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Der Wandel der Geschlechterrolle in Kinderbüchern von den 1950er Jahren bis zur Gegenwart

'Hannelies und Wiltrud' und 'Wehr dich doch, Ivo!' im Vergleich

Hausarbeit 2009 17 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Der Wandel der Geschlechterrollen in Kinderbüchern von den 1950er Jahren bis zur Gegenwart – eine Hinführung

2 Der Wandel der Familienstrukturen und der Erziehung

3 Der Wandel der Lesekultur

4 Die Autorenintention zum Verfassen einer Kinderlektüre

5 Die Geschlechterrolle im Kinderbuch der 1950er Jahre

6 Die Geschlechterrolle im Kinderbuch der Gegenwart

7 Die Ergebnisse des Vergleichs

8 Auswirkungen der geschlechtsspezifischen Rolle in Kinderbüchern auf LeserInnen

9 Auswirkungen der geschlechtsspezifischen Rolle in Kinderbüchern auf die germanistische Literaturdidaktik

10 Schlußbemerkung

11 Literaturverzeichnis
11.1 Primärliteratur
11.2 Sekundärliteratur

1 Der Wandel der Geschlechterrollen in Kinderbüchern von den 1950er Jahren bis zur Gegenwart – eine Hinführung

Seit den 1950er Jahren hat sich die Gesellschaft in Deutschland durch die Globalisierung, die Weiterentwicklung der Welt und die Emanzipation sowohl von Frauen als auch von Männern sehr verändert, einhergehend damit auch die Geschlechterrolle. In dieser Hausarbeit werde ich zunächst den Begriff der Geschlechterrolle genauer definieren, um daraufhin kurz den Wandel der Familienstrukturen und der Erziehung zu untersuchen. Folglich werde ich den Wandel der Lesekultur klären, um dann auf das geschlechtsspezifische Verhalten von Mädchen und Jungen einzugehen. Die Intention des Autors spielt bei Entwicklung der Literatur ebenso eine Rolle, deshalb werde ich auch darauf eingehen. Im Hauptteil werde ich dann zwei Kinderbücher bezüglich des Wandels analysieren, das erste Buch Hannelies und Wiltrud gehört zur Gattung der Jungmädelliteratur, das Zweite mit dem Titel Wehr dich doch, Ivo! ist erst letztes Jahr veröffentlicht worden. Schlussendlich werde ich die Ergebnisse des Vergleichs darstellen und auf die Auswirkung der geschlechtsspezifischen Rolle auf die Leser und Leserinnen und die germanistische Literaturdidaktik erläutern.

Was versteht man unter „Geschlechterrolle“? Um überhaupt eine Analyse der vorliegenden Kinderliteratur vorzunehmen, muss der Begriff zunächst genauer definiert werden. Er ist kulturell determiniert, wobei die ursprünglichen Unterschiede zwischen männlich und weiblich bei jedem Menschen genetisch festgelegt sind. Doch die Gegensätze von Mann und Frau gehen über die biologischen Merkmale hinaus, hin zum von der Gesellschaft erwarteten geschlechtsspezifischen Rollenverhalten (Frei 178). Durch die Sozialisation der Kinder, die ab den ersten Lebensjahren stattfindet, werden die Werte fest im Unterbewußtsein verankert. Der Mensch verhält sich dann gemäß der Rollenerwartung der jeweiligen Kultur (Lin 85). Der Wandel der Geschlechterrolle innerhalb Deutschlands ist durch viele Faktoren bedingt.

2 Der Wandel der Familienstrukturen und der Erziehung

Einer dieser Faktoren ist die veränderte Familienstruktur in der Bundesrepublik Deutschland. Der Trend geht weg von der Großfamilie hin zur Ein- bis Zwei-Kinder-Familie. Auch Patchworkfamilien und Alleinerziehende sind modern. Dementsprechend ändern sich unter anderem auch der Zeitaufwand, der von den Eltern (oder den jeweiligen Betreuungspersonen) für jedes der Kinder aufgebracht wird, sowie die Last der Verantwortung, die auf die Kinder übertragen wird. Mussten die älteren Kinder vor knapp sechzig Jahren noch auf die jüngeren Geschwister acht geben und bereits in jungen Jahren im Haus und auf dem Hof mitarbeiten, so haben die Kinder heutzutage mehr Zeit für sich selbst. Eigentlich können die Eltern sich mehr Zeit für die individuelle Betreuung jedes Kindes nehmen, wenn sie nur eins oder zwei haben, anstatt fünf oder mehr. Allerdings sind sie auch häufig mit ihren eigenen Interessen beschäftigt oder teilweise sogar doppelt berufstätig. Es strömen auch vermehrt Medieneinflüsse auf die Kinder der Gegenwart ein und die Auswahl an Freizeitangeboten hat sich enorm ausgeweitet. Viele erleichtern die Förderung der Talente und die Ausschöpfung von Potentialen. Andererseits führen diese neuartigen Faktoren häufig zu Problemen und Überforderung.

Die Erziehung hat sich im Laufe der Jahre ebenso stark gewandelt wie die Familienstrukturen. Das geschlechtstypische Verhalten entfaltet sich immer als Resultat des „Wechselspiels zwischen Grundausstattung und Umwelt“ (Kloehn 189). Die genetische Veranlagung und körpereigene Faktoren wie Hormone beeinflussen das Verhalten enorm. Andererseits spielt der Druck, der durch Eltern, Schule und Gesellschaft auf die Kinder ausgeübt wird, eine größere Rolle als die gar nicht so weitreichenden Unterschiede des männlichen und weiblichen Körpers. Die Unterscheidung von typisch Junge, typisch Mädchen war in den 50er Jahren noch von großer Bedeutung. Deshalb wurde Wert auf unterschiedliche Kleidung schon vom Säuglingsalter an (Jungen blau, Mädchen rosa) sowie auf getrennt-geschlechtliche Spielzeuge und Freizeitspiele gelegt. Experimente zeigen, dass es Jungen oft peinlich war, zu typischen Mädchenspielzeugen zu greifen (Kloehn 103). Hier wird der sexistische Erziehungsdruck, der von der Gesellschaft auf die Kinder ausgeübt wurde, besonders deutlich. Man hat nichts außer Acht gelassen, um die weitestgehend überlappenden genetischen Grundlagen so geschlechtsspezifisch wie möglich auszubilden und an ihre Extreme zu bringen (Kloehn 209).

Doch die Erziehung entwickelt sich immer mehr in Richtung der Emanzipation beider Geschlechter zur geschlechtsneutralen Erziehung (Kloehn 50, 210). Durch die oben genannte Veränderung der Familiensituation ist es für beide Geschlechter wichtig, möglichst alle Alltagsaufgaben selbstständig zu lösen und dementsprechend nicht mehr typisch männlich oder typisch weiblich zu sein. Sowohl Männer als auch Frauen müssen in der Lage sein, mit technischen Geräten umzugehen, sich im Haushalt zurechtzufinden und den Lebensunterhalt zu bestreiten. Die traditionelle Erziehung ist also nicht mehr notwendig und neue pädagogische Konzepte schlagen eine möglichst geschlechtsneutrale Erziehung vor. Der Verhaltensspielraum wird so am stärksten auf einer gemeinsamen Ebene ausgenutzt, Jungen erfahren auch weibliche Attribute und Mädchen den maskulinen Bereich. Es kommt also zu einer Annäherung des geschlechtsspezifischen Verhaltens und einer „Erweiterung der Verhaltensmöglichkeiten“ (Kloehn 211-212). Das beinhaltet für die Mädchen eine Steigerung des Selbstwertgefühls in jungen Jahren und die Umwandlung von Schwächegefühlen in Stärken. Jungen hingegen sollen nicht mehr zu einem übersteigerten Durchsetzungsvermögen erzogen werden (Kloehn 216, 236). Mädchen sind gegenwärtig keine Püppchen mehr, sind nicht mehr nur für „Heim und Herd“ verantwortlich, sondern stark und offen. Jungen müssen keine Rabauken mehr sein, sondern dürfen ihre gefühlvolle und warmherzige Seite ausleben. Es kommt zu einer Angleichung der Geschlechterdifferenzen. Prominente Beispiele für feminine Männer sind der Fußballstar David Beckham und das Teenie-Idol Bill Kaulitz, Frontsänger der Band Tokio Hotel. Beide haben lange Haare, tragen viel Schmuck, schminken sich und lackieren ihre Nägel.

3 Der Wandel der Lesekultur

Die Lesekultur hat sich zwar gewandelt, aber man kann nicht sagen, dass Bücher und Literatur durch die neuen Medien Fernsehen und Internet verdrängt werden. Je häufiger im Umfeld der Kinder gelesen wird, um so häufiger lesen auch diese (Markert 43). Die europäische Gesellschaft ist so konstruiert, dass sie bestimmte, beliebte Werte anerzieht und andere, möglicherweise auch geschlechtertypische Werte ignoriert oder gar komplett aus der Erziehung verdrängt. Das genetische Erbmaterial legt nur die Grundlage; welche Fähigkeiten und Charakterzüge sich letztendlich ausbilden, wird aber durch die frühkindliche Prägung und Umgebung beeinflusst. Die Identifikation mit den Eltern spielt eine entscheidende Rolle (Plenge 20-21). Wird in der Familie viel gelesen und haben die Eltern Spaß daran, dann entwickeln sich die Kinder, auch Jungen, häufig zu Lesern.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass besonders in der Grundschule das Lesen gefördert wird. Heutzutage gibt es in fast jeder Klasse eine gemütliche Leseecke, die großen Zulauf von den Schülerinnen und Schülern genießt. Hier können diese in Büchern schmökern, wenn sie die gestellten Aufgaben des Unterrichts bereits gelöst haben. Außerdem gibt es häufig Vorlesestunden, in denen jedes Kind in seinem Lieblingsbuch lesen darf und der Lehrer hört jeweils einem Kind für eine gewisse Zeit zu und überprüft so das Lesevermögen. Hierzu werden häufig noch Elternteile eingeladen, die sich ebenfalls von den Kindern vorlesen lassen. Des weiteren wird oftmals in den Frühstückspausen vorgelesen, was den Schülerinnen und Schülern hilft, ihr Vokabular zu erweitern. Die angebotenen Lektüren erstrecken sich über die unterschiedlichsten Arten von Kinderbüchern der Gegenwart. Autoren wie Michael Borlik sind besonders beliebt, denn dieser verfaßt Bücher der Reihe „Nicht wegschauen“, in denen Kindern Möglichkeiten zur Problembewältigung im Alltag aufgezeigt werden. Borlik will es spannend machen, Fragen aufwerfen und zum eigenständigen Nachdenken anregen.

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Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640367702
ISBN (Buch)
9783640368006
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v130748
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Universität Bielefeld
Note
2,0
Schlagworte
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