Lade Inhalt...

Die Stadtentwicklung in Addis Abeba. Abfallentsorgung und Stadtreinigung im Kontext Menschlicher Sicherheit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 21 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in die Thematik

2. Das Konzept der „Human Security“
2.1 Die Entwicklung des Sicherheitsbegriffs
2.2 Zwei Varianten des “Human Security” -Konzeptes
2.3 Erweiterung des „Human Security“ -Konzeptes

3. Die Abfallentsorgung und Stadtreinigung in Addis Abeba
3.1 Die universellen Menschenrechte als Ausgangspunkt der Überlegungen
3.2 Die Entwicklung des Abfallmanagements in Addis Abeba
3.3 Die heutige Situation der Abfallproblematik in Addis Abeba
3.4 Zusammensetzung und Entsorgung der Abfälle in Addis Abeba
3.5 Das formelle System der Müllabfuhr und Stadtreinigung in Addis Abeba
3.6 Das informelle System der Müllabfuhr und Stadtreinigung in Addis Abeba
3.7 Die Privatwirtschaft als neuer Akteur bei der Müllabfuhr und Stadtreinigung

4. Die Abfallproblematik in Addis Abeba im Kontext der Menschenrechte

5. Die Abfallproblematik in Addis Abeba im Kontext der „Human Security“

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einführung in die Thematik

Mit der Einführung eines effizienten Abfallmanagements in Deutschland stieg die Lebensqualität und die Städte wurden sauberer. Dies liegt bereits lange zurück. Und heute ist Deutschland eines der fortschrittlichsten Länder weltweit, was die Sammlung, Entsorgung und das Recycling der Siedlungsabfälle betrifft. Und zugleich eines der wenigen Länder weltweit, die diesen Stand erreicht haben.

Betrachtet man viele afrikanische Städte, so fehlt dort beispielsweise eine Abfallentsorgung gänzlich oder ist nur rudimentär vorhanden. Wie wichtig ein funktionierendes Abfallmanagement ist, und welche Folgen es für Mensch und Umwelt hat, wenn dies nicht der Fall ist, soll in dieser Arbeit anhand des Beispiels von Addis Abeba dargelegt werden. Um die ganze Bedeutung eines effektiven Abfallmanagements verstehen zu können, muss man diese Thematik vor dem Hintergrund der im Menschenrechtsbericht des UNDP verankerten universellen Menschenrechte sehen. Darin wird jedem Menschen das Recht auf eine gesunde Umwelt und ein adäquates Wohnumfeld zugesprochen. Alle diese Punkte bilden einen Teilaspekt im Gefüge des Konzeptes der „menschlichen Sicherheit“, worüber diese Arbeit zu Beginn eine Übersicht gibt. Die Entstehung dieses Konzeptes mit seinen heutigen Ausprägungen ist wichtig für das Verständnis der darauf aufbauenden Analyse der Abfallproblematik in Addis Abeba.

In wie weit das Konzept der „menschlichen Sicherheit“ in Addis Abeba umgesetzt ist und in welchem Maße die Menschenrechte bei der Müllentsorgung und Stadtreinigung eine Rolle spielen, soll in dieser Arbeit näher betrachtet werden.

“Man has the fundamental right to freedom, equality and adequate conditions of life, in an environment of a quality that permits a life of dignity and well-being.”

(Artikel 1 der Stockholm Declaration)

2. Das Konzept der „Human Security“

Seit 1994 beschäftigt das Konzept der „Human Security“ die internationale Öffentlichkeit. Das Konzept verbindet sicherheits- und entwicklungspolitische Aspekte und stellt die Sicherheit des Individuums in den Mittelpunkt. Die weltweiten strukturellen Veränderungen der letzten Jahrzehnte haben dazu geführt, dass Bedrohungen anders wahrgenommen werden. So haben die abnehmende staatliche Souveränität vieler Länder und die zunehmenden Globalisierungsprozesse einerseits zur Folge, dass politische Auseinandersetzungen (z. B. Kriege) abnehmen und somit die Frage der nationalen Sicherheit nicht mehr im Vordergrund steht. Andererseits fällt das Augenmerk auf „neue“ Ursachen, die die Sicherheit gefährden können. So stellen heute angesichts der zunehmenden Globalisierung und des starken Bevölkerungswachstums Bedrohungen durch Krankheiten wie HIV/AIDS oder Umweltgefahren eine immer größere Herausforderung für die weltweite Sicherheit dar.

2.1 Die Entwicklung des Sicherheitsbegriffs

Die Entwicklung des Sicherheitsbegriffs lässt sich generell in drei Generationen unterteilen. Wie die Abbildung 1 veranschaulicht, durchlief der Begriff mit jedem Wechsel in die nächste Generation zugleich eine vertikale und eine horizontale Entwicklung. Die horizontale Entwicklung ist gekennzeichnet durch ein breiter werdendes Spektrum an Bedrohungen, während die vertikale Entwicklung die Referenzebene bzw. das Bezugsobjekt (Staat oder Individuum) angibt. Deutlich erkennbar ist die zunehmende Erweiterung des Sicherheitsbegriffs von einer anfänglich rein territorialen Definition über die Einbeziehung von internationalem Recht in der zweiten Generation hin zu einem auf das Individuum bezogenen Sicherheitsgedanken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1:

Die drei Generationen des Sicherheitsbegriffs (Debiel/Werthes 2006/2007, S. 11)

Das „traditionelle“ Sicherheitskonzept entstammt einer seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vorhandenen Wahrnehmung von Bedrohungen, die überwiegend durch die potentielle Gefahr zwischenstaatlicher Konflikte und einer zunehmenden innerstaatlichen Gewalt ausgelöst wurde. Militärische Bedrohungen durch andere Staaten standen bis in die 1980er Jahre im Mittelpunkt der internationalen Sicherheitspolitik (Debiel/Werthes 2006/2007). Die Wahrung der territorialen Sicherheit und der politischen Unabhängigkeit kennzeichneten diese erste Generation des Sicherheitsbegriffs. Während der Zeit des Kalten Krieges und der daraus resultierenden weltweiten Angst vor einem nuklearen Holocaust spielte ebenfalls der Begriff der „globalen Sicherheit“ eine wichtige Rolle.

In den 1970er Jahren begann in vielen Staaten eine erste Veränderung in der Wahrnehmung der Welt. Das Bedrohungsspektrum musste aufgrund neuerer Ereignisse, wie beispielsweise der Ölkrise in den 1970er Jahren, weiter gefasst werden und es entstand das sogenannte „extended security“ -Konzept. Zugleich wuchs das Bewusstsein, dass im Zeitalter der zunehmenden zwischenstaatlichen Wechselbeziehungen die nationale Sicherheit ebenfalls durch nicht-militärische Entwicklungen bedroht werden kann (Nye 1974). Diese, als „common and comprehensive security“ -Konzepte bezeichneten Erkenntnisse führten zu einer Intensivierung der internationalen Beziehungen, um die Sicherheit des eigenen Landes gewährleisten zu können. Zugleich wurde das internationale Recht erweitert. Dennoch blieb der Sicherheitsbegriff noch immer staatszentriert.

Die eigentliche Beschäftigung mit „Human Security“, welche im deutschen Sprachraum oft mit „menschliche Sicherheit“ übersetzt wird, begann jedoch mit dem 1994 erschienenen Human Development Report des UNDP (United Nations Development Programme), wodurch das Konzept international an Prominenz gewann. Das „Human Security“ -Konzept hat somit – im Gegensatz zur Entstehung vieler anderer entwicklungspolitischer Konzepte – seinen Ursprung nicht im akademischen Bereich, sondern in der Politik. Damit wollte man den bis dahin eng definierten und bis dahin staatszentrierten Sicherheitsbegriff erweitern. Wurde früher Sicherheit als Schutz vor Bedrohungen von außen, die etwa durch Kriege und territoriale Konflikte ausgelöst werden konnten, verstanden, so rückte seit dem Ende des Kalten Krieges und der Abkehr von einem territorialen Verständnis von Sicherheit der Mensch ins Zentrum der Betrachtungsweise. Der Sicherheitsbegriff wechselte somit das Bezugsobjekt und hat nun die Sicherheit einzelner Individuen und gesellschaftlichen Gruppen im Blickfeld. Die UNDP stellte in ihrem Bericht sieben Dimensionen der „menschlichen Sicherheit“ vor: die physische Sicherheit, politische Sicherheit, lokale bzw.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://image.slidesharecdn.com/humansecurity-121012065832-phpapp01/95/human-security-8-728.jpg

2.2 Zwei Varianten des “Human Security” -Konzeptes

Der Bericht des UNDP definiert “menschliche Sicherheit” als die Schnittmenge der beiden handlungsstrategischen Pole „freedom from fear“ („Freiheit von Furcht“) und „freedom from want“ („Freiheit von Not“). Beiden Varianten liegen dabei ein unterschiedliches Sicherheitsverständnis zugrunde sowie unterschiedliche Wahrnehmungen von Ursachen und Lösungsstrategien.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Die Spannweite des „Human Security“ –Konzepts (Debiel/Werthes 2006/2007, S. 25)

Das enge Sicherheitsverständnis „freedom from fear“ umfasst den völkerrechtlichen Schutz des Individuums, sowie humanitäre Aspekte. Generell steht hierbei der Schutz des einzelnen Menschen vor physischer Gewalt, wie beispielsweise in Kriegen, im Vordergrund (Debiel/Werthes 2006/2007). Dieses eher reaktive Konzept beinhaltet einerseits eine legalistische Perspektive, die sich mit den grundlegenden Menschenrechten befasst. Dabei spielen unter Anderem das Recht auf Wasser, das Recht auf ein adäquates Wohnumfeld sowie das Recht auf eine saubere und intakte Umwelt eine Rolle. Die humanitäre Seite andererseits widmet sich den Bedrohungen, die durch Umweltgefahren entstehen. Die UNESCO beschreibt den Begriff „Freiheit von Furcht“ als die „Verringerung der Möglichkeit, dass Menschen mit Gewalt und Konflikten konfrontiert werden“.

Das weite Sicherheitsverständnis „freedom from want“ orientiert sich an den Zielen der Entwicklungspolitik und hat den sozioökonomischen Wohlstand aller Menschen zum Ziel. Dieses Konzept ist eher präventiv ausgerichtet und beinhaltet hauptsächlich Aspekte der grundlegenden menschlichen Bedürfnisse, um jedem Einzelnen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Handlungspolitische Herausforderungen dieses Konzeptes sind dabei eine ausreichende medizinische Versorgung, sowie die politische und wirtschaftliche Sicherheit der Menschen. Das UNDP beschreibt in ihrem Menschenrechtsreport von 1994 „freedom from want“ als die „Verringerung sozialer Verwundbarkeit durch Programme zur Armutsbekämpfung“.

2.3 Erweiterung des „Human Security“ -Konzeptes

Als Reaktion auf die Forderung des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan, die Umsetzung der beiden Konzepte „freedom from fear“ und „freedom from want“ voranzutreiben, wurde die Commission on Human Security (CHS) gegründet. Diese steht unter der Leitung von Amartya Sen und Sadako Ogata und soll praktische Handlungsanweisungen im Rahmen der „menschlichen Sicherheit“ erarbeiten. Der Bericht der Kommission aus dem Jahre 2003 betont die Bedeutung der „menschliche Sicherheit“ mit dem Ziel „to protect the vital core of human freedoms and human fulfilment“ (CHS 2003: 4). Zudem wurde neben den beiden Sicherheitsbegriffen „freedom from fear“ und „freedom from want“ mit „freedom to take action in one´s own behalf“ eine neue handlungsorientierte Dimension eingeführt. Dieser zusätzliche, von Amartya Sen geprägte Entwicklungsbegriff konzentriert sich nicht mehr nur auf Wachstumsförderung, sondern hat insbesondere den Abbau von Unfreiheiten zum Ziel, die jedes Individuum in seinen Handlungsmöglichkeiten limitieren. Jeder Mensch soll in seinen „capabilities“ (Verwirklichungschancen) gestärkt werden, auf die er ein grundlegendes Recht hat. Somit wird ihm die Möglichkeit gegeben, sich durch eigenmächtige, selbstverantwortliche und selbstbestimmte Handlungen in Konflikten schützen zu können.

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783668094482
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130950
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Geographisches Institut
Note
1,5
Schlagworte
stadtentwicklung addis abeba abfallentsorgung stadtreinigung kontext menschlicher sicherheit

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Stadtentwicklung in Addis Abeba. Abfallentsorgung und Stadtreinigung im Kontext Menschlicher Sicherheit