verhält sich gegenüber dem Produkt bzw. gegenüber dem Gegenstand fremd. Er steckt sein gesamtes Leben in den Gegenstand. dabei verliert der Arbeiter seine innere Welt und der Gegenstand gewinnt an Leben hinzu. Je größer die Tätigkeit des Arbeiters ist, desto gegenstandsloser ist der Arbeiter. Das Produkt existiert auch ohne den Arbeiter und wird ihm gegenüber umso mächtiger und gleichzeitig auch fremd und feindlich. Die Entfremdung als solche tritt nun nicht mehr nur im Resultat, sondern im Akt der Produktion, also innerhalb der produzierenden Tätigkeit selbst auf, da das Produkt nur ein Resümee der Tätigkeit ist. Der Arbeiter fühlt sich nicht nur vom Produkt entfremdet, sondern auch von seiner eigenen Arbeit, da diese nicht mehr auf Freiwilligkeit basiert, sondern auf Zwang. Aus dem Zwang zur Arbeit entlassen, geraten sie in ihrer Freizeit unter den Zwang, die Arbeit zu vergessen, bei Laune und fit zu bleiben für den nächsten Tag. Allerdings sind ihre Vergnügungen von jener Industrie gesteuert, der sie ihr Unbehagen verdanken. Ihre eigenen Bedürfnisse in der Freizeit sind nicht mehr individuell, sondern kommerzialisiert. Die Arbeit an sich ist nicht die Befriedigung seiner Bedürfnisse, es ist nur ein Mittel um seine Bedürfnisse außerhalb der Arbeit zu befriedigen. Der Mensch fühlt sich nicht mehr frei. Er kehrt zu den tierischen Funktionen zurück. Essen, trinken und zeugen sind die Funktionen, die ihn in seiner selbst frei machen. Ohne Arbeit fühlt er sich zum Urzustand zurückgesetzt.[5] Jedoch benötigt er die aufopfernde Arbeit, um nach seinen menschlichen Bedürfnissen zu streben. Der Mensch merkt, dass seine Arbeit, die er verrichtet nur noch als Verlust zu sehen ist. Die Tätigkeit des Arbeiters gehört nicht mehr nur ihm, sondern einem anderen. Er entfremdet sich von seiner selbst. Für Marx ist erst die gesellschaftliche Umwälzung nötig, um die menschliche Selbstentfremdung zu beseitigen. Erst dann könnte die Arbeit ihren Charakter als Selbstverwirklichung des Menschen, als freie schöpferische Tätigkeit zurückgewinnen. Arbeit wird dann wieder zum Bedürfnis, der Mensch findet sich wieder in ihr bestätigt und entwickelt die Vielfalt seiner Sinne und seiner Fähigkeiten. Der Kontakt zu seiner Umwelt wird demnach auch immer reicher. Die entfremdete Arbeit leistet nicht nur die Entfremdung von sich selbst, also von seiner Lebenstätigkeit und der Entfremdung von der Gattung, sondern auch die Entfremdung von der Natur, worauf ich später noch eingehen werde. Der Akt der Entfremdung der praktischen menschlichen Tätigkeit, die Arbeit ist nach zwei Seiten hin zu betrachten. Zum einen das Verhältnis des Arbeiters zum Produkt der Arbeit. Es ist eine fremde ihm feindlich gegenüberstehende Welt, die gleichzusetzen ist mit dem Verhältnis zur sinnlichen Außenwelt. Und zum anderen das Verhältnis der Arbeit zum Akt der Produktion innerhalb der Arbeit, also das Verhältnis vom Arbeiter zur eigenen Tätigkeit. Es ist eine von ihm unabhängige, ihm nicht gehörige Tätigkeit.[6] Die entfremdete Arbeit leistet die Entfremdung von der Natur und von sich selbst, also von seiner Lebenstätigkeit. Sie entfremdet praktisch dem Menschen die Gattung, da sie das Gattungsleben zum Mittel des individuellen Lebens macht. Der Mensch entfremdet sich allerdings auch davon. Das Wesen, dem Arbeit und Produkt gehört ist der Mensch selbst, wenn er sich zu seiner eigenen Tätigkeit als unfrei verhält, stellt er sich in ihre Herrschaft.[7] Wenn das Produkt der Arbeit nicht dem Arbeiter gehört, also eine fremde Macht ihm gegenüber steht, so ist dies nur möglich, wenn es einem anderen Menschen gehört. Wenn seine Tätigkeit ihm eine Qual ist, so muss es einem anderen Genuss und Lebensfreude bringen. Nur der Mensch selbst kann die fremde Macht über den Menschen sein. In der praktischen wirklichen Welt kann die Selbstentfremdung durch das praktische wirkliche Verhältnis zu anderen Menschen erscheinen. Durch die entfremdete Arbeit erzeugt der Mensch nicht nur sein Verhältnis zu dem Gegenstand und dem Akt der Produktion als fremden und ihm feindlichen Menschen. Er erzeugt auch das Verhältnis, in welchem andere Menschen zu seiner Produktion und seinem Produkt stehen und das Verhältnis, in welchem er zu diesen anderen Menschen steht.[8] Wie er sein eigenes Produkt zu dem Verlust macht, also zu einem ihm nicht gehörenden Produkt, so erzeugt er die Herrschaft dessen, der nicht produziert, auf die Produktion und auf das Produkt. Durch die entfremdete, entäußerte Arbeit erzeugt der Arbeiter das Verhältnis eines der Arbeit fremden und außer ihr stehenden Menschen zu dieser Arbeit. Also ist das Privateigentum das Produkt der entäußerten Arbeit, das äußerliche Verhältnis des Arbeiters zu der Natur und zu sich selbst. Das Privateigentum ergibt sich also aus dem Begriff der entäußerten Arbeit. Zu dem ist das Privateigentum identisch mit dem Arbeitslohn, da der Arbeitslohn, der die Arbeit besoldet nur eine notwendige Konsequenz von der Entfremdung der Arbeit ist. Praktisch ist der Arbeitslohn eine unmittelbare Folge der entfremdeten Arbeit und die entfremdete Arbeit ist die unmittelbare Ursache des Privateigentums. Wenn man von der Arbeit spricht, so hat man es unmittelbar mit dem Menschen selbst zu tun. Der Arbeiter eignet sich der Natur an, welche als Entfremdung erscheint. Die Selbsttätigkeit erscheint als Tätigkeit für einen anderen und als Tätigkeit eines anderen. Die Lebendigkeit ist als Aufopferung des Lebens zu sehen und die Produktion des Gegenstandes als Verlust des Gegenstandes an eine fremde Macht.

[...]


[1] Vgl. Marx 1971 S.30

[2] Vgl. Marx 1971 S. 31

[3] Zitat: Marx 1971 S.559

[4] Vgl. Marx 1971 S .561

[5] Vgl. Marx 1971 S. 565

[6] Vgl. Marx 1971 S.565

[7] Vgl. Marx 1971 S.570

[8] Vgl. Marx 1971 S.571

Details

Seiten
10
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640372317
ISBN (Buch)
9783640371990
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131128
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – philosophie
Note
2,3
Schlagworte
Karl Marx Entfremdungscharakter Arbeit Natur

Autor

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Titel: Karl Marx und der Entfremdungscharakter in Arbeit und Natur