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Die Beziehungen Algeriens und Frankreich in der Vergangenheit und Gegenwart

Hausarbeit 2008 12 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Gemeinsame Geschichte der Kolonialzeit

Beziehungen nach der Kolonialzeit von 1962-2003

Beziehungen in der Gegenwart von 2003 bis 2007
Politische Beziehungen
Wirtschaftliche Beziehungen
Kulturelle, wissenschaftliche und technische Beziehungen

Fazit

Literaturverzeichnis

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Beschreibung und Analyse der Beziehungen zwischen den Ländern Algerien und Frankreich in der Vergangenheit und Gegenwart. Aus der 132 Jahre andauernden Kolonialherrschaft haben sich viele verschiedene Einflüsse in beiden Gesellschaften ergeben, die maßgebliche Auswirkungen auf die heutigen Beziehungen haben. Auf Grund der gemeinsamen Vergangenheit und den daraus erwachsenen interkulturellen Problemen, ist zunächst eine umfassende geschichtliche Analyse notwendig, um die heutigen Beziehungen sachgerecht und umfassend verstehen zu können. Die gegenwärtige Relation ist unter dem Geschichtspunkt der weltweiten Ressourcenknappheit besonders interessant, da die Abhängigkeit der wirtschaftsstarken Länder steigt. Das Verhältnis der beiden Länder wird von vielen weiteren Konfliktlinien durchzogen. Nur ein Beispiel von Vielen ist der weltweite islamistische Terror, der auch in Algerien seine Ableger findet. Neue Brisanz erhält die Analyse auch durch die Pläne, die besonders von dem französischen Präsidenten Sarkozy gefördert werden, eine Mittelmeerunion zu gründen. Durch diese Entwicklung würde ein komplett neues Zeitalter in den algerisch- französischen Beziehungen eingeläutet werden. Um diese komplexe Analyse angemessen durchführen zu können, erfolgt zunächst die Beschreibung der gemeinsamen kolonialen Vergangenheit. Danach werden die Entwicklungen nach 1962 beschrieben, um letztendlich die gegenwärtigen Beziehungen unter den Aspekten Politik, Wirtschaft und Kultur zu untersuchen.

2. Gemeinsame Geschichte der Kolonialzeit

Auf Grund einer unbezahlten Kornrechnung ordnete König Charles X. die Blockade des Seehafens von Algier an. Diese im Jahre 1827 begonnene Belagerung dauerte drei Jahre und führte zu der Einnahme des Hafens, sowie der Häfen von Oran, Arzew und Bougie. 1831 überzeugte das Militär König Louis-Philippe davon, den Neuerwerb vor den Osmanen zu schützen, in dem er eine Fremdenlegion gründete. Erst 1840 nachdem viele Siedler angegriffen wurden, beschloss Frankreich die vollkommene Eroberung Algeriens, um weitere Aufstände zu verhindern. Um die Kolonialisierung zu sichern, schickte Frankreich in den darauffolgenden Jahren immer mehr französische Siedler nach Algerien, die sogenannten „Colons“. Die Zahl stieg von 27.000 im Jahr 1841 auf fast 580.000 zur Jahrhundertwende. Allerdings kam die Mehrheit dieser Siedler, trotz der Anstrengungen der französischen Regierung nicht aus Frankreich, sondern aus Malta, Spanien und Italien. Ab dem Jahr 1865 konnten diese europäischen Siedler, die kostenfrei Land in Algerien zugeteilt bekommen hatten, die französische Staatsbürgerschaft erhalten. Algerien war im Gegensatz zu Tunesien und Marokko nicht zu einem Protektorat ernannt worden, sondern zu französischen Boden. Dies hatte zu Folge, dass Algerien der Kolonialmacht unterworfen wurde und darüberhinaus die juristische Eigenstaatlichkeit, die Marokko und Tunesien behalten konnten, verlor.[1] Seit 1848 waren die drei hinzugekommenen „Departements“ ein Teil Frankreichs geworden. Diese zwei genannten Aspekte verdeutlichen die Komplexivität der Beziehungen zwischen den Ländern Algerien und Frankreich. In folge der Vergabe von Land an die neuen Siedler wurden die einheimischen Bauern enteignet. Aber nicht nur durch die Enteignung, sondern auch durch die hohe Besteuerung verarmten die Bauern. Bis 1874 hatten die „Colons“, den Algeriern 500.000 Hektar Land weggenommen.[2] Diesen blieben nur die unergiebigen und schwerzugänglichen landwirtschaftlichen Gebiete.[3] Die dadurch versursachten Hungersnöte und Seuchen, sowie die vielen Versuche der Bevölkerung gegen die neuen „Herrn“ im Land zu kämpfen, führten dazu, dass die Zahl der Einheimischen von vier auf 2,5 Millionen im Jahre 1890 sank.[4] Die Bevölkerung verlor ihre Grundstücke und damit ihre Ernährungsgrundlage. Ihre Möglichkeiten am öffentlichen Leben teilzunehmen, waren zusätzlich durch das „statut musulman“ sehr beschränkt. Im Gegensatz zu den jüdischen Einwohnern Algeriens, die französische Staatsbürger wurden und das Recht auf privatrechtliche religiöse Rechtssprechung hatten, waren die Algerier nur sogenannte „Untertanen“, die dem Personenstandsrecht von 1865 unterlagen. In dem hieß es: „Der eingeborene Muslime ist Franzose; untersteht jedoch weiterhin dem muslimischen Recht“. Die Franzosen nutzen die Religion als Trennungs-Linie. Zwar bestand die Möglichkeit, ganz auf das muslimische Recht zu verzichten und sich nur dem französischen Recht zu unterwerfen, allerdings wurde kaum Gebrauch davon gemacht, da es als Verrat an der Religion und an dem Heimatland angesehen wurde. Diese Tatsache führte zur ersten Politisierung des Islams.[5] In Folge dessen, waren die „Untertanen“ nicht in der Lage Grundstücke zu kaufen, öffentliche Vorträge zu halten, noch ihr Dorf ohne Regierungsgenehmigung zu verlassen.[6] Frankreich hatte somit ein Rechtssystem aufgebaut, indem Algerien als Teil des Landes betrachtet wurde, aber der Großteil der Bevölkerung auf Grund ihres Glaubens, wie eine minderwertige Unterklasse behandelt wurde. Durch diese rassistische Ausgrenzung, entwickelte sich ein stark an den Islam gebundene nationale Identität. Diese gemeinsame Charakteristik wurde zum verbindenden Glied zwischen den verschiedenen algerischen Bevölkerungsschichten und führte letzten Endes zu einem Unabhängigkeitskrieg im Jahr 1954.[7] Im November 1954 ereigneten sich im ganzen Land Bombenanschläge und andere terroristische Attentate, die von der Untergrundorganisation FLN „Front de Libération Nationale“ auf Deutsch die algerische nationale Befreiungsfront durchgeführt wurden. Die Beziehungen der beiden Länder, die zu dem Zeitpunkt offiziell noch ein Land waren, befanden sich auf dem Tiefpunkt. Frankreich hatte kurz zuvor seine Kolonie in Indochina, sowie die Protektorate Marokko und Tunesien verloren und war nun fest entschlossen, allen Separatismusbewegungen zum Trotz, sein Kolonialreich zu „retten“.[8] Insgesamt kämpften 1,7 Millionen französische Soldaten in Algerien, die mit einer Anti-Guerilla-Kriegsführung versuchten, die Revolution aufzuhalten. Zu diesen Methoden gehörten der Einsatz modernster Kampfflugzeuge und die systematische Folterung der Bevölkerung. Die Brutalität war immens, Massenvergewaltigungen, Elektroschocks und Hinrichtungen waren an der Tagesordnung. Zu dem Zeitpunkt sprach allerdings niemand in Frankreich von einem Krieg, sondern nur von „Ereignissen in Algerien“. Erst 1999 wurde der Begriff „Algerienkrieg“ offiziell von der Nationalversammlung gebilligt.[9] Sieben Jahre nach dem Beginn der Kämpfe in Algerien, trafen sich Vertreter aus Frankreich und Algerien zu geheimen Gesprächen in Evian. In Folge dieser Gespräche kam es, 1962 zu einer Unterzeichnung eines Waffenstillstandabkommens. Auf Grund terroristischer Anschläge von französischen Siedlern auf algerische und französische Einrichtungen, sah die französische Regierung sich gezwungen, 800.000 Siedler und 115.000 algerische Juden zurück nach Europa zu holen. Am 1.Juli 1962 wurde Algerien mit 99%iger Zustimmung, durch einen Volksentscheid, unabhängig.[10] Schätzungsweise eine Million Menschen waren in diesem außerordentlich brutalen Krieg ums Leben gekommen.[11] Das Verständnis der gemeinsamen Geschichte ist notwendig, um das Verhältnis Algeriens und Frankreichs in der Gegenwart zu analysieren. Die algerische Bevölkerung entwickelte, durch die extrem repressive Unterdrückung und die offensichtliche Behandlung als minderwertige ethnische Gruppe, insbesondere im Vergleich zu den algerischen Juden, eine enorme Gewaltbereitschaft. Die kolonialistische Gewalt hatte also eine Gegengewalt erzeugt, die sich in punkto Brutalität in nichts nach standen.

3. Beziehungen nach der Kolonialzeit von 1962-2003

In der Zeit nach der Kolonisierung waren die Beziehungen zwischen Frankreich und Algerien vorstellbar schlecht. Zu einer Annäherung kam es durch die Vermittlungsarbeit der Europäischen Union. Bis Ende der sechziger Jahre galt für Algerien ein Sonderstatus, der freien Waren- und Dienstleistungsverkehr zwischen der EG und Algerien ermöglichte.[12]

[...]


[1] Vgl. Ruf, Werner, 1997: Die algerische Tragödie, S.8.

[2] Vgl. http://www.lwg.uni-hannover.de/wiki/Zwischen_zwei_Kolonialreichen:_Algerien_im_19.Jahrhundert (30.12.07).

[3] Vgl. Ruf, a.a.O. (Anm.1): S.12-16.

[4] Vgl. a.a.O. (Anm.2); Stand: (30.12.07).

[5] Vgl. Ruf, a.a.O. (Anm. 1): S.20-23.

[6] Vgl. A.a.O. (Anm.2); Stand: (30.12.07).

[7] Vgl. Ruf, a.a.O. (Anm. 1): S.22.

[8] Vgl. http://www.bundestag.de/cgibin/druck.pl?N=parlament (31.3.08).

[9] Vgl. http://wsws.org/de/2001/mar2001/alge-m28_prn.html (2.01.08).

[10] Vgl. A.a.O. (Anm.8); Stand :(31.12.07).

[11] Vgl. http://www.laender-lexikon.de/Algerien_(Geschichte) (2.01.08).

[12] Vgl. Schumacher, Tobias, 1998: Die Maghreb-Politik der Europäischen Union: S.33-38.

Details

Seiten
12
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640402175
ISBN (Buch)
9783640401963
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130975
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg
Note
Schlagworte
Beziehungen Algeriens Frankreich Vergangenheit Gegenwart

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Titel: Die Beziehungen Algeriens und Frankreich in der Vergangenheit und Gegenwart