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Politische Konjunkturzyklen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 25 Seiten

VWL - Konjunktur und Wachstum

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Wirtschaftspolitik in einem demokratischen Umfeld

3 Politische Konjunkturzyklen nach William D. Nordhaus
3.1 Das ökonomische System
3.2 Die Legitimation der Regierung
3.3 Die optimale Wirtschaftspolitik der opportunistischen Regierung

4 Kritik am Nordhaus Modell
4.1 Die Wirtschaftspolitik unter rationaler Erwartungshaltung
4.2 Empirie

5 Politische Konjunkturzyklen nach Rogoff und Siebert
5.1 Das Ökonomische System
5.2 Die Informations- und Entscheidungsstruktur
5.3 Das politische System
5.4 Die Wirtschaftspolitik einer opportunistischen Regierung

6 Fazit

Mathematischer Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kurz- und Langfristige Phillipskurve

Abbildung 2: Rationale Erwartungen verhindern Konjunkturzyklen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In der öffentlichen Diskussion wird vor Wahlen gerne das Argument genutzt, dass die Regierung mittels teurer Wahlgeschenke versuche, sich den Machterhalt zu sichern. Es ist daher nicht überraschend, dass wenige Monate vor der bevorstehenden Bundestagswahl den Wählern umfangreiche Subventionen und Steuersenkungen versprochen werden. Diese Sichtweise steht im Gegensatz zu traditionellen ökonomischen Modellen, in denen die Regierung stets am Gemeinwohl orientiert ist. Natürlich steht die kommende Bundestagswahl aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise unter besonderen Vorzeichen und die Politik ist aufgefordert rasch zu handeln. Ganz allgemein drängt sich jedoch die Frage auf, warum die Wähler einer Regierung, die mehr auf ihren eigenen Vorteil, als auf das Allgemeinwohl bedacht ist, weiterhin das Vertrauen schenken sollten und ob es überhaupt eine nachvollziehbare Strategie der Regierung ist, vor Wahlen gezielt in das Wirtschaftsgeschehen einzugreifen, um dadurch den Machterhalt sicherzustellen. In der folgenden Hausarbeit wird dies näher betrachtet und konkret der Frage nachgegangen, wie die Wirtschaftspolitik einer ausschließlich an der Wiederwahl orientierten Regierung ausgerichtet ist. Dabei werde ich die dieser Sichtweise nahe stehende Argumentation zur Entstehung politischer Konjunkturzyklen aufgrund der Verfolgung von Parteiideologien völlig ausklammern. Im Weiteren werde ich die Ansicht vertreten, dass die Regierung für die Umsetzung ihrer Ideen Wahlen gewinnen muss und ihrer Politik daher primär am Machterhalt ausgerichtet ist. Die Hausarbeit gliedert sich in vier Abschnitte. Im zweiten Abschnitt werde ich zunächst kurz die Präferenzen der Politik darstellen, um dann im dritten Abschnitt das wohl bekannteste Modell zu Theorie politischer Konjunkturzyklen von William D. Nordhaus vorzustellen und mit dessen Hilfe zu zeigen, wie die Wirtschaftspolitik einer opportunistischen Regierung konkret gestaltet ist. Da das Modell auf einer adaptiven Erwartungshaltung aufbaut, werde ich in Abschnitt vier diese Annahmen kritisch betrachten und darlegen, dass durch eine rationale Erwartungshaltung der Wähler der Zusammenhang des Nordhaus Modell nicht gehalten werden kann. Darauf aufbauend werde ich im vorletzten Abschnitt mit Hilfe des Modells von Rogoff und Siebert zeigen, dass die grundlegende Intuition eines opportunistischen Eingriffs der Regierung auch unter rationaler Erwartungshaltung nicht verworfen werden muss, wenn man von einer Informationsasymmetrie zwischen Regierung und Wähler ausgeht. Schließen werde ich die Hausarbeit mit einem kurzen Fazit.

2 Die Wirtschaftspolitik in einem demokratischen Umfeld

Die Wirtschaftspolitik einer Regierung wird in ökonomischen Modellen traditionell als exogene Größe betrachtet, wodurch die Interaktion zwischen dem ökonomischen und politischen Sektor verkannt wird. Gleichzeitig wird dadurch das Eigeninteresse der politischen Akteure unterschätzt, wodurch diese bestimmte Maßnahmen bewusst nicht umsetzen. Diese Exogenität der Wirtschaftspolitik ist zudem inkonsistent mit der Public Choice Theorie, die aufbauend auf dem methodologischen Individualismus davon ausgeht, dass alle politischen Entscheidungen auf die Nutzenmaximierung der politischen Eliten zurückzuführen sind.1 Nutzen ziehen die politischen Eliten insbesondere aus dem „Genuss der mit einem politischen Amt verbundenen Annehmlichkeiten,“2 so dass ein Politiker bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen stets deren Konsequenz hinsichtlich seiner Wiederwahlchancen berücksichtigt.3 Die Politiker verhalten sich somit opportunistisch und die Regierung betreibt eine auf Stimmenmaximierung ausgerichtete Politik. Dabei muss sie sich an den Präferenzen des Medianwählers orientieren, damit im Wettbewerb um die Wählerstimmen der Machterhalt gesichert werden kann.4 Da sich die Regierung in einer repräsentativen Demokratie in bestimmten Abständen der Legitimation durch die Bevölkerung stellen muss und deren Wahlentscheidung von der aktuellen wirtschaftlichen Lage abhängig ist, gilt es zu untersuchen, wie die Wirtschaftspolitik der Regierung konkret gestaltet wird und welche Folgen dadurch für die Volkswirtschaft entstehen. Im folgenden Abschnitt werde ich dies mit Hilfe des Modells von William D. Nordhaus analysieren.5

3 Politische Konjunkturzyklen nach William D. Nordhaus

Nordhaus zeigt mit seinem Modell, dass die opportunistische Regierung in einem demokratischen Umfeld ihre Wirtschaftspolitik an den periodisch stattfinden Wahlen ausrichtet. Die Wähler machen die Regierung für die ökonomische Entwicklung verantwortlich und treffen ihre Wahlentscheidung ausschließlich unter Berücksichtigung der auslaufenden Legislaturperiode, so dass vergangene Legislaturperioden völlig außer acht gelassen werden. Vor Wahlen kommt es zu einer expansiven Nachfragepolitik der Regierung, der eine kontraktive Wirtschaftspolitik in der neuen Legislaturperiode folgt.

Um dieses Verhalten der Regierung zu erklären, werde ich im Weiteren zunächst die ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen darstellen und daraus die optimale Politik einer opportunistischen Regierung ableiten.

3.1 Das ökonomische System

Das ökonomische System beschreibt den Zusammenhang zwischen den für die Regierung maßgeblichen makroökonomischen Variablen. Per Annahme sind die politischen Eliten in der Lage, diese mittels ihrer Wirtschaftspolitik zu steuern. Aufgrund der geltenden Beziehung zwischen den makroökonomischen Variablen sind sie jedoch in ihrer Entscheidungsfreiheit begrenzt, so dass nicht jede erwünschte ökonomische Struktur auch tatsächlich realisierbar ist. Der Zusammenhang wird hier durch das in der Ökonomie heftig diskutierte Modell der Phillipskurve6 beschrieben. Dieses erklärt den negativen trade-off zwischen der Inflationsrate und Arbeitslosenquote, der bei adaptiver Erwartungshaltung hinsichtlich der erwarteten Inflation aus einem Argument der Keynsianischen Theorie abgeleitet wird.7 Ein überhöhter und starrer Nominallohn kann der keynsianischen Theorie folgend zu einem überhöhten Reallohn führen, wodurch der Arbeitsmarkt, bei einer verzögerten Anpassung der Preiserwartungen der Arbeitnehmer, von der Nachfrageseite begrenzt wird und ein Unterbeschäftigungsgleichgewicht entsteht. Kommt es in dieser Situation zu einer Steigerung des allgemeinen Preisniveaus, so sinkt der Reallohn und die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt, wodurch die Arbeitslosenquote unter ihr natürliches Niveau sinken kann.8 Der Theorie weiter folgend, wäre eine geringe Arbeitslosenquote dann stets mit einer höheren Inflationsrate verbunden. Die Politik könnte diesen negativen trade-off kurzfristig ausnutzen, um durch geeignete Fiskal-und/oder Geldpolitik jede ihr genehme Kombination von Inflationsrate und Arbeitslosenquote zu realisieren, die auf der Phillipskurve möglich ist. Bei adaptiven Erwartungen passen die Haushalte ihre Preiserwartungen nur zeitverzögert an die tatsächlich realisierte Inflation an, so dass diese erst mittelfristig höhere Nominallöhne aufgrund des gestiegen Preisniveau fordern werden.9 Dadurch sinkt die Beschäftigung jedoch wieder auf ihr natürliches Niveau, bei einer gleichzeitig höheren Inflationsrate.10

Aus theoretischer Sicht sollte daher mittelfristig das natürliche Beschäftigungsniveau mit jeder Inflationsrate vereinbar sein, wodurch kein dauerhafter politisch ausnutzbarer trade-off zwischen beiden Kenngrößen besteht.11 Diese kurz- und mittelfristige Beziehung zwischen der Inflationsrate und Arbeitslosenquote wird in Abbildung 112 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kurz- und Langfristige Phillipskurve

Das ökonomische System wird mit den Gleichung (1),13 welche die Phillipskurve determiniert und (2), der adaptiven Erwartungshaltung der Haushalte beschrieben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

mitЛals Inflationsrate,vals erwartete Inflationsrate undf(ut)als Funktion der Arbeitslosigkeit. Die erwartete Inflationsrate ist dabei ein Lageparameter der Phillipskurve.14 Die Erwartungen verändern sich dynamisch, wenn die aktuelle Inflationsrate von der erwarteten abweicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Die Legitimation der Regierung

Die Präferenzen der Haushalte werden durch die Nutzenfunktion (3) beschrieben

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

wobei diese ausschließlich von der Inflationsrate und Arbeitslosenquote

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]abhängig ist. Da die Wirtschaftssubjekte die aktuelle Arbeitslosenquote als Indikator für ihre persönliche und zukünftige Einkommensentwicklung heranziehen und eine hohe Inflationsrate zu Liquiditätsproblemen führen kann, steigt der Grenznutzen der Haushalte mit sinkender Arbeitslosenquote und Inflationsrate. Wie bereits erwähnt, wird die Regierung von den Haushalten für die aktuelle makroökonomische Entwicklung verantwortlich gemacht. Die Wähler sind jedoch hinsichtlich der Beziehung auf der Phillipskurve unwissend. Für ihre Wahlentscheidung zum Zeitpunkttvergleichen die Haushalte daher die Leistung der Regierung hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]der zurückliegenden Legislaturperiode mit einem Referenzpunktzt ,der als subjektive Erwartungen der Haushalte an die ökonomische Entwicklung verstanden werden kann. Die Regierung wird nur dann wieder gewählt, wenn der Wählernutzen aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Situation über dem Nutzenwert des individuellen Standards liegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Damit die opportunistische Regierung die bevorstehende Wahl gewinnt, muss sie mittels ihrer wirtschaftspolitischen Entscheidungen die ökonomischen Kenngrößen so beeinflussen, dass zum Wahlzeitpunkt genügend Wähler ihre Stimmen für die Regierungspartei abgeben und damit deren Standard übersteigt. Dabei sieht sich die

Regierung der aggregierten Wahlfunktion[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]gegenüber.15

3.3 Die optimale Wirtschaftspolitik der opportunistischen Regierung

Die Haushalte beurteilen die Regierung retrospektiv und kurzsichtig, d.h. nur aufgrund der Wirtschaftspolitik der vergangenen Legislaturperiode. Zudem verfügen sie bei länger zurückliegenden Ereignissen über weniger gute Erinnerungen, so dass sich die Regierung einem dynamischen Optimierungsproblem konfrontiert sieht. Durch gezielte Steuerung der ökonomischen Größen über die gesamte Legislaturperiode0muss sie versuchen ihre Wiederwahl zu sichern. Dabei ist die Regierung durch die Philipskurve und die adaptive Erwartungbildung der Haushalte in ihren Eingriffsmöglichkeiten begrenzt und weiß, dass zurückliegende Ereignisse von den Haushalten ( mit der Rate µ) vergessen werden.

[...]


1 Vgl. Buchanan/Tollison (1984), The Theory of public choice II.

2 Krisch (1997), S. 232-233.

3 Vgl. Frey/Schneider (1979), S. 29-30.

4 Vgl. Paldam (1997), S. 347-348.

5 Die Ausführungen in Abschnitt 3 beziehen sich im Wesentlichen an Nordhaus (1975). Im Folgenden wird nur ergänzend verwendete Literatur separat ausgewiesen.

6 Einen guten Überblick über die Diskussion bieten Santomero/Seater (1978).

7 Vgl. Felderer/Homburg (2005), S. 244.

8 Vgl. Felderer/Homburg (2005), S. 149-152.

9 Vgl. Felderer/Homburg (2005), S. 244-245.

10 Vgl. Felderer/Homburg (2005), S. 245-246.

11 Vgl. Felderer/Homburg (2005), S. 246.

12 Aus Felderer/Homburg (2005), S. 246.

13 Vgl. Frey/Kirchgässner (1994), S. 301.

14 Vgl. Frey/Kirchgässner (1994), S. 301 FürA=1 exisitert kein lanfristiger trade-off , so dass die Philipskurve eine senkrechte darstellt undu= udie natrüliche Arbeitslosenquote darstellt. Siehe Anhang A.1.

15 Vgl. Gabisch/Lorenz (1987), S. 69.

Details

Seiten
25
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640370368
ISBN (Buch)
9783640369973
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v131059
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Seminar für Finanzwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Konjunkturzyklen Politische Ökonomie Wirtschaftspolitik Opportunistische Regierung Wahlzyklen Nordhaus

Autor

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Titel: Politische Konjunkturzyklen