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Ökonomische und soziale Globalisierungsprozesse im modernen Spitzenfußball

Ist Fußball ein Gewinner oder Verlierer?

Examensarbeit 2008 60 Seiten

Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung des Fußballs zu einem globalen Phänomen
2.1 Die Ursprünge des modernen Spiels
2.2 Die Rolle der Public Schools
2.3 Die Gründung der Football Association
2.4 Der Sport verlässt England
2.5 Die Geburt der FIFA und die Entstehung eines Weltturniers
2.6 Eine „Welt“meisterschaft?
2.7 Entscheidende strukturelle Änderungen im Weltfußball
2.8 Der Fußball als globales Massenspektakel

3. Globalisierung
3.1 Begriffsklärung
3.2 Die ökonomische Dimension der Globalisierung
3.3 Die kulturelle Dimension der Globalisierung

4. Die ökonomische und soziale Globalisierung des Profifußballs
4.1 Jean-Marc Bosmans unfreiwilliger Beitrag zur Globalisierung des Fußballs
4.1.1 Die Situation vor dem Urteil
4.1.2 Der Fall Bosman
4.2 Die globalisierten Spielermärkte nach Bosman
4.2.1 Die derzeitige Situation in den europäischen Profiligen
4.2.2 Brasilien als Produzent der Ware „Profifußballer“
4.2.3 Die „6+5 Regel" – eine Revolution im Weltfußball?
4.3 Die Nationalmannschaften – Gewinner oder Verlierer der Liberalisierung?
4.4 Der Verein als (transnational agierendes) Wirtschaftsunternehmen: Die globalisierte Fußballwelt
4.5 Einwurf: Die globalisierte Produktion von Fußbällen
4.6 Der Verein: Eine sich verändernde Identität?
4.7 Exkurs: Die globalisierteste Liga der Welt

5. Zusammenfassung und Diskussion

6. Ausblick

7. Bibliographie

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anteil der ausländischen Profis in den wichtigsten europäischen Ligen (Quelle: Welt am Sonntag, 24.02.2008)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Und bei all dem ist Fußball das einzige Sportspiel, das mit Fug und Recht von sich behaupten kann, eine globale Angelegenheit zu sein. (Schulze-Marmeling 2000: 9)

Als längjähriger aktiver Fußballspieler, Trainer und nicht zuletzt kritischer Fußballfan sind mir bei der Verfolgung der Fußballberichterstattung in den Medien folgende Aspekte aufgefallen, die mich zum Verfassen dieser Arbeit motiviert haben:

Das Finale der Weltmeisterschaft 2006 zwischen Italien und Frankreich wird von einem weltweiten Milliardenpublikum auf allen Kontinenten verfolgt; Manchester United verkauft seit Jahren mehr Trikots außerhalb Englands als zuhause; im Champions League-Spiel zwischen Arsenal London und dem FC Liverpool am 02. April 2008 stehen nur zwei Engländer in der Startformation beider Mannschaften; der medien- und werbungswirksame David Beckham wechselt in einem spektakulären Deal in die USA, um dort den Sport aus dem Dornröschenschlaf zu wecken; der FC Bayern München unternimmt während der Saisonvorbereitung im Juli 2005 eine Reise nach Japan, die mit einer Gage von zwei Millionen € für zwei Freundschaftsspiele entlohnt wird (vgl. Finsterbusch 2005: o.S.) und der Hamburger SV verpflichtet mit Naohiro Takahara einen japanischen Stürmer, um die Medienpräsenz des Klubs in Asien zu stärken. Dies alles sind Phänomene, die im Spitzenfußball des 21. Jahrhunderts allgegenwärtig und für die meisten Menschen selbstverständlich sind – und macht unmissverständlich klar, dass es sich bei dieser Sportart um weitaus mehr handelt als nur um ein Spiel.

Als sich am 26. Oktober 1863 Vertreter von verschiedenen Klubs in der Freemasons’ Tavern in London trafen, um über einheitliche Fußballregeln zu debattieren und zusätzlich den ersten Fußballverband der Welt zu gründen, konnte wohl niemand der anwesenden Mitglieder ansatzweise ahnen, dass sich die folgenden Entscheidungen einige Jahrzehnte später auf die ganze Welt auswirken sollten. Noch lange vor solch weltbekannten Marken wie Coca-Cola und McDonald’s trat der Fußball seinen Siegeszug um den Globus an und stellte somit das allererste weltweit boomende „Produkt“ dar. Kein anderer Sport konnte bis heute nur annähernd die Popularität des Fußballs erlangen, in keiner anderen Sportart wird soviel wirtschaftliches Kapital bewegt (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 10) und es ist unwahrscheinlich, dass dies einem anderen Sport in naher Zukunft gelingen wird.

Fußballspiele mit besonderer Bedeutung sind gesellschaftliche Großereignisse. Dies betrifft nicht nur die Spiele der Welt- und Kontinentalmeisterschaften, sondern vor allem auch die geschickt vermarkteten kontinentalen Pokalwettbewerbe auf Vereinsebene, wobei hier die UEFA Champions League eine Ausnahmestellung einnimmt. Durch die Fortschritte im Bereich der Telekommunikation können Menschen auf der ganzen Welt diesen Ereignissen beiwohnen – sei es im ländlichen Brasilien oder in einem Straßencafé in Sydney. Die Welt wird somit zu einem „globalen Dorf“.

Wie die Fußballweltmeisterschaft im Jahre 2006 in Deutschland deutlich gemacht hat, besitzt der Sport die Fähigkeit, die nationalstaatliche Identifikation zu beeinflussen sowie die Qualität, ein außergewöhnliches Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. Besonders dokumentiert wird dies anhand des erfolgreichen Public Viewings, bei dem unzählige Menschen aus aller Welt die Spiele in Deutschland vor gigantischen Videowalls verfolgten und somit selbst Teil des Ereignisses wurden, ohne im Stadion dabei sein zu müssen. So ist gerade eine Fußballweltmeisterschaft ein „Fest der Globalisierung, einer besseren, als wir sie sonst erleben“ (Kurbjuweit 2006: 22). Die Weltmeisterschaft 2006 hat gezeigt, dass der Fußball über das Potenzial verfügt, das Auseinanderdriften der Welt, welches ein Resultat der Globalisierung ist, auf ein Minimum zu beschränken, schließlich nehmen mittlerweile Nationen aller Kontinente am Weltturnier teil. Es ist umso bemerkenswerter, dass die Hegemonie der „großen“ europäischen und südamerikanischen Fußballnationen zwar immer noch nicht durchbrochen werden konnte, aber die oftmals belächelten „kleinen“ Verbände Afrikas oder Asiens mittlerweile im „Konzert der Großen“ bestehen können. Trainer der „großen“ Fußballnationen haben daran einen nicht unerheblichen Anteil, leisten sie doch oft „Entwicklungshilfe“ in afrikanischen Staaten, indem sie das spielerische Potenzial der Spieler durch Systemfußball veredeln.

Dies ist jedoch ein Resultat der Globalisierungsprozesse, die auch für den modernen Fußball charakteristisch sind. Im Jahre 1995 bewirkte das Bosman-Urteil die Öffnung der Spielermärkte und die damit verbundene Aufhebung von Ausländerbeschränkungen[1], so dass sich gewaltige Migrationsströme von Spielern aus aller Welt herauskristallisierten. Dadurch wurden die Mannschaften der europäischen Spitzenligen seit 1995 bunter gemischt; Kritiker sahen in den steigenden Ausländeranteilen der jeweiligen Ligen jedoch eine Gefahr für den eigenen Verband. Letztere fürchteten, dass talentierte Nachwuchsspieler aus dem eigenen Land somit in ihrer Weiterentwicklung erheblich beeinträchtigt würden. Besonders deutlich wurde dies in England 2008, als die Nationalmannschaft in der Qualifikation zur Europameisterschaft scheiterte, was die Nation in eine öffentliche Diskussion um die Qualität des englischen Fußballs versetzte.

So wird sich auch die vorliegende Arbeit neben dem Einfluss der Globalisierung auf die Fußballlandschaft vor allem dem Aspekt der Probleme und Chancen, die sich durch die Globalisierung ergeben, widmen. Zwar ist Globalisierung spätestens seit den 1990er Jahren in aller Munde, jedoch wird der Fußballsport in der Globalisierungsforschung oftmals ignoriert, da er immer noch nur als „bloßes Spiel“ abgestempelt wird. Es soll geklärt werden, inwieweit der Sport unter der Globalisierung leidet oder von ihr profitiert. Hierzu ist es zunächst notwendig, mithilfe eines kurzen historischen Abrisses des Fußballs, den Rahmen für den Hauptteil der Arbeit zu bilden. Nachdem der historische Bogen gespannt wurde, erfolgt eine kurze Begriffsklärung der allgemeinen Globalisierung. Schließlich soll die Analyse der gegenwärtigen ökonomischen und soziokulturellen Globalisierungsprozesse das Fundament für die abschließende Diskussion legen, wobei als Leitfaden folgende Fragen dienen: Läuft der moderne Fußball Gefahr, durch die Kommerzialisierung sein Gesicht zu verlieren? Verlieren die Nationalmannschaften der großen Verbände an Bedeutung, da einheimische Talente als Resultat der globalisierten Spielermärkte von ausländischen Profis verdrängt werden? Inwieweit verändert sich die Identität von Vereinen? Vor diesem Hintergrund ergibt sich eine zentrale Frage, die aufzeigen soll, inwieweit die zu analysierenden Phänomene Einfluss auf den Fußball ausüben: Ist der moderne Spitzenfußball eher Gewinner oder Verlierer der Globalisierung?

2. Die Entwicklung des Fußballs zu einem globalen Phänomen

Wenn ein Spiel rund um den Globus Millionen Menschen mobilisiert, dann hört es auf, nur ein Spiel zu sein. Fußball ist niemals nur Fußball. Fußball zählt zu den großen kulturellen Institutionen, die rund um den Globus nationale Identitäten formten und zementierten. Fußball besitzt die Kapazität und bietet die Bühne, um die kulturelle Identität und Mentalität eines Dorfes, einer Stadt, einer Region, eines Landes oder sogar eines Kontinents zu definieren und zu zelebrieren. (Schulze-Marmeling 2000: 9)

Der Fußballboom des jungen 21. Jahrhunderts lässt sich ohne Rückbetrachtung der historischen Entwicklung, welche der Fußball bis heute durchlaufen hat, kaum erklären. Um die heutige Bedeutung des Spiels und seine globalisierten Verflechtungen zu verstehen, ist es notwendig, diese Zeitspanne zunächst zu skizzieren. Hierbei soll ein besonderer Schwerpunkt auf die Globalität des Fußballs gesetzt werden, wobei die Entwicklung der Fußball-Weltmeisterschaften im Vordergrund stehen wird.

2.1 Die Ursprünge des modernen Spiels

Der heutige moderne Spitzenfußball besitzt eine weitreichende globale Vergangenheit. Obwohl England gemeinhin als „Mutterland des Fußballs“ bezeichnet wird, existierten fußballähnliche Spiele lange vor der eigentlichen Kodifizierung der Regeln im Oktober 1863. Es besteht immer noch Uneinigkeit darüber, welche Nation für sich behaupten kann, das Ursprungsland des Fußballs zu sein. Vieles deutet darauf hin, dass das dem Fußball ähnliche „Tsu-Chu“ bereits im dritten Jahrhundert v. Chr. im heutigen China von Soldaten gespielt wurde (vgl. Honigstein 2006: 17. Zudem nimmt man an, dass frühe Hochkulturen Mittel- und Südamerikas während der Jungsteinzeit im 15. Jahrhundert v. Chr. für die ersten fußballähnlichen Spiele verantwortlich waren (vgl. Giulianotti 1999: 1) und ein ballähnlicher Gegenstand die Sonne symbolisierte, die wiederum als Sinnbild für Fruchtbarkeit stand. Dieses Beispiel verdeutlicht nicht zuletzt den hohen kulturellen Wert des Fußballspiels. Die Verwandtschaft dieser unkontrollierten Spiele zum heutigen Fußball wird jedoch derart stark angezweifelt, so dass China den alleinigen Anspruch besitzt, die älteste Fußballnation zu sein.

In England datieren die Ursprünge des Spiels bis ins 10. Jahrhundert n. Chr. zurück, wo verschiedenste Arten des „Folk Football“ vor allem an Feiertagen gespielt wurden. Es existierten hierbei noch keine einheitlichen Regeln und als Spielort diente oftmals die Fläche zwischen zwei Dörfern oder Städten (vgl. Giulianotti 1999: 3). Es gab auch keine Mannschaften nach dem heutigen Verständnis; das „Spiel“ wurde vielmehr zwischen zwei benachbarten Dörfern ausgetragen. Ziel war es, das Spielgerät auf dem Marktplatz des gegnerischen Dorfes abzulegen. Die Anzahl der teilnehmenden Personen war demnach unbegrenzt, teilweise waren auf beiden Seiten bis zu 1000 Akteure beteiligt (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 12). Verglichen mit dem modernen Spiel des Fußballs war diese Frühform außerordentlich unzivilisiert; Schlägereien und Todesfälle waren keine Seltenheit (vgl. Giulianotti 1999: 2-3). Bereits damals stand der heute so bedeutsame „Derby-Charakter“ im Vordergrund, „der sich allein schon aus den beschränkten Reisemöglichkeiten der damaligen Zeit ergab“ (Schulze-Marmeling 2000: 12).

Die eintretende Industrialisierung in England Mitte des 18. Jahrhunderts bewirkte eine Veränderung der Freizeitaktivitäten der Bevölkerung (vgl. Harvey 2005: 2). Der „Folk Football“ sah sich, vorangetrieben durch die beginnende Urbanisierung, einem massiven Druck ausgesetzt, was schließlich seinen Niedergang bedeuten sollte (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 13), war dieses „Unterklassevergnügen“ (Schulze- Marmeling 2000: 13) doch eine eher dörfliche Angelegenheit. Darüber hinaus war der „Folk Football“ den herrschenden Klassen ein Dorn im Auge, da nicht selten „politischer Radikalismus die Massen ergriff“ (Schulze-Marmeling 2000: 14). Mitte des 19. Jahrhunderts war das „wilde Spiel“ nahezu komplett verschwunden; gepflegt wurde es in organisierter Form fast nur noch von den Pubilc Schools (vgl. Schulze- Marmeling 2000: 16), wo es „keine Bedrohung sozialer Ordnungsprivilegien“ darstellte (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 17). So glitt der Sport schließlich in elitäre Hände bzw. Füße. Es waren diese Einrichtungen, die den entscheidenden Schritt in Richtung institutionalisiertem Fußball gingen (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 17)[2].

2.2 Die Rolle der Public Schools

In den charakteristisch britischen Public Schools wurde der Fußball „seiner gewalttätigsten Momente entledigt“ (Schulze-Marmeling 2000: 17) und besonders namhafte Einrichtungen wie Rugby, Harrow und Eton sollten „bei der Entwicklung zum modernen Sportspiel Fußball eine wichtige Rolle spielen“ (Schulze-Marmeling 2000: 17). Anfang des 19. Jahrhunderts herrschten in den Public Schools keineswegs entspannte Verhältnisse: „[The public schools] had generated into hotbeds of anarchy and incipient revolt with outbreaks of rioting regularly enlivening the curriculum“ (Giulianotti 1999: 3). Um dieser schlechten Stimmung unter den Schülern und Lehrkräften entgegenzuwirken, ließ der 1828 zum Direktor ernannte Dr. Thomas Arnold in Rugby „eine Art von Fußball spielen“ (Honigstein 2006: 19) und revolutionierte somit die Erziehung der wohlhabenden Jugendlichen. Arnold vertrat die Meinung, dass sich sportliche Betätigung positiv auf die Charaktere seiner Schüler auswirke und ihnen somit Werte wie Führungskraft, Loyalität und Disziplin vermittelt würden (vgl. Giulianotti 1999: 3).[3]

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden an allen wichtigen Public Schools Englands fußballähnliche Spiele ausgetragen, die zwar schon nach eigenem Regelwerk durchgeführt wurden, welches jedoch nicht in jeder Institution identisch war. Während in Rugby das Spielen mit Händen und Füßen erlaubt war, verboten beispielsweise Harrow, Eton[4] und Cambridge das Aufnehmen des Spielgeräts mit den Händen (vgl. Giulianotti 1999: 4). Diese Abweichungen brachten ein erhebliches Konfliktpotenzial mit sich, wenn es um Spielansetzungen zweier rivalisierender Schulen mit unterschiedlicher Regelauffassung ging. Die konservative und engstirnige Einstellung der einzelnen Public Schools, sich nicht auf eine der zwei sich herauskristallisierenden Grundströmungen – dem „handling game“ auf der einen sowie dem „kicking game“ auf der anderen Seite – zu einigen, erschwerte die Herausbildung eines von vielen Schülern geforderten Kompromisses (vgl. Harvey 2005: 133). Letzterer wurde unter anderem deswegen verlangt, da unterschiedliche Regelwerke den direkten Vergleich zwischen zwei Schulen unmöglich erscheinen ließen. Die oben erwähnten Schulen blickten oftmals despektierlich aufeinander herab, so dass derartige sportliche Vergleiche unter anderem aus Prestigegründen erstrebenswert waren – schließlich wollte man der „anderen“ Schule beweisen, dass die eigenen Schüler ihr überlegen waren (vgl. Harvey 2005: 133). Schulze-Marmeling argumentiert darüber hinaus, dass nicht nur die eigentlichen Schüler unter der Verschiedenheit der Regelwerke leiden mussten:

Am stärksten bekamen dieses Problem aber die „Ehemaligen“ zu spüren, wenn sie nach Beendigung ihrer Schullaufbahn mit dem Spiel fortfahren wollten. Sie mussten hierzu Gleichgesinnte finden, die dem gleichen Regelwerk frönten. (Schulze-Marmeling 2000: 23)

Die Entwicklung eines universell gültigen Regelwerks schien folglich nur noch eine Frage der Zeit zu sein, um sowohl Spiele zwischen Schulen als auch den seit Mitte des 19. Jahrhunderts aufkeimenden Vereinen[5] zu ermöglichen.

2.3 Die Gründung der Football Association

Animiert durch den Impuls mehrerer Public Schools, ein einheitliches Regelwerk zu schaffen, kam es am 26. Oktober 1863 zu einer Versammlung in der Londoner Freemasons’ Tavern. Delegierte elf Londoner Klubs gründeten an diesem Tag die Football Association (FA), den weltweit ersten nationalen Fußballverband[6] (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 25). Dieses Ereignis wird gemeinhin als Geburtsstunde des modernen Fußballs bezeichnet, da nun die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Institutionalisierung und gleichzeitig Reproduzierung des Sports geschaffen waren. Auf einer weiteren Versammlung des neugegründeten Verbandes am 8. Dezember 1863 wurde schließlich ein einheitliches Regelwerk verabschiedet, welches „das ‚handling’ auf ein Minimum begrenzte und das ‚hacking’ [...] und ‚tripping’ [...] verbot“ (Schulze-Marmeling 2000: 25). Fortan wurde das neu konstituierte Reglement Association Game, kurz Soccer[7], genannt. Die Vertreter der Rugby-Variante, die sowohl das Laufen mit dem Ball sowie das Treten gegen die Beine der Gegenspieler erlaubte, verließen den Verband empört und strebten die Gründung einer eigenen, unabhängigen Organisation an, die nach langen Auseinandersetzungen[8] am 26. Januar 1871 in Form der Rugby Football Union (RFU) ins Leben gerufen wurde (vgl. Harvey 2005: 171). Es war jedoch zunächst die härtere Rugby-Variante, die in England dominierte, während Soccer sich erst im ausklingenden 19. Jahrhundert durchsetzte (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 27). Positiv beeinflusst wurde dies unter anderem durch die attraktiven Pokalwettbewerbe, wie den FA-Cup[9], woran es der Rugby-Variante mangelte. Darüber hinaus stellt Schulze-Marmeling heraus, dass die Überlegenheit des Soccer auf das relativ schlichte Regelwerk zurückzuführen ist:

Kannte Rugby anfangs nicht weniger als 59 Regeln, so begnügte sich Soccer mit 14. Ein Soccer-Spiel war variantenreicher, offener und flüssiger als Rugby, für viele Spieler und Zuschauer somit attraktiver. (Schulze-Marmeling 2000: 27)

Im Zuge der fortschreitenden Urbanisierung und begünstigt durch die industrielle Revolution wurde der Fußball zur hauptsächlichen Freizeitbeschäftigung unter den Arbeitern (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 30) und breitete sich epidemieartig auf die gesamte Fläche Englands aus[10]. Mehrere Faktoren trugen zu dieser Ausbreitung bei, was schlussendlich den Fußball zu einem „Global Player“ machte:

- Der einfache Spielgedanke, Tore zu erzielen und zu verhindern
- Das einfache Regelwerk (Regeln wie Abseits kamen erst später hinzu)
- Jeder ist in der Lage, das Spiel zu spielen
- Material wird kaum benötigt (Ball und beispielsweise Kleidung als Tore genügen)
- Man kann es fast überall spielen, da nur eine freie Fläche zum Spielen benötigt wird

Im Folgenden soll nun beschrieben werden, wie sich der englische Fußball zunächst auf das europäische Festland und schließlich auf den Rest der Welt ausbreitete.

2.4 Der Sport verlässt England

Bevor der Fußball seinen Siegeszug um die Welt antreten konnte, dehnte sich der Sport zunächst innerhalb des Vereinigten Königreichs[11] aus, wobei Schottland den Engländern als erster Verband nachfolgte (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 44). So kam es 1872 auch zum ersten offiziellen Länderspiel der Fußballgeschichte, als sich in Glasgow Schottland und England gegenüberstanden[12]. Die Football Association of Wales (FAW) wurde 1876, die Irish Football Association (IFA)[13] vier Jahre später gegründet.

Der Export des Fußballs in den Rest der Welt wird bei Schulze-Marmeling als Begleiterscheinung des britischen Imperialismus betrachtet. Er begründet dies anhand der Größe des Kolonialreichs, welches ein Drittel des gesamten Weltterritoriums einnahm (vgl. Schulze-Marmeling/Dahlkamp 2004: 12). Giulianotti stimmt diesem zwar zu, betrachtet den Sachverhalt aber etwas differenzierter: „Trade connections, rather than imperial links, were the most propitous outlets“ (Giulianotti 1999: 6). Das heißt jedoch nicht, dass der Fußball in den Außenposten des britischen Empires ignoriert wurde: „It became a staple of the curriculum of colonial schools and a common pastime for occupying troops“ (Giulianotti 1999: 6). So wurde Fußball im kolonisierten Afrika zunächst hauptsächlich von der einheimischen Bevölkerung gespielt, während sich die Besatzer eher dem Cricket hingaben (vgl. Giulianotti 1999: 7). Dies ist ein Beleg für den Fußball als Unterschichtensport, was er auch in Europa jahrzehntelang war. Umso interessanter ist hierbei, wie es der Sport geschafft hat, eine „Weltmarke“ zu werden.

Die von Giulianotti erwähnten Handelsbeziehungen Englands zu anderen europäischen Staaten brachten den Fußball anfangs in die Hafenstädte Europas, wo der Einfluss der Briten besonders groß war; besonders im Mittelmeerraum wurden zahlreiche Vereinsgründungen von dort lebenden Engländern vorgenommen. Kontinentaleuropäer brachten außerdem Fußbälle und Regelbücher von ihren Englandbesuchen mit, fasziniert von dem ihnen zunächst fremd erscheinenden Sport. Noch vor der Gründung der FA wurde das Spiel in den 1860er Jahren an Schweizer Privatschulen, die von englischen Schülern besucht wurden, betrieben (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 48). Hier wurden auch die ersten kontinentaleuropäischen Vereine gegründet (vgl. Giulianotti 1999: 8). Vereinsnamen wie „Grasshoppers Zürich“ weisen noch heute auf die damalige Verbundenheit der Schweizer mit dem englischen Sport hin[14]. Die berühmtesten Vereine mit Schweizer Wurzeln sind der FC Internazionale Milan sowie der FC Barcelona – beide Klubs wurden von Schweizern gegründet. In Skandinavien, vor allem in Dänemark, stellte der Fußball ein Gegengewicht zur nordischen Gymnastik dar. Vorangetrieben wurde dies durch schottische Handwerker, die sich in den Hafenstädten Schwedens, Norwegens und Dänemarks niederließen. Ähnliche Entwicklungen gab es zudem in den Niederlanden, Deutschland und Russland, wo primär englische Schulen zur Popularität des Spiels beitrugen (vgl. Giulianotti 1999: 8).

Die rasante und erfolgreiche Ausbreitung des Fußballs um die Jahrhundertwende liegt nicht zuletzt an den Verbesserungen des Transportwesens. Die industrielle Revolution und das daraus hervorgegangene Dampfschiff hatten zur Folge, dass das englische Spiel zu einer globalen Angelegenheit wurde – und zwar nicht nur in den britischen Kolonien. Englische Handelsverbindungen zu südamerikanischen Städten wie Buenos Aires, Rio de Janeiro oder Montevideo sollten sich als sehr fruchtbar für die Verbreitung des Spiels herausstellen; das erste Spiel zwischen englischen Seefahrern in Sao Paulo fand bereits ein Jahr nach der Gründung der FA statt (vgl. Giulianotti 1999: 8). Insbesondere in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires verhalf die 45.000 Engländer umfassende Diaspora dem Fußball zu einem frühen Boom am Rio de la Plata (vgl. Giulianotti 1999: 8). Noch heute lässt sich der damalige Einfluss der Briten an Vereinsnamen wie „Newell’s Old Boys“ oder „River Plate“ erkennen[15].

Das Fußballspiel verbreitete sich zwar schnell über den Erdball, jedoch mit unterschiedlichen Auswirkungen. Während sich der Sport, wie oben erwähnt, in Europa, Afrika und Lateinamerika großer Beliebtheit erfreute, „waren dem Spiel bei seiner Ausbreitung in den USA und Australien Grenzen gesetzt“ (Schulze- Marmeling/Dahlkamp 2004: 13). Die Vorraussetzungen für die weitere Expansion waren zwar geschaffen, jedoch stellt Giulianotti heraus, dass der kulturelle Druck, eine eigene Sportart und somit eine nationale Tradition zu entwickeln, die Erfolgschancen des Fußballs in Ländern wie den USA, Kanada oder Australien minderte (vgl. Giulianotti 1999: 7). Die Auswirkungen sind vor allem heute in den USA erkennbar, wo der Fußball trotz zahlreicher Versuche, das Spiel zu etablieren, immer noch ein Schattendasein neben den „uramerikanischen“ Sportarten Basketball, Baseball und vor allem American Football fristet und von einem Großteil der Bevölkerung sogar verachtet wird[16]. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage, ob es der Fußball in der heutigen globalisierten Welt schafft, diese Strukturen aufzubrechen. Foer weist darauf hin, dass der Fußball in den USA große Wachstumsraten aufweist, jedoch trifft dies vor allem auf den Jugend- und Frauenbereich zu (vgl. Foer 2004: 237). Ein Großteil der männlichen erwachsenen Bevölkerung meidet den Fußball weiterhin. Ironischerweise haben es – Basketball ausgenommen – diese „uramerikanischen“ Sportarten nicht geschafft, sich einem globalen Publikum zu erschließen.

Die Frühgeschichte des Fußballs in aller Welt hat gezeigt, dass der Sport ohne den sportlichen Imperialismus englischer Arbeiter, Lehrer und Soldaten nicht in dieser Geschwindigkeit zu einem Massenphänomen hätte werden können. Im auslaufenden 19. Jahrhundert wurden unzählige Vereine aus der Taufe gehoben, die alle einem nationalen Verband angehörten. Pokalwettbewerbe gab es zwar auf nationaler Ebene, Ländervergleiche, bei denen es um mehr ging als nur Prestige, sollten noch einige Jahre auf sich warten lassen – unter der Federführung eines weltweiten Dachverbandes.

2.5 Die Geburt der FIFA und die Entstehung eines Weltturniers

Auch wenn England für sich beanspruchen kann, den ersten nationalen Fußballverband gegründet zu haben und an der weltweiten Expansion des Fußballs maßgeblich beteiligt war, so ignorierte man Anfang des 20. Jahrhunderts die Bestrebungen der Mitteleuropäer, internationale Strukturen aufzubauen. Da die Zahl der Ländervergleiche durch die weitere weltweite Ausbreitung des Fußballs rapide anstieg, wurde der Ruf nach einem globalen Dachverband immer lauter. Diese Forderung wurde von den Engländern nicht in Betracht gezogen und so waren es in erster Linie Frankreich und die Niederlande, die an dem Aufbau einer derartigen Organisation arbeiteten. Schließlich gründeten am 21. Mai 1904 Delegierte aus Frankreich, den Niederlanden, Dänemark, Belgien, Spanien, der Schweiz und Schweden in Paris den Weltwerband FIFA (Fédération Internationale de Football Association); somit konstituierte sich der Verband ausschließlich aus europäischen Mitgliedern (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 141). Die britischen Verbände sollten zunächst eine distanzierte, gar ablehnende Haltung gegenüber der FIFA einnehmen, waren sie doch nicht gewillt, „ihren“[17] Sport mit „Ausländern“ zu teilen (vgl. Giulianotti 1999: 25). Das Verhältnis zwischen FIFA und dem Vereinigten Königreich wies fortan ein großes Konfliktpotenzial auf. Zwar traten die vier Landesverbände[18] 1905 und 1911 in die FIFA ein, verließen diese jedoch 1920 gemeinsam, brüskiert aufgrund der Aufnahme Deutschlands, Ungarns und Österreich in den Weltverband (vgl. Giulianotti 1999: 25).

In der Zwischenzeit verfolgte die FIFA mehrere Strategien, eine Weltmeisterschaft ins Leben zu rufen. Bereits zwei Jahre nach ihrer Gründung besaß der Niederländer Hirschmann 1906 konkrete Vorstellungen, ein solches Projekt in die Tat umzusetzen; das Turnier sollte in der Schweiz und nach einem ganz bestimmten Spielplan stattfinden (vgl. Schulze-Marmleing 2000: 154). Die Voraussetzungen für ein wirkliches Weltturnier bedurften jedoch eines verbesserten globalen Transportwesens, welches im Grunde genommen bis in die 1950er Jahre auf sich warten lassen sollte. Weitere Pläne zur Realisierung einer Weltmeisterschaft wurden durch den Ersten Weltkrieg gestoppt. Erst nachdem 1920 Jules Rimet an die Spitze der FIFA gewählt wurde, konkretisierten sich erneute Zielsetzungen, dem Spiel eine globale Bühne zu bereiten. Ein erster Erfolg war die selbständige Organisation des olympischen Fußballturniers im Jahre 1924 in Paris, das sich als wahrer Zuschauermagnet[19] entpuppte (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 155).

Obgleich der Erfolg von 1924 vier Jahre später in Amsterdam wiederholt werden konnte, fühlte sich die FIFA von der Führung des IOC benachteiligt, da das olympische Fußballturnier Monate vor den eigentlichen Spielen ausgetragen wurde. Das weitaus größere Problem war jedoch, dass es aufgrund der fortschreitenden Professionalisierungstendenzen im Fußball zu einer Kollision mit dem olympischen Amateurethos kam, so dass vielen Nationen die Teilnahme ihrer besten Akteure am Turnier verwehrt wurde (vgl. Schulze-Marmeling/Dahlkamp 2004: 26). Letzteres war für die FIFA-Verantwortlichen ausschlaggebend, eine Loslösung des Fußballturniers von den Olympischen Spielen zu realisieren; schließlich beschloss der Weltverband am 28. Mai 1928, ab 1930 alle vier Jahre eine Weltmeisterschaft stattfinden zu lassen. Die größten Ambitionen um die Ausrichtung des ersten Turniers zeigte Uruguay, das auch den Zuschlag erhalten sollte.

2.6 Eine „Welt“meisterschaft?

Das große Problem des ersten Weltturniers unter der Ägide der FIFA war das Desinteresse der europäischen Mitgliedsländer, „die lange und finanziell aufwändige Reise ins ferne Südamerika“ (Schulze-Marmeling/Dahlkamp 2004: 33) aufzunehmen. Dies führte dazu, dass noch zwei Monate vor Beginn des Turniers kein einziger europäischer Teilnehmer feststand. Schließlich gelang es FIFA-Präsident Jules Rimet doch noch, Belgien, Jugoslawien, Rumänien und Frankreich zur Überfahrt nach Südamerika zu bewegen. Von 13 Teilnehmern kamen sieben aus Südamerika, die vier genannten europäischen Nationen sowie zwei Vertreter aus Nord- bzw. Mittelamerika. Von einer Weltmeisterschaft konnte also keine Rede sein – mit Afrika, Asien und Ozeanien fehlten Repräsentanten dreier Kontinente.

Vier Jahre später hieß der Ausrichter des Turniers Italien und erstmals nahm mit Ägypten ein Vertreter des afrikanischen Kontinents teil. Da jedoch zwölf der 16 teilnehmenden Mannschaften aus Europa kamen, ist die Frage berechtigt, ob es sich bei der WM 1934 nicht eher um eine verkappte Europameisterschaft mit außereuropäischen Gästen handelte. Dies sollte sich 1938 in Frankreich wiederholen, wo nur drei der insgesamt 15 Endrundenteilnehmer nichteuropäischen Ursprungs waren[20]. Mit Niederländisch-Indien startete jedoch erstmals ein asiatisches Team (vgl. Schulze-Marmeling/Dahlkamp 2004: 71).

Durch die weltweiten Kriegswirren sollten zwölf Jahre vergehen, ehe Brasilien das Turnier für 1950 zugesprochen bekam. Dies dokumentiert einen Bedeutungszuwachs für den südamerikanischen Fußball innerhalb des Weltverbandes – „Jules Rimet [war somit] der Realisierung seiner Vision von einer globalen Fußballfamilie ein weiteres Stück näher gekommen“ (Schulze- Marmeling/Dahlkamp 2004: 81).

[...]


[1] Der Begriff „Ausländer“ ist in der heutigen Zeit sicher nicht mehr zeitgemäß, soll in dieser Arbeit aber aus Platzgründen durchgängig verwendet werden. Anstelle dessen wäre „Person mit Migrationshintergrund“ politisch korrekter.

[2] Interessant ist hierbei anzumerken, dass es die herrschenden Klassen waren, die sich Jahrhunderte lang gegen das Praktizieren von „Folk Football“ gewehrt haben. Es wurde sogar von mehreren Königen wiederholt verboten. Schließlich setzten sich Mitglieder der Oberschicht in den Public Schools für den Fortbestand des Sports ein.

[3] Arnold verfolgte durch die Einführung der die Persönlichkeit stärkenden Spiele ein weiteres Ziel. Die frühimperialistische Denkweise der zu Beginn des 19. Jahrhunderts Herrschenden sah es vor, mit Hilfe des disziplinierten, physisch leistungsfähigen Nachwuchses den Grundstein für eine spätere Expansion des Britischen Empire zu legen (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 21).

[4] Es gibt unterschiedliche Positionen in der Literatur, ob in Eton der Ball mit der Hand gespielt werden durfte. Schulze-Marmeling geht davon aus, dass Eton 1849 ein Regelwerk veröffentlichte, welches den Verbot des Handspiels vorsah (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 23), während Giulianotti das Gegenteil behauptet (vgl. Giulianotti 1999: 4). Harvey hingegen stellt heraus, dass Eton 1849 eigene Regeln aufstellte, um sich von Schulen wie Rugby zu distanzieren, unter anderem durch das Verbot des Handspiels (vgl. Harvey 2005: 25).

[5] Die ersten Fußballvereine entstanden zunächst im Raum Sheffield, sowie etwas später in London und dessen Peripherie.

[6] Bis heute verzichtet die FA als einziger Landesverband auf eine Landesbezeichnung in ihrem Namen.

[7] Der Begriff Soccer ist eine umgangssprachliche Kurzform des offiziellen Begriffs Association Game, die seinerzeit von Studenten geprägt worden ist (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 24).

[8] Aufgrund der oftmals brutalen Spielweise einigte man sich schließlich darauf, das „hacking“ und das „tripping“ zu verbieten (vgl. Harvey 2005: 170-171).

[9] Der älteste Fußballpokalwettbewerb der Welt wurde erstmals in der Saison 1871/72 ausgespielt.

[10] Die englischen Arbeiter besaßen einen weitaus höheren Lebensstandard als ihre Kollegen auf dem europäischen Festland und konnten unter anderem einen freien Samstagnachmittag durchsetzen, was es ihnen ermöglichte, Fußballspiele zu besuchen (vgl. Brüggemeier 2006: 8).

[11] England, Schottland, Wales und Nordirland stellen die vier ältesten nationalen Fußballverbände der Welt und noch heute besitzt das Vereinigte Königreich die Sonderstellung, dass es im Weltfußball von vier Verbänden repräsentiert wird (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 44).

[12] Dieser Vergleich sollte bis 1990 jährlich stattfinden und zählte für viele Bewohner Großbritanniens zu den Höhepunkten des Fußballkalenders.

[13] Irland gehörte damals noch vollständig zum Vereinigten Königreich, nach der Teilung des Landes 1921 sollte nur noch der Norden unter der heutigen Bezeichnung IFA bekannt sein. Der Fußballverband der Republik Irland, die Football Association of Ireland (FAI), gründete sich ein Jahr nach der Teilung (vgl. Connolly 2004 [1998]: 545).

[14] Interessanterweise entwickelte sich die Schweiz um die Jahrhundertwende zu einem Exporteur von Trainern und Spielern, die es vor allem nach Italien, Frankreich und Spanien zog. Der Einfluss der Schweiz auf diese genannten Länder kann im Vergleich zu England daher als weitaus bedeutsamer betrachtet werden.

[15] Der britische Einfluss auf den argentinischen Fußball war derart groß, dass erst 1912 die erste „Spanisierung“ des Verbandsnamens mit Asociaciòn Argentina de Football (AAF) erfolgte und weitere 22 Jahre vergehen sollten, bis die heutige, komplett spanische Bezeichnung des Fußballverbands Associación del Fútbol Argentino (AFA) in Kraft trat (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 55-56).

[16] Der amerikanische Journalist Franklin Foer behauptet in seinem Buch How Football Explains the World sogar, dass der Hass auf Fußball amerikanischer sei als Apple Pie, einen Pickup zu fahren oder mit der Fernbedienung wahllos durch hunderte von Fernsehkanälen zu zappen (vgl. Foer 2004: 233).

[17] Die Briten argumentierten, dass sie den Fußball erfunden sowie auf dem Globus verbreitet hätten und somit das natürliche Recht besäßen, ihr Spiel zu kontrollieren und mit niemandem teilen zu müssen (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 142).

[18] Dabei handelt es sich, wie oben bereits erwähnt, um England, Wales, Irland und Schottland.

[19] Allein das Finale zwischen dem späteren Sieger Uruguay und der Schweiz wurde von 60.000 Zuschauern verfolgt, was einen neuen Rekord darstellte.

[20] Wie auch 1934 gab es vier Jahre später Streit zwischen der FIFA und den südamerikanischen Verbänden, da Argentinien auf den Wechselrhythmus zwischen Europa und Südamerika bestand und die WM im eigenen Land ausrichten sollte. Nach der Entscheidung der FIFA zuungunsten der Südamerikaner zogen gleich acht lateinamerikanische Verbände ihre Meldung zurück (vgl. Schulze-Marmeling 2000: 160).

Details

Seiten
60
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640365777
ISBN (Buch)
9783640365685
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130960
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1
Schlagworte
Fußball Globalisierung Soziologie Sporthistorie Sportökonomie

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Titel: Ökonomische und soziale Globalisierungsprozesse im  modernen Spitzenfußball